Projekt Generation Corona

Die Krise der COVID-19-Pandemie gehört sicherlich zu den schärfsten zeitgeschichtlichen Zäsuren seit dem 2. Weltkrieg – nicht nur in Europa und anderen OECD-Gesellschaften – sondern weltweit. Das Ausmaß der Krise ist nicht nur räumlich global, sondern führte auch in kürzester Zeit zu erheblichen Verhaltensumstellungen in zivilgesellschaftlichen Kontexten aller betroffenen Länder, die in einem flächendeckenden „Lockdown“ und den Verhaltensnormen des „Social Distancing“ bestehen. Es stellt sich somit die Frage, wie die Bevölkerung bzw. die Bürgerinnen und Bürger nicht nur die Krise und die von ihr ausgehenden gesundheitlichen Risiken als solche wahrnehmen, sondern vor allem auch wie sie auf den Normkomplex des „Social Distancing“ reagieren, d.h. sich daran orientieren und mit mehr oder weniger Akzeptanz dazu verhalten. Die Krise selbst betrifft nicht nur unterschiedliche Bevölkerungsteile mehr oder weniger stark („Risikogruppen“), sondern durch die politischen Maßnahmen (wie etwa Wirtschaftsstabilisierungsfonds, Corona-Soforthilfen, Kurzarbeitergeld etc.) werden Bevölkerungsgruppen unterschiedliche Anstrengungen und Kosten aufgebürdet. Unser Forschungsprojekt interessiert sich dabei für einen Gesichtspunkt ganz besonders: Die Krise wirkt sich auf die Wahrnehmung der nahen Zukunft aus, die sich Personen je nach Lebenslage, Alter und bisherigen Lebensentwürfen ausgemalt haben. Die eigenen Lebensentwürfe lassen sich im Rahmen der Krise und der damit verbundenen Maßnahmen unterschiedlich ‚leicht‘ bzw. ‚schwer‘ verwirklichen. Es ist somit höchst bedeutsam nachzuvollziehen, wie die Menschen in unserer Gesellschaft die Möglichkeit wahrnehmen, ihre bisherigen Lebensentwürfe weiter zu verfolgen oder nicht. Von welchen Bedingungen und Gegebenheiten machen Menschen in unserer Gesellschaft dies abhängig? Welche Gruppen sind in Bezug auf diese Problematik besonders sensibel? Wer fühlt sich zur Verwirklichung seiner bisherigen Ziele gut gerüstet, wer weniger gut ausgestattet? Welche Rolle spielt dabei die Unterstützung durch andere? Und welche Mittel stehen den einzelnen Menschen zur Verfügung sich der Unterstützung anderer zu vergewissern? Helfen dabei z.B. neue Kommunikationsmedien? Hängt das Zutrauen, an seinen bisherigen Entwürfen festzuhalten, von der Zuversicht und Geübtheit der Nutzung neuer Medien ab? Unterscheidet sich dies beispielsweise aufgrund des Alters und Generationszugehörigkeit der Menschen oder aufgrund des Bildungsgrads? Oder hängt es auch davon ab, dass zentrale Lebensbezüge und Lebensinhalte sowie soziale Beziehungen, die damit in Verbindung standen, im Rahmen der Corona-Krise weggebrochen sind? Wir vermuten somit, dass die Bevölkerung nicht homogen auf eine historische einzigartige Krise reagiert, sondern sie – je nach sozialer Position – sehr unterschiedlich wahrnimmt. Insbesondere die Wahrnehmung einer Krise als Bedrohung, Verlust oder Risiko vs. Herausforderung und Chance unterscheidet sich je nach gesellschaftlicher Position sehr. Um dies herauszufinden, streben wir in unserem Forschungsprojekt an, möglichst viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Gruppen in einem offenen Gespräch online oder telefonisch zu befragen. Wir sind interessiert und gespannt auf jedes einzelne Gespräch. Bei Interesse schreiben Sie uns gerne jederzeit eine Mail an generationcorona@uni-hildesheim.de