Universität Hildesheim - Meldungen - Institut für Sozialwissenschaften https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Institut für Sozialwissenschaften de-de Stiftung Universität Hildesheim Tue, 10 Dec 2019 20:12:02 +0100 Tue, 10 Dec 2019 20:12:02 +0100 TYPO3 EXT:news news-17970 Tue, 03 Dec 2019 17:44:36 +0100 70 Jahre Grundgesetz https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/70-jahre-gru-1/ Magazin mit Beiträgen von Studierenden des Faches Politikwissenschaft zum Verfassungsjubiläum In enger Anknüpfung an das im WS 18/19 durchgeführte Projekt 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte haben sich Studierende und Lehrende im Fach Politikwissenschaft im Sommersemester 2019 mit ausgewählten Aspekten des Grundgesetzes befasst.
Neben der Durchführung von zwei Zukunftswerkstätten zum Thema 70 Jahre Grundgesetz und der Gestaltung eines Magazins 70 Jahre Grundgesetz mit Beiträgen von Studierenden und Lehrende konnte auch ein Einbezug neuer Medien unter Nutzung der Hashtags #GG70 und #70JahreGG umgesetzt werden.

In den genannten Projektdimensionen konnte der Modernisierungsbedarf der Verfassung durch Überarbeitungen und Änderungen widergespiegelt werden und somit ein Eindruck der dem politischen System innewohnenden Reformfähigkeit unter Berücksichtigung der Bindekraft bürgerlicher Rechte vermittelt werden. In dieser Hinsicht wurde sowohl das Spannungsfeld zwischen Individuum und Gemeinschaft thematisiert als auch das Staatsbild, das gleichsam Zeugnis einer Ewigkeitsgarantie föderalistischer Ordnung ist.

 

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Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-17936 Wed, 27 Nov 2019 09:33:01 +0100 Interview mit Professor Wolf Schünemann über Hassrede im Internet https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/interview-mit-professor-wolf-schuenemann-ueber-hassrede-im-internet/ Prof. Dr. Wolf Schünemann forscht und lehrt seit 2016 als Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Im Interview gibt der Wissenschaftler Einblicke in seine aktuelle Forschung. NDR Fernsehen, 24.11.2019
Hass gegen Politiker: Viele Abgeordnete betroffen
Gespräch mit Prof. Dr. Wolf Schünemann, Universität Hildesheim

Herr Professor Schünemann, in den letzten zwei Jahren haben Sie sich in einem Forschungsverbund mit der online geführten politischen Kommunikation auseinandergesetzt. Sie haben Facebook-Daten aus dem Bundestagswahlkampf 2017 analysiert. Mit welcher Forschungsfrage befassen Sie sich aktuell?

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen mehrerer Fachdisziplinen befasse ich mich nun in dem EU-Projekt „DeTACT“ mit der Detektion und möglichen Bekämpfung von Hassrede im Internet.

Wer ist an diesem Projekt beteiligt?

Die Medienlinguistin Dr. Sylvia Jaki hat maßgeblich die Partnerschaft zu den Computerlinguisten der Universität Antwerpen aufgebaut. Gleichzeitig ist die Computerlinguistik hier in Hildesheim beteiligt, Professor Ulrich Heid und Johannes Schäfer. Und von der politikwissenschaftlichen Seite sind Stefan Steiger und ich beteiligt.

Was genau untersuchen Sie in dem EU-Projekt? Wie blickt die Politikwissenschaft auf Hasskommentare, auf diese Entwicklung in unserer Gesellschaft?

Zunächst interessiert uns der politische Gegenstand: Bei Hasskommentaren, die sich gegen Politikerinnen und Politiker richten, haben wir einen besonderen Gegenstand zu fassen, der weitere Grenzen des Sagbaren zulässt als im privaten Bereich. Die Politikerinnen und Politiker bewegen sich als Personen öffentlichen Lebens in einem politischen Kampf. Da werden zum Teil aggressivere Statements gebracht, als wir sie gewohnt sind. Es werden Anfeindungen und Beleidigungen sichtbar, die von dem parteipolitischen Konflikt dann auch auf die Person abstrahlen. Die PolitikerInnen müssen sich also generell mehr gefallen lassen. Wir blicken in dem EU-Projekt auf diese politische Kommunikation. Da Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook untereinander diskutieren, mag da sehr viel andere Hassrede auffällig werden, dieser Herausforderung wollen wir in dem Projekt begegnen. Im Rahmen des EU-Projekts sollen Personen geschult werden, die bereit sind, in solchen Online-Foren aufzustehen und zu sagen: Das überschreitet eine Grenze, diese Hassrede geht zu weit, und eine Gegenrede entwickeln. Als Politikwissenschaftler sind wir an der Vorbereitung dieser Schulungsmaterialien beteiligt: Was ist eigentlich die politische Rede? Was ist schädliche Sprache im politischem Diskurs? Und wie sind die gesetzlichen Regelungen, was ist in Deutschland verboten und was ist in anderen Ländern verboten? Insgesamt betrachten wir sechs Länder der Europäischen Union – die Niederlande, Großbritannien, Ungarn, Frankreich, Deutschland und Belgien – in einer vergleichenden Analyse dessen, was an Internetinhalten erlaubt ist und was nicht.

Wie ist der Hass gegenüber Politikerinnen und Politikern zu erklären?

Jedenfalls nicht durch das Netz. Das wäre zu einfach, die Verantwortung an dieser Entwicklung bei strukturellen Veränderungen politischer Kommunikation zu suchen. Ohne eine über lange Zeit angewachsene, undifferenzierte Politik- und Politikerverdrossenheit wäre der Hass aus meiner Sicht nicht zu erklären. Durch die direktere Netzkommunikation gehen die PolitikerInnen diesbezüglich ein höheres Risiko ein. Und der Hass wird für ein größeres Publikum sichtbar.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt:

Data Science Lab

Das Data Science Lab ist ein Labor für datenwissenschaftliche Studien an der Universität Hildesheim. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bearbeiten hier große Datenbestände digitaler Kommunikation (Metadaten und Inhaltsdaten). Das Labor am Uni-Hauptcampus kann für Forschungsprojekte, Workshops und die Lehre in Kleingruppen eingesetzt werden. Es steht Forschenden des Fachbereichs Erziehungs- und Sozialwissenschaften und weiteren Fachdisziplinen nach Absprache und Anmeldung offen. Ansprechpartner sind Prof Dr. Wolf Schünemann (wolf.schuenemann@uni-hildesheim.de) und Stefan Steiger (stefan.steiger@uni-hildesheim.de).

„Wir analysieren hier große Datenmengen, man kann etwa bei der Auswertung von Kommunikation auf Facebook qualitativ einiges lesen, aber man kann nicht alles lesen. Wenn man große Datenbestände hat, in unserem Projekt zum Bundestagswahlkampf waren das 2,9 Millionen Beiträge, dann ist es nicht mehr möglich, das alles zu lesen. Dann helfen uns die Computer dabei, die Daten korpuslinguistisch aufzubereiten und trotzdem einen qualitativen Eindruck der Debattenlage zu bekommen. Bei der strukturierten Analyse großer Datenbestände helfen uns diese rechnergestützten Verfahren enorm“, sagt Stefan Steiger, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Data Science Lab.

In dem EU-Projekt analysiert der Politikwissenschaftler die Regulationsbestrebungen für die Online-Kommunikation in sechs Mitgliedstaaten und was diese zur Bekämpfung von Hassrede im Netz legislativ verabschiedet haben, um dann auch die „Upstanders“, die Menschen, die in dem EU-Projekt geschult werden, um Hassrede aktiv zu begegnen, zu informieren. Die technische Aufbereitung der Daten im DeTACT-Projekt erfolgt in Antwerpen.

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Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Politik Zentrum für Digitalen Wandel Pressemeldungen
news-17900 Wed, 20 Nov 2019 09:39:51 +0100 Connect4Change - Globale Bildungspartnerschaften und -projekte für den Wandel gestalten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/connect4chan/ Welche Rolle spielen globale Bildungspartnerschaften und -projekte für einen Wandel im Sinne der Sustainable Development Goals (SDGs)? Im Rahmen einer Hospitationsreise besuchte eine internationale Delegation am 24.10.2019 das Green Office, um sich über Strukturen und Projekte an der Universtität Hildesheim zu informieren.
Im Anschluss an die Hospitationsreisen diskutierten 120 Schüler*innen, Lehrkräfte, Vertreter*innen aus zivilgesellschaftlichen Organisationen und andere Aktive aus Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika Ende Oktober im Internationalen Haus Sonnenberg Gelingensbedingungen für internationale Bildungspartnerschaften und -projekte.

Ein Bericht des Besuchs an der Uni Hildesheim findet sich auf der Homepage [https://www.uni-hildesheim.de/greenoffice/news-go/detailansicht/artikel/internationa-51/] des Green Office.

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Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-17847 Wed, 13 Nov 2019 10:49:09 +0100 Science Slam: Die Gerichte haben entschieden https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/science-slam-2/ Das Urteil ist gefallen! Der Sieger des diesjährigen Wissenschaftswettstreits ist Prof. Dr. Wolf J. Schünemann.

Die Universität Hildesheim lädt einmal im Jahr zum beliebten Wettstreit der Wissenschaften ein. Auf der Bühne des „Science Slam" gaben am 5. November 2019 vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fachdisziplinen Politikwissenschaft, Literatur, Sprachwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft Einblicke in ihre Forschung. Der Eintritt ist frei und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Veranstaltung teil.

Es traten an:

  • Prof. Dr. Wolf J. Schünemann, Fachbereich 1
    Institut für Sozialwissenschaften – Politikwissenschaft

  • Dr. Christine Lötscher, Fachbereich 2
    Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft

  • Prof. Dr. Kristin Kersten, Fachbereich 3
    Institut für Englische Sprache und Literatur

  • Prof. Dr. Athanassios Pitsoulis, Fachbereich 4
    Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik

„Ich finde das Format ‚Science Slam‘ sehr gut, denn es bringt die Universitätsangehörigen über Fächer, Disziplinen und Statusgruppen hinweg in großer Zahl zusammen. Die aktive Teilnahme als Vortragender ergibt sich daraus noch nicht zwingend, aber sie wird dadurch sehr begünstigt. Meine Kernbotschaft: Internet und Staat passen einfach nicht zusammen, oder doch? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Genau deshalb möchte ich sie in meinem Vortrag untersuchen. Am Ende aber müssen die Gerichte entscheiden“, sagte Professor Wolf Schünemann.

Mit seinem Vortrag gewann Prof. Dr. Wolf J. Schünemann das Publikum für sich.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-17795 Thu, 07 Nov 2019 09:27:42 +0100 Eine Diktatur und ihr Nachleben: Uni Hildesheim forscht über Erziehung und Bildung in der DDR https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/eine-diktatur-und-ihr-nachleben-uni-hildesheim-forscht-ueber-erziehung-und-bildung-in-der-ddr/ Aufarbeiten der Geschichte: Forschungsteams der Universität Hildesheim untersuchen anhand der vollständigen Bestände der Kinder- und Jugendliteratur und der Schulbücher der DDR sowie von Interviews mit Zeitzeug*innen die darin erzählten Mythen über Erziehung und Bildung. Dabei kooperiert die Arbeitsgruppe um Professorin Meike Sophia Baader und Professor Michael Corsten mit Universitäten und Bibliotheken in Berlin und Rostock. Ein Ziel des gesamten Verbundprojekts ist es, die Erkenntnisse für Forschung und Lehre, für die politische Bildung als auch für Museen und Schulen aufzubereiten und das Wissen digital verfügbar zu machen. Darstellung des gesamten Verbundprojekts

„30 Jahre nach dem Mauerfall ist die Aufarbeitung nicht abgeschlossen, die damit verbundenen Themen müssen bearbeitet werden“, sagt Professorin Meike Sophia Baader. Die Geschichte der DDR wirke auch 30 Jahre nach dem Mauerfall zum Beispiel in Biografien fort.

Im Verbundprojekt „Bildungs-Mythen über die DDR – eine Diktatur und ihr Nachleben“ arbeitet die Erziehungswissenschaftlerin der Universität Hildesheim  mit einem Team um Soziologieprofessor Michael Corsten, der Humboldt Universität zu Berlin, der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin und der Universität Rostock zusammen.

„Diese Forschung kann dazu beitragen, die unterschiedlichen Entwicklungspfade in den Bundesländern in Ost und West zu verstehen“, so Baader. Bisher liegen wenig vergleichende und vertiefende Untersuchungen zu den Inhalten der Kinder- und Jugendliteratur und den Schulbücher der DDR sowie den Mythen über das Bildungssystem der Diktatur vor.

Kindheit in der DDR: Bundesforschungsministerium unterstützt den Forschungsverbund zur DDR-Geschichte

Die Universität Hildesheim gehört zu jenen Hochschulen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgewählt wurden, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der DDR und dem SED-Unrecht auszubauen. Insgesamt fördert das Ministerium 14 Forschungsverbünde in Deutschland. Viele der geförderten Hochschulen arbeiten mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Gedenkstätten, Archiven und Einrichtungen der politischen Bildung zusammen. So sollen Brücken zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gebaut und die Forschungsergebnisse breiter in die Bevölkerung vermittelt werden. Der Förderzeitraum beträgt vier Jahre, von 2019 bis 2022.

„Dass wir zu den geförderten Universitäten gehören, die neue Perspektiven einnehmen, um die Geschichte der DDR zu erforschen, freut uns sehr. Wir arbeiten eng mit unseren Kooperationspartnern und –partnerinnen in Berlin und Rostock zusammen“, so Baader. Die Erziehungswissenschaftlerin hat sich auf die historische Bildungsforschung und Familien- sowie Kindheitsforschung spezialisert. Sie ist Sprecherin des Arbeitskreises „Historische Familienforschung“ in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft.

In dem Forschungsverbund arbeiten gleich zwei Hildesheimer Forschungsteams des Instituts für Erziehungswissenschaft und des Instituts für Soziologie in einem gemeinsamen Teilprojekt mit dem übergreifenden Titel „Konstruktionen von Kindheit in der DDR“ zusammen. Das Hildesheimer Teilprojekt gliedert sich wiederum in zwei Fallstudien.

Forschung in der Fallstudie: „Bilderwelten in Kinder- und Jugendliteratur und Schulbüchern der DDR“

Ein Forschungsteam um Professorin Meike Sophia Baader untersucht die Bilderwelten in der Kinder- und Jugendliteratur und in Schulbüchern der DDR, deren vollständige Bestände in der Staatsbibliothek Berlin und in der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung vorhanden sind.

Je weiter der Mauerfall zurückliege, desto intensiver würden sich die Mythen über das Bildungssystem in der DDR verfestigen, so die Feststellung ihrer Arbeitsgruppe. „Ein Mythos ist zum Beispiel die Annahme, das Schulsystem sei in der DDR weniger selektiv und damit chancengerechter gewesen, oder die Vorstellung, es herrschte Gleichberechtigung in Bezug auf Herkunft, Geschlecht und Generationen“, sagt Meike Sophia Baader. Erstaunlicherweise hätten sich diese Sichtweisen mit wachsendem Abstand zur Wende tendenziell eher verschärft. Dass diejenigen, die nicht systemkonform waren, im Bildungssystem mit spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert waren, wird bei dieser Mythenbildung übergangen.

Während das gesamte Verbundprojekt bislang nicht erschlossene Bild-, Text-, Ton-und Filmquellen auf emotional wirkmächtige mentale Bilder und Narrative über Bildung, Erziehung und Schule der DDR untersucht, analysiert Meike Baader zusammen mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Sandra Koch und Friederike Kroschel die Bilder und Texte in Kinder- und Jugendliteratur sowie in Schulbüchern der DDR. Von besonderem Interesse sind Familien- und Kindheitskonzepte, Generationen- und Geschlechterverhälnisse sowie Vorstellungen von Autorität und Agency.

Literatur und Lesepädagogik und damit Kinder- und Jugendbücher sowie Schulbücher hatten in der DDR einen hohen Stellenwert, da sie für die Herausbildung der „sozialistischen Persönlichkeit“ herangezogen wurden. Das Lesen von Kinder und Jugendliche wurde dabei besonders gefördert und honoriert. Die DDR hatte seit Ende der 1950er Jahre ein einheitliches Bildungssystem von der Krippe bis zur Hochschule. Oberstes Ziel der Bildung von Kindern war die Erziehung zur „sozialistischen Persönlichkeit“. „Es gehörte zur Politik des Regimes, dass jedes Kind einen Bibliotheksausweis erhält, das Lesen wurde gefördert und die Buchbestände dokumentieren, welche Inhalte kommuniziert wurden“, so Koch. 14 Kinderbuchverlage publizierten in der DDR, mehr als 150 Autorinnen und Autoren schrieben Kinderliteratur, über 100 Illustratorinnen und Illustratoren produzierten Darstellungen. Etwa 80 % der Kinder hatte einen Bibliotheksausweis, im Schnitt haben Kinder 23 Bücher im Jahr ausgeliehen.

Welches Wissen wurde in den Büchern von Generation zu Generation weitergegeben? „Wir interessieren uns dafür, welches Wissen über das Aufwachsen in der DDR in den Büchern hervorgebracht wird und wie dieses im kommunikativen Gedächtnis tradiert wird.“  

Kinder- und Jugendbücher sowie Schulbücher sind Medien für Kinder – was darin an Inhalten transportiert wird mit denen Kinder aufwachsen, das untersucht diese  Hildesheimer Arbeitsgruppe in ihrer Fallstudie. Es handele sich um „Medien für Kinder, von Erwachsenen geschaffen, die mit Vorstellungen geschrieben wurden, was Kinder wie verstehen sollen“, so Sandra Koch. Der Zugang zu den vollständigen Sammlungsbeständen der Kinder- und Schulbücher der DDR sei eine hervorragende Grundlage für die Forschung. „Die gesamte Schulbuch- und Kinderliteratur steht uns zur Verfügung, von der Frühphase bis 1989, das sind enorme Bestände.“ Der gesamte Bestand der neueren deutschsprachigen Kinder- und Jugendbücher nach 1945 umfasst in der Staatsbibliothek Berlin etwa 69.000 Titel, darunter die Titel der DDR-Verlage vollständig. Die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung enthält über 5000 Schulbücher seit 1945, die vom staatseigenen Verlag „Volk und Wissen“ verlegt wurden. Alle mussten vom Kultus- oder Bildungsministerium der DDR vor der Veröffentlichung abgesegnet werden.

Sowohl für die Analyse der Kinder- und Jugendbüchern als auch für die Analyse der Schulbücher müssen die Quellen zunächst systematisiert und kategorisiert werden, um dann eine begründete Auswahl für ihre Text- und Bilduntersuchung treffen zu können. „Gerade weil die Bücher in der DDR zur Herausbildung einer „sozialistischen Persönlichkeit“ beitragen sollten, haben diese eine hohe politische Bedeutung. Historisch interessant ist aber, welche Spielräume es möglicherweise doch gab, jedenfalls in der Kinderliteratur, obwohl die Inhalte staatlich gesteuert wurden“, sagt Professorin Meike Sophia Baader. Beim Schulbuch hingegen stelle sich dies anders dar.  

Friederike Kroschel als Historikerin und Sandra Koch als Erziehungswissenschaftlerin ergänzen sich in ihren wissenschaftlichen Perspektiven und fokussieren sich vor diesem Hintergrund in besonderer Weise auf die visuellen Darstellungen in den Büchern. „Bilder und Illustrationen wirken unmittelbar als ein eigenes Genre und sie verraten möglicherweise einiges, was im Text nicht steht. So wird in einem Bild zum Beispiel offenbar, dass nicht alles gleichberechtigt zuging, etwa wenn Jungen mit Technik gezeigt werden und Mädchen am Rand des Bildes stehen“, sagt Kroschel.

Die Kinder- und Jugendliteratur sowie die Schulbücher sind eine gute Quelle, um etwas über die Herkunft bestimmter Narrative und Mythen zu erfahren. „Insgesamt gibt es an der Universität Hildesheim einige Projekte, die sich mit Kinder- und Jugendliteratur befassen, so dass sich daraus über die Fachbereiche hinweg ein interessanter Forschungsschwerpunkt ergeben könnte“, so Baader.

Forschung in der Fallstudie: „Mythen in erzählten Bildungs- und Kindheitserfahrungen in der DDR“

Es wird vielfach unterstellt, dass Geschichtsbewusstsein zur (Allgemein-)Bildung dazu gehört. Allerdings ist das Wissen über die Vergangenheit unserer Gesellschaft, gerade mit Blick auf die Entwicklungen der ehemaligen DDR, in der heutigen Gesellschaft recht heterogen. Doch woran liegt das?

Die Fallstudie „Mythen in erzählten Kindheits- und Bildungserfahrungen der DDR“ geht von der Annahme aus, dass Geschichtswissen Teil des individuellen und kollektiven Gedächtnisses von Menschen in einer Gesellschaft ist. Die damit einhergehenden Formen des Erinnerns sind schwierig; sie unterliegen je besonderen Perspektiven und Standorten. Nicht zuletzt werden sie zudem von biographischen Brüchen geprägt. Dies gilt insbesondere für Zeitzeug*innen, welche selbst in der DDR gelebt und das dortige Bildungssystem auf ihren eigenen Bildungswegen erfahren haben: „Was wird heute eigentlich noch erinnert an Bildungs- und Erziehungspraktiken? Was können Zeitzeug*innen berichten, wie erinnern sie sich an das Bildungswesen der DDR?“, fragt Professor Michael Corsten.

Das Wissen über Bildung und Kindheit in der DDR ist also unter anderem davon abhängig, ob jemand selbst in der DDR gelebt hat oder nicht, in welchem Alter und welchen geschichtlichen Phasen sie oder er dort mit den Institutionen des Bildungssystems, sei es Schule, Studium, Berufsausbildung oder Weiterbildung, in Berührung gekommen ist. Und sicher spielt es ebenfalls eine Rolle, welche (politische) Position ein Mensch in der DDR eingenommen hat, ob er zur Arbeiterschicht, zur sogenannten „Intelligenz“, zu den Kadern in Betrieben oder den Parteien zählte.

Im Rahmen der Fallstudie „Mythen in erzählten Kindheits- und Bildungserfahrungen der DDR“ untersuchen der Soziologe Prof. Dr. Corsten sowie die Sozial- und Organisationspädagogin Larissa Jafke biographische Interviews mit Zeitzeug*innen aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive. Hierbei kann im Kern auf einen Datensatz von 50 Personen zurückgegriffen werden, die zwischen 2001 und 2010 dreimal biographisch interviewt wurden. Darüber hinaus werden über Kooperationen mit weiteren Forschenden sowie mit dem Archiv „Deutsches Gedächtnis“ zusätzliche Interviewmaterialien ausgewertet. „So wird u.a. die interessante Möglichkeit eröffnet, auf Interviews zurückzugreifen, welche Ende der 1980er Jahre und somit noch während des Bestehens der DDR mit Zeitzeug*innen  geführt wurden“, so Jafke. Denn für das individuelle und kollektive Erinnern ist es ebenso wichtig, zu welchem Zeitpunkt sich Personen erinnern sowie, ob sich das Erinnern der Person im Laufe des eigenen Lebens verändert.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens ist jedoch zu berücksichtigen, dass Änderungen des Erinnerns noch nicht die Form des Mythos annehmen müssen. Das, was geschah, kann später in einem neuen Licht, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen neu eingeschätzt und gewichtet werden. „Mythen sind daher aus unserer Sicht eher primäre Bilder der Geschichte, die sich individuell und kollektiv als selbstverständliches Wissen um die eigene Vergangenheit als Bedeutungen durchgesetzt haben und an die Menschen mehr oder weniger vorbewusst anknüpfen“, so Corsten.

Mythen können demnach ebenfalls eine Funktion für den eigenen Selbstentwurf einnehmen – ganz im Sinne des britischen Sozialhistorikers Paul Thompson: „The myths we live by“. Solche Mythen anhand der Erzählungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit dem Fokus auf Erfahrungen von Bildung und Kindheit herauszuarbeiten, stellt folglich die wesentliche Aufgabe der Fallstudie dar.

Die gesamten Erkenntnisse, Daten und Quellen beider Fallstudien sollen für Forschung, Lehre und Unterricht zugänglich gemacht werden

Aktuell befindet sich das Team noch in der anfänglichen Forschungsphase und befasst sich bisher primär mit den Interviewanfängen, bzw. mit den anfänglichen Selbsteinführungen der Interviewten. „Im Zuge dessen analysieren wir unter anderem, inwiefern und auf welche Weise sich hier bereits zu dem sozial historischen Kontext der DDR positioniert wird und was dies wiederum für die eigene Subjektivierung bedeutet“, fügt Jafke ergänzend hinzu.  

Die gesamten Erkenntnisse, Daten und Quellen beider Fallstudien sollen für Forschung, Lehre, Unterricht sowie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dazu gehören zum Beispiel eine Online-Plattform sowie interaktive Formate wie virtuelle Ausstellungen oder Handapparate, angereichert mit didaktischen Konzepten für den Unterricht.

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news-17721 Tue, 05 Nov 2019 11:14:00 +0100 Wissenschaftswettstreit: Science Slam an der Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wissenschaftswettstreit-science-slam-an-der-universitaet-hildesheim/ Die Universität Hildesheim lädt einmal im Jahr zum beliebten Wettstreit der Wissenschaften ein. Auf der Bühne des „Science Slam" geben vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fachdisziplinen Politikwissenschaft, Literatur, Sprachwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft Einblicke in ihre Forschung. Es treten an: Prof. Dr. Wolf J. Schünemann, Dr. Christine Lötscher, Prof. Dr. Kristin Kersten und Prof. Dr. Athanassios Pitsoulis. Die Universität Hildesheim lädt einmal im Jahr zum beliebten Wettstreit der Wissenschaften ein. Auf der Bühne des „Science Slam" gaben am 5. November 2019 vier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fachdisziplinen Politikwissenschaft, Literatur, Sprachwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft Einblicke in ihre Forschung. Der Eintritt ist frei und zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Veranstaltung teil.

Es traten an:

  • Prof. Dr. Wolf J. Schünemann, Fachbereich 1
    Institut für Sozialwissenschaften – Politikwissenschaft

  • Dr. Christine Lötscher, Fachbereich 2
    Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft

  • Prof. Dr. Kristin Kersten, Fachbereich 3
    Institut für Englische Sprache und Literatur

  • Prof. Dr. Athanassios Pitsoulis, Fachbereich 4
    Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik

„Ich finde das Format ‚Science Slam‘ sehr gut, denn es bringt die Universitätsangehörigen über Fächer, Disziplinen und Statusgruppen hinweg in großer Zahl zusammen. Die aktive Teilnahme als Vortragender ergibt sich daraus noch nicht zwingend, aber sie wird dadurch sehr begünstigt. Meine Kernbotschaft: Internet und Staat passen einfach nicht zusammen, oder doch? Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Genau deshalb möchte ich sie in meinem Vortrag untersuchen. Am Ende aber müssen die Gerichte entscheiden“, sagt Professor Wolf Schünemann.

Dr. Christine Lötscher nimmt am Science Slam teil, „weil Wissenschaft Vermittlung braucht, um ihre gesellschaftliche, kulturelle Relevanz auch ins Spiel bringen zu können. Das gilt insbesondere für die Geisteswissenschaften.“ Die Botschaft der Literaturwissenschaftlerin beim Sceince Slam wird folgende sein: „Wir verstehen unsere Kultur viel besser, wenn wir uns mit Kinder- und Jugendmedien auseinandersetzen.“

Die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Kristin Kersten bringt auf den Punkt, was sie beim Science Slam vermittlen wird: „Sprachenlernen kann Leben retten!“ Die Forscherin wird darüber sprechen, was wir wirklich über bilinguales Lernen wissen sollten. „Ich finde es großartig, wenn Wissenschaft über Gelegenheiten wie diese für Viele zugänglich gemacht werden kann. Und es kann nicht schaden – insbesondere uns selbst nicht –, wenn das auch häufiger einmal mit einem Augenzwinkern geschieht. Ich habe in der letzten Zeit in unseren gesellschaftlichen Diskussionen oft die Frage gehört, ob Humor nicht eine ganz entscheidende Rolle bei der Verarbeitung von Informationen spielen kann. Ich bin überzeugt davon! Das gilt übrigens auch für das Sprachenlernen“, so Kersten über den „Science Slam“.

Für Professor Athanassios Pitsoulis ist der Science Slam „einfach nur Spaß“. Er tritt an, um das Vorurteil anzugehen, dass Wirtschaftswissenschaft eine „trübselige Theorie von knappen Ressourcen und unbefriedigten menschlichen Bedürfnissen“ sei; sie ist seiner Meinung nach vielmehr extrem vielfältig und vor allem lehrreich. Mit am lehrreichsten findet er dabei die Spieltheorie, die heute aus den Wirtschaftswissenschaften nicht mehr wegzudenken ist. Wie die Spieltheorie helfen kann, internationale Konflikte und Verhandlungen zu erklären - man denke nur an Grexit, Brexit, Handelskriege und so weiter - wird Thema seines Vortrags sein, in dem er auch auf seine eigenen Forschungsarbeiten Bezug nehmen wird.

Science Slam mit Worten, Requisiten, technischen Hilfsmitteln oder Live-Experimente

Mit Worten, Requisiten, technischen Hilfsmitteln oder auch Live-Experimenten soll das Publikum für die Arbeit und Denkweisen in den vier Wissenschaftsdisziplinen interessiert und begeistert werden – am Ende hat das Publikum durch die Lautstärke des Applauses entschieden, welcher der Beiträge den Wettstreit gewinnt: Den Science Slam 2019 hat Professor Wolf Schünemann gewonnen, er arbeitete sich in seinem Vortrag am Komplex Internet und Staat ab und ließ Bilder und Videos aus dem Netz sprechen.

Interessierte Lehrende, Studierende, Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen. Professor Martin Schreiner, Vizepräsident für Stiftungsentwicklung,, Transfer und  Kooperationen begrüßt die Gäste, die Moderation übernimmt Markus F. Langer, Friend- und Fundraiser der Universität. Der Abend wird auch in diesem Jahr musikalisch von dem Saxophonisten Lars Stoermer aus Hannover begleitet.

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Politik Fachbereich 2 Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft Fachbereich 3 Englische Sprache Fachbereich 4 Wirtschaftswissenschaft und ihre Didaktik Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik
news-17572 Tue, 15 Oct 2019 11:08:31 +0200 Lehrbuch Bildungssoziologie (Autorin: Prof. Dr. Janna Teltemann) erschienen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/lehrbuch-bil/ Die Bildungssoziologie stellt vor allem für Lehramtsstudierende und Studierende pädagogischer Fächer wichtiges Orientierungswissen bereit. Eine zentrale Herausforderung für Lehrkräfte und PädagogInnen stellt der Umgang mit Heterogenität und die Ausbildung einer reflexiven professionellen Haltung dar. Die Bildungssoziologie trägt dazu bei, indem sie die Rahmenbedingungen von Bildungsprozessen und pädagogischem Handeln analysiert. Sie legt ein besonderes Augenmerk auf Ungleichheiten beim Bildungserwerb. Das Lehrbuch führt in die grundlegenden Fragen und Begriffe der Bildungssoziologie ein, beleuchtet die Analyse von Bildungssystemen und Schulen und stellt Ausmaß und Ursachen von schichtbezogener, migrationsbezogener und geschlechtsbezogener Bildungsungleichheit dar.

 

Link zum Verlag 

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-17450 Fri, 20 Sep 2019 17:17:55 +0200 Gastaufenthalt in Rom https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/gastaufentha-1/ Im unmittelbaren Vorfeld des anstehenden Wintersemesters verbringt Prof. Dr. Wolf J. Schünemann einen dreiwöchigen Gastaufenthalt an der LUISS-Universität (Libera Università degli Studi Sociali Guido Carli) in Rom. Er folgt der Einladung der Universität als International Chair. Die Position ist verbunden mit einem Stipendium der Universität, das er gemeinsam mit seiner italienischen Kollegin Dr. Emiliana De Blasio im Frühjahr einwerben konnte. Der Aufenthalt dient der Vertiefung der engen Forschungskooperation, die zwischen der LUISS-Universität und dem dortigen Centre for Conflict and Participation Studies (CCPS) (Leitung: Prof. Dr. Michele Sorice) auf der einen Seite und dem Forschungsschwerpunkt Politik und Internet am Institut für Sozialwissenschaften in Hildesheim (Leitung: Prof. Dr. Marianne Kneuer) auf der anderen Seite besteht. Neben der Zusammenarbeit in Forschungsprojekten sieht das Arbeitsprogramm verschiedene Gastvorträge und Lehrveranstaltungen vor. Den thematischen Fokus bildet dabei die Digitalisierung in Politik und Gesellschaft. Passend dazu wird auch die Methodenausbildung in den sog. Computational Social Sciences Gegenstand von Gesprächen und gemeinsamen Lehrangeboten sein. Der Austausch soll durch einen Aufenthalt von Dr. De Blasio in Hildesheim in einem der kommenden Semester ausgebaut werden.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-17331 Thu, 15 Aug 2019 15:15:00 +0200 Solidaritätdiskurse in Krisenzeiten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/solidaritaetd/ Auf der Konferenz des European Consortium for Political Research (ECPR) in Wrozlaw, Polen, werden Forscher_innen des SOLDISK-Projektes (Solidaritätdiskurse in Krisenzeiten), mit zwei Vorträgen beteiligt sein.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-17306 Fri, 02 Aug 2019 14:33:40 +0200 Dark Social https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/dark-social/ Prof. Dr. Marianne Kneuer im Gespräch mit dem NDR (NDR Info- 29.7.2019) zum Thema "Dark Social".

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-17117 Sat, 06 Jul 2019 14:44:09 +0200 Im dunklen Wald https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/im-dunklen-w/ „Immer mehr Menschen ziehen sich aus der Netzöffentlichkeit in digitale Privaträume zurück. Mit Folgen.“ von Johannes Kuhn Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer, Direktorin des Instituts für Sozialwissenschaften, Vorstandsmitglied des Zentrums für Digitalen Wandel der Universität Hildesheim, spricht in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG über Soziale Medien, digitale Privaträume und Partizipationsmöglichkeiten.

Süddeutsche Zeitung, Wortbeitrag von Professorin Marianne Kneuer, „´Im dunklen Wald´/Immer mehr Menschen ziehen sich aus der Netzöffentlichkeit in digitale Privaträume zurück. MitFolgen.“ 3. Juli 2019, 18:51 Uhr [online lesen auf sueddeutsche.de]

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-17105 Thu, 04 Jul 2019 07:50:00 +0200 90. Geburtstag: Politikwissenschaftler Professor Gottfried Leder https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/90-geburtstag-politikwissenschaftler-professor-gottfried-leder/ Professor Dr. em. Gottfried Leder, ein geistreicher Beobachter des politischen Zeitgeschehens und Begründer der Politischen Wissenschaft in Hildesheim, wird 90 Jahre alt. Der Hildesheimer Politikwissenschaftler hat am 4. Juli 2019 Geburtstag. LESETIPP: Einen weiteren Artikel über Professor Gottfried Leder lesen Sie auch in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 4. Juli 2019.

Gottfried Leder wurde am 4. Juli 1929 in Berlin geboren. Nach Evakuierung und der Flucht aus Oberschlesien gelangte er im Frühjahr 1945 nach Niedersachsen und legte 1948 das Abitur in Peine ab. Anschließend studierte er von 1949 bis 1955 an der Georg-August-Universität in Göttingen Rechts- und Staatswissenschaften.

1955 promovierte er bei Rudolf Smend, einem der bedeutenden Staatsrechtslehrer der Weimarer Jahre und der Nachkriegszeit, zum Doctor juris. Mit seiner Dissertation „Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen“ betrat Leder zu diesem Zeitpunkt juristisches und politisches Neuland. In das Jahr der Promotion fiel der Beitritt der Bundesrepublik zur NATO und das Wehrpflichtgesetz wurde erst im Folgejahr vom Bundestag beschlossen. Gewissen und Widerspruch haben den Wissenschaftler fortan immer sehr beschäftigt. 1960 bis 1961 war er im Bundespräsidialamt in Bonn im Referententeam des Persönlichen Büros des Bundespräsidenten.

Wegbereiter der Politischen Wissenschaft in Hildesheim

Leder war der Wegbereiter der Politischen Wissenschaft in Hildesheim. Er begründete als erster Lehrstuhlinhaber im Oktober 1961 das Fach Politische Wissenschaft an der damaligen Pädagogischen Hochschule Alfeld.

1970 kam Leder mit 20 Kollegen aus Alfeld nach Hildesheim, wo er die Politikwissenschaft an der Hochschule und später Universität Hildesheim prägte. Leder gehörte mit der Berufung 1961 als der Jüngste zum Kreis der Hochschullehrer, die das Fach in Niedersachsen als Grundwissenschaft aufgebaut und in die Lehramtsausbildung integriert haben. In zahlreichen Funktionen, unter anderem als Mitglied des Senats, hat er tatkräftig an der Weiterentwicklung von der Pädagogischen Hochschule zur selbstständigen Wissenschaftlichen Hochschule und schließlich zur Universität beigetragen.

Forschung zu Gewissen und Widerspruch

Als Hochschullehrer bemühte sich Leder bis zu seiner Pension 1991 stets um Fairness und Gerechtigkeit und förderte die Einübung präzisen Denkens und die Fähigkeit zur Begründung von Positionen.

Neben der Forschung und Lehre hat Gottfried Leder vielfältige gesellschaftspolitische Aufgaben wahrgenommen, etwa im Niedersächsischen Landesausschuss für Erwachsenenbildung und im Beirat des Niedersächsischen Landesinstituts für Lehrerfortbildung und Lehrerweiterbildung und war Mitglied des Beirats für Fragen der Inneren Führung beim Bundesministerium für Verteidigung.

Er engagierte sich zudem in zahlreichen kirchlichen Gremien. Über 30 Jahre gehörte er dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken an, wo er Mitglied mehrerer Arbeitsgruppen und Kommissionen war. 1999 wurde der Politologe mit der Bistumsmedaille, der höchsten Auszeichnung des Bistums, geehrt. Anfang der 1970er Jahre hat er an der Würzburger Synode, der gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer, teilgenommen.

2019 ist jüngst im LIT-Verlag das Buch „Bei Unrecht: Widerspruch!“ von Gottfried Leder erschienen.

Im Gespräch

Interview mit Professor Dr. em. Gottfried Leder

Herr Professor Leder, Sie sind Begründer der Wissenschaft der Politik in Hildesheim. Was bedeutet es, die Politikwissenschaft als eine Grundwissenschaft aufzubauen?

Die Politische Wissenschaft als Fach gab es damals an den Pädagogischen Hochschulen überhaupt noch nicht. Die Kultusministerkonferenz entschied damals Ende der 1950er Jahre, an jeder der acht Pädagogischen Hochschulen in Niedersachsen einen Lehrstuhl zu errichten, weil das erste Mal die NPD als Partei einen gewaltigen Schub bei den Landtagswahlen gemacht hat. Da wurde beschlossen: Wir müssen die Gegenwehr gegen diese Rechtsbewegung bei der Jugend anfangen – das wiederholt sich alles in der Geschichte. Und wenn man bei der Jugend anfangen möchte, muss man bei den Lehrerinnen und Lehrern anfangen. Und auf diese Weise wurde in allen pädagogischen Hochschulen in Niedersachsen das Fach der politischen Wissenschaft eingerichtet, in den vier größeren 1960, und in den kleineren 1961. Es gab aber nicht genug Leute für diese Lehrstühle, die habilitiert waren. Den Hochschulen wurde gesagt: Schaut euch um, wenn ihr jemanden kennt, der promoviert und geeignet ist, dann ladet ihn in die Hochschulen ein und macht Check-Seminare.

Sie waren 32. Das trauten Sie sich zu?

Ich war damals noch im Bundespräsidialamt in Bonn. Ich war 32 Jahre jung und stellte mich in Alfeld vor. So ist es gewesen. Ich stand in zwei anderen Hochschulen auch noch auf der Dreier-Liste der möglichen Kandidaten. Ich wurde dann ernannt und war zunächst allein, als Assistent bot sich ein Lehrer an. Ich begann bei Null. Was ich als Bestand in Alfeld vorfand war eine Weimarer Verfassung und das Grundgesetz und 3000 D-Mark als Startkapital für den Aufbau einer Abteilung Politikwissenschaft in der kleinen Hochschulbibliothek. Ich traf auf eine wahnsinnig freundliche Kollegenschaft, die sich halb umbrachte, um mir zu helfen und zwischendurch fragte, was das eigentlich ist, was ich in der Politikwissenschaft mache. Wir waren 20 Dozenten in Alfeld.

Was haben Sie Ihren Alfelder Kollegen und Ihrer Kollegin denn geantwortet, was ist Politikwissenschaft?

Ich habe verdeutlicht, dass und warum die Politische Wissenschaft eine Wissenschaft ist und dass ich nicht hierher geschickt worden bin, Politik zu machen. Es ist die Wissenschaft, die den Gegenstand der Politik hat und alles, was politisch ist, ist ihr Objekt. Politische Wissenschaft treibt also keine Politik, sondern analysiert sie. Was nicht ausschließt, erstens, dass auch der Politikwissenschaftler eine politische Überzeugung hat und was die Frage aufwirft, ob Politikwissenschaft eine wertfreie Wissenschaft sein könnte. Das war in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre eine große Debatte. Der Soziologe Max Weber hat die These von der Wertfreiheit der Politikwissenschaft einerseits glühend verteidigt und andererseits gibt es in seinen Schriften Passagen, in denen er darlegt, Politik ist natürlich auch eine wertende Wissenschaft. Wenn wir von „guter" oder „schlechter" Politik reden, fangen wir schon an mit dem Urteil. Ich kann das, was andere sagen, nicht sofort mit einer Haube der politischen Überzeugung beurteilen. Zunächst einmal muss die Analyse kommen.

Herr Professor Leder, seit 28 Jahren sind Sie im Ruhestand. Ihr Interesse an Politik, an Philosophie und Zeitgeschichte ist ungebremst, auch im hohen Alter haben Sie noch einen Aufsatz über Gewissen und Gehorsam geschrieben. Nun feiern Sie Ihren 90. Geburtstag. Verraten Sie uns Ihre Lebensphilosophie, wie bleibt man so wach im Geiste und so aufmerksam?

Seien Sie mir nicht böse, aber das kann ich nicht beantworten. Wie bleibt man so wach und aufmerksam? Ich danke jeden Tag dafür, das ich's bin. Wie man dazu kommt, merkt man ja nicht. Wenn man das Glück hat, merkt man es gelegentlich, weil jemand sagt: „Der ist noch ganz fit."

Ich weiß natürlich, dass ich ein wunderbares Elternhaus, aufgeschlossen und interessiert an allem, gehabt habe und sehr jung erfahren habe, dass es auf der Welt sehr schlimme Dinge gibt. Meine Eltern waren beide absolut unbeleckt von jeder Sympathie für die Nazis. Ich bin 1929 geboren, ich war gerade vier Jahre alt, als sich die Nationalsozialisten in Deutschland 1933 mit der Machtergreifung durchsetzten. Ich erzähle Ihnen eine verbürgtes Geschehen: Wie ich fünf Jahre alt war, 1934, war ich für ein Viertel Jahr bei meinen Großeltern in Breslau. An einem Abend, ich war von meiner Patentante schon ins Bett gebracht, fingen auf einmal die Glocken an zu läuten. Ich konnte nicht schlafen, bin in das Wohnzimmer der großen bürgerlichen Wohnung und habe mich beklagt, warum die Glocken so laut läuten. Mein Großvater sagte mir: „Weißt du, der Herr von Hindenburg, der Herr Reichspräsident ist gestorben." Ich reagierte, es war eine kindliche Reaktion: „Was denn, haben Sie jetzt den alten Mann auch noch umgebracht?“ Das war am 2. August 1934. Einige Monate zuvor, im Juni, hatte Hitler einen Putsch von SA-Leuten, seiner eigenen Truppe, niedergeschlagen, indem er seinen Freund Ernst Röhm, der Chef der SA, einer der obersten Nazis, hat erschießen lassen. Meine Eltern waren sehr intensiv katholisch und aufgeschlossen, sie wussten, 1935, 1936, 1937: Das gibt Krieg und es wird furchtbar. Sie wussten von Judenverfolgungen, ihre Freunde sind noch nach England entkommen. Als Fünfjähriger und in den folgenden Jahren habe ich eine schlimme Zeit erlebt. Ich konnte damals noch nicht Zeitung lesen, nur einzelne Worte. Das prägt mein ganzes Denken. Politik ist wahnsinnig spannend, aufregend und wichtig für uns alle, Politik kann schlecht sein und gut sein.

Eine andere Situation: Ich war 30 und Referent im persönlichen Büro des Bundespräsidenten in Bonn, ich war einer von zwei Assistenten und hatte wie ich angekommen war, am ersten Tag einen Auftrag erhalten, eine Tischrede zu entwerfen für die Mitglieder des Bundesverfassungsgerichts. Vorgabe 8 Minuten. Das war ein Glücksfall. Verfassungsrecht hat mich in meinem Studium so intensiv beschäftigt. Als ich in das Arbeitszimmer des Bundespräsidenten das erste Mal hinein kam, saßen wir uns direkt gegenüber, er hatte mein Redemanuskript vor sich liegen, nahm einen grünen Stift und fing an zu lesen. Auf einmal knurrte er, und wieder knurrte er: „So kann man das doch nicht sagen." Reflexartig bat ich um Entschuldigung. Der Bundespräsident legt seinen Stift hin, guckt mich an und sagt: „Herr Leder, warum entschuldigen Sie sich denn dauernd? Sie sind hier dazu da, mir zu widersprechen. Und wenn ich es dann anders mache, ist das nicht mehr Ihre Verantwortung." Ich habe manchmal in Fällen von Meinungsverschiedenheiten mit Räten und Assistenten später zu mir innerlich gesagt: „Du weißt, die sind hier da, um dir zu widersprechen. Und wenn du es anders machst, musst du es alleine verantworten." Ich habe daher nie einen ernsten Konflikt mit einem Mitarbeiter an der Universität gehabt.

Was bedeutet Wissenschaft für Ihr Leben? Wie hat die Politikwissenschaft Ihr Leben geprägt?

Wenn ich Politik lehren will und Wissenschaft betreiben will, muss ich objektive Sachverhalte erzählen. Gewissen und Widerspruch hat mich immer sehr beschäftigt. Ich habe sehr gerne in Arbeitsgruppen gearbeitet, die aus anderen Wissenschaften stammen. Zwölf Jahre war ich Mitglied eines Gesprächskreises für wissenschaftliche Pädagogik, nahm an den Symposien teil, sprach in Münster über politische Bildung. Wie sieht ein Politikwissenschaftler politische Bildung und hält sie für notwendig? Politische Bildung hat mich immer interessiert, ich habe sie mit vielen Referaten im Jahr in Bildungsinstitutionen von Stuttgart bis Fulda betrieben. Abends hatte ich meinen Vortrag in Oldenburg mit Diskussion bis zehn Uhr, am Morgen war ich zurück in Hildesheim, um um 8:00 Uhr mein Seminar zu halten. Von zwei Operationen abgesehen war ich 7 Vorlesungstage im Laufe der 30 Jahre an der Universität krank.

Die Arbeit hat mir immer Freude gemacht. Mich hat die Leidenschaft für politische Bildung und das innere Engagement mein Leben lang angetrieben. Demokratie ist ein Wert und die Parteien haben politische Funktionen in die Bevölkerung hinein. Wenn die Parteien heute wieder in einer Schwächephase stehen – was ganz ohne Frage ist und überhaupt noch nicht überwunden –, macht man sich seine Sorgen. Man kann Mitleid oder wenigstens Sympathie für Leute empfinden, die sich bestimmte Dinge zutrauen, dazu gewählt werden und dann von der eigenen Partei Stückchen um Stückchen in die Pfanne gehauen werden.

Meine Studentinnen und Studenten haben mir gesagt, dass ich anspruchsvoll sei, aber immer fair in Prüfungen. Wenn die Studierenden zur Prüfung kamen, habe ich mich gekümmert, es war erstaunlich, wie viele so stark unter Prüfungsangst gelitten haben. Den Dank erfahre ich noch heute in Hildesheim manchmal auf der Straße, das sind wundervolle Tage.

Wie haben Sie die Universität als Student erlebt?

Ich erinnere mich an mein Studium 1949 in Göttingen, ich habe die Lehrangebote gesucht, die hingen nämlich nur in der Universität an großen Brettern. Fernsehen gab es noch nicht, im Radio wurden Lehrveranstaltungen natürlich auch nicht verkündet.Und dann musste ich erst einmal einen Kommilitonen ansprechen, der von einer Vorlesung kam. Aber die jungen Leute waren alle so eilig, ganz eigentümlich – freundlich, aber sie hatten nie Zeit. Warum? Eine große Zahl der jungen Männer hatte eine Gefangenschaft hinter sich nach dem Zweiten Weltkrieg, entweder bei den Franzosen oder bei den Amerikanern, aber kaum einer war aus Russland. Ich bin dabei gewesen, wie 1955 – zehn Jahre nach Kriegsende – im Grenzdurchgangslanger in Friedland einer der ersten Transporte von deutschen Kriegsgefangenen ankam in Bussen, in die sie in ihren Gefangenenlagern verladen worden waren, als Konrad Adenauer in Russland gewesen war und sie freigehandelt hatte. Ich habe mit anderen Studenten geholfen. Es hieß: „Die Gefangenen kommen. Wir brauchen dringend Hilfskräfte.“ Ich errinere mich, wie sie aus den Bussen aussteigen – blass, blank, abgemagert, manche mit einem Stock, manche mit einer selbstgebastelten Krücke unter dem Arm. Ich habe bis heute im Sinn, wie sie am Ende anstimmen: „Nun danket alle Gott.“ So etwas vergisst man nicht, das Schreckliche wie das Schöne.

Wenn ich Ihnen noch eine Story erzählen soll: Ich saß im Seminar „Theorie des öffentlichen Rechts“ in Göttingen bei Professor Rudolf Smend, einer der bedeutendsten Verfassungsrechtler der Weimarer und der neuen Bonner Zeit. Da saßen mit mir im Raum zwei spätere Bundesminister, ein Dritter, der später in den Bundestag ging, zwei spätere Bundesverfassunsrichter, eine spätere Richterin. Ich saß auf dem letzten Platz, Mittwochabend, 20 Uhr bis 22 Uhr. Da passierte Folgendes: Rudolf Smend hatte einen Aufsatz geschrieben über den Kernbereich seiner eigenen Theorie, die Integrationslehre, der Staat ist Integration, für das große Handbuch der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Er sagte, er wolle den Aufsatz zur Diskussion stellen: Die Integrationslehre und ihre Schwächen. Es war ein nachträgliches rücksichtsloses Urteil über sein zentrales wissenschaftliches Produkt, uns kamen die Tränen. Er saß und schwieg. Einer seiner Studenten, Wilhelm Hennis, später renommierter Professor, sagte: „Herr Professor, so schlecht, wie Sie Ihre eigene Theorie gemacht haben, ist sie ja nun wirklich nicht." Herr Smend sagte ganz ernst: „Ich bedanke mich für diesen Trost." Ich habe dauernd das große Glück gehabt, Leute dieser Kragenweite kennen zu lernen.

Dieses Interview lesen auch viele Studentinnen und Studenten. Welche Entwicklungschancen bietet eine Universität jungen Menschen?

Eine Hochschullehrerin beziehungsweise ein Hochschullehrer sollte zum Nebenberuf haben, seinen Studentinnen und Studenten immer wieder klar zu machen: Erstens, Sie müssen hier gewaltig Gas geben, sonst kann es sein, dass Sie das Studium nicht schaffen. Ich kenne nur ganz wenige Leute, die es ohne solches Gasgeben mit Lockerheit geschafft haben. Zweitens, man muss sich selber darum kümmern, das man lernt, wie man lernt und wie man zum Denken kommt – mit der Folge, dass an zwei, drei Abenden in der Woche Bude und Arbeit angesagt ist. Weil es später auch so sein wird. Ohne knallharte Arbeitsbereitschaft geht nichts. Drittens: Man muss lernen, sich in die Position des anderen hineinzuversetzen. Das hilft übrigens auch, wenn man sich auf eine Prüfung vorbereitet und vorher versucht herauszufinden, wie der Prüfer oder die Prüferin tickt, dann können einen Fragen nicht erschrecken.

Welche Aufgaben hat Wissenschaft in der Gesellschaft, wie kann die Region von der hier ansässigen Hochschule profitieren?

Ich schätze die Bemühungen um den Wissenstransfer der heutigen Hildesheimer Universitätsprofessorinnen und Universitätsprofessoren, dazu zählen etwa die öffentlichen Europagespräche von Professor Michael Gehler und Ringvorlesungen der Universität Hildesheim. Da wird etwas Reizvolles geboten. Ich habe einige Referate von Professorin Marianne Kneuer gehört, sie kann für jeden der anfängt, als Wissenschaftler zu arbeiten, nur Vorbild sein, ich bewundere das. Man muss sehen, dass die Bürger hier herkommen auf den Campus, man muss sie einladen. Und dann kommen sie ja offenbar.

Die Hochschule, der akademische Bereich, ist nicht außerhalb dieser Welt, sondern ein Teil und muss sich selber integrieren. Eine Universität, die sich abkapselt, wird nie richtig in der Mitte dieser Stadt ankommen. Das Wachstum der Universität Hildesheim ist nicht unwesentlich in den letzten Jahren von Professor Wolfgang-Uwe Friedrich bewirkt worden und hat ohne Fragen in Hinblick auf kulturelle und wirtschaftliche Aspekte Bedeutung für Hildesheim. Etwa 11 % von Hildesheims gut 100.000 Einwohnern sind heute Studentinnen und Studenten, 1970 waren es 400 Studierende, 2019 sind es allein an der Universität etwa 8500. Und wenn Hildesheim sich nun darum bewirbt, Europäische Kulturhauptstadt zu werden, dann wird alles das, was vom gegenwärtigen Präsidenten geschaffen wurde dazu beitragen, dass Hildesheim sicher mit dem hervorragenden Ruf der Universität gestiegene Chancen hat.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-17107 Thu, 04 Jul 2019 07:46:00 +0200 Vorstand des Zentrums für Digitalen Wandel https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/vorstand-des-zentrums-fuer-digitalen-wandel/ Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive. Im Juli kam der Vorstand des „Zentrums für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“  der Universität Hildesheim zur konstituierenden Sitzung zusammen.

Dem Vorstand gehören der Wirschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt (Sprecher), die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, der Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum, die Mathematikdidaktikerin Professorin Barbara Schmidt-Thieme, der Leiter der Universitätsbibliothek Dr. Ewald Brahms und der Literaturwissenschaftler Dr. Guido Graf an.

„Mit dem Zentrum für Digitalen Wandel wollen wir bestehende Forschungs-, Lehr- und Transferinitiativen bündeln, um diesen eine größere Wirksamkeit zu verleihen und um disziplinübergreifende Erklärungs- und Gestaltungsansätze zu ermöglichen, die dem digitalen Wandel in seiner Komplexität gerecht werden“, so Professor Ralf Knackstedt.  

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler möchten erklären und aufklären, so dass weder überzogener Alarmismus noch Hype die Debatten über den digitalen Wandel prägen. Die Digitalisierung ist eines von vier Leithemen – neben Bildung, Kultur und Diversität – in der Entwicklungsplanung der Universität Hildesheim.

Weitere Informationen über das ZFDW finden Sie online.

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news-17087 Mon, 01 Jul 2019 12:52:31 +0200 Exkursion nach Brüssel https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/exkursion-na-1/

Studierende der Universität Hildesheim informierten sich auch dieses Jahr wieder über die europäischen Institutionen und ihr Funktionieren.

Der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle hat die europäische Integration als „das erfolgreichste Friedensprojekt der (neueren) Geschichte“ bezeichnet. Diese Sichtweise auf die EU gilt es vor dem Hintergrund zunehmender Kritik an der Europäischen Union, die zunehmend sowohl von linken, als auch von rechten Kräften geäußert wird, offensiv zu vertreten. Die Studierenden der Universität Hildesheim, die später als Meinungsmultiplikatoren in Schulen, aber auch in anderen Institutionen tätig sein werden, sollen gegen populistische Kritik an der EU immunisiert werden. Um dieses Ziel zu erreichen haben sich 18 Studierende, angeleitet von Prof. Marianne Kneuer und Mario Datts, in Brüssel mit der Geschichte der EU, ihren Institutionen und den Menschen beschäftigt, die die EU geprägt haben und gegenwärtig prägen. Die Gruppe aus Hildesheim hat sich u.a. mit dem jungen EU-Parlamentsabgeordneten Tiemo Wölken von der SPD getroffen.

Die Studierenden haben ihre Eindrücke der Exkursion in digitalen Logbüchern festgehalten.

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news-17024 Thu, 20 Jun 2019 08:51:00 +0200 70 Jahre Grundgesetz https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/70-jahre-gru/ Lehrprojekt im Institut für Sozialwissenschaften - Abteilung Politikwissenschaf:

In enger Anknüpfung an das im WS 18/19 durchgeführte Projekt 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte befassen sich Lehrende und Studierende im Fach Politikwissenschaft im Sommersemester 2019 mit ausgewählten Aspekten des Grundgesetzes. U.a. in den Veranstaltungen zur politischen Bildung, zur politischen Kultur und politischen Theorie nehmen wir die Wirkmächtigkeit einer Verfassung genauer in den Blick. Das Grundgesetz ist nicht nur Vorbild für mehrere neu etablierte Verfassungen seit 1949 und in enger Anlehnung an die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 1948 entstanden; das Grundgesetz ist darüber hinaus Ausgangspunkt für den modernen verfassungsrechtlichen Dreiklang von Recht, Individuum und Gemeinschaft.


Handlungsleitende Ziele in dem Projekt 70 Jahre Grundgesetz sind:
1. die Evolution der deutschen Verfassung zu kontextualisieren,
2. bekannte und weniger prävalente Artikel des Grundgesetzes in besonderer Art und Weise zu würdigen und
3. die besondere Relevanz politischer Kultur zu berücksichtigen, indem Orte des Politischen im Alltag reflektiert werden.

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news-16979 Wed, 19 Jun 2019 16:30:00 +0200 Ausstellung: „Die Macht der Gefühle. Deutschland 19 | 19“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/ausstellung-27/ Die Macht der Gefühle: Was haben Emotionen mit Geschichte zu tun? Studierende präsentieren eine Ausstellung zur Emotionsgeschichte

anhand von 20 Plakaten.

Wann: 19.06.2019 - 10.07.2019
Wo: Universitätsbibliothek Hildesheim

Ausstellungseröffnung: Mittwoch, 19.06.2019, 16:30 Uhr
Führungen auf Anfrage mittwochs zwischen 14:00 und 16:00 Uhr
Kontakt: ziethens@uni-hildesheim.de

Unsere Politik wird, so scheint es, zunehmend von Gefühlen bestimmt. Wir leben in Zeiten der Daueraufgeregtheit. Fakten werden durch gefühlte Wahrheiten infragegestellt. Radikale aller Couleur finden mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen immer mehr Zuspruch. Hier setzt die Ausstellung „Die Macht der Gefühle. Deutschland 19 | 19“ an, indem sie einen emotionsgeschichtlichen Blick auf die vergangenen 100 Jahre wirft. Die Historikerinnen Ute und Bettina Frevert nehmen die zahlreichen Jahrestage zum Anlass – u.a. 100 Jahre Gründung der Weimarer Republik, 90 Jahre Weltwirtschaftskrise, 70 Jahre Grundgesetz – um Kontinuitäten und Brüche in den Gefühlswelten von heute und der vergangenen 100 Jahre in Politik und Gesellschaft zu verdeutlichen.

Gemeinsam mit der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) und der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur wird die Ausstellung an mehr als 2000 Orten gezeigt, unter anderem auch in Hildesheim. Eine Seminargruppe bestehend aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen der Universität hat diese Ausstellung thematisch ein Semester lang aufgearbeitet und lädt alle Interessierten herzlich zu der Einführungsveranstaltungam 19.06.2019 um 16:30 Uhr im Foyer der Universitätsbibliothek in der Universität Hildesheim ein. Bis zum 10.07.2019 können Sie sich dort mit prägnantenTexten, 140 historischen Fotos und Darstellungen (Faksimiles) auseinandersetzen. Führungen für Interessierte und Gruppen wie z. B. Schulklassen werden gerne auf Anfrage per E-Mail (ziethens@uni-hildesheim.de) angenommen. Auf der Webseite www.machtdergefuehle.de finden sich umfassende didaktische Materialien für den Einsatz der Ausstellungim Schulunterricht.

Schirmherr der Ausstellung ist Bundesaußenminister Heiko Maas. In Kooperation mit dem Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut wurden zum Start der Ausstellung im März 2019 sieben Sprachfassungen der Schau auf den Weg gebracht, so dass „Die Macht der Gefühle“ im Jahresverlauf von Vancouver bis Sydney weltweit zu sehen sein wird.

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news-17023 Wed, 19 Jun 2019 08:43:20 +0200 Danielle Gluns erhält Preis des Deutschen Mieterbundes https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/danielle-glu/ Am 14.06.2019 wurde Danielle Gluns auf dem Mietertag in Köln der 1. Preis des Deutschen Mieterbundes für ihre Dissertation verliehen. Die Dissertation ist dieses Jahr unter dem Titel "From Planning to Policy. Local Housing Governance for the Growing Cities Vienna and Washington, D.C." bei Springer VS in der Reihe Stadt, Raum und Gesellschaft erschienen.

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news-17035 Mon, 10 Jun 2019 17:56:00 +0200 Exkursion nach Brüssel https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/exkursion-na/ Studierende der Politikwissenschaft informieren sich auch dieses Jahr wieder über die europäischen Institutionen und ihr Funktionieren. Besucht werden Parlament, Kommission und Rat, um mit politschen Akteuren ins Gespräch zu kommen und so einen Einblick in die konkrete europäische Politik zu bekommen. Die Ergebnisse der Parlamentswahlen lassen einen besonders interessanten Austausch im Parlament erwarten. 

Unterwegs sind mit Mario Datts und Prof. Marianne Kneuer zwanzig Studierende.

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news-16658 Tue, 30 Apr 2019 11:38:00 +0200 Wahlkampf im Netz: Die Angst vor Echokammern ist übertrieben https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wahlkampf-im-netz-die-angst-vor-echokammern-ist-uebertrieben/ Die deutsche Politik ist seit dem Einzug der AfD in den Bundestag stärker polarisiert als zuvor. Schotten sich die WählerInnen im Netz von Nachrichten ab, die nicht in ihr Weltbild passen? Nicht unbedingt, sagen Forscher der Universität Hildesheim. Sie haben 2,9 Millionen Facebook-Posts vor der Wahl 2017 analysiert. Die Politikwissenschaftler Professor Wolf Schünemann und Stefan Steiger sowie der Computerlinguist Fritz Kliche forschen zu Echokammern in sozialen Medien. In einem Gastbeitrag auf netzpolitik.org befassen sich die Wissenschaftler der Universität Hildesheim mit dem Wahlkampf im Netz und analysieren rückblickend die Bundestagswahlkampf 2017.

Die Wissenschaftler stellen Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ vor, in dem sie einen großen Datensatz digitaler Kommunikationsdaten (insgesamt 2,9 Mio. Facebook-Beiträge) automatisiert ausgewertet haben.

Hier lesen Sie den Gastbeitrag

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news-16646 Wed, 24 Apr 2019 14:31:00 +0200 „Wir befinden uns in einem umfassenden Strukturwandel der Öffentlichkeit“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wir-befinden-uns-in-einem-umfassenden-strukturwandel-der-oeffentlichkeit/ Was bedeutet Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter? Ein Team der Politikwissenschaft veranstaltet eine internationale Tagung an der Universität Hildesheim. Etwa 30 Fachleute aus Italien, Deutschland, Spanien und Portugal diskutieren am 25. und 26. April 2019 über den Wandel im digitalen Zeitalter und die Auswirkungen von Internet und Social Media auf Öffentlichkeit. Die digitalen Technologien werden immer wieder mit Hoffnungen auf eine stärkere Bürgerbeteiligung  verbunden. Optimistischen Szenarien stehen dagegen eher pessimistische Perspektiven gegenüber, etwa die Fragmentierung der Öffentlichkeit sowie die Bildung von Filterblasen und Echokammern.

„Wir befinden uns bereits mitten in einem umfassenden Strukturwandel der Öffentlichkeit, dessen Ausmaße allerdings noch nicht absehbar sind. Dabei müssen die mitunter gegenläufigen Entwicklungen analysiert werden: Das Netz kann viele Menschen verbinden, ebenso aber vereinzeln; es kann den Austausch fördern, ebenso aber polarisieren und sogar aufhetzen. Es kann den öffentlichen Raum grundsätzlich vergrößern, ebenso aber zu seiner Parzellierung beitragen. Was bedeutet Öffentlichkeit überhaupt im digitalen Zeitalter? Allein die Verschiebung zwischen öffentlicher und privater Sphäre wird immense Wirkungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft haben“, sagt Professorin Marianne Kneuer.

Die Professorin hat mit ihrem Team am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim seit 2012 den bundesweit vielbeachteten Forschungsbereich „Politik und Internet“  aufgebaut. Die Politikwissenschaftlerin organisiert die internationale Konferenz gemeinsam mit Wolf Schünemann, Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internet und Politik, und Dr. Emiliana De Blasio und Professor Michele Sorice von der LUISS Privatuniversität für Sozialwissenschaften in Rom. Die Tagung ist im Rahmen der Aktivitäten des „Zentrums für Digitalen Wandel/Center for Digital Change“ einzuordnen. 

„Die Tagung ist international hochklassig besetzt. Wir freuen uns auf zwei Tage intensiven Dialog über ein Thema höchster gesellschaftlicher Relevanz: die Transformationen politischer Öffentlichkeiten im digitalen Wandel“, sagt Professor Wolf Schünemann.

Die Tagung bildet den Auftakt für eine mehrteilige Veranstaltungsreihe zum Thema „Transformationen im digitalen Zeitalter“ , die das Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim gemeinsam mit  der LUISS University in Rome, der Scienes Po in Paris, der University of Perugia, der USI in Lugano, der University of Urbino und der University of Prague entwickelt. Das internationale Netzwerk erforscht gemeinsam den digitalen Wandel aus politikwissenschaftlicher Perspektive. Die nächste Tagung soll voraussichtlich zum Thema „Transformations of Internet Governance“ ausgerichtet werden.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert die Hildesheimer Konferenz. Die Tagung ist nicht öffentlich. Interessierte können sich vorab an die Veranstalter wenden.

Wer sich für die Forschung an der Universität Hildesheim interessiert, kann Prof. Dr. Marianne Kneuer (kneuer@uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Wolf Schünemann (wolf.schuenemann@uni-hildesheim.de) kontaktieren.

Zentrum für Digitalen Wandel
Center for Digital Change

Programm der internationalen Tagung

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news-16276 Thu, 21 Mar 2019 10:36:00 +0100 Digital Humanities: Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/digital-humanities-forschung-in-den-digitalen-geisteswissenschaften/ Am Zentrum für Digitalen Wandel in Hildesheim bauen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften aus. Mithilfe computerlinguistischer Methoden können sie große Datenmengen analysieren. Aktuelle Ergebnisse stellten sie beim Workshop „Computational Linguistics and Digital Humanities“ vor, einer Kooperation zwischen den Universitäten Hildesheim und Göttingen. Ulrich Heid forscht und lehrt als Professor für Sprachtechnologie und Computerlinguistik am Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie der Universität Hildesheim. Gemeinsam mit Professorin Caroline Sporleder, Direktorin des Göttingen Centre for Digital Humanities , lädt der Computerlnguist regelmäßig zu Arbeitstagungen ein.

Alle sechs Monate kommen Forscherinnen und Forscher beim Workshop „Computational Linguistics and Digital Humanities“ zusammen, im Frühjahr in Göttingen, im Herbst in Hildesheim. Ende Februar 2019 fand die Arbeitstagung zum Thema „Digital Methods in Political Science“ in Göttingen statt.

Die Workshops dienen dazu, dass beide Standorte einander über laufende Projekte, Methoden und Verfahren informiert halten. Regelmäßig werden europäische oder nationale Gäste eingeladen.

Interaktion zwischen politikwissenschaftlicher Theoribildung und computerlinguistischer Textanalyse

„Einige der prominenteren Vertreter computerlinguistisch arbeitender Politikwissenschaft Deutschlands kamen diesmal zusammen“, sagt Ulrich Heid. „Wir wollen gemeinsam verstehen, wie die Interaktion zwischen politikwissenschaftlicher Theoriebildung und computerlinguistischer Textanalyse aussehen kann. Zwar ist der Einsatz von Werkzeugen zur Extraktion von Wörtern und Wortsequenzen und von Zählverfahren und statistischen Tools sehr ‚en vogue‘ in der Politikwissenschaft, aber das eigentliche Ziel sollte es sein, klarer zu verstehen, welche Arten von Werkzeugen welche Arten von theoriegeleiteten Fragenstellungen gut unterstützen.“

Ein thematischer Schwerpunkt ist das vieldiskutierte Problem „Hate Speech“. „Wir bringen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, die sich Gedanken dazu machen, was eigentlich alles als Hate Speech gelten soll, aber auch solche, die Werkzeuge oder Daten für Training und Test von Werkzeugen entwickeln.“

Computerlinguistische Techniken in den Geisteswissenschaften

Die Verwendung und die Menge verschiedener computerlinguistischer Techniken hat für die textbasierten Geisteswissenschaften in der letzten Zeit enorm zugenommen, sagt Heid. Mit den Nachbarn in Göttingen hat er die idealen Kooperationspartner gefunden. Beide Universitäten haben eine geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Ausrichtung, forschen sowohl grundlagen- als auch anwendungsorientiert. In Göttingen wurde Caroline Sporleder als Professorin für digitale Geisteswissenschaften im Fachbereich Informatik berufen. „Wir halten uns auf dem Laufenden, wie die Geisteswissenschaften auf die Digitalisierung reagieren“, sagt Ulrich Heid, der in Hildesheim gemeinsam mit dem Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt und der Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer seit Ende 2018 am „Zentrum für Digitalen Wandel – Center for Digital Change“ mitarbeitet.

Program of the 7th. Göttingen/Hildesheim-Workshop
on Computer Linguistic and Digital Humanities

Im Folgenden geben einige der am Workshop beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hildesheim Einblicke in ihre Forschung:

Analyse von Diskursen über Solidarität

Computerlinguist Prof. Dr. Ulrich Heid

Prof. Dr. Ulrich Heid ist ordentlicher Professor für Sprachtechnologie / Computerlinguistik in Hildesheim und Mitbegründer der Workshop-Serie „Computational Linguistics and Digital Humanities“. Ulrich Heid ist selbst Geisteswissenschaftler, hat Sprachwissenschaft und Geschichte studiert und sich dann auf Computerlinguistik und Sprachtechnologie spezialisiert.

Herr Professor Heid, an welchem Forschungsthema arbeiten Sie zurzeit?

Zusammen mit Prof. Dr. Marianne Kneuer präsentiere ich Pläne für das neue, vom Land Niedersachsen finanzierte Projekt SOLDISK, also erst einmal nur Ziele und angestrebte Methoden, noch keine Ergebnisse. Professorin Marianne Kneuer koordiniert das Projekt, das am 1. März 2019 beginnt und Politologen und Computerlinguisten zusammenbringt. Wir analysieren Diskurse über Solidarität, wie sie in online-Quellen vorliegen. Beispiele sind offizielle Texte der Regierung, aber auch Statements auf Internetseiten zivilgesellschaftlicher Akteure (Kirchen, Vereine, Bürgerinitiativen usw.) oder von Individuen. Wir wollen für den Zeitraum 2012 bis 2016 und die beiden Einwanderungsereignisse in Deutschland (Rumänen und Bulgaren, 2012 bis 2014; sogenannte „Flüchtlingskrise“ 2014 bis 2016) ein Textkorpus sammeln, analysieren und im Hinblick darauf untersuchen, wie über Solidarität (zum Beispiel mit den Flüchtlingen) geschrieben wird.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Es heißt, Solidarität sei in der Krise; speziell in Zeiten, die als Krisenzeiten wahrgenommen werden, wie etwa den von Migrationsereignissen gekennzeichneten Jahren 2012 - 2016. Solidarisches Handeln in großem Stil zu erfassen ist sehr schwer; aber Diskurse über Solidarität das heißt das, was Akteure im Gemeinwesen darüber schreiben oder sagen, lässt sich sammeln, über die Zeit hinweg analysieren und interpretieren. Uns interessiert, ob und wie sich die oben genannten drei Gruppen in ihren Solidaritätsdiskursen unterschieden, ob generell oder gruppenweise Soldidarisierungs- bzw. Desolidarisierungsentwicklungen feststellbar sind, und ob Diskurse einer Akteursgruppe auf die anderen Gruppen "abfärben". Schließlich auch, wie argumentiert wird: mit wirtschaftlichen Argumenten, mit Fremdheit, oder mit Sicherheitsargumenten? Die Ergebnisse sind langfristig auch für die Politikberatung relevant.

„Practices of Commenting in Digital Public Spheres”

Soziologe Prof. Dr. Michael Corsten

Prof. Dr. Michael Corsten ist Professor für Soziologie und Dekan des Fachbereichs Erziehungs- und Sozialwissenschaften in Hildesheim. Im Rahmen des DFG-Projekts „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“ hat Corsten mehrere Doktorarbeiten und eine Habilitation begleitet.

Herr Professor Corsten, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Es geht um ein Ergebnis aus dem DFG-Projekt „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“, die exemplarische Auswertung der 432 Beiträge im Zeit-Online-Kommentarbeich zum Artikel „schlecht, schlechter, Geschlecht“ von Harald Martenstein.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Bemerkenswert ist oberflächlich betrachtet zunächst der Befund, dass auch in dem Online-Forum eines anerkannten Mediums des Qualitätsjournalismus eine Vielzahl von Beiträgen zu finden sind, in denen Personen und/oder Positionen in abwertender bis diskriminierender Form behandelt werden. Trotzdem zeigt sich an dem untersuchten Beispiel, dass sich innerhalb solcher Online-Leser-Kommentarforen Debatten zwischen kleineren Gruppen von Leserinnen und Lesern entfalten können. Wichtig ist die Untersuchung speziell dieser Bereiche nicht zuletzt deshalb, weil sich daran eine Kombination von One-To-Many- und Many-To-Many-Kommunikation zeigt.

„Who polluted the debate in the German federal election campaign 2017? Analysis and automatic detection of hate speech on social media”

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolf Schünemann

Prof. Dr. Wolf J. Schünemann forscht und lehrt als Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet in Hildesheim.

Herr Professor Schünemann, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Wir stellen zentrale Ergebnisse aus dem Projekt „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) vor und zwar aus dem Teilprojekt 1, in dem wir einen großen Datensatz digitaler Kommunikationsdaten (insgesamt 2,9 Mio. Facebook-Beiträge) automatisiert ausgewertet haben. Wichtige Ergebnisse sind bislang, dass wir die viel beschworenen Echokammern, insbesondere im Hinblick auf die populistische Rechte, im deutschen Facebook-Wahlkampf nicht nachweisen können, zumindest nicht, wenn wir uns anschauen, auf welche Medieninhalte in den Posts und Kommentaren verwiesen wird. Hier zeigen alle Parteien einschließlich der AfD große Überschneidungen. Dennoch finden wir Muster thematischer und formaler Polarisierung, auf die wir eingehen. Zudem wird der Datensatz auch für die Forschung zu offensiver Sprache oder Hate Speech im Facebook-Wahlkampf verwendet. Hier leistet die Sylvia Jaki die wesentliche Forschungsarbeit und wird auch erste Ergebnisse präsentieren. 

Warum ist diese Forschung wichtig?

Die Bundestagswahl 2017 war einschneidend, sowohl im Hinblick auf das Ergebnis der Wahl (insbesondere der Erfolg der Rechtspopulisten) als auch den Online-Wahlkampf. Es gilt gerade im Vorfeld weiterer Wahlkämpfe (Länder/Europa) Lehren daraus zu ziehen und viel diskutierte Tendenzen der politischen Kommunikation und angenommene Gefahren für die Demokratie an der Realität zu überprüfen.

„Echo chambers and polarisation in the German federal election 2017”

Fritz Kliche, Stefan Steiger und Prof. Dr. Wolf Schünemann forschen zu Echokammern in sozialen Medien. Der Computerlinguist Fritz Kliche forscht in der Arbeitsgruppe von Professor Ulrich Heid.

Mich interessieren besonders die „Digital Humanities“ – also die Zusammenarbeit von Informatikern oder in unserem Fall Computerlinguisten mit Forscherinnen und Forschern aus den Geistes- oder Sozialwissenschaften, sagt Fritz Kliche. Mit seiner Arbeit möchte er dazu beitragen, dass Forschung in den digitalen Geisteswissenschaften in Hildesheim ausgebaut werden und in der interdisziplinären Zusammenarbeit weitere wichtige Forschungserkenntnisse erarbeitet werden können.

Automatic detection of hate speech on social media

Medienlinguistin Dr. Sylvia Jaki

Dr. Sylvia Jaki ist Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in Hildesheim und forscht im Bereich der Medienlinguistik. Mit Kollegen der Universität Antwerpen hat sie ein Computerprogramm entwickelt, das in der Lage ist, automatisiert hetzerische Wörter und Wortkombination in Tweets aufzuspüren. Sie befasst sich mit sprachlichen Charakteristika der Medien und arbeitet an ihrer Habilitation.

Frau Dr. Jaki, welches Forschungsergebnis stellen Sie vor?

Für die Facebook-Daten des Projekts „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) von Wolf Schünemann konnten wir zeigen, dass die Facebook-Profile von Parteien und Politikerinnen und Politikern an den politischen Rändern während der letzten Bundestagswahl tendenziell mehr Hate Speech aufwiesen als bei den Parteien der politischen Mitte. Dies heißt aber nicht unbedingt, dass sich die Hate Speech GEGEN die Partei beziehungsweise den Politiker oder die Politikerin richtet. Unsere Analysemethode demonstriert überdies, dass lexikonbasierte Ansätze zu transparenteren Systemen bei der Erkennung von Hate Speech beitragen können.

Warum ist diese Forschung wichtig?

Hate Speech hat sich zu einem omnipräsenten Phänomen in den Medien entwickelt. Wie aber wollen wir damit umgehen – automatisiert entfernen, akzeptieren oder dagegen andiskutieren? Dies ist eine Frage, die vielerorts diskutiert wird und auch unbedingt diskutiert werden sollte. Aufgrund der Schwächen, die Detektionssoftware derzeit noch aufweist, ist es wichtig, Detektionssysteme zu schaffen, die einen Einblick in die Klassifikationsmechanismen geben, um die oftmals als Black Box bezeichnete Künstliche Intelligenz transparenter zu machen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-16343 Tue, 19 Mar 2019 19:16:00 +0100 Politikwissenschaftler erforscht Referenden über Europa https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/politikwissenschaftler-erforscht-referenden-ueber-europa/ Professor Wolf Schünemann erforscht ein irritierendes Phänomen der jüngeren Integrationsgeschichte: Referenden in und über Europa. Während der internationalen Tagung „Referendums on Europe“ stellen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Amsterdam, Warschau, Freiburg, Brighton und Aarhus ihre Forschungsergebnisse in Hildesheim vor. Der geplante EU-Austritt des Vereinigten Königreiches (Brexit) trifft die europäische Gemeinschaft wie ein Schlag und ist eine der folgenreichsten Entscheidungen in der langen und vielfältigen Geschichte der EU-Referenden in Europa. Mit dem bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der EU ist es an der Zeit, die Motive, die Dynamik und die Ergebnisse solcher Referenden über Europa zu diskutieren.

Am Tag des geplanten EU-Austritts laden Professoren aus Hildesheim und Chemnitz zu einer internationalen Tagung „Referendums on Europe – Motives, Dynamics, Outcomes“ nach Hildesheim ein. Führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem aus Amsterdam, Warschau, Freiburg, Brighton und Aarhus präsentieren ihre Forschungsergebnisse am 28. und 29. März 2019 an der Universität in Hildesheim. Der internationale Workshop wird von Wolf Schünemann, Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internet und Politik an der Universität Hildesheim, und Kai Oppermann, Professor für internationale Politik an der Technischen Universität Chemnitz, veranstaltet.

Die Wissenschaftler laden Hildesheimer Bürger zur Podiumsdiskussion ein. Die englischsprachige Veranstaltung beginnt am 28. März 2019 um 18:00 Uhr in der Industrie- und Handelskammer (Hindenburgplatz 20, Hildesheim) (Plakat als PDF).

Es diskutieren die Politikwissenschaftlerin Barbara Lippert (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin), der Rechtswissenschaftler Peter-Christian Müller-Graff (Universität Heidelberg), der Zeithistoriker Michael Gehler (Universität Hildesheim) und der Politikwissenschaftler Andrew Glencross (Aston University, United Kingdom). Die Podiusmdiskussion ist öffentlich, interessierte Bürger sind herzlich eingeladen, die Teilnahme ist kostenfrei.

Interview

Nachgefragt bei Prof. Dr. Wolf J. Schünemann

Professor Wolf Schünemann erforscht ein irritierendes Phänomen der jüngeren Integrationsgeschichte: Referenden in und über Europa. Neben seinem Forschungsschwerpunkt Internet und Politik untersucht der Politikwissenschaftler am Institut für Sozialwissenschaften in Hildesheim die europäische Integration und das politische System der EU.

Warum veranstalten Sie den internationalen Workshop „Referendums on Europe"?

Wolf Schünemann: Mit der Brexit-Abstimmung ist das Thema europapolitischer Volksabstimmung plötzlich und dramatisch ins allgemeine Bewusstsein gerückt. Es gibt aber eine besondere historische Tradition europapolitischer Referenden, die in der Vergangenheit interdisziplinär erforscht worden sind. Diese Aktivitäten zusammenzuführen und gemeinsam über die Erfahrungen und den Umgang mit europapolitischen Referenden in verschiedenen nationalen und (integrations)geschichtlichen Kontexten zu diskutieren, ist das primäre Ziel dieser Tagung.

Welche Frage werden die Podiumsteilnehmerinnen und Podiumsteilnehmer diskutieren?

Die übergeordnete Frage wird sein, ob der verbreitete Eindruck nach dem Brexit-Referendum zutrifft, dass es sich bei europapolitischen Volksabstimmungen per se um eine Gefahr für die europäische Integration handelt oder ob nicht auch wichtige Impulse und natürlich Legitimation von direktdemokratischer Mitwirkung am Einigungsprozess ausgehen können. Aus welchen Erfahrungen lässt sich gegebenenfalls lernen, um direktdemokratische Instrumente für künftige Fragen europäischer Integration sinnvoll einzusetzen, ohne die europäische Idee vollends zu gefährden? Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, um negative Tendenzen europapolitischer Volksabstimmungen zu vermeiden? Wie kann die EU schließlich mit den Ergebnissen von EU-Referenden umgehen?

In dem Buch „In Vielfalt verneint“ befassen Sie sich mit Referenden über Europa, also mit Abstimmungen von wahlberechtigten Bürgern zu einer politischen Frage. Welche Auswirkungen kann ein Referendum haben?

Auf nationaler oder regionaler Ebene kann ein Referendum durchaus befriedend wirken. Als Beispiel sei hier etwa aus dem deutschen Kontext die regionale Abstimmung über Stuttgart 21 genannt. Auch das schottische Unabhängigkeitsreferendum von 2014 passt als Beispiel. Umgekehrt können bestehende gesellschaftliche Konflikte auch zementiert oder gar verschärft werden. Dies ist sicher eine Erfahrung aus dem Brexit-Referendum. Aus europäischer Ebene haben EU-Referenden regelmäßig zu Verzögerungen im Integrationsprozess geführt, weil Reformverträge nicht sofort ratifiziert werden konnten (Maastricht-Vertrag, Nizza-Vertrag, Lissabon-Vertrag) oder gar nicht (Verfassungsvertrag). Um den Stillstand zu beenden, wurden regelmäßig Zugeständnisse in Form differenzierter Integration gewährt. So lassen sich unterschiedliche Integrationsniveaus und Integrationsgeschwindigkeiten (Euro, Schengen) auch durch gescheiterte Referenden erklären.

Welche Erfahrungen, Hoffnungen und Vorbehalte werden mit europapolitischen Volksabstimmungen verbunden?

Als Hoffnung bestand über lange Zeit die Aussicht, durch direktdemokratische Entscheidungsverfahren das chronische Legitimitätsdefizit der EU ein Stück weit zu heilen. Die Erfahrungen haben diese Hoffnung vielfach nicht bestätigt. Stattdessen haben Ablauf und Ergebnis von Referenden, aber auch die intergouvernementalen Verhandlungen über ihre Vermeidung oder Bewältigung der EU eher weiteren Schaden zugefügt. Klassische Vorbehalte gegenüber EU-Referenden sind, dass der Gegenstand zu komplex sei und die Bürger nicht hinreichend interessiert und informiert seien, dass sie sich entsprechend von gegenstandsferner Propaganda verleiten ließen und ihr Abstimmungsverhalten eher affektiv statt rational sei. Hierbei handelt es sich um Vorbehalte, die in jedem Einzelfall kritisch zu prüfen sind, nicht um gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse.

Müssen wir uns in Europa vermehrt auf solche offensiven Abstimmungen wie den Brexit einstellen? Was würde dies für die Zukunft der EU bedeuten?

Wenn die Abstimmungen und insbesondere auch die chaotischen Folgen denen des britischen Votums glichen, nichts Gutes. Allerdings ließen sich Referenden freilich auch anders organisieren. Auf Seiten der europapolitischen Eliten herrscht schon lange Referendumsmüdigkeit. Von der EU-Ebene aus sind also kaum Vorstöße oder auch nur Anlässe für weitere EU-Referenden zu erwarten. Auf nationaler Ebene wären von erstarkenden EU-skeptischen bis EU-feindlichen Bewegungen durchaus Vorstöße für offensive Referenden vorstellbar gewesen und sind es noch. Der Blick auf die Entwicklung der britischen Politik seit 2016 lässt die Referendumsoption (evtl. gar zwecks EU-Austritts) allerdings nur wenig attraktiv erscheinen.

Wie erforschen Sie denn diese Debatten und Prozesse, wie gehen Sie als Politikwissenschaftler vor?

Ich selbst betrachte in meiner Arbeit vor allem die gesellschaftlichen Debatten im Vorfeld eines Referendums, um die typischen Aussagen und Argumente für oder gegen den Gegenstand eines Referendums herauszuarbeiten. Dies ist insbesondere spannend für die vergleichende Forschung, weil es zeigt, wie unterschiedlich verschiedene Gesellschaften über die EU diskutieren und welche Auswirkungen diese Unterschiede auf den Integrationsprozess haben können.

Die Fragen stellte Isa Lange.

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften
news-16342 Sat, 16 Mar 2019 14:48:34 +0100 Abschluss der Veranstaltungsreihe 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/abschluss-de/ Das Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim schließt die Veranstaltungsreihe 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte mit zwei Veranstaltungen am 20. und 21. März 2019 ab und weist auf folgende Formate hin:

  • Mittwoch, 20.03.2019 18.00 - 20.00h Universität Hildesheim Forum Neubau Hauptcampus N 006 Film: "Nowhere Line: Voices from Manus Island", von Lukas Schrank anschließend Diskussion mit: Kai Weber (Flüchtlingsrat Nds.) und Dr. Marcus Engler (Sozialwissenschaftler und Migrationsforscher)
  • Donnerstag 21.03.2019 09:30 - 12:30h Universität Hildesheim Forum Neubau Hauptcampus N006 Julian Cordes, VEN Mehr.Wert! Menschenrechte in globalen Lieferketten Workshop
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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-16331 Tue, 12 Mar 2019 11:04:18 +0100 Workshop: Transfer in der Fluchtforschung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/workshop-tr/ Am 01. und 02.04. findet an der Universität Hildesheim der bundesweite Workshop "Transfer in der Fluchtforschung" statt, der als Auftakt für die Gründung eines Arbeitskreises Transfer im Netzwerk Fluchtforschung dient. Der Workshop wird von Danielle Gluns (Forschungs- und Transferstelle Migrationspolitik) gemeinsam mit Dr. Monika Gonser von der PH Heidelberg organisiert. Während des Workshops werden folgende Fragen diskutiert:

-          Kategorien, Bezugspunkte und Begrifflichkeiten des Transfers in der Fluchtforschung

-          Transferstrukturen in der Fluchtforschung

-          Wissenschaftskommunikation in der Fluchtforschung

-          Politikberatung in der Fluchtforschung

-          Fluchtforschung, Bildung und Ausbildung

-          Kooperationen in der Fluchtforschung

-          Transdisziplinäre Fluchtforschung

-          Bedingungen für einen gelungenen Transfer aus Sicht der Praxis

Das Programm des Workshops können Sie hier herunterladen.

Der Workshop richtet sich insbesondere an Wissenschaftler*innen aus dem Bereich der Fluchtforschung sowie an interessierte Praxisakteur*innen aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft. Die Teilnahme am Workshop ist kostenfrei. Um Anmeldung bis zum 15.03. an gonser(at)ph-heidelberg.de wird gebeten.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-16239 Thu, 21 Feb 2019 11:28:00 +0100 Stellenausschreibung für eine studentische Hilfskraft am Institut für Sozialwissenschaften https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/stellenaussc-6/ 1 studentische Hilfskraft (m/w/d) (40 Stunden / Monat) für den Zeitraum von drei Jahren zu besetzen. Die Stelle ist Teil des drittmittelfinanzierten Forschungsverbundes „SOLDISK – Solidaritätsdiskurse in Krisen. Analyse und Erklärung von Solidaritätsvorstellungen in Migrationskontexten“. Die ausgeschriebene Stelle ist in dem politikwissenschaftlichen Projekt von Frau Prof. Dr. Kneuer zu besetzen.  

 Aufgaben:

  • Literaturrecherche und Literaturbeschaffung;

  • Unterstützung bei Datenerhebung und -auswertung im Teilprojek; 

  • Korrekturlesen (Englisch und Deutsch); Formatierung von Publikationen;

  • Unterstützung bei Organisation der Veranstaltungen des Verbunds.


 Voraussetzungen:

  • Studium der Politikwissenschaft

  • sehr gute Englisch- und EDV-Kenntnisse (Office, Internet, E-Mail, Citavi);

  • Selbständigkeit, Zuverlässigkeit, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein sowie Interesse an das Thema der Solidaritätsforschung.

 

Bewerbungsunterlagen sind auf elektronischem Wege bis zum 1.3.2019 an Frau Prof. Dr. Marianne Kneuer (kneuer@uni-hildesheim) zu senden.

Die Stiftung Universität Hildesheim hat sich ein Leitbild gegeben, in dem sie Wert auf Gender- und Diversitykompetenz legt.

Die Stiftung Universität Hildesheim will die berufliche Gleichstellung von Frauen und Männern besonders fördern. Daher strebt sie eine Erhöhung des im jeweiligen Bereich unterrepräsentierten Geschlechts an.

Bewerbungen von Bewerberinnen und Bewerbern mit Schwerbehinderung werden bei gleicher Eignung bevorzugt berücksichtigt.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-16164 Wed, 13 Feb 2019 17:32:23 +0100 Studie: „Empfehlungen für eine neue Schlüsselrolle der Kommunen in der Flüchtlings- und Asylpolitik der EU“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/studie-empfehlungen-fuer-eine-neue-schluesselrolle-der-kommunen-in-der-fluechtlings-und-asylpolitik/ Die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union ist in einer tiefen Krise. Während Mitgliedsstaaten ergebnislos streiten und Schutzsuchende im Mittelmeer ertrinken oder auf Rettungsschiffen festsitzen, bieten immer mehr Städte und Gemeinden ihre Hilfe an. Sie vernetzten sich europaweit und wollen handeln statt zu reden. Liegt auf kommunaler Ebene die Lösung für eine faire Verteilung von Geflüchteten in der EU? Die Studie „Der Weg über die Kommunen“ der Universitäten Hildesheim und Erlangen-Nürnberg im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung hat dies untersucht und legt konkrete Empfehlungen vor, wie das Potenzial von Städten und Gemeinden in der EU-Flüchtlingspolitik besser genutzt werden kann.

Das rund 40-seitige Papier analysiert die finanziellen und strukturellen Defizite der Kommunen in der Flüchtlings- und Asylpolitik und entwickelt daraus umsetzbare Ideen. Kommunen sollen unter anderem einen verbesserten Zugang zu EU-Fonds und mehr Kompetenzen bei der Ausgestaltung von EU-Programmen erhalten. Kern der Vorschläge ist ein Mechanismus zur Umverteilung von Schutzsuchenden, bei dem sowohl die Geflüchteten selbst als auch die Kommunen ein Mitspracherecht haben. Beteiligte Kommunen stellen Informationen über die örtlichen Gegebenheiten und Unterstützungsangebote in ein Online-System, Schutzsuchende geben ihre individuellen Voraussetzungen an. Ein Matching-Verfahren, das besondere Schutzbedarfe berücksichtigt, bringt dann beide zusammen.

Petra Bendel, Mitautorin der Studie, betont: „Die Zuwanderung in die Kommune läuft auf diese Weise nicht nur geregelter ab. Die Erfahrung lokaler Mitsprache kann das Vertrauen der Bevölkerung in die kommunale Politik, aber auch in die darüber liegenden Ebenen stärken. Eine Beteiligung der Schutzsuchenden an der Zielortwahl beugt zudem wirkungsvoll Sekundärmigration vor – also der Weiterwanderung Geflüchteter nach Anerkennung.“

Hannes Schammann, ebenfalls Autor des Papiers und Professor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, ergänzt: „Die Empfehlungen können helfen, die EU migrationspolitisch neu zu denken. Es ist an der Zeit, Kommunen ernsthaft in die nationale und die EU-Asyl- und Flüchtlingspolitik einzubeziehen. Sie sind bereit dazu! Diese Chance darf die Europäische Union nicht verstreichen lassen.“

Ellen Ueberschär, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, würdigt die Empfehlungen der Studie: „Mehr Mitsprache der Kommunen bei der Aufnahme von Schutzsuchenden kann das Vertrauen in die lokale Selbstbestimmung und in das politische System als Ganzes stärken, zu einer Versachlichung der Debatte beitragen und damit überall in Europa Bewegung in die Diskussion über Flucht und Asyl bringen.“

Download des Policy Paper:

Studie „Der Weg über die Kommunen.
Empfehlungen für eine neue Schlüsselrolle der Kommunen in der Flüchtlings- und Asylpolitik der EU“

Die Empfehlungen im Überblick:

A. Finanzielle Stärkung der Kommunen durch hürdenfreien Zugang zu EU-Fonds

A.1 Bestehende EU-Fonds werden besser aufeinander abgestimmt. Kommunen können einen einzigen Antrag mit einem kohärenten Maßnahmenpaket stellen, das dann ggf. aus verschiedenen Fonds finanziert wird.

A.2 Die Ko-Finanzierung von EU-Projekten wird vereinfacht. Kommunen können EU-Fonds mit anderen Zuschüssen, wie etwa der Europäischen Investitionsbank, kombinieren. Damit werden Städte und Gemeinden mit geringen Eigenmitteln besser angesprochen.

A.3 Der Zugang zu Fördermitteln wird vereinfacht. Nationale One-Stop Shops begleiten Kommunen bei Antragstellung und Abwicklung. Ansprechpartner*innen sind klar benannt, Fristen werden transparent kommuniziert. Damit können auch kleinere Gemeinden ohne spezifische EU-Expertise besser von den EU-Mitteln profitieren.

A4 Kommunen können sich ohne Umweg über die Nationalstaaten direkt auf flexible Soforthilfe der EU bewerben, insbesondere auf die Notfallunterstützung des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds. Bedarfe werden so endlich schnell und unkompliziert gedeckt.

B. Stärkung der Mitspracherechte der Kommunen

B.1 Zur Stärkung kommunaler Mitspracherechte und besseren Abstimmung zwischen den Ebenen wird das vorhandene Partnerschaftsprinzip gestärkt. Dieses bietet Kommunen und anderen „Partner*innen“ jetzt schon Mitsprachemöglichkeiten bei EU-Fonds. Bislang aber werden diese nicht oder nicht vollständig umgesetzt. Die Entwicklung neuer Standards soll dies verbessern.

B.2 Die Europäische Kommission kümmert sich mittels einer Schlichtungsstelle um Streitfälle zwischen Kommunen und nationalen Behörden bzgl. der nationalen Ausgestaltung migrationspolitischer Förderprogramme.

C. Einführung eines kommunalen Relocation Mechanismus

C.1 Ein neuer, kommunaler Relocation Mechanismus nimmt die Bedürfnisse von Kommunen und Schutzsuchenden ernst. Dazu wird ein Matching-Verfahren vorgeschlagen, das menschenrechtliche Standards garantiert und individuelle Präferenzen einbezieht. Auf diese Weise werden lokale Integrationsprozesse befördert und Sekundärmigration reduziert

Bei Fragen ist unter anderem Prof. Dr. Hannes Schammann, Professor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, erreichbar unter hannes.schammann@uni-hildesheim.de.

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news-16025 Mon, 21 Jan 2019 15:45:33 +0100 Fortsetzung der Veranstaltungsreihe 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/fortsetzung-1/ Das Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim setzt die Veranstaltungsreihe 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte fort und weist in dieser Woche auf folgende Vorträge hin.  

Dienstag 22.01.2019 18.00h in Kooperation mit AWO TrialogLeben ohne Plastik - inklusives Bildungsangebot als Beitrag zur globalen Nachhaltigkeitsagenda #Act4SDGs


Freitag, 25.01.2019 15.00h Universität Hildesheim Raum N 006
Elisabeth Suh, SWP Berlin
20th Century Arms Control and Disarmament Regimes in Demise - the Need for Preservation and Development of Existing Arrangements
Keynote for the Hildesheim Model United Nations Simulation 2019

 

Hier geht es zum Flyer.

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news-15962 Wed, 09 Jan 2019 16:45:32 +0100 Ausgezeichnet: Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung, Service und Nachhaltigkeit https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/ausgezeichnet-preise-fuer-besondere-leistungen-in-lehre-forschung-service-und-nachhaltigkeit/ Der kleine Oscar für das Uni-Personal: Die Universität Hildesheim zeichnet die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, den Biologen Dr. Stefan Flohr und das Team des Sachgebiets „Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel“ des Dezernats für Finanzen für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung, Lehre und Service aus. Zudem verleiht das Green Office den Nachhaltigkeitspreis an die Umweltstudentin Jenny Dreblow und den IMIT-Absolventen Sebastian Pape.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich gab im Rahmen des Neujahrsempfangs aktuelle Zahlen bekannt: 91 Professorinnen und Professoren, 447 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie 265 Personen in Technik und Verwaltung sind derzeit an der Stiftungsuniversität Hildesheim tätig. 8333 Studentinnen und Studenten lernen zurzeit in Hildesheim.

Professorinnen und Professoren, die 2018 ihr Amt in Hildesheim antraten, bearbeiten zum Beispiel die Bereiche Transmediale Übersetzung, Kirchengeschichte, Mathematikdidaktik, Empirische Unterrichtsforschung, Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, Migrationspolitik, Biowissenschaften des Sports, Kuratorische Praxis und Kunstvermittlung, Musiksoziologie und Popular Music Studies, Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie, Gender und Bildungskulturen, Vegetationsökologie und Naturschutz sowie Bildungssoziologie.

Jedes Jahr verleiht die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert und drücken die Wertschätzung der Universität für die fortwährend geleistete Arbeit aus.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

  • Preis für hervorragende Forschung: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer
  • Preis für hervorragende Lehre: Biologe Dr. Stefan Flohr
  • Preis für hervorragende Serviceleistungen: Team des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen
  • Nachhaltigkeitspreis für Umweltstudentin Jenny Dreblow und Informatikstudent Sebastian Pape

Im Folgenden stellen wir die Preisträgerinnen und Preisträger ausführlich vor.

Preis für hervorragende Forschung: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer

Auf Vorschlag der Dekane und des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung zeichnet die Universität Hildesheim Prof. Dr. Marianne Kneuer für ihre hervorragende Forschung aus.

Seit 2011 forscht und lehrt die Wissenschaftlerin am Institut für Sozialwissenschaften. Die Forschungsschwerpunkte von Marianne Kneuer liegen im Bereich der vergleichenden Politikforschung, der Demokratieforschung und der Forschungen zur Rolle digitaler Medien für die Politik.

Die Politikwissenschaftlerin hat an der Universität Hildesheim seit 2012 den bundesweit viel beachteten Forschungsbereich „Internet und Politik“ aufgebaut. Sie untersucht zusammen mit ihrem Team die Auswirkungen der Digitalisierung auf politische Strukturen, Prozesse und Akteure sowie staatliches Handeln in Demokratien und Autokratien. Sie erforscht Themen wie Politik im Netz, e-governement und e-participation intensiv und publiziert international. Seit 2018 ist sie eine Gründungsdirektorin des neu gegründeten „Zentrums für Digitalen Wandel – Center for Digital Change“ an der Universität Hildesheim.

„Welche Bedeutung der Digitalisierung für gesellschaftliche Transformationsprozesse und die Politik zukommt, hat Marianne Kneuer früh wissenschaftlich in den Blick genommen, lange bevor die Digitalisierung in aller Munde war. Ebenfalls früh hat sie sich der Erforschung von Autokratien und totalitären Systemen zugewandt und danach gefragt, welche Rolle digitale Medien sowohl für Demokratisierungsprozesse in autokratischen Systemen als auch für die Kontrolle der Bürger durch den Staat einnehmen“, so Vizepräsidentin Prof. Dr. Meike Baader in ihrer Laudatio. „Sie forscht international, ist teamorientiert und äußerst kollegial. Sie arbeitet zu gesellschaftlich höchst relevanten Themen, die uns alle angehen und für unser Zusammenleben von Bedeutung sind“, unterstreicht Meike Baader. Zudem kommuniziere die Wissesnchaftlerin ihre Forschungsergebnisse in die Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit.

Vor ihrer Tätigkeit in Hildesheim war Marianne Kneuer Lehrstuhlvertreterin an den Universitäten Darmstadt, Hagen und Erfurt. 2005 hat sie an der Universität Eichstätt habilitiert mit einer Arbeit zur „Europäischen Union als externer Akteur bei Demokratisierungsprozessen“, nachdem sie Forschungsstipendiatin der DFG war. Promoviert wurde sie 1991 an der Universität Bonn. Marianne Kneuer war Referentin im Planungsstab des Bundespräsidenten Roman Herzog von 1994 bis 1999 in Bonn. Seit 2018 ist sie Präsidentin der International Political Science Association (IPSA), der sie seit 2016 als erste Vizepräsidentin vorsaß.

Preis für hervorragende Lehre: Biologe Dr. Stefan Flohr

Auf Vorschlag einer Jury unter dem Vorsitz des Vizepräsidenten für Lehre und Studium wird der Preis für hervorragende Lehre an den Biologen Dr. Stefan Flohr vom Institut für Biologie und Chemie vergeben.

Für den Preis für hervorragende Lehre wurden insgesamt 78 Vorschläge eingereicht, Studentinnen und Studenten nominierten insgesamt 51 Lehrende für den Preis. „Studierende reichen die Vorschläge für den Lehrpreis ein“, sagt Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander.

Seit 2007 forscht und lehrt Dr. Stefan Flohr an der Universität Hildesheim und gibt sein Wissen in der Anthropologie, Anatomie, Humanbiologie und Paläoanthropologie sowie Bioarchäologie an Studentinnen und Studenten weiter. Er war mehrere Jahr als Landesanthropologe in Thüringen tätig.

Der wissenschaftliche Mitarbeiter wird für seine hervorragende Lehre in den Seminaren „Bioarchäologie und Paläoökologie II“ und „Funktionelle Anatomie des Bewegungsapparates“ ausgezeichnet. In seiner Lehre fördert er forschendes und problemorientiertes Lernen und wendet innovative Prüfungsmethoden an.

Die Lehre sei „immer anspruchsvoll, interessant und geprägt von einer angenehm lockeren Atmosphäre“, so die Lehramtsstudentin Xenia Dalke in ihrer Laudatio. „Die Lehrveranstaltung Bioarchäologie war unterteilt in fachlichen Input und ein eigenes Projekt. Es ist einfach viel interessanter, wenn man sich selbst durch die vielen Skelette hier im Keller der Universität wühlen darf und eigenständig seine Forschung betreibt, als wenn man nur Wissen trocken vorgetragen bekommt. Dazu kommen noch die geballte fachliche Expertise und Erfahrung, die uns geboten wurde. Man vergisst als Studierender manchmal, wie viel Forschung und Arbeit unsere Dozierenden neben der Lehre leisten. Somit wurden wir Studierenden, die am Anfang gerade einmal einen Schädel von einem Oberschenkelknochen unterscheiden konnten, zu Experten in unserem Thema.“

Die Studentin Xenia Dalke befasste sich in ihrem Projekt mit X- und O-Beinen mittelalterlicher Skelette. „Dann durfte ich die Erkenntnisse auf einer wissenschaftlichen Tagung in Konstanz vorstellen. Diese Chance, ein Uniprojekt auf diese Weise weiterzuführen und im offiziellen Rahmen vorstellen zu dürfen, ist einfach unglaublich und nicht selbstverständlich. Aber hier endet unsere Reise noch nicht – der nächste Schritt ist die gemeinsame Publikation unserer Forschungsergebnisse“, sagt die Studentin.

Weitere Studierende von Stefan Flohr begründen die Auszeichnung wie folgt:

  • „Herr Flohr hat es geschafft ein trockenes Thema grandios zu lehren, Studenten zu motivieren und für die Anatomie anzustecken! Die wöchentlichen Testate und sein Engagement haben dazu beigetragen, dass das erworbene Wissen nicht sofort verfällt, sondern im Gegenteil anders als beispielsweise bei Klausuren nachhaltig abgespeichert wurde. Die Zusammenarbeit zwischen den Studierenden und Herrn Flohr war Voraussetzung und Wunsch und verlief bestens. Fragen, gerade im Bezug zur Muskulatur und deren Defekten, förderten das eigenständige Nachdenken und auch Ausprobieren von Seiten der Studenten.“

  • „In diesem Kurs wurde uns Studierenden die Möglichkeit gegeben, in einem interessanten Themengebiet eigenständig und mit ständiger Unterstützung von drei absolut kompetenten und anregenden Dozenten – Stefan Flohr, Uwe Kierdorf und Carsten Witzel – eigene Projekte zu gestalten. Man hat in der Universität selten die Möglichkeit so intensiv in ein interessantes Themengebiet einzutauchen, die Dozenten erschaffen eine freundliche, kooperative Atmosphäre und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Besonders hervorzuheben ist hier Stefan Flohr, der die Leistungen der Studierenden über das Seminar hinaus mit einer Vertiefung des Projekts würdigt und seine Freizeit und Leidenschaft dafür widmet.“

„Die Tatsache, dass ich inzwischen schon mehrfach von meinen Studierenden für den Preis nominiert wurde, ist mir im Grunde Auszeichnung genug, denn sie sind die Adressaten meiner Lehrtätigkeit. Dass nun auch die Kommission zur Vergabe des Preises dem Vorschlag der Studierenden zustimmt, ist großartig und zeigt mir, dass gute Lehre nicht immer nur eine Frage der Anwendung modernster und innovativster Methoden und Techniken sein muss, sondern dass es offenbar auch mit eher traditionellen Mitteln möglich ist, Menschen für fachwissenschaftliche Inhalte zu begeistern“, freut sich Stefan Flohr über die Auszeichnung.

Stefan Flohr wird im Sommersemester 2019 in der Weiterbildung „Hochschuldidaktik“ seine Erfahrungen teilen und mit interessierten Kolleginnen und Kollegen über exzellente Lehre sprechen.

Preis für hervorragende Serviceleistungen: Team des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen

Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, die sich in ganz besonderem Maße für die Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben.

Auf Vorschlag des Präsidiums wird der Preis für hervorragende Service-Leistungen an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sachgebiets Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel des Dezernats für Finanzen vergeben.

Zu dem Team gehören:

  • Frau Monika Sardí (Sachgebietsleiterin)
  • Frau Anja Ehlers (Studienqualitätsmittel)
  • Herr Mirco Fink (Drittmittel)
  • Frau Marika Schaper (Sondermittel)
  • Herr Marvin Freund (Drittmittel)
  • Frau Vicky-Nicoletta Erber (Drittmittel)
  • Frau Miriam Rother (Sondermittel)
  • Frau Stefanie Hankel (Drittmittel)

„Das Team hat es in herausragender Weise geschafft, die gestiegene Zahl an Projekten vorbildlich abzuarbeiten – sozusagen die Pflicht – und parallel die Unterstützung sowie Beratung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in allen Phasen der Projektbearbeitung im Sinne des Servicegedankens auszubauen. Und das ist die Kür – dort die Flexibilitätswünsche und hier die Richtlinien!  Nur wenn wir uns gemeinsam dem Ziel der Drittmitteleinwerbung verpflichtet fühlen, können wir auch weiterhin so erfolgreich sein, wie in den letzten Jahren“, so der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing.

„Die Auszeichnung bedeutet für das Sachgebiet Dritt-, Sonder- und Studienqualitätsmittel eine hohe Wertschätzung. Wir bedanken und freuen uns darüber, dass unser Engagement wahrgenommen und belohnt wird. Der Preis ist eine Bestätigung unseres Tuns und gleichzeitig ein Ansporn, uns in Zukunft weiterhin so einzusetzen“, so die Sachgebietsleiterin Monika Sárdi.

Green Office verleiht Nachhaltigkeitspreis an Umweltstudentin Jenny Dreblow und an IMIT-Absolvent Sebastian Pape

Mit dem Nachhaltigkeitspreis zeichnet das Green Office Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim aus, die sich in ihrer wissenschaftlichen Abschlussarbeit mit nachhaltiger Entwicklung befassen. Das Nachhaltigkeitsbüro der Uni möchte damit einen Beitrag leisten, Nachhaltigkeit in den Forschungsfokus gerade des wissenschaftlichen Nachwuchses zu bringen.

Die Studentin Jenny Dreblow wird für ihre Bachelorarbeit „Nachhaltigkeit – ein interkultureller vergleich üver zugange und perspektiven belarussischer und deutscher Studierender“ im Studiengang „Umweltsicherung“ und Sebastian Pape für seine Masterarbeit „Soziale Nachhaltigkeit in Geschäftsprozessen – Entwicklung eines Pattern-basierten Ansatzes“ im Studiengang „Informationsmangement und Informationstechnologie“ ausgezeichnet.

Jenny Dreblow leiste mit ihrer Abschlussarbeit einen Beitrag zu einer interkulturellen Verständigung über Nachhaltigkeit und gibt damit wertvolle Anregungen für eine deutsch-belarussische Zusammenarbeit im Rahmen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung, so die Begründung. „Die Auszeichnung bedeutet für mich Wertschätzung. Und Mut weiterzugehen – auch beruflich“, sagt die Preisträgerin Jenny Dreblow.

Sebastian Pape sei es mithilfe von Experteninterviews gelungen, einen Musterkatalog aus sozial nachhaltigen Geschäftsprozess-Patterns zu entwickeln, dessen Anwendung eine Integration von sozialen Nachhaltigkeitsaspekten in Geschäftsprozesse von Unternehmen fördern kann, so die Jurybegründung.

„Dank der großzügigen Unterstützung der Klimaschutzagentur Hildesheim-Peine und ihres Fördervereins können wir in diesem Jahr zwei Abschlussarbeiten mit dem Nachhaltigkeitspreis dotiert mit jeweils 500 Euro auszeichnen“, sagt Karina Schell, Mitarbeiterin des Green Office.

„Mit dem Nachhaltigkeitspreis möchten wir studentische Beiträge honorieren und herausragende Abschlussarbeiten universitätsweit bekannt machen. Die Auszeichnung soll Studierende motivieren, sich wissenschaftlich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen“, sagt Karina Schell. Die Mitarbeiterin Julia Witter ergänzt: „Mit diesem Preis betont die Universität Hildesheim den besonderen Stellenwert des fachbereichsübergreifenden Themas „Nachhaltigkeit“ in der Ausbildung der Studierenden und den Anspruch, als Universität zur Lösung dringender gesellschaftlicher Probleme beizutragen.“

Der Preis wird auch im nächsten Jahr wieder vergeben. Die Bewerbung auf den Nachhaltigkeitspreis ist bis zum 1. Dezember 2019 möglich, detaillierte Informationen finden Sie zeitnah auf der Homepage des Green Office.

