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Dekobild im Seitenkopf Oswald Überegger
 
 

Übersicht

 

Mailadresse

Oswald Überegger:

ueberegg@uni-hildesheim.de

 

Biographie

Studium der Geschichte und Politikwissenschaften an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, Mag. phil., Dr. phil.

Research Fellow des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung in Wien (FWF) an der Universität Innsbruck 1997–1999

Forschungsassistent am Institut für Geschichte der Universität Innsbruck als Stipendiat des Vereines zur Förderung der wissenschaftlichen Ausbildung und Tätigkeit von Südtirolern 1999–2001

regelmäßiger Lehrbeauftragter am Institut für Geschichte der Universität Innsbruck seit 2003

wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rahmen des Interreg-III-Forschungsprogrammes der Europäischen Union (Italien-Österreich/Italia-Austria) 2002–2006

wissenschaftlicher Projektmitarbeiter bei Prof. Christa Hämmerle (Institut für Geschichte der Universität Wien) im Rahmen eines in Kooperation mit dem Tiroler Landesarchiv durchgeführten Forschungsprojektes über die Erinnerungskulturen des Ersten Weltkrieges in Österreich und Tirol 2007–2009

wissenschaftlicher Mitarbeiter in Forschung und Lehre am Institut für Geschichtswissenschaften und Ethnologie der Universität Innsbruck 2009–2010

seit Juni 2010 DFG Research Fellow am Institut für Geschichte der Universität Hildesheim, Leiter des DFG-Forschungsprojektes „Militärische Normübertretungen und Kriegsführung. Kriegsgräuel der Mittelmächte im Ersten Weltkrieg“

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Forschungsschwerpunkte

Sozial-, Mentalitäts- und Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs

„Neue“ Militärgeschichte, historische Friedens- und Konfliktforschung

Gewalt- und Genozidgeschichte

Historische Erinnerungskulturen

Österreichische und italienische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts

Moderne Regionalgeschichte (insbesondere des Alpenraums)

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Vorträge (seit 2005)

29. April 2005: Krieg als sexuelle Zäsur? Sexualmoral und Geschlechterstereotypen im kriegsgesellschaftlichen Diskurs über die Geschlechtskrankheiten. Kulturgeschichtliche Annäherungen.

Vortrag im Rahmen der internationalen Tagung „Der Erste Weltkrieg im Alpenraum. Erfahrung, Deutung, Erinnerung/La Grande Guerra nell’arco alpino. Esperienze e memoria“ an der Freien Universität Bozen

 

24. Mai 2005: 24 maggio 1915. L’Altra guerra nel Tirolo austriaco e nel Trentino

Vortrag im Trentiner Landtag, Sala dell’Aurora, Referat gemeinsam mit Prof. Maria Garbari, Präsidentin der Società di Studi Trentini di Scienze Storiche

 

31. Mai 2005: Der Intervento als regionales Bedrohungsszenario. Der italienische Kriegseintritt von 1915 und seine Folgen in der Erfahrung, Wahrnehmung und Deutung der Tiroler Kriegsgesellschaft

Vortrag im Rahmen einer vom Italienisch-Deutschen Historischen Institut in Trient (Prof. Gian Enrico Rusconi) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgeschichte München/Berlin organisierten Studientagung zum Thema “La decisione dell’intervento dell’Italia in guerra nel 1915/Der Kriegseintritt Italiens im Jahre 1915“

 

4. September 2005: 24 maggio e dintorni: La prima volta dell’Italia in guerra. Italiani e austriaci all’entrata dell’Italia nel primo conflitto mondiale del 1915

Vortrag im Rahmen einer österreichisch-italienischen Historikertagung, organisiert von der Gemeinde Cortina d’Ampezzo in Verbindung mit der Università degli Studi di Verona

 

9. Oktober 2005: Überleben an der „Heimatfront“. Kriegsalltag zwischen propagandistischer Mobilisierung und staatlicher Mangelwirtschaft

Vortrag im Rahmen des 19. Interdisziplinären Symposions zur Volkserzählung (Thema: Volkskultur und Gedächtnis: Der Krieg im Kontext des Alltagslebens), Brunnenburg, Schloss Tirol, organisiert vom Institut für Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck, dem Landesmuseum für Kultur- und Landesgeschichte Schloss Tirol und dem Arbeitskreis Brunnenburg

 

9./10. Mai 2006: Einleitungsreferat bei der Präsentation des Themenheftes „Region in Waffen/Regioni in armi“ der historischen Fachzeitschrift „Geschichte und Region/storia e regione“ an der Freien Universität Bozen und der Università degli Studi di Trento

 

20. Juli 2006: Erinnerung und Verarbeitung des Ersten Weltkrieges in der Geschichtsschreibung

Referat im Rahmen der vom Katholischen Südtiroler Lehrerbund in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Kulturinstitut veranstalteten Lehrerfortbildung zum Thema „Zeitgeschichte: Der Erste Weltkrieg. Seminar für Lehrer/innen aller Schulstufen“

 

26. Oktober 2006: Einleitungsreferat und Moderation der Podiumsdiskussion anlässlich der Filmpräsentation „Weltkrieg – Kriegswelt. Kriegsalltag in Tirol 1914–1918“ von Peter Paul Kainrath und Verena Gruber in Mauls (Südtirol)

 

18. Dezember 2006: Einleitungsreferat anlässlich der Buchpräsentation „Der Erste Weltkrieg im Alpenraum. Erfahrung, Deutung, Erinnerung/La Grande Guerra nell’arco alpino. Esperienze e memoria“ in Bozen, Ansitz Rottenbuch, veranstaltet vom Südtiroler Landesarchiv

 

24. Mai 2007: Einleitungsreferat anlässlich der Buchpräsentation „Der Erste Weltkrieg im Alpenraum. Erfahrung, Deutung, Erinnerung/La Grande Guerra nell’arco alpino. Esperienze e memoria“ in Innsbruck, veranstaltet vom Italienzentrum der Universität Innsbruck in Verbindung mit der Abteilung für Südtirolagenden

 

12. Oktober 2007: Serbien 1914: Militärische Normübertretungen und ziviler Widerstand in den österreichisch-ungarischen Offensiven an der Südfront 1914

Referat anlässlich der vom Deutschen Komitee für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges in Verbindung mit der Universität Mainz und der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung organisierten Tagung zum Thema „Krieg, Gewalt und Besatzung – Partisanenkrieg im 20. Jahrhundert“

 

26. Oktober 2007: Moderation der Veranstaltung und des Projektabends „Franziska und Josef. Briefe zwischen Front und Heimat (1915–1917)“ organisiert von der Geschichtswerkstatt Freienfeld in Verbindung mit dem Institut für Geschichte der Universität Innsbruck

 

4. April 2008: Warum sagen Kriegerdenkmäler relativ wenig über lokale Kriegserinnerungskulturen aus? – Denkmäler und lokale Kriegserinnerung in der Ersten Republik

Vortrag auf der von der British Academy und dem Institut für Geschichte der Universität Wien organisierten Tagung zum Thema „Auf anderen Wegen? Neue Militärgeschichte der Habsburgermonarchie“

 

15. Mai 2008: „Erinnerungsorte“ oder nichtssagende Artefakte? Österreichische Kriegerdenkmäler und lokale Kriegserinnerung in der Zwischenkriegszeit

Vortrag anlässlich des vom Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien und von der Universität Graz organisierten workshops zum Thema „Kulturgeschichte des Ersten Weltkriegs“ in Wien

 

30. Mai 2008: Erinnern und/oder Entschädigen – Formen der Kriegsbewältigung. Kriegsopferversorgung und Denkmalkultur nach 1918

Vortrag am 7. Österreichischen Zeitgeschichtetag 2008, organisiert vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck

 

18. September 2008: Verhältnis von militärischer Gewalt und zivilem Widerstand während des Serbien-Feldzuges 1914/15

Referat anlässlich der vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam organisierten 49. Internationalen Tagung für Militärgeschichte zum Thema „Am Rande Europas? Der Balkan – Raum und Bevölkerung als Wirkungsfelder militärischer Gewalt“

 

30. Oktober 2008: Auf der Flucht vor dem Krieg. Tiroler Deserteure im Ersten Weltkrieg Vortrag im Museum Ferdinandeum (Innsbruck) auf Einladung des Tiroler Geschichtsvereins in Innsbruck

 

13. März 2009: Krieg in den Köpfen. Der Erste Weltkrieg und seine öffentliche Deutung nach 1945 im österreichisch-italienischen Vergleich

Vortrag auf der Tagung „Italien, Österreich und Deutschland in Europa. Ein Dreiecksverhältnis in seinen wechselseitigen Beziehungen und Wahrnehmungen von 1945/49 bis zur Gegenwart/Italy, Austria and Germany in Europe. A Triangle Relationship: Mutual Relations and Perceptions from 1945/49 to the Present“ des Instituts für Geschichte der Universität Hildesheim und des Italienisch-Deutschen Historischen Instituts Trient

 

18. September 2009: Attaccare l’Italia: la propaganda austriaca

Vortrag bei der Tagung „Costruirsi un amico. La propaganda nella Grande Guerra e nei conflitti del novecento“ in Rovereto (I), organisiert vom Centro Interuniversitario di Studi e Ricerche Storico-Militari und vom Museo Storico Italiano della Guerra, Rovereto

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Publikationen

Monographien, Sammelbände und Editionen

forthcoming:

Erinnerungskriege. Der Erste Weltkrieg, Österreich und die Tiroler Kriegserinnerung in der Zwischenkriegszeit (1918–1939), erscheint 2011

 

Mein Gröden. Lebenswelten des katholischen Tiroler Landbürgertums im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das Tagebuch der Filomena Moroder (1878–1922), erscheint 2011

 

erschienen:

Der Erste Weltkrieg im Alpenraum. Erfahrung, Deutung, Erinnerung. La Grande Guerra nell’arco alpino. Esperienze e memoria (Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs/Pubblicazioni dell’Archivio provinciale di Bolzano 23), Innsbruck 2006 (gemeinsam mit Hermann J. W. Kuprian).

 

Heimatfronten. Dokumente zur Erfahrungsgeschichte der Tiroler Kriegsgesellschaft im Ersten Weltkrieg, 2 Bde. (Tirol und der Erste Weltkrieg. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft 6/1 und 6/2), Innsbruck 2006.

 

Region in Waffen/Regioni in armi, Themenheft der regionalhistorischen Fachzeitschrift „Geschichte und Region/storia e regione“, 14 (2005) 2 (gemeinsam mit Camillo Zadra).

 

L’altra guerra. La giurisdizione militare in Tirolo durante la prima guerra mondiale (Collana di monografie edita dalla Società di studi trentini di scienze storiche, Bd. LXV), Trento 2004.

 

Zwischen Nation und Region. Weltkriegsforschung im interregionalen Vergleich. Ergebnisse und Perspektiven (Tirol und der Erste Weltkrieg. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft 4), Innsbruck 2004.

 

Leben im Krieg. Die Tiroler „Heimatfront“ im Ersten Weltkrieg, Bozen 2004 (gemeinsam mit Matthias Rettenwander).

 

Der Krieg in der Region. Tirol und der Erste Weltkrieg, Themenheft der landesgeschichtlichen Fachzeitschrift „Der Schlern“, 78 (2004) 12.

 

Der andere Krieg. Die Tiroler Militärgerichtsbarkeit im Ersten Weltkrieg (Tirol und der Erste Weltkrieg. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft 3), Innsbruck 2002.

 

Freienfeld unterm Liktorenbündel. Eine Fallstudie zur Geschichte der Südtiroler Gemeinden unter dem italienischen Faschismus, Innsbruck 1996.

 

Beiträge in Fachzeitschriften und Sammelbänden

 

forthcoming:

„Erinnerungsorte“ oder nichtssagende Artefakte? Österreichische Kriegerdenkmäler und lokale Kriegserinnerung in der Zwischenkriegszeit, in: Laurence Cole/Christa Hämmerle/Martin Scheutz (Hg.), Glanz – Gewalt – Gehorsam. Militär und Gesellschaft in der Habsburgermonarchie (1800 bis 1918), (Frieden und Krieg. Beiträge zur Historischen Friedensforschung), Essen 2010 (im Erscheinen).

 

Un ‚latecomer’ nella guerra di propaganda. La monarchia asburgica e la propaganda di guerra contro l’Italia nella Grande Guerra, in: Nicola Labanca/Camillo Zadra (Hg), Costruirsi un nemico. La propaganda nella Grande Guerra e nel novecento, Milano 2010 (im Erscheinen).

 

erschienen:

L’intervento come scenario di pericolo per la regione. L’entrata in guerra dell’Italia e le sue conseguenze nell’esperienza, nella percezione e nell’interpretazione della società tirolese di guerra, in: Johannes Hürter/Gian Enrico Rusconi (Hg.), L’entrata in guerra dell’Italia nel 1915 (Annali dell’Istituto storico italo-germanico in Trento, Quaderni 78), Bologna 2010, S. 173–206.

 

„Man mache diese Leute, wenn sie halbwegs verdächtig erscheinen, nieder.“ Militärische Normübertretungen und ziviler Widerstand an der Balkanfront 1914/15, in: Bernhard Chiari/Gerhard Groß (Hg.), Am Rande Europas? Der Balkan – Raum und Bevölkerung als Wirkungsfelder militärischer Gewalt, München 2009, S. 121–136.

 

Politik, Nation und Desertion. Zur Relevanz politisch-nationaler und ideologischer Verweigerungsmotive für die Desertion österreichisch-ungarischer Soldaten im Ersten Weltkrieg, in: Wiener Zeitschrift zur Geschichte der Neuzeit, hrsg. von Christa Hämmerle und Maria Fritsche 8 (2008) 2, S. 109–119.

           

„Verbrannte Erde“ und „baumelnde Gehenkte“. Zur europäischen Dimension militärischer Normübertretungen im Ersten Weltkrieg, in: Sönke Neitzel/Daniel Hohrath (Hg.), Kriegsgreuel. Die Entgrenzung der Gewalt in kriegerischen Konflikten vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert (Krieg in der Geschichte 40), Paderborn/München/Wien/Zürich 2008, S. 241–278.

 

Der „Intervento“ als regionales Bedrohungsszenario. Der italienische Kriegseintritt von 1915 und seine Folgen in der Erfahrung, Wahrnehmung und Deutung der Tiroler Kriegsgesellschaft, in: Gian Enrico Rusconi/Johannes Hürter (Hg.), Der Kriegseintritt Italiens im Mai 1915 (Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, Sondernummer), München 2007, S. 117–131.

 

Flucht als politisch-nationales Deutungskonstrukt? Lebensweltliche Fluchtmotive Trentiner Deserteure zwischen politisch-militärischer Deutungszuschreibung und retrospektiver Politisierung, in: Hanns Haas/Ewald Hiebl (Hg.), Politik vor Ort. Sinngebung in ländlichen und kleinstädtischen Lebenswelten (Jahrbuch für Geschichte des ländlichen Raumes 2007), Innsbruck/Wien 2007, S. 282–292.

 

Le atrocità nella prima guerra mondiale. Saggio storico-bibliografico e bibliografia scelta, in: DEP. Deportate, esuli, profughe. Rivista telematica di studi sulla memoria femminile (2007) 7, S. 232–259 (http://www.unive.it/nqcontent.cfm?a_id=36320).

 

 „Totaler Krieg“ in der Kleinstadt. Bruneck im Ersten Weltkrieg, in: Stefan Lechner (Hg.), Der lange Weg in die Moderne. Geschichte der Stadt Bruneck 1800–2006, Innsbruck 2006, S. 82–107 (gemeinsam mit Matthias Santer).

 

Krieg als sexuelle Zäsur? Sexualmoral und Geschlechterstereotypen im kriegsgesellschaftlichen Diskurs über die Geschlechtskrankheiten. Kulturgeschichtliche Annäherungen, in: Hermann Kuprian/Oswald Überegger (Hg.), Der Erste Weltkrieg im Alpenraum. Erfahrung, Deutung, Erinnerung. La Grande Guerra nell’arco alpino. Esperienze e memoria (Veröffentlichungen des Südtiroler Landesarchivs/Pubblicazioni dell’archivio provinciale di Bolzano 23), Innsbruck 2006, S. 351–366.

 

Editorial, in: Region in Waffen/regioni in armi, hrsg. von Oswald Überegger und Camillo Zadra, Geschichte und Region/storia e regione 14 (2005) 2, S. 5–14.

 

24 maggio 1915–2005. L’Altra Guerra vista nel Tirolo e nel Trentino. Riflessioni a due voci, in: Consiglio provinciale, cronache. Periodico di documentazione e informazione sull’attività politico-legislativa del consiglio della Provincia Autonoma di Trento v. 13.8.2005, S. 22–23.

 

Überleben an der „Heimatfront“. Kriegsalltag zwischen propagandistischer Mobilisierung und staatlicher Mangelwirtschaft, in: Siegfried de Rachewiltz (Red.), Die düstern Adler – Aquile funeste. Der Erste Weltkrieg in Kunst, Literatur und Alltag. Wahn und Wirklichkeit. Arte, letteratura e vita quotidiana nella Grande Guerra. Tra delirio e dolore. Schloss Tirol/Castel Tirolo, 28.6.–15.11.2005, Bozen 2005, S. 266–271.

 

Mobilisierte Richter. Die Tiroler Militärgerichtsbarkeit im Ersten Weltkrieg, in: Brigitte Mazohl-Wallnig/Gunda Barth-Scalmani/Hermann Kuprian (Hg.), Ein Krieg – zwei Schützengräben. Österreich – Italien und der Erste Weltkrieg in den Dolomiten 1915–1918, Bozen 2005, S. 301–320.

 

Einleitung, in: Oswald Überegger (Hg.), Zwischen Nation und Region. Weltkriegsforschung im interregionalen Vergleich (Tirol und der Erste Weltkrieg. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft 4), Innsbruck 2004, S. 11–15.

 

Vom militärischen Paradigma zur „Kulturgeschichte des Krieges“? Entwicklungslinien der österreichischen Weltkriegsgeschichtsschreibung zwischen politisch-militärischer Instrumentalisierung und universitärer Verwissenschaftlichung, in: Oswald Überegger (Hg.), Zwischen Nation und Region. Weltkriegsforschung im interregionalen Vergleich. Ergebnisse und Perspektiven (Tirol und der Erste Weltkrieg. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft 4), Innsbruck 2004, S. 63–122.

 

Tirol und der Erste Weltkrieg. Die regionale Dimension des Krieges, in: Der Schlern. Monatszeitschrift für Südtiroler Landeskunde 78 (2004) 12, S. 4–6.

 

Regionale Wege zur „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“. „1914–1918: Tirol-Trentino. Perspektiven regionaler Weltkriegsforschung“. Ein Bericht zur Tagung der Abteilung für Österreichische Geschichte am Institut für Geschichte der Universität Innsbruck, 2. Juni 2003, in: Geschichte und Region/storia e regione 12 (2003) 2, S. 223–229.

 

Auf der Flucht vor dem Krieg. Tiroler und Trentiner Deserteure im Ersten Weltkrieg, in: Militärgeschichtliche Zeitschrift 62 (2003) 2, S. 355–393.

 

Giudici mobilitati. La giurisdizione militare tirolese nella prima guerra mondiale, in: Emilio Franzina (Hg.), Una trincea chiamata Dolomiti: 1915–1917. Una guerra, due trincee; ein Krieg, zwei Schützengräben (Collana storica 23), Udine 2003, S. 111–124.

 

Tabuisierung – Instrumentalisierung – verspätete Historisierung. Die Tiroler Historiographie und der Erste Weltkrieg, in: Geschichte und Region/storia e regione, 11 (2002) 1, S. 127–147.

 

Verkehr, Gastwirtschaft und Tourismus in Freienfeld. Skizze eines Beziehungs- und Bedeutungsgeflechtes, in: Geschichtswerkstatt Freienfeld (Hg.), Reisezeit : Zeitreisen. Verkehr, Gastwirtschaft und Tourismus in Freienfeld. 19. und 20. Jahrhundert (Publikationen der Geschichtswerkstatt Freienfeld 1), Sterzing 2002, S. 22–55.

 

Pathologisierung des Ungehorsams? Die Bedeutung der Militärpsychiatrie für die Tiroler Militärgerichtsbarkeit im Ersten Weltkrieg, in: eforum zeitGeschichte 1 (2001), S. 1–8 [http://www.eforum-zeitgeschichte.at].

 

Militärgerichtsbarkeit als Kriegsgerichtsbarkeit. Die Tiroler Militärjustiz im Ersten Weltkrieg, in: newsletter des Arbeitskreises für Militärgeschichte (2000) 13, S. 21–23.

 

„Im Namen seiner Majestät des Kaisers!“. Die Tiroler Militärgerichtsbarkeit im Ersten Weltkrieg. Zwischenbilanz eines Forschungsprojektes, in: Tageszeitung Dolomiten, Nr. 2, 4.1.2000.

 

Gehen oder Bleiben? Option und Umsiedlung im Wipptal, in: Der Erker (1999) 10–12.

 

Gemeinde und Faschismus. Freienfeld unterm Liktorenbündel. Eine Fallstudie zur Geschichte der Südtiroler Gemeinden unter dem Faschismus, in: Der Tiroler Chronist (1997) 3.

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Mitgliedschaften

Arbeitskreis Militärgeschichte (seit 2000)

Società di Studi Trentini di Scienze Storiche, Trento/Trient (seit 2005)

Arbeitsgruppe Regionalgeschichte/Gruppo di ricerca per la storia regionale, Bozen/Bolzano (seit 2001); Mitglied des Vorstandes und der Redaktion (seit 2008)

Zentrum für Erinnerungskultur und Geschichtswissenschaft (ZEG) an der Universität Innsbruck (seit 2009)

Arbeitskreis Historische Friedensforschung (seit 2009)

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Forschungsprojekte

a) Militärische Normübertretungen und Kriegführung im Ersten Weltkrieg. Kriegsgräuel der Mittelmächte an der Ost- und Südfront

 

Projektbeschreibung:

 

Ausmaß und Charakter der im Ersten Weltkrieg begangenen Kriegsgräuel hängen eng mit der neuen technisierten und industrialisierten Art der Kriegsführung des modernen Massenkrieges zusammen. Nicht nur in Bezug auf die militärischen Verluste und die massiven materiellen Schäden, sondern auch mit Blick auf das Ausmaß militärischer Normübertretungen stellte der Erste Weltkrieg einen Krieg der neuen Dimensionen dar, der die Schranken „normaler“ Kriegsgewalt vielerorts sprengte. Das an allen Fronten zu beobachtende Phänomen militärischer Normübertretungen beschränkte sich dabei nicht nur auf jene Art zweifelhafter Kriegsgewalt, deren völker- bzw. gewohnheitsrechtliche Legitimität zumindest im zeitgenössischen Diskurs umstritten war, wie etwa die Anwendung von Repressalien, Geiselnahmen und der Einsatz von Giftgasen, sondern umfasste ferner eine Vielzahl eindeutig als Kriegsverbrechen zu bezeichnende völkerrechtliche Tatbestände, wie etwa die zum Massenphänomen avancierten Erschießungen von Zivilpersonen und Kriegsgefangenen, Bevölkerungsdeportationen und Vergewaltigungen.

