Institut Kulturpolitik

Das Institut für Kulturpolitik vermittelt Wis­sen über kulturpolitische und administrative Strukturen, Kultmananagement-Kompetenzen in Marketing, Finanzierungs- und Veranstaltungsplanung, es vermittelt Kennt­nisse und Handlungskompetenzen in der Kulturvermittlung und kulturellen Bildung als Basis eines Kulturstaates ebenso wie die Fähigkeit über kulturpolitische Inhalte und Ziele zu reflektieren und einen eigenen Standpunkt sowie Qualitätsmaßstäbe als Kulturvermittler zu entwickeln.

Zahlreiche Projekte mit Kulturinstitutionen ermöglichen den Studierenden Erfah­rungswissen und unmittelbare Kontakte in die kulturelle Praxis. So unterhält das Institut beispielsweise eine Website als Diskursplattform aktueller Theaterpolitik (www.theaterpolitik.de) oder die Forschungsplattform kulturvermittlung-online.de und ist wissen­schaftlicher Kooperationspartner der Kul­turstadt Europa Ruhr 2010, der Bundesver­einigung kulturelle Kinder- und Jugendbil­dung e.V., sowie des Goethe-Instituts.

In der engen Verbindung dieses Studienbe­reichs mit den künstlerischen Instituten liegt die Chance eines zugleich kunstadäquaten wie publikumszugewandten Managements. Wer so intensiv in den Künsten studiert hat, wird Kunst nicht durch Management beschränken, sondern dazu beitragen, ihr Potential bestmöglich zu entfalten und vie­len zugänglich zu machen. Und wer an sich selbst den spezifischen Wert ästhetischen Tuns erfahren hat, wird versuchen, diese Qualität in verschiedenen kulturellen Projek­ten weiterzuvermitteln.

Kulturpolitik. Eine Definition.

Bis in die Mitte der 60er Jahre galt Kulturpflege als eine politische Leitvorstellung des westdeutschen Staates. Seither gibt es eine Diskussion um Kulturpolitik als Pflichtaufgabe oder als freiwillige Leistung zur Gestaltung der kulturellen Versorgung durch den Bund, die Länder und die kommunalen Gebietskörperschaften. Grundlage einer öffentlichen Kulturpolitik ist der Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, in dem die Freiheit der Kunst proklamiert wird. Der Staatskultur der Nationalsozialisten wird ein Kulturstaat gegenübergestellt, wie es das Bundesverfassungsgericht allgemein als Staatszielbestimmung definiert hat.

Darauf aufbauend ist das Recht auf Kultur auch in den verschiedenen Länderverfassungen verankert. In Artikel 6 der Niedersächsischen Verfassung heißt es z.B., dass Land, Kreis und Kommune Kultur schützen und fördern. Die sog. Kulturhoheit der Länder schränkt die kulturpolitische Kompetenz des Bundes ein, um einer zentralistischen Politik vorzubeugen und die Pluralität in der Definition, was Kultur ist und wie sie zu fördern sei, zu ermöglichen. Der Kulturföderalismus drückt sich auch in den Größenordnungen aus, die Kulturförderung in Deutschland quantifizieren. 5 % der Ausgaben für Kultur des Bundes stehen 40 % der Länder und sogar 55 % der Kommunen gegenüber.v

Eine weitere rechtliche Grundlage für Kulturpolitik stellt der Artikel 35 des Einigungsvertrages der Bundesrepublik Deutschland mit der Deutschen Demokratischen Republik aus 1990 dar. Dort wird festgeschrieben, dass die kulturelle Substanz in den neuen Bundesländern keinen Schaden nehmen dürfe und sich das vereinte Deutschland neben seinem politischen Gewicht und seiner wirtschaftlichen Leistungskraft auch seiner Bedeutung als Kulturstaat verpflichtet fühlen muss. Mit dem Maastrichter Vertrag der Europäischen Union (EU) von 1992 wird die Kulturpolitik in Europa erstmals beschrieben. Artikel 128 konstatiert, dass die EU auch einen Beitrag zur Entfaltung der Kultur in den Mitgliedstaaten unter Wahrung ihrer nationalen und regionalen Vielfalt sowie gleichzeitiger Hervorhebung des gemeinsamen kulturellen Erbes zu leisten hat.

Kulturpolitik in Deutschland ist in erster Linie Kommunalpolitik. Rahmenbedingungen setzen die Kulturausschüsse der Kommunen und der Länder sowie in zunehmendem Maße auch die Künstler und Kulturschaffenden mit ihrer Lobbytätigkeit. Der Deutsche Kulturrat arbeitet als Dachverband von mehr als 200 Bundesverbänden und versteht sich als kulturpolitisches Forum der Kunst- und Medienberufe, der Kulturwirtschaft, der Kunstwissenschaft, der kulturellen Bildung und der Kulturvermittlungen. In Zeiten rigider Mittelkürzungen der öffentlichen Hand ist diese Eigeninitiative von besonderer Bedeutung. Auf Bundesebene wird die Kulturpolitik seit 1998 in einem Bundestagsausschuss für Kultur und Medien diskutiert und zur Beschlussfassung im Plenum vorbereitet, um durch den Bundesbeauftragten für Angelegenheiten der Kultur und der Medien im Bundeskanzleramt umgesetzt zu werden

Aus: Metzler Lexikon Kultur der Gegenwart, herausgegeben von Ralf Schnell, Stuttgart 2000