INN³plus
INN³plus (Integrationsnetzwerk Niedersachsen – motivieren, qualifizieren, integrieren). Effektivität einer Kombination aus medizinisch- beruflicher Rehabilitation und teilhabe- und motivationsorientierter Psychotherapie (Bundesprogramm „Innovative Wege zur Teilhabe am Arbeitsleben – RehaPro“ gefördert vom BMAS)
Die komplexen Bedingungen, die einer erfolgreichen Wiedereingliederung bei Rehabilitand:innen mit besonderen beruflichen Problemlagen entgegenstehen, können häufig in der medizinischen und in der beruflichen Rehabilitation aus unterschiedlichen Gründen nicht ausreichend berücksichtigt werden. Die klassische medizinische und berufliche Reha ist darauf ausgelegt, die Betroffenen aus dem Lebenskontext zu nehmen, um sie in einem stationären Umfeld soweit zu stabilisieren, dass sie nach der Maßnahme in der Lage sind, mit ihren Problemen umzugehen. Während der medizinischen Rehabilitation die Arbeitsplatznähe fehlt und vor allem nach Beendigung der Leistung zur medizinischen Rehabilitation kaum noch Einfluss auf die tatsächliche Wiedereingliederung besteht, fehlt es in der beruflichen Rehabilitation (LTA) an fundierter Bearbeitung der Kontext- und Motivationsprobleme. Für beide Rehabilitationsformen gilt, dass vor allem die in manchen Fällen notwendige intensive psychotherapeutische Bearbeitung einzelner Belastungsfelder nicht möglich ist.
Inhalt
Im Projekt INN3plus werden psychotherapeutische, medizinisch-rehabilitative sowie beruflich-rehabilitative Leistungen bedarfsgerecht kombiniert. Dafür erbringen das BFW Bad Pyrmont, das Reha-Zentrum Bad Pyrmont der DRV Braunschweig - Hannover kooperativ und gleichberechtigt die erforderlichen medizinischen und beruflichen Leistungen zur Wiedereingliederung in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis (Regelleistung). Die Trennung von stationären und ambulanten sowie zwischen beruflichen und medizinischen Leistungen wird aufgehoben. Die im Regelgeschäft medizinischer oder beruflicher Rehabilitation bezüglich personeller und inhaltlich-struktureller Ausgestaltung eingeschränkte psychosoziale Betreuung und Therapie wird durch die Verfügbarkeit eines zusätzlichen psychotherapeutischen Angebots den individuellen Bedarfen der Teilnehmer:innen angepasst.
Ziel
Alle Leistungen in INN3plus - die medizinische und berufliche Rehabilitation sowie die begleitende teilhabeorientierte Psychotherapie - werden aus einer Hand erbracht. Das Ziel des Projektes ist es, psychisch erkrankte Versicherte mit umfassenden besonderen Problemlagen und hemmenden Kontextfaktoren, die mit den derzeit vorgehaltenen Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben und Angeboten der medizinischen Rehabilitation nicht bedarfsgerecht versorgt werden können, bei der arbeitsfördernden Gestaltung individueller Lebensumstände zu unterstützen bzw. für die Reintegration in den Arbeitsmarkt vorzubereiten und zu trainieren.
Im Vergleich zu klassischen LTA-Maßnahmen sollen mindestens 20% mehr LTA-Teilnehmer:innen mit entsprechender Diagnostik innerhalb von 6 Monaten nach Abschluss der Hauptmaßnahme von INN3plus im Arbeitsmarkt integriert sein und eine versicherungspflichtige Tätigkeit ausüben.
Studiendesign
Der quantitativen Evaluation liegt ein quasi-experimentelles zweiarmiges Untersuchungsdesign zugrunde. Der erste Arm besteht aus der Maßnahme INN3plus (Behandlungsgruppe), der zweite Arm aus einer konventionellen Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben. In der quantitativen Erhebung werden soziodemographische Daten, Krankheitsbelastungen, Daten zur Persönlichkeitsstruktur, zur Arbeitsmotivation und zur Belastung durch Kontextfaktoren erhoben.
Der qualitative Untersuchungsansatz folgt einem rekonstruktiven Design einschließlich komparativer Analyse. Auf Basis eines theoretical samplings werden ca. 25 erfolgreiche und nicht-erfolgreiche Rehabilitand:innen beider Untersuchungsarme befragt und ihre unterschiedlichen Erfahrungen miteinander verglichen (insgesamt 50 Interviews). Es werden leitfadengestützte narrative Interviews durchgeführt, in denen die Erfahrungen und Bewertungen der Maßnahmen, aber auch die Reintegration und mögliche Erwerbstätigkeit der Nichterfolgreichen thematisiert werden.
Laufzeit: 1.12.2019 – 30.11.2024
Projektmitarbeiterin: Ines Passier