Prozess: Material

Prozess: Material

Ein Schutz für den Schutz


Ein leerer Raum, eine Sicherheitsglasscheibe und wir - Studierende des Seminars "Material" unter der Leitung von Gastprofessorin Birgit Werres. "Dies ist das Atelier" - wir alle waren sehr erstaunt - ein Atelier, wo wir unsere Arbeiten und all unsere Sachen einfach liegen lassen können, weil kein anderes Seminar in diesem Raum stattfindet - das gibt's doch gar nicht.

Doch!
 
Nur ein Problem: die Scheibe.
Die Scheibe ist vom Denkmalschutz auferlegtes Muss, somit können die Menschen einen Meter tief ins alte Fundament schauen und staunen. Doch diese Scheibe darf nicht beschädigt , oder gar zu Bruch gehen. Das ist schon eine gewisse Einschränkung beim Arbeiten, wenn wir aufpassen müssen, wo wir was ablegen...
 
So hieß es erst:
abdecken! - mit einem Karton- zu wenig Schutz für die Scheibe. Eine Metallplatte- hmm. ja würde gehen - doch halt - das ist nun wirklich nicht besonders schön. Aber die Scheibe muss gesichert werden!
In wechselnden Konstellationen lernten wir die kreative Herangehensweise der Anderen kennen. Aus gefundenem Material wuchs und gedieh stückweise eine Kleingartenzaunskulptur.
Gedanken zu den Themen des Seminars "Material" und "Haut" sind im Symbol der abgrenzenden Schrebergartenidylle, sowie im multimateriellen Zaun, der schützend "Innen" und "Aussen" trennt,

eingewoben.
Zur Vorstellung der Räumlichkeiten und als Angebot einer offenen Kunstplattform luden wir zur Gartenzwergschau ins Atelier.
Ein Möglichkeitsraum des spielerisch-künstlerischen Erforschens und des Austauschens, ohne zwingende Ergebnisorientierung, stellt einen anderen Zugang zur künstlerischen Praxis an der Universität Hildesheim.

Imke Appelt
Rieke Demmer
Linda Kleinhenz
Anne Reinhold
Judith Steinig-Lange
Marijke van den Berg
Cäcilia Wosnitzka

Bildergalerie

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Der Trick der Fakire

ist nicht, dass Sicherheits- und Bleiglas absolut nicht in die Glascontainer gehören – auch nicht, dass trotz hochtechnischer Maschinen mit Sensoren und Kameras es notwendig ist, „echte“ Menschen am Förderband einzusetzen – Maschinen „übersehen“ eben doch noch Keramik, Kunststoff oder Plastik.

Den Trick der Fakire erfährt man ausgerüstet mit Warnwesten, Schutzhelmen und Ohrstöpsel beim Besuch einer Aufbereitungsstätte für Glas und der Erläuterung der Arbeitsschritte „Von der Flasche bis zum Granulat“. Maschinen „pusten“ mit Luftdruck die Fremdstoffe heraus, erkennen Glasfarben mit einer Kamera und sortieren dann nach Farben. Dann werden die Gläser kleingemacht zu einem Haufen Glassplitter. Die Verschlüsse der Gläser werden nach China exportiert und „bringen richtig Geld“. Jeden Tag werden Proben gezogen, um ein Durchschnittsergebnis des Monats festzustellen zur Sicherung Einschmelzstandards.

Doch vor dem Einschmelzen steht der Haufen Glassplitter, das Granulat. In einen solchen Haufen kann man ganz mutig mit der nackten Hand hineingreifen und erklären: „Die Kanten werden bereits mit der Maschine gebrochen, das ist der Trick der Fakire …“

Anne Reinhold
Imke Appelt

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