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Migrationspolitik Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Deutsche Sprache Fachbereich 3 Fachbereich 2 Fachbereich 4 Biologie Biologie & Chemie Pressemeldungen Studierendenportal Personalportal Informatik Informationssysteme und Unternehmensmodellierung Forschung Startseite Präsident Green Office
news-15914 Tue, 25 Dec 2018 19:52:00 +0100 Soziologen befragen Bürger zur geplanten Wiederinbetriebnahme der Kalimine https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/soziologen-befragen-buerger-zur-geplanten-wiederinbetriebnahme-der-kalimine/ Soziologen der Universität Hildesheim nehmen ein lokalpolitisches Streitthema unter die Lupe: Welche Einstellungen haben Bürgerinnen und Bürger in Giesen zur geplanten Wiederinbetriebnahme der Kalimine? In einer Studie haben Professor Michael Corsten und Per Holderberg 800 Haushalte in Giesen befragt. Nun liegen die Ergebnisse der Befragung vor. Ein Düngemittelhersteller will die 1987 stillgelegte Kalimine Siegfried Giesen im Landkreis Hildesheim wieder in Betrieb nehmen.

Wissenschaftler des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim haben in einer Online-Befragung Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Giesen zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Kalibergwerks in der Region zwischen Sarstedt, Giesen und Nordstemmen und dem damit verbundenen Neubau einer Halde befragt. Insgesamt wurden 4000 Haushalte angeschrieben. 800 Haushalte haben an der Befragung teilgenommen. Die befragten Personen sind zwischen 16 bis 98 Jahre alt und wohnen in Giesen, Ahrbergen, Emmerke, Groß Förste und Hasede.

Die Soziologen Professor Michael Corsten und Per Holderberg haben im September und Oktober 2018 die Einstellungen der Giesener Bürgerinnen und Bürger zu diesem lokalpolitischen Thema sozialwissenschaftlich untersucht. Wie ist die Meinung der Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Giesen zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks Giesen?

Die Bewohnerinnen und Bewohner drückten nicht nur Sorgen, Wünsche, Zustimmung oder Befürchtungen aus, sondern äußerten fachkundige und fundierte Vorschläge, zum Beispiel für alternative Haldenkonzepte oder differenzierte Beurteilungen der zentralen Frage, dem Projekt zuzustimmen oder es eher abzulehnen.

Die bereits bestehende Althalde, welche von den Anwohnern in der Umgehung auch als „Monte Kali“ bezeichnet wird, stellt aufgrund der Wasser- und Luftbelastung für 52,9 Prozent der Befragten ein Problem für die Umwelt und Landwirtschaft der Region dar. Daher überrascht es kaum, dass auch das Vorhaben, im Rahmen der Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks eine neue Halde zu bauen, bei 55,3 Prozent der Befragten überwiegend auf Ablehnung trifft, so ein Ergebnis der Umfrage. Einige Bürger äußerten Bedenken und Kritik am mangelnden Umweltschutz; ein Großteil der Befragten hebt die Wichtigkeit der Berücksichtigungökologischer Gefahren, wie zum Beispiel durch Salzeinlassungen in das Grundwasser oder Salzstaubverwehungen in die benachbarten Ortschaften, hervor.

Aus der Sicht politikwissenschaftlicher und gemeindesoziologischer Forschung sind lokalpolitische Tagesthemen von großem Interesse, sagt Michael Corsten über das Forschungsprojekt. „Insbesondere stellt sich die Frage, ob Bürgerinnen und Bürger zu Fragen, die ihr direktes räumliches Umfeld betreffen, sensibler reagieren, sich eher engagieren und auch politisch mobilisieren.“

Der Soziologe Per Holderberg hat die Online-Umfrage im Rahmen seines thematisch ähnlich gelagerten Dissertationsprojekts konzipiert und umgesetzt. Somit konnten empirische Daten für die Gemeindemitglieder erzeugt werden. Der wissenschaftliche Bericht ist ab sofort für die Öffentlichkeit zugänglich. Damit entstand ein Datensatz, der für weitere Forschungsfragen aus der politikwissenschaftlichen Partizipationsforschung Verwendung finden kann.

Die Studie geht zurück auf eine Anfrage, die die Hildesheimer Soziologen im Mai 2018 von Ingmar Weitemeier, dem Ortsvorsitzenden der CDU Giesen, erhielten.

Aufgrund des regen Interesses der Bürger und Bürgerinnen an der Umfrage und der lokalpolitischen Relevanz der politischen Streitfrage, werden zentrale deskriptive Ergebnisse aus der Befragung in die Öffentlichkeit getragen. In den einzelnen Kapiteln des Ergebnisberichts werden zunächst Angaben unter anderem zur Untersuchungszeit, Befragungsdauer und Rücklaufquoten genannt. Darauf folgt eine Zusammenfassung von zentralen deskriptiven Analysen, die bereits durchgeführt worden sind. Im Anhang des Kurzberichts befindet sich neben Dokumentationsmaterial aus der Erhebung (Anschreiben, Fragebogen), zudem eine Häufigkeitsauszählung des vollständigen Fragebogenkatalogs mit Ausnahme der offenen Angaben, welche aus Datenschutzgründen nicht veröffentlicht werden.

Hier geht es zum Ergebnisbericht:

„Bürgerumfrage Giesen 2018 – Dokumentation und Ergebnisse der Onlineumfrage zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks Siegfried-Giesen“

Download des Ergebnisberichts

Zitation: Holderberg, Per; Corsten, Michael (2018): Bürgerumfrage Giesen 2018 – Dokumentation        und Ergebnisse der Onlineumfrage zur geplanten Wiederinbetriebnahme des Reservebergwerks Siegfried-Giesen. Methodenbüro, Stiftung Universität Hildesheim.  

Kontakt:

Wer Fragen zu der Studie hat, kann gerne die Wissenschaftler des Methodenbüros der Universität Hildesheim, Per Holderberg (per.holderberg@uni-hildesheim.de) und Professor Dr. Michael Corsten (corsten@uni-hildesheim.de), kontaktieren.

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Soziologie Sozialwissenschaften Forschung Pressemeldungen Startseite
news-14934 Tue, 11 Dec 2018 07:55:42 +0100 Per Holderberg erhält Didrik-Pining-Fellowship https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/per-holderbe/ Zum Aufbau neuer, auf Nachhaltigkeit angelegter Kontakte zu ausländischen Kolleginnen und Kollegen und Universitäten bzw. zur Intensivierung bestehender Kontakte vergibt die Stiftung Universität Hildesheim jährlich Reisestipendien exklusiv an Wissenschaftliche Mitarbeiter_innen. Das Institut für Sozialwissenschaften beglückwünscht Per Holderberg aus der Abteilung Soziologie, der vom Präsidium ein Didrik-Pining-Fellowship für den Auslandsaufenthalt im Frühjahr 2019 an der Università Degli Studi Firenze am Dipartimento Scienze Politiche e Sociali erhalten hat.

Im Rahmen der Anfertigung seiner Dissertation wird er an der Universität in Florenz sowohl seine Forschungsarbeiten zum Thema Wahlpflicht präsentieren, als auch geplante Forschungsvorhaben zum Zusammenhang zwischen politischer Partizipation und der Generationenzugehörigkeit umsetzen. Weiterhin sollen die Vernetzungen z.B. mit Prof. Dr. Manuel Anselmi von der Universität in Perugia ausgebaut werden.

Wer Interesse an einem Didrik-Pining-Fellowship hat, kann über folgenden Flyer sich über die Vergabekriterien informieren.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-15831 Wed, 05 Dec 2018 16:37:42 +0100 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/70-jahre-all/ Veranstaltungen des Instituts für Sozialwissenschaften Das Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim beleuchtet mit folgenden Vorträgen im Dezember die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, deren Unterzeichnung sich zum 70. Mal 2018 jährt. Die Vorträge verfolgen das Ziel, die Genealogie der Menschenrechte und die Ambiguitäten zwischen normativen Werthaltungen und politischer Praxis zu diskutieren. In unterschiedlichen Formaten (Impulsvortrag, Vortrag, Workshop) wird die Prävalenz, Universalität und Historizität der Menschenrechte aus unterschiedlichen Blickwinkeln kontextualisiert. Alle Veranstaltungen sind offen für Interessierte.

Weitere Veranstaltungen werden von Januar bis März 2019 in Kooperation mit dem Green Office der Universität Hildesheim, der Arbeitsgruppe Migrationspolitik des Instituts für Sozialwissenschaften, AWO Trialog Hildesheim und dem Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen stattfinden.

Den aktuellen Flyer finden Sie [hier].

Folgende Vorträge finden im Dezember statt und sind offen für Interessierte:

Montag 10.12.2018 10.15h Universität Hildesheim Raum N 007
Prof. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl
Menschenrechte in europapolitischer Perspektive
Impulsvortrag

Montag 10.12.2018 14.15h und 16.15h Universität Hildesheim Raum N 007
Volker Sommer, Dipl. Sozwiss.
Menschenrechte im Kontext des Grundgesetzes
Impulsvortrag

Dienstag, 11.12.2018 18.15h Universität Hildesheim Raum N 006
Erhard Brunn
Sind Menschenrechte vor allem individuelle oder gemeinschaftliche Werte? Menschenrechte im interkulturellen Streit
Vortrag

Donnerstag, 13.12.2018 10.15h Universität Hildesheim J 209
Dr. Carsten Koschmieder
80 Jahre nach der Progromnacht und 70 Jahre nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: Offener Antisemitismus in einer deutschen Partei?

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-15817 Thu, 29 Nov 2018 14:41:19 +0100 Entscheidung für Hildesheim: Professorin Janna Teltemann https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/entscheidung-fuer-hildesheim-professorin-janna-teltemann/ Professorin Janna Teltemann hat den Ruf der TU Dortmund abgelehnt und sich für den Universitätsstandort Hildesheim entschieden. Sie forscht und lehrt als Professorin für Bildungssoziologie an der Universität Hildesheim. Die Soziologin analysiert die Entstehung von Bildungsungleichheiten. Professorin Janna Teltemann forscht und lehrt auch künftig in den Bereichen Bildungsungleichheit, Bildungspolitik, Integration und quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung in Hildesheim. Die Wissenschaftlerin hat einen Ruf nach Dortmund abgelehnt. Ein Forschungsinteresse der Soziologin liegt in der Analyse der Entstehung von Bildungsungleichheiten.

„Ich freue mich sehr, meine Arbeit in Hildesheim langfristig fortsetzen zu können. Ich hoffe, meine eigenen Projekte zur Veränderung von Bildungssystemen und den Wirkungen auf Bildungsungleichheit nun weiter voranbringen zu können. Außerdem freue ich mich darauf, die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Instituten, zum Beispiel der Erziehungswissenschaft und der Sozial- und Organisationspädagogik, ausbauen zu können", sagt Janna Teltemann.

Bereits seit 2016 arbeitete Teltemann als Juniorprofessorin für Bildungssoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Die 38-Jährige kommt gebürtig aus Lüchow-Dannenberg. Nach dem Studium der Soziologie in Bremen folgte 2012 die Promotion an der Universität Bremen. Teltemann hat sich in ihrer Dissertation mit dem Thema „Gleichheit oder Leistung? Wie Bildungssysteme, Wohlfahrtsstaatsregime und Integrationspolitiken die Schulleistungen junger Migranten beeinflussen“ befasst. Sie arbeitete als Gastwissenschaftlerin am Amsterdam Centre for Inequality Studies der Universiteit van Amsterdam, war Fellow des College for Interdisciplinary Educational Research und Gastwissenschaftlerin am Wissenschaftszentrum Berlin.

Wer sich für die Forschung im Bereich der Bildungssoziologie interessiert erreicht Prof. Dr. Janna Teltemann unter janna.teltemann@uni-hildesheim.de.

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Pressemeldungen Personalportal Sozialwissenschaften Soziologie Fachbereich 1 Startseite Forschung
news-15803 Mon, 26 Nov 2018 10:01:00 +0100 Universität Hildesheim gründet Zentrum für Digitalen Wandel https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/universitaet-22/ Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive. Die Universität Hildesheim hat am Donnerstag, 22. November 2018, das Zentrum für Digitalen Wandel gegründet. Im „Zentrum für Digitalen Wandel / Center for Digital Change“ befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit der Grundstruktur, der Komplexität und den Chancen und Risiken des digitalen Wandels aus technischer sowie sozial-, kultur- und geisteswissenschaftlicher Forschungsperspektive.

Im Rahmen der Gründungsfeier sprachen Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich über „Digitalisierung an der Universität Hildesheim“ und Staatssekretär Stefan Muhle aus dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung über „Digitalisierung in Niedersachsen“.

„Der Digitale Wandel verändert unser Leben in einer Weise, wie es ähnlich die Erfindung des Buchdrucks und die Industrielle Revolution getan haben. Die Universität Hildesheim hat sich darauf verständigt, die Digitalisierung als eines von vier Leithemen – neben Bildung, Kultur und Diversität – in ihre Entwicklungsplanung aufzunehmen“, sagt Universitätspräsident Friedrich. Das Zentrum ist das Ergebnis eines bottom-up-Prozesses von engagierten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die seit Jahren den digitalen Wandel erforschen – von der Informatik über die Politikwissenschaft bis zur Computerlinguistik. Sie bringen diese Kompetenzen im Zentrum zusammen, sagte Friedrich.

„Im Namen der niedersächsischen Landesregierung gratuliere ich Ihnen zur Gründung des Zentrums für Digitalen Wandel. Mit viel Offenheit gehen Sie an das Thema heran. Die Universität Hildesheim hat zum Beispiel in der Informatikausbildung mit dem Master of Science 'Data Analytics' bereits heute einen Magneten. In der Politikwissenschaft beschäftigt sich das Team um Professorin Marianne Kneuer seit Jahren mit dem Thema 'Demokratie und Internet'. In der digitalen Demokratie könnten wir in Niedersachsen vorangehen und ja zum ersten Bundesland werden, in dem wir digital wählen. Frau Kneuer, darüber sollten wir sprechen. Von diesem Gründungstag des Zentrums für Digitalen Wandel geht ein mutiges Signal aus. Sie sagen nicht: Man müsste mal. Sondern: Sie machen! Ich will Sie nach Kräften unterstützen“, sagte Staatssekretär Stefan Muhle.

Anschließend stellte der Gründungsvorstand – der Wirtschaftsinformatiker Professor Ralf Knackstedt, der Computerlinguist Professor Ulrich Heid und die Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer – das neue Zentrum vor. Als Zentrum wollen wir erklären und aufklären, so dass weder überzogener Alarmismus noch Hype unsere Debatten über den digitalen Wandel prägen, so Professorin Marianne Kneuer. 

Zahlreiche Forscher und Forscherinnen haben sich für Hildesheim als Arbeitsort entschieden und teilen hier ihr Wissen, damit sich die Gesellschaft in der digitalen Zukunft und Gegenwart zurechtfindet. Der Computerlinguist Professor Ulrich Heid etwa erhielt Rufe an mehrere Universitäten und hat sich für Hildesheim entschieden.

Die Schriftstellerin Kathrin Passig hielt den Festvortrag „Trial und sehr viel Error: Netzgemeinschaften als Politiklabor“. Über die Gesellschaft im Zeitalter der Digitalisierung debattierten der Bibliothekar Ewald Brahms, der Literaturwissenschaftler Guido Graf, der Informatiker Professor Lars Schmidt-Thieme, die Informationswissenschaftlerin Professorin Christa Womser-Hacker und die Sozialpädagogin Professorin Inga Truschkat. Steffen Gurr, Redaktionsleiter von NDR online, moderierte die Diskussion.

Im Zentrum versammeln sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen – von Computerlinguistik, Soziologie, Psychologie und Politikwissenschaft über Unterrichtsforschung und Medienkulturwissenschaft bis Informatik, Softwareentwicklung und maschinellem Lernen.

Die inhaltliche Debatte wurde während einer öffentlichen Fachtagung am Freitag, 23. November 2018,  fortgeführt. Studentinnen und Studenten aller Fachbereiche, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Bürgerinnen und Bürger sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus regionalen Unternehmen erhielten die Chance, sich über spannende aktuelle Fragestellungen zum Digitalen Wandel vor Ort zu informieren. Die Universität Hildesheim freut sich über den Austausch mit dem lokalen Umfeld aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft und möchte diesen fortführen.

Themen der Workshops sind unter anderem:

  • Zukunftsperspektiven für die Digitale Wirtschaft (Adaptive Systeme und Datenschutz, Smart Systems, Produkt-Innovation)

  • Öffentlichkeit im digitalen Zeitalter

  • Politikforschung mit digitalen Kommunikationsdaten

  • Digitalisierung an Schulen

  • Wieviel Digitalisierung braucht der Mensch?

  • Kulturrezensionen im Digitalen Wandel

  • Digitale Daten in Geographie und Umweltwissenschaften

  • Arbeiten und Lernen 4.0

  • Virtual Reality Games made in Hildesheim: Auf einer 3x3m-Spielfläche können Sie mit einer Virtual-Reality-Brille erfahren, wie man sich in der virtuellen Welt grenzenlos bewegen kann.

Programm der Gründungsfeier und Tagung

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Politik Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Informationssysteme und Unternehmensmodellierung Informatik Maschinelles Lernen Startseite Forschung Zentrum für Digitalen Wandel Präsident
news-15673 Thu, 18 Oct 2018 13:03:13 +0200 Buchvorstellung "Sociology of Knowledge" mit den Herausgeber_Innen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/buchvorstell/ Am Donnerstag, den 25. Oktober stellen die Herausgeber_Innen ihre Publikation "Sociology of Knowledge - Approach to Discourse" um 18.15 Uhr in der Universitätsbibliothek vor. Die Veranstaltung wird von Arne Böker (Leibniz Universität Hannover) moderiert. Das Buch führt erstmals Anwendungen der Wissenssoziologischen Diskursanalyse (WDA) in englischer Sprache zusammen und macht sie für ein internationales Publikum sichtbar. Es präsentiert Anwendungen und Weiterentwicklungen des Ansatzes aus diversen Feldern, Disziplinen und gesellschaftlichen Kontexten. Dabei fokussieren die Beiträge auf methodologische Fragen und den konkreten Forschungsprozess. Die von Reiner Keller entwickelte WDA hat zu einer Reorientierung qualitativer Sozialforschung im Sinne einer Untersuchung gesellschaftlicher Formen, Strukturierungen und Prozesse der Konstruktion von Sinn und Wirklichkeit beigetragen. Die Veranstaltung findet in deutscher Sprache statt.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-15237 Fri, 17 Aug 2018 11:42:54 +0200 Analyse zur EU-Datenschutzgrundverordnung von Prof. Dr. Wolf J. Schünemann https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/analyse-zur/ Seit Mai diesen Jahres gilt die EU-Datenschutzgrundverordnung. Prof. Dr. Wolf J. Schünemann hat für Regierungsforschung.de die Entstehung sowie die Implikationen der Datenschutzgrundverordnung analysiert.

Seit ein paar Monaten reden plötzlich alle über Datenschutz, konkret über europäischen Datenschutz in Gestalt einer Verordnung, die offenbar alles und jeden betrifft und, seit sie verbindlich geworden ist, für flächendeckende Verunsicherung gesorgt hat. Datenschutz als eine technische Angelegenheit, die sich in irgendwelchen, nur selten gelesenen Erklärungen und Bestimmungen verborgen hatte, die wir als Nutzer digitaler Anwendungen bereitwillig weggeklickt haben, ist plötzlich zu einem Vieles bestimmenden und verändernden politischen Thema geworden. Wenn es noch einer Illustration der Durchgriffswirkung europäischer Gesetzgebung bedurft hat, dann ist die EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die am 25. Mai 2018 verbindlich geworden ist und in deren Folge nicht nur die Nutzer/-innen digitaler Angebote in den vergangenen Wochen eine lange Reihe ähnlich lautender Benachrichtigungen und E-Mails erhalten und manchen veränderten Startbildschirm beliebter Anwendungen vorgefunden haben, ein hervorragendes Beispiel.

Die DSGVO macht auch nicht alles neu, sondern sie knüpft in wesentlichen Teilen an bestehendem europäischen und nationalen Datenschutzrecht an. Wolf J. Schünemann argumentiert, dass das neue Datenschutzrecht in der Substanz nicht revolutionär ist, womöglich aber in seiner Wirkung, weil die wesentlichen Grundsätze an das digitale Zeitalter angepasst werden und die Rahmenbedingungen für die Rechtsdurchsetzung erheblich verbessert werden.

Schünemann, Wolf J. (2018): Regeln für die vernetzte Welt? - die EU-Datenschutzgrundverordnung in der Analyse, Essay, Erschienen auf: regierungsforschung.de

 

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-15176 Tue, 07 Aug 2018 17:02:29 +0200 Kurzstudie zu Ankerzentren https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/kurzstudie-z/ Gemeinsam mit vier Kolleg*innen vom Rat für Migration hat Hannes Schammann für den Mediendienst Integration eine Kurzstudie zu Ankerzentren veröffentlicht. Auf Basis migrationswissenschaftlicher Erkenntnisse kommen die Forscher*innen zu dem Schluss, dass Ankerzentren der falsche weg sind: „Blickt man auf die Mängelliste der Anker-Zentren, so bestehen aus wissenschaftlicher Sicht erhebliche Zweifel daran, dass diese ihre selbst gesteckten Ziele erreichen werden: Sie bieten keine schnelleren und effizienteren Verfahren, sondern verstärken die strukturellen Probleme im deutschen Asylsystem. Sie verfehlen die Wiederherstellung des sozialen Friedens und haben das Potenzial, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Vertrauen in die Lösungskompetenz des politischen Systems dauerhaft zu unterminieren. Will man eine verantwortliche Migrationspolitik betreiben, so muss nach anderen Lösungen gesucht werden.“

Die gesamt Studie kann unter folgendem Link abgerufen werden: http://t1p.de/2xry

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-15121 Tue, 31 Jul 2018 08:46:25 +0200 Professorin Marianne Kneuer leitet politikwissenschaftlichen Weltverband https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/professorin-marianne-kneuer-leitet-politikwissenschaftlichen-weltverband/ Professorin Marianne Kneuer wurde einstimmig zur Präsidentin der „International Political Science Association“ gewählt. Die internationale politikwissenschaftliche Fachvereinigung fördert den Austausch zwischen Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftlern weltweit und wurde vor knapp 70 Jahren auf Initiative der UNESCO gegründet. Eine Aufgabe sieht Marianne Kneuer im Einsatz für die Wissenschaftsfreiheit. Professorin Marianne Kneuer wurde am 24. Juli 2018 einstimmig zur Präsidentin der „International Political Science Association“ (IPSA) gewählt. Die Politikwissenschaftlerin der Universität Hildesheim wird vom 24.7.2018 bis 26.7.2020 den politikwissenschaftlichen Weltverband leiten und folgt auf Professor İlter Turan von der Bilgi Universität in Istanbul. Im politikwissenschaftlichen Weltverband arbeitet Kneuer mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter anderem aus Argentinien, Kanada und Indien, aus Italien, Japan und Mexiko sowie Polen, Südafrika und der Türkei zusammen.

„Die besondere Mission von IPSA ist es, das globale Miteinander in unserer Disziplin zu fördern. Das bedeutet aber auch, alle Regionen anzusprechen und einzubeziehen – auch den globalen Süden. Dies mache ich mir zu einer zentralen Aufgabe während meiner Präsidentschaft“, sagt Professorin Marianne Kneuer.

Eine weitere Aufgabe sieht Marianne Kneuer im Einsatz für die Wissenschaftsfreiheit. „Die Herausforderung für unsere Gemeinschaft – gerade die Politikwissenschaft – hat in den letzten Jahren zugenommen, und zwar nicht nur bei autoritären üblichen Verdächtigen, sondern auch in demokratischen Ländern. Die Methoden zur Einschränkung der akademischen Freiheiten und der Redefreiheit sind subtiler geworden. Wir brauchen ein besseres Verständnis von der Bandbreite der Verstöße, aber auch von Lösungsansätzen. Daher sollten wir mit anderen internationalen und regionalen Organisationen, die mit den gleichen Problemen konfrontiert sind, Netzwerke aufbauen, um gemeinsam effizienter zu sein“, so die Wissenschaftlerin.

Marianne Kneuer forscht und lehrt seit 2011 als Professorin für Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Von 1994 bis 1998 gehörte Kneuer dem Planungsstab von Bundespräsident Herzog an. Davor war sie als Journalistin, unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, tätig. Sie ist Mitherausgeberin der „Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft“. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Demokratie-, Europa- und Autokratieforschung und vergleichenden Regimeforschung. Regionale Schwerpunkte sind Süd- und Osteuropa sowie Lateinamerika. In Hildesheim ist Marianne Kneuer zudem Ombudsfrau für gute wissenschaftliche Praxis und befasst sich mit ethischem Fehlverhalten in der Wissenschaft.

Kneuer ist bereits seit Jahren in dem internationalen Verband tätig, unter anderem als Vizepräsidentin. Im vergangenen Jahr tagte der politikwissenschaftliche Weltverband in Niedersachsen. Die Konferenz „Political Science in the Digital Age: Mapping Opportunities, Perils and Uncertainties“ wurde von Professorin Marianne Kneuer und ihrem Hildesheimer Team organisiert. 200 Expertinnen und Experten haben sich mit Cyberkriminalität, mit der digitalen Kommunikation in autoritären Staaten und mit digitalen Medien im Wahlkampf befasst.

Die internationale politikwissenschaftliche Fachvereinigung hat derzeit rund 3.600 Mitglieder und fördert den Austausch zwischen Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftlern weltweit. Die „International Political Science Association“ wurde 1949 auf Initiative der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) in Paris gegründet und feiert 2019 ihr 70-jähriges Bestehen.

Politikwissenschaft in Hildesheim

Marianne Kneuer hat an der Universität Hildesheim den bundesweit viel beachteten Forschungsbereich „Politik und Internet“ aufgebaut. Sie befasst sich mit den Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft, mit digitaler Vernetzung und den Wechselwirkungen zwischen Digitalisierung, politischen Prozessen und Akteuren. Die Beschäftigung mit digitalen Medien verknüpft die Professorin mit ihrem anderen Forschungsschwerpunkt, der Analyse von Demokratien und Autokratien.

Weitere Informationen: Presseinformation der IPSA (Englisch)

Prof. Marianne Kneuer Elected as New President of IPSA

Medienkontakt: Kontakt zur Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121 883 90100 und 0177 8605905).

Süddeutsche Zeitung und Deutschlandfunk: Interviews mit Professorin Marianne Kneuer

Deutschlandfunk, Sendung „Kulturfragen“, Interview mit Professorin Marianne Kneuer, „Feststehende Gewissheiten sind ins Wanken gekommen / Nach 1989 schien die Welt vereint im Streben nach Demokratie. Der andauernde Vormarsch von Hass und Autokratien führe nun zu einigen Umwälzungen in den Köpfen von Politologen, sagte die Präsidentin des politikwissenschaftlichen Weltverbandes Marianne Kneuer im Dlf. Sie sieht auch die Wissenschaftsfreiheit bedroht", 18.08.2018, Radiobeitrag, ~30 Min., [Interview online nachhören, Audio-Datei zeitlich begrenzt online abrufbar auf dlf.de]

Süddeutsche Zeitung, Interview mit Professorin Marianne Kneuer, „'Eine Art von Selbstzensur' / Die Hildesheimer Professorin Marianne Kneuer wurde soeben an die Spitze des Weltverbandes der Politikwissenschaftler gewählt", 06.08.2018 (print) [Interview online lesen auf sueddeutsche.de]

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Startseite Forschung
news-15056 Tue, 17 Jul 2018 15:44:23 +0200 SOLDISK: Bewilligung für Hildesheimer Forschungsverbund zu Solidaritätsvorstellungen in Migrationskontexten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/soldisk-bew/ Marianne Kneuer, Michael Corsten und Hannes Schammann haben gemeinsam mit dem Computerlinguisten Ulrich Heid für ihr Vorhaben 760.000 Euro aus dem Niedersächsischen Vorab erhalten. Im Forschungsverbund „SOLDISK: Solidaritätsdiskurse in Krisen – Analyse und Erklärung von Solidaritätsvorstellungen in Migrationskontexten“ gehen die beteiligten Wissenschaftler/innen davon aus, dass Ausnahmesituationen, die durch die Wirtschafts- und Finanzkrisen, den Brexit, aber auch durch die verstärkte Zuwanderung von Geflüchteten sowie die sogenannte Armutsmigration von EU-Bürgern bedingt sind, die Solidarität innerhalb der Gesellschaft auf die Probe stellen. Welche individuellen Vorstellungen die politischen Entscheidungsträger, aber auch die sozialen Akteure von Solidarität haben, ist der Kern der Analyse des Vorhabens. Darin soll den Fragen nachgegangen werden, ob sich in der Kommunikation über die Zuwanderung und Migration von Armutsflüchtlingen auf politischer, sozialer und individueller Ebene Muster erkennen lassen, die entweder auf Solidarisierung oder Entsolidarisierung hinweisen oder ob die Solidaritätsdiskurse vielfältiger werden. Zudem wird untersucht, wie belastbar das Solidargefüge ist und wie eine Kommunikationsstrategie aussehen könnte, die Entsolidarisierungseffekte verringert.

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news-15001 Mon, 16 Jul 2018 10:18:42 +0200 Prof. Dr. Janna Teltemann spricht auf dem ISA World Congress of Sociology 2018 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/prof-dr-ja/ Unter dem Motto "Power, Violence and Justice: Reflections, Responses and Responsibilities" findet der Kongress vom 15. bis 21. Juli in Toronto, Kanada statt. Auch Prof. Dr. Teltemann wird dort am 17. Juli einen Vortrag halten. A main focus of recent educational reform projects which is particularly promoted by the OECD PISA study and the “New Public Management Paradigm” is the use of regular assessment and test-based accountability measures in schools and education systems. Assessments and accountability are exceptionally prone to educational reform, as they are relatively inexpensive and can be externally mandated. Thus, if PISA and similar testing projects would have the potential to influence national education policies, we should be able to observe this impact particularly in the area of accountability and assessment practices. However, systematic empirical evidence on changes in the prevalence and purposes of assessments is scarce. In this paper, we describe national evaluation and monitoring systems in education and their change in implementation over time. Particularly, we aim to assess, whether there are changes in the levels and purposes of accountability.

Our analyses include all items focusing on assessment and accountability practices (collected with the school questionnaires) from PISA 2000 onwards to the most recent PISA 2015 database. We limit our analyses to OECD countries since most of them participated in every PISA data collection. Based on the availabe items, we generate indicators of evaluation and monitoring systems of the respective countries by aggregating the data at the country level, and group them according to theoretical considerations. Thereby, we show how the development of evaluation systems over time can be analyzed with data from several PISA waves.

Our findings show that of 22 indicators which have been measured at least two times, 21 show a trend of decreasing heterogeneity across countries, as the (relative) standard deviations decreased. As regards to the average prevalence, all but two indicators show increasing values. Thus, there is a clear trend of increased assessment, evaluation and accountability – and less variation across OECD countries. Link zur Homepage

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news-14995 Mon, 09 Jul 2018 18:00:32 +0200 „Wie viel symbolische Gewalt tun wir uns an, um Subjekt zu sein?“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wie-viel-sy/ Gastvortrag von Prof. Dr. Michael Corsten an der Universität Magdeburg Am 10.7. gastiert Prof. Dr. Michael Corsten im Forschungskolloquium des Lehrstuhls für Mikrosoziologie an der Universität Magdeburg und hält dort einen Vortrag zum Verhältnis von Subjektivitätskonstruktionen und symbolischer Gewalt. „Wie viel symbolische Gewalt tun wir uns an, um Subjekt zu sein?“, so lautet der Titel und es geht um Fragen zur gesellschaftlichen Produktion von Individualitäts- und Singularitätsfiguren sowie um Tendenzen der Selbstoptimierung. Link zur Veranstaltung

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news-14994 Mon, 09 Jul 2018 17:15:14 +0200 Handbuch Qualitative Videoanalyse im Springer VS Verlag erschienen! https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/handbuch-qua/ Soeben ist das umfassende "Handbuch Qualitative Videoanalyse" im Verlag Springer VS erschienen, das von Dr. Christine Moritz und Prof. Dr. Michael Corsten herausgegeben wird. Das Handbuch versammelt auf über 800 Seiten nicht nur die wichtigsten qualitativen Positionen der aktuellen Videoanalyse, es zeigt zudem spezifische Probleme (Datenaufbereitung, Darstellung, konkrete methodische Fragen wie Interventionseffekte der Kamera, Automatisierung) und konkrete Anwendungsfelder auf. Neben Prof. Corsten sind weitere Mitarbeiter und Forschung der Universität Hildesheim im Band versammelt, wie z.B. eine Forscher_innengruppe (Kathrin Audehm, Peter Frei, Katrin Hauenschild, Dennis Wolff), die sich mit der Analyse von Unterrichtsvideos befasst hat sowie ein Beitrag aus dem DFG-Projekt "Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation) von Sascha Oswald, Laura Maleyka und Holger Herma. Link zur Publikation

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news-14974 Mon, 02 Jul 2018 16:51:05 +0200 utopisch dystopisch als ebook im Springer VS Verlag erschienen! https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/utopisch-dys/ Sie haben die Tagung „utopisch dystopisch. Visionen einer 'idealen' Gesellschaft“ verpasst? Das ebook zur Tagung ist nun im Springer VS Verlag abrufbar. Vom 7.-8. Oktober 2016 veranstaltete das Institut für Sozialwissenschaften an der Universität Hildesheim die interdisziplinäre Tagung „utopisch dystopisch. Visionen einer 'idealen' Gesellschaft“. Während der Tagung wurden kritische Rückblicke, Gegenwartsentwürfe und utopisch-dystopische Zukunftsentwürfe aus der Perspektive verschiedener Disziplinen thematisiert. Link zur Publikation

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news-14777 Tue, 26 Jun 2018 16:05:00 +0200 Nationalstaat, Nation und Nationalismus. Öffentliche Ringvorlesung im Sommersemester 2018 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/nationalstaa/ Am 03. Juli hält Prof. Dr. Wolf J. Schünemann im Rahmen der Ringvorlesung einen Vortrag zum Thema "Neue Grenzen für den Cyberspace? Nation und Staat in der internationalen Netzpolitik". Der Vortrag findet um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 statt. Die Ringvorlesung "Nationalstaat, Nation und Nationalismus" wird von der Abteilung Politikwissenschaften des Instituts für Sozialwissenschaften organisiert. Die Vorlesungen finden jeweils dienstags um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 (1. OG im H-Gebäude) statt

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news-14860 Thu, 14 Jun 2018 08:27:00 +0200 Juniorprofessorin für Bildungssoziologie: Janna Teltemann https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/juniorprofessorin-fuer-bildungssoziologie-janna-teltemann/ Janna Teltemann forscht und lehrt als Juniorprofessorin für Bildungssoziologie an der Universität Hildesheim. Die Soziologin analysiert die Entstehung von Bildungsungleichheiten. Janna Teltemann forscht und lehrt seit 2016 als Juniorprofessorin für Bildungssoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Ein Forschungsinteresse der Soziologin liegt in der Analyse der Entstehung von Bildungsungleichheiten.

Die Entstehung von Bildungsungleichheit erforschen

Juniorprofessorin Janna Teltemann forscht in den Bereichen Bildungsungleichheit, Bildungspolitik, Migration, Integration, empirische Stadtforschung und quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung. Die 37-Jährige kommt gebürtig aus Lüchow-Dannenberg. Nach dem Studium der Soziologie in Bremen folgte 2012 die Promotion an der Universität Bremen. Teltemann hat sich in ihrer Dissertation mit dem Thema „Gleichheit oder Leistung? Wie Bildungssysteme, Wohlfahrtsstaatsregime und Integrationspolitiken die Schulleistungen junger Migranten beeinflussen“ befasst. Teltemann arbeitete als Gastwissenschaftlerin am Amsterdam Centre for Inequality Studies der Universiteit van Amsterdam, war Fellow des College for Interdisciplinary Educational Research und Gastwissenschaftlerin am Wissenschaftszentrum Berlin.

Austausch mit anderen Fachdisziplinen in Hildesheim

„Als Nachwuchswissenschaftlerin freue ich mich, in Hildesheim die Möglichkeit zum eigenständigen Forschen und Lehren zu bekommen. Besonders reizvoll finde ich den Austausch mit anderen Disziplinen, der an einer kleineren Universität wie Hildesheim viel besser möglich ist“, sagt Teltemann.

Die Soziologin arbeitet viel mit Schulleistungsstudien. Internationale Vergleichsstudien wie „PISA“ sind oft nur eine Momentaufnahme. Wie kann man diese Querschnittstudien in eine Langzeitbeobachtung überführen, um zu untersuchen, wie etwa die Gliederung der Schulsysteme mit dem Grad der Chancengleichheit in einem Land zusammenhängt? „Im Hörsaal arbeite ich mit vielen Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten zusammen. Ich möchte sie für soziologisches Denken begeistern und ihnen für ihre künftige Tätigkeit im Klassenzimmer Grundlagenwissen über die Entstehung von Ungleichheiten im Schulsystem vermitteln.“ Denn, sagt Teltemann, ein grundlegendes Prinzip unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens sei, dass „alle die gleichen Chancen haben, alle gesellschaftlichen Positionen zu erreichen“. Herkunft, Geschlecht oder sozialer Status sollten keinen Einfluss auf Teilhabemöglichkeiten haben. Ein Hauptinteresse der Bildungssoziologie liegt darin, zu zeigen, inwieweit diese Forderung erfüllt oder nicht erfüllt wird, und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind.

Wer Fragen zu Forschung und Lehre im Bereich der Bildungssoziologie hat, erreicht Prof. Dr. Janna Teltemann unter janna.teltemann[at]uni-hildesheim.de.

Antrittsvorlesung

Am Mittwoch, 13. Juni 2018, hält Professorin Janna Teltemann ihre öffentliche Antrittsvorlesung und gibt Einblicke in ihre Forschung. Der Vortrag mit dem Titel „Zum Verhältnis von Bildungsstandards und Bildungsgerechtigkeit“ beginnt um 18:00 Uhr im Hörsaal 4 (Forum am Uni-Hauptcampus, Universitätsplatz 1 in Hildesheim).

In der Antrittsvorlesung stellt sich die Wissenschaftlerin den Hildesheimer Universitätsangehörigen und Bürgern vor und gibt Einblicke in ihr Forschungsgebiet. Dabei erläutert sie unter anderem, wie regelmäßige, landesweite Leistungskontrollen an Schulen helfen können, die Kopplung von Schulerfolg und sozialem Hintergrund abzuschwächen. Auch Leistungsunterschiede zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ihne Migrationshintergrund können auf diese Weise verringert werden. Dabei kommt es jedoch auf die Art der Leistungskontrolle an, so Teltemann.

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news-14776 Tue, 12 Jun 2018 16:02:00 +0200 Nationalstaat, Nation und Nationalismus. Öffentliche Ringvorlesung im Sommersemester 2018 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/nationalstaa-1/ Am 19. Juni hält Prof'in. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl im Rahmen der Ringvorlesung einen Vortrag zum Thema "Regionen, Nationalstaat und EU". Der Vortrag findet um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 statt. Die Ringvorlesung "Nationalstaat, Nation und Nationalismus" wird von der Abteilung Politikwissenschaften des Instituts für Sozialwissenschaften organisiert. Die Vorlesungen finden jeweils dienstags um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 (1. OG im H-Gebäude) statt.

Weitere Vorträge

03.07. Prof. Dr. Wolf J. Schünemann, Hildesheim: "Neue Grenzen für den Cyberspace? Nation und Staat in der internationalen Netzpolitik

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news-14864 Sat, 09 Jun 2018 20:29:03 +0200 Migrationspolitik: Vorschlag zur Reform des BAMF von Hannes Schammann https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/migrationspo/ Professor Hannes Schammann hat in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung am 4. Juni eine „Revolution für das BAMF“ gefordert. Der Beitrag ist unter diesem Link abrufbar. Er schlägt vor, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die operativen Zuständigkeiten für das Asylverfahren an die Länder und Kommunen abgibt. Das BAMF würde stattdessen bundeseinheitliche Standards setzen und die Umsetzung überwachen. Zum Vorschlag erschienen auch einige Interviews, zum Beispiel:

-       BR 2 „Radio Welt“ vom 8. Juni 2018 (Audio)

-       Deutschlandfunk „Das war der Tag“ vom 7. Juni 2018

-       SWR aktuell vom 30. Mai 2018

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news-14824 Mon, 04 Jun 2018 07:55:00 +0200 Forschungskooperation mit der Higher School of Economics, Moskau https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/forschungsko-1/ Vom 4.-9. Juni 2018 nimmt Christina Lokk an einer Forschungswerkstatt am Centre for Qualitative Studies of Social Policies der Higher School of Economics in Moskau teil. Vom 4.-9. Juni 2018 nimmt Christina Lokk an einer Forschungswerkstatt am Centre for Qualitative Studies of Social Policies der Higher School of Economics in Moskau teil. Ziel dieser Werkstatt ist die Vernetzung von NachwuchwissenschaftlerInnen aus Deutschland und Russland sowie die Planung gemeinsamer Publikationen.

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news-14775 Tue, 29 May 2018 15:58:00 +0200 Nationalstaat, Nation und Nationalismus. Öffentliche Ringvorlesung im Sommersemester 2018 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/nationalstaa-2/ Am 05. Juni hält Prof'in. Dr. Gesine Schwan im Rahmen der Ringvorlesung einen Vortrag zum Thema "Europa von unten neu beleben". Der Vortrag findet um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 statt. Die Ringvorlesung "Nationalstaat, Nation und Nationalismus" wird von der Abteilung Politikwissenschaften des Instituts für Sozialwissenschaften organisiert. Die Vorlesungen finden jeweils dienstags um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 (1. OG im H-Gebäude) statt.

Weitere Vorträge

19.06. Prof. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl, Hildesheim: "Regionen, Nationalstaat und EU".

03.07. Prof. Dr. Wolf J. Schünemann, Hildesheim: "Neue Grenzen für den Cyberspace? Nation und Staat in der internationalen Netzpolitik.

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news-14839 Tue, 29 May 2018 09:09:34 +0200 Filmreihe "Herausforderung durch Digitalisierung" im Thega Filmpalast https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/filmreihe-h/ Am Mittwoch, den 30. Mai um 20:00 Uhr zeigt der Thega Filmpalast "Democracy - Im Rausch der Daten" von David Bernet. Im Anschluss findet eine Diskussion zum Thema Datenschutz mit Prof. Dr. Wolf J. Schünemann statt. Die Veranstaltung findet im Thega Filmpalast, Theaterstraße 6, 31141 Hildesheim statt. Der Eintrittspreis beträgt 5€.

Weitere Veranstaltungen dieser Reihe:

12.06. "Her" von Spike Jonze mit anschließender Diskussion zum Thema Liebe im Netz mit Sascha Oswald, M.A. & Dr. Holger Herma

19.06. "Snowden" von Oliver Stone mit anschließender Diskussion zum Thema Überwachung und Cyber- Sicherheitspolitik mit Stefan Steiger, M.A.

Diese Reihe wird vom WeiterbildungsCampus der Universität Hildesheim veranstaltet.

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news-14774 Tue, 22 May 2018 00:00:00 +0200 Nationalstaat, Nation und Nationalismus. Öffentliche Ringvorlesung im Sommersemester 2018 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/nationalstaa-3/ Am 29. Mai hält Prof. Dr. Michael Gehler im Rahmen der Ringvorlesung einen Vortrag zum Thema "Region, Nation und Union im Zeichen des Nationalismus". Der Vortrag findet um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 statt. Die Ringvorlesung "Nationalstaat, Nation und Nationalismus" wird von der Abteilung Politikwissenschaften des Instituts für Sozialwissenschaften organisiert. Die Vorlesungen finden jeweils dienstags um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 (1. OG im H-Gebäude) statt.

Weitere Vorträge

05.06. Prof. Dr. Gesine Schwan, Berlin: "Europa von unten neu beleben."

19.06. Prof. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl, Hildesheim: "Regionen, Nationalstaat und EU".

03.07. Prof. Dr. Wolf J. Schünemann, Hildesheim: "Neue Grenzen für den Cyberspace? Nation und Staat in der internationalen Netzpolitik.

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news-14773 Fri, 11 May 2018 20:56:56 +0200 Nationalstaat, Nation und Nationalismus. Öffentliche Ringvorlesung im Sommersemester 2018 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/nationalstaa-4/ Am 15. Mai hält Prof. Dr. Andreas Hetzel im Rahmen der Ringvorlesung einen Vortrag zum Thema "Nationen und Grenzen. Eine radikaldemokratische Perspektive". Der Vortrag findet um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 statt. Die Ringvorlesung "Nationalstaat, Nation und Nationalismus" wird von der Abteilung Politikwissenschaften des Instituts für Sozialwissenschaften organisiert. Die Vorlesungen finden jeweils dienstags um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 (1. OG im H-Gebäude) statt.

Weitere Vorträge

29.05. Prof. Dr. Michael Gehler, Hildesheim: "Region, Nation und Union im Zeichen des Nationalismus."

05.06. Prof. Dr. Gesine Schwan, Berlin: "Europa von unten neu beleben."

19.06. Prof. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl, Hildesheim: "Regionen, Nationalstaat und EU".

03.07. Prof. Dr. Wolf J. Schünemann, Hildesheim: "Neue Grenzen für den Cyberspace? Nation und Staat in der internationalen Netzpolitik.

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news-14780 Thu, 10 May 2018 23:36:00 +0200 Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wahlkampf-in/ Das Projekt analysiert politische Online-Kommunikation und Diskursverhalten im Kontext des Bundestagswahlkampfs 2017. Internet-basierte Kommunikationsformen, wie etwa Chatforen und soziale Netzwerke, stehen neuerdings im Verdacht, die politische Debattenkultur zu beeinträchtigen. Im klaren Kontrast zu optimistischen Szenarien einer Demokratisierung politischer Teilhabe und einer Verbesserung demokratischer Deliberation zeigt sich zunehmend, dass sowohl Quantität als auch Qualität der politischen Beteiligung via Internet deutlich hinter den Erwartungen zurückbleiben. Die neuen Formen politischer Online-Kommunikation erscheinen vielfach eher konflikt- als konsensorientiert. Im Zusammenhang mit jüngeren Diskussionen etwa um die Flüchtlingspolitik hat das Phänomen von Hasskommentaren im Internet und sozialen Medien auch die politische Diskussion erreicht und Fragen nach geeigneten gesellschaftlichen und politischen Reaktionen hervorgerufen. 

Weitere Informationen finden Sie unter diesem Link.

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news-14749 Fri, 27 Apr 2018 19:45:40 +0200 Öffentliche Vortragsreihe Utopien oder Dystopien?: Utopische Möglichkeitsräume https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/oeffentliche-9/ Frau Dr. Jessica Schwarz hält im Rahmen der Vortragsreihe am Mittwoch, den 02. Mai 2018 um 16:00 Uhr einen Vortrag zum Thema "Utopische Möglichkeitsräume - Ein Überblick über aktuelle Utopiekonzepte". Die Veranstaltung findet in Raum N332 im Forum auf dem Hauptcampus der Universität Hildesheim statt. Der Vortrag basiert auf den Erkenntnissen der interdisziplinären Tagung utopisch dystopisch. Visionen einer 'idealen' Gesellschaft, die im Oktober 2016 vom Institut für Sozialwissenschaften in Hildesheim ausgerichtet wurde.  

Die Vorträge werden per Live-Videokonferenz vom jeweiligen Veranstaltungsort in die Hörsäle aller anderen beteiligten Einrichtungen übertragen. Die Vorträge können darüber hinaus über das Internet gestreamt werden. Die Veranstaltung am 2. Mai 2018 wird von der Universität Hildesheim veranstaltet.

 

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news-14733 Thu, 26 Apr 2018 10:06:52 +0200 Antrittsvorlesung von PD Dr. Holger Herma https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/antrittsvorl-1/ Am 02. Mai 2018 hält Dr. Holger Herma seine Antrittsvorlesung zum Thema "Konstruktionen des Selbst und ihre soziale Validierung". Der Vortrag findet um 18:00 Uhr c.t. im Raum N006 im Forum auf dem Hauptcampus der Universität Hildesheim statt. Dr. Herma forschte in den vergangenen Jahren intensiv zu diesem Thema und reichte im vergangenen Jahr seine Habilitationsschrift ein. Ihm Rahmen seiner Forschung beschäftigt er sich mit der Frage, wie gesellschaftliche Anerkennungsprozesse der Moderne das Selbstverhältnis des Individuums bestimmen.

 

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news-14649 Thu, 05 Apr 2018 08:38:29 +0200 Öffentliche Ringvorlesung „Digitaler Wandel und Sicherheit“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/oeffentliche-ringvorlesung-digitaler-wandel-und-sicherheit/ Im Sommersemester befassen sich Fachleute an der Uni Hildesheim mit Aspekten der Sicherheit im digitalen Wandel. Von April bis Juli 2018 lädt die Universität zur öffentlichen Ringvorlesung „Digitaler Wandel und Sicherheit“ ein. Einmal wöchentlich geben Expertinnen und Experten Einblicke in aktuelle Entwicklungen in den Bereichen IT-Sicherheit, IT-Grundschutz, IT-Recht, IT-Datenschutz, IT-Compliance und IT-Forensik. Die Universität Hildesheim veranstaltet im Sommersemester 2018 eine öffentliche Ringvorlesung zur Sichterheit im digitalen Wandel. Die Universität hat Experten unter anderem aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung eingeladen, ihre jeweilige Sicht auf das Thema vorzustellen.

Die Referentinnen und Referenten befassen sich unter anderem mit technischen Lösungen zur Gewährleistung von Sicherheit, mit Handlungsvorschriften und Beeinflussungen auf die technischen Instrumente in Organisationen sowie mit rechtlichen Vorschriften und dem notwendigen gesellschaftlichen Bewusstsein für Sicherheitsfragen im digitalen Wandel. Dabei setzen sich die Vorträge mit der Rolle von Unternehmen, Konsumenten, Arbeitnehmern und Verwaltungen auseinander. Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer sind zur kostenfreien Vorlesungsreihe eingeladen.

Den Eröffnungsvortrag „Cybersecurity – IT-Sicherheit und was wir daraus machen“ hält am 12. April 2018 der Hildesheimer Politikwissenschaftler Wolf Schünemann, Juniorprofessor für Internet und Politik. Über aktuelle Bedrohungen und Gegenmaßnahmen im digitalen Wandel spricht am 19. April 2018 Uwe Claaßen vom Niedersächsischen Verfassungsschutz. Claaßen ist „Gründer“ des Wirtschaftsschutzes im Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport, also von Anfang an dabei, und Leiter der Abteilung.

Am 26. April 2018 spricht der Datenschutzexperte Norbert Bornemann über die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union. Am 3. Mai 2018 referiert der IT-Forensiker Nico Müller über Möglichkeiten und Grenzen der IT-Forensik. Am 17. Mai 2018 spricht Stephan Brandes über den „Digitalen Wandel in der Praxis – erfolgreich umdenken, Herausforderungen meistern, Chancen nutzen“.

Axel Janhoff referiert am 24. Mai 2018 über das Thema „Sichere Identitäten und vertrauenswürdige Dienste für die digitale Wirtschaft in der EU“ und geht auf die EU-Verordnung über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen im Binnenmarkt (eIDAS) ein. Die Rechtsanwältin Eva-Christine Backhaus diskutiert am 31. Mai 2018 über das Thema „Digitale Arbeitswelt – Was ist rechtlich zu beachten?“. Lukas Grundwald befasst sich mit IT-Sicherheit und spricht am 7. Juni 2018 über Angriffe auf Cloud-Infrastrukturen und wie man sich davor schützen kann. Frank Wuttke, Geschäftsführer der Compra GmbH, erläutert am 14. Juni 2018, was bei Softwareentwicklung im Zeitalter der Digitalisierung zu beachten ist. Mit Informationssicherheit und Schutz für Unternehmen befasst sich Kai Viehmeier am 21. Juni 2018 in seinem Vortrag „IT-Security und Digitalisierung – Der VdS Quick-Check für sichere KMUs“. Jens Heidland befasst sich am 28. Juni 2018 mit dem Thema „Informationssicherheit – Eckpfeiler der digitalen Sicherheit“. Am 5. Juli 2018 diskutieren Laura Weidner, Matthäus Niedworok und Vladislav Jartsev über „Datenschutz am Beispiel Versicherungswirtschaft“. Die Vorlesungsreihe endet am 12. Juli 2018 mit einem Vortrag von Frank Knischewski Leiter des Arbeitskreises Cybersecurity bei Hannover IT e.V. über „Cyberangriffe und IT-Sicherheit im Wandel“.

Die Vorlesungsreihe findet jeweils am Donnerstag von 18:00 Uhr bis 19:30 Uhr im Hörsaal 2 der Universität Hildesheim (Hauptcampus Universitätsplatz 1) statt. Die Veranstalter hoffen während der gesamten Reihe auf einen engen Austausch zwischen Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und interessierten Bürgern.

Die Ringvorlesung wird durch die Universitätsgesellschaft Hildesheim e.V. gefördert. Veranstalter der Ringvorlesung sind Axel Janhoff und Professor Ralf Knackstedt vom Institut für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik der Universität Hildesheim.

Programm der Ringvorlesung [PDF]

Programm im Überblick: Öffentliche Ringvorlesung „Digitaler Wandel und Sicherheit“

Vorlesungsreihe an der Uni Hildesheim von 12. April 2018 bis 12. Juli 2018

Donnerstag, 12. April 2018
Cybersecurity – IT-Sicherheit und was wir daraus machen
Wolf J. Schünemann, Universität Hildesheim

Donnerstag, 19. April 2018
Digitaler Wandel – Aktuelle Bedrohungen und Gegenmaßnahmen
Uwe Claaßen, Niedersächsischer Verfassungsschutz
[Hinweis: Jörg Peine-Paulsen sollte den Vortrag halten, ist aber leider kurzfristig verhindert]

Donnerstag, 26. April 2018
EU-DSGVO – Fakten und Handlungsfelder
Norbert Bornemann, Contor Management GmbH

Donnerstag, 03. Mai 2018
IT-Forensik – Möglichkeiten und Grenzen
Nico Müller, Digifors GmbH

Donnerstag, 17. Mai 2018
Digitaler Wandel in der Praxis – Erfolgreich umdenken, Herausforderungen meistern, Chancen nutzen
Stephan Brandes, CKC Group

Donnerstag, 24. Mai 2018 [KEIN VORTRAG / DER VORTRAG ENTFÄLLT AUFGRUND DER EXKURSIONSWOCHE]
eIDAS – Sicher Identitäten und vertrauenswürdige Dienste für die digitale Wirtschaft in der EU
Axel Janhoff, DAkkS Fachexperte

Donnerstag, 31. Mai 2018
Digitale Arbeitswelt – Was ist rechtlich zu beachten?
Eva-Christine Backhaus, Rechtsanwältin LEX-it

Donnerstag, 07. Juni 2018
Wolkenbruch 2.0: Angriffe auf Cloud-Infrastrukturen – Wie kann man sich schützen?
Lukas Grundwald, DN Systems Enterprise Internet Solutions GmbH

Donnerstag, 14. Juni 2018
Softwareentwicklung im Zeitalter der Digitalisierung – Was ist zu beachten?
Frank Wuttke, Compra GmbH

Donnerstag, 21. Juni 2018
IT-Security und Digitalisierung – Der VdS Quick-Check für sichere KMUs
Kai Viehmeier, Kai Viehmeier CONSULTING GmbH

Donnerstag, 28. Juni 2018
Informationssicherheit – Eckpfeiler der digitalen Sicherheit
Jens Heidland, Contechnet Ltd.

Donnerstag, 05. Juli 2018
Damoklesschwert des Digitalen Wandels – Datenschutz am Beispiel Versicherungswirtschaft
Laura Weidner, Matthäus Niedworok, Vladislav Jartsev, KPMG AG

Donnerstag, 12. Juli 2018
Digitaler Wandel – Cyberangriffe und IT-Sicherheit im Wandel
Frank Knischewski, Hannover IT e.V.

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news-14647 Wed, 04 Apr 2018 13:44:19 +0200 Cybersecurity - IT-Sicherheit und was wir daraus machen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/cybersecurit/ Prof. Dr. Wolf J. Schünemann hält am Donnerstag, den 12.04.2018 um 18 Uhr den Eröffnungsvortrag zur Ringvorlesung "Digitaler Wandel und Sicherheit". Die Ringvorlesung "Digitaler Wandel und Sicherheit" findet im Sommersemester jeweils donnerstags um 18 Uhr im Hörsaal H2 des Hauptcampus statt. Nach dem einleitenden Vortrag von Prof. Dr. Wolf J. Schünemann am 12.04.2018 folgt am 19.04. ein Vortrag zum Thema "Digitaler Wandel - Aktuelle Bedrohungen und Gegenmaßnahmen" von Jörg Peine-Paulsen vom Verfassungsschutz Niedersachsen.

Das vollständige Vortragsprogramm können Sie hier einsehen.

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news-14498 Mon, 12 Mar 2018 20:42:25 +0100 Fernsehbeitrag von Prof. Dr. Kneuer https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/fernsehbeitr/ Die Wahl der Bundeskanzlerin, die Ernennung und Vereidigung der Regierung: Prof. Dr. Marianne Kneuer wird diese Ereignisse am 14.03. zwischen 08:30 - 15:00 Uhr im Phoenix-Studio begleiten. Hier finden Sie einen Link zum Livestream von Phoenix: Link

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news-13734 Mon, 19 Feb 2018 10:46:32 +0100 Mehr Plan vom Planspiel! Planspielwochen in der Politikwissenschaft im Januar 2018 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/mehr-plan-vo/ Weltsicherheitsrat und Europäischer Rat tagen simuliert in Hildesheim und die aktuelle Studierenden-Ausgabe der Elefantenrunde im GroKo-Poker eröffnet die Planspielwochen Am Samstag, den 27.01.2018 um 09:15 muss der HiMUN-Sicherheitsrat in den Krisenmodus treten: Nordkorea hat in der vergangenen Nacht erneut eine Interkontinentalrakete gezündet. Augenblicklich erkennen die Delegierten ihre Aufgabe, als UN-Sicherheitsrat tätig zu werden und machen sich zunächst mit dem bisherigen Verlauf des Konflikts vertraut. Hierzu erhalten die Delegationen vorbereitetes Videomaterial und Informationsmappen.

Verantwortlich für die Planung dieser Sequenz waren Masterstudierende aus dem Seminar Politische Bildung in Zeiten gesellschaftlichen Wandels. Ziel war es, die Methode des Planspiels zu erproben und spontane und unvorhersehbare Abläufe kompetent zu begleiten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten so die Möglichkeit des Perspektivwechsels und realitätsnahe Einblicke in die politischen und konfliktträchtigen Prozesse des UN-Organs, was bei einigen auch zu einer kritischen Analyse der Zusammensetzung des Sicherheitsrates führte.

Politik erfahrbar machen

Um politische Prozesse und politisches Handeln zu vermitteln eignet sich insbesondere ein Planspiel. Das Planspiel für das Seminar Das politische System der BRD beschäftigte sich mit der „Elefantenrunde“ (auch Berliner Runde genannt). In drei Sitzungen arbeiteten die Studierenden so an der Thematik und setzten sich intensiv mit Schwerpunkten aus den Wahlprogrammen der gewählten Parteien auseinander, um auf deren Grundlage in zugewiesenen Rollen miteinander zu diskutieren.

In der Vorbereitung des Planspiels konnten die Teilnehmer des Seminars ihre Rolle anhand einer zugewiesenen Rollenkarte und zugehörigem Material erarbeiten und für sich vorbereiten. Neben den Parteispitzen, die mittels Losverfahren bestimmt wurden, wurden zudem zwei Moderatorinnen ausgewählt, welche die Elefantenrunde leiten sollten.

Fazit – ein Planspiel eignet sich als Ergebnis der Evaluation gut um spielerisch das Modellhafte und Prozessuale in politischen Prozessen sichtbar und erfahrbar zu machen.

Hard Brexit or Soft Brexit? Die Studierenden der Uni Hildesheim entscheiden

Das Planspiel im Seminar Regieren im europäischen Mehrebenensystem stand ganz unter dem Motto „Teatime in Hildesheim: Brexit is coming“. Dabei wurde ein Gipfeltreffen des Europäischen Rates simuliert. Das eigentliche Gipfeltreffen wurde in der Seminarsitzung am 23. Januar durchgeführt und in jeweils einer Sitzung vor- bzw. nachbereitet. Der inhaltliche Fokus lag vor allem auf der Streitfrage, um die nordirische-irische Grenze sowie die Garantie der Bürgerrechte nach dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union gemäß Artikel 50 des EU-Vertrages. Nicht nur die Staats- und Regierungschefs und der Präsident des Europäischen Rates waren vertreten, sondern das Treffen wurde auch journalistisch begleitet. Das Team aus Redakteuren und Journalisten hat mittels einer selbstprogrammierten Plattform abwechslungsreiche Kurznachrichten („Tweets“) verfasst und diese "live" ins Gipfeltreffen geschaltet. Am Ende des Gipfeltreffens wurden noch einmal alle wichtigen Ereignisse in einem abschließenden Zeitungsartikel zusammengefasst. Dadurch wurde die Verhandlung realitätsnah begleitet und auch digital festgehalten. Neben dem Präsidenten des Europäischen Rates als Leiter des Gipfeltreffens waren der Brexit-Verhandlungschef, der Präsident der Europäischen Kommission sowie die Delegationen von Deutschland, Frankreich, Griechenland, Irland, Polen, Schweden, Spanien und Ungarn während des Gipfeltreffens anwesend. Zu den Aufgaben der Präsidentin des Europäischen Rates in Hildesheim gehörte unter anderem die Aufsicht zur Einhaltung der Gesprächsregeln sowie inhaltlich angemessene Äußerungen und die Berücksichtigung der Option der Time-Outs. Diese wurden von den Studierenden taktisch genutzt. Dort fand bei einer Tasse Tee ein reger Austausch, sowie das Ringen um Verbündete für die nächste Verhandlungsrunde statt. Das obligatorische „Familienfoto“ eines jeden Gipfeltreffens mit allen teilnehmenden Staats- und Regierungschefs sowie sonstigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der europäischen Institutionen fand am Ende des Gipfeltreffens statt.

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news-13650 Wed, 31 Jan 2018 13:10:07 +0100 Online first oder viel Lärm um nichts? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/online-first/ Podiumsdiskussion am 31.01.18 um 18:15 Uhr in der Aula des Bühler Campus mit Marcus Bensemann, Tobias Berger, Johanna Forys, Christof Mahnel und Christian Meyer, moderiert von Prof. Dr. Wolf J. Schünemann Einladung zur Podiumsdiskussion

Online first oder viel Lärm um nichts?

Eine Bilanz des niedersächsischen Online-Wahlkampfs 2017

Marcus Bensemann
Programmbereich Online & Multimedia
Redaktionsleitung NDR.de


Tobias Berger
Social Media und Öffentlichkeitsarbeit
FDP Niedersachsen


Johanna Forys
Öffentlichkeitsarbeit & Online-Kommunikation
Bündnis90 / Die Grünen Niedersachsen


Christof Mahnel
Referent für Onlinekommunikation
SPD Niedersachsen


Christian Meyer
Landesgeschäftsführer
CDU Niedersachsen


MODERATION
Prof. Dr. Wolf J. Schünemann

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news-14381 Wed, 31 Jan 2018 00:10:53 +0100 utopisch dystopisch geht erneut auf Sendung! https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/utopisch-dys-1/ Sie haben die Tagung „utopisch dystopisch. Visionen einer 'idealen' Gesellschaft“ verpasst? Zwei weitere Keynotes gehen im „Hörsaal“ im Deutschlandfunk Nova auf Sendung. Vom 7.-8. Oktober 2016 veranstaltete das Institut für Sozialwissenschaften an der Universität Hildesheim die interdisziplinäre Tagung „utopisch dystopisch. Visionen einer 'idealen' Gesellschaft“. Während der Tagung wurden kritische Rückblicke, Gegenwartsentwürfe und utopisch-dystopische Zukunftsentwürfe aus der Perspektive verschiedener Disziplinen thematisiert.

Am 24. Und 25. Februar 2018 gehen die beiden Keynotes von

Aljoscha Hofmann: (Alb)träume des Städtebaus

und

Torsten Richter: Zur Dystopie der Unsterblichkeit

auf Sendung und sind im Anschluss online auf https://www.deutschlandfunknova.de/hoersaal verfügbar.

Weiterhin online verfügbar:

Die Journalistin Greta Taubert setzte sich in ihrem Vortrag mit dem Konzept des Zeitwohlstands auseinander und berichtete von einem Selbstversuch, unabhängig von Konsumgütern zu leben.

Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot stellte die Frage, wie Europa als Gemeinschaft funktionieren kann und machte Ihre Idee von einem „Europa als Republik“ stark. 

Beide Keynotes wurden im „Hörsaal“ von „Deutschlandfunk Nova“ ausgestrahlt und können entweder online nachgehört oder als Podcast heruntergeladen werden (https://www.deutschlandfunknova.de/podcasts/download/hoersaal-der-podcast).

Zu den Beiträgen:

Greta Taubert: "Der Traum ist aus. Warum ich Utopien selbst ausprobiere"

Ulrike Guérot: "Europa als Republik? Mehr als eine Utopie"

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news-14366 Wed, 24 Jan 2018 16:18:06 +0100 Fernsehbeitrag von Prof. Dr. Kneuer https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/fernsehbeitr-1/ Prof. Dr. Kneuer kommentierte am 22.01.2018 die Situation nach dem SPD-Parteitag auf dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Phoenix. Sie können den Beitrag unter diesem Link abrufen.

Weitere Informationen zur Aufnahme finden Sie unter diesem Link.

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news-14351 Mon, 22 Jan 2018 18:26:10 +0100 HiMUN 2018 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/himun-2018/ Veranstaltungshinweis | Freitag, 26. Jan. 2018 14.00h - Samstag, 27. Jan. 2018 15.00h in N006 Der UN-Sicherheitsrat tagt in Hildesheim. Studierende der Uni Hildesheim und Schülerinnen und Schüler der Robert-Bosch-Gesamtschule werden am kommenden Freitag und Samstag in die Rolle von Delegierten der Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen schlüpfen und zwei Themen bearbeiten:

  • Topic Area A The Situation in Myanmar/Bangladesh with Special Emphasis on the Rohingya Refugee Crisis
  • Topic Area B Crisis Simulation on North Korea, geleitet von Masterstudierenden des Fachs Politikwissenschaft
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news-14350 Mon, 22 Jan 2018 18:22:50 +0100 Klima und Ernährung - wie hängt das zusammen? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/klima-und-er/ Vortragsankündigung | Dienstag, 23. Jan. 2018 18:00 – 20:00 Uhr Hildesheim, Teichstraße 6 Am Dienstag, den 23. Januar 2018 wird in der Zeit von 18-20h eine Studierendengruppe in Kooperation mit der Hildesheimer Greenpeace Gruppe bei AWO Trialog Hildesheim über den Zusammenhang von Klima und Ernährung berichten. Im Zentrum des interaktionsorientierten Themenabends steht die Ermittlung von CO2-Klimabilanzen von alltäglichen Konsumprodukten.

Wo und wie wir Lebensmittel einkaufen, lagern und zubereiten, was wir essen: Das alles hat Einfluss auf die Umwelt. Wir Verbraucher können an vielen Stellen durch unser Konsumverhalten das Klima schützen und das eben auch in dem wir bewusst auf unsere Ernährung achten. Die Greenpeace Gruppe Hildesheim und eine Studiengruppe des Fachs Politikwissenschaft beschäftigen sich an diesem Abend mit diesem immer wieder aktuellen Thema. Mit einer gemeinsam erarbeiteten politikdidaktischen Konzeption bringen Sie allen Interessierten dieses Thema näher.

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news-14284 Thu, 11 Jan 2018 13:43:20 +0100 Video-Statement von Prof. Dr. Janna Teltemann für den BOLD Blog on Learning and Development https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/video-statem/ Ein Video-Statement für das Blog on Learning & Development (BOLD) zu den Folgen und Forschungspotentialen internationaler Schulleistungsvergleich von Prof. Dr. Janna Teltemann

Zum Video geht es hier.

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news-14258 Sun, 07 Jan 2018 11:36:42 +0100 25 Jahre Teilung der Tschechoslowakei https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/25-jahre-tei/ Ein ZEIT Online-Gastbeitrag von Prof. Dr. Marianne Kneuer

Scheidung ohne Krach

Vor einem Vierteljahrhundert teilte sich die Tschechoslowakei in zwei unabhängige Staaten. Wäre die Bevölkerung damals befragt worden, wäre es nie dazu gekommen. Link

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news-1773 Thu, 28 Dec 2017 11:22:00 +0100 Digitale Lebenswelten: Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/digitale-lebenswelten-manipulation-und-deutungskampf-in-digitalen-medien/ Was sind sprachliche Indizien dafür, das Desinformation stattfindet? Darum geht es in der Vortragsreihe „Fake News, Bots und Propaganda? Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien“ am 9. Januar 2018 an der Uni Hildesheim. Im Interview äußert sich der Hildesheimer Politikwissenschaftler Wolf Schünemann, der die Vortragsreihe mitorganisiert, über die Diskursqualität im Netz und die demokratische Debattenkultur. Der Juniorprofessor für Politik und Internet untersucht mit weiteren Forschungskollegen in einer Studie 2,2 Millionen Online-Kommunikationsdaten aus dem Bundestagswahlkampf. Die Universität Hildesheim lädt interessierte Studierende, Lehrende und Bürgerinnen und Bürger zur Vortragsreihe „Digitale Lebenswelten“ ein. Die vier Vorträge und Diskussionen stehen in diesem Wintersemester unter dem Motto „Fake News, Bots und Propaganda? Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien“.

Im ausgehenden Superwahljahr 2017 beschäftigt sich die Hildesheimer Vortragsreihe noch einmal mit dem Thema Wahlen und Wahlkampf. Nachdem sich die politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Manipulationen in der politischen Online-Kommunikation deutlich erhöht hat und eine teils hysterisch wirkende Debatte über Fake News, Bots und Propaganda hervorgebracht hat, werden die wissenschaftlichen Vorträge diesen Phänomenen aus unterschiedlichen Perspektiven auf den Grund gehen. Den Auftakt macht am 13. Dezember 2017 der Politikwissenschaftler Sebastian Stier, er befasst sich in seinem Vortrag mit der Frage, wie soziale Medien von Populisten genutzt werden. Die Linguistin Simone Burel zeigt am 9. Januar 2018, wie sich Fake News linguistisch analysieren lassen. Was sind sprachliche Indizien dafür, das Desinformation stattfindet? Wolf Schünemann gibt am 23. Januar 2018 Einblicke in eine aktuelle Studie zur politischen Online-Kommunikation im Bundestagswahlkampf. Die Reihe endet am Mittwoch, 31. Januar 2017, mit einer Bilanz des niedersächsischen Online-Wahlkampfes: An der Podiumsdiskussion nehmen Vertreterinnen und Vertreter aus den niedersächsischen Landesparteien und Medien teil. Wie bedeutend sind sozialen Medien in der politischen Online-Kommunikation? Welche Rolle spielten Fake News und Manipulation im niedersächsischen Landtagswahlkampf 2017?

Alle Vorträge sind öffentlich und kostenfrei. Nach einem 45-minütigen Vortrag besteht die Möglichkeit zur Diskussion (30 Minuten). „Bürger aus der Stadt sind herzlich eingeladen, mitzudiskutieren. Wir beobachten, dass der Zweifel an positiven Effekten digitaler Kommunikation und sozialer Medien auf den demokratischen Diskurs wächst. Mit unserer Vortragsreihe möchten wir dazu beitragen, dass sich Bürger tiefergehend und faktenbasiert mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf unsere Kommunikation, mit Regulierung und Meinungsfreiheit in der liberalen Demokratie auseinandersetzen“, sagt der Hildesheimer Juniorprofessor Wolf Schünemann. Der Politikwissenschaftler vom Institut für Sozialwissenschaften organisiert die Vortragsreihe gemeinsam mit der Sprachwissenschaftlerin Professorin Beatrix Kreß (Institut für Interkulturelle Kommunikation), der Übersetzungswissenschaftlerin Professorin Bettina Kluge (Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation) und dem Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum (Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie).

Programm der öffentlichen Vortragsreihe „Digitale Lebenswelten – Fake News, Bots und Propaganda? Manipulation und Deutungskampf in digitalen Medien“

Mittwoch, 13. Dezember 2017
Sebastian Stier, GESIS Köln
„Was sagt das ‚Volk‘? Populistische Kommunikation in sozialen Medien“
18:15 Uhr, Raum N 006 (Forum)
Hauptcampus der Universität Hildesheim am Universitätsplatz 1

Dienstag, 9. Januar 2018
Simone Burel, Universität Heidelberg
„Like oder Not-like? Linguistische Perspektiven auf Fake News in der digitalisierten Politik“
18:15 Uhr, Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim

Dienstag, 23. Januar 2018
Wolf J. Schünemann, Universität Hildesheim
„Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken – ein Forschungsbericht“
18:15 Uhr, Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim

Mittwoch, 31. Januar 2018
„Online first oder viel Lärm um nichts? Eine Bilanz des niedersächsischen Online-Wahlkampfs 2017 – Podiumsdiskussion mit Vertreterninnen und Vertretern der niedersächsischen Politik und Medien“
18:15 Uhr, Aula am Bühler-Campus der Universität Hildesheim

Programm [PDF]

Interview mit Prof. Dr. Wolf Schünemann, Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet

Wird Social Media überschätzt?

Herr Professor Schünemann, Sie untersuchen gemeinsam mit Kollegen aus Göttingen und Heidelberg die politische Online-Kommunikation im Netz und klicken sich durch Kommentare und Online-Diskussionen.

