Schwetje

Schwetje, Oliver

Arbeitstitel

AIM – Adaptive Informations-Modulation

Betreuung

Prof. Dr. Hede Helfrich-Hölter, TU Chemnitz

E-Mail

olivus(at)freenet.de

Abstract

Das Promotionsvorhaben AIM (Adaptive Informations-Modulation) untersucht die Möglichkeit, eine psychosoziale Stressreaktion durch technologische Einflussnahme zu verhindern oder zumindest zu vermindern.

 

Motivation

Stressreaktionen führen naturgemäß zu kognitiv-leistungsreduziertem Verhalten, was zu individuellen und gesellschaftlichen Kosten führen kann.

Eine verminderte Arbeitsleistung, fehlerhaftes Verhalten und Unfälle sind die kurzfristigen Folgen, die als Kosten verstanden werden können. Längerfristig auf das Individuum einwirkender Stress verursacht zudem möglicherweise eine Vielzahl von Krankheitsbildern, die zusätzliche direkte (Behandlung) und indirekte (Leistungsausfall) Therapiekosten verursachen. In einem weiteren Verständnis addieren sich zu den finanziellen Kosten noch die psychosozialen Kosten des beeinträchtigten subjektiven Wohlbefindens und der Rückwirkung des gestressten Menschen auf sein soziales Netzwerk.

Diese Ressourcen konsumierende Eigenschaft des Phänomens „Stress“ soll in dem Promotionsvorhaben AIM  durch Findung eines geeigneten Werkzeuges minimiert werden.

 

Vorgehen

Dazu wird das Verständnis des Phänomens „Stress“ entsprechend des wissenschaftlichen Status Quo analysiert. Es wird deutlich, dass eine Lösungsstrategie auf neuropsychologischer Ebene Erfolg verspricht.

Verdeutlicht wird diese Notwendigkeit aus der weiteren Analyse verbreiteter Therapieverfahren. Stellen diese letztlich unterschiedliche Herangehensweisen zur Lösung der gleichen Ursachenproblematik, auf allerdings Symptomebene, dar. Die Genese der Stresskaskade scheint jedoch in dem Wesen der zellulären Struktur des menschlichen Organismus verortet.

Weitere Schwachpunkte der bekannten Verfahren sind die meist notwendige lange Einlernphase oder die mangelnde Übertragbarkeit auf aktuell wirkende Situationen. Eine sofort und zuverlässig funktionierende, ursachenwirksame Alternativstrategie wäre daher wünschenswert.

Aus ethischen Erwägungen werden in dieser Arbeit psychoaktive Substanzen, also chemisch-invasiv  wirkende Verbindungen, von der Lösungsfindung ausgeklammert. Ihr Einfluss ist schwer zu kontrollieren und von individueller Konstitution abhängig, die Handhabung ist diffizil. Exklusiv physikalische Manipulationsregeln sind folglich in der AIM das Mittel der Wahl.

Das Individuum verfügt während der Aktivität der AIM darüberhinaus jederzeit über die Handlungshoheit zur Aktivierung und Deaktivierung des Instruments. Dies ist ein weiter Vorteil des physikalischen Ansatzes gegenüber der chemisch wirkenden Variante. Damit kann die AIM aus Sicht des Autors in ihrer ethischen Bedeutung nahezu als unbedenklich gelten.

Schließlich wird die These verfolgt, dass durch äußere Reize hervorgerufener Stress ebenso durch äußere (Gegen-) Reize vermindert werden kann.

Da diese Reize physikalischer Natur sein sollen, können sie über eine geeignete Technologie erzeugt werden. Dafür erfährt das ursprünglich stressevozierende Setting eine Modulation seiner Reizemissionen in Abhängigkeit adaptiver Parameter des Individuums. Die dazu notwendige Technologie wird in dieser Arbeit abgeleitet.

Allgemein wirken Reizemissionen, also Informationsträger, als Stressoren, wenn sie nachdem sie in der subjektiven Rezeption mit Bedeutung versehen wurden, durch kognitive Prozesse als Stressor interpretiert werden. Diesen Zustand kann ein geeignetes Instrumentarium durch Messung definierter Bioindikatoren erkennen und dann den adaptiven Informations-Modulations Algorithmus aktivieren, um den Modus der rezeptionsfähigen Informationen zu verändern.

Eine Überprüfung der Wirksamkeit der AIM ist durch einen Probandenversuch im Fahrsimulator geplant.

 

Relevanz

Die gesellschaftliche Relevanz der AIM zeigt sich überall dort, wo Menschen mit Technologie interagieren. Eine konkrete Anwendung wären Fahrerassistenzsysteme im Automotive-Sektor, um stressbedingte, gefährliche Fahrsituationen zu entschärfen. Auch in der Luftfahrt, als Sicherheitssystem für die Piloten/ Crew oder als Komfortsystem für die Passagiere, wäre ein gewinnbringender Einsatz ebenso denkbar, wie in der Seefahrt oder an Büroarbeitsplätzen.