Forschung

Aktuelle Forschungsprojekte

Wissenschaftliche Begleitung der niedersächsischen Beratungslehrerweiterbildung
Leitung:Prof. Dr. Claudia Mähler
Mitarbeit: Dr. Kirsten Schuchardt, M.Sc. Psych. Anna Beuter, M.Sc. Psych. Nadine Storch

Im Auftrag des Nds. Kultusministeriums, der Nds. Landesschulbehörde und in Kooperation mit der Nds. Schulpsychologie wurden seit 1978 in Niedersachsen ca. 4000 Beratungslehrkräfte unter der konzeptionellen Verantwortung und wissenschaftlichen Begleitung der Universität Hildesheim ausgebildet. Regelmäßige Untersuchungen zur Evaluation der Weiterbildung und der Tätigkeit von ausgebildeten Beratungslehrerinnen und Beratungslehrern dienen zur Verbesserung und Qualitätssicherung der Weiterbildungsmaßnahme und der Einsatzbedingungen in den Schulen. Zur Zeit wird erneut eine Untersuchung zur Tätigkeit der Beratungslehrkräfte durchgeführt. (Finanzierung: Kultusministerium Niedersachsen) 

Link: Niedersächsische Beratungslehrerweiterbildung

Professionalisierung alltagsintegrierter sprachlicher Bildung bei ein- und mehrsprachig aufwachsenden Kindern – Fühlen Denken Sprechen
Leitung:Prof. Dr. Claudia Mähler und Prof. Dr. Peter Cloos (Universität Hildesheim), Prof. Dr. Katja Koch (Universität Braunschweig), Prof. Dr. Maria von Salisch (Universität Lüneburg)
Mitarbeit:Dr. Jeanette Piekny, M.Sc. Psych. Merle Skowronek, M.A. Anna Dieter
Förderung:Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS)

Ziel des Projektes ist es, eine Fortbildung für pädagogische Fachkräfte zu entwickeln, die das Emotions- und Sachwissen der Kinder im Bereich Naturwissenschaft in den Blick nimmt. Die Grundbedürfnisse des Kindes („sich wohlfühlen“ und „die Welt entdecken“) sollen genutzt werden um sprachliche Kompetenzen aufzubauen.
Das Projekt besteht aus drei Phasen. Nach einer Bestandsaufnahme sprachlicher Interaktionen in den beteiligten Kindergärten (Phase I) wird die Fortbildung „Fühlen Denken Sprechen“ entwickelt (Phase II). Sie zielt auf eine alltagsintegrierte Sprachförderung ab, die auf Emotions- und wissenschaftliche Denken fokussiert. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Fortbildung sollen Sprachlehrstrategien vermittelt werden, die den eigenen sprachlichen Input verbessern. Im Anschluss an die Fortbildung wird deren Wirksamkeit im Hinblick auf den sprachlichen Kompetenzzuwachs und den Wissenszuwachs der Kinder untersucht (Phase III).
Das Projekt ist als interdisziplinäres Längsschnittprojekt (Psychologie, Erziehungswissenschaft) angelegt und verknüpft so drei für die kindliche Sprachentwicklung wesentliche Forschungsfelder. Diese gerade für den Sprachförderbereich so wichtige Verzahnung von Perspektiven und Disziplinen führt zu einer forschungsbasierten Optimierung der bereits in verschiedenen Verbünden praktizierten alltagsintegrierten Sprachförderung.
Es nehmen Kindertagesstätten in Hildesheim, Braunschweig und Hamburg am Projekt teil.

Psychoedukation bei Lernstörungen
Leitung:Prof. Dr. Claudia Mähler
Mitarbeit:M.Sc. Psych Conny Griepenburg, Dr. Kirsten Schuchard

Psychoedukation wird in den meisten Therapiemanualen für Kinder und Jugendliche als wesentlicher Bestandteil zu Beginn einer Behandlung aufgeführt. Die Wirkweise von gezielter Psychoedukation ist dabei kaum belegt. Auch bei Kindern mit Lernstörung wurden Effekte bisher nicht systematisch untersucht.
Im Rahmen des Projekts wird der Frage nachgegangen, wie Psychoedukation bei Lernstörungen umgesetzt wird und wie sie wirkt. Unter anderem wird untersucht, ob eine systematische, kindgerechte Psychoedukation anhand visueller Hilfsmittel im Vergleich zu einem nicht-standardisierten Vorgehen ohne visuelle Hilfsmittel das Wissen über die Pathogenese von Lernstörungen, die Zufriedenheit mit der Psychoedukation und die Compliance bei Kind und Eltern erhöht und dabei das subjektive Belastungsgefühl der Betroffenen reduziert.

