Arbeitsgruppe Neurodidaktik

Forschungsgebiet

Die Neurodidaktik ist ein faszinierendes, junges, aufstrebendes und interdisziplinär ausgerichtetes Forschungsgebiet, das sich forschend, lehrend und praxisbezogen mit dem Gegenstandsbereich "Lernen" in Anwendungsfeldern von Erziehung und Bildung befasst. Dabei bedient sie sich der Erkenntnisse und der Methoden sowohl der Psychologie als auch der Erziehungswissenschaft sowie der kognitiven und affektiven Neurowissenschaften. Das Forschungsinteresse der Neurodidaktik bewegt sich entlang eines Kontinuums, dass von der Übernahme von Erkenntnissen der kognitiven und affektiven Neurowissenschaften sowie der Psychologie und der Erziehungswissenschaft, über eigenständige Grundlagenforschung bis hin zur praxisbezogenen Intervention und Evaluation von Maßnahmen zur Verbesserung des Lernens in Feldern von Erziehung und Bildung reicht. Entsprechend kann man die Neurodidaktik als grundlagen-, anwendungs- und praxisorientierte Wissenschaft verstehen. Als grundlagenorientierte Wissenschaft erweitert und systematisiert die Neurodidaktik das allgemeine Wissen zum Gegenstandsbereich "Lernen" und zwar unabhängig von der Frage, ob sich aus diesem Wissen unmittelbare oder für die Zukunft denkbare Anwendungsmöglichkeiten ergeben. Dabei prüft sie die wissenschaftliche Gültigkeit ihrer Theorien und Hypothesen mit Hilfe von systematisch angelegten und streng kontrollierten Laborexperimenten. Dazu kommen in unserer Arbeitsgruppe vorwiegend EEG- und Eye-Tracking-Methoden zum Einsatz. Als anwendungsorientierte Wissenschaft trägt die Neurodidaktik neurodidaktische, neurowissenschaftliche, psychologische und erziehungswissenschaftliche Forschungsergebnisse zusammen, die für Praxisfelder von Erziehung und Bildung relevant sind, und integriert diese Erkenntnisse zu weiterführenden Forschungsperspektiven und komplexen praxisnahen Theorien, die den Menschen als gleichermaßen biologisches, psychisches und soziales Lebewesen anerkennen. Diese Forschungsperspektiven und integrativen Theorien führen zur Planung und Durchführung von Feldexperimenten, in denen die Gültigkeit der weiterführenden Hypothesen und Schlussfolgerungen unter realistischeren Bedingungen als im Laborexperiment, jedoch unter stärker kontrollierten Bedingungen als in einer Feldstudie, überprüft werden können. Als praxisorientierte Wissenschaft entwickelt die Neurodidaktik aus komplexen praxisnahen Modellen konkrete Interventionen, die der Optimierung von Erziehungsprozessen in der Familie, der Gestaltung von Lernumgebungen und Lernmaterialien sowie der Verbesserung von professioneller Wissensvermittlung in Institutionen von Bildung und Weiterbildung dienen können. Dabei wird die Wirksamkeit dieser Interventionen in Feldstudien wissenschaftlich evaluiert und deren Nutzen in Bezug auf die erzielten (und nicht erzielten!) Lern- und Leistungsverbesserungen kritisch reflektiert. Neben der Evaluation und Reflexion der eigenen Interventionen ist es die Verantwortung einer praxisorientierten Neurodidaktik, das verfügbare Wissen zum "hirngerechten" Lernen in Vorträgen, Weiterbildungen und Workshops aufzuzeigen, um auf diese Weise zur Professionalisierung von erzieherisch Handelnden (vor allem Eltern, Erzieher und Lehrer) in Bereichen von Erziehung und Bildung beizutragen.

 

Seit 2010 ist die Arbeitsgruppe Neurodidaktik des Instituts für Psychologie der Stiftung Universität Hildesheim mit dem Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen assoziiert.

 

 Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen