Geographie: Regionales Bodenbündnis setzt sich für Bodenschutz ein

Dienstag, 14. November 2017  / Alter: 10 Tage

Das Hildesheimer Geographie-Institut hat sich auf Bodenkunde spezialisiert und befasst sich mit dem Schutz der Böden und dem Umgang mit Böden bei Planungs- und Baumaßnahmen. Fachleute aus ganz Deutschland kamen zur 4. Hildesheimer Bodenkonferenz zusammen. „Ein Boden, der einmal hin und her geschaufelt wurde, hat nicht mehr dieselben Eigenschaften wie ein zuvor über viele Jahrtausende gewachsener Boden“, sagt Professor Martin Sauerwein.

Trägt mit seiner jahrelangen Forschungserfahrung zum Schutz der Böden in der Hildesheimer Börde bei: Martin Sauerwein, Professor am Institut für Geographie der Universität Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Kontakt bei Fragen zum Thema: Prof. Dr. Martin Sauerwein (E-Mail martin.sauerwein[at]uni-hildesheim.de)

Etwa 100 Fachleute aus ganz Deutschland kamen im Oktober zur 4. Hildesheimer Bodenkonferenz zusammen. Eingeladen hatten neben dem Landkreis die Universität Hildesheim sowie der Bundesverband Boden e.V.

Wulf Grube vom Landkreis Hildesheim gab einen Überblick über die Aktivitäten des Landkreises zum vorsorgenden Bodenschutz. Er stellte unter anderem dar, wie der Landkreis die wertvollen Böden der Hildesheimer Börde im Rahmen von Baumaßnahmen besser schützen könne. Dies wird dringend nötig sein, wenn wie geplant in 2021 mit den Baumaßnahmen für die Erdkabeltrasse des SuedLinks be-gonnen werden wird. Seit über einem Jahr ist bekannt, dass die Stromautobahn sehr wahrscheinlich den Landkreis Hildesheim und viele Hektar der hochwertigen Ackerflächen durchqueren wird. Der Bundesverband Boden e.V. hat frühzeitig auf die Auswirkungen aufmerksam gemacht, die mit dem Bau von Erdkabeln verbunden sind. Der Bundesverband ist ein gemeinnütziger Verein, der sich mit Fragen der Bodenkunde und des Bodenschutzes beschäftigt. Als vom Bund anerkannter Umweltverband bietet er eine Plattform zum Meinungsaustausch für Akteure aus den verschiedenen, Böden betreffenden Bereichen.

Als Obmann für die Bundesländer Niedersachsen und Bremen im Bundesverband Boden hat Wulf Grube regionale Vertreter des Landvolkes, des BUND und der Wissenschaft an einen Tisch gerufen, um sich frühzeitig und gemeinsam Gedanken zu machen, wie mit den kommenden Herausforderungen, die der SuedLink bringen wird, umgegangen werden kann. Im Fall der geplanten Erdkabeltrasse sind sich direkt betroffene Bewirtschafter der Böden als auch Bodenkundler und Naturschützer einig, dass das bestmögliche Ergebnis für die Böden der Region erreicht werden muss. Carl-Jürgen Conrad als Geschäftsführer des Landvolkes Hildesheim kritisiert den übereilten und wenig durchdachten Wechsel der gesetzlichen Vorgaben für den Erdkabelvorrang, da ein Großteil der Trasse durch landwirtschaftlich genutzte Regionen führen wird und dort neben den erheblichen Beeinträchtigen der Böden auch zahlreiche Landwirte mit erheblichen Bodenverlusten betroffen sein werden. Immerhin handelt es sich beim geplanten Suedlink nicht nur um ein einziges Erdkabel, sondern um zwei Stammstrecken, die sogenannten Vorhaben 3 und 4, welche über viele hundert Kilometer parallel verlegt werden sollen, damit die Inanspruchnahme von Flächen möglichst gering gehalten wird. Da eine Stammstrecke aus technischen Gründen aus zwei einzelnen Kabelsträngen bestehen muss, die wiederum paarweise in jeweils einem Graben verlegt werden, sind insgesamt vier parallel verlaufende Kabelgräben erforderlich. Die gesamte Breite der Baustelle beträgt einschließlich der Fahrspuren für die Baufahrzeuge voraussichtlich insgesamt etwa 40 bis 50 m. Die genaue Zahl wird letztlich abhängen von den erforderlichen Flächen für die Zwischenlagerung der zeitweise auszubauenden und zwischenzulagernden Bodenmassen. Diese müssen schichtenweise getrennt voneinander gelagert werden, um hinterher wieder schonend und in ihrer ursprünglichen Folge wieder eingebaut zu werden.

Nachhaltiger und schonender Umgang mit den Böden

„Ein Boden, der einmal hin und her geschaufelt wurde, hat nicht mehr dieselben Eigenschaften wie ein zuvor über viele Jahrtausende gewachsener Boden!“, gibt Prof. Dr. Martin Sauerwein vom Institut für Geographie von der Universität Hildesheim die gleichlautende Meinung der Fachleute wider. Daher ist es auch wichtig von vornherein zu regeln, dass die Böden nach Beendigung der Baustelle entsprechend Zeit zur Regenerierung und zur Ausbildung gesunder Strukturen erhalten, bevor sie wieder genutzt werden können.

Die Fachleute sind sich einig, dass durch eine frühzeitige Beteiligung von Experten an der Planung der nachhaltige und schonende Umgang mit den Böden während des Bauens gewährleistet werden kann. Entscheidend ist dabei beispielsweise die laufende Beobachtung der Feuchtigkeit des Bodens. Ist der Boden an einem Tag zu nass, darf dann nicht mit schwerem Gerät auf ihm gefahren werden, damit es im Boden nicht zu Verdichtungen kommen kann, die im Nachhinein nicht mehr beseitigt werden können. Diese Gefahr ist bei den lößhaltigen Böden der Hildesheimer Börde besonders gegeben.

Die Bodenfeuchte ist aber nur ein Aspekt eines gesamten Paketes zum Schutz der Böden beim Bauen. Im Rahmen der Bodenkundlichen Baubegleitung werden darüber hinaus eine ganze Reihe anderer Faktoren zu betrachten sein. Nahezu völlige Unklarheit herrscht bei der Frage nach einer Beeinflussung der Böden durch die hohen Temperaturen, die durch den Betrieb der Erdkabel im Boden auftreten werden. Die Fachleute der Tennet konnten nur wenig befriedigende Auskünfte zu den berechtigten Fragen der anwesenden Landwirte geben, wie stark eine Erwärmung des Bodens ausfallen wird und welche Folgen zum Beispiel für den Bodenwasserhaushalt und damit auch auf die Anbaufrüchte zu erwarten sind. Zwar gibt es erste Erkenntnisse aus anderen Projekten wie beispielsweise dem der Erdkabeltrasse im münsterländischen Raesfeld. Ein unmittelbarer Vergleich zu den Böden der Hildesheimer Börde ist jedoch nicht ohne weiteres möglich, da diese überwiegend aus dem nach der letzten Eiszeit abgelagerten staubartigen Löss bestehen und damit mehr Wasser speichern können als die eher sandigen Böden des Münsterlandes. Außerdem wurde dort ein Wechselstromkabel verlegt, der SuedLink ist dagegen als Gleichstromkabel ausgelegt. Die vielen Unklarheiten und offenen Fragen sollen nach den Vorstellungen der Vertreter des Hildesheimer Bodenbündnisses möglichst im Vorfeld und im Dialog mit den Vertretern der Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde sowie der Tennet, dem Antragsteller und Betreiber des Erdkabelvorhabens, besprochen werden. Nicht alle Punkte werden im Vorfeld abschließend zu regeln sein. Diese sollen dann fortlaufend im Dialog geklärt werden. Hierfür müssen bereits im derzeit laufenden Verfahren, in welchem die Bundesnetzagentur der Tennet den Rahmen für noch vorzunehmende Betrachtungen und Untersuchungen vorgibt, entsprechende Vorgaben berücksichtigt werden.

Das Bodenbündnis sieht sich als zentraler Ansprechpartner und Koordinator für die regionalen Aktivitäten. Sowohl betroffene Kommunen als auch Grundstückseigentümer wie Landwirte können sich an die Akteure wenden.

Die Vorträge der Hildesheimer Konferenz sind online abrufbar.

Von: Insitut für Geographie

Trägt mit seiner jahrelangen Forschungserfahrung zum Schutz der Böden in der Hildesheimer Börde bei: Martin Sauerwein, Professor am Institut für Geographie der Universität Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim