Internationales Seminar der Tokio University of Foreign Studies

Wenn die nahe Ferne und die ferne Nähe zusammenkommen.

Ein Rückblick auf ein Internationales Seminar der Tokyo University for Foreign Studies an der Universität Hildesheim

Für drei Tage bildete sich eine internationale Gemeinschaft auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim und in den Köpfen aller Teilnehmenden. Das Internationale Seminar „Kultur im Spiegel der Wissenschaften“ stellte an sein Programm den Anspruch, neue Erkenntnisse aus den Bereichen der Kulturwissenschaften durch ein vielfältiges Themenspektrum und durch divergierende Forschungsansätze zusammen zu tragen, miteinander zu verknüpfen, zu diskutieren und zu kritisieren.

Der übergreifende Titel der gemeinsamen Veranstaltungen zwischen der Tokyo University of Foreign Studies und der Universität Hildesheim benennt prägnant die drei wesentlichen Punkte des Austausches: die Kultur oder die aufeinander prallenden Kulturen in einem gegenseitigen Spiegel zu betrachten und auf diese Art Neues zu entdecken, ist nicht nur ein immer relevanter Ansatz in Zeiten globalisierter Forschungsarbeiten, sondern zugleich ein philosophisches Instrument der gegenseitigen Betrachtung und Wahrnehmung. Die japanischen und italienischen Gäste mit ihrem Blickwinkel auf die deutsche und europäische Kultur bzw. auf die ausgewählten kulturellen Aspekte und Phänomene konnten so durch ihre forschende Nähe und zugleich persönliche, kulturell bedingte Ferne neue Herangehensweisen aufzeigen, die unserer reflektierten Wahrnehmung des eigenen Kulturkreises aufgrund der persönlichen Verquickungen vermutlich entgangen wären.

Professor Takashi Narita von der Tokyo University of Foreign Studies machte in einer abschließenden Betrachtung des Internationalen Seminars auf die Relevanz des Spiegels aufmerksam, der zwar nur einen virtuellen, spezifischen Aspekt eines Gegenstandes, gerade aber durch einen fremden Blickwinkel Wahrheiten sichtbar machen könne. Dieses Prinzip der fernen Nähe wird in seiner Wirkung nur noch multipliziert, wenn sich die Blickwinkel in einer nahen Ferne im Rahmen eines gemeinschaftlich durchgeführten Seminars kreuzen und gar miteinander verschmelzen.

Gerade der multinationale Blick auf die verschiedenen kulturpolitischen Rahmengebilde und Gesetzgebungen ermöglichte einen Austausch der besonderen Art. So fanden sich deutsche, kulturpolitisch forschende Nachwuchswissenschaftler mit zwei jungen japanischen Forscherinnen zusammen, um gemeinsam einen Blick auf künstlerische und kulturpolitische Tendenzen in Deutschland und Japan zu werfen. Dass sich auch in Japan bereits seit Jahrzehnten – in diesem Zusammenhang wäre der Essayist Sakaguchi Ango und dessen Essay: „Nihon bunka shikan“ von 1942 zu nennen – eine Diskussion um die scheinbare Dialektik von Hochkultur und Alltagskultur besteht, macht die globale Vergleichbarkeit kulturpolitischer Gedankenströmungen und deren gegenseitige Diskussion und Wahrnehmung deutlich.

Professor Wolfgang Schneider, Direktor des Instituts für Kulturpolitik und Gastgeber der Universität Hildesheim, resümiert, dass das Internationale Seminar „Kultur im Spiegel der Wissenschaften“ die Relevanz einer zu verstärkenden gegenseitigen Betrachtung, Erforschung und Diskussion deutlich gemacht hat. Sie wäre zu nutzen.


Von Maria Gebhardt, Studierende der „Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis“ an der Universität Hildesheim