INREFA 2.0 - Entwicklung einer Selbsthilfe-App für Erwerbsminderungsrentner zur Unterstützung der Rückkehr ins Erwerbsleben (Bundesprogramm „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – RehaPro“ gefördert vom BMAS)

Das Ereignis eines aufgehobenen Leistungsvermögens für den allgemeinen Arbeitsmarkt aufgrund einer psychischen Erkrankung muss als ein multifaktorieller Prozess begriffen werden. Durch die inneren und äußeren Bedingungen dieses multifaktoriellen Prozesses lassen sich unterschiedliche Betroffenengruppen beschreiben, deren Hilfe- und Unterstützungsbedarf differentiell eingeschätzt werden muss. Die selbst unternommenen oder von der Deutschen Rentenversicherung initiierten Behandlungsmaßnahmen, die so eine Neuorientierung erreichen könnten, reduzieren sich in der Berentung deutlich, obwohl im § 102 SGB VI die zeitliche Befristung der Renten wegen voller Erwerbsminderung verankert ist. Während lediglich ein Drittel der zeitlich befristet Berenteten ambulant psychotherapeutisch betreut wird, werden die meisten Personen mit einer zeitlich befristeten Rente wegen voller Erwerbsminderung lediglich mit Medikamenten behandelt. Berufliche Rehabilitationsmaßnahmen finden nur in den allerwenigsten Fällen statt. Lediglich sechs Prozent der befristet Berenteten kehren in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zurück, wobei kaum vorhergesagt werden kann, welche Faktoren mit einer positiven Absicht, ins Erwerbsleben zurückzukehren, vergesellschaftet sind. Lediglich das Alter und die Jahre, die ein Betroffener bereits aus dem Erwerbsleben ausgeschieden ist, korreliert (negativ) mit der Rückkehrabsicht. Es hat sich gezeigt, dass diese Zielgruppe aufgrund ihrer kontextuellen Belastungen, aber auch aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen nur schwer zu erreichen ist.

Inhalt

Trotz des immer größer werdenden Anteils psychischer Erkrankungen am Berentungsgeschehen wegen voller Erwerbsminderung gibt es bisher bundesweit keine in ihrer Effektivität überprüfte Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und zur Teilhabe am Arbeitsleben für Versicherte mit einer Rente wegen voller Erwerbsminderung. In dem Projekt soll eine Selbsthilfe-App entwickelt werden, die die Versicherten befähigen soll, niedrigschwellig und selbstgesteuert Unterstützungsangebote in Anspruch zu nehmen und ihre berufliche Wiedereingliederung voranzubringen. Die App soll den Mangel an sozialer, fachlicher und therapeutischer Betreuung abmildern. Sie stellt einerseits in Kombination mit einem Fallmanagement eine kontinuierliche, längerfristige Betreuung sicher, die aufgrund der langen Betreuungszeit von einem Jahr günstige Momente zur Motivierung nutzt und ungünstige, belastende Momente in ihrer Wirkung auf Aktivität und Teilhabe abmildert. Sie bietet andererseits den Versicherten, die aufgrund der Krankheitsfolgen ihrer psychischen Erkrankung in ihrer Aktivität und sozialen Partizipation noch sehr eingeschränkt sind, die Möglichkeit, in einem geschützten Raum selbstbestimmt mit anderen Betroffenen Kontakt aufzunehmen oder aber auch über die in der App verlinkten Gesundheitstrainings kontinuierlich an der Verbesserung ihres psychischen Wohlbefindens zu arbeiten.

Ziel

In dem Projekt soll eine Selbsthilfe-App entwickelt werden, die den Teilnehmern dabei hilft

  • sich untereinander zu vernetzen und zu unterstützen (Selbsthilfe),
  • ihre Aktivitäts- und Teilhabefortschritte mit den anderen zu teilen und zu reflektieren,
  • Teilziele im Alltag zu erledigen und dafür Feedbacks und Prämienpunkte zu sammeln,
  • über verschiedene, bereits bewährte und angewandte Apps Krankheitsbelastungen zu bewältigen, Selbstwirksamkeit, Selbstsicherheit und soziale Kompetenz aufzubauen und
  • sich über Problembereiche und Hemmfaktoren für Aktivität und Teilhabe, aber auch über Fördermöglichkeiten der Rentenversicherung über Infomaterial (Texte, Grafiken, Videos) zu informieren (FAQ) und
  • sich über dynamische Selbstbeobachtungstools kontinuierlich in der Bewältigung von Problemen und Belastungen im Alltag zu verbessern.

Studiendesign

Die Evaluation folgt einem randomisiert-kontrollierten Studiendesign nach dem intention–to–treat-Prinzip. Um den inkrementellen Effekt des mit einer Selbsthilfe-App kombinierten Fallmanagements zu testen, werden alle Versicherten, die eine VEM beziehen, zufällig einem von vier Interventionsarmen (Fallgruppen) zugewiesen:

  1. Kombination aus Fallmanagement und Selbsthilfe-App.
  2. Selbsthilfe-App ohne persönliches Fallmanagement. Es erfolgt lediglich eine Anamnese zu Beginn des Projekts zur Feststellung des Bedarfs- und Förderplans.
  3.  Fallmanagement (persönlich oder per Telefon) ohne Selbsthilfe-App.
  4. Kontrollgruppe. Die Teilnehmer erhalten jedes Quartal einen Anruf, in dem sie über die Leistungen zur medizinischen Rehabilitation und die beruflichen Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben informiert werden.

Zielgrößen sind die Akzeptanz und die Nutzungscharakteristika des Angebots, die soziale und berufliche Partizipation und der Gesundheitszustand.

Laufzeit: 1.11.2021 – 31.10.2026

ProjektmitarbeiterIn: Dimitra Savvoulidou