7. Workshop der SDG-Graduate School „Performing Sustainability“ an der University of Cape Coast, Ghana

Montag, 16. März 2020 um 20:00 Uhr

Vom 01. bis 14. März 2020 fand an der University of Cape Coast in Ghana der 7. Workshop der SDG-Graduate School „Performing Sustainability“ statt. DoktorandInnen und Masterstudierende der University of Cape Coast (Ghana), University of Maiduguri (Nigeria) sowie der Universität Hildesheim präsentierten und diskutierten ihre Forschungsthemen. Eingeladen waren zudem Dozierende aus Ghana, Nigeria und Deutschland, welche vielfältige, interaktive Sitzungen in den Bereichen der Kulturpolitik, der Kulturellen Nachhaltigkeit, der Friedens- und Konfliktforschung sowie des Wissenschaftlichen Arbeitens abhielten.

Foto: Meike Lettau

Foto: Meike Lettau

Von Laura Wenzlaff

Die SDG-Graduate School „Performing Sustainability. Cultures and Development in West Africa“ ist ein interdisziplinäres Wissenschaftsnetzwerk für DoktorandInnen und Masterstudierende der Universität Maiduguri (Nigeria), der Universität Cape Coast (Ghana) und der Universität Hildesheim (Deutschland). Ihren Schwerpunkt legt sie auf innovative Forschung, welche Ansätze der Performance, der Künste und der Kultur vereint, um zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen. Diese basiert dabei auf den im Jahre 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung – die Sustainable Development Goals (SDG). Im Sinne einer globalen Partnerschaft sollen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer ihren Beitrag zur Erreichung dieser Ziele leisten.

Bereits seit 2007 kooperiert die nigerianische Universität mit der University of Cape Coast in Ghana und dem Center for World Music der Universität Hildesheim. Im Dezember 2016 wurde dann das Graduiertenkolleg eröffnet, um wissenschaftliche Arbeiten zur Rolle von Kunst in der Völkerverständigung und bei der Konfliktbewältigung voranzutreiben. Das Graduiertenkolleg beschäftigt sich mit der gesellschaftlichen Wirkung von Kunst und Kultur in unsicheren Zeiten. Die Forschungsergebnisse sollen Wege zu mehr sozialem Zusammenhalt und Frieden in den westafrikanischen Gesellschaften aufzeigen.

Unterstützt und gefördert wird die SDG-Graduate School durch das DAAD-Programm Bilaterale SDG-Graduiertenkollegs mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Der persönliche Austausch ist ein fester Bestandteil des Programms. So reisen die DoktorandInnen der Universitäten aus Ghana und Nigeria für mehrere Monate nach Hildesheim oder deutsche Studierende nach Afrika, um gemeinsam zu forschen. Außerdem finden halbjährlich zweiwöchige Workshops statt: im Herbst in Nigeria und im Frühjahr in Ghana, so wie der kürzlich ausgerichtete Workshop in Cape Coast Anfang März 2020.

Aufteilen ließ sich dieser dabei in zwei Einheiten. In der ersten Woche stand neben der Präsentation der Forschungsthesen vor allem inhaltlicher Input auf der Tagesordnung. Die zweite Woche beinhaltete unter anderem ein Methodentraining zum wissenschaftlichen Arbeiten.

In dem Workshop „Introduction to Cultural Sustainability“ von Prof. Raimund Vogels (Direktor des Center for World Music) setzten sich die Studierenden mit dem Thema auseinander, welche Rolle die Kultur in nachhaltigen Entwicklungen einnimmt und in welchem Verhältnis diese zu den Dimensionen der Ökologie, der Ökonomie sowie des Sozialen steht. Thematisch knüpfte der Workshop „Culture and Cultural Policy“ von Prof. Julius Heinicke (Institut für Kulturpolitik; Stiftung Universität Hildesheim) daran an. So erarbeiteten die Studierenden, welchen Stellenwert die Kultur in ihrer Gesellschaft hat und welche Aufgaben sich daraus für die lokale Kulturpolitik ergeben. Interessante Diskussionen kamen auf, da die Studierenden aufgrund individueller Erfahrungen sowie Sozialisationen den Kulturbegriff unterschiedlich auffassten und definierten. Während sich der Kulturbegriff im europäischen Raum umgangssprachlich eher als Oberbegriff der Künste durchsetzte, verbanden viele der Studierenden aus Ghana und Nigeria die Kultur mit dem Sozialen, also den alltäglichen Lebensweisen sowie dem menschlichen Miteinander.

Wie anfangs beschrieben liegt der Schwerpunkt der SDG-Graduate School auf Friedens- und Konfliktforschung. So hielt Dr. Joseph Wilson (Department for Mass Communication; University of Maiduguri) einen Workshop zu „Media and Conflict Reporting“ und Prof. Susanne Buckley-Zistel (Center for Conflict Studies; Universität Marburg) insgesamt drei Sitzungen zu „Conflict Studies“. Letztere fokussierte sich insbesondere auf die Analyse von Konfliktsituation unter Berücksichtigung der verschiedenen Akteure und Perspektiven. Angewendet wurde dieses neuerlangte Wissen schließlich zur Analyse von Konflikten in ihren Heimatländern wie zum Beispiel die Anschläge der Terrororganisation Boko Haram, welche vor allem im Norden Nigerias wütet.

Besonders aufregend für die StipendiatInnen war die Vorstellung ihrer eigenen Forschungsthesen, welche sie erstmals vor Anderen präsentierten. Anschließend gaben die anderen Studierenden und Dozierenden Feedback sowie Kritik zu den aufgestellten Forschungsfragen, Methoden etc.

Die zweite Woche füllte sich hauptsächlich mit den beiden Workshops „Qualitative/ Ethnographic Methods and Cultural Analysis“ von Prof. Florian Carl (Department of Music and Dance, Faculty of Arts; University of Cape Coast) und „Academic Writing and Time Management“ von Dr. Sabine Brendel (Unabhängige Dozentin; Deutschland). Praktische Anwendungen des Methodentrainings von Florian Carl fanden die Studierenden in der Analyse verschiedener Musikvideos von bekannteren Afro-Pop Musikern aus Ghana und Nigeria. Die Songtexte sowie Videos thematisierten u.a. die Bedeutung als auch die Gefahren von Social Media, den Stellenwert von Glaube und Religion in der heutigen Zeit sowie die Migration aus ruralen in urbane Gebiete als Folge von Arbeitslosigkeit. Zum Ende des Workshops stiegen die Studierenden in eine noch intensivere Arbeitsphase ein. Dr. Sabine Brendel gestaltete ihren Workshop mit zahlreichen und kreativen Schreibübungen, um die Hemmungen vor dem Anfang des Schreibens einer wissenschaftlichen Arbeit abzubauen. Schließlich erstellte jede/r je nach Stand und Anforderung ihrer Forschung einen individuellen Zeit- und Arbeitsplan, der verdeutlichen sollte, welche Schritte während des Schreibprozesses durchlaufen werden.

Am letzten Tag des Workshops gab Litey James Gumah einen Einblick in seine Tätigkeiten als Xylophon-Bauer. Um die Spielweise sowie den Aufbau dieses traditionell ghanaischen Instrumentes zu veranschaulichen, demontierte er ein eigens von ihm gebautes Xylophon.

Aber auch außerhalb des Seminarraumes wurde diverses Programm aufgestellt. Zur Feier des Unabhängigkeitstages Ghana am 6. März veranstaltete die Universität Cape Coast ein Musikkonzert mit Live Acts von modernen Afro-Beats bis hin zu traditionellen Trommelrhythmen, welches die Teilnehmenden des Workshops besuchten. Um auch die Gegend außerhalb des Campus zu erkunden, unternahmen die Studierenden am Wochenende eine Exkursion zum Elmina Castle – eine aus dem 15. Jahrhundert stammende portugiesische Festung, die lange Zeit dem Sklavenhandel diente. Außerdem wanderten sie durch den Kakum National Park – einer der bekanntesten Parks in Ghana mit einem immergrünen tropischen Regenwald.

 

Quellen

Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD) (2018). Referat Hochschulstrukturförderung in der Entwicklungszusammenarbeit: „Aufbauen, Gestalten, Wirken – Bilaterale SDG-Graduiertenkollegs (Building, Shaping, Realising – Bilateral SDG-Graduate Schools)“ Internetquelle: https://www2.daad.de/medien/der-daad/medien-publikationen/publikationen-pdfs/2018_sdg_graduiertenkolleg_p31.pdf

 

Weiterführende Links

„Performing Sustainability. Cultures and Development in West Africa“: https://www.uni-hildesheim.de/sustainability/

 


Foto: Meike Lettau