Erscheinungsformen, Charakter, Härte und Frequenz der Gräuel hingen eng mit den als strukturellen (harten) Faktoren zu bezeichnenden spezifischen kriegssituativen und -geographischen Rahmenbedingungen einerseits und dem Komplex von teils propagandistisch vermittelten und dramatisierten, teils auch traditionell präformierten ideologischen und mentalen soldatischen Dispositionen andererseits zusammen, die als sich im Krieg radikalisierende ‚weiche’ Faktoren mit entscheidenden Einfluss auf soldatische Handlungsweisen hatten. Eine aus forschungspraktischer Sicht stärkere Fokussierung dieses Geflechtes von gegebenen (Kriegs-)Rahmenbedingungen, vorhandenen Dispositionen, entstehenden Motivationen und konkreten Handlungsmustern, die zusammen auf je unterschiedliche Weise und in verschiedener Intensität auf die Entstehungsbedingungen und -voraussetzungen militärischer Normübertretungen eingewirkt haben, stellt gemeinsam mit der territorialen Ausweitung des Interessensfokus’ und der konsequenteren Integration des im Rahmen der „neuen“ Militärgeschichte entwickelten Reservoirs inhaltlich wie methodisch innovativer Fragestellungen ein großes Desiderat der künftigen Kriegsgräuel-Historiographie über den Ersten Weltkrieg dar. Im Rahmen dieses am Institut für Geschichte der Universität Hildesheim durchzuführenden Forschungsprojektes sollen insbesondere die deutschen und österreichisch-ungarischen Gräuel an der Ost- und Südfront beleuchtet werden.

Auf der Basis dieser grundlegenden Feststellungen werden sich die im Rahmen des Projektes durchgeführten Forschungen folgenden, hier nur grob skizzierten Frage- und Themenstellungen widmen:

 

Bilanzierende Aussagen über die komplexe Thematik der militärischen Normübertretungen und in besonderer Weise über ihre quantitative Dimension erscheinen einerseits vor allem deshalb schwierig, weil im Unterschied zum Krieg im Westen eine ähnlich intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den an der Ostfront begangenen Kriegsgräueln noch nicht einmal ansatzweise erfolgt ist. Die in der vorhandenen älteren und neueren Literatur vielfach ohne Berücksichtigung quellenkritischer Mindeststandards übernommenen, kursierenden Zahlenangaben harren deshalb großteils noch einer kritischen wissenschaftlichen Überprüfung – sofern dies überhaupt noch möglich ist. Die Tatsache, dass sich die internationale Aufmerksamkeit und Empörung schon während des Krieges auf die Westfront, insbesondere den völkerrechtswidrigen Einmarsch des deutschen Heeres in Belgien und die „German atrocities“ konzentrierte, brachte es andererseits mit sich, dass die im öffentlichen und medialen „Schatten“ der Westfront im Osten und Süden begangenen Kriegsgräuel kaum auf breiterer Ebene thematisiert wurden und – weil keine wirklich akute rechtfertigungsstrategische Notwendigkeit bestand – auch nur in viel geringerem Ausmaß – also lediglich fragmentarisch – Eingang in die amtlichen nationalen „Opferbilanzen“ vermeintlicher feindlicher Kriegsgräuel fanden. Erstes Ziel des Projektes ist es deshalb, auf der Basis des noch zahlreich vorhandenen zivilen und militärischen Quellenmaterials größere Klarheit und verlässlichere Aussagen über die quantitative Dimension der Kriegsverbrechen der Mittelmächte an der Ost- und Südfront auch im Vergleich mit den bisher kaum thematisierten russischen Gräueln zu gewinnen.

 

Der Krieg im Osten wies im Vergleich mit den militärischen Auseinandersetzungen im Westen essentielle Unterschiede auf, die vor allem in der „Physiognomie“ sowohl der operativen Kriegsführung als auch des durch die Kampfhandlungen in Mitleidenschaft gezogenen Territoriums liegen. Die Berücksichtigung dieser Unterschiede ist gerade in einer historischen Analyse begangener Kriegsgräuel und -verbrechen vor allem deshalb unabdingbar, weil sie die Präsenz, Frequenz und auch die jeweils spezifische, unterschiedliche Gestalt militärischer Normübertretungen entscheidend mitgeprägt haben. Diesen Fragen nach der Wechselwirkung von Kriegsführung und militärischer Radikalisierung soll im Zuge der Forschungen stärker auf den Grund gegangen werden.

Ein erster wesentlicher Unterschied liegt in der ungleich größeren Mobilität der militärischen Kampfhandlungen im Osten. Der sich nach der Invasions- und Besetzungsphase relativ rasch festgefahrene (Stellungs-)Krieg an der Westfront führte zu einer überschaubareren territorialen Begrenzung der militärischen Operationen, weshalb das Gros der Übergriffe auf die Zivilbevölkerung – sieht man von den großteils später erfolgten Zwangsrekrutierungen und Deportationen einmal ab – zwar nicht ausschließlich, aber vor allem in der „mobilen“ Kriegsphase zu Kriegsbeginn erfolgte. Der Bewegungskrieg im Osten zog hingegen eine tendenziell stärkere „Entgrenzung“ des Krieges nach sich. Die Mobilität der Kampfhandlungen und die stets von Gewalttätigkeiten und militärischer Willkür begleitete permanente Abfolge von operativen Vorstößen und Rückzügen setzten die Zivilbevölkerung der im zentralen Frontbereich gelegenen Gebiete einer kriegsbedingten Dauermobilisierung aus. Stellten schon der Bewegungskrieg an sich und dessen gewaltsame Begleiterscheinungen die nicht-kombattante Bevölkerung vor zunehmend schwierigeren Lebensbedingungen, so verschlechterte sich die Situation im Osten zusätzlich durch die von allen beteiligten Kriegsparteien massiv verfolgte Strategie der „verbrannten Erde“. Danach sollte der Räumung nicht mehr zu haltender Territorien eine möglichst umfassende Zerstörung der vorhandenen Infrastruktur vorausgehen – mit evidenten Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der jeweils betroffenen Zivilbevölkerung.

Ein zweiter wichtiger Unterschied liegt in der ethnischen Heterogenität der Bevölkerungsstruktur im territorialen Einzugsbereich der östlichen Grenz- bzw. Frontgebiete. Ethnische und andere Bevölkerungsminderheiten stellten nicht nur aus der Perspektive der fremden Besatzungsmacht eine wie auch immer geartete potentielle Gefahr dar, sondern galten als viel zitierter „innerer Feind“ insbesondere auch in den Reihen des militärischen Establishments und der administrativen Eliten des Ansässigkeitsstaates als suspekt und kollektiv unzuverlässig. Deshalb spielten an der Ostfront nicht nur die an Soldaten oder Zivilpersonen eines fremden Staates begangenen Kriegsverbrechen eine Rolle, sondern ferner in ganz beträchtlichem Ausmaß die allerdings im Ersten Weltkrieg noch nicht als völkerrechtswidrig anerkannten, erst später definierten und seit den Nürnberger Prozessen sanktionierten „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ als Verbrechen eines kriegführenden Staates an seinen eigenen Staatsbürgern.

 

Eine moderne Geschichte der Kriegsgräuel im Ersten Weltkrieg darf sich nicht auf ihre rein quantitative Dimension beschränken, sondern muss sich, wie bereits erwähnt, mit den Fragen nach den situativen und im weitesten Sinne „kulturellen“ Rahmenbedingungen und Begleitumständen, den verschiedenen Formen und konkreten Handlungsabläufen sowie den opfer- wie täterbezogenen Deutungs- und Motivmustern beschäftigen, die bisher für den Bereich der Ost- und Südfront kaum thematisiert worden sind. In diesem Zusammenhang stellen sich viele Fragen, die hier nur angedeutet werden können: Welche Bedeutung spielen ideologische und „kulturelle“ Präformationen für die soldatische Radikalisierung in den genannten Frontabschnitten? Wie wird illegitime Gewalt auf soldatischer Ebene gedeutet bzw. legitimiert, wahrgenommen und erfahren? Welche Rolle spielen militärobrigkeitliche Direktiven? Steht soldatische Radikalisierung in einem Zusammenhang mit kriegsspezifischen Ausprägungen und Besonderheiten? Welche Dynamik setzen massenhafte Kriegsverbrechen in Gang und in welcher strukturellen bzw. situativen Logik sind sie zu verorten?

 

In Anbetracht der umfassenden Zerstörung und des gewaltsamen und verbrecherischen Vorgehens gegen die Zivilbevölkerung im Osten erscheint es auch berechtigt, bisherige Interpretationen zu hinterfragen, die mit Blick auf das Ausmaß der Kriegsgräuel an der Westfront eine Art „Sonderfall“ konstruieren. Bei allen Unterschieden zeigt die komparative Analyse der Kriegsschauplätze im Westen, Osten und – wie erste neuere Forschungen belegen – auch im Süden doch frappierende Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten in der zerstörerischen Art der Kriegsführung, in den Grundlinien der Ausübung von Besatzungsherrschaft, in der exzessiven Gewaltbereitschaft und -akzeptanz sowie nicht zuletzt auch in der zivilen Opferbilanz. Viel eher als es sich um einen wirklichen „Sonderfall“ handelt, resultiert der in der Literatur stets aus der zivilen Opferbilanz – konkreter: aus der Anzahl der willkürlich getöteten Zivilisten – abgeleitete vermeintlich einzigartige Status der „German atrocities“ im Westen aus der evidenten Vernachlässigung der Ost- und Südfront in der Weltkriegshistoriographie, die das Ausmaß der Kriegsverbrechen im Osten lange marginalisiert und unterschätzt hat, ferner aus der schon infolge der intensiven zeitgenössischen propagandistischen Instrumentalisierung des Themas ungleich höheren Präsenz der deutschen Kriegsgräuel im öffentlichen Bewusstsein bzw. im kommunikativen Gedächtnis sowie aus der fast zur Gänze fehlenden komparativen Bearbeitung des Themas. Der territorial beschränkte, meist nationale Blick hat letztlich vielfach auch – so meine These – zu Fehleinschätzungen und interpretativen Verzerrungen bei der kontextuellen Einordnung des Phänomens in die kaum je fokussierte europäische Dimension der Kriegsgräuel-Gesamtthematik geführt. Die bisher nur zögerlich erfolgte Thematisierung der österreichisch-ungarischen Kriegsgräuel ist ebenfalls eine Folge der historiographischen Fokussierung der Westfront und resultiert aus dem ungleich größeren Interesse für die Rolle des Deutschen Reiches im Weltkrieg – etwa auch im Rahmen der Debatten über die Kriegsschuldfrage nach 1918 bzw. 1945, in denen der Habsburgermonarchie teilweise ausschließlich der Part des gedrängten „Juniorpartners“ zugedacht wurde. Erst neuere Arbeiten haben dieses Ungleichgewicht zurechtgerückt und die Verantwortung beider Mittelmächte stärker in den Mittelpunkt gerückt.

Im Rahmen der von der DFG ermöglichten Forschungen am Institut für Geschichte der Universität Hildesheim soll dem skizzierten komparativen Blick besondere Bedeutung zugemessen werden. Ziel ist es, aufgrund der neuen Forschungserkenntnisse Unterschiede und Gemeinsamkeiten illegitimer militärischer Gewalt an den europäischen Kriegsschauplätzen aus einer übernationalen Perspektive stärker herauszuarbeiten und damit auch mit Blick auf die 100. Wiederkehr des Kriegsausbruches im Jahr 2014 einen innovativen Beitrag zur vergleichenden europäischen Geschichte des Ersten Weltkrieges und zur besseren Einordnung des Ersten Weltkrieges in die europäische Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts zu leisten.

 

b) Der Krieg nach dem Krieg. Konstruktionsprozesse historischer Kriegserinnerung und (Kriegs-)Erinnerungskulturen der Zwischenkriegszeit im transnationalen und interregionalen Vergleich (Österreich/Italien–Tirol/Südtirol/Trentino)

Die politischen und gesellschaftlichen Folgen der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts gehörten in den letzten Jahrzehnten auch in Österreich zum zeithistorischen Forschungsmainstream. Die mentalen und psychosozialen Auswirkungen der Kriege auf die Gesellschaft sind hingegen noch weitgehend unerforscht. Noch sehr viel mehr als für den Zweiten Weltkrieg gilt dieser Befund für den Ersten Weltkrieg. Wissenschaftliche Untersuchungen über die Frage, welche Bedeutung dem erinnerten Krieg als Kategorie mentaler und psychosozialer Gesellschaftsentwicklung im Frieden zukam, fehlen bisher ebenso wie Forschungen zur ineinander greifenden Bedeutung von erinnerungskulturellen Residuen, wissenschaftlicher Aufarbeitung der Kriegsgeschichte und Kriegsgedenken nach 1918.

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich auf mehreren Ebenen mit den nach 1918 entstehenden Erinnerungskulturen an den Ersten Weltkrieg. Neben der politischen und militärischen Konstruktion der Kriegserinnerung soll vor allem die konkrete Bedeutung des erinnerten Krieges für die Nachkriegs-Gesellschaft analysiert werden. Ausgehend von der politischen bzw. militärischen Kriegserinnerung soll untersucht werden, inwieweit sich derartige Deutungsangebote erinnerungskulturell festgesetzt haben und wie sie im lebensweltlichen Umfeld konkret verbreitet und aufgenommen werden.

Der zeitliche Fokus der Analyse liegt auf der Zwischenkriegszeit. In geografischer Hinsicht liegt ein Schwerpunkt des Projektes auf dem österreichisch-italienischen Grenzgebiet des Tiroler Raumes. Durch diese Regionalisierung des Forschungsthemas können konkrete erinnerungskulturelle Entwicklungstendenzen besser erfasst werden. Darüber hinaus erlaubt die regionale Analyse interessante Einblicke in die unterschiedliche Entwicklung der Verarbeitung des Ersten Weltkrieges in den mehrsprachigen Gebieten des ehemaligen Kronlandes Tirol-Vorarlberg. Die Untersuchung verschiedener regionaler Erinnerungskulturen soll u. a. auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Vergegenwärtigung des Krieges nach 1918 herausarbeiten.

 

Folgende Forschungsfragen stehen im Mittelpunkt:

l Analyse der Kriegserinnerung im politischen, militärischen und wissenschaftlichen (öffentlichen) Diskurs, differenziert nach zu bestimmenden Gruppenakteuren

Welche Zäsuren lassen sich in der politischen und militärischen Kriegserinnerung beobachten? Welche Deutungsstereotypen transportieren diese Formen ‚offizieller’ Kriegserinnerung? Welche Bedeutung haben sie für die elitäre wie populare Kriegserinnerung? Welche gesellschaftlichen „pressure groups“ und Akteure spielen im „Management“ historischer Kriegserinnerung wann, wo und unter welchen Umständen eine Rolle? Wie ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Krieg nach 1918 einzuschätzen? Welche Deutungs- und Interpretationsmuster entwickelt die Weltkriegsforschung der Zwischenkriegszeit? Inwiefern überlagern sich politische, militärische und wissenschaftliche Deutungsstereotypen? Welche Interdependenzen gibt es zwischen Politik, Militär und Wissenschaft?

l Populare Erinnerungskulturen: Kriegsdeutung, Kriegserinnerung und Kriegsgedenken als lebensweltliche Praxis

Neben den öffentlichkeitswirksamen politischen, militärischen und wissenschaftlichen Kriegsdeutungen gilt es erinnerungskulturelle Konjunkturen in einer breiteren popularen Öffentlichkeit zu analysieren. In diesem Kontext spielt vor allem die publizistische, literarische und symbolische Repräsentation des Krieges nach 1918 eine Rolle.

Welche inhaltlichen Deutungen des Krieges sind abseits der bewusst produzierten politischen und militärischen Kriegserinnerung in einer breiteren Nachkriegsöffentlichkeit von Relevanz? Welche Inhalte gehen von der symbolischen Repräsentation des Krieges und der literarischen bzw. ‚privaten’ (biographischen, autobiographischen) Erinnerung des Krieges aus?

Ziel des Projektes ist es,  auch die Entwicklung der Kriegserinnerung im lebensweltlichen Kontext zu untersuchen, um konkrete Informationen über die Verarbeitung des Krieges auf regionaler und lokaler Ebene zu gewinnen. Welche konkurrenzierenden Deutungsmuster etablieren sich auf der popularen Ebene historischer Kriegserinnerung? Lassen sich milieuspezifische (politische und soziale Milieus) Unterschiede festmachen? Wie sind die Wirkmacht und die wechselseitige Bedeutung nationaler und regionaler historischer Kriegserinnerung insgesamt einzuschätzen?

 

c) Editionsprojekt: Mein Gröden. Lebenswelten des katholischen Tiroler Landbürgertums im ‚Fin de siècle’. Das Tagebuch der Filomena Moroder aus St. Ulrich (1878–1922), erscheint 2011

 

Allgemeine Anmerkungen

Das Tagebuch der aus Meran stammenden und mit dem Grödner Landarzt Dr. Conrad Moroder aus St. Ulrich verehelichten Filomena Moroder besteht aus drei handgeschriebenen Tagebüchern mit insgesamt 991 Seiten. Die Eintragungen umfassen den Zeitraum von Oktober 1879 bis Jänner 1920 und damit eine Zeitspanne von über 40 Jahren. Das erste Tagebuch erstreckt sich auf die Zeit von Oktober 1879 bis Juli 1894, das zweite Tagebuch von September 1894 bis Dezember 1904 und das dritte Tagebuch von Jänner 1905 bis August 1918, mit einem lose gebundenen Beiheft, das die verbleibende Zeit vom 22. August 1918 bis 2. Jänner 1920 abdeckt.

Die Darstellung ist gut lesbar, flüssig, in zusammenhängenden Sätzen geschrieben und lediglich passagenweise stärker telegrammstilartig verfasst. Bei den wenigen vorgenommenen Originalkorrekturen handelt es sich meist um Streichungen von Begriffen bzw. Wortteilen oder Hinzufügungen. Die Tagebucheinträge erfolgen meist im Abstand mehrerer Wochen und berichten unter dem stets hervorgehobenen Eintragsdatum mehr oder weniger umfangreich über das in der Zwischenzeit Vorgefallene.

 

Anmerkungen zur wissenschaftlichen Bedeutung des Tagebuchs

Die Rezeption von popularen Selbstzeugnissen als historische Quellen hat sich in den Geschichtswissenschaften spätestens seit dem allgemeinen Bedeutungsgewinn alltags- und mentalitätsgeschichtlicher Fragestellungen in den 1980er Jahren verstärkt. Den Aufzeichnungen der Filomena Moroder kommt in diesem Kontext eine besondere Bedeutung zu, weil es sich um das Tagebuch einer Frau handelt, das die aus historischer und ethnologischer Sicht besonders interessante Lebenswelt der ladinischen Gemeinden des Südtiroler Gröden- und Gadertales über einen ungewöhnlich langen Zeitraum von rund 40 Jahren dokumentiert. Bei diesen Jahrzehnten im Übergang vom 19. zum 20. Jh. handelt es sich um eine für die neuere Tiroler Geschichte zentrale Epoche forcierter ökonomischer Modernisierung, gesellschaftlicher Differenzierung und politischer Umwälzungen. Die Aufzeichnungen beinhalten eine Fülle von Informationen, die für alltags- und mentalitätsgeschichtliche, aber auch für kulturgeschichtliche und ethnologische Fragestellungen interessant sind. Sie referieren Ereignisse und Entwicklungen familiärer und – darüber hinausgehend – mikrogesellschaftlicher Lebenszusammenhänge einer katholisch-konservativ geprägten kleinbürgerlichen ländlichen Lebenswelt im ‚Fin de siècle’. Sie gewähren tiefen Einblick in die Berufs-, Lebens- und Freizeitorganisation einer ländlichen Arztfamilie als Teil des ländlichen Bildungsbürgertums und in Kontrast zum bäuerlich geprägten Lebensumfeld im Tal. Von großem Interesse sind die im Jahresrhythmus dokumentierten detailreichen Beschreibungen des religiös geprägten ländlichen Brauchtums und Lebensalltags, die weit über die engere Realität des Grödner Dorfes St. Ulrich hinausgreifen und für ganz Ladinien und in einem breiteren Kontext für ganz Tirol von Interesse sind.

Von allgemeiner Bedeutung und vor allem auch tourismusgeschichtlich interessant sind die zahlreichen detaillierten Beschreibungen über die vor allem religiös und kulturtouristisch motivierten Reisen, die das Ehepaar Moroder bis nach Palästina führen, im Allgemeinen aber Destinationen im norditalienischen bzw. süddeutschen Raum betreffen.

Besonders interessant sind auch die umfangreichen Aufzeichnungen über die Zeit des Ersten Weltkriegs und die politische Umbruchphase der Jahre 1918–1920 in Südtirol. Auf insgesamt 228 Seiten werden die Einwirkungen des Krieges auf den Mikrokosmos des eigenen Dorfes bzw. Tales beschrieben. In überaus plastischer Weise dokumentiert Filomena Moroder in ihrem Tagebuch den sich vollziehenden gesellschaftlichen Desillusionierungsprozess, referiert die Konfrontation der dörflichen Gesellschaft mit der Mangelwirtschaft des Kriegsstaates, berichtet über den ländlichen Kriegslebensalltag und entwickelt in diesem Zusammenhang subjektive Analysen über die sich verändernden Stimmungslagen und lokalen Mentalitäten im politischen wie religiösen Kontext.

Das Tagebuch der Filomena Moroder stellt deshalb insgesamt eine wichtige Quelle für die Erforschung der alltags-, mentalitäts- und kulturgeschichtlichen Entwicklung der Tiroler Gesellschaft im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert dar.

 

Anmerkungen zum Editionsprojekt

Im Rahmen des Projektes soll das Tagebuch im Sinne einer kritischen Edition mit quellenkritischen und formalen Anmerkungen vollständig transkribiert und anschließend publiziert werden. Der Edition soll ein Beitrag vorangestellt werden, der nicht nur grundlegende regionalhistorische und für das Verständnis notwendige familiengeschichtliche Informationen zur Verfügung stellen, sondern auch versuchen möchte, das Tagebuch im Kontext der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung Tirols in diesen vier Jahrzehnten zu analysieren. Dabei sollen die Aufzeichnungen in einen breiteren Kontext der historischen Entwicklung gestellt werden, unter Berücksichtigung der neueren einschlägigen Forschungsliteratur zur historischen Entwicklung ländlicher Räume, die realiter eine Vielzahl von Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft tangiert: Bürgertumsforschung, Alltagsgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Lebenswelten-Forschung, Religionsgeschichte, Medizingeschichte, historische Ethnologie usw.

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Letzte Änderung: 22.11.2013