Kea - Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache
Leitung:Dr. Ann-Katrin Bockmann
Mitarbeit:M.Sc. Psych. Anna Machmer, M.A. ErzWiss Lena Reese, M.Sc. Psych. Lena Pätzold, M.Sc. Psych. Nina Bobe, B.Sc. Logop. Funda Can, Dipl. Psych. Katharina Rohlede, M.Sc. Psych. Theresa Demary
Förderung:Land Niedersachsen

Das Kea-Projekt („Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache“) unterstützt seit 2011 rund 160 Kindertagesstätten in Stadt und Landkreis Hildesheim dabei, den Sprachbildungs- und Sprachförderauftrag des Landes Niedersachsen umzusetzen. In Zusammenarbeit zwischen der Universität Hildesheim und dem Landkreis Hildesheim ist ein flächendeckendes Fort- und Weiterbildungsangebot für Erzieher/innen entstanden. Es werden sowohl verschiedene Fortbildungen, Studientage und Fachtage rund um das Thema Sprache angeboten, als auch eine Intensivfortbildung zu alltagsintegrierter Sprachförderung (Heidelberger Interaktionstraining /HIT) und Hospitationen, Coaching und Beratung vor Ort in den Einrichtungen. Zusätzlich werden Leitungskräfte und Fachberater/innen durch verschiedene Angebote begleitet und unterstützt. Es besteht eine regionale und überregionale Vernetzung, unter anderem mit den Projekten „Rucksack“ und „Griffbereit“, dem Arbeitskreis Sprachförderung der Frühen Hilfen, dem örtliche Brückenjahr Team, der Hochschulambulanz KiM der Universität Hildesheim, dem DialogWerk Braunschweig, dem Zentrum Für Entwicklung und Lernen ZEL in Heidelberg  sowie der PH Heidelberg.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage: www.kea-hildesheim.de

Therapieprogramm „Willi Waschbär“ für Kinder mit Lern- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten
Leitung:Prof. Dr. Claudia Mähler
Mitarbeit:Dr. Kirsten Schuchardt, M.Sc. Psych. Julia Koenigs

Viele Grundschulkinder, das haben aktuelle wissenschaftliche Studien gezeigt, leiden gleichzeitig unter Lernschwierigkeiten (Lese-Rechtschreibprobleme und/oder Rechenprobleme) und unter Aufmerksamkeitsstörungen. In diesem Projekt wird ein kombinierter Therapieansatz entwickelt und erprobt, der sich auf der einen Seite aus verhaltenstherapeutischen Therapiebausteinen zur Steuerung der Aufmerksamkeit und Selbstregulation und auf der anderen Seite aus Methoden der Lerntherapie zusammensetzt. Das Programm „Willi Waschbär“ ist als Gruppentraining konzipiert, in dem Kinder der zweiten und dritten Klassenstufe mit einer Gruppengröße von zwei bis vier Kindern an 10 Trainingssitzungen à 90 Minuten im wöchentlichen Rhythmus teilnehmen. Parallel läuft ein begleitendes Elterntraining mit 5 Elterngruppensitzungen zur Verbesserung der häuslichen Unterstützung.

In der Hochschulambulanz KiM - Kind im Mittelpunkt des Instituts für Psychologie nehmen seit dem Jahr 2015 in regelmäßigen Abständen Kinder und Eltern erfolgreich am Programm teil. Derzeit läuft eine Evaluationsstudie zur Wirksamkeit dieses neuen Therapieprogramms.

Spielorientierte Förderung schulischer Vorläuferfertigkeiten im Kindergarten (ZIKZAK)
Leitung:Prof. Dr. Claudia Mähler
Mitarbeit:M. Sc. Psych. Christina Jörns, Dr. Kirsten Schuchardt
Kooperation:Prof. Dr. Dietmar Grube (Universität Oldenburg)

Die phonologische Bewusstheit sowie die numerischen Kompetenzen am Ende der Kindergartenzeit stellen wichtige Prädiktoren für den Lernerfolge im schulischen Deutsch- und Mathematikunterricht dar. Aus diesem Grund sind sich Fachvertreter der pädagogischen Psychologie und verwandten Disziplinen einig, dass eine frühe Förderung dieser beiden bereichsspezifischen Vorläuferfertigkeiten in Kindertageinrichtungen eine wichtige Rolle spielt, wenn es um die Prävention von Lernschwierigkeiten in der Schule geht. Weitestgehend uneinig ist man sich jedoch, wie eine solche Förderung im Kindergarten formal erfolgen sollte.  Auf der einen Seite existieren auf dem Markt theoriebasierte, lehrgangsorientierte Trainingsprogramme, deren Wirksamkeit überwiegend gut belegt ist, jedoch relativ starre Durchführungsbedingungen aufweisen, die die Umsetzung im Kindergartenalltag erschweren. Auf der anderen Seite steht der derzeit im Trend liegende Ansatz der alltagsintegrierten Förderung, der zwar stärker der Vorstellung einer „natürlichen“ Form des Lernens durch alltägliche Erfahrungen entspricht, dabei jedoch eine höhere Flexibilität, eine leichtere Erlernbarkeit sowie einen geringeren Aufwand suggeriert. Diese augenscheinlichen Vorteile können jedoch leicht ins Gegenteil ausschlagen, wenn garantiert werden soll, dass mit dieser Art der Förderung nachhaltige Entwicklungsvorteile erzielt werden.

Im Rahmen des Projekts ZIKZAK soll ein Kompromiss zwischen diesen beiden Polen der Förderung entwickelt werden, der die Vorteile beider Ansätze aufweist und dabei die jeweiligen Nachteile minimiert. Zu diesem Zweck wurden auf Basis bewährter Entwicklungsmodelle bzw. -theorien zwei Spielesammlungen entwickelt (ZIK = Zuhören im Kindergarten, ZAK = Zahlen im Kindergarten), die es Erzieher_innen ermöglichen sollen, sowohl die phonologische Bewusstheit als auch die numerischen Kompetenzen der ihnen anvertrauten Kinder erfolgreich und gleichzeitig ressourcenschonend zu fördern. Zur Beantwortung der Frage nach der Eignung beider Spielsammlungen für eine nachhaltige Förderung der o.g. bereichsspezifischen Vorläuferfertigkeiten wurden diese in einem Prä-Post-Follow-Up-Design mit zwei Fördergruppen à ca. 50 Kindern evaluiert.

