Politik und Digitalisierung

Die Professur widmet sich den komplexen Wechselwirkungen zwischen Politik und Digitalisierung.

KI und demokratische Transformation

Eine zentrale Forschungsfrage der Professur betrifft die Auswirkungen digitaler Technologien auf moderne Demokratien. Während frühe Erwartungen an eine stärkere politische Teilhabe und eine erweiterte Öffentlichkeit große Hoffnungen weckten, haben sich diese zunehmend in eine ernüchternde Diskussion über antiliberale oder radikallibertäre Gefahren gewandelt – verstärkt durch die Entwicklung generativer KI.

Unsere Forschung greift diese Debatten auf und verbindet sie mit der Tradition der Demokratieforschung und Machttheorie, um sie sowohl theoretisch als auch empirisch weiterzuentwickeln. Aufbauend auf Analysen der spezifischen Logiken von Daten, Software und digitalen Plattformen untersucht das Team, wie digitale Technologien politische Prozesse wie Partizipation, Repräsentation, Öffentlichkeit, Wettbewerb, Gewaltenteilung und soziale Gerechtigkeit verändern. Ziel ist es, die Folgen dieser Veränderungen für Machtverhältnisse in der Gesellschaft zu analysieren und Strategien für die Resilienz von Demokratien in der digitalen Transformation zu entwickeln.

Weiterführende Informationen zu Projekten und Publikationen finden Sie hier.

Technikregulierung

Die Regulierung digitaler Märkte hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Nach einer langen Phase der Deregulierung, die Manipulation, Ausbeutung und Diskriminierung begünstigte, beobachten wir nun eine Zunahme staatlicher Regulierung und unternehmerischer Selbstregulierung. Beispiele hierfür sind die jüngsten Rechtsakte der EU wie der AI Act, der Digital Services Act und der Digital Markets Act, aber auch die Entwicklungen in den USA und China.

Unser Team untersucht die dahinterliegenden Regulierungslogiken und Demokratieverständnisse. Historisch war die Technikregulierung stark von liberalen Prinzipien geprägt, die individuelle Rechte betonten, jedoch oft die praktische Überforderung von Nutzer:innen und Bürger:innen zur Folge hatten. Neue Ansätze berücksichtigen zunehmend republikanische und partizipative Prinzipien, beispielsweise durch die Stärkung zivilgesellschaftlicher Akteure und unabhängiger Aufsichtsbehörden. Unsere Forschung analysiert innovative Regulierungsansätze, auch im Hinblick auf das Potenzial feministischer und postkolonialer Perspektiven. Unser Team untersucht dabei eine breite Vielfalt an Regulierungsansätzen, etwa Datenschutzregulierung, Wettbewerbsregulierung, Medienregulierung und IT-Sicherheit.

Digitale Methoden für die Politikwissenschaft: Data Science Lab

Ein weiterer Schwerpunkt der Professur liegt in der Erschließung digitaler Methoden für die politikwissenschaftliche Forschung. Im Data Science Lab bündeln wir diese Aktivitäten. Das Lab widmet sich insbesondere der Sammlung und Analyse digitaler Daten, welche die Erforschung wichtiger politikwissenschaftlicher Fragestellungen ermöglichen. Im Fokus stehen Daten öffentlicher Einrichtungen wie Parlamente, Behörden, Gerichte und Medienunternehmen.

Zudem strebt das Lab aktiv nach Kooperationen mit Organisationen – darunter Unternehmen, Verbände und Stiftungen –, die bereit sind, interne Daten für wissenschaftliche Zwecke bereitzustellen. Darüber hinaus werden im Lab quantitative und qualitative Methoden der digitalen Sozialwissenschaften vermittelt und innovative Auswertungsverfahren entwickelt und erprobt. Dazu gehört auch die Analyse der Einsatzmöglichkeiten von LLMs (Large Language Models) in Bezug auf Verlässlichkeit und Transparenz.

Lehre

Das Team der Professur ist insbesondere in den Lehramtsstudiengängen, der Studienvariante „Digitale Sozialwissenschaften“ des BA Internationales Informationsmanagement sowie in einschlägigen Masterstudiengängen aktiv. Die Lehrveranstaltungen vermitteln Grundlagen der Politikwissenschaft und vertiefen aktuelle Themen der Digitalpolitik. Besonderer Fokus liegt auf den gesellschaftlichen, politischen und regulatorischen Implikationen moderner KI-Technologien, deren Funktionsweisen praxisnah thematisiert werden. Zudem werden Methoden der digitalen Sozialwissenschaften vermittelt.