Hervorragende akademische Leistungen: Forschung zu Willensfreiheit, Demokratie und Barrierefreiheit

Montag, 12. Februar 2018  / Alter: 7 Tage

Die Universitätsgesellschaft zeichnete während einer Feierstunde den wissenschaftlichen Nachwuchs für herausragende akademische Leistungen aus. Ausgezeichnet wurden die Kulturpolitikforscherin Dr. Anna Kaitinnis, die Masterabsolventin Annette Leyendecker und der Bachelorabsolvent Maximilian Theisen.

Die Universitätsgesellschaft zeichnet die promovierte Kulturpolitikforscherin Anna Kaitinnis, die Masterabsolventin Annette Leyendecker und den Bachelorabsolventen Maximilian Theisen für hervorragende akademische Leistungen aus. „Mit den Preisen möchten wir Aufmerksamkeit schaffen für den wissenschaftlichen Nachwuchs – an der Universität entstehen herausragende akademische Leistungen“, so Rainer Hermeling. Fotos (3): Isa Lange/Uni Hildesheim, Portrait Katinnis: privat

Die Universitätsgesellschaft Hildesheim verleiht drei Preise für herausragende akademische Leistung. Drei Preisträgerinnen und Preisträger werden für ihre Bachelor-Arbeit, Masterarbeit und Dissertation ausgezeichnet. Der Preis ist mit jeweils 500 Euro dotiert. 14 Bachelor- und 14 Masterarbeiten sowie 5 Dissertationen wurden nominiert. Wer die drei Preisträger sind, wurde im Februar bekannt gegeben, unter den Nominierten sind junge Forscherinnen und Forscher aus allen Fachbereichen. Die Nominierten im Bereich der Bachelorarbeiten befassen sich zum Beispiel mit Fragen der Stadtentwicklung im Bereich der Geographie, mit der Entwicklung von Software in der Informatik, mit Fibonacci-Zahlen in der Mathematik und mit der Sprachpolitik an südafrikanischen Universitäten. In den nominierten Masterarbeiten geht es unter anderem um technische Dokumentation, Übersetzungsprozesse in Medien und Schulentwicklung. Die nominierten Dissertationen reichen von Fachübersetzen bis Kulturpolitik.

An der öffentlichen Feierstunde im Atrium des Forums am Universitätsplatz nahmen Lehrende und Studierende aller Fachbereiche teil. Professorin Meike Baader, Vizepräsidentin für Forschung, gratulierte den Nominierten und ausgezeichneten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und sprach der Universitätsgesellschaft Dank für das besondere Engagement für den wissenschaftlichen Nachwuchs aus. Psychologieprofessor Kristian Folta-Schoofs zeigte sich beeindrucht von der inhaltlichen Breite und hohen Qualität der eingereichten Abschlussarbeiten und dankte der Universitätsgesellschaft, die studentische Projekte anstößt und mitfinanziert. Den Festvortrag hielt Dr. Jasmin Kizilirmak zum Thema „Kein Studium ohne Probleme – Freude und Lernerfolg beim Problemlösen“.

Problemlösen im Studium: Hier lesen Sie ein Interview mit der Neurowissenschaftlerin Dr. Jasmin Kizilirmak

Die Universitätsgesellschaft ehrt für hervorragende akademische Leistungen folgende drei Preisträgerinnen und Preisträger:

  • Bachelorarbeit: Maximilian Theisen, Institut für Psychologie der Universität Hildesheim

  • Masterarbeit: Annette Leyendecker, Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim

  • Dissertation: Dr. Anna Kaitinnis, Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim

„Mit den Preisen möchten wir Aufmerksamkeit schaffen für den wissenschaftlichen Nachwuchs – an der Universität entstehen herausragende akademische Leistungen, diese Leistung möchten wir würdigen“, sagt Dr. Rainer Hermeling, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft. Der Verein fördert Projekte und Leistungen von Studierenden und unterstützt Forschung und Lehre. Wer Fragen zur Universitätsgesellschaft Hildesheim hat, kann sich an Dr. Rainer Hermeling wenden.

Universitätsgesellschaft Hildesheim

Informationen zu den drei ausgezeichneten Abschlussarbeiten

Bachelorarbeit 

Maximilian Theisen, „Determinismus oder Willensfreiheit - Wie lassen sich philosophische Überzeugungen beeinflussen?“, Bachelorarbeit bei Prof. Dr. Christina Bermeitinger und Prof. Dr. Werner Greve am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim 

Maximilian Theisen hat sich in seiner Bachelorarbeit an der Universität Hildesheim mit der Frage befasst, wie sich philosophische Überzeugungen beeinflussen lassen. „Wenn wir mit entsprechenden neurowissenschaftlichen Befunden konfrontiert werden, glauben wir danach weniger daran, dass Menschen einen freien Willen haben können“, beschreibt Theisen ein Ergebnis seiner Bachelorarbeit.

Bei der Suche nach einem geeigneten Thema habe er sich überlegt, ob er sich auf ein neues Terrain hervorwagen kann und psychologische Forschungsfrage auch mit philosophischen Theorien verbinden könne. „Professorin Bermeitinger und Professor Greve haben mir bei der Wahl und der Ausgestaltung meines Themas großes Vertrauen geschenkt. Das hat mir Mut gemacht, diese interdisziplinären Fragen anzugehen. Dafür bin ich beiden sehr dankbar“, sagt der 25-Jährige, der inzwischen Psychologie im Master an der Universität Heidelberg studiert. „Meine Begeisterung für psychologische Forschung ist weiterhin unbegrenzt, ich kann mir sehr gut vorstellen bald in diesem Bereich zu arbeiten.“ 

Masterarbeit

Annette Leyendecker, Thema der Masterarbeit „'...das ein bisschen anders sehen.' Zur Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen an bildender Kunst in Ausstellungen“, Masterarbeit bei Nina Stoffers (Erstprüferin) und Prof. Dr. Bettina Uhlig am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim

„Ich freue mich sehr, für den Universitätspreis ausgewählt worden zu sein und verstehe dies auch als Aufforderung und Ermutigung in diesem Gebiet weiter zu forschen und zu publizieren“, sagt Annette Leyendecker. In ihrer Masterarbeit hat sich Leyendecker mit der Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen an bildender Kunst in Ausstellungen beschäftigt und hierfür Interviews  zur Wahrnehmung von Kunst durchgeführt.

Annette Leyendecker kann mit ihren Forschungsergebnissen erklären, was Kunstausstellungen und ihr Begleitprogramm für seheingeschränkte Menschen attraktiv macht. Wissen darüber sei notwendig, „um in der Museumspraxis arbeiten zu können“. Ein wesentliches Ergebnis der Masterarbeit: „Die Teilhabe von blinden und sehbehinderten Menschen kann nicht allein in Bezug auf deren Seheinschränkung gedacht werden. Selbst die fünf interviewten Personen zeigten eklatante Unterschiede in Punkten wie Interessen, Bildung, Ressourcen durch ihre sozialen Netzwerke und eventuell frühere visuelle Eindrücke. Daraus ergeben sich sehr unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten zu Kunstausstellungen, bei denen Faktoren wie Bildung eventuell sogar stärker ins Gewicht fallen, als die im Fokus der Forschung stehende Seheinschränkung. Für die Praxis bedeutet dies, dass vielfältige Zugangsmöglichkeiten zu einem Angebot extrem wichtig sind.“ Ein Kunstwerk sollte demnach über verschiedene sinnliche Zugänge erfahrbar sein - von betrachten und betasten bis beschreiben und anhören. Auch Begleittexte sollten mit verschiedenen Sprachniveaus arbeiten - vom schnell lesbaren Ausstellungstext und Audioguide bis zum wissenschaftlichen Katalogbeitrag, der auch als barrierefreie PDF-Datei verfügbar ist. „Der Gedanke, dass sehr verschiedene Menschen am kulturellen Leben teilhaben wollen und Institutionen in der Pflicht sind Zugänge zu schaffen, mag relativ neu sein. Entsprechend viele Ressourcen nimmt derzeit noch die Suche nach Lösungen in Anspruch. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass die Früchte heute aufwändiger Innovationsprozesse langfristig zu einer gelebten Normalität der Vielfalt führen können, wovon unsere Gesellschaft profitieren kann", so Leyendecker. Je selbstständiger sich blinde und sehbehinderte Besucher eine Ausstellung einschließlich ihrer Inhalte erarbeiten können, desto weniger abhängig sind sie von der Vermittlungskompetenz und Ausdauer von Begleitpersonen, so Leyendecker. Jetzt müssten Weichen gestellt werden, aber dann sei es möglich, „dass Diversität immer normaler wird und in einigen Generationen heute reale Exklusion undenkbar und nahezu vergessen sein wird“.

 

Das Zitat im Titel der Masterarbeit stammt von einer der Interviewpartnerinnen, die zunächst meinte, ein sehbehinderter Künstler, habe vielleicht auf Grund seiner Sehbehinderung eine Häuserzeile sehr grob plastiziert. Er würde die dargestellte Stadt und sein Kunstwerk eben „ein bisschen anders sehen“. Im nächsten Satz kam sie jedoch zu dem Schluss, dass sie auch grobe Plastiken sehender Menschen betastet habe und es wohl eher eine individuelle künstlerische Entscheidung sei.

Die wissenschaftliche Begleitung der Masterarbeit durch Nina Stoffers und Professorin Bettina Uhlig sei geprägt von „Wertschätzung und einem ehrlichen Interesse am Thema“, das sei „extrem motivierend“. „Die Wissenschaftlerinnen haben sich Zeit für ausführliches, kritisches Feedback und Literaturempfehlungen genommen, hatten ein offenes Ohr und hilfreiche Hinweise, wenn der Arbeitsprozess einmal stagnierte. Meine beiden Prüferinnen sind mir Vorbild für das wissenschaftliche Arbeiten und auch ihrem Engagement verdanke ich den Entschluss, mich weiterhin für das Schaffen von Zugängen an bildender Kunst in Ausstellungen zu engagieren“, sagt die 29-Jährige, die direkt nach dem Masterstudium auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim eine Stelle als Volontärin in der Kulturvermittlung am LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster angetreten hat. „Langfristig möchte ich mich zwischen der Konzeption musealer Kulturvermittlung einschließlich der Ausstellungsgestaltung und wissenschaftlicher Forschung bewegen. Das Museum sehe ich dafür als idealen Ort an und meine jetzige Stelle als guten Einstieg.“ 

Dissertation 

Anna Kaitinnis, Thema der Dissertation „‚Botschafter‘ der Demokratie. Zur Rolle des Goethe-Instituts während der Demokratisierungsprozesse in Argentinien (1982-1989) und Chile (1988-1994)“, Dissertation am Institut für Kulturpolitik bei Prof. Dr. Wolfgang Schneider (Erstgutachter), Hon. Prof. Dr. Hans Fleisch (Zweitgutachter), Prof. Dr. Julius Heinicke (externer Drittgutachter), Fachbereich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ der Universität Hildesheim

Anna Kaitinnis hat in ihrer Dissertation die Rolle des Goethe-Instituts während der Demokratisierungsprozesse in Argentinien und Chile untersucht. Kulturarbeit müsse im Zuge von politischen Umbrüchen stärker beachtet werden, so die 33-jährige Wissenschaftlerin. Eine zentrale Erkenntnis ihrer Forschungsarbeit ist, dass das Goethe-Institut in Argentinien und Chile durch auswärtige Kulturarbeit in allen drei Arbeitsbereichen – der kulturellen Programmarbeit, der Sprach- und Pädagogischen Verbindungsarbeit sowie der Bibliothek und Mediothek – wichtige Beiträge zur Demokratisierung geleistet hat. „Dabei spielten die Bildungsförderung im Bereich des Bildungswesens, die Bildungsförderung im Bereich der Erwachsenenbildung, die politische Bildungsarbeit mit einem Fokus auf Beiträgen zu aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussionen und Herausforderungen sowie die Unterstützung der Verbreitung und Bereitstellung von unabhängigen Informationsquellen mit einem Fokus auf Massenmedien wie Zeitung, Hörfunk und Fernsehen eine wesentliche Rolle“, so Kaitinnis.
Anna Kaitinnis hat in Hildesheim „Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis“ studiert und im kulturwissenschaftlichen Fachbereich promoviert und arbeitet heute als wissenschaftliche Politikberaterin.

„Der Austausch mit meinem Doktorvater, mit meinen Kommilitonen, mit Wissenschaftlern anderer Fachbereiche auf Konferenzen und Workshops und mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Goethe-Instituts waren sehr wichtig, um meine Ideen und Erkenntnisse kritisch zu diskutieren und zu reflektieren“, sagt Kaitinnis.

Von: Pressestelle, Isa Lange

Die Universitätsgesellschaft zeichnet die promovierte Kulturpolitikforscherin Anna Kaitinnis, die Masterabsolventin Annette Leyendecker und den Bachelorabsolventen Maximilian Theisen für hervorragende akademische Leistungen aus. „Mit den Preisen möchten wir Aufmerksamkeit schaffen für den wissenschaftlichen Nachwuchs – an der Universität entstehen herausragende akademische Leistungen“, so Rainer Hermeling. Fotos (3): Isa Lange/Uni Hildesheim, Portrait Katinnis: privat