Prognostische Validität des FREDI 0-3
Dissertationsprojekt:M.Sc. Friederike Cartschau

Im Rahmen dieses Promotionsvorhabens soll der in Hildesheim konstruierte Entwicklungstest „Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0-3 Jahren“ (FREDI 0-3, Mähler, Cartschau & Rohleder, 2016) hinsichtlich seiner prognostischen Fähigkeiten überprüft werden. FREDI 0-3 ist ein allgemeiner Entwicklungstest für Kinder von 0-3 Jahren, der Auskunft über den aktuellen Entwicklungsstand in den Funktionsbereichen Motorik, Kognition, Sprache und sozial-emotionale Entwicklung gibt. Der Test wurde im Auftrag des Hogrefe Verlags (Göttingen) in Hildesheim Konstruiert und Normiert. Im Rahmen der Normierungsstudie wurden vor 3-4 Jahren insgesamt ca. 730 Kinder mit FREDI 0-3 einmalig untersucht. Etwa 80 dieser Kinder, die heute mindestens 5;0 Jahre alt sind, sollen nun im Rahmen des Promotionsvorhabens erneut, mit einem anderen Verfahren getestet werden. Dieses Verfahren weist große Überschneidungen hinsichtlich der Funktionsbereiche, mit denen von FREDI 0-3 auf. Mit den erhobenen Daten sollen Zusammenhänge zwischen dem Entwicklungsstand der Kinder heute, und dem damaligen Entwicklungsstand geprüft werden. Ziel ist es, Aussagen darüber treffen zu können, ob mit dem entwickelten Testinstrument FREDI 0-3 Prognosen möglich sind, die Entwicklungsstände heute und damals demnach einen Zusammenhang aufweisen und das Testverfahren somit dem Gütekriterium der prognostischen Validität standhält.

Konzipierung und Normierung eines Entwicklungsscreenings auf Basis des FREDI 0-3
Leitung:Prof. Dr. Claudia Mähler
Mitarbeit:M.Sc. Psych. Nadine Storch

In diesem Projekt soll, basierend auf dem in Hildesheim konstruierten Entwicklungstest „Frühkindliche Entwicklungsdiagnostik für Kinder von 0-3 Jahren“ (FREDI 0-3, Mähler, Cartschau & Rohleder, 2016), ein Screening-Verfahren zur Früherkennung von potenziellen Entwicklungsrisiken konzipiert und normiert werden. Im ersten Schritt dieser Konzipierung wurden im Rahmen einer Masterarbeit leicht lösbare und zentrale Entwicklungsschritte der frühen Kindheit erfassende Items aus dem Itembestand des FREDI 0-3 entnommen und zu einem Screening-Verfahren zusammen gestellt. Dabei spielten, neben der screeningspezifischen Eignung der Items, eine reibungslose Durchführung und eine zeitlich kurze Durchführungsdauer eine bedeutende Rolle. In einer N=40 Kinder zwischen null und drei Jahren umfassenden Pilotstudie wurde das Screening-Verfahren auf seine Durchführbarkeit und Eignung im Sinne des Screening-Ansatzes überprüft. Dabei konnte die Praktikabilität sowie die Akzeptanz des Verfahrens bei der Zielgruppe als positiv bewertet werden. Ferner konnten die Kinder mit einer unbeeinträchtigten Entwicklung die als leicht lösbar klassifizierten Items mehrheitlich lösen. Um diese ersten Befunde testtheoretisch absichern zu können, soll im nächsten Schritt der Konzipierung eine Normierung des Screenings auf Basis der Normierungsdaten des FREDI 0-3 vorgenommen werden. Weitere Schritte in der Fertigstellung des Screenings sollen zum einen ein Vergleich der theoretischen Screening-Werte der Normstichprobe mit den Ergebnissen im Rahmen einer Studie zur prognostischen Validität des FREDI 0-3 sein. Zum anderen soll das Screening-Verfahren mit einer Stichprobe von Kindern mit Entwicklungsauffälligkeiten durchgeführt werden. Ziel dieser zusätzlichen Maßnahmen ist es, die testdiagnostische Eignung des Verfahrens im Rahmen des Screening-Ansatzes absichern zu können und somit ein den aktuellen Gütekriterien entsprechendes Entwicklungsscreening anbieten zu können.

FREDI 0-3 goes India: Einsatz einer auf den indischen Kontext angepassten Version des FREDI 0-3 im Rahmen einer Kooperation mit der Universität Göttingen
Leitung: Prof. Dr. Sebastian Vollmer, Center of Modern Indian Studies (Cemis), Uni Göttingen
Projektpartner_innen: Prof. Dr. Claudia Mähler, M.Sc. Psych. Nadine Storch, B.Sc. Marika Kisters

Eine Arbeitsgruppe der volkswirtschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen forscht seit einigen Jahren zu verschiedenen Aspekten der sozioökonomischen Entwicklung in Bihar, Indien. Im lucky iron leaf and picture book project wird durch die Forschungsgruppe u.a. der Einfluss einer vor Ort implementierten Interventionsmaßnahme zur Steigerung der Eisenzufuhr in der Nahrungsaufnahme und regelmäßiger kognitiver Stimulation auf die frühkindliche Entwicklung einer Stichprobe aus der Region untersucht. Dieses Vorhaben erfordert eine Erfassung des gegenwärtigen Entwicklungsstandes der beteiligten Kinder. Aus diesem Grund wurde die Arbeitsgruppe von Frau Prof. Mähler im Sommer 2016 als Kooperationspartner für den Bereich der Entwicklungsdiagnostik tätig. Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurde der FREDI 0-3 unter Einbezug einschlägiger Fachliteratur auf den indischen Entwicklungskontext angepasst und im November 2016 vor Ort in Madhepura, Bihar, pilotiert. Weiterhin wurden indische Studierende, welche in dem Projekt als Enumeratoren die Datenerhebung durchführen, in der Anwendung und Durchführung der angepassten Version des FREDI 0-3 ausgebildet. Nach dieser Baseline-Erhebung startete die Interventionsmaßnahme mit einer geplanten Dauer von 12 Monaten. Am Ende dieses Zeitraums ist für November 2017 eine erneute Erfassung des Entwicklungsstandes der Stichprobe geplant. Zu diesem Anlass ist die Konzipierung einer weiteren Version des FREDI 0-3 erforderlich, um deren aktuelle Entwicklung adäquat und altersgemäß erheben zu können.

Alltagsintegrierte Sprachförderung für LateTalker: Kurzintervention für Eltern und pädagogische Fachkräfte
Dissertationsprojekt:M.Sc. Psych. Anna Machmer

13-20% der Zweijährigen sind Late Talker (Grimm, 2003). Sie haben einen verspäteten Sprechbeginn, einen geringen aktiven Wortschatz (weniger als 50 Wörter) und verwenden wenige oder keine Zwei-Wort-Kombinationen. Mit dem „Heidelberger Elterntraining zur frühen Sprachförderung“ (HET, Buschmann, 2017) und dem „Heidelberger Interaktionstraining für pädagogische Fachkräfte zur alltagsintegrierten Sprachförderung ein- und mehrsprachiger Kinder“ (HIT; Buschmann & Jooss, 2011; Simon & Sachse, 2013) stehen sowohl für die Eltern als auch für die pädagogischen Fachkräfte zwei standardisierte und wissenschaftlich evaluierte Langzeitinterventionen im Gruppensetting zur Verfügung. In der Praxis ergeben sich in der Umsetzung des HET für Eltern jedoch häufig zeitliche, organisatorische und finanzielle Hürden. Im Rahmen des Projekts „Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache“ (KEA; Gerlach-Sufin & Bockmann, 2017), einer Kooperation zwischen Landkreis und Universität Hildesheim, werden bei der Beratung in Krippen Eltern und pädagogische Fachkräfte gemeinsam erfolgreich darin unterstützt, einen sprachförderlichen Umgang mit Late Talkern zu finden. Ziel ist, die zentralen Prinzipien aus HET und HIT in einer Kurzberatung (zwei Termine) für Eltern und Fachkräfte eines betroffenen Late Talkers zu integrieren und deren Wirksamkeit im Rahmen einer randomisierten Kontrollgruppenstudie zu untersuchen.

Bewältigung von Lernschwierigkeiten
Leitung: Prof. Dr. Claudia Mähler
Mitarbeit: Dr. Kirsten Schuchardt, M.Sc. Psych. Julia Koenigs

Kinder mit Lernschwierigkeiten sind in ihrem Alltag einer Reihe von schwierigen Schul- und Lernsituationen ausgesetzt, da sie häufig an ihre eigenen Leistungsgrenzen geraten oder schulische Misserfolge erleben. Dennoch gelingt es einem Teil der Kinder mit Lernschwierigkeiten die Probleme zu bewältigen und ihre Gesundheit zu erhalten. Dies wirft die Frage auf, wie sich diese Kinder von anderen Kindern mit Lernschwierigkeiten unterscheiden, welche vermehrt psychopathologische Symptome aufweisen. Die vorliegende Studie widmet sich deshalb der Untersuchung kindlicher und elterlicher Bewältigungsstrategien in schwierigen häuslichen sowie schulischen Lernsituationen. Hierzu werden Kinder der ersten bis zehnten Schulstufe, welche aufgrund von Lernschwierigkeiten in der Hochschulambulanz KiM (Kind im Mittelpunkt) für Kinder und Jugendliche vorstellig werden, zunächst im Rahmen der ausführlichen Diagnosestellung anhand von standardisierten Testverfahren hinsichtlich ihrer Intelligenz, ihrer Schulleistungen sowie eventuell vorhandener psychopathologischer Symptomatik untersucht. Die Beurteilung der Bewältigung erfolgt anhand von drei selbstkonzipierten Fragebögen aus Kinder-, Eltern- und Lehrerperspektive.

FRISCH: Frühe Inklusion beim Schriftspracherwerb
Leitung: Prof. Dr. Claudia Mähler
Mitarbeit: M.Sc. Psych. Lisa Miller
Förderung: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur

In Kindertagesstätten findet sich eine große Heterogenität im Hinblick auf Vorläuferkompetenzen für den Schriftspracherwerb (z.B. Phonologische Bewusstheit, Sprachstand in Deutsch, Arbeitsgedächtnis), die im Übergang zur inklusiven Schule mit Risiken für den Schriftspracherwerb einhergeht. Wie kann ein Einstieg in die Schriftsprache für alle Kinder gelingen?

In der geplanten Interventionsstudie wird untersucht, in welcher Weise zum einen eine Förderung der phonologischen Bewusstheit im letzten Kindergartenjahr und zum anderen eine Anlehnung des Anfängerunterrichts in Deutsch an das Konzept der lautgetreuen Lese-Rechtschreibförderung nach Reuter-Liehr dazu beitragen, allen Kindern den Einstieg in die Schriftsprache zu ermöglichen.

Hierzu werden im längsschnittlichen Prätest-Posttest-Kontrollgruppen-Design quasi-experimentell je 40 Kinder unter einer von vier Bedingungen begleitet: Training der phonologischen Bewusstheit in der Kita ja/nein in Kombination mit Unterricht nach lautgetreuer Lese-Rechtschreibförderung ja/nein. Nach der Untersuchung relevanter Vorläuferfertigkeiten im letzten Kindergartenjahr erfolgen am Ende des ersten Schuljahres sowie in der zweiten Hälfte des zweiten Schuljahres standardisierte Lernstandserhebungen zum Erwerb der Schriftsprache.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Erarbeitung und Normierung eines Entwicklungstests für die frühe Kindheit (0-3 Jahre)
Leitung:Prof. Dr. Claudia Mähler
Mitarbeit: Dipl. Psych. Katharina Rohleder, M.Sc. Psych. Friederike Cartschau
Förderung:Hogrefe-Verlag

 

Die Frühdiagnostik hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Unsere Kenntnisse der Entwicklung in der frühen Kindheit sind stark angewachsen und haben vor allem durch Befunde aus der Neuropsychologie wichtige Impulse erfahren. Dadurch ist auch das Bewusstsein für die Plastizität des Gehirns und Nervensystems und damit die Sinnhaftigkeit früher Diagnostik und Förderung stetig gestiegen. Die frühe Identifikation von Entwicklungsrückständen in Kombination mit geeigneten Fördermaßnahmen kann die Entwicklungschancen von Kindern beträchtlich erhöhen. Die Zunahme an sozialpädiatrischen und Frühinterventionszentren ist die logische Folge davon. Aber auch die Einsicht, dass für eine gelingende schulische Entwicklung der Grundstein in der frühen Kindheit gelegt wird, hat die Sensibilität für die frühkindliche Entwicklung und Bildung erhöht. Auch Krippen und Kindertagesstätten ebenso wie Kinderärzte in der Routine-Untersuchung sind aufgerufen, mit einem guten differentialdiagnostischen Blick die ihnen anvertrauten Kinder zu beobachten. Für diese Einsatzbereiche soll ein gutes und zeitgemäßes Diagnoseinstrument für Kinder von 0 bis 3 Jahre entwickelt und normiert werden. Es soll folgende Funktionsbereiche enthalten: visuelle und akustische Wahrnehmung, Körpermotorik, Handmotorik, rezeptive und expressive Sprache, kognitive Entwicklung, soziale und emotionale Entwicklung sowie Selbständigkeit.

Differentielle Entwicklungsverläufe kognitiver Kompetenzen im Kindergarten- und Schulalter (KOKO)
Leitung:Prof. Dr. Claudia Mähler, Prof. Dr. Dietmar Grube
Mitarbeit:Dr. Kirsten Schuchardt, Dr. Ariane von Goldammer, Dr. Jeanette Piekny, Dipl. Psych. Christina Balke, M.Sc. Psych. Nora Lessing
Förderung:MWK Nds. (Forschungsverbund frühkindliche Bildung und Entwicklung)

 

Die kritische Betrachtung des Schulerfolgs deutscher Kinder hat den Fokus der Aufmerksamkeit in den letzten Jahren auf das Vorschulalter verschoben. In welchem Ausmaß bringen Kinder bei der Einschulung die nötigen Kompetenzen mit, um den Anforderungen der schulischen Bildungsmaßnahmen gewachsen zu sein? Wie entwickeln sich diese Kompetenzen im Vorschulalter? Inwieweit lässt sich die Schulfähigkeit voraussagen? Lassen sich Vorläuferfertigkeiten schulischer Kompetenzen beeinflussen?
Antworten auf diese Fragen soll eine längsschnittliche Analyse der Entwicklung von kognitiven Vorläuferkompetenzen geben. Die Untersuchung differentieller Entwicklungsverläufe von drei- bis sechsjährigen Kindern wird Auskunft über Entwicklungsstadien, Entwicklungstempi und über individuelle Entwicklungsvorsprünge und ‑rückstände geben.
Zwei Bereiche relevanter Vorläuferfertigkeiten sollen betrachtet werden: bereichsübergreifende Entwicklungsaspekte (Teilprojekt 1, C. Mähler: Intelligenz, Arbeitsgedächtnis, Konzentrationsfähigkeit, Metakognition, Entwicklung wissenschaftlichen Denkens und konzeptuellen Wissens, Theory of Mind) und bereichsspezifische Vorläuferkompetenzen (Teilprojekt 2, D. Grube: numerische Kompetenzen wie Mengenverständnis oder Zählfertigkeiten und phonologische Verarbeitung wie z.B. phonologische Bewusstheit oder andere sprachliche Fertigkeiten). Es werden 200 Kinder, die zu Beginn der Studie zwischen 3 und 4 Jahre alt waren und voraussichtlich im Sommer 2011 eingeschult werden, halbjährlich untersucht.
Auf diese Weise können sowohl bereichsübergreifende als auch bereichsspezifische Entwicklungsaspekte und zusätzlich deren interaktives Zusammenwirken analysiert werden. Neben dieser Grundlagenforschung zur kognitiven Entwicklung im Vorschulalter enthalten beide Teilprojekte Anwendungsschwerpunkte: Es werden diagnostische Instrumente für das Vorschulalter entwickelt bzw. erprobt, es sollen Erkenntnisse zur Optimierung der Schulfähigkeitsberatung gewonnen werden (Teilprojekt 1, C. Mähler), und eine Intervention zur Förderung mathematischer Vorläuferkompetenzen soll in ihrer Wirksamkeit überprüft werden (Teilprojekt 2, D. Grube).

Entwicklung und Evaluation eines Trainingsprogramms zur Überwindung von Arbeitsgedächtnisdefiziten bei Kindern mit Lese-Rechtschreibstörung
Leitung:Prof. Dr. Claudia Mähler
Mitarbeit:M.Sc. Psych. Ellen Radtke, M.Sc. Psych. Christina Jörns
Förderung:BMBF

 

Das Ziel dieses geplanten Forschungsprojektes besteht in der Entwicklung und Evaluation eines Arbeitsgedächtnistrainings für Kinder mit Lese-Rechtschreibstörung. Wie aus der Forschungsliteratur seit langem bekannt ist, gehen Störungen des Schriftspracherwerbs mit Störungen der phonologischen Informationsverarbeitung einher. Neben der phonologischen Bewusstheit sind vor allem das phonetische Rekodieren im Arbeitsgedächtnis und der Abruf phonologischer Codes aus dem Langzeitgedächtnis betroffen. Forschungsarbeiten im Kontext des Arbeitsgedächtnismodells von Baddeley (1986) haben die Arbeitsgedächtnisdefizite präzise in der phonologischen Schleife und teilweise in der zentralen Exekutive lokalisiert.
Vielfach werden die Arbeitsgedächtnisdefizite als komorbides Erscheinungsbild aufgefasst. Die Spezifität des Defizits sowie der enge Zusammenhang von phonologischer Informationsverarbeitung und Schriftspracherwerb legen jedoch eine ursächliche Beziehung zwischen einem funktionalen Arbeitsgedächtnisdefizit und einer Störung des Schriftspracherwerbs nahe. Damit gewinnt die mögliche Beeinflussbarkeit der Arbeitsgedächtnisfunktionen eine große Bedeutung. Es stellt sich die Frage, ob vorhandene Arbeitsgedächtnisdefizite behebbar oder zumindest reduzierbar sind. Im Rahmen des Forschungsprojekts soll zunächst ein computergestütztes adaptives Training für die verschiedenen Subsysteme des Arbeitsgedächtnisses entwickelt und anschließend in einem Prätest-Posttest-Follow-up-Kontrollgruppendesign einer isolierten Evaluation unterzogen werden.

Differentialdiagnostische Relevanz des Arbeitsgedächtnisses für Kinder mit umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten
Leitung:Prof. Dr. Claudia Mähler, Dr. Kirsten Schuchardt
Mitarbeit:Dipl. Psych. Christina Balke-Melcher, M.Sc. Psych. Larissa Bonin
Förderung:BMBF

 

Ziel der geplanten multizentrischen Längsschnittstudie ist es, verlässliche Erkenntnisse über die Entwicklungsverläufe der unterschiedlichen Funktionsbereiche des Arbeitsgedächtnisses bei Kindern mit unterschiedlichen Lern- und Leistungsstörungen im Alter zwischen 8 und 12 Jahren zu gewinnen. Zusätzlich soll geklärt werden, ob sich im Entwicklungsverlauf der Arbeitsgedächtnisfunktionen systematische Unterschiede zeigen zwischen Kindern, die zwischen 8 und 12 Jahren ihre umschriebene Entwicklungsstörung überwinden und solchen, denen das nicht gelingt. Dabei soll eine Reihe diagnostisch relevanter Fragen geklärt werden. Das Forschungsvorhaben soll in einem längsschnittlichen Design mit mind. je 30 Kindern pro spezifischer umschriebener Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten umgesetzt werden, die sich am Beginn der Studie am Ende von Klasse 2 befinden. Für die längsschnittliche Untersuchung sollen acht Subgruppen von Kindern in die Studie aufgenommen werden, die spezifische diagnostische Voraussetzungen hinsichtlich der Intelligenz, der Leistungen im Lesen, Rechtschreiben sowie der Mathematik erfüllen und die im Schuljahr 2010/2011 die zweite Klasse besuchen. Diese Kinder sollen dann über zunächst 2 Jahre (bei Verlängerung in der zweiten Phase insgesamt 4 Jahre) wiederholt in halbjährigen Abständen untersucht werden. An jedem der drei Standorte (Frankfurt, Oldenburg, Hildesheim) soll ein Teil der Stichprobe rekrutiert werden.

Forschungsprojekt zur Verbesserung des Klassenklimas
Leitung:Prof. Dr. Norbert Grewe
Mitarbeit:Dr. Ariane v. Goldammer, Dipl. Psych. Christina Balke
Förderung:Nds. Kultusministerium

 

Dieses Projekt verbindet Fragen der Grundlagenforschung mit der Überprüfung der Effekte einer Fortbildung. In Kooperation mit dem Nds. Kultusministerium, der Nds. Landesschulbehörde und der Nds. Schulpsychologie werden Lehrkräfte des allgemeinbildenden Schulwesens 1 ½ Jahre fortgebildet, um in ihren Klassen Maßnahmen zur Verbesserung des Klassenklimas zu erproben.
Seit 1994 nahmen unter der Leitung und wissenschaftlichen Begleitung der Universität Hildesheim bisher ca. 600 Lehrkräfte aus ganz Niedersachsen an dieser Fortbildung teil. Weitere Kurse sind geplant.
Die Effekte der Fortbildung werden in Vorher-Nachher-Untersuchungen der teilnehmenden Schulklassen unter Einbeziehung von Vergleichsklassen überprüft. Das Forschungsprojekt ist auf einen Zeitraum von ca. 10 Jahren angelegt und wird von verschiedenen Drittmittelgebern finanziert (BLK-Modellversuch, VW-Stiftung, Nds. Kultusministerium). 

Link: KIK Fortbildung zur Verbesserung des Klassenklimas

Absentismus in der Schule
Leitung:Prof. Dr. Norbert Grewe
Mitarbeit:M.Sc Päd. Psych. Sarah Grams, B.Sc. Päd. Psych. Anna Vogel
Förderung:Nds. Kultusministeriu

 

Einige Institutionen bieten Sondermaßnahmen zur Beschulung von schulmüden und schulverweigernden Jugendlichen an. Zur Zeit findet u.a. eine Recherche statt, um das Angebot für diese Schülergruppe in Niedersachsen zu erfassen. Erste Ergebnisse stellen wir Ihnen als download zur Verfügung. 

Link: Broschüre Schulverweigererprojekte (Stand: Juni 2010)

Vorhersage von Lese-Rechtschreibleistungen aus vorschulischen Maßen der Sprachentwicklung und der phonologischen Informationsverarbeitung
Dissertationsprojekt:Dipl. Psych. Ariane von Goldammer

 

Für einen erfolgreichen Schriftspracherwerb in den ersten Grundschuljahren sind sowohl die phonologische Informationsverarbeitung als auch Kompetenzen der mündlichen Sprache relevant. Im Dissertationsprojekt werden Fragen zu den vorschulischen Prädiktoren des Schriftspracherwerbs und ihrer Abhängigkeit von sozialen Bedingungsfaktoren gestellt und beantwortet. Innerhalb der Göttinger Entwicklungsstudie GESAgT (A. Bockmann, A. v. Goldammer) wurde die Vorhersagekraft vorschulischer Sprach- und Arbeitsgedächtnisfähigkeiten für den Schriftspracherwerb überprüft. Da bekannt ist, dass die nicht-deutsche Muttersprache eines Kindes einen Risikofaktor für den Schriftspracherwerb darstellt, wurde im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung des Projekts „Schulreifes Kind“ (Leitung: M. Hasselhorn, W. Schneider, H. Schöler) überprüft, ob und in welcher Hinsicht sich die Sprach- und Arbeitsgedächtnisfähigkeiten von ausschließlich deutschsprachigen Kindern und mehrsprachigen Kindern unterscheiden.

Bereichsübergreifendes wissenschaftliches Denken in der frühen und mittleren Kindheit: Entwicklungsschritte und Einflussfaktoren
Dissertationsprojekt:Dipl. Psych. Jeanette Piekny

 

Im Forschungsfeld zur Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens gibt es zwei weitgehend unverbundene Forschungsansätze: Der bereichsspezifische Ansatz, innerhalb dessen intuitive Theorien zu bestimmten Inhaltsbereichen im Vordergrund stehen, und der bereichsübergreifende Ansatz, der die Entwicklung von methodischen Kompetenzen fokussiert. Innerhalb des bereichsübergreifenden Ansatzes bestand lange Zeit die Ansicht, dass sich das Verständnis für die wissenschaftliche Methodik frühestens in der Adoleszenz entwickelt. Neuere Studien haben allerdings gezeigt, dass sechsjährige Kinder bereits konklusive von inkonklusiven Experimenten unterscheiden (Sodian, Zaitchek & Carey, 1991) und dass Vierjährige Zusammenhänge zwischen zwei Variablen erkennen und im Hinblick auf Kausalhypothesen interpretieren können (Koerber, Sodian, Thoermer & Nett, 2005). Erste Vorläuferkompetenzen im Verständnis für die wissenschaftliche Methodik liegen also bereits in der frühen Kindheit vor.
Der erste Teil des Promotionsvorhabens geht, anknüpfend an diese Befunde, der Frage nach, wie sich verschiedene Teilprozesse des wissenschaftlichen Denkens im Laufe der Kindergartenzeit entwickeln. Hierzu werden derzeit im Rahmen des Längsschnittprojektes Differentielle Entwicklungsverläufe kognitiver Kompetenzen im Kindergarten- und Schulalter Untersuchungen zum Verständnis für die Konklusivität bzw. Inkonklusivität von Experimenten sowie zur Fähigkeit zur Evidenzbewertung durchgeführt. Zusätzlich wird eine Aufgabe zur Erfassung der Fähigkeit zum vorwissensunabhängigen Generieren von Hypothesen entwickelt und erprobt. Die längsschnittliche Analyse wird durch eine eigenständige Querschnittserhebung ergänzt, die das Altersspektrum auf das Grundschulalter erweitert.
Der zweite Teil des Promotionsvorhabens befasst sich mit der Frage, durch welche Faktoren die Entwicklung des wissenschaftlichen Denkens beeinflusst wird. Seit einigen Jahren werden die Fähigkeit zur sozialen Perspektivenübernahme (die „Theory of mind“ von Kindern) und metakognitive Kompetenzen als maßgebliche Einflussfaktoren diskutiert (Kuhn, 1999, 2000). Bisher fehlen allerdings empirische Befunde zum Zusammenhang zwischen diesen Fähigkeiten in der frühen und mittleren Kindheit. Zudem gibt es noch keine Befunde zu der Frage, ob „Theory of mind“ Kompetenzen die Fähigkeit, wissenschaftlich zu denken, tatsächlich vorhersagen können. Diese Frage soll im zweiten Baustein des Promotionsvorhabens bearbeitet werden.

Denken lernen im Zoo
Leitung:Prof. Dr. Werner Greve, Prof. Dr. Claudia Mähler
Mitarbeit:Dipl. Psych. Jeanette Piekny

 

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Fokussierung frühpädagogischer Bildungseinrichtungen auf naturwissenschaftliche Förderungsmöglichkeiten untersucht das Projekt „Denken lernen im Zoo“, welche Möglichkeiten und Grenzen des Verständnisses für Experimente im Kindergartenalter bestehen.

In bisherigen Studien  wurde unter Verwendung eines Untersuchungsparadigmas von Sodian, Zaitchik und Carey (1991) gezeigt, dass eine zuverlässige Wahl eines konklusiven Experiments (d.h. eines Experiments, dessen mögliche Ergebnisse eindeutige Schlussfolgerungen über die Gültigkeit einer Hypothese erlauben) erst ab Beginn des Grundschulalters gelingt und sich vermutlich im sechsten Lebensjahr bedeutsam fortentwickelt (vgl. hierzu Piekny, Grube & Maehler, 2013; Sodian et al., 1991). Jedoch konnten Croker und Buchanan (2011) unter Verwendung eines abweichenden Paradigmas zeigen, dass Kindergartenkinder im Alter von 4 Jahren unter der Bedingung, dass sie ihr Vorwissen nutzen können, konklusive Experimente aus einer Reihe von Experimenten auswählen können. Diese Ergebnisse ebenso wie die Re-Analyse der Daten einer vorausgehenden Studie (Piekny et al., 2013) lassen vermuten, dass die gezielte Variation bestimmter Parameter des Untersuchungsparadigmas von Sodian et al. (1991) auch schon im frühen Kindergartenalter Kompetenzen im Verständnis für Experimente aufdecken lässt.

Im Projekt „Denken lernen im Zoo“ soll dieser Forschungszweig weiter verfolgt werden. Die gezielte Variation von Parametern des Untersuchungsparadigmas von Sodian et al. (1991) soll in Anlehnung an die Arbeiten von Cosmides (1985, 1989) erfolgen. Die Autorin konnte zeigen, dass Logikaufgaben, die unter abstrakten Bedingungen nur von einer geringen Anzahl an Versuchspersonen gelöst werden können, unter bestimmten aus evolutionspsychologischer Sicht relevanten Bedingungen von einer Mehrzahl der Versuchspersonen gelöst werden konnten.

Im Projekt „Denken lernen im Zoo“ soll die evolutionär begründbare Angst von Kindern vor Schlangen (vgl. z.B. LoBue & DeLoache, 2008) genutzt werden, um einen besonderen Anreiz zu schaffen, eine Experimentieraufgabe zu lösen. Hierbei sollen insgesamt drei Rollenspiele mit den Kindern gespielt werden, innerhalb derer die Kinder eine Aufgabe zum Verständnis für Experimente lösen müssen. Die Rollenspiele spielen in einem Zoo und beinhalten die Coverstory, dass Tiere aus dem Zoo entlaufen sind und wieder gefunden werden müssen. In einer der drei Rollenspiele handelt es sich um unterschiedlich große Mäuse, im zweiten um Mäuse und Kaninchen, und im dritten Rollenspiel um Mäuse und Schlangen. Die Tiere werden den Kindern als realistische Abbildungen (Zeichnungen) präsentiert. Es wird erwartet, dass insbesondere die letzte Bedingung unter Verwendung von Schlangen zu einem Anstieg der Lösungshäufigkeit führen könnte, da die Kinder in dieser Bedingung maximal motiviert sein müssten, die Schlangen wieder einzufangen und damit „unschädlich“ zu machen.

Der erwartete Nutzen des Projekts besteht aus grundlagenwissenschaftlicher Sicht in der Erwartung neuer Erkenntnisse zur Beeinflussbarkeit der kognitiven Fähigkeiten von Kindergartenkindern durch die gezielte Variation situativer Variablen. Die Verknüpfung des Forschungszweiges zum wissenschaftlichen Denken mit evolutionspsychologischen Ansätzen ist im Bereich der frühen Kindheit neuartig. Aus der Anwendungsperspektive lässt das Projekt Schlussfolgerungen darüber zu, wie naturwissenschaftliche Frühförderung beschaffen sein müsste, um den kindlichen Möglichkeiten gerecht zu werden. Bisherige frühpädagogische Ansätze zur naturwissenschaftlichen Förderung berücksichtigen nicht ausreichend das kindliche Verständnis für die Methoden des Erkenntnisgewinns. Das Projekt „Denken lernen im Zoo“ kann hierzu weiterführende Erkenntnisse liefern.