Rosen, Rüben und der Sinn des Lebens: Hildesheim verpasst den Titel zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025

Mittwoch, 28. Oktober 2020 um 13:10 Uhr

And the winner is...: Chemnitz! Die zwölfköpfige internationale Jury zur Auswahl der Kulturhauptstadt Europas hat entschieden: Chemnitz wird Europäische Kulturhauptstadt 2025. Chemnitz konnte sich gegen die vier anderen Städte der sogenannten Shortlist-Nominierung Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg durchsetzen.

„Die Stiftung Universität Hildesheim gratuliert der Gewinnerin des Europäischen Kulturhauptstadtwettbewerbs, dankt dem grandiosen Team des Projektbüros Hildesheim 2025 und dem unermüdlich tätigen Freundeskreis Hildesheim 2025 für die Riesenleistung und freut sich auf die mannigfaltigen Veranstaltungshighlights in der Stadt und in der Region Hildesheim in den nächsten Jahren dank des Plans B“, sagt Prof. Dr. Martin Schreiner, Vizepräsident der Stiftung Universität Hildesheim.

BidBook mit deutlicher Handschrift der Hildesheimer Kulturwissenschaften

„Allein die Tatsache, dass Hildesheim und der Landkreis sich auf den Weg gemacht haben, diesen wichtigen Titel zu erringen, zählt enorm. Die Bewegung, die nun in der Stadt zu spüren ist, wird nicht klanglos verschwinden und wir freuen uns als Ort von Theorie und Praxis der Kultur diesen Prozess weiter mitzugestalten“, vermerkt Prof. Dr. Stefan Krankenhagen, Dekan des Fachbereichs Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis.

Neue Kulturvermittlungsansätze aus der „European Province of Culture“

"Auch wenn Hildesheim nicht offizielle Kulturhauptstadt Europas geworden ist, wird es mit Sicherheit einen Plan B geben. Durch den Bewerbungsprozess hat sich die Kooperation unseres Instituts mit den städtischen Kultur-Akteuren intensiviert und wir freuen uns, diese dabei zu unterstützen, einige der großartigen Ideen für kulturelle Teilhabe und Kulturvermittlung aus der Bewerbung umzusetzen und wissenschaftlich zu begleiten!", so Prof., Dr. Birgit Mandel, Professorin für Kulturmanagement. 

„We Care“ unterstreicht die Solidarität und ein offenes Verständnis von Kunst- und Kulturschaffen

Kulturpolitikprofessor Prof. Dr. Julius Heinicke ergänzt: „Mit ‚We Care - Beets, Roses and the Meaning of Life‘ hat das Team des Projektbüros Hildesheim 2025 auf Solidarität und ein weites und offenes Verständnis von Kunst- und Kulturschaffen gesetzt, ein Ansatz, der aus internationaler Perspektive ungemein wichtig und richtungsweisend ist. Der UNESCO-Lehrstuhl freut sich darauf, mit allen Akteur*innen und Mitstreiter*innen diese bedeutsamen Ideen und Impulse weiterzuverfolgen. Auch ohne den Titel werden es mit Plan B aufregende und bunte Jahre, die für die Zukunft der internationalen Kulturpolitik und deren Forschungsarbeiten von unschätzbarer Bedeutung sind.“

„Die Bewerbung hat enorm viel Kreativität freigesetzt“

Professor Dr. Bettina Uhlig vom Institut für Bildende Kunst und Kunstwissenschaften fügt hinzu: „Ich bedauere sehr, dass Hildesheim das Rennen nicht für sich entscheiden konnte. Dennoch hat Hildesheim gewonnen, denn die Bewerbung hat enorm viel Kreativität freigesetzt, Netzwerke entstehen lassen und kulturelle Projekte entworfen. Eines davon ist das Projekt ‚Little Big Minds‘ – eine Kooperation zwischen der Universität Hildesheim, dem Dommuseum und weiteren Akteur*innen im Bereich der kulturellen Bildung. In diesem Projekt geht es darum, den Ideen, Gedanken und Fragen von Kindern in Bezug auf die Bedeutung eines kulturellen Erbes in der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft auf die Spur zu gehen. Wir werden dieses Projekt zwar nicht in dem Umfang realisieren können, wie wir das als Kulturhauptstadt getan hätten – aber wir sind von dem Grundgedanken des Projektes so überzeugt, dass wir es in einer etwas kleineren Variante dennoch durchführen werden, denn das kulturelle Erbe von Hildesheim gehört nicht nur den Erwachsenen, sondern ebenso den Kindern.“

Es begann mit einer „Werkstatt der Verrückten“

Dr. Daniel Gad, Geschäftsführer des UNESCO-Lehrstuhls am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim, hat im Namen der Stiftung Universität Hildesheim den Bewerbungsprozess von Januar 2016 an begleitet. Was mit einer „Werkstatt der Verrückten“ auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg begann und einer Potenzialstudie und mit einer ersten Begegnung der damals neun deutschen Bewerberstädte am gleichen Ort seine Fortsetzung fand, führte zur beachtenswerten Shortlist-Nominierung. „Almuni der Hildesheimer Kulturwissenschaften haben der Bewerbung eine besondere Note gegeben“, sagt Dr. Daniel Gad.

„Mit dem Abschluss des Stadt- und Bistumsjubliäums startete der Bewerbungsprozess um den Titel Europäische Kulturhauptstadt. Die Bewerbung war ein gewaltiger Motor, das in vielen kulturpolitischen Fragen festgefahrene Hildesheim in Bewegung zu setzen. Diese Bewegung wird mit dem Ende des Laufes um den Titel nicht enden. Gerade konkrete Unternehmungen wie die Kulturstrategie der Stadt oder auch das Cultural Hub am Angoulêmeplatz werden die vielfachen neuen und neu belebten Kooperationen in der Stadt und mit dem Landkreis Rahmen und zur Fortsetzung verhelfen. Bereits diese Aktivitäten eröffnen nun sehr konkrete Möglichkeiten, Hildesheim als beachteten und attraktiven Ort weiterzuentwickeln und zu präsentieren.“

 

Text: Gabriele Gerner (Pressestelle)