Reha-Integrativ. Integrative stationäre Behandlung von Versicherten mit besonderen beruflichen Problemlagen (Bundesprogramm „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – RehaPro“ gefördert vom BMAS)

Etwa die Hälfte der Rehabilitand:innen in einer psychosomatischen Rehabilitationsbehandlung ist es vor Aufnahme in die Klinik aus unterschiedlichen Gründen nicht gelungen, eine ambulante Psychotherapie zu beginnen. Eine frühzeitige Versorgung wäre aber vorteilhaft, da psychische Erkrankungen wie Depression oder Angst oft einen chronischen Verlauf haben, der bereits schon nach 2-3 Monaten einsetzt. Dabei gilt, dass eine Erkrankung eine umso längere Behandlungszeit mit einer entsprechenden Therapiedosis benötigt, je schwerer die Erkrankung ist und je weiter der Chronifizierungsgrad fortgeschritten ist. 30% der Rehabilitand:innen werden arbeitsunfähig aus der medizinisch-psychosomatischen Rehabilitation entlassen, wobei der Übergang in die Arbeitstätigkeit vor allem Rehabilitand:innen mit AU-Zeiten im Jahr vor der Heilbehandlung von über 3 Monaten selten gelingt. Eine Verlängerung der stationären Behandlungsdauer führt nicht zwangsläufig zu besseren Behandlungsergebnissen, wenn nicht gleichzeitig neue Behandlungselemente oder Behandlungsziele in den Therapieplan integriert werden.

Inhalt

Um eine erfolgreiche Reintegration ins Erwerbsleben zu erreichen, wird die medizinisch-psychosomatische Rehabilitationsbehandlung in zwei Phasen geteilt. 

In der ersten zweiwöchigen Phase (Intensivphase) wird der/die Patient:in auf die sich anschließende vierwöchige Rehabilitationsbehandlung mit beruflichem Schwerpunkt vorbereitet. In der Intensivphase wird der Anteil teilhabeorientierter psychotherapeutischer Leistungen so weit erhöht, dass Teilhabehemmnisse, die durch Kontextfaktoren, psychische Beeinträchtigungen oder (arbeits-) biographische Konflikte und Probleme entstanden oder begründet sind, intensiv bearbeitet werden können. Dadurch sollen die Wiedereingliederungschancen nach der sich anschließenden vierwöchigen Rehabilitationsbehandlung mit beruflichem Schwerpunkt erhöht werden.

Ziel

Es wird erwartet, dass sich die Reintegrationsquote der teilnehmenden Versicherten innerhalb der Einjahreskatamnese um mindestens 20% im Vergleich zur klassischen medizinischen Rehablitationsbehandlung verbessert. Des Weiteren erwarten wir, dass bei den Versicherten im gleichen Katamnesezeitraum die Beeinträchtigung durch psychische bzw. psychovegetative Symptome im Vergleich zu einer praxisüblichen psychosomatischen Standardrehabilitation signifikant geringer ausfällt.

Studiendesign

Die Auswertung erfolgt auf Basis einer mehrstufigen zweifaktoriellen Variananalyse mit Messwiederholung wobei der erste Faktor durch die Untersuchungs- und die Vergleichsgruppe und der zweite Faktor durch die drei Messzeitpunkte (Prä, Post und Einjahreskatamnese) gebildet werden.

Der qualitative Untersuchungsansatz folgt einem rekonstruktiven Design einschließlich komparativer Analyse. Auf Basis eines theoretical samplings werden ca. jeweils 25 erfolgreiche und nicht-erfolgreiche Projektteilnehmer am Ende der stationären Intensivbehandlung mittels eines leitfadengestützten Interviews befragt.

Laufzeit: 1.10.2019 – 30.09.2024

Projektmitarbeiter:innen: Dr. Bernhard Koch (Rehazentrum Oberharz), Alexandra Lambrecht (Rehazentrum Oberharz), Kirsten Rotter (DRV Braunschweig-Hannover).