Forschung am Institut für Kulturpolitik

Am Institut für Kulturpolitik sind mehrere Forschungsprojekte angesiedelt, die sich interdisziplinär mit Fragen der Kulturpolitik, Kulturmanagement, Kulturvermittlung und kulturelle Bildung wissenschaftlich auseinandersetzen und mit verschiedenen Forschungsinstitutionen weltweit kooperieren.


Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung

Mit dem Netzwerk Forschung Kulturelle Bildung wurde 2010 eine Plattform für den interdisziplinären Austausch über Fragestellungen und Forschungen in der Kulturellen Bildung geschaffen. Ziel ist die Vernetzung, die fachliche Diskussion über disziplinäre Grenzen hinweg und die Rückwirkung in die Praxis. Zentrale Bestandteile des Netzwerks bilden die Netzwerktagungen, die Forschungskolloquien, der Koordinierungskreis und Cluster mit thematischen Schwerpunkten. Die Website und ein regelmäßiger Newsletter bieten einen Überblick über den Forschungsbereich der Kulturellen Bildung, über Veröffentlichungen, Veranstaltungen, Stellen, Calls und Vernetzungsmöglichkeiten.


Chancengerechte Teilhabe an öffentlich getragenen Theatern – Theater Governance und Audience Development-Strategien in Deutschland, Frankreich und Großbritannien

Das vorangegangene Teilprojekt des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim im DFG-geförderten Forschungsverbund „Krisengefüge der Künste. Institutionelle Transformationsdynamiken in den darstellenden Künsten der Gegenwart“ (FOR 2734) befasste sich mit den Anpassungs- und Innovationsstrategien von öffentlich getragenen Theatern in Deutschland im Zusammenhang mit dem Strukturwandel der Kulturnachfrage. Die Fragestellung des nun daran anschließenden Folgeprojekts knüpft daran an, ist jedoch thematisch enger fokussiert und erweitert zugleich die Perspektive durch einen internationalen Vergleich. Untersucht werden soll, inwieweit und mit welchen Strategien öffentlich getragene Theater in Deutschland, Frankreich und Großbritannien versuchen, den Risiken einer De-Legitimation öffentlicher Förderung aufgrund von nachlassenden Besucherzahlen und eines sozial ungleich verteilten Zugangs durch die pro-aktive Gewinnung bislang unterrepräsentierter Bevölkerungsgruppen entgegenzuwirken. Unter Teilhabe wird hier eine chancengerechte Ermöglichung von Theaterbesuchen mit Abbau institutioneller und persönlicher Barrieren als Aufgabe sowohl von Kulturpolitik als auch von öffentlich geförderten Kulturorganisationen verstanden. Ausgangshypothese ist, dass die jeweiligen Regime von Theater-Governance eine prägende Wirkung auf die Audience Development-Strategien der Theater entfalten. Um dieser Hypothese nachgehen zu können, ist die Studie als Vergleich von möglichst unterschiedlichen Governance-Regimen angelegt: Im markt-liberal orientierten Governance-Regime von Großbritannien ist eine begrenzte öffentliche Förderung von Theatern in der Regel direkt an die Gewinnung unterrepräsentierter Zielgruppen gebunden. Im etatistisch ausgerichteten Regime von Theater Governance in Frankreich bildet die in der Verfassung verankerte Norm einer „Démocratisation de la Culture“ ein zentrales Ziel der öffentlichen Förderung von Theatern. In dem von Dezentralität und staatlicher Zurückhaltung geprägten Governance-Regime in Deutschland überlassen die Kommunen und Bundesländer den von ihnen geförderten Stadt- und Staatstheatern in der Regel einen weitreichenden Entscheidungsspielraum bei der Gestaltung ihrer Publikumsstrategien.

Zum vorangegangenen Projekt „Strukturwandel der Kulturnachfrage als Auslöser von Anpassungs- und Innovationsprozessen an öffentlichen Stadt- und Staatstheatern“.

Zur Seite des Forschungsverbundes: www.krisengefuege.theaterwissenschaft.uni-muenchen.de.


Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Hohes Interesse an Qualifizierung für Kunstschaffende in der Kulturellen Bildung in Deutschland

Der deutschlandweit erste Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim erfährt mit 456 Bewerbungen für 30 Plätze sehr hohe Nachfrage.

Aufklappen

Der von der Stiftung Mercator geförderte bundesweite Pilotkurs zur Qualifizierung von Kunstschaffenden in der Kulturellen Bildung der Universität Hildesheim in Zusammenarbeit mit der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel bietet zunächst 30 Kunstschaffenden die Möglichkeit einer Weiterbildung. Auf die 30 Stipendien bewarben sich 456 Personen aus den unterschiedlichen Kunstsparten. Besonders stark vertreten sind die Bildenden Künstler:innen, aber auch die Darstellenden Künste Theater, Zeitgenössischer Tanz und Performance waren stark vertreten. Außerdem gab es Rücklauf aus den Sparten Musik, Literatur und Neue Medien sowie Zirkus, Mode, Design, Urban Art und aus solchen, die sich an Schnittstellen und im interdisziplinären Bereich bewegen.

Gemeinsam mit Partner:innen aus der Praxis wie dem Bundesverband Kulturagent:innen für kreative Schulen, TUSCH Hamburg, der CRESPO Foundation - Das fliegende Künstlerzimmer, dem Kunstlabor KLAUS, LesArt Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur, TanzZeit Berlin e. V. und dem Zukunftslabor der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen sowie der Leitung Bildung und Vermittlung Documenta und Museum Fridericianum GgmbH, wurden nun rund 90 Bewerber:innen zu Auswahlgesprächen eingeladen, um dann final 30 Stipendiat:innen zu ermitteln. Kriterien sind u. a. Erfahrungen in der Kulturvermittlung und kulturellen Bildung und eine enge Verzahnung des eigenen künstlerischen Ansatzes mit der Entwicklung von Projekten Kultureller Bildung. Zudem sollen sich die Teilnehmenden des Pilotkurses möglichst vielfältig ergänzen in Bezug auf die vertretenen Kunstsparten, Alter, Geschlecht, Bildungs- und Arbeitsbiografien, Herkunftsregionen, Migrationserfahrung, Arbeitsweisen und Zielgruppen. Zur Unterstützung der Auswahl wird die Expertise von zwei externen Jurorinnen, Khadidiatou Bangoura und Özlem Canyürek, herangezogen.

Die finale Auswahl der Stipendiat:innen erfolgt bis Ende März. Diese werden im Anschluss mit ihrer Expertise aus den unterschiedlichen Sparten und in der Kulturellen Bildung anhand von Praxisbeispielen auf der Projekthomepage kuenstlerische-interventionen.de vorgestellt.

Der interdisziplinäre Zertifikatskurs, der aktuell unter Leitung von Prof. Mona Jas und Prof. Dr. Birgit Mandel mit Unterstützung renommierter Praxispartner:innen entwickelt wird, stellt die eigene künstlerische Praxis der Teilnehmenden in den Mittelpunkt der Qualifizierung – damit bilden die ausgewählten Künstler:innen mit ihren unterschiedlichen Ansätzen und Expertisen das Herzstück des Kurses. Gleichzeitig werden sie als zukünftige Trainer:innen für den Zertifikatskurs ausgebildet, der deutschlandweit in den Transfer gehen soll. Die bundesweite Implementierung des Kurses an verschiedenen Weiterbildungsinstitutionen und Hochschulen soll den vielen weiteren Interessierten in Zukunft die Möglichkeit geben, das Zertifikat als bundesweit anerkannten Qualitätsnachweis für die Expertise von Kunstschaffenden in der Kulturellen Bildung in der Verbindung von Kulturvermittlung, Kulturmanagement und künstlerischer Praxis zu erwerben. Hierzu arbeiten die Projektverantwortlichen eng mit der Wider Sense Trafo GmbH zusammen, die den bundesweiten Transfer initiiert und begleitet.

Bei Interesse an weiteren Informationen oder der Mitwirkung am Transfer des Pilotprojekts finden Sie weitere Informationen auf der Webseite ( kuenstlerische- interventionen.de/ ) sowie per E-Mail ( pia.wagner@uni-hildesheim.de ).