Wolf Schünemann: Wir haben in unserer Studie „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken“ (WasN) Online-Kommunikationsdaten aus dem diesjährigen Bundestagswahlkampf gesammelt, vom 1. April 2017 bis zum 24. September 2017. Einen ersten Überblick unserer Ergebnisse haben wir online verfügbar gemacht (www.uni-hildesheim.de/wahlkampfanalyse). Wir wollen mit unseren corpuslinguistischen Verfahren herausfinden: Was passiert im Netz während des Wahlkampfs? Sind die sozialen Medien ein Tummelbecken für unzivilisierte Angriffe? Finden wir in den Daten einen Qualitätsabfall, kommt es zu einer Verschlechterung der politischen Diskursqualität – beobachten wir online mehr Kommunikation, die geprägt ist von Hass und Hetze? Wir analysieren Facebook-Posts. Eine Forschungsfrage ist, wie sehr sich die Anonymität auf das Diskurs-Verhalten auswirkt: Wie anonym bewegen sich die Kommentatoren im Netz? Gibt es einzelne User, die das Gesprächsklima „vergiften“? Im Januar 2018 beginnt ein wissenschaftlicher Mitarbeiter in Hildesheim, wir haben noch viele Daten zu analysieren. Um eine Vorstellung zu geben: Für die Aktivitäten auf den Facebook-Seiten der aussichtsreichen Bundesparteien und ihrer Spitzenkandidaten haben wir im Zeitraum von einem halben Jahr vor der Bundestagswahl 2,2 Millionen Meldungen und Kommentare gesammelt, die wir automatisiert und in Teilen qualitativ untersuchen wollen.

Mit ihrer Forschung möchten Sie herausfinden: Welchen Beitrag leistet die Internettechnologie zu einer demokratischen Debattenkultur?

Wolf Schünemann: Hervorgegangen ist die „WasN“-Studie aus einer Vorstudie zum Thema Diskursverhalten in der politischen Online-Kommunikation. Wir haben am Beispiel der baden-württembergischen Landtagswahl 2016 konkret die Frage untersucht, ob das Diskursverhalten in Online-Foren sich mit steigendem Anonymitätsgrad verschlechtert oder ob es, so denn eine Verschlechterung online zu beobachten ist, an anderen Faktoren liegt. Die jetzige „WasN“-Studie wird darüber hinaus weitere Fragen beantworten, etwa nach der Existenz von Echokammern oder Anzeichen für Social Bots, also Computerprogrammen, die eine menschliche Identität vortäuschen.

Wie geht es weiter, was untersuchen Sie speziell in den nächsten Monaten?

Wolf Schünemann: Wir werden die Daten quantitativ-automatisiert (etwa nach Worthäufigkeiten, Konkordanzen) sowie qualitativ untersuchen. Neben den natürlichen Daten haben wir auch Daten aus experimenteller Forschung, zu denen uns Hintergründe über die Probanden bekannt sind. So können wir soziale Kommunikationssituationen, wie etwa eine politische Diskussion, beobachten. Diese Daten werden dann auch statistisch ausgewertet. Interessant wird es sein, weiterhin zu beobachten: Wie verhalten sich die Parteien im Netz?

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt: Studie zur politischen Online-Kommunikation

Hinter der Studie „Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken – Politische Online-Kommunikation und Diskursverhalten im Kontext des Bundestagswahlkampfs 2017“ (WasN) stecken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim, der Universität Heidelberg und vom Göttinger Institut für Demokratieforschung. Der Hildesheimer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Wolf Schünemann leitet die Studie. Das Forschungsprojekt wird von der Abteilung Medienforschung des ZDF sowie von der Universität Hildesheim und vom Göttinger Institut für Demokratieforschung finanziell unterstützt.

Weitere Einzelheiten zur Studie finden Sie online: Studie analysiert Wahlkampf und Erste Analysen nach der Bundestagswahl 2017

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news-14240 Thu, 21 Dec 2017 08:38:12 +0100 Wenn es brenzlig wird – Grounded Theory und Objektive Hermeneutik im Feld pädagogischer Grenzsituationen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wenn-es-bren/ Interdisziplinärer Workshop des Methodenbüros und des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik (Stiftung Universität Hildesheim) für Nachwuchswissenschaftler_innen der Universität Hildesheim Bei dem Workshop handelt sich um die Auftaktveranstaltung einer Kooperation des Instituts für Sozialwissenschaften und des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik. Weitere Veranstaltungen, die andere Methoden in den Blick nehmen und den interdisziplinären methodischen Austausch anregen sollen, werden folgen.

In den Sozialwissenschaften sind pädagogische Grenzsituationen ein Forschungsfeld, das sich durch besondere Relevanz und spezifische methodische Herausforderungen auszeichnet. Der Workshop „Wenn es brenzlig wird – Grounded Theory und Objektive Hermeneutik im Feld pädagogischer Grenzsituationen“ geht der Frage nach, wie als existenziell markierte soziale Situationen Gegenstand rekonstruktiver Analyse werden können. Innerhalb dieser inhaltlichen Rahmung werden zwei klassische qualitative Methoden genauer betrachtet: Grounded Theory und Objektive Hermeneutik. Ein Schwerpunkt der Auseinandersetzung wird hier auf die Frage nach einer potenziellen Verbindung beider Verfahren gelegt. Handelt es sich um eine Wahlverwandtschaft oder Zwangsverheiratung?

Vorträge zu diesem Themenkomplex, der inhaltliche und methodische Aspekte kombiniert, werden von Prof. Dr. Dorett Funcke und Dr. Tobias Franzheld gehalten. Prof. Dr. Funcke forscht im Bereich Paar- und Familiensoziologie aktuell über unkonventionelle Elternschaft und beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit der lebensweltlichen Konstruktion von gleichgeschlechtlichen Inseminationsfamilien. Dr. Tobias Franzheld beschäftigt sich mit professionellen Handlungsfeldern im Bereich Kindeswohlgefährdung. Die theoretischen Inputs dienen der Einführung und sollen die gemeinsame empirische Arbeit und Diskussion initiieren. Interessierte Nachwuchswissenschaftler_innen sind herzlich zu dem Workshop eingeladen. Es ist möglich, empirisches Material aus Forschungsprojekten zu präsentieren und im Kreis der Teilnehmenden zu diskutieren. Um eine Anmeldung per E-Mail (pierbu@uni-hildesheim.de; thomass@uni-hildesheim.de; miriam.sitter@uni-hildesheim.de) und den Hinweis, ob eigenes Material eingebracht wird, wird gebeten.

Datum: 26.01.2018

Zeit: 09:30 Uhr bis 17:00 Uhr

Raum: N 436

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news-14226 Tue, 12 Dec 2017 23:01:40 +0100 Abstimmungs-App - Vorbild für mehr Demokratie? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/abstimmungs/ Deutschlandfunk Länderzeit im Gespräch mit Prof. Dr. Wolf J. Schünemann Kein Vertrauen in die Politik, Bürger, die sich nicht ernst genommen fühlen, Politikverdruss - und immer wieder der Ruf nach mehr direkter Bürgerbeteiligung. Aber ist eine App, mit der Bürger bei wichtigen Themen befragt werden, wirklich die Lösung? Die Stadt Tübingen hat sich jedenfalls dazu entschieden, das Konzept zu testen.

Mit Hilfe einer Abstimmungs-App sollen die Bürger bei wichtigen Themen befragt werden. Das Land Baden-Württemberg sieht darin eine innovative Entwicklung, weshalb das Projekt gefördert wird.

Wie genau funktioniert das, und wie groß wird der Einfluss der Bürger mit der Einführung der App wirklich sein? Wird der Gemeinderat bei seiner Entscheidungsfindung wirklich unterstützt, wie es sich Oberbürgermeister Palmer erhofft, und so die kommunale Demokratie gestärkt? Oder schließt das Verfahren womöglich bestimmte Bevölkerungsgruppen aus?

"Vorbild für mehr Demokratie? In Tübingen sollen Bürger per App ihre Meinung sagen", das Thema in der Länderzeit. Welchen Nutzen kann die Digitalisierung bei demokratischen Entscheidungsprozessen tatsächlich bringen?

Deutschlandfunk Länderzeit. 13.12.2017, 10:10 Uhr

Link

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news-8120 Fri, 24 Nov 2017 12:03:00 +0100 Freiräume für die Forschung: Gastprofessor aus Perugia https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/freiraeume-fuer-die-forschung-gastprofessor-aus-perugia/ Mit Unterstützung aus der Bürgergesellschaft gelangen internationale Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler nach Hildesheim. Erstmals vergibt die Universität das „Wippermann Fellowship“. Das Stipendium erhält der renommierte italienische Populismus-Experte Prof. Dr. Manuel Anselmi von der Universität Perugia. Er forscht einige Wochen am Institut für Sozialwissenschaften und spricht am 28. November 2017 in einem öffentlichen Vortrag über populistische Entwicklungen in Europa und weltweit. Das Ehepaar Jutta und Prof. Dr. Burkhard Wippermann hat 2017 erstmals in Kooperation mit der Universität Hildesheim ein „Wippermann Fellowship” für internationale Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftler gestiftet und beabsichtigt dies auch weiterhin jährlich zu tun. Das Stipendium beinhaltet eine individuelle Förderung, die dem Gastwissenschaftler Freiräume und Ressourcen für die Durchführung von Forschungs- und Lehrvorhaben an der Universität Hildesheim ermöglicht. Dem ausgezeichneten Gastwissenschaftler werden unter anderem alle Reise- und Aufenthaltskosten bezahlt. Das Stipendium wird in jedem Studienjahr vergeben und ermöglicht einen Aufenthalt in Hildesheim maximal für die Dauer eines Semesters.

Die Universität hat das Programm entwickelt, um die mehrsprachige Lehre zu stärken. Interessierte, die die Universität im Rahmen von internationalen Stipendienprogrammen unterstützen möchten, können sich an Vizepräsident Professor Martin Schreiner (martin.schreiner@uni-hildesheim.de) wenden.

„Populism? An answer in a comparative perspective“

Gastprofessor Manuel Anselmi von der Universität Perugia hält Vortrag in der Universitätsbibliothek / 28. November 2017 um 18:00 Uhr

Dank des ersten „Wippermann Fellowship” arbeitet derzeit ein italienischer Gastprofessor an der Universität Hildesheim. Professor Manuel Anselmi ist der erste internationale Gastwissenschaftler, der mit dem Stipendium für drei Wochen im November 2017 als Gastprofessor am Institut für Sozialwissenschaften in der Politikwissenschaft lehrt. Der ausgewiesene Populismusforscher hält mit der „Wippermann Lecture“ am Dienstag, 28. November 2017, einen öffentlichen Vortrag in der Leselounge der Universitätsbibliothek. Anselmi erläutert Tendenzen des Populismus in einem interregionalen Vergleich.

Aktuell hält Manuel Anselmi eine Professur für Politische Soziologie an der Universität Perugia in Italien inne. Er studierte zunächst Philosophie an der Universität Rom La Sapienza um sich anschließend ab seiner Doktorphase der Soziologie und nun besonders der politischen Soziologie zu widmen. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich dabei mit den politischen Systemen Lateinamerikas; insbesondere ist er für seine Publikationen zu Venezuela bekannt. Als Kenner der Politik des Subkontinents ist er auch journalistisch tätig. In seiner jüngsten Monographie „Populism: An Introduction“ (Routledge 2017) hat er darüber hinaus auch zur theoretischen Debatte über den Populismus beigetragen und seine Kenntnis einer breiten Reihe von Fällen, darunter Russland und sein Heimatland Italien, bewiesen.

Professor Manuel Anselmi hat bereits mehrere Gastaufenthalte im europäischen und außereuropäischen Ausland absolviert, etwa an der London School of Economics, am Forschungsinstitut FLACSO in Ecuador oder an der Loyola University in New Orleans. Das Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim freut sich nun darauf, mit einer breiteren Öffentlichkeit über das Thema Populismus zu diskutieren.

Populism inside and outside of Europe: “Today we can count numerous populism phenomena – from the USA to Latin America, from Great Britain to Italy“

Interview with Prof. Dr. Manuel Anselmi

Professor Anselmi, you are an expert in the field of populism. Why is this reasearch important?

Anselmi: The importance of populism is demonstrated by the many cases on a global scale. Today we can count numerous populism phenomena from the USA to Latin America, from Great Britain to Italy. Populism is a complex phenomenon that indicates a crisis of contemporary liberal democracy in different contexts. By studying populism, we study the changes in the deep structures of democracy.

What is one of your main results? What can we learn from a comparative analysis?

Anselmi: Being a global phenomenon and involving numerous political systems in different contexts, populism must be studied in a comparative way. Comparison allows us to analyze the main characteristics of populism despite differences in context. Early research shows that populism is not a pathology of democracy, as some have thought in the past. Populism is not a disease of political systems. Rather, it is the loss of political complexity, made up of mediation and institutions, that politics normally needs. Populism is the zero degree of politics, but it has the effect of removing legitimacy from political systems. A zero degree where the adversary risks becoming an enemy, where parties and pluralism no longer make sense, but the political struggle is reduced to a people against the elites, a low against the top.

You are an international expert in the field of populism. You worked as a fellow in Europe and beyond, in London, in New Orleans, you studied in Rome. Now you come to the little town of Hildesheim. Why did you choose to come to University of Hildesheim and what are you doing here for example?

Anselmi: I didn't know Hildesheim but I was lucky enough to meet Prof. Marianne Kneuer two years ago at a conference in Santiago. Here I discovered a very interesting working group where to learn a lot. For me as an Italian, today Germany is a land where we can find many opportunities to do research and meet colleagues of great competence. Thanks to the availability of Prof. Marianne Kneuer and your rector we have signed an agreement between the University of Hildesheim and the University of Perugia that will allow us to develop new projects.

Interview: Isa Lange

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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news-4716 Fri, 24 Nov 2017 11:18:00 +0100 Politik in einer vernetzten Gesellschaft: Politikwissenschaftlicher Weltverband tagt in Niedersachsen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/politik-in-einer-vernetzten-gesellschaft-politikwissenschaftlicher-weltverband-tagt-in-niedersachse/ Professorin Marianne Kneuer hat an der Universität Hildesheim den Forschungsschwerpunkt „Internet und Politik“ aufgebaut. Sie ist stellvertretende Leiterin der „International Political Science Association“ (IPSA). Die Beschäftigung mit digitalen Medien verknüpft die Professorin mit ihrem anderen Forschungsschwerpunkt, der Analyse von Demokratien und Autokratien. Professorin Kneuer ist in diesem Jahr für die alle zehn Jahre stattfindende State-of-the-Art-Konferenz der globalen Vereinigung für Politikwissenschaft verantwortlich. 200 Experten beschäftigen sich mit Cyberkriminalität, mit der digitalen Kommunikation in autoritären Staaten und mit digitalen Medien im Wahlkampf. Digitale Medien sind das bestimmende Merkmal des 21. Jahrhunderts. Sie sind die Triebkraft der Kommunikation im neuen digitalen Zeitalter mit weitreichenden Auswirkungen auf die Gesellschaft, die Wirtschaft und das politische Spektrum. Für die Disziplin der Politikwissenschaft halten digitale Medien zwei Herausforderungen bereit: Einerseits als Untersuchungsgegenstand, etwa was nationale wie auch internationale Akteure, die Beziehungen zwischen Regierungen und gesellschaftlichen Akteuren oder zwischen Politikern und Bürgern betrifft. Andererseits beeinflussen die digitalen Medien aber auch die akademische Landschaft in Bezug auf Forschung wie auch Lehre.

Die globale Vereinigung für Politikwissenschaft – International Political Science Association (IPSA) – widmet daher die alle zehn Jahre stattfindende State-of-the-Art-Konferenz in diesem Jahr dem Thema Digitalisierung. Organisiert von Marianne Kneuer (Universität Hildesheim) und Helen Milner (University of Princeton) findet diese Konferenz auf Schloss Herrenhausen in Hannover statt (vom 4. bis zum 6. Dezember 2017). Die IPSA-Konferenz untersucht dabei die Herausforderungen der digitalen Medien an die Politikwissenschaft. Die Konferenz bietet eine Plattform zur Diskussion und Reflexion über die Bedeutung von Politikwissenschaft in einer vernetzten Gesellschaft.

Es werden rund 200 Teilnehmer aus aller Welt erwartet, die sich mit ganz unterschiedlichen Aspekten beschäftigen: Cyberkriminalität, digitale Kommunikation in autoritären Staaten, digitale Medien im Wahlkampf ebenso wie mit elektronischen Lernen, dem Einfluss auf Politikberatung oder auf Journalismus und das Verlagswesen. 

Die Konferenz auf Schloss Herrenhausen steht auch einem breiten Publikum offen. Gegen eine Gebühr von 15 Euro bzw. 5 Euro (für Studierende unter 35) ist eine Registrierung am Konferenzort (Herrenhäuserstraße, 30419 Hannover) morgens während aller drei Konferenztage möglich.

Unterstützt wird die Tagung durch die VolkswagenStiftung, die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Universität Hildesheim, die Deutsche Vereinigung für Politikwissenschaft und die Sparkasse Hildesheim Goslar Peine. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen unter anderem aus Brasilien, Tunesien, Indien, Finnland, Türkei, Litauen, Tansania, Mexiko, Canada, China, Südafrika, Kasachstan, Japan, Bolivien, Paraguay und Südkorea. Etliche Spezialisten aus Nordamerika werden auf der Konferenz sprechen, etwa Ronald Deibert (University of Toronto, Canada), Peter Cowhey (University of California San Diego, United States of America) und Professor Jonathan Aronson (University of Southern California, USC Annenberg School for Communication and Journalism, United States of America).

Das gesamte Konferenzprogramm „Political Science in the Digital Age: Mapping Opportunities, Perils and Uncertainties“ finden Sie online.

Politikwissenschaft in Hildesheim

Professorin Marianne Kneuer forscht und lehrt am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Die Politikwissenschaftlerin hat in Hildesheim einen bundesweit viel beachteten Forschungsschwerpunkt aufgebaut. Marianne Kneuer befasst sich in der Arbeitsgruppe „Internet und Politik“ mit den Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft und den Verflechtungen zwischen World Wide Web und Politik.

Medienkontakt: Kontakt zu Prof. Dr. Marianne Kneuer und den internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121 883 90100 und 0177 8605905).

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news-14195 Wed, 15 Nov 2017 10:47:06 +0100 Vortrag am 21. November 2017: "Die Verstimmung der Gesellschaft" https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/vortrag-am-2/ Der Vortrag von Prof. Dr. Heinz Bude (Lehrstuhl für Makrosoziologie an der Universität Kassel) findet am 21. November 2017 um 18:15 Uhr in der Leselounge statt. Der Titel seines Vortrages lautet: "Die Verstimmung der Gesellschaft“. Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro news-13400 Mon, 06 Nov 2017 10:53:39 +0100 Wippermann Lecture https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wippermann-l/ Der Vortrag von Prof. Anselmi findet am 28. November 2017 um 18.15 in der Leselounge statt. Der Titel seines Vortrages lautet: "Populism inside and outside of Europe". Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro news-13399 Mon, 06 Nov 2017 10:44:13 +0100 Wippermann-Fellowship https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wippermann-f/ Mit Hilfe des Wippermann-Fellowships wird das Institut für Sozialwissenschaften in diesem November (11.11-1.12.) einen Gastwissenschaftler der Universität Perugia, Prof. Manuel Anselmi, nach Hildesheim einladen. Dr. Anselmi forscht zu Populismus. Er wird in der Lehre mitwirken und eine Wippermann Lecture zu "Populism inside and outside of Europe" halten. Mit der großzügigen Einrichtung eines Fellowship unterstützt Prof. Dr. Wippermann die Internationalisierung der Universität Hildesheim. 

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news-13398 Mon, 06 Nov 2017 10:42:32 +0100 Internationale Tagung der IPSA https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/internationa/ INTERNATIONALE TAGUNG der International Political Science Association vom 4. bis 6. Dezember auf Schloss Herrenhausen in Hannover. INTERNATIONALE TAGUNG der International Political Science Association vom 4. bis 6. Dezember auf Schloss Herrenhausen in Hannover. Organisiert von Frau Prof. Dr. Marianne Kneuer findet die Tagung "Political Science in the Digital Age" statt.

Internationale Experten auf dem Gebiet der Forschung zu digitalen Medien, Cybersicherheit, Methoden usw. werden dort zusammenkommen. Umfassende Informationen sind auf der Webpage zu finden: https://hannover2017.ipsa.org/hannover.

Vorort-Registrierung ist möglich und kostet für Studenten 5 Euro, für Nicht-Studenten 15 Euro.

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news-14070 Mon, 06 Nov 2017 10:39:00 +0100 Keynote von Prof. Dr. Marianne Kneuer https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/keynote-von/ Buchvorstellung des Bandes "Medienkompetenz" der Bundeszentrale für Politische Bildung Keynote von Prof. Dr. Marianne Kneuer bei der Buchvorstellung des Bandes "Medienkompetenz" der Bundeszentrale für Politische Bildung am 19. November 2017 in Frankfurt am Main im Rahmen des 34. Forums der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur.

Das Thema des Vortrags lautet: "Politische Kommunikation und digitale Medien in der Demokratie". 

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news-14138 Sat, 04 Nov 2017 16:52:43 +0100 Diskussionsreihe: Arbeitsbedingungen an der Hochschule https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/diskussionsr/ Im Wintersemester 2017/18 findet die von Mitgliedern der Abteilung Soziologie initiierte sowie durch Förderung und Kooperation mit dem AStA der Universität Hildesheim und der Loccumer Initiative organisierte Diskussionsreihe mit dem Titel "Arbeitsbedingungen an der Hochschule" statt.

Die Diskussionsreihe möchte studentische Hilfskräfte, wissenschaftliche & künstlerische Mitarbeiter_innen sowie Mitarbeiter_innen in Technik und Verwaltung der Universität Hildesheim mit Wissenschaftler_innen und (über-)regionalen Initiativen zusammenbringen. Der Fokus der Diskussionsreihe liegt auf einer statusgruppenübergreifenden Wahrnehmung der Arbeitswelt ‚Hochschule‘.

Zu Beginn der Veranstaltung werden unsere Gäste in aller Kürze über die Arbeitsbedingungen an den Hochschulen auf Basis von Forschungsergebnissen oder auf Grundlage von Erfahrungen lokaler Initiativen informieren. Anschließend bleibt viel Raum und Zeit zum Diskutieren, Vernetzen und Mobilisieren!

Wir freuen uns auf Eure/Ihre Teilnahme und hoffen mit dieser Diskussionsreihe neben der Situationsbeschreibung und der Ursachenanalyse auch Lösungsvorschläge gemeinsam zu entwickeln. Ein gemeinsamer Stammtisch im Anschluss an die Veranstaltung ist vorgesehen. Nachstehende Termine sind jeweils von 18.00-19.30 Uhr im Forum N 009 (Neubau).

Termine

08.11.2017 | Arbeitsbedingungen von studentischen Hilfskräften

Stefanie Brauer (Hilfskraft-Initiative TVStud-Berlin ‚Tarifvertrag für studentische Beschäftigte‘)

Björn Kallensee (IG Metall, Nienburg-Stadthagen)

AStA Universität Hildesheim (Hildesheim)

 

06.12.2017 | Arbeitsbedingungen von wissenschaftlichen & künstlerischen Mitarbeiter_innen

Alternative Gewerkschaft unter_bau (Goethe-Universität, Frankfurt am Main)

PD Stefanie Graefe (Soziologin, Universität Jena)

Per Holderberg (Soziologe, Universität Hildesheim)

 

17.01.2018 | Arbeitsbedingungen von Mitarbeiter_innen in Technik und Verwaltung

Initiative ‚Hochschulsekretärinnen verdienen mehr!‘ (Göttingen)

Frank Ahrens (ver.di, Region Süd-Ost-Niedersachsen)

Beate Sperling-Grund (Vorsitzende des Personalrats der Universität Hildesheim)

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news-14031 Sun, 22 Oct 2017 12:28:17 +0200 Veröffentlichung des Bandes "Medienkompetenz" der bpb https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/veroeffentlic/ Der Band "MEDIENKOMPETENZ", an dem Prof. Kneuer mitgearbeitet hat, wurde veröffentlicht. Es handelt sich um das erste kostenlose E-Book der Bundeszentrale für Politische Bildung und erscheint als PDF und aktualisiertes Onlinedossier. In welcher digitalen Gesellschaft wollen wir leben? Jetzt wird die Zukunft gestaltet. Wer kann informiert entscheiden?

Medienkompetenz kommt eine Schlüsselrolle als Demokratiekompetenz zu. Der Schriftenband der bpb beschreibt die Herausforderungen für Politik, politische Bildung und Medienbildung.

Link

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news-13817 Fri, 01 Sep 2017 22:32:05 +0200 Wahlkampfthema Bildung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wahlkampfthe/ Prof. Dr. Janna Teltemann als Expertin zu Gast beim ARD Wahlcheck 2017 Welche Themen bewegen die Menschen im Wahlkampf besonders? Und wie sind sie einzuordnen? Die ARD hat am 28.8. den Wahlcheck 2017 gesendet und darin die Themen Integration, Rentenniveau und Bildungsgerechtigkeit beleuchtet. Prof. Dr. Janna Teltemann, Juniorprofessorin für Bildungssoziologie an der Universität Hildesheim, war gemeinsam mit Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des DIW, als Expertin für das Thema Bildungsgerechtigkeit im Studio. Hier sehen Sie den Beitrag in der ARD Mediathek:

www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Wahl-2017-ARD-Wahlcheck/Das-Erste/Video

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news-13540 Mon, 03 Jul 2017 11:05:50 +0200 Parteien unter Druck: Populismus und die Bundestagswahl https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/parteien-unter-druck-populismus-und-die-bundestagswahl/ Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler befassen sich mit populistischen Tendenzen und der Zukunft von Parteien. Am Dienstag, 4. Juli, diskutieren Experten über populistische Entwicklungen und die anstehende Bundestagswahl. Die Podiumsdiskussion beginnt um 18:15 Uhr am Hauptcampus der Universität Hildesheim. Wie steht es um die populistischen Herausforderungen in der Bundesrepublik Deutschland und was wird die Bundestagswahl bringen? Am Dienstag, 4. Juli 2017, findet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Parteien unter Druck“ statt: Professorin Ursula Birsl ist Politikwissenschaftlerin an der Universität Marburg und befasst sich im Feld der Demokratieforschung mit den Schwerpunkten EU, Politische Systeme im europäischen Vergleich und Bundesrepublik Deutschland. Professor Lothar Probst, Politikwissenschaftler von der Universität Bremen, forscht zum Populismus, seinen Merkmalen und Erfolgsaussichten. Die beiden ausgewiesenen Experten diskutieren mit der Hildesheimer Bundestagsabgeordneten Ute Bertram. Die Diskussion beginnt am Dienstag, 4. Juli 2017, um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 am Hauptcampus der Universität Hildesheim (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim). Interessierte Bürger sowie Studierende und Lehrende sind herzlich eingeladen, sich mit Fragen an der Diskussion zu beteiligen.

Die Podiumsdiskussion bildet den Abschluss der öffentlichen Ringvorlesung „Parteien unter Druck – Populismus, Personalisierung, Protest im internationalen Vergleich“. In den vergangenen Monaten setzten sich renommierte Referentinnen und Referenten in konkreten Länderanalysen mit dem Thema Populismus auseinander, sie nahmen etwa Entwicklungen in Frankreich, Niederlande, Deutschland, Österreich, USA und lateinamerikanischen Staaten in den Blick. Bürgerinnen und Bürger aus Hildesheim nahmen an der Ringvorlesung teil und beteiligten sich an Debatten. Die Ringvorlesung wurde von Prof. Dr. Marianne Kneuer, Prof. Dr. David Salomon und Prof. Dr. Hannes Schammann aus der Abteilung Politikwissenschaft der Universität Hildesheim organisiert.

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news-11403 Mon, 29 May 2017 12:51:44 +0200 FORVM NACHHALTIGKEIT – 1. INFO FAIR | 30. Mai 2017 | 12:00 – 15:00 | Universität Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/forvm-nachha/ Das FORVM NACHHALTIGKEIT – 1. INFO FAIR ist die diesjährige Aktion der Stiftungsuniversität Hildesheim bei den „Deutschen Aktionstagen Nachhaltigkeit“des Rates für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung. Das Studentenwerk OstNiedersachsen in Kooperation mit dem VEBU Hildesheim schließen sich mit veganem Aktionsessen in der Mensa am Hauptcampus vom 30.05. – 01.06. der Aktion an. Was hat Nachhaltigkeit mit der Universität, mit Hildesheim, mit uns zu tun? – Das Institut für Sozialwissenschaften und das GreenOffice der Universität Hildesheim laden die Hildesheimer Öffentlichkeit am 30. Mai von 12:00 bis 15:00 Uhr in das Foyer des FORVMs der Universität Hildesheim am Hauptcampus (Marienburger Höhe) ein und wagen als Bildungs- und Forschungseinrichtung den Schritt in einen öffentlichen Diskussionsprozess über nachhaltige Entwicklung.  

Auf der 1. INFO FAIR informieren Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen sowie Initiativen aus der Stadt und Universität über Theorie und Praxisarbeit rund um den Zukunftsvertrag der Vereinten Nationen– der Agenda 2030. Im Mittelpunkt stehen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (engl. Sustainable Development Goals, SDGs) sowie deren Umsetzungsarbeit bei uns vor Ort in Hildesheim.  

Von New York nach Hildesheim? – Was Ende 2015 in New York von allen 193 Vertragsstaaten der UN historisch besiegelt wurde, gilt es aktuell auf lokaler Ebene mit Tatendrang umzusetzen. Dreh- und Angelpunkt für den Erfolg der Agenda 2030 in Deutschland sind die Bundesländer, Kommunen sowie die Zivilgesellschaft, denen seit Januar 2017 mit der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie der Weg geebnet wurde.

#tatenfuermorgen    Wo stehen wir in der Informations- und Bildungsarbeit zu Nachhaltigkeit? Welche innovativen Zugänge über Musik, Comics oder auch Apps können wir nutzen, um insbesondere junge Menschen für die SDGs zu sensibilisieren? Diese neue Seite der internationalen Entwicklungsagenda fordert Wandel auf allen Ebenen ein. Dies gilt auch und insbesondere für Akteure in Bildungseinrichtungen. Wie können wir politische Prozesse zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsagenda sichtbar machen? Wie können wir über die individuellen Taten für Morgen im Alltag informieren?

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news-13371 Thu, 04 May 2017 08:43:00 +0200 Alltag im Uni-Sekretariat: kommunizieren und koordinieren https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/alltag-im-uni-sekretariat-kommunizieren-und-koordinieren/ Kommunizieren, organisieren und koordinieren gehören zum Alltag im Institutssekretariat, zählt Helga Burgemeister die Tätigkeiten auf. Sie arbeitet seit 25 Jahren als Sekretärin am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Eine Ausstellung macht ab heute auf den Arbeitsalltag und die Arbeitsbelastung von Sekretärinnen und Sekretären aufmerksam. Kommunizieren, organisieren und koordinieren gehören zum Alltag im Institutssekretariat, zählt Helga Burgemeister die Tätigkeiten auf. Sie arbeitet seit 25 Jahren als Sekretärin am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim, seit 11 Jahren auch am Institut für Literarisches Schreiben und Literaturwissenschaft. Helga Burgemeister ist eine von derzeit 52 Sekretärinnen und Sekretäre an der Hildesheimer Universität. Bis 2015 waren in den Sekretariaten ausschließlich Frauen beschäftigt, inzwischen auch ein Sekretär. Rund zwei Drittel von ihnen haben einen Arbeitsplatz in Instituten oder Dekanaten, 15 % in den Dezernaten oder der Universitätsleitung und 19 % in sonstigen zentralen Einrichtungen wie zum Beispiel dem Rechenzentrum oder dem Fundraising. Ihr Tätigkeitsspektrum ist vielfältig und reicht von der Kostenerfassung über Abstimmungen mit dem Lehrpersonal bis zur Protokollführung.

Während die Zahl der Studierenden in den Jahren 2010 bis 2015 um 33 % wuchs und die Zahl der Professorinnen und Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deutlich anstieg, erhöhte sich der Anteil des Verwaltungspersonals nur um 11 %.

Das Gleichstellungsbüro der Universität Hildesheim möchte mit einer Ausstellung auf den Arbeitsalltag und die Arbeitsbelastung von Sekretärinnen und Sekretären aufmerksam machen. „Ohne ihr permanentes Wirken im Hintergrund würden weder die Verwaltung noch die Institute im Wissenschaftsbetrieb funktionieren“, sagt Dr. Silvia Lange, Gleichstellungsbeauftragte an der Universität Hildesheim. „Dabei hat sich ihr Berufsbild in den letzten 30 Jahren total gewandelt. Aus den ehemaligen Schreibkräften wurden Expertinnen und Experten des universitären Verwaltungsapparates, die hohen und komplexen Arbeitsanforderungen genügen müssen. Vergütung und Anerkennung der Sekretariatstätigkeiten hat in der Regel nicht mit den gestiegenen Anforderungen Schritt gehalten.“ „Sekretär_innen sehen sich oft mit vielen Aufgaben gleichzeitig und mit Termindruck konfrontiert“, ergänzt Karin Burg, Dekanatssekretärin im Fachbereich Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation.

Die Ausstellung ist kostenfrei und für alle Interessierten zugänglich. Die Ausstellung wird am Donnerstag, 4. Mai 2017, um 10:00 Uhr am Uni-Hauptcampus (Gebäude I) eröffnet. Mitglieder der Universität sind auch herzlich zu einer hochschulöffentlichen Podiumsdiskussion am 10. Mai eingeladen.

Wanderausstellung „Mit Schirm, Charme und Methode – Arbeitsplatz Hochschulbüro“

  • 04. – 17. Mai 2017 am Hauptcampus der Stiftung Universität Hildesheim
  • 19. – 29. Mai 2017 am Bühler Campus der Stiftung Universität Hildesheim
  • Veranstalter ist das Gleichstellungsbüro der Stiftung Universität Hildesheim

Wer Fragen zu der Ausstellung hat, kann sich an Dr. Silvia Lange (E-Mail: langes@uni-hildesheim.de) und Karin Burg (E-Mail: dekanat2@uni-hildesheim.de) wenden.

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news-12939 Fri, 27 Jan 2017 14:36:00 +0100 Politikwissenschaft: Juniorprofessor für Politik und Internet https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/politikwissenschaft-juniorprofessor-fuer-politik-und-internet/ Neu an der Universität Hildesheim: Wolf Schünemann forscht zu Internetregulierung, Cybersicherheit und politischer Online-Kommunikation. Der Politikwissenschaftler hat in Hildesheim die Juniorprofessur für Politik und Internet inne. Wolf Schünemann hat seit Herbst 2016 an der Universität Hildesheim die Juniorprofessur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet inne.

Er lehrt und forscht zu Themen der Internationalen Beziehungen, der europäischen Integration und seit einigen Jahren auch zur Netzpolitik. Arbeitsschwerpunkte in der Forschung sind unter anderem Cybersicherheit, Internetregulierung, Datenschutz, Netzneutralität sowie EU-Referenden. Der Politikwissenschaftler hat zuvor an den Universitäten Heidelberg und Koblenz-Landau gearbeitet. In seiner Forschung befasst sich Schünemann mit der internationalen politischen Gestaltung, der Verrechtlichung und Nutzung des Internets und den entstehenden Konflikten zwischen transnationalen, grenzüberschreitenden Ansprüchen der Internetentwicklung und strukturellen nationalen Hemmnissen.

Forschungsfragen betreffen zum Beispiel die Politik im Netz: Wie verändern sich politische Kommunikation und Wahlkämpfe im digitalen Zeitalter? Wolf Schünemann untersucht das Diskursverhalten in sozialen Netzwerken, etwa im anstehenden Bundestags- und Landtagswahlkampf in Niedersachsen. „Allerdings werden der Hype und die Verunsicherung über die Rolle von Twitter und anderen sozialen Medien im Wahlkampf (siehe Trump 2016) vergehen, das wird Normalität. Überhaupt wird man in vielen Bereichen die Zwei-Welten-Logik – online/offline – aufgeben müssen“, so Schünemann.

Was bleibt, sind die drängenden Fragen der Politik für das Netz: Kann man das Internet regieren, kontrollieren? Wie kann und muss die Regulierung aussehen? Die Antworten sind von den Wertvorstellungen in den einzelnen Gesellschaften abhängig. „Ein halbes Jahrhundert nach den Anfängen des Internets, das mittlerweile zu einem Massenmedium geworden und aus dem Alltag nicht wegzudenken ist, entsteht aus der anfänglichen Euphorie ein kritischeres Bewusstsein, einschließlich zunehmender Forderungen nach politischer Regulierung“, sagt Schünemann.

Öffentliche Antrittsvorlesung

  • Thema der Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Wolf Jürgen Schünemann: „Nation und Netz. Politikwissenschaftliche Annäherungen an eine beharrliche Gemeinschaftsform“
  • Wann? Mittwoch, 1. Februar 2017, 18:00 Uhr c.t.
  • Wo? Hörsaal 4, im Forum der Universität Hildesheim, Universitätsplatz 1

In seiner Antrittsvorlesung an der Universität Hildesheim geht Wolf Schünemann auf grundlegende Fragen der gesellschaftspolitischen Gestaltung des digitalen Zeitalters ein. Der Juniorprofessor erläutert, inwiefern die Entwicklung des Internets mit Blick auf das Politische ihr zentrales Versprechen eingelöst hat, zu einer „Transnationalisierung“ beizutragen, also den Nationalstaat tendenziell zu überwinden.

Der Hildesheimer Politikwissenschaftler analysiert, wie im World Wide Web über globale Themen diskutiert wird (etwa Klimapolitik und Internetregulierung).  „Außerdem schaue ich auf die globalen Regulierungen, die das technische Funktionieren des Internets überhaupt ermöglichen. Wie etwa kommt es zu einer weltweit verbindlichen Zuweisung von IP-Adressen und Domain-Namen – etwa Uni Hildesheim und die IP-Adressen der zugehörigen Server?“, so Schünemann.

Im letzten Teil der Antrittsvorlesung analysiert der Politikwissenschaftler staatliche Regulierungsanstrengungen: Wie wird die Regulierung von Internetinhalten in Demokratien und Autokratien betrieben? „Blicken wir auf Autokratien, so beobachten wir häufig politisch motivierte Zensur. Aber auch in den Demokratien, nicht zuletzt in Deutschland, sind vermehrt Forderungen zu hören, Internetinhalte stärker zu überwachen und Anbieter zu verpflichten, Inhalte gezielt entfernen zu lassen.“ Wolf Schünemann geht auf die aktuelle Debatte über „Fake News“ und Cyberangriffe im bevorstehenden Bundestagswahlkampf sowie Landtagswahlkamp ein. Der Vortrag ist öffentlich, interessierte Bürger sind herzlich eingeladen, mit dem Professor ins Gespräch zu kommen.

Politikwissenschaftler Wolf Schünemann über Fakten in Wahlkämpfen:

„Der Faktenchecker hatte es in Wahlkämpfen schon immer schwer, weil das Wahlkampfgeschehen zum Zeitpunkt des Checks meist schon über ihn hinweggegangen ist. Faktische und andere Informationen, die in Wahlkämpfen zirkulieren, machen Wirklichkeiten aus. Wahrheit und Vernunft werden und wurden allenfalls prozedural hergestellt. Ihnen muss also im stets fortlaufenden Wechselspiel von Argument und Gegenargument für eine gewisse Dauer Geltung verschafft werden. Hierzu – und das ist der für mich entscheidende Punkt – brauchen wir Räume der Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit. Die digitalen Medien, die hochgradig fragmentierte Informations- und Kommunikationskanäle bieten, führen zu einer Zergliederung und Auflösung dieser Räume. Hier sehe ich ein gravierendes Problem für die demokratische Öffentlichkeit durch digitale Medien. Das demokratische Versprechen des Internets ist mit der Überwindung der Gatekeeper – klassischerweise Redakteure und Journalisten, die darüber entscheiden, was publiziert wird – zur politischen Öffentlichkeit verbunden. Mit der Abschaffung der Gatekeeper lösen sich auch die ‚Plätze‘ des Meinungsaustauschs und der Wahrheits- und Willensbildung auf.“

Hildesheimer Forschungsfokus „Politik und Internet“

Wer sich mit den Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft und den Verflechtungen zwischen World Wide Web und Politik befasst, landet früher oder später in Hildesheim. An der Universität hat Professorin Marianne Kneuer seit 2011 den Forschungsschwerpunkt „Politik und Internet“ aufgebaut. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen etwa, welche Rolle soziale Medien in Protestbewegungen spielen und wie Regierungen ihre Verwaltung effektiver gestalten oder ihre Bürger stärker in Partizipationsprozesse einbeziehen. Entstanden ist etwa das Buch „Soziale Medien und Protestbewegungen“ von Marianne Kneuer und Saskia Richter. Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Projekt widmet sich derzeit Strategien autoritärer Regime.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

Am Mittwoch, 1. Februar 2017, gibt der Politikwissenschaftler Einblicke in seine Forschung.

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news-12914 Sun, 15 Jan 2017 19:24:00 +0100 utopisch dystopisch auf Sendung! https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/utopisch-dys-2/ Sie haben die Tagung „utopisch dystopisch. Visionen einer 'idealen' Gesellschaft“ verpasst? Zwei Keynotes gingen im DRadio Wissen auf Sendung und können nun als Podcast heruntergeladen werden. Vom 7.-8. Oktober 2016 veranstaltete das Institut für Sozialwissenschaften an der Universität Hildesheim die interdisziplinäre Tagung „utopisch dystopisch. Visionen einer 'idealen' Gesellschaft“. Während der Tagung wurden kritische Rückblicke, Gegenwartsentwürfe und utopisch-dystopische Zukunftsentwürfe aus der Perspektive verschiedener Disziplinen thematisiert.

Die Journalistin Greta Taubert setzte sich in ihrem Vortrag mit dem Konzept des Zeitwohlstands auseinander und berichtete von einem Selbstversuch, unabhängig von Konsumgütern zu leben.

Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot stellte die Frage, wie Europa als Gemeinschaft funktionieren kann und machte Ihre Idee von einem „Europa als Republik“ stark.  

Beide Keynotes wurden im „Hörsaal“ von „DRadio Wissen“ (http://dradiowissen.de/hoersaal) ausgestrahlt und können entweder online nachgehört oder als Podcast heruntergeladen werden.

Zu den Beiträgen:

Greta Taubert: "Der Traum ist aus. Warum ich Utopien selbst ausprobiere" 

Ulrike Guérot: "Europa als Republik? Mehr als eine Utopie"

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news-12879 Mon, 09 Jan 2017 08:58:00 +0100 Wahlkampf in (a)sozialen Netzwerken? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wahlkampf-in-1/ Die Digitalen Lebenswelten beginnen im Jahr 2017 mit einem Vortrag zu "Sozialen Medien im Wahlkampf" Nach der US-Wahl mit ihrem überraschenden Ausgang wird kaum ein Thema intensiver diskutiert als die Rolle sozialer Medien in diesem und künftigen demokratischen Wahlkämpfen. Gerade mit Blick auf das besondere Wahljahr auch für die Bundesrepublik Deutschland mit mehreren Landtagswahlen und der Bundestagswahl im Herbst ist die Frage, ob soziale Medien die demokratische Auseinandersetzung hierzulande beeinträchtigen, von großer Brisanz. Passend zur Themenkonjunktur beschäftigt sich die Reihe Digitale Lebenswelten an der Universität Hildesheim mit einem ersten Vortrag im Jahr 2017 mit "Sozialen Medien im Wahlkampf". Der Duisburger Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Bieber ist ein ausgewiesener Experte für Elektronische Demokratie und Online-Wahlkämpfe. Der Vortrag wird am Dienstag, 10. Januar 2017, im Forum am Hauptcampus (Raum N007) stattfinden. Wie immer sind alle Interessierten herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

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news-12818 Thu, 29 Dec 2016 13:39:00 +0100 Internet und Politik: Soziale Medien im Wahlkampf https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/internet-und-politik-soziale-medien-im-wahlkampf/ Welche Rolle spielen soziale Medien im amerikanischen und deutschen Wahlkampf? Die Nutzung von Twitter, Facebook und Co wird auch die Bundestagswahl beeinflussen, sagen Politikwissenschaftler. Die Universität Hildesheim lädt am 10. Januar 2017 zur Debatte ein. Am Dienstag, 10. Januar 2017, spricht Professor Christoph Bieber an der Universität in Hildesheim über den amerikanischen und deutschen Wahlkampf. Dabei geht der Politikwissenschaftler der Universität Duisburg-Essen auf die Rolle sozialer Medien ein und fragt, ob der deutsche Wahlkampf anders sein wird als der amerikanische. Die USA haben einen Wahlkampf von noch nie dagewesener Schärfe erlebt. Professor Bieber ist Experte für soziale Medien in Wahlkämpfen und befasst sich zudem mit der Zeit „Nach Obama“ (das gleichnamige Buch erscheint im Frühjahr 2017). Der Vortrag ist Teil der Reihe „Digitale Lebenswelten" an der Universität Hildesheim.

„Die Nutzung sozialer Medien wird auch den deutschen Wahlkampf beeinflussen. Sehr wahrscheinlich aber in vielerlei Hinsicht anders als in den USA“, sagt Professorin Marianne Kneuer. „Welche Rolle etwa Twitter bei dem Bundestagswahlkampf spielen wird und ob populistische Tendenzen verstärkt werden, sind zwei Aspekte, die wir im Blick behalten müssen“, so die Politikwissenschaftlerin. Marianne Kneuer hat an der Universität in Hildesheim die Arbeitsgruppe Internet und Politik aufgebaut. Wolf Schünemann, seit Herbst 2016 neuer Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internet und Politik in Hildesheim, untersucht in den kommenden Monaten das Diskursverhalten in sozialen Netzwerken, etwa im anstehenden Bundestagswahlkampf und im Landtagswahlkampf in Niedersachsen.

Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten“

Die Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten: Politik – Medien – Kommunikation" richtet sich an Bürger aus der Region, an Studierende und Lehrende. Professorin Marianne Kneuer organisiert die Vorlesungsreihe gemeinsam mit den Sprachwissenschaftlerinnen Prof. Bettina Kluge und Prof. Beatrix Kreß und dem Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum. Die Wissenschaftler laden interessierte Bürger herzlich in die Universität ein, um sich über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren. Alle Vorträge sind öffentlich und kostenfrei. Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.

Der Vortrag von Professor Christoph Bieber beginnt am 10. Januar 2017 um 18:15 Uhr am Uni-Hauptcampus am Universitätsplatz 1 (Forum, Raum N007). Die Reihe endet am 31. Januar 2017 mit einem Vortrag der Hamburger Informationswissenschaftlerin Professorin Frauke Schade über Erfolgsfaktoren von Marktführern auf dem digitalen Informationsmarkt. Auf dem digitalen Informationsmarkt entwickeln sich in einem rasanten Tempo neue Geschäftsmodelle und Vertriebsstrategien für Öffentlichkeiten, die nach neuen Regeln spielen.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-12817 Sat, 24 Dec 2016 09:48:00 +0100 Radiobeitrag von Frau Prof. Dr. Kneuer am 31.12.2016 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/radiobeitrag/ Auf Bayern 2 "Orange" ist am 31.12.2016 zwischen 9.00 und 10.00 im Jahresrückblick ein Beitrag von Frau Prof. Dr. Kneuer zur Entwicklung autoritärer Regime in 2016 zu hören. Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro news-12852 Mon, 19 Dec 2016 09:20:00 +0100 Das Institut für Sozialwissenschaften wünscht frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr! https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/das-institut/ Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro news-12654 Fri, 04 Nov 2016 10:09:00 +0100 Wettstreit in der Wissenschaft: Science Slam in der Uni https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wettstreit-in-der-wissenschaft-science-slam-in-der-uni/ Auf der Bühne geben vier Professorinnen und Professoren in einem „Science Slam" Einblicke in ihre Forschung. Wie sie sich auf den Uni-Wettstreit vorbereiten? Nachgefragt bei der Theaterwissenschaftlerin Annemarie Matzke, dem Soziologen Michael Corsten, dem Chemiedidaktiker Jürgen Menthe und der Sprachwissenschaftlerin Bettina Kluge. An der Universität Hildesheim treten am Dienstag, 8. November 2016, vier Professorinnen und Professoren in einem „Science Slam" [PDF] gegeneinander an. Michael Corsten, Annemarie Matzke, Bettina Kluge und Jürgen Menthe vertreten die vier Fächer Soziologie, Theaterwissenschaft, Sprachwissenschaft sowie Chemiedidaktik. Auf der Bühne geben sie Einblicke in ihre Forschung. Mit Worten, Requisiten oder auch Live-Experimenten soll das Publikum über die Arbeit und Denkweisen in den vier Wissenschaftsdisziplinen informiert werden – am Ende entscheidet das Publikum über den besten Vortrag. Interessierte sind herzlich eingeladen. Der Science Slam beginnt um 18:00 Uhr im Audimax der Universität Hildesheim und dauert etwa zwei Stunden. Der Eintritt ist frei.

Über 600 Studierende, Lehrende und Hildesheimer Bürger verfolgten den ersten Wissenschaftswettstreit an der Hildesheimer Universität. Nun, zwei Jahre später, hoffen die Veranstalter um Vizepräsident Professor Martin Schreiner erneut auf großen Zuspruch.  „Der zweite Hildesheimer Science Slam lässt erneut viermal die Eule der Minerva mit weichen Boxhandschuhen in den Ring steigen und allgemeinverständlich sowie unterhaltsam Wissenschaft erleben", sagt Schreiner.

Den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern: Stipendium stiften

Wer die künftige Generation der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterstützen möchte, kann schon im Studium junge Leute fördern – mit dem Deutschlandstipendium. Wer die Studierenden auf ihrem Weg in die Wissenschaft unterstützen möchte, kann sich an Prof. Dr. Martin Schreiner (Vizepräsident für Stiftungsentwicklung, martin.schreiner@uni-hildesheim.de, 05121.883-11102) und Markus F. Langer von der Universitätsförderung wenden (markus.langer@uni-hildesheim.de, 05121.883-90130).

Science Slam – Wie bereiten Sie sich vor?

Die Spannung steigt, der Wissenschaftswettstreit steht kurz bevor. Isa Lange hat nachgefragt bei den vier Science Slammern:

  • Worum geht es in Ihrem Vortrag?
  • Vor welcher Herausforderung stehen Sie – der Science Slam ist ja sprachlich ein anderes Format als die übliche Vorlesung...
  • Nutzen Sie in Ihrem Vortrag nur Sprache – oder auch Requisiten, Experimente und Hilfsmittel?

Soziologe Prof. Dr. Michael Corsten:

  • In meinem Vortrag erläutere ich, weshalb die Soziologie (mein Fachgebiet) davon lebt, sich auf Distanz zur Gesellschaft zu halten, ihr in bestimmter Weise fremd zu bleiben.

  • Vor welcher Herausforderung ich stehe? Vor allem sind es nur zehn Minuten Zeit, die ich habe –  das ist ganz schön knapp. Ich hoffe, dass es mir gelingt, dem Publikum einen aus meiner Sicht ganz zentralen Satz der Soziologie auf unterhaltsame Weise nahe zu bringen.

  • Ich weiß noch nicht so recht, ob ich nur Sprache, oder auch Requisiten/Hilfsmittel im Vortrag nutze. Am liebsten würde ich es allein dem Wort überlassen. Aber vielleicht sollte doch der eine oder andere Satz über Power-Point an die Wand geworfen werden. Ich lasse mich da noch überraschen.

Theaterwissenschaftlerin Prof. Dr. Annemarie Matzke:

  • In meinem Vortrag wird es um den Theaterzuschauer gehen und darum wie auf der Bühne und im Zuschauerraum Emotionen entstehen. Dabei wird es nicht nur um das Feld der Theaterwissenschaft gehen, sondern ich untersuche auch Phänomene der Populären Kultur, der Bildenden Kunst und aus unserem Alltag.

  • Der Science Slam ist eigentlich eine Vorlesung in kondensierter Form: Auch dort geht es darum die Studierenden für ein Thema zu begeistern und das geht oft am besten auch über Humor. Da allerdings nicht 90 Minuten sondern nur 10 Minuten zur Verfügung stehen, gilt es, schnell zum Punkt zu kommen.

  • Neben Bildern und Text wird es wahrscheinlich auch Musik geben, in der Hoffnung echte Emotionen hervorzubringen.

Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Bettina Kluge:

  • In meinem Vortrag erläutere ich, dass auch „kleinere“ Wortarten wie etwa Pronomen spannend sein können. Daher der Arbeitstitel: „Wer (b)ist du?“  Denn wenn man genauer hinhört, merkt man, dass „du“ (oder „Sie“) nicht nur für die Anrede verwendet werden...

  • Vor welcher Herausforderung ich stehe? Mein Hauptproblem ist, dass ich in meiner Forschung vorwiegend zum Spanischen und Französischen arbeite und nicht davon ausgehen kann, dass diese Sprachen von allen Zuschauerinnen und Zuschauern verstanden werden. Die Beispiele, die ich gerne besprechen möchte, müssen daher eher aus dem Deutschen oder Englischen sein (und sogar hier: geht Englisch?).

  • In meinem Vortrag verwende ich auch eine Powerpoint-Präsentation, insbesondere für die Analyse von Gesprächsausschnitten. Aber ich zeige – wenn die Zeit dafür reicht, das ist noch nicht ganz klar – auch Internet-Memes zum Thema (und ja, es SIND süße Kätzchen auf den Bildern...).

Chemiedidaktiker Prof. Dr. Jürgen Menthe:

  • In meinem Vortrag erläutere ich leuchtende Beispiele chemiedidaktischer Inhalte („Let there be light“).

  • Die Herausforderung, beim Science Slam in der Universität anzutreten, ähnelt der, vor der Lehrkräfte der Chemie jeden Morgen stehen, wenn sie in der Schule einem skeptischen Publikum komplexe Sachverhalte spannend und verständlich näher zu bringen versuchen.

  • Ob ich Hilfsmittel verwende? Ich kombiniere Experimente, Sprache und Musik. Tanzen sollen aber vornehmlich die Moleküle...

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Soziologie Fachbereich 2 Medien, Theater und Populäre Kultur Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 4 Biologie & Chemie
news-12616 Sun, 30 Oct 2016 14:35:00 +0100 Digitale Lebenswelten: Soziale Medien im Wahlkampf https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/digitale-lebenswelten-soziale-medien-im-wahlkampf/ Wie kommunizieren Politikerinnen und Politiker über Twitter? Anhand des US-Wahlkampfs analysiert Patricia Yazigi die politische Kommunikation in sozialen Medien. In der Vortragsreihe „Digitale Lebenswelten" geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Einblicke in den Wahlkampf via Internet, sprechen über das Schreiben im Netz und Mehrsprachigkeit im digitalen Europa. Die Vorträge mit Diskussion sind öffentlich. Wie kommunizieren Politikerinnen und Politiker über Twitter? Patricia Yazigi befasst sich mit politischer Kommunikation in sozialen Medien. Sie analysiert in ihrem Vortrag in der Reihe „Digitale Lebenswelten" [Programm als PDF] an der Universität Hildesheim den US-Wahlkampf via Internet. Yazigi hat an der Universität in Hildesheim promoviert und in ihrer Dissertation den US-Wahlkampf 2012 auf dem Online-Netzwerk Twitter untersucht. Die Wissenschaftlerin hat die Profile von Barack Obama und Mitt Romney verglichen und sich angesehen, wie die beiden Kandidaten sich sprachlich auf 140 Zeichen positionieren mit dem Ziel, sich selbst möglichst positiv darzustellen und den politischen Gegner nach Möglichkeit gleichzeitig abzuwerten. Politikerinnen und Politiker kommunizieren im Wahlkampf nicht als Privatpersonen, sondern treten in bestimmten Rollen auf, die zum Wahlkampf passen. Inzwischen arbeitet die Hildesheimer Absolventin bei Volkswagen in Wolfsburg.

„Das Thema könnte aktueller kaum sein, wir stehen kurz vor der US-Präsidentschaftswahl. Patricia Yazigi wird auch den derzeitigen Wahlkampf ansprechen, immerhin bezeichnet die New York Times den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump als 'Titan of Twitter'“, sagt Professorin Bettina Kluge, die die Vorlesungsreihe gemeinsam mit der Politikwissenschaftlerin Professorin Marianne Kneuer, der Sprachwissenschaftlerin Professorin Beatrix Kreß und dem Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum organisiert. „Wir laden interessierte Bürger herzlich in die Universität ein, um sich über aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zu informieren und mit uns ins Gespräch zu kommen“, so Kluge.

Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten“

Die Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten: Politik – Medien – Kommunikation" richtet sich an Bürger aus der Region, an Studierende und Lehrende. Organisiert wird die Vorlesungsreihe von den Instituten für Sozialwissenschaften, Interkulturelle Kommunikation, Informationswissenschaft und Sprachtechnologie sowie dem Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Interessierte sind herzlich eingeladen. Alle Vorträge sind kostenfrei. Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen.

Der öffentliche Vortrag von Patricia Yazigi zum Thema „Facework, die sozialen Medien und der US-Wahlkampf“ beginnt am Dienstag, 1. November 2016, um 18:15 Uhr in der Aula am Bühler-Campus.

Die weiteren Vorträge der Reihe finden ab 15. November am Uni-Hauptcampus am Universitätsplatz (Neubau Raum N007) statt. Am 15. November 2016 spricht Georg Rehm vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz aus Berlin über „Mehrsprachigkeit für das digitale Europa“. Die Berliner Sprachwissenschaftlerin Anja Overbeck befasst sich am 29. November 2016 mit dem virtuellen Sprechen und digitalem Schreiben in sozialen Medien. Orientieren wir uns beim Schreiben im Netz eher an mündlichen oder an schriftlichen Vorbildern? Von welchen Faktoren ist dies abhängig (zum Beispiel Freizeitchat vs. Pressemitteilung). Professor Christoph Bieber von der Universität Duisburg-Essen spricht am 10. Januar 2017 über soziale Medien im Wahlkampf. Dabei geht der Politikwissenschaftler der Frage nach, warum der deutsche Wahlkampf anders verläuft als der amerikanische. Abschließend referiert am 31. Januar 2017 die Hamburger Informationswissenschaftlerin Professorin Frauke Schade über Erfolgsfaktoren von Marktführern auf dem digitalen Informationsmarkt.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Sozialwissenschaften Politik Fachbereich 3 Interkulturelle Kommunikation Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Informationswissenschaft und Sprachtechnologie
news-12601 Sun, 23 Oct 2016 10:48:00 +0200 Fachtag Globalisierung gestalten - Verantwortung übernehmen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/fachtag-glob/ Termin: Mittwoch, 26. Oktober 2016 9:00 Uhr bis 16:15 Uhr Wo: N-Gebäude Referenten: Workshops und Themen hier

Info: Die Darstellung von und das Verständnis für globale Zusammenhänge in der Weltgesellschaft als Herausforderung für pädagogisches Handeln und Wirken spielen seit Entwicklung und Veröffentlichung des Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung (1.Auflage 2008, überarbeitete Neuauflage 2015) eine immer größere Rolle der Aus- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften und insbesondere Lehrkräften vor dem Hintergrund einer Verstetigung des Konzepts der Ganztagsschule. Sowohl auf der curricularen, respektive fachdidaktischen Ebene, als auch auf der konzeptionell-methodischen Ebene bieten Fachtage für globales Lernen die Möglichkeit, an der Schnittstelle zu interkulturellem Lernen und Bildung für nachhaltige Entwicklung, die soziale und im weiteren Sinne politische Dimension des Lernens in einer komplex vernetzten und globalisierten Welt transparenter zu machen.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-12293 Tue, 04 Oct 2016 09:21:00 +0200 In die Zukunft denken: Wie die Welt morgen sein könnte https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/in-die-zukunft-denken-wie-die-welt-morgen-sein-koennte/ Die Wissenschaftlerinnen Irene Leser und Jessica Schwarz laden zur Debatte über Utopien und Dystopien ein. „Sowohl Politiker als auch Literaten zeichnen Szenarien von gesellschaftlichen Verbesserungen“, sagt Leser. Auf einer öffentlichen Konferenz an der Universität Hildesheim diskutieren im Oktober etwa 60 Fachleute über das wissenschaftliche und alltägliche Verständnis von gesellschaftlicher Entwicklung, technischen Innovationen und politischer Ordnung. „Meist werden Utopien in Zeiten geschrieben, in denen gesellschaftliche Umbrüche stattfinden“, sagt Irene Leser. Unter Utopien versteht die Soziologin ein „positiv gewendetes Zukunftsdenken“. Anders als ihr Gegenbild: die „Dystopie“. Dystopien sind das Katastrophendenken und Ängste eigen, sie leben vom Szenario des negativen Ausgangs.

Aber wer schreibt Utopien? „Sowohl Politiker als auch Literaten zeichnen Szenarien von gesellschaftlichen Verbesserungen“, sagt Irene Leser. Die Sozialwissenschaftlerin der Universität Hildesheim lädt im Oktober 2016 gemeinsam mit der Politikwissenschaftlerin Jessica Schwarz zur öffentlichen Konferenz „utopisch dystopisch – Visionen einer ‚idealen‘ Gesellschaft“ ein. Die Tagung nimmt das Jubiläum des vor 500 Jahren von Thomas Morus verfassten Buches „Utopia“ zum Anlass, um über das wissenschaftliche und alltägliche Verständnis von gesellschaftlicher Entwicklung, technischen Innovationen und politischer Ordnung zu diskutieren.

Etwa 60 Fachleute werden erwartet. „Wir freuen uns über das große Interesse. Wir haben Zuschriften aus den Fachdisziplinen Architektur, Film, Literatur und historische Erziehungswissenschaft bis zu Biologie, Forstwirtschaft, Migrationspolitik und Soziologie erhalten“, sagt Jessica Schwarz.

Ein Blick in das Konferenzprogramm spiegelt diese vielfältigen Annäherungen an utopisches und dystopisches Denken wider: Der Hildesheimer Politikwissenschaftler Professor David Salomon spricht über „das Utopische in der Demokratie“. „Politische Begriffe sind nie nur beschreibend, sondern sind normative, programmatische Begriffe. Sie fungieren als umkämpfte Strategiekerne in politischer Praxis“, so Salomon.

Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, spürt in seinem Vortrag der utopistischen Ader der Migrationspolitik in realem politischem Handeln nach. „Migrationspolitik hat es auch nicht leicht: So sehr sie sich auch bemüht, Widersprüchlichkeit bleibt Teil ihres Charakters. Dies liegt daran, dass nationalstaatliche Migrationspolitik per se ein utopistisches Projekt ist. Schließlich ist aus der Sicht der Migrationsforschung schon die Prämisse gewagt, dass man die Bewegung von Menschen über internationale Grenzen mittels unilateraler Maßnahmen steuern könne. Aber auch das Recht auf Asyl oder neue Entwicklungen wie ein ‚Migrationsmanagement‘,  beispielsweise  über  multilaterale Abkommen, sind im Grunde utopistische Projekte, deren vollständige Realisierung kaum jemand erwartet“, sagt Schammann.

Ein weiterer Tagungsschwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit Städten, Umwelt und Nachhaltigkeit. Über die ideale Stadt, Träume und Albträume des Städtebaus spricht Aljoscha Hofmann, Wissenschaftler am Center for Metropolitan Studies der Technischen Universität Berlin. Über „Mikro-Utopismus in der Architektur“ spricht die Berliner Doktorandin Sandra  Meirei. Der Hildesheimer Biologe Torsten Richter referiert über biologische Alterungsprozesse und die Beziehungen zwischen Mensch und Umwelt.

Weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich mit Utopien aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive. Jana Trumann von der Universität Duisburg-Essen erläutert „Perspektiven des Lebens und Lernens in Gemeinschaftsprojekten“. In seinem Vortrag „Zur Utopie des virtuellen Lernens: Was von Schule übrig bleibt“ referiert Matthias Rürup von der Universität Wuppertal über virtuelle Lernumgebungen. Über die inklusive Schule als „Ort des Möglichen“ spricht Professor Robert Schneider von der Pädagogischen Hochschule Salzburg.  Erziehungs-und Bildungsideen kommentiert Professor Hans-Ulrich Grunder von der Universität Basel („Alle gleich oder jede(r) anders?“). „In jedem utopischen Text der vergangenen fünfhundert Jahre, sei es eine Skizze oder ein Roman, finden sich Textstellen, Abschnitte oder ganze Kapitel zum Thema Kindheit und Jugend, Sozialisation und Enkulturation, Erziehung und Bildung“, sagt Grunder.

Gesellschaftspolitische Analyse: Konferenz in Hildesheim

Auf der Hildesheimer Tagung „utopisch dystopisch“ (7. und 8. Oktober 2016, Uni-Hauptcampus) analysieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Visionen einer „idealen Gesellschaft“.  In etwa 35 Vorträgen diskutieren die Fachleute, welche Innovationskraft aus utopischen und dystopischen Gesellschaftsentwürfen hervorgeht. Die Hauptvorträge halten unter anderem Greta Taubert, Buchautorin aus Leipzig, und Ulrike Guerot, Publizistin und Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems. Details zur interdisziplinären Tagung, zu einzelnen Vorträgen und zur Anmeldung finden Sie online.

Bei Fragen zur Konferenz kann man sich an Irene Leser und Jessica Schwarz vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim wenden (utopia@uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Soziologie Politik Fachbereich 2 Fachbereich 4 Biologie & Chemie
news-12465 Thu, 29 Sep 2016 10:38:00 +0200 Studie: Kommunale Flüchtlingspolitik in Deutschland https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/studie-kommunale-fluechtlingspolitik-in-deutschland/ Kommunen organisieren Wohnungen, Sprachkurse und Arbeitsgelegenheiten. Sie sind Orte der Debatte und der Begegnung. Eine Studie hat nun die Gestaltungsspielräume von Städten, Landkreisen und Gemeinden in der Flüchtlingspolitik untersucht. „Kommunen werden häufig als letztes Glied in der Kette deutscher Flüchtlingspolitik betrachtet. Dies ist jedoch eine Fehlwahrnehmung“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim und einer der beiden Autoren der Studie. Kommunen stehen im Fokus der Flüchtlingszuwanderung. Sie organisieren Wohnungen, Sprachkurse und Arbeitsgelegenheiten. Sie sind Orte der Debatte und der Begegnung. Hier entscheidet sich, ob Integration gelingt. Eine Studie der Universität Hildesheim im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung hat nun die Gestaltungsspielräume von Städten, Landkreisen und Gemeinden in der Flüchtlingspolitik untersucht. Die Expertise ist ab sofort online verfügbar [hier geht's zur Studie]. Die Autoren spüren den aktuellen Entwicklungen in der kommunalen Flüchtlingspolitik anhand zahlreicher Beispiele nach. Die Arbeit der Ausländerbehörden wird ebenso betrachtet, wie die Koordination des ehrenamtlichen Engagements, der Ausbau von KiTa-Plätzen, die Gesundheitsversorgung oder die Frage der Finanzierung. Insgesamt analysieren sie elf Handlungsfelder kommunaler Flüchtlingspolitik und entwickeln Empfehlungen für Politik und Praxis.

Kommunen gestalten Flüchtlingspolitik

„Kommunen werden häufig als letztes Glied in der Kette deutscher Flüchtlingspolitik betrachtet. Dies ist jedoch eine Fehlwahrnehmung“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim und einer der beiden Autoren der Studie. „Weil Bund und Länder ungelöste Konflikte auf die Kommune delegieren, wird die Kommune zur eigenständigen Politikgestalterin.“ Die letzten Monate hätten gezeigt, dass die Kommunen willens und in der Lage seien, Verantwortung für die Integration der Flüchtlinge zu übernehmen, so Schammann weiter. Ein Blick in die flüchtlingspolitische Praxis zeige aber auch, dass sich Kommunen ihrer Spielräume nicht immer bewusst seien. Manchmal scheuten sich Behörden auch davor, ihre Spielräume auszunutzen und verwiesen auf die vermeintliche Zuständigkeit von Land oder Bund. „Daraus entsteht dann ein Teufelskreis der Verantwortungsverschiebung“, so Schammann.

Flüchtlingszuwanderung als Katalysator für Neuorganisation vor Ort

Boris Kühn, Flüchtlings- und Integrationsbeauftragter in der kommunalen Praxis und Co-Autor der Studie, betont die schwierige Koordination zwischen verschiedenen Akteuren innerhalb der Verwaltung: „Während manche Behörden auf Integration setzen, versuchen andere in derselben Kommune eine abschreckende Wirkung zu entfalten. Mancherorts haben sich so über die Jahre unterschiedliche Handlungslogiken etabliert und zahlreiche Widersprüche angesammelt.“ Vor diesem Hintergrund sei die Flüchtlingszuwanderung des Jahres 2015 ein regelrechter Katalysator gewesen: „Das Thema steht im Fokus und man erkennt die Bedeutung eines kohärenten Vorgehens innerhalb der Kommune. Darin liegt eine große Chance.“ Es führe auch dazu, dass die Organisation lokaler Flüchtlings- und Integrationspolitik neu strukturiert wird. Kühn: „Hier ist viel in Bewegung. Wenn sich Kommunen über ihre Praxis intensiv austauschen, können sich erfolgreiche Modelle verbreiten.“

Unterstützung durch den Bund

Die Studie gibt auch Anregungen, was der Bund tun könnte, um die Kommunen in ihren anstehenden Aufgaben der Integration zu unterstützen. Für Schammann sind drei Punkte zentral: „Erstens muss der Bund seinen eigenen Aufgaben in effizienter Weise nachkommen: Schnelle Asylverfahren helfen den Kommunen ganz direkt. Zweitens sollten vorwiegend symbolische Regelungen, wie das Asylbewerberleistungsgesetz oder die Orientierung an der Bleibeperspektive, auf ihre Sinnhaftigkeit und Praxistauglichkeit überprüft werden. Sie verkomplizieren die Arbeit vor Ort und bewirken faktisch wenig. Drittens geht es darum, Integrationsprozesse von Geflüchteten nachhaltig zu unterstützen. Dazu ist neben genügend finanzieller Unterstützung auch ein enger inhaltlicher Austausch zwischen Bund, Ländern und Kommunen notwendig.“

Autoren:

Medienkontakt: Prof. Dr. Hannes Schammann, Juniorprofessur für Migrationspolitik am Institut für Sozialwissenschaften über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905).

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-12396 Mon, 26 Sep 2016 11:09:00 +0200 Vortrag auf der Dreiländertagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Politikwissenschaftler https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/vortrag-auf/ Prof. Dr. Marianne Kneuer und Raphael Peresson werden ein Papier vortragen auf der Dreiländertagung der deutschen, österreichischen und schweizerischen Politikwissenschaftler vom 29.9.-1.10.2016 in Heidelberg. Dabei geht es um die Rolle Venezuelas innerhalb der Regionalorganisation ALBA. Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro news-12290 Mon, 12 Sep 2016 18:43:00 +0200 Vom 17.09. bis zum 20.09. findet in Hildesheim die Jahrestagung der Görres-Gesellschaft statt. https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/vom-1709-b/ Am Montag, dem 19.09.2016, wird Frau Prof. Dr. Marianne Kneuer einen Vortrag zu "EU-Skeptizismus als aktuelle Konfliktlinie: Populistische Tendenzen jüngster Wahlen im Vergleich" halten. Der Vortrag beginnt um 09:15 im Hörsaal 1 und ist öffentlich.

Das ausführliche Programm finden Sie hier.

Weitere Informationen zur Görres- Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft finden Sie hier.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-12327 Tue, 06 Sep 2016 12:40:00 +0200 Politikwissenschaftlerin im Interview https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/politikwissenschaftlerin-im-interview/ Professorin Marianne Kneuer wurde zur stellvertretenden Leiterin des Weltverbandes der Politikwissenschaftler gewählt. Im Interview spricht sie über akademische Freiheit, Aufgaben der Politikwissenschaft und aktuelle Forschung zu Internetkontrolle und Strategien autoritärer Regime. Das Netz kennt scheinbar keine Grenzen, ist weltumspannend. Wer sich mit den Auswirkungen des Internets auf die Gesellschaft und den Verflechtungen zwischen World Wide Web und Politik befasst, landet früher oder später in einer kleinen Stadt in Niedersachsen.

An der Universität Hildesheim hat Professorin Marianne Kneuer seit 2011 die viel beachtete Arbeitsgruppe „Internet und Politik" aufgebaut. Nun wurde die Professorin zur stellvertretenden Leiterin des Weltverbandes der Politikwissenschaftler gewählt. Im Herbst wird zudem eine Juniorprofessur für Internet und Politik besetzt. Isa Lange sprach mit Prof. Marianne Kneuer über akademische Freiheit, Aufgaben der Politikwissenschaft, Internetkontrolle und regionale Strategien autoritärer Regime.

Nachgefragt bei Professorin Marianne Kneuer

In der  „Internationalen Vereinigung der Politikwissenschaft" (IPSA), dem Weltverband der Politikwissenschaftler, sitzen Sie unter anderem mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Brasilien, Tunesien, Großbritannien, Polen, Dänemark, Südkorea, USA, Frankreich und der Türkei an einem Tisch – Sie kommen gerade vom Jahreskongress aus Polen zurück. Wie ist die Stimmung?

Marianne Kneuer: Die Stimmung auf unserem Weltkongress war etwas gedrückt. Das hatte vielerlei Gründe. Eigentlich sollte der Weltkongress in Istanbul stattfinden. Mit unseren Weltkongressen – alle zwei Jahre in einem anderen Land – wollen wir in die Weltregionen des globalen Südens vordringen. Die Idee war, mit der ersten Konferenz im Nahen Osten ein Signal zu senden. Diese Planungen mussten wir jedoch im Februar kippen – aufgrund der Sicherheitslage, der vermehrten Anschläge und der sich zuspitzenden Situation innerhalb des Landes. Die Verlegung des Kongresses war keine schöne Entwicklung, auch nicht für die vielen türkischen Wissenschaftlerinnen und Wirtschaftler, auch Nachwuchswissenschaftler. Die Kolleginnen und Kollegen der Türkischen Vereinigung für Politikwissenschaft hatten bereits sehr viel Arbeit in den Kongress investiert und mit 4000 eine sehr hohe Anmeldungszahl. Sehr kurzfristig mussten wir den Weltkongress von Istanbul verlegen. Poznan in Polen hat es hervorragend geschafft, in kurzer Zeit diesen Kongress vorzubereiten.
Kurz vor Beginn des Kongresses haben wir dann erfahren, dass Präsident Erdogan ein Ausreiseverbot für Wissenschaftler erlassen hat und hinzu kam der Imperativ an die türkischen Akademiker, die sich im Ausland aufhielten, wieder in das Land zurückzukehren. Das hat dazu geführt, dass 100 bis 200 Wissenschaftler nicht zu unserem Kongress kommen konnten, Auch nach der partiellen Aufhebung des Ausreiseverbotes war die Lage weiterhin unklar. Die Konsequenz: Viele Kolleginnen und Kollegen aus der Türkei konnten nicht nach Polen kommen.

Und die türkischen Wissenschaftler über digitale Medien zuzuschalten, wäre ein vollkommen anderes Gefühl. Solche Kongresse leben davon, dass Sie alle an einem Tisch sitzen, diskutieren können.

Erstens das und zweitens haben sich viele türkische Kolleginnen und Kollegen für einen Vortrag angemeldet, den sie hätten halten wollten, auch über politische Entwicklungen in ihren Land. All das war schon bedrückend. Wir haben im Vorstand des Weltverbandes der Politikwissenschaftler eine Stellungnahme herausgegeben, mit der wir das Fehlen dieser Kollegen bedauern und die türkische Regierung auffordern, sich an den Regeln akademischer und demokratischer Freiheiten auszurichten. In der IPSA sind über 50 nationale politikwissenschaftliche Vereinigungen vernetzt. Man darf nicht aus dem Blick verlieren, dass Probleme der akademischen Freiheit und Probleme der Meinungsfreiheit nicht nur in der Türkei bestehen. Die Türkei ist gerade bedauerlicherweise im Fokus. Aber wir erleben weltweit noch andere und vielfältige Fälle der Verletzungen dieser Freiheiten.

Wie reagiert ein Fachverband auf diese Entwicklung?

Wir nehmen zunehmend wahr, dass akademische Freiheiten und Freiheiten im Allgemeinen verletzt werden. In den letzten drei Jahren haben wir im Weltverband der Politikwissenschaftler in einem inklusiven Prozess, der alle Beteiligten mit einbezogen hat, ein „Mission statement of academic freedom" erarbeitet. Mit diesem Grundlagendokument können wir in grundlegender, aber klarer und konkreter Form eine Handreichung geben an nationale politikwissenschaftliche Vereinigungen und andere Akteure, die sich daran orientieren können. Es ist auch ein Signal, um das Thema in den Fokus zu rücken.

Ein Papier wird die Situation leider nicht verändern und verbessern...

Wir sind auf dem Weltkongress in Pozen einen Schritt weitergegangen. Der Vorstand unter dem neu gewählten Präsidenten – der im Übrigen türkischer Nationalität ist – hat ein ad-hoc-Kommitee gegründet, um akademische Freiheit zu beobachten. Das kann natürlich nicht das Versprechen bergen, etwas konkret bewirken zu können. Wir erarbeiten derzeit Strategien, wie man überhaupt auf Verletzungen akademischer Freiheit reagieren kann. Wie kann man in Einzelfällen Kolleginnen und Kollegen, die unter Druck geraten, helfen, ohne sie gleichzeitig wiederum zu gefährden?

Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich auf solchen internationalen Konferenzen zum Beispiel?

Auf dem Kongress ging es in diesem Jahr um Ungleichheit: „politics in a world of inequality". Das Besondere an der IPSA, im Gegensatz zu regionalen Organisationen, ist, dass wir Wert darauf legen, möglichst alle Weltregionen in den vielen Hunderten Vorträgen und Diskussionen zu berücksichtigen. Es ging um wirtschaftliche Ungleichheit, aber auch um Ungleichheit in Bezug auf Geschlechter und Minderheiten, also innergesellschaftliche Ungleichheiten.

Eine portugiesische Professorin der Musikethnologie hat vor kurzem auf einem internationalen Doktorandenworkshop am Hildesheimer Center for World Music dafür plädiert, dass Wissenschaftler ihre Erkenntnisse stärker teilen sollten, etwa ihr Wissen über Kulturpolitik und kultureller Bildung. Denn Musik sei ein Element, um den Aufbau von Gemeinschaften zu ermöglichen. Welche Rolle nehmen Politikwissenschaftler in der Gesellschaft ein – wie können Sie Erkenntnisse teilen?

Optimalerweise sollten Politikwissenschaftler in die Öffentlichkeit, aber auch in die Politik hinein wirken und das anstreben. Die Politikwissenschaft versteht sich neben ihren Aufgaben der Analyse und Deskription und der Erklärung von politischen Phänomenen als eine anwendungsorientierte Wissenschaft. Es wäre wünschenswert, dass Ergebnisse und Expertisen aus der Forschung auch in die konkrete Politik hineinwirken und wahrgenommen werden von der Politik. Diese Verbindungslinien sind unterschiedlich, in den USA ist das eher üblich. Es gibt eine größere Durchlässigkeit von politischen Positionen und politikwissenschaftlichen Aufgaben. Wissenschaftler werden in die Regierung berufen oder Politiker werden später an Universitäten berufen. Condoleezza Rice, zunächst Sicherheitsberaterin, dann später Außenministerin der Vereinigten Staaten, ist Politikwissenschaftlerin an der Universität Stanford. Das gleiche gilt für den Politikwissenschaftler Zbigniew Brzeziński, er war in den 70er Jahren Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter, oder den ehemaligen Außenminister Henry Kissinger, auch er ist Politikwissenschaftler. In Deutschland gibt es diese Durchlässigkeit in dem Maße nicht.

Die gleiche Frage kann man an Bürgerinnen und Bürger richten: Hat jemand auf der Straße Interesse an Erkenntnissen aus der Politikwissenschaft? Liegt nicht eine große Chance darin, durch politikwissenschaftliche Beschreibung der Faktenlage und Erläuterung der komplexen Entwicklungen Vorurteilen und den schnellen schwarz-weiß-Bildern entgegenzuwirken, um Entwicklungen differenzierter zu betrachten?

Das ist richtig. Aber wir müssen als Politikwissenschaftler auch selbstkritisch darauf achten, dass wir unsere Ergebnisse und die daraus erwachsenden Botschaften auch so an die Öffentlichkeit oder Politik vermitteln, dass sie verständlich sind und ihre Relevanz deutlich wird. Da sind uns die amerikanischen Kollegen ein Stück voraus. Gerne sind deutsche Wissenschaftler dafür bekannt, dass sie lieber kompliziert als öffentlichkeitswirksam ihre Erkenntnisse vermitteln. Ich will damit nicht sagen, dass die Botschaften verkürzt oder vereinfacht werden sollten, aber wir müssen natürlich eine Sprache finden, mit der wir mit unseren Ergebnissen in der Öffentlichkeit ankommen können.

Der politikwissenschaftliche Weltverband nutzt auch das Netz, um Wissen zu teilen und bietet Online-Kurse an, etwa zu politischen Systemen im Vergleich und politischen Theorien. Sie haben einen Online-Kurs zu Demokratien und Autokratien erarbeitet, der in Kürze startet.

Wir möchten einen Einstieg in die Wissenschaft geben. Die Onlinekurse, sogenannte MOOCs, können jetzt erstmals eingesehen werden. Gerade junge Erwachsene und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler insbesondere aus dem globalen Süden, die nicht die Ressourcen haben, an Universitäten dauerhaft zu studieren, möchten wir ansprechen und ihnen die Möglichkeit geben, zu studieren und sie für die Politikwissenschaft interessieren. Sie finden Zugang zu wissenschaftlichen Fragen. Die Online-Kurse sind kostenlos.

Mit welcher Forschungsfrage beschäftigen Sie sich an der Universität in Hildesheim? Derzeit läuft ein DFG-Projekt zu Gravitationszentren autoritärer Herrschaft.

Seit einigen Jahren haben wir beobachtet, dass autoritäre Staaten zunehmend Einfluss gewinnen und gewinnen wollen in ihrer direkten regionalen Nachbarschaft. Das gilt für bestimmte Weltregionen wie zum Beispiel Zentralasien, Naher Osten und Südamerika um Venezuela, wo solche autoritären Cluster bestehen. Wir fragen uns in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG geförderten Projekt: Was steckt dahinter? Und führen mittels der Metapher des autoritären Gravitationszentrums ein neues Konzept ein. Demnach gibt es autoritäre Staaten, die entweder bewusst und aktiv autoritäre Elemente in ihre direkte Nachbarschaft exportieren oder die von den Staaten in ihrer Nachbarschaft als Vorbilder empfunden werden, weswegen die Nachbarstaaten die autoritären Elemente übernehmen.

Welche Elemente autoritärer Regime werden zum Beispiel verbreitet?

Gerade in Lateinamerika beobachten wir, dass Präsidenten auf nicht immer verfassungsgemäße Weise ihre Amtszeiten verlängert haben. Normalerweise haben sie eine oder zwei Amtszeiten und keine Möglichkeit der Wiederwahl. Diese Regeln bröckeln langsam: Hugo Chávez hatte damit in Venezuela angefangen, die Präsidenten in Ecuador, Bolivien und Nicaragua haben dann ähnliche Regelungen übernommen, was dazu führt, dass Präsidenten jetzt sehr lange im Amt sein können. Wir prüfen sehr viele Beispiele ab. Ein anderes Beispiel sind Techniken der Medien- und Internetkontrolle, die sich gerne verbreiten, die weitergegeben oder abgekupfert werden. Entweder wird solche Expertise von Internetkontrolle oder Internetzensur exportiert oder es gibt Länder, die ihr Internet „besser in den Griff kriegen wollen" und nach Modellen suchen, wie das gelingt. Wir versuchen herauszufinden, welche Wege dominieren. Im Herbst gehen unsere Mitarbeiter zu Feldforschungsaufenthalten in den Nahen Osten und nach Lateinamerika.

Sie haben an der Universität in Hildesheim die Arbeitsgruppe „Internet und Politik" aufgebaut und zum Beispiel untersucht, welche Rolle soziale Medien in Protestbewegungen spielen. Sie haben in den vergangenen Jahren renommierte Wissenschaftler nach Hildesheim holen können.

Wir stellen uns derzeit neu auf: Im Herbst wird die Juniorprofessur für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internet und Politik nach einjähriger Vakanz wiederbesetzt. Im Oktober 2016 beginnt der Heidelberger Politikwissenschaftler Dr. Wolf Schünemann mit seiner Forschung und Lehre zu Netzpolitik an der Universität Hildesheim.

Welcher Frage gehen Sie zum Beispiel nach? In Hildesheim haben Sie untersucht, wie auf lokaler Ebene das Netz genutzt wird, um eine Plattform für mehr Mitsprache zu bieten.

Ich untersuche derzeit, wie E-Government- und E-Participation-Elemente genutzt werden. Mit ihnen können Regierungen ihre Verwaltung effektiver gestalten oder ihre Bürger stärker in Partizipationsprozesse einbeziehen, was zum Beispiel mit dem Bürgerhaushalt auch in Hildesheim versucht wurde. Ich untersuche, wie sich solche Instrumente global verbreiten. Wo sind Vorreiter, welche Länder übernehmen schneller und aktiver Elemente wie E-Government und E-Participation? Interessant ist etwa, dass Südkorea seit einigen Jahren hierbei führend ist.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person: Politikwissenschaftlerin Marianne Kneuer

Prof. Dr. Marianne Kneuer ist seit 2011 Professorin für Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. An der Universität Hildesheim hat sie den Forschungsschwerpunkt „Politik und Internet“ etabliert.

Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Demokratie-, Europa- und Autokratieforschung und vergleichenden Regimeforschung. Regionale Schwerpunkte sind Süd- und Osteuropa. 2016 hat Marianne Kneuer gemeinsam mit Hans-Joachim Lauth und Gert Pickel das knapp 1000 Seiten starke „Handbuch Vergleichende Politikwissenschaft" (Springer Verlag) herausgegeben.

Professorin Marianne Kneuer ist die deutsche Vertreterin in der Weltvereinigung für Politikwissenschaft, der „International Political Science Association" (IPSA), und wurde am 28. Juli 2016 erneut in das „Executive Committee" gewählt. Zudem wurde sie zur Stellvertreterin des ebenfalls neu gewählten IPSA-Präsidenten Prof. Dr. Ilter Turan (Bilgi Universität Istanbul) ernannt.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften
news-12323 Mon, 05 Sep 2016 18:16:00 +0200 Das Team des DFG-Projektes "Authoritarian Gravity Centers" wird auf dem Kongress der europäischen Politikwissenschaftler (ECPR) in Prag (7.-9.9.) mit einem Vortrag vertreten sein. https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/das-team-des/ Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro news-12314 Wed, 24 Aug 2016 15:15:00 +0200 Informationen zur Kommunalwahl und zu der Idee des "buen vivir" in einfacher und leichter Sprache https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/informatione-1/ Im Rahmen eines Studierenden- und Qualifizierungsprojektes wurden Hinweise zur Kommunalwahl in Niedersachsen und zu der Idee des "buen vivir" aus Lateinamerika in einfacher und leichter Sprache erstellt. Die Ergebnisse können Sie hier einsehen: Hinweise zur Kommunalwahl in einfacher Sprache [Faltblatt Wählen].

Hinweise zur Kommunalwahl als Infoheft in leichter Sprache [Kommunalwahl Broschüre] und als Druckversion [Kommunalwahl Broschüre Druckversion].

Hinweise zur Idee des "buen vivir" [Buen Vivir] und als Druckversion [Buen Vivir Druckversion].

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news-12285 Mon, 22 Aug 2016 15:24:00 +0200 Das Fach Politikwissenschaft verstärkt die Kooperation mit lateinamerikanischen Universitäten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/das-fach-pol/ Auf Initiative von Prof. Dr. Marianne Kneuer wurde eine Kooperation mit der Universidad Simón Bolívar in Caracas, Venezuela, abgeschlossen. Des Weiteren wird Prof. Kneuer Gespräche in Chile führen, um auch dort mögliche Kooperationen auszuloten. Vom 8.bis 15.September wird sie dazu in Santiago de Chile Gespräche an verschiedenen Universitäten des Landes sowie think tanks führen.

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news-12182 Thu, 04 Aug 2016 09:43:00 +0200 Wiederwahl in das Executive Commitee der International Political Science Association https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wiederwahl-i/ Prof. Dr. Kneuer, deutsche Vertreterin in der Weltvereinigung für Politikwissenschaft (IPSA), ist am 28.7.2016 in das Executive Committee wiedergewählt worden. Sie wurde außerdem zur First Vice President ernannt & somit zur Stellvertreterin des neuen Präsidenten Ilter Turan. Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro news-12020 Sun, 19 Jun 2016 13:15:00 +0200 FÜNFTE AUSGABE DER NACHRICHTEN IN EINFACHER SPRACHE https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/fuenfte-ausga/ Die fünfte Ausgabe der Nachrichten in einfacher Sprache ist erschienen. Sie können die Ausgabe HIER herunterladen.

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news-11844 Wed, 25 May 2016 19:25:00 +0200 Hannah Arendt Tage 2016 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/hannah-arend/ Vortrag und Podiumsdiskussion: "Im Kern solidarisch? Politik auf dem Prüfstand" Prof. Dr. Marianne Kneuer Anlässlich der der Auftaktveranstaltung der Hannah Arendt Tage 2016 hat Frau Prof. Dr. Marianne Kneuer am 27.04.2016 einen Vortrag zum Thema "Im Kern solidarisch? Politik auf dem Prüfstand" gehalten.

Audiomitschnitte des Vortrags finden Sie hier.

Ausschnitte der anschließenden Podiumsdiskussion finden Sie als Video hier.

Für weitere Informationen empfehlen wir Ihnen den Besuch der Homepage: www.hannah-arendt-hannover.de

 

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news-11841 Wed, 25 May 2016 19:09:00 +0200 VIERTE AUSGABE DER NACHRICHTEN IN EINFACHER SPRACHE https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/vierte-ausga/ Die vierte Ausgabe der Nachrichten in einfacher Sprache ist erschienen. Sie können die Ausgabe hier herunterladen.

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news-10960 Wed, 18 May 2016 16:08:00 +0200 DRITTE AUSGABE DER NACHRICHTEN IN EINFACHER SPRACHE - DIESMAL ZUM THEMA BUNDESTEILHABEGESETZ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/dritte-ausga/ Die dritte Ausgabe der Nachrichten in einfacher Sprache ist erschienen. Sie können die Ausgabe hier herunterladen.

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news-11831 Fri, 13 May 2016 10:45:00 +0200 Bildungswege: Studium nach der Flucht? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/bildungswege-studium-nach-der-flucht-1/ Forscher der Universität Hildesheim haben Angebote deutscher Hochschulen für Studieninteressierte mit Fluchterfahrung untersucht: Die qualitative Erhebung fand an neun deutschen Hochschulen statt, darunter sieben Universitäten und zwei Fachhochschulen. Aus den Befunden der Studie „Studium nach der Flucht" haben die Autoren 15 Handlungsempfehlungen formuliert. Diese richten sich primär an die Hochschulen selbst, aber auch an die Landes- und Bundespolitik. Hildesheim – Seit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen im Jahr 2015 engagieren sich viele deutsche Hochschulen für Asylsuchende. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Geflüchteten die Aufnahme oder Fortsetzung ihres Studiums ermöglicht werden kann. Es geht darum, Potenziale der neu Zugewanderten zu heben und ihnen eine Perspektive zu geben.

Eine Studie der Universität Hildesheim, gefördert von der Stiftung Mercator, hat die Angebote für Studieninteressierte mit Fluchterfahrung nun erstmals untersucht. Die qualitative Erhebung fand an neun deutschen Hochschulen statt, darunter sieben Universitäten (Bremen, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Freiburg, München, Oldenburg) und zwei Fachhochschulen (Lübeck, Magdeburg-Stendal). Analysiert wurden Ausprägung und Zielgruppen der Angebote, aber auch Konfliktlinien und organisatorische Herausforderungen.

Von der Gasthörerschaft für alle zur Studienvorbereitung für wenige

Im Sinne einer „Soforthilfe“ öffnete die Mehrheit der untersuchten Hochschulen zunächst die Gasthörerprogramme für alle Geflüchteten. Hinzu kamen Deutschkurse, Mentoren-Projekte oder Sportangebote. Ziel war es anfangs vor allem, den Flüchtlingen Beschäftigung im Alltag zu geben. Mittlerweile lässt sich aber eine Konzentration auf das „Kerngeschäft“ der Hochschulen ausmachen: „Die Hochschulen wählen ihre Zielgruppe heute viel bewusster aus als noch vor wenigen Monaten. Dabei spielen Studierfähigkeit und aufenthaltsrechtliche Bleibeperspektive eine wichtige Rolle“, so Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik in Hildesheim und Leiter der Studie. „Die Zeit der reinen Beschäftigungsprogramme ist vorbei.“

Ein Beispiel für diesen Wandel ist die Universität Bremen, die bereits seit 2014 ein Gasthörerprogramm angeboten hatte. Zum Wintersemester 2016 stellt sie ihr Angebot komplett um. Demnächst gibt es ein „Hochschulbüro“ für ganz Bremen, bei dem sich Geflüchtete beraten lassen können.

Engagement von Mitarbeitenden und Studierenden treibt Öffnung voran

Alle untersuchten Angebote haben ihre Wurzeln im freiwilligen Engagement von Studierenden, Dozierenden oder Verwaltungsmitarbeitenden. Ihre Motivation ist es, sich an der Flüchtlingsaufnahme beteiligen zu wollen, wie ein Zitat aus einem der Interviews belegt: „Es geht um Humanität. Also ernst gemeinte Integration.“

Kooperationen notwendig – aber ausbaufähig

Bislang werden Synergien mit Integrationsangeboten außerhalb des Campus nur punktuell genutzt, vereinzelt entstehen sogar Konkurrenzen. Besuchen anerkannte Flüchtlinge beispielsweise einen Deutschkurs an der Hochschule anstatt des offiziellen Integrationskurses des Bundes, kann das dazu führen, dass sie gegen ihre „Integrationskurspflicht“ verstoßen – und Leistungen gekürzt werden. Hannes Schammann betont daher: „Es ist wichtig, dass sich Hochschulen als Teil der lokalen Flüchtlings- und Integrationsarbeit begreifen.“

Auffällig ist, dass die untersuchten Fachhochschulen wesentlich intensiver mit Akteuren aus der Praxis zusammenarbeiten als die Universitäten. In Magdeburg-Stendal steht eine intensive Kooperation mit dem JobCenter im Vordergrund, in Lübeck die Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. „Von den effizienten Kooperationen zwischen Fachhochschulen und Integrationspraxis können die Universitäten lernen“, so Schammann.

Empfundene Rechtsunsicherheit hemmt Öffnungsprozesse

Das Leben geflüchteter Studieninteressierter ist durch besondere rechtliche Herausforderungen gekennzeichnet. Wegen der „Wohnsitzauflage“ haben sie manchmal besonders lange und umständliche Anfahrtswege. Außerdem haben sie selbst nach erfolgreicher Anerkennung als Flüchtling erhebliche Schwierigkeiten, um das Studium zu finanzieren: Sie erhalten wegen der kurzen Zeit in Deutschland selten BAföG, verlieren aber bei einer Immatrikulation alle Sozialhilfeansprüche („BAföG-Falle“). An den untersuchten Hochschulen war vor diesem Hintergrund eine große Unsicherheit hinsichtlich rechtlicher Spielräume festzustellen. Da es bislang kaum Leitlinien für die Verwaltungspraxis gibt, wird eine zurückhaltende, tendenziell restriktive Auslegung begünstigt. Schammann: „Die Hochschulen wünschen sich hier Hilfe von Bund und Land.“

Weg ins Studium ist weit

Die rechtlichen Hürden und die notwendigen Sprachkenntnisse bedeuten, dass der Weg ins Studium für die meisten Flüchtlinge noch weit ist. „Die Hochschulen warnen daher vor der überzogenen Erwartung, sie könnten eine Art ‚Integrationsturbo‘ sein“, so Schammann. Die untersuchten Hochschulen stellten sich daher auf einen langen Prozess ein. Dies unterstreicht ein Zitat aus den Interviews: „Rasches Futter für die Wirtschaft kann nicht geliefert werden.“

Handlungsempfehlungen für Hochschulen und Politik

Aus den Befunden haben die Autoren gemeinsam mit Praktikern 15 Handlungsempfehlungen formuliert. Diese richten sich primär an die Hochschulen selbst, aber auch an die Landes- und Bundespolitik. Die Handlungsempfehlungen können, wie die gesamte Studie, unter diesem Link als PDF abgerufen werden.

Die Stiftung Mercator engagiert sich für mehr Bildungsgerechtigkeit im deutschen Schul- und Hochschulsystem und hat die Studie vor diesem Hintergrund unterstützt. „Bildung ist die zentrale Voraussetzung für die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund. Sie ist daher auch für die Integration von Flüchtlingen elementar. Viele Geflüchtete bringen großes Interesse an einem Studium mit, dem die deutschen Hochschulen verantwortungsvoll begegnen können. Die von uns geförderte Studie hat hierfür einige wichtige Ansatzpunkte identifiziert", sagt Dr. Felix Streiter,  Leiter Bereich Wissenschaft der Stiftung Mercator.

Die Autoren: Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim / Christin Younso, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-11829 Thu, 12 May 2016 13:58:00 +0200 ZWEITE AUSGABE DER NACHRICHTEN IN EINFACHER SPRACHE - DIESMAL ZUM THEMA TTIP https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/zweite-ausga/ Die zweite Ausgabe der Nachrichten in einfacher Sprache zum Thema TTIP ist erschienen. Sie können die Ausgabe hier herunterladen.

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news-11762 Thu, 05 May 2016 08:49:00 +0200 TESTPHASE NACHRICHTEN IN EINFACHER SPRACHE https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/testphase-na/ Im Mai 2016 läuft eine Testphase des Versuchs Nachrichten im Hildesheimer Raum leichter zugänglich zu machen - ein Projekt, das Marion Tiede vom Behindertenbeirat Hildesheim, Susanne Müller-Forwergk von AWO Trialog Hildesheim und das Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim auf der Grundlage einer Untersuchung zu Barrieren im Alltag bei Befragungen von Klientinnen und Klienten bei AWO Trialog gemeinsam ins Leben gerufen haben. Jede Woche erscheinen ausgewählte Nachrichten in einfacher Sprache mit einem mehrheitlich regionalen Bezug. Wir freuen uns über thematische Anregungen, die wir versuchen werden in die Ausgaben der wöchentlichen Nachrichten zeitnah einzubinden. Willkommen sind uns auch Anregungen zu einem Namen für die wöchentlichen Nachrichten.

Es handelt sich um ein nicht ausschließlich internetgebundenes Projekt: Die Ausgaben der wöchentlichen Nachrichten können auch in Druckform angefordert werden. Hierfür bitten wir um Rückmeldung per Mail an schwa010@uni-hildesheim.de (Postadresse und benötigte Anzahl). Bitte beachten Sie, dass bei einem Erscheinen der Nachrichtenausgabe am Mittwoch der Postweg i.d.R. sicherlich einen Tag in Anspruch nehmen wird, so dass die Ausgaben im besten Fall Donnerstag, ggf. aber auch erst Freitag zugestellt werden. Die erste Ausgabe können Sie hier lesen.

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news-11527 Fri, 18 Mar 2016 08:58:00 +0100 Buen vivir - Vom Recht auf ein gutes Leben - Alberto Acosta zu Gast in Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/buen-vivir/ Am 26. April liest Alberto Acosta auf Einladung des Instituts für Sozialwissenschaft und des UNESCO Chair for Cultural Policy for the Arts in Development, des Bistums Hildesheim, des Kirchlichen Entwicklungsdienst der evangelisch-lutherischen Landeskirchen in Braunschweig und Hannovers, des Verbands Entwicklungspolitik Niedersachsen e.V., der Stiftung Leben und Umwelt und des Michaelis Weltcafés aus seinem Buch "Buen Vivir - Das Recht auf ein gutes Leben", erschienen 2015 im oekom Verlag. Begleitet wird die Veranstaltung von Musikern der "Grupo Sal".

19.00 Uhr: Konzertlesung im Weltmusikzentrum der Universität Hildesheim, Timotheuskirche / Schillstraße, mit dem Programm: „Buen Vivir – Das Recht auf ein gutes Leben“.Eintritt 8 / ermäßigt 5 Euro; Abendkasse: 9 / 6 Euro. Vorverkauf bei Ameis Buchecke und im Michaelis Weltcafé im Michaelisviertel.
Führungen im Weltmusikzentrum bereits ab 17h.
Der Termin in Hildesheim ist die Auftaktveranstaltung der Konzertlesungen in Deutschland.

Am 27. April wird in der Zeit von 10-12h eine Podiumsdiskussion im Riedelsaal der VHS mit Alberto Acosta zum Thema Buen Vivir – “Gutes Leben” live und konkret stattfinden:
„Buen vivir“ – das „Gute Leben“ ist eine Lebensanschauung der indigenen Völker Südamerikas. Sie erhält wachsende Aufmerksamkeit im Zuge der Frage, wie wir als Industriegesellschaft in Zeiten des Klimawandels und einer ungebremsten Wirtschaftsexpansion leben und handeln sollten. Alberto Acosta, Professor für Ökonomie, war Minister für Energie und Bergbau in Ecuador. Weltweite Bekanntheit erlangte er, als es ihm 2008 gelang, als Präsident der verfassungsgebenden Versammlung das „Buen vivir“ als Staatsziel in das neue Grundgesetz Ecuadors zu integrieren. Andere Länder wie z.B. Bolivien folgten diesem Vorbild.Wie „funktioniert“ Buen vivir? Können wir diese Konzeption in abgewandelter Form auch in unsere westliche Wirtschaft und Gesellschaft einbinden? Wo liegen Grenzen?
Eintritt frei

Den Flyer zu den Veranstaltungen finden Sie HIER.

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news-11428 Sat, 27 Feb 2016 10:30:00 +0100 Bildungs- und Sozialforschung: Wie wir uns der Realität annähern https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/bildungs-un/ Ob in der Kita, Familie oder Schule, im Jugendzentrum oder im Altenheim: Wer ethnographisch forscht, beobachtet vor Ort, was sich abspielt, sagt Professorin Kathrin Audehm. Etwa 170 Fachleute tagen an der Uni Hildesheim: Wie gewinnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten im „Feld“, wie halten sie dennoch Distanz? Sie gehen raus – ihre Forschung findet nicht am Schreibtisch statt, sondern in der Wirklichkeit, im „Feld". Im Wohnzimmer einer Familie, in der Kinder mehrsprachig aufwachsen. In der 2. Schulklasse, die sich um ein gutes Klassenklima bemüht. Während einer Schulkonferenz, in der Zeugnisnoten besprochen werden. In einer WG der Jugendhilfe, die Jugendliche auf dem Weg in das Erwachsenenleben unterstützt.

Wer ethnographisch forscht, nimmt teil, hält Beobachtungen schriftlich fest und wertet die Daten dann aus und schreibt. Die Methoden sind mittlerweile vielfältig. Während Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich heute eher wiederholt und für jeweils kürzere Zeit in einheimische Felder begeben oder transnational und vergleichend beobachten, bedeutete ethnographische Feldforschung vor 100 Jahren noch einen langen Aufenthalt von etwa zwei Jahren in einer fremden Kultur.

„Bestimmte Dinge lassen sich nur schwer erfragen, sind den Befragten oft auch nicht bewusst oder eine Erwähnung wert, wie zum Beispiel Körperhaltungen und Bewegungen in Gebäuden und auf Plätzen, Selbstverständliches oder Gewohntes, die Routinen und tatsächlichen Regeln des Alltags. Die ethnographische Forschung trägt Daten nicht von außen an ihre Forschungsfelder heran, sondern beobachtet direkt vor Ort, was sich abspielt", so die Erziehungswissenschaftlerin Kathrin Audehm. „Dabei können immer Überraschungen passieren. Es kommt darauf an, sich auf diese einzulassen und nicht mit vorgefassten Meinungen und Überzeugungen ins Feld zu gehen und diesen zu folgen. Die Schwierigkeit besteht darin, eine Nähe zu den Personen im Feld aufzubauen, zu ihren Ansichten und Aussagen, ihren Rhythmen, ihren Zeiten und Orten und dennoch reflexive Distanz zu wahren", sagt die Hildesheimer Professorin.

In dieser Woche kommen etwa 170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur fünften Tagung der deutschsprachigen ethnographischen Bildungs- und Sozialforschung an der Universität Hildesheim zusammen.

Die Fachleute reflektieren dabei den eigenen Zugang zum „Feld": Wie erforscht man, was in Kindergärten, Schulen und Jugendeinrichtungen oder in Familien geschieht?

Die Fachleute befassen sich auf der Tagung „Ethnographie der Praxis – Praxis der Ethnographie" (22. bis 24. Februar 2016, Programm und Abstracts online) mit der Frage, wie sie Themen entwickeln, welche empirische Forschungsfelder in das Blickfeld der Wissenschaft geraten und welche Haltung sie zum Feld einnehmen. Sie reflektieren die Eigenart und Standards ethnographischer Analysen und Beschreibungen.

Professor Georg Breidenstein (Halle) spricht auf der Tagung über die ethnographische Forschungspraxis, die sich „in vielen Varianten um Praktiken der Feldforschung, manchmal auch der Datenanalyse dreht". Der Erziehungswissenschaftler beschäftigt sich mit der Frage, wie Forscher Daten gewinnen und wieder auf Distanz zum Feld gehen, wie sie an Protokollen arbeiten und Überraschungen entdecken. Sein Vortrag beschäftigt sich mit Routinen in der Forschung und dem „Interpretieren" von Beobachtungsprotokollen.

Wie erhalten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zugang zum Feld und mit welcher Haltung gehen sie ins Feld? Mit dieser Frage befasst sich der Hildesheimer Erziehungswissenschaftler Peter Cloos. Der Professor für frühe Kindheit hat unter anderem untersucht, wie Lernprozesse in Kitas dokumentiert werden und wie Kinder auf Beobachtung reagieren.

Mit der Rolle der Forscherin bzw. des Forschers im Forschungsprozess beschäftigen sich Katharina Mangold und Hanna Rettig. Sie zeigen anhand ihrer Dissertationsprojekte, in denen sie sich mit Jugend und transnationalen Erfahrungen beschäftigen, ob die Anwesenheit der Forscherin das Geschehen beeinflusst. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen verwenden den Begriff „inbetween" und sehen es als Leistung des Ethnographen/der Ethnographin, die Spannung zwischen Teilnahme und Beobachtung und zwischen Drinnen- und Draußen-Sein aufrechtzuerhalten.

Über die eigenen Rollen im Feld spricht auch die Berliner Wissenschaftlerin Grit Petschick. Die Feldforschung stellt Bedingungen an die Forschenden, neben Ort und Zeit sind dies Fragen der Finanzierung (Wie viel Feldforschung wird finanziert?) und allgemeine formale Fragen des Zugangs zum Feld. Ist eine Familie, eine Schulklasse, ein Altenheim etwa bereit, die Türen zu öffnen für die Forschung? „Auch andere Faktoren, wie das Alter der Forschenden und ihre bisherige Ausbildung können eine Rolle für die Position im Feld spielen und damit zwischen Nähe und Distanz bzw. beobachtender Teilnahme und teilnehmender Beobachtung entscheiden", so Petschick.

Die Konferenz greift auch internationale Fragen auf. In dem Vortrag „Paris. Eine soziale Geographie der Gewalt" befasst sich Fabien Jobard vom Centre Marc Bloch (Berlin) mit den Terroranschlägen in Paris im November 2015. Die neuere Gewaltforschung weist seit einigen Jahren auf die entscheidende Rolle des Raumes in der Entstehung und Entfaltung von Gewalt hin, sagt Jobard. In solchen „Gewalträumen" präge physische Gewalt den Alltag und die Wahrnehmungen der Menschen. In seinem Vortrag widmet sich der Politikwissenschaftler einem „friedlichem Raum, der aber von einer hohen Gewaltintensität auf einer sehr engen Fläche betroffen wurde".

„Wir erwarten spannende Vorträge und Diskussionen und erhoffen uns auch Anregungen für unser nächstes Hildesheimer Projekt. Jessica Schülein und ich wollen die materiellen Dimensionen der Schulkultur einer Ganztagsschule erforschen. In einer ethnographischen Einzelfallstudie wollen wir untersuchen, welche Bedeutung Architekturen, Räume, der Umgang mit Mobiliar und Medien, die Kleidung, Gesten oder das gemeinsame Mittagessen für die Hervorbringung von Geschlechtlichkeit haben", blickt die Erziehungswissenschaftlerin Kathrin Audehm auf anstehende Forschung. Die Professorin arbeitet auf dem Gebiet der pädagogischen Anthropologie und ethnographischen Bildungsforschung. Sie analysiert unter anderem Macht- und Autoritätsverhältnissen in pädagogischen Institutionen und Organisationen. Kathrin Audehm hat im Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ an der Freien Universität Berlin mitgewirkt und in der „Berliner Ritualstudie" untersucht, wie Rituale und Gesten in Bildung und Erziehung wirken. Die Forscherinnen und Forscher sind „ins Feld gegangen" und haben Familien, Jugendeinrichtungen und Schulen aufgesucht. Audehm hat dabei vor allem Rituale in Familien erforscht und betrat damals wissenschaftliches Neuland, denn solche Analysen lagen bisher in Deutschland nicht vor.

Wer sich für ethnographische Bildungsforschung interessiert, kann Kontakt zu Prof. Dr. Kathrin Audehm aufnehmen (05121.883-10110, ethno@uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-11186 Thu, 21 Jan 2016 11:50:00 +0100 Welche Rolle spielen soziale Medien in Protestbewegungen? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/welche-rolle-spielen-soziale-medien-in-protestbewegungen/ Virtuell mitfühlen und organisieren: Wie tragen Twitter, Facebook und Co zur inhaltlichen Debatte während Protestbewegungen bei? Nachgefragt bei Professorin Marianne Kneuer von der Arbeitsgruppe „Politik und Internet“. Analysen der Politikwissenschaftlerin zeigen, dass soziale Medien überwiegend genutzt werden, um Protest zu organisieren. „Die Erwartung, dass soziale Medien neue Räume für inhaltliche Debatten eröffnen, lässt sich nicht bestätigen“, so Kneuer. Ergebnisse aus der Studie „Soziale Medien in Protestbewegungen“ werden am 26. Januar 2016 an der Universität Hildesheim vorgestellt. Mit Twitter, Facebook, whatsapp und Blogs kann sich scheinbar jeder mit jedem auf globaler Ebene vernetzen. Sie haben sich das näher angeschaut und untersucht, wer sich zu Wort meldet und wie während der weltweiten Finanzkrise seit 2011 unter anderem in Deutschland, Großbritannien und den USA, Spanien und Portugal kommuniziert wurde. Was beobachten Sie? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Protestbewegungen und der Nutzung sozialer Medien?

Marianne Kneuer: Die Protestbewegungen von 2011 wurden vorschnell als neues Phänomen globalen Aktivismus betrachtet. Die Proteste in Südeuropa und vor allem die Occupy-Bewegung  schienen die globale Antwort auf ein globales Problem zu sein, nämlich die Banken- und Finanzkrise. Immer schon gehegte Hoffnungen in das Entstehen einer globalen Bürgerschaft schienen mit dem transnationalen Medium umsetzbar: das Internet als Katalysator für den Weltbürger, der nicht nur Informationen teilen, sondern sich als Teil einer (größeren) Gemeinschaft fühlen und letztlich Teilnehmer von gemeinsamen Aktionen werden kann. Durch Vernetzung, Echtzeit-Kommunikation und Interaktivität schien der Weg zu globalem Engagement bereitet.

Unsere Untersuchung zeigt: Tatsächlich waren die Beiträge im Netz deutlich weniger transnational ausgerichtet als vermutet. Die transportierten Botschaften beziehen sich überwiegend auf nationale Belange. Das schließt freilich nicht aus, dass die einzelnen Bewegungen untereinander stark vernetzt waren und sich gegenseitig wahrgenommen und ausgetauscht haben. Dennoch bezogen sich die Gegenstände der Beiträge – ob Wort, Bild, Link – auf nationale Kontexte. Globale Akteure – wie IWF und Weltbank – oder Themen wurden dagegen kaum adressiert. Auch die Reaktionen der Nutzergemeinde (likes, shares und comments) blieben überwiegend im nationalen Raum. Eine transnationalisierte Kommunikation als Weg, um sozusagen eine globale Antwort auf die globale Banken-, Finanzkrise und ihre Folgen zu formulieren, ist somit nicht zu erkennen.

Welche Funktion genau haben soziale Medien während der Proteste nach der Finanzkrise gespