Forschung


Analyse, Konzeption und Umsetzung von Kulturformaten

Auf der Grundlage von kulturpolitischen , kunst- und  kulturwissenschaftlichen Fragestellungen sowie auf Basis bereits vorhandener Ergebnisse der Kulturforschung werden bestehende Konzeptionen und Formate von Kulturvermittlung analysiert, eigene Konzepte erstellt und erprobt, Projekte für Forschung und Evaluation erarbeitet und umgesetzt.

 

Ein eigenes Forschungsprojekt

Im Mittelpunkt des Studiengangs steht ein eigenes Forschungsprojekt zur Kunst- und Kulturvermittlung, das die Studierenden alleine oder im Team entwickeln und das die verschiedenen Dimensionen von Kulturvermittlung berücksichtigt.

Die  Arbeit an einem theoretisch-praktischen Forschungsprojekt, an dem das selbständige Forschen erlernt werden soll ist somit das Kernstück des Masterstudiums. Die Arbeit an diesen Forschungsprojekten nimmt ungefähr ein Drittel der gesamten Studienzeit ein. Ziel ist es, den Studierenden die Ausbildung eines eigenen Interessengebiets zu ermöglichen, das intensiv studiert und vertieft werden kann. Die Lehrveranstaltungen des Curriculums sowie die Projektbetreuung im engeren Sinn dienen dazu, die Herausbildung eines solchen individuellen Profils zu unterstützen und methodisch und fachlich abzusichern und so die Kompetenz zu einer kritischen Kulturvermittlung auszubilden bzw. auf ein anschließendes Promotionsvorhaben vorzubereiten.

Thema
Die Themen der Forschungsprojekte bestimmen die Studierenden jeweils selbst und skizzieren ihr Vorhaben in einer vorläufigen Projektskizze, die auch Gegenstand des Auswahlgesprächs ist. Während des Studiums werden die Studierende in allen Phasen und Aspekten des Arbeitsprozesses intensiv betreut. So lernen die Studierenden, das eigene Interesse im Sinne einer wissenschaftlichen Fragestellung zu formulieren, eine entsprechende Untersuchung bzw. ein Forschungsvorhaben zu konzipieren, den Stand der wissenschaftlichen Forschung im Feld der eigenen Fragestellung zu recherchieren, aufzuarbeiten und sich darin zu positionieren. Sie lernen verschiedene methodische Vorgehensweisen kennen und werden in die Lage versetzt, geeignete Methoden für die eigene Fragestellung anwenden und ihre Stärken und Schwächen bzw. ihren Einfluss auf die späteren Ergebnisse reflektieren zu können. Im Falle empirischer Arbeiten werden die Studierenden mit Fragen der qualitativen und quantitativen Methoden vertraut gemacht und im gesamten Prozess der Durchführung einer Studie begleitet.

Kulturvermittlung ist nach dem Hildesheimer Verständnis nicht etwas, das zu den künstlerischen Produkten nachträglich hinzutritt, sondern muss aus den künstlerischen Prozessen heraus gedacht werden. Die Betreuung der Forschungsprojekte erfolgt daher zur einen Hälfte aus dem Institut für Kulturpolitik und zur anderen Hälfte in dem künstlerisch-wissenschaftlichen Fach, das die Studierenden als Schwerpunktfach gewählt haben (Bildende Kunst, Literatur, Medien/Populäre Kultur, Musik, Theater)

Entsprechend den Schwerpunktsetzungen im Institut für Kulturpolitik werden die Forschungsprojekte drei Arbeitsbereichen zugeordnet:

  • nationale und internationale Kulturpolitik
  • Kulturmarketing und Kulturnutzerforschung
  • Kulturelle Bildung

Betreuung
Die Dozierenden bieten Kolloquien an, in denen die Forschungsprojekte der Studierenden gemeinsam vorgestellt, diskutiert und weiterentwickelt werden (Semester 2-4). Im 1. Semester erfolgt für alle Studierende des ersten Semesters – also noch nicht nach Forschungsprojekten differenziert – ein einführendes Kolloquium, in dem grundlegende (insbesondere methodische) Kompetenzen und Kenntnisse vermittelt werden.

Die LeiterInnen der Kolloquien sind zugleich die persönlichen MentorInnen für die Studierenden und begleiten die Studierenden über die Kolloquien hinaus in Sprechstunden und stehen für Studienberatung, Betreuung der MA-Arbeit etc. zur Verfügung.

Die Betreuung der Projekte in den künstlerisch-wissenschaftlichen Schwerpunktfächern erfolgt ebenfalls in Form von Kolloquien. Hier werden die Forschungsfragen aus den kulturwissenschaftlichen Perspektiven heraus diskutiert und auf die jeweiligen Theorien, Methoden sowie systematische und historische Aspekte bezogen.
Beispiele für bislang angenommene Projektskizzen sind:

  • Events als Strategie der Kulturvermittlung in Museen? Eine Befragung von Besuchern verschiedener Events von Museen
  • Die Wirkungen der Aktivitäten der „Kulturagenten“ im Rahmen des bundesweiten Modellprojekts der Bundeskulturstiftung auf das kulturelle Interesse von Schülerinnen und Schülern am Beispiel von drei Hamburger Schulen, die an dem Projekt teilnehmen
  • Theaterpädagogische Workshops für Schülerinnen und Schüler als Mittel des Audience Development?
  • Tanz als interkulturelles Kommunikationsmedium. Eine Untersuchung eines binationalen Tanztheaterprojekts mit deutschen und französischen Schülerinnen und Schülern
  • Nachhaltige Kulturentwicklung der Region durch „Ruhr 2010 Kulturhauptstadt Europas“. Welche neuen Initiativen haben sich entwickelt, was ist geblieben? Eine Untersuchung am Beispiel der Städte Essen und Bottrop
  • Kulturelle Bildung durch das Web 2.0? Eine Analyse der Machart und der Wirkungsweisen von Kultur-Websites für die Zielgruppe Kinder
  • Kultur und Entwicklung als neue Programmatik der Auswärtigen Kulturpolitik. Eine Untersuchung des Fortbildungsprogramms des Goethe-Instituts für Filmemacher in Afrika
  • Rahmenbedingungen des künstlerischen Koproduzierens im Theater
  • Implementierungsstrategien und Netzwerkprozesse im Kontext der UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen
  • Kulturvermittlung im Städtetourismus. Eine Untersuchung am Beispiel neuer, künstlerisch-inszenierter Stadtführungsformate.

Die hier aufgelisteten Projektskizzen mögen als Orientierungshilfen dienen, weitere Themen und Fragestellungen sind selbstverständlich erwünscht.

 

Fundiertes Wissen über Methoden und Ansätze der Kulturforschung

Während des Studiums werden Grundlagen verschiedener Zugänge der Kulturforschung vermittelt. Ausgehend von einem interdisziplinären Ansatz werden hermeneutische, künstlerische und empirische Methoden diskutiert und auf das eigene Projekt angewendet.

 

Forschungsplattformen

Mit der Einrichtung und Pflege der Forschungsplattform kulturvermittlung-online.de durch das Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim agiert der Studiengang zugleich als Förderer und Vernetzer von empirischer Forschung in den verschiedenen Bereichen der Kulturvermittlung im deutschsprachigen Raum insgesamt.

Das Institut ist Mitbegründer des 2010 entstandenen bundesweiten Netzwerkes Forschung Kulturelle Bildung und ist Sitz der Koordinationsstelle des Netzwerkes. Das Netzwerk hat sich zum Ziel gesetzt

  1. gegenstandsangemessene Methoden für die (Wirkungs-)Forschung in der Kulturellen Bildung (weiter) zu entwickeln
  2. einen lebendigen Wissenstransfer in die Praxis Kultureller Bildung anzuregen und
  3. sich besonders um die Nachwuchsförderung (Dissertationen) im Bereich der Kulturellen Bildung zu kümmern.

Seit 2013 ist das Institut für Kulturpolitik zusammen mit der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel (ba) sowie der Akademie Remscheid Träger der Wissensplattform kubi-online. Das Projekt entwickelt das 2012 erschienene Handbuch Kulturelle Bildung weiter und wird vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

Darüber hinaus hat 2012 die Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen, die UNESCO in Paris, dem Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim und dem Inhaber des einzigen universitären Lehrstuhls für Kulturpolitik in Deutschland den UNESCO-Chair in „Cultural Policy for the Arts in Development“ verliehen. Dieser Forschungsschwerpunkt befasst sich mit Fragen des kulturpolitischen Handelns zwischen den Künsten, gesellschaftspolitischen Prozessen und im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit.

Ganz im Verständnis des Hildesheimer Ansatzes der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis geht es um gesellschaftliche Entwicklungsprozesse innerhalb und durch die Künste. Es geht um Fragen zu kulturellen Infrastrukturen und zur internationalen Zusammenarbeit und was dies generell, was speziell im Bereich der Künste, der Kulturvermittlung und kulturellen Bildung und der Kulturförderung, heißen kann und muss.
Als eine universitäre Forschungseinrichtung suchen wir die Nähe zu den Akteuren des kulturpolitischen Handelns und der künstlerischen Praxis.

Als UNESCO-Chair widmet sich schwerpunktmäßig folgenden fünf Themengebieten:

  1. Die Rolle des Künstlers in gesellschaftlichen und politischen Transformationsprozessen
  2. Der Einfluss von Kulturpolitik auf die Veränderung von Regierungsstrukturen
  3. Konzepte und Bedarfe für Kulturelle Bildung in Afrika sowie in weiteren Entwicklungs- und Schwellenländern
  4. Strukturbildung von Ausbildungsprogrammen im Bereich Kulturpolitik und Kulturmanagement
  5. Die Umsetzung der UNESCO-Konvention zur Vielfalt kultureller Ausdrucksformen

Unsere Aktivitäten befassen sich mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, sie sollen den Diskurs über kulturpolitische Strukturen und die Bedingungen für lebendige Kulturlandschaften und internationalen Kulturaustausch pflegen. Weitere Informationen zum UNESCO-Chair unter: www.kulturundentwicklung.de