Filmreihe: aus & über Afrika

Mittwoch, 05. Dezember 2018  / Alter: 8 Tage

Winterzyklus 2018/19: weibliche Filmschaffende im Fokus

© Dock66

Wo sind Filme aus Afrika und dem Maghreb?

Anscheinend sind sie nicht oft in Kinosälen in Europa zu sehen, noch weniger im Fernsehen oder auf Netflix. Im Rahmen einer internationalen Filmreihe, die sich im Winter 2018/19 afrikanischen Filmproduktionen zuwendet und dabei explizit auch den nordafrikanischen Raum mit in den Blick nimmt, möchten wir Euch und Ihnen einige Produktionen vorstellen, die es in der Regel nicht auf die große Leinwand schaffen. Natürlich handelt es sich hierbei nur um einzelne Schlaglichter und nicht um einen repräsentativen Querschnitt! Ziel dieses Projekts ist, das vielfältige Gesicht des gegenwärtigen Afrikas darzustellen und dadurch Diskussionen zu zeitgenössischen Herausforderungen in verschiedenen Gebieten des Kontinents anzustoßen.

Wichtig ist es uns auch, die Lebensgeschichte von FilmemacherInnen in Afrika und im Maghreb mitzudenken. Es handelt sich hierbei um den Blick verschiedener Frauen auf Transformationsprozesse in ihren Ländern. Zwischen Dezember 2018 und Februar 2019 werden im Winterzyklus 4 Filme aus 4 verschiedenen Ländern gezeigt. Thematisch breit gefächert vereint die Auswahl der Filme, dass sie alle aus der Feder weiblicher Filmschaffender stammen und, dass die Filmregisseurinnen auch ihre eigene Geschichte reflektieren.

Unsere Reise beginnt am nordöstlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents in der arabischen Welt: in Ägypten. Der Dokumentarfilm „I am The People“ nimmt uns mit in den Süden des Landes und beschreibt über einen mehrjährigen Zeitraum, wie die lokale Bevölkerung die Revolution auf dem Tahrir-Platz im entfernten Kairo mitverfolgt und erlebt. Anschließend tauchen wir in dem Animationsfilm „Aya of Yop City“ in das Leben von Aya und ihren Freundinnen in Yopougon, einem populären Viertel von Abidjan (Elfenbeinküste), in den 1970er Jahren ein. In dem Film „The Challat of Tunis“ begibt sich die Regisseurin Kaouther Ben Hania im postrevolutionären Tunesien auf die Suche nach einem mysteriösen Motorradfahrer, der 2003 auf den Straßen von Tunis Frauen mit einer Rasierklinge verletzt haben soll. Last but not least nimmt uns das Drama „Alda and Maria, Over here everything is fine“ in den 1980er Jahren von Angola mit nach Portugal, wo die zwei vor dem angolanischen Bürgerkrieg geflüchteten Schwestern Alda und Maria versuchen, sich als Migrantinnen ein neues Leben aufzubauen.

Die internationale Filmreihe im Winter 2018/19 und ihre Fortsetzung im Frühjahr/Sommer 2019 ist ein Projekt im Rahmen eines vom Deutsch-Französischen Jugendwerk geförderten deutsch-französischen Freiwilligendienstes am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim im Hochschuljahr 2018/19. Alle Filme stehen uns mit freundlicher Unterstützung des Institut Français zur Verfügung. Studierende, Angestellte der Universität und Hildesheimer BürgerInnen sind herzlich zur Teilnahme eingeladen!

 

Veranstaltungsort: Theaterhaus (Foyer) - Langer Garten 23C - 31137 Hildesheim

Wann? An ausgewählten Mittwochabenden. Filmstart ist jeweils um 19.00 Uhr. Im Anschluss an jede Filmvorführung gibt es die Möglichkeit zu Austausch und Diskussion. Der Eintritt ist frei!

Sprache: Alle Filme werden im Original mit englischen Untertiteln gezeigt.

Kontakt: Für Rückfragen steht Euch/Ihnen Marie Belland (belland(at)uni-hildesheim.de) zur Verfügung.

 

Filme und Termine

5. 12. 2018 - Je suis le peuple – انا الشعب / I am the People (2014) von Anna Roussillon (112’)

፨ Ägypten ፨ Dokumentarfilm ፨ Revolution ፨ Arabischer Frühling

Als im Januar 2011 massive Demonstrationen auf dem Tahrir Platz begannen, saß Farraj vor seinem Fernseher 700 Kilometern entfernt. Über einen Zeitraum von 3 Jahren begleitet die Filmemacherin Anna Roussillon Farraj in seinem Dorf des Luxor Tals. Zwischen den zwei entwickelt sich eine Freundschaft und eine fesselnde Diskussion über die Revolution und die politische Zukunft Ägyptens. Das freie Erzählen der EinwohnerInnen darüber, wie sie die Auswirkungen des Machtwechsels in ihrem Dorf erleben, schenkt einen neuen Blick auf Ägypten während der Revolution.

Der Film “I am the People” wird im &büro (Wollenweberstr. 55, Hildesheim) gezeigt.

 

9. 1. 2019 - Aya de Yopougon / Aya of Yop City (2013) von Marguerite Abouet & Clément Oubrerie (90’)

፨ Elfenbeinküste ፨ Animationsfilm ፨ Adoleszenz ፨ Alltagsleben in Abidjan

Aya, Adjoua und Bintou sind drei Freundinnen, die in Yopougon (Yop City), einem populären Viertel von Abidjan, leben. Die Verfilmung des gleichnamigen Comics lässt uns in das Leben der Protagonistinnen in der wirtschaftlichen Metropole der Elfenbeinküste in den 1970er Jahren eintauchen. Auf humorvolle Weise thematisiert der Film u. a. Geschlechterverhältnisse, die Herausforderungen des Erwachsenwerdens der Freundinnen und porträtiert gleichzeitig die soziale und wirtschaftliche Realität vor Ort.

 

23/01/19 - شلاط تونس / The Challat of Tunis (2015) von Kaouther Ben Hania (84’)

፨ Tunesien ፨ Mockumentary ፨ Sexismus ፨ Investigativ

Gleichzeitig Dokumentarfilm, Komödie und Drama, nimmt „The Challat of Tunis“ die ZuschauerInnen mit auf eine Suche nach einem mysteriösen Motorradfahrer, der sich im Jahr 2003 in den Straßen Tunis mit einer Rasierklinge herumtreibt und damit Frauen am Gesäß verletzt. Bis zur Verhaftung der sogenannten Challat (Klinge) ist die Stadt Tunis in Aufruhr. Die Schuld des gefassten Täters kann jedoch nie eindeutig bewiesen werden und die Begebenheit gerät langsam in Vergessenheit. Zehn Jahre später begibt sich die Journalistin Kaouther Ben Hania erneut auf die Suche nach dem Verbrecher. In ihrem Fernsehbericht, in dem unklar bleibt, was echt und was fiktiv ist, wirft sie ein Schlaglicht auf das Thema Sexismus in der tunesischen Gesellschaft während des Arabischen Frühlings.

 

6. 2. 2019 - Alda e Maria, Por Aqui Tudo Bem / Alda and Maria, Over here everything is fine (2015) von Maria Esperança Pascoal (98’)

፨ Angola ፨ Portugal ፨ Migration ፨ Exil ፨ Schwesternbeziehung

Portugal im Sommer 1980: zwei Schwestern haben im Zuge des Bürgerkriegs ihre angolanische Heimat verlassen und müssen allein in einem heruntergekommenen Viertel in Lissabon zurechtkommen. In ihrem ersten Film erzählt die aus Angola stammende Filmemacherin Pocas Pascoal viel von ihrer eigenen Geschichte, von ihren Erfahrungen von Migration und Exil. Das Drama zeigt die verschiedenen Wege auf, die die zwei Schwestern einschlagen, um sich ein neues Leben und eine Identität in einem fremden Land zu erkämpfen.


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