ViVA
Ambulante Nachsorge bei Tumorerkrankungen durch videobasierte werteorientierte Verhaltensaktivierung
– eine randomisiert kontrollierte Studie / ViVA
Die ersten Ergebnisse des ViVA-Projekts finden Sie nun hier
Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund eine halbe Million Menschen neu an Krebs. Die Mitteilung einer Tumorerkrankung kann ein traumatisches Ereignis sein und zu psychischen Beeinträchtigungen wie Depressionen, Angststörungen oder Anpassungsstörungen führen. In Anlehnung an die Empfehlungen der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften sollten betroffene Personen mit einer erhöhten psychischen Belastung ein Versorgungsangebot bekommen. Bisherige psychotherapeutische Interventionen bei Tumorerkrankten erzielten moderate Effekte in Bezug auf Ängstlichkeit, Depressivität und Lebensqualität. Ein möglicher Grund für eine begrenzte Wirksamkeit könnte darin liegen, dass unspezifische Behandlungstechniken eingesetzt wurden. Angesichts der lebensbedrohlichen Natur der Erkrankung wird jedoch die Integration einer persönlichen Ziel-Wert-Klärung und Anpassung in onkologische Behandlungskonzepte als notwendig erachtet. Im deutschsprachigen Raum gibt es keine vergleichbaren psychoonkologischen Behandlungsansätze, die Betroffene mittels werteorientierter Verhaltensaktivierung (VA) dabei unterstützen, persönlich wichtige Werte und Lebensziele zu klären und in den Alltag zu (re-)integrieren.
Inhalt
Während der Projektlaufzeit wird das empirisch fundierte und aus der Depressionsbehandlung entliehene Konzept der werteorientierten Verhaltensaktivierung in die ambulante Tumornachsorge etabliert und erprobt. Tumorerkrankte erhalten dabei in 12 manualisierten Nachsorgesitzungen eine systematische Unterstützung bei der Anpassung individueller Bedürfnisse und Ziele.
Durch die Nutzung der Videosprechstunde können Teilnehmer:innen und Behandler:innen direkt miteinander kommunizieren, ohne dass ein persönlicher Kontakt erforderlich ist. Derartige videobasierte Ansätze erfüllen das Bedürfnis nach einer individuellen Behandlung bei eingeschränktem Gesundheitszustand und begrenzter Zeit.
Ziel
Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Wirksamkeit der videobasierten werteorientierten Verhaltensaktivierung (VA-V) bei Tumorerkrankten - im Vergleich zur leitlinienkonformen Nachbehandlung - zu untersuchen. Bei den Beteiligten wird von einer deutlichen Reduktion der psychischen Belastung und Steigerung der Lebensqualität ausgegangen.
Das Projekt soll zur verbesserten psychoonkologischen Versorgung von Tumorerkrankten beitragen.
Studiendesign
Die Studie beinhaltet eine randomisierte Zuordnung der Teilnehmer:innen (stratifiziert nach Geschlecht und den häufigsten Tumorerkrankungen) zu zwei Studienarmen: Leitlinien-Behandlung vs. VA-V-Behandlung. Es werden fünf Messzeitpunkte für die Ergebnisevaluation festgelegt: vor der Intervention (Prä-Messung), zwei Messungen während der Interventionen, nach der Intervention (Post-Messung) und die Katamnese nach sechs weiteren Monaten. Neben allgemeiner Lebensqualität und psychischer Belastung erfolgt u.a. eine Erhebung der Arbeitsfähigkeit.
Die angestrebte Stichprobe (n = 73 pro Gruppe) wird im Rehazentrum Oberharz als Kooperationspartner:in rekrutiert und umfasst tumorerkrankte Teilnehmer:innen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren mit subjektiver psychosozialer Belastung und einer in einem strukturierten klinischen Interview festgestellten psychischen Erkrankung (z.B. Depression, Anpassungsstörung oder Angststörung). Die Durchführung der Interventionen erfolgt durch geschulte Mitarbeiter:innen und wird von einer Psychotherapeutin supervidiert. Bei dem statistischen Datenauswertungsprinzip handelt es sich um eine Intention-to-treat-Analyse, wobei Mehrebenen-Strukturgleichungsmodelle verwendet werden. Eine Prozessevaluation wird durchgeführt, um die Umsetzung der Intervention zu überprüfen und die Adhärenz zu erfassen.
Laufzeit: 01.01.2023 – 31.12.2025
Projektmitarbeiter:innen: Lena Melzner, Dr. Maren Reder, Gabriele Prinz
Projektverantwortlich: Dr. Christine Hofheinz, Prof. Christoph Kröger,
Kooperationspartner:in: Rehazentrum Oberharz