Rolle der studentischen Interessenvertretung in Hochschulen: Studentischer Hochschulpolitiksurvey (StuHoPo)
Projektmitglieder: Stephan Buchberger (M.A.), Dr. Per Holderberg, Dr. Christian Seipel
Projektlaufzeit: 01.02.2021 - 31.08.2023
Projektbeschreibung:
Nicht erst seit der Corona-Pandemie ist festzustellen, dass Studierendenvertreter:innen sich über eine nicht ausreichende Einbeziehung bei Entscheidungsprozessen an Hochschulen beklagen (vgl. etwa Okonek/Leben/Schürrle 2020: 48 f.). Eine grundsätzliche Möglichkeit der Mitsprache ist in der historischen Entwicklung der deutschen Hochschullandschaft nicht selbstverständlich. Sah die Ordinarienuniversität noch von einer Mitbestimmung aller Mitglieder der Hochschule ab, wurde über soziale und politische Kämpfe der Umbau zur Gruppenuniversität mit weitreichenden Mitbestimmungsrechten vollzogen. Mit dem Wandel von der Gruppenuniversität hin zu einer gemanagten Hochschule stehen diese Erfolge unter Druck. Es sei nun „die unternehmerische Initiative der Organisation Hochschule“ (Pasternack/Wissel 2010: 42) gefragt. Studierende können neben anderen Stakeholdern Einfluss auf die Steuerung und Entwicklung der Hochschulen (etwa in Qualitätskommissionen) nehmen, indem sie ihre Eingaben via studentischer und akademischer Selbstverwaltungsorgane an die Hochschulleitungen herantragen. Allerdings weisen die Organe des „operativen und strategischen“ (ebd.: 19) Geschäfts einer Hochschule (Hochschulleitung, Verwaltung und Hochschulbeiräte) mehr Entwicklungs- und Steuerungsbefugnisse auf und besitzen gegenüber der studentischen und der akademischen Selbstverwaltung effektiv mehr Entscheidungsgewalt.
Ausgehend davon lässt sich mit Zechlin (2012) die Frage stellen, wie Hochschulen innerhalb ihrer Organisation ihre Beteiligten steuern? Wie sehen Studierende selbst die Aufgabe und Rolle der studentischen Beteiligung in der Hochschule? Was für ein Verständnis von Hochschulpolitik haben Sie und allgemein: von einer funktionierenden demokratischen Mitbestimmung? Diesen und weiteren Fragen gehen wir mittels eines mixed-method Forschungsdesigns (strukturierte qualitative Interviews in Kombination mit einer Onlineerhebung) nach und erfassen bundesweit die Perspektive von Studierendenvertreter:innen.
Der daraus entstandendene quantitative Datensatz heißt Studentischer Hochschulpolitiksurvey (StuHoPo), das erste bundesweite Befragungssample der Onlineerhebung (Feldzeit: Februar/März 2022) 1.348 Studierende wurden quantitativ befragt. Das Sample weist regional und studierendenproportional zur Anzahl der Studierenden in den jeweiligen 16 Bundesländern ausreichend Fälle auf. Auf Anfrage kann der Datensatz herausgegeben werden.
Kontakt:
Stephan Buchberger
buchbe@uni-hildesheim.de
Veröffentlichungen aus dem Forschungsprojekt:
Holderberg, Per; Dippelhofer, Sebastian und Stephan Buchberger (2024): Hochschulen als demokratische Sozialisationsagenturen – Empirische Ergebnisse zur politischen Orientierung von Studierenden und ihrem freiwilligen Engagement in der Hochschulpolitik. In: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation 44(4), S. 418-435. Link
Holderberg, Per; Buchberger, Stephan und Christian Seipel (2023): Ausschlusserfahrungen in den Entscheidungsstrukturen gemanagter Hochschulen. Perspektiven der engagierten Studierendenschaft. In: Hochschulmanagement 18 (2+3), S. 71-77. Link
Seipel, Christian; Holderberg, Per und Stephan Buchberger (2023): Determinanten der Zufriedenheit von hochschulpolitisch engagierten Studierenden in Deutschland. In: Personal- und Organisationsentwicklung 18(1+2), S. 17-22. Link
Holderberg, Per; Buchberger, Stephan und Christian Seipel (2022): Erste Erkenntnisse einer Untersuchung an der Universität Hildesheim - Die Rolle der studentischen Interessenvertretung in Hochschulen. In: Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen (3), S. 10. Link
Buchberger, Stephan; Per Holderberg und Christian Seipel (2022): Die Rolle der studentischen Interessenvertretung in Hochschulen. In: Dippelhofer, Sebastian und Theo Döppers (Hg.): „Qualität im Hochschulsystem“ Eine Rundumschau im Posterformat. Die Beiträge zur 16. Jahrestagung der Gesellschaft für Hochschulforschung (GfHf), 35, S. 31-33. Link
Literatur:
Auerbach R.P./Mortier P./Bruffaerts R et al. (2018): WHO World Mental Health Surveys International College Student Project: Prevalence and distribution of mental disorders. In: Journal of Abnormal Psychology, Jg. 127, Nr. 1, S. 623– 638
Bretschneider, F. (2003): Studentische Partizipation zwischen Interessenvertretung und außengelenkter Selbstregulierung. Eine Analyse aus Akteurssicht am Beispiel der Akkreditierung - In: Die Hochschule: Journal für Wissenschaft und Bildung 12, 1, S. 174-186
Okonek, P./Leben, N./Schürrle, J. (2020): Sommersemester 2020. Weichenstellung für eine neue Normalität. In: BdWi (Hrsg.), Forum Wissenschaft, Nr. 2/2020, Marburg, S. 48-51
Pasternack, P./Wissel, C. (2010): Programmatische Konzepte der Hochschulentwicklung in Deutschland seit 1945. Düsseldorf: Setzkasten
Wolf, H. (2012): Kapitalistische Arbeitsorganisation und Selbsttätigkeit. In: Dörre, K./Sauer, D./Wittke, V. (Hrsg.), Kapitalismustheorie und Arbeit. Neue Ansätze soziologischer Kritik, Frankfurt a.M.: Campus, S. 336-352
Zechlin, L. (2012): Zwischen Interessensorganisation und Arbeitsorganisation? Wissenschaftsfreiheit, Hierarchie und Partizipation in der `unternehmerischen Hochschule‘. In: Wilkesmann, U./Schmid, C.J. (Hrsg.), Hochschule als Organisation. Wiesbaden: VS Verlag, S. 41-59