Erlebnisbericht

Sprache, Kunst und Kultur als Brücke und als Hindernis

Montag, 30. Oktober 2017 um 21:29 Uhr

Cosima, 2015-2016 in Marseille, reflektiert ihre Erfahrungen: Was bedeutet es, in einer Sprache fremd zu sein?

Dass das Erlernen der Landessprache in einem fremden Land wesentlicher Bestandteil von Teilhabe und Integration ist, steht außer Frage. Im Rahmen der Debatte um eine Willkommenskultur in Deutschland und in allen Diskussionen um Integration und Inklusion steht die Bedeutung des Erwerbs der Landessprache außer Frage. Doch was bedeutet es in einer Sprache fremd zu sein?

Ich kann mich beteiligen, verstehe das Meiste und vor allem das Wichtige. Ich kann mithalten und mitschwimmen, aber wenig voran treiben. Immer wieder komme ich an den Punkt, wo ich abschalte, wo meine Ohren hören, aber mein Kopf nicht mehr denkt! Was für eine schöne Sprache, so melodiös und voll! Irgendwo fühlt man sich gefangen in sich selbst, in seinen Gedanken. Der eigene Intellekt eingesperrt in einer Sprache, die hier fremd ist.

Vor allem in der Gruppe habe ich hier die Erfahrung gemacht, dass es schwierig ist sich mitzuteilen. Und das sowohl inhaltlich als auch zwischenmenschlich. Es ist viel schwieriger den richtigen Moment abzupassen, um etwas zum Thema beizutragen. Oft sind es doch nur Nuancen, die wichtig sind und die man als Nicht-Muttersprachler lange und mühsam beobachten und erlernen muss. Die Sprache scheint mich oder doch zumindest mein Erscheinungsbild zu verändern. Wie ich mich mitteile, was ich zu sagen habe und wie ich auf andere Menschen reagiere ist nun mal wesentlich für einen Umgang miteinander und für die gegenseitige Wahrnehmung.

Auf der anderen Seite stellen diese Probleme nur die Schattenseite eines noch viel größeren Gewinnes dar. Mit dem Erlernen einer neuen Sprache, lernt man zugleich neu zu denken. Die Sprache ist ein Fundament, auf dass unsere Gesellschaft und unser Umgang miteinander aufbaut. Eine andere Sprache lässt völlig neue Gedanken und Freiheiten zu.

Schön ist es auch, die Erfahrung zu machen, dass die Kunst die Menschen immer wieder zusammen bringt. Hier habe ich ein kleines Orchester gefunden und ein Atelier Balkan. Zwar kann auch die Musik eine andere Sprache sprechen, zum Beispiel sind sämtliche Bezeichnungen für die Noten komplett verschieden. Beim Spielen jedoch bleibe ich ‚Ich‘, mit meinem Können und mit meiner Leidenschaft für die Musik. Die Sprache brauche ich hier ausnahmsweise nicht.