Kulturvermittlung studieren

In der Verschränkung von eigener künstlerischer Praxis mit kunst- und kulturwissenschaftlichen sowie kulturpolitischen und kulturorganisatorischen Inhalten befähigen die Hildesheimer Studiengänge ihre Absolvent*innen zum Analysieren, Konzipieren, Initiieren, Organisieren und Vermitteln kultureller Prozesse.

Die im Studiengang dominierende Form der Projektarbeit mit „Ernstfallcharakter“ im Rahmen eines eigenen Projektsemesters sowie verpflichtende Praktika in unterschiedlichen kulturellen Einrichtungen sorgen für einen hohen Praxisbezug. Die Kooperation mit über 1500 Kultur-Institutionen deutschlandweit und im Ausland gewährleistet dabei vielfältige berufsspezifische Einblicke und Kontakte zu den Akteuren kultureller Praxis.

Der Zugang zum Studium ist geregelt durch eine künstlerische Eignungsprüfung in einer der als Hauptfach zu wählenden Kunstbereiche Theater, Literatur, Film, Medien und Populäre Kultur, Bildende Kunst oder Musik.

Bewerbungsschluss für die Annahme im Masterstudiengang Kulturvermittlung für das WS 2020/21 ist der 1.5. 2020 (Weitere Angaben finden Sie hier).

 

Breites Verständnis von Kulturvermittlung

Dem Studiengang liegt ein breites Verständnis von Kulturvermittlung zugrunde, das nicht nur die Vermittlung zwischen künstlerischer Produktion und Rezeption umfasst, sondern die Gestaltung kultureller Kontexte einschließlich kulturpolitischer Rahmenbedingen wie die Anregung zu kulturellen Selbstbildungsprozessen.

Dabei lassen sich das u.a. folgende Funktionen und Ziele unterscheiden:

  • Kulturpolitik: Entwicklung und Reflexion von kultur- und gesellschaftspolitischen Strukturen und Rahmenbedingungen, mit denen das kulturelle Leben gesteuert und Teilhabe ermöglicht wird

  • Vermittlung der Künste: Entwicklung eines Kunstverständnis und der Wertschätzung für bestimmte Kunstformen durch Vermittlung von Fach-/Hintergrundwissen/Codes der Rezeption

  • Kulturmarketing, PR und Audience Development: Erhöhung der Aufmerksamkeit und Nachfrage für Kunst und Kultur; Steuerung der Images von Kunst und Kultureinrichtungen; Gewinnung von mehr oder anderem Publikum

  • Vermittlung künstlerischer Techniken und Kompetenzen: Förderung von künstlerisch-ästhetisches Gestaltungsvermögen

  • Kulturelle Bildung: Selbstbildungsprozess in Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur, bei dem ästhetische Differenzerfahrungen emotional, sinnlich erlebt und bewusst reflektiert werden und zur Erweiterung eigener Perspektiven führen

  • Kulturpädagogik Professionelle Anregung dieser Selbstbildungsprozesse und Förderung kultureller Ausdrucksmöglichkeiten im Sinne von Empowerment

 

Wachsender Stellenwert von Kulturvermittlung

Kulturvermittlung hat in den vergangenen Jahren nicht nur innerhalb der Kulturinstitutionen, sondern darüber hinaus im Bildungssektor, in sozial-gesellschaftlichen Bereichen ebenso wie in Wirtschaftsunternehmen stark an Bedeutung gewonnen.

Nicht nur im Zuge der Ganztagsschule entstanden in den letzten Jahren viele neue Kooperationsprojekte zwischen Kultur- und Bildungseinrichtungen. Auch in den eher traditionellen Kulturinstitutionen haben Museumsvermittlung, Theaterpädagogik oder Konzertvermittlung deutlich finanzielle und personelle Aufwertung erfahren. Vielerorts sind spannende neue Vermittlungsformate und partizipative Projekte entstanden, in denen neue Besuchergruppen Kulturprogramme aktiv mitgestalten können, darunter auch indirekte Formate im Bereich des Aufmerksamkeitsmanagements. Aufgrund des zunehmenden kulturellen Wandels stellen sich der Kulturvermittlung ebenso neue Aufgaben in postkolonialen und divers-/transkulturellen Kontexten und schaffen innovative Arbeitsfelder.

Auch außerhalb des Kultursektors hat die Vermittlungsarbeit mit künstlerischen Mitteln inzwischen etwa in vielen privaten Unternehmen Eingang gefunden, z.B. in die Weiterbildung von Auszubildenden.

Kulturpolitik spielt eine entscheidende Rolle in der Vorgabe von Zielen und der Gestaltung von Rahmenbedingungen für Kulturvermittlung und kulturelle Bildung, die kulturelle Teilhabe erhöhen können.

Die Studierenden beschäftigen sich im Institut für Kulturpolitik sowohl mit den unterschiedlichen Ansätzen von Kulturvermittlung und Kultureller Bildung wie auch mit diesen kulturpolitischen Steuerungsprozessen,mit Wechselbeziehungen von Kulturpolitik zu anderen Politikbereichen wie Jugend und Soziales. Auch im internationalen Vergleich wird analysiert, wie sich bestimmte Policy-Konzepte auf die Kulturlandschaft und insbesondere den Stellenwert von Kulturvermittlung auswirken.

Kulturvermittlerinnen und Kulturvermittler spielen als Moderatoren zwischen künstlerischer Produktion und Rezeption sowie zwischen Kunstsektor und anderen gesellschaftlichen Bereichen eine zentrale Rolle. Sie sorgen dafür, dass Kunst ihr gesellschaftliches Potential entfalten kann.

 

Kulturvermittlung in internationalen Kontexten

Kulturvermittlung spielt eine wichtige Rolle innerhalb internationalen Beziehungen. Die UNESCO Convention on the Protection and the Promotion of the Diversity of Cultural Expressions aus dem Jahre 2005 wirft Fragen der Kulturvermittlung auf und weist deren Akteur*innen wichtige Aufgabenfelder zu, denen sich auch das Institut für Kulturpolitik und das Team des UNESCO-Chairs in Kooperationen mit dem Goethe-Institut und dem Institut für Auslandsbeziehungen stellen.

 

Langjährige Erfahrung in der Qualifizierung für Kulturvermittlung

Die Hildesheimer kulturwissenschaftlichen Studiengänge (1978 als Diplomstudiengang Kulturpädagogik entstanden, seit 2009/2010 auf Bachelor und Master umgestellt) haben seit vier Jahrzehnten Erfahrungen in der professionellen Qualifizierung von Kulturvermittler*innen und ein breites Netzwerk an Absolvent*innen deutschlandweit in relevanten Einrichtungen. Der  Masterstudiengang Kulturvermittlung knüpft  an diese Erfahrungen an und trägt dazu bei, die Forschungsaktivitäten für die noch relativ junge Wissenschaftsdisziplin zu intensivieren und die Entwicklung innovativer Formate für die Praxis der Kulturvermittlung voranzutreiben.

Nach wie vor einzigartig in Deutschland ist der Hildesheimer Ansatz, in den Künsten für die Kulturvermittlung im weitesten Sinne zu qualifizieren.

Vermittlung bezeichnet sowohl Tätigkeiten in direkter Anbindung an künstlerische Institutionen etwa in der Bereichen Dramaturgie, Kuratieren, Lektorieren wie auch kulturmanageriale Tätigkeiten z.B. in den Bereichen Kulturmarketing oder Festivalmanagement bis zu kulturpädagogischen Tätigkeiten in unterschiedlichen Feldern der kulturellen Bildung wie z.B. in der Theater- oder Konzertpädagogik, in Jugendkunstschulen oder Soziokulturelle Zentren.