Politics of Photography

Machtverhältnisse im fotografischen Prozess und ihre Dekonstruktion

Eine Vortragsreihe des Instituts für Bildende Kunst und Kunstwissenschaft der Universität Hildesheim. Konzeption: Prof. Dr. Thomas Lange, Dr. Torsten Scheid

Das fotografische Bild ist Darstellung von Sichtweisen, nicht Tatsachen und Ausdruck von Normierungen, Herrschaft und Ideologie. Die Vortragsreihe fokussiert auf die politische Dimension fotografischer Repräsentation im Rahmen privater und kollektiver Identitätsbildung. Sie widmet sich der Frage, wie es Wissenschaftler*innen und Künstler*innen gelingt, die normativen Setzungen fotografischer Bilder zu durchdringen, ihren Wahrheitsgehalt zu hinterfragen, die Evidenzen des Augenscheins zu dekonstruieren. 

Aufgrund des Infektionsgeschehens finden die Veranstaltungen online statt.
Die Zugänge zu den Videokonferenzen finden Sie unter der jeweiligen Veranstaltung.

Kommende Veranstaltungen


25. Januar 2022

Dr. Katharina Steidl, Akademie der Bildenden Künste Wien

Fotografie – kritische Analyse einer geschlechtskodierten Technik

18:15 Uhr online https://bbb.uni-hildesheim.de/b/tor-t22-j3c

Vortragsinhalte

Was eigentlich ist Fotografie? Wird damit eine Technik, ein Bild oder beides gleichermaßen verhandelt? Umfasst Fotografie ein singuläres technisches Verfahren in unterschiedlichen Ausprägungen, welches seit seiner Erfindung im 19. Jahrhundert wiederholt an technische Neuerungen angepasst und somit konsekutiv verbessert wurde? Bezeichnet der Begriff „Fotografie“ ein lichtchemisch und apparativ erstelltes Bild – und damit gleichermaßen einen objektiven Abzug der Realität? Weshalb gilt die grundsätzliche Vorstellung der Fotografie einen wahrhaftigen „Abdruck“ oder „Spur“ der Realität erzeugen zu können nach wie vor als adäquates Charakteristikum dieser bildgebenden Technik? Wirft man einen Blick auf das 19. Jahrhundert bzw. auf die Zeit der Erfindung von Fotografie, so handelt es sich um eine Vielzahl unterschiedlicher Verfahren, die in erster Linie zu einer historiographischen Monografie des technischen Verfahrens und seiner optischen Möglichkeiten zusammengefasst wurden. So reihte man große Meister und ihre außerordentlichen Erfindungen teleologisch aneinander, um eine Geschichte der Fotografie in Reinform zu erstellen. Damit einhergehend lässt sich vor allem im 19. Jahrhundert ein programmatischer Ausschluss von weiblichen fotografischen Erzeugnissen sowie technischen Innovationen finden, der größtenteils unhinterfragt weitertradiert wurde. Fotogeschichten dieser Zeit wurden in erster Linie an männlich dominierte Werke der Technik- und Heldengeschichte angepasst. Frauen spielten daher in Geschichtsfassungen gemäß ihrer gesellschaftlich attestierten Rolle – wenn überhaupt – nur eine assistierende Rolle. Eine feministisch orientierte Fotografietheorie hingegen ergänzt die bestehende Geschichte der Fotografie nicht nur um vergessene Fotografinnen, sondern stellt die Grundzüge der Geschichtsschreibung von Fotografie kritisch in Frage.


Bisherige Veranstaltungen


16. November 2021 

Prof. Dr. Bettina Gockel, Universität Zürich

Humanität, Klima, Alter – Drei zeitgenössische Paradigmen und die Fotografie

18:15 Uhr online 


30. November 2021

Dr. Torsten Scheid, Universität Hildesheim

Appropriation Art zwischen kultureller Aneignung und künstlerischem Aktivismus

19:00 Uhr  online 


7. Dezember 2021 

Prof. Dr. Verena Krieger, Universität Jena

Tote Tiere in Serie. Zu fotografischen Arbeiten von Robert Kinmont und Richard Misrach

18:15 Uhr  online 


21. Dezember 2021 

Prof. Dr. Katrin Köppert, Universität Bochum

LaToya Ruby Frazier // Zanele Muholi: Visualizing JUSTICE IN the BLACK Anthropocene

18:15 Uhr online 


4. Januar 2022 

Prof. Dr. Stefanie Diekmann, Universität Hildesheim

Lose Formation. Über Katja Stuke und Oliver Sieber, "Paris, 8 Décembre 2018. La Ville Lumière".

18:15 Uhr online


11. Januar 2022 

Prof. Dr. Kerstin Brandes, Universität Bremen

Fotografische Politiken des Widersprüchlichen, Ambivalenten und Unentscheidbaren: Mitra Tabrizians „The Blues“ (1986-87)

18:15 Uhr online


18. Januar 2022

Dr. des. Leena Crasemann, Warburg-Haus Hamburg 

Skin matters? Überlegungen zu historischen wie gegenwärtigen Bilddiskursen über ‚Hautfarbe’ 

18:15 Uhr online