Kulturvermittlung ist ...


Wir haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach deren ganz persönlichem Verhältnis zum Master der Kulturvermittlung gefragt. Lesen Sie hier die Statements und lernen Sie Ihre zukünftigen Dozentinnen und Dozenten kennen!

Prof. Dr. Wolfgang Schneider

Kulturpolitik und Kulturvermittlung

„Kulturpolitik ist die gesellschaftliche Selbstverständigung, welche Rolle Kunst und Kultur zur Entwicklung des Zusammenlebens spielen sollen. Kulturvermittlung ist für mich in diesem Zusammenhang das Fundament für künstlerische und kulturelle Teilhabe. Kulturpolitik für Kulturvermittlung muss deshalb Gewähr bieten, von Anfang an ein Leben lang für alle Menschen Zugänge im Sinne kultureller Bildung zu ermöglichen, kulturelle Phänomene im demografischen Wandel immer wieder neu zu gestalten und in einer globalisierten Welt den Kulturaustausch auf vielfältige Art und Weise zu fördern. Ich persönlich schätze dabei die Wechselbeziehungen zwischen lokaler Verankerung und Weltläufigkeit; deshalb betrachte ich in meinen Kulturpolitikforschungen ebenso kommunale Herausforderungen einer kulturellen Daseinsvorsorge wie die Rahmenbedingungen für internationale künstlerische Kooperationen. Leiten lasse ich mich von der Philosophie des Walter Benjamin: „Es ist von jeher eine der wichtigsten Aufgaben der Kunst gewesen, eine Nachfrage zu erzeugen, für deren volle Befriedigung die Stunde noch nicht gekommen ist.“ Nachzulesen sind solcherart kulturpolitische Interventionen unter anderem in den von mir herausgegebenen Publikationen „Kulturelle Bildung braucht Kulturpolitik. Hilmar Hoffmanns ‚Kultur für alle‘ reloaded“ (Hildesheim 2010); „Kulturpolitik für Kinder. Eine Studie zum Recht auf ästhetische Erfahrung und künstlerische Praxis“ (München 2010); „Theater und Migration. Herausforderungen für Kulturpolitik und Theaterpraxis“ (Bielefeld 2010).“

Prof. Dr. Wolfgang Schneider ist ordentlicher Universitätsprofessor für Kulturpolitik, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Kulturpolitik und Inhaber des UNESCO Chairs „Cultural Policy for the Arts in Development“

Prof. Dr. Birgit Mandel

Kulturmanagement und Kulturvermittlung

„Im Master Kulturvermittlung kommen viele Aspekte meiner wissenschaftlichen Beschäftigung mit den noch jungen Disziplinen des Kulturmanagements, der Kulturvermittlung und der Kulturpolitik zusammen und verbinden sich unter Bezugnahme auf die Künste zu etwas fruchtbarem Neuem.

Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit den unterschiedlichen Dimensionen von Kulturmanagement, Kulturmarketing, Kultur-PR, Kulturpolitik, Kulturpädagogik, Kulturelle Bildung und Kunstvermittlung. Als ich im Rahmen meiner Habilitation darüber nachdachte, was eigentlich den „roten Faden“ meiner bisherigen wissenschaftlichen Arbeit ebenso wie meiner berufspraktischen Erfahrungen ausmacht, wurde mir klar, dass sich alles unter dem Begriff von Kulturvermittlung zusammenführen lässt und dass es das ist, was mich antreibt:

Wie lässt sich auf den verschiedenen Ebenen und mit den unterschiedlichen Strategien und Formaten daran arbeiten, dass Kunst und Kultur für breite Gruppen der Gesellschaft, über die mehrheitlich hochgebildeten   Eliten hinaus, Relevanz erhalten? Wie kann Kunst in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft  über den Kultursektor hinaus Wirkung entfalten? Wie gelingt es, mit Kunst und Kultur Kommunikation und Gemeinschaft zu stiften, wie gelingt es, dass aus Kunst gesellschaftliche Werte entstehen?

Dieses Anliegen ebenso wie dieser weite Begriff von Kulturvermittlung sind auch Grundlage des Masters Kulturvermittlung, in dem es darum geht, Kulturvermittlung politisch, kulturpädagogisch und kulturmanagerial weiter voran zu bringen durch wissenschaftliche Studien zu den verschiedenen Dimensionen von Kulturvermittlung und  durch eigene Gestaltung neuer Formen von Kulturvermittlung.“  

Eine ausführliche Darstellung der verschiedenen Dimensionen von Kulturvermittlung in ihrem Zusammenspiel finden Sie in:

  • Mandel, Birgit (Hg.): Audience Development, Kulturmanagement, Kulturelle Bildung. Konzeptionen und Handlungsfelder der Kulturvermittlung. München 2008 sowie in
  • Mandel, Birgit (Hg.): Kulturvermittlung. Zwischen kultureller Bildung  und Kulturmarketing. Eine Profession mit Zukunft. Bielefeld 2005

Prof. Dr. Birgit Mandel ist Professorin am Institut für Kulturpolitik sowie zuständig für den Arbeitsbereich Kulturmanagement und Kulturvermittlung.

Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand

Kulturelle Bildung und Kulturvermittlung

„Kulturelle Bildung, als wissenschaftliche Disziplin noch wenig etabliert und entwickelt, bedeutet für mich, immer besser und differenzierter zu verstehen, wie die Bildungsbiografie eines Menschen mit dem, was wir in der ganzen Breite des Begriffes „Kultur“ nennen, verknüpft ist. In Bezug auf die ästhetische und die künstlerische Bildung, welche dem Begriff der Kulturellen Bildung inhärent sind, interessieren mich die Wirkungen der Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Künsten. Was passiert bei der Rezeption und Produktion von Musik mit den Akteuren? Wie laufen Bildungsprozesse in der Beschäftigung mit Tanz oder in der Theaterarbeit statt? Was heißt Kulturelle Bildung für Kindergartenkinder und was bedeutet Kulturelle Bildung für das Dritte Lebensalter? Was sind aktuelle Herausforderungen Kultureller Bildung im 21. Jahrhundert?

Des Weiteren wissen wir noch zu wenig über die Qualitätsmerkmale von Kulturvermittlung und Kultureller Bildung. Was müssen Kulturvermittler können, um gute und erfolgreiche Arbeit zu leisten, d.h. Menschen für Kultur und die Künste zu begeistern? Was ist gelungene Kulturelle Bildung? Kulturelle Bildung ist das Fundament der Kulturlandschaft von morgen. Deswegen braucht Kulturelle Bildung Kulturpolitik! Strukturen und Modelle für eine nachhaltige und breite Kulturelle Bildungsarbeit müssen erforscht, etabliert und politisch verankert werden – ein Forschungsfeld in Bewegung, in Theorie und Praxis – das reizt mich an der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Kultureller Bildung!“

Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss ist Professorin für Kulturelle Bildung am Institut für Kulturpolitik, darüber hinaus Direktorin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung, Wolfenbüttel.

Dr. Daniel Gad

Internationale Kulturpolitikforschung und Kulturvermittlung

„Als wissenschaftlicher Mitarbeiter für internationale Kulturpolitik und Geschäftsführer des UNESCO Chairs "Cultural Policy for the Arts in Development" interessieren mich insbesondere die Verbindungen zwischen den Künsten, der Rolle von Kulturschaffenden, der Funktion von kultureller Bildung und gesellschaftlichen Transformationsprozessen und den dafür notwendigen kulturellen Infrastrukturen.

Im Mittelpunkt des Masters Kulturvermittlung steht ein eigenes Forschungsprojekt. Die internationale Kulturpolitik bietet darin ein interessantes Feld für kleine Forschungsprojekte. Dabei kann es um folgende Fragen gehen:

  • Inwiefern wirkt Kulturpolitik für die Vielfalt kultureller Ausdrucksformen als Motor von Prozessen für eine nachhaltige Gesellschaftsentwicklung?
  • Welche spezifische Aufgabe kommt demnach kultureller Bildung im Kontext von Entwicklungszusammenarbeit zu?
  • Welche Rolle spielen Künstler und Kulturvermittler in diesem Handlungsfeld? Inwiefern fungieren diese als Change-Agents oder als Seismographen bei gesellschaftlichen Wandlungsprozessen?
  • Welche weiteren Erkenntnisse müssen zu den spezifischen Eigenarten von künstlerischer Arbeit als prozessorientiert versus ergebnisorientierte Maßnahmen der Entwicklungszusammenarbeit und deren gegenseitigen Wechselbeziehungen gesammelt und analysiert werden?“

 

Dr. Daniel Gad ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturpolitik und Geschäftsführer des UNESCO Chair „Cultural Policy for the Arts in Development“.

Dr. Tobias Fink

Kulturvermittlung als Schnittstelle zwischen Kunst und Pädagogik

"Meine 'Kulturvermittlungs-Sozialisation' fand im Kinderzirkus Pumpernudl statt, als Mitarbeiter in einem Kinderzirkus, der in den Sommermonaten durch die Parks in München zieht und dort spontan und kostenfrei mit allen Kids, die sowieso im Park sind und Lust haben, eine Aufführung probt und zeigt. Später habe ich dann im Kinder- und Jugendmuseum München gearbeitet und mich dann auch theoretisch mit Kultureller Bildung, Kulturvermittlung und Kulturpädagogik beschäftigt – am intensivsten in meiner Dissertation über die Bildungsmöglichkeiten von Theater- und Tanzprojekten und in meiner Ausbildung zum Theaterpädagogen.

Mich interessiert vor allem die Schnittstelle zwischen Kunst und Pädagogik: Welche Potentiale besitzen die Künste, um die Entwicklung von Menschen, Gruppen und Gesellschaften zu befördern? Und daran anschließend: Wie verhindert man aber eine pädagogische Instrumentalisierung der Künste?

Der Master Kulturvermittlung hier in Hildesheim ist für mich ein spannendes und tolles Arbeitsfeld, weil er sowohl die praktische als auch die theoretische Beschäftigung mit den Künsten ermöglicht – für die Studierenden und auch die Lehrenden."

Dr. Tobias Fink ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturpolitik und zuständig für die Koordination des Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung (www.forschung-kulturelle-bildung.de)

Julia Krettek

Médiation Culturelle und Kulturvermittlung

Im deutsch-französischen Doppelmasterstudiengang kann man sich der Kulturvermittlung mit dem komplementären Studium der Médiation Culturelle de l'Art an der Université Aix/Marseille in Frankreich verbinden, damit noch mehr Einblicke in unterschiedliche Strategien und Konzepte erhalten und dabei zwei Abschlüsse auf einmal erwerben.

Seit 2013 kann diese Forschung zu Fragen der Kulturvermittlung im Kontext Deutschland, Frankreich, Mittelmeerraum auch im Rahmen eines Promotionskollegs fortgeführt werden.

Julia Krettek ist Programmbeauftragte für den deutsch-französischen Doppelstudiengang.

Dr. Thomas Renz

Empirische Kulturforschung und Kulturvermittlung

„Als wissenschaftlicher Mitarbeiter für Kulturmanagement und empirische Kulturforschung interessiere ich mich vor allem für die Frage, wie Kulturvermittlung erforscht werden kann. Im Mittelpunkt des Masters der Kulturvermittlung steht ein eigenes Forschungsprojekt. Die empirische Kulturforschung bietet dabei zahlreiche Methoden, wie diese Projekte ablaufen können.

Jahrhunderte lang wurden immer wieder neue Überlegungen angestellt, was Kunst und Kultur leisten solle und was sie dann bei den Menschen bewirkt. Dazu hat sicherlich jeder etwas zu sagen. Um nicht noch mehr Spekulationen dazu aufzustellen finde ich es spannend, die Wirklichkeit zu untersuchen. Empirische Kulturforschung bedient sich der Methoden der empirischen Sozialforschung und dadurch können Besucher, Nutzer, Rezipienten oder Gäste in ihrem realen Verhalten beobachtet, sowie ihre Meinungen und Einstellungen erfragt werden.

Was bewirkt ein Workshop im Museum mit bei den jugendlichen Teilnehmern? Wie wurde eine kulturpolitische Maßnahme zur Steigerung der Besucherzahlen in den Kulturinstitutionen umgesetzt? Was erwarten Menschen, die seit langer Zeit wieder ein Theater betreten von diesem Erlebnis?

Eine besondere Chance sehe ich im neuen Master in der Möglichkeit, mit künstlerischen Disziplinen zusammenzuarbeiten, um diese ursprünglich in den Sozialwissenschaften entstandenen Methoden um ästhetische und kreative Impulse zu erweitern und damit die aktuelle Methodenentwicklung in der Kulturforschung zu bereichern.

Die Auseinandersetzung mit den Methoden der Kulturforschung bringt darüber hinaus einen tollen Mehrwert: Die Analyse der bestehenden Forschungsergebnisse über Kulturnutzer, deren Verhalten und Einstellungen führt zwangsläufig zu einem detailreichen Wissen über das Kulturpublikum. Mit diesen Kenntnissen ist eine wunderbare Grundlage für erfolgreiche adressatenorientierte Kulturvermittlung in der späteren Berufspraxis geschaffen.“

Thomas Renz
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturpolitik sowie Dozent für Kulturmanagement und empirische Kulturforschung.

Julia Speckmann

Kulturvermittlung und Arbeitsmarkt Kultur

„Als ich damals mein eigenes Doppelstudium in Hildesheim und Marseille begann, hatte ich gerade ein Grundstudium der Kunstgeschichte und der Bildenden Kunst absolviert. Dabei hatte sich meine Liebe zu Kunst und Kultur zwar gefestigt, gleichzeitig war mir aber auch bewusst geworden, dass ich es noch spannender finde, andere in ihrer Begegnung mit Kunstwerken zu begleiten –  das Doppelstudium sowie Praktika in entsprechenden Institutionen konnten dies nur bestätigen.
Seit Studienabschluss arbeite ich freiberuflich als Kunstvermittlerin. Diese eigene Tätigkeit, aber auch die Möglichkeit, in universitären Forschungsprojekten andere Kulturschaffende und KünstlerInnen in ihrer kulturvermittelnden Praxis zu begleiten, hat mir sowohl vertiefende Einblicke in die Inhalte als auch in die Rahmenbedingungen von Kulturvermittlung gegeben.

Als Praktikumsbeauftragte des Fachbereichs frage ich mich ganz konkret: Wie sieht der Arbeitsmarkt Kultur im Detail aus? Welche Arbeitsfelder stehen AbsolventInnen aus Hildesheim offen, auf welche Arbeitsbedingungen muss man sich einstellen? Welche Kompetenzen braucht man als KulturvermittlerIn? Und daher nicht zuletzt: Wie können wir die Studierenden gut auf den Übergang in den Job vorbereiten?
Ob in der einfachen oder in der deutsch-französischen Variante halte ich den Master für eine optimale Vorbereitung auf das Berufsfeld Kulturvermittlung.“

Julia Speckmann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturpolitik sowie Beauftragte für den Studienbereich Praktikum und das Arbeitsfeld Kultur.

Nina Stoffers

Kulturelle Bildung ist Kulturvermittlung!

„Fragen nach der Diversität Kultureller Bildung, nach dem Spektrum der Vielfalt, aber auch nach den kulturpolitischen Implikationen dieses Schlagworts interessieren mich besonders. Und einhergehend damit: Wie steht es eigentlich um die Chancengerechtigkeit, um Teilhabe und Benachteiligung im Feld Kunst und Kultur?

Mich prägten meine eigene musikalische Praxis und die kulturelle Bildungsarbeit mit jungen Menschen. Wichtig war dabei, dass ich mich selbst ausprobieren, aktiv und kreativ werden konnte, um im besten Sinne selbst-tätig zu sein. Die Verbindung von künstlerischer und pädagogischer Auseinandersetzung mit sich und der Welt verfolgte ich im Doppeldiplomstudium der Kulturwissenschaften in Hildesheim und Aix/Marseille und in meiner Dissertation zur kulturellen Teilhabe von Kindern und Jugendlichen der Roma.

Der Master Kulturvermittlung überwindet für mich - insbesondere durch das Forschungsprojekt! - die Theorie-Praxis-Dichotomie und lässt dadurch genug Raum für eigene Ideen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir Dinge, die wir selbsttätig entdecken und untersuchen, nicht nur besser verstehen, sondern daraus auch Schlüsse und Gestaltungswillen ziehen können, die im besten Falle nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch das anderer prägen und bereichern.“

Nina Stoffers ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturpolitik und Dozentin für Kulturelle Bildung mit dem Schwerpunkt „Diversity“.