Künste


Künstlerische Praxis als genuiner Bestandteil des Studiums

Der Hildesheimer Ansatz von Kulturvermittlung misst den Künsten eine zentrale Bedeutung zu. Sie werden als Schlüssel für kulturelle und gesellschaftliche Teilhabe begriffen, weil sie das Potential bieten, neue Perspektiven aufzuzeigen jenseits von Zweckrationalismus und weil sie individuelle Gestaltungsfähigkeit freisetzen können. Auf Augenhöhe der Kunst wird Vermittlung als eine komplexe ästhetische und kreativ gestaltende Praxis verstanden. Darum beinhaltet der Master Kulturvermittlung sowohl ein praktisches Studieren in den Künsten wie auch die Integration ästhetischer Mittel und ein künstlerisches Denken und Handeln auch in den anderen Fächern.

Im Studium können Sie wählen zwischen den Künsten

  • Theater
  • Musik
  • Literatur
  • Bildende Kunst
  • Medien/Film
  • Populäre Kultur

Die theoretisch wie praktische Auseinandersetzung mit den Künsten zielt auf einen experimentellen Umgang mit ästhetischen Praktiken, die über die wissenschaftliche Reflexion an den Diskurs der Kulturwissenschaften rückgebunden werden.

 

Theater und Theatervermittlung

Seit den 1990er Jahren hat sich der Beruf TheaterpädagogIn an den deutschen Stadt- und Staatstheatern dynamisch entwickelt und ist heute als Berufsstand am Theater fest verankert. Den Beruf der/ des TheaterpädagogIn kennzeichnet eine besondere Breite des Berufsfeldes. Die Tätigkeiten von TheaterpädagogInnen sind (1) produktionsorientiert, sofern sie zum Theater machen anleiten und sie sind (2) rezeptionsorientiert, sofern sie Publikum für Theater gewinnen und qualifizieren. Formate, Ziele und zugrunde liegende Theaterbegriffe der Vermittlung von Theater sind überaus vielfältig, doch seit den 1990er Jahren überwiegend einem Konzept ästhetischer Bildung verpflichtet. Theatervermittlung am Theater bewegt sich im Spektrum zwischen Lektionen in kunsterzieherischer Tradition und partizipativer Kunstpraxis  in Laboren zur Erforschung des Theaters.


Dieser Breite theaterpädagogischer Praxis trägt der Hildesheimer Studiengang Rechnung, indem kein normatives Konzept der Theatervermittlung gelehrt, sondern theoretische und historische Prämissen von Theaterkonzepten und ihrer Vermittlung reflektiert werden. In Lehre und Forschung des Fachteils Theater am Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur der Universität Hildesheim werden

  • zeitgenössisches Theater und Performancekunst analysiert,
  • Probenprozesse historisch und theoretisch reflektiert,
  • aktuelle Entwicklungen des Theaters für junges Publikum untersucht sowie
  • theaterwissenschaftliche Theorien und Kategorien für die kulturwissenschaftliche Analyse gesellschaftlicher und politischer Vorgänge angewandt.

Diese umfassende theoretische Beschäftigung mit und künstlerisch-praktische Erprobung von Theater in seinen vielfältigen Ausprägungen ist an der Universität Hildesheim auch grundlegend für eine (theater-)theoretisch fundierte Reflexion und Entwicklung von Konzepten der Theatervermittlung; denn eine Vermittlung von Theater setzt nach dem hier vertretenen Ansatz bei der Kenntnis, Erfahrung und Reflexion von Theater an. Eine in diesem Sinne historisch und kulturell verortete Vermittlung von Theater kann eine institutionskritische und experimentelle Auseinandersetzung mit Theater anregen, die grundsätzlich alle, auch theaterfernen Bevölkerungsteilen, zur Teilhabe am Theater einlädt.

 

Kunst und Kunstvermittlung

Die  kulturpolitischen Untersuchungen werden im Bereich der Kunst und Kunstwissenschaft durch die Erforschung künstlerischer Werke, Ausdrucksformen und Strategien ergänzt sowie durch die Untersuchung der Strukturen und Funktionen des Kunstsystems. Die Auseinandersetzung mit Kunst findet immer unter Berücksichtigung ihres gesellschaftlichen Kontextes statt und ist damit eng mit Themen der Kulturpolitik, der Kulturvermittlung und des Kulturmanagement verbunden. Die Verzahnung künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung im Bereich der Bildenden Kunst dient unter anderem dazu, die gesellschaftliche und kulturpolitische Relevanz von Kunst zum Ausdruck und in Erfahrung zu bringen. Aktuelle Diskurse und Formen der Kunstvermittlung sowie ihre experimentelle Erforschung knüpfen direkt an den Bereich der Kulturpolitik und der Kulturvermittlung an. Die Auseinandersetzungen mit den Formen und Techniken künstlerischer Inszenierung bezieht immer auch kunst- und kulturpolitische Fragestellungen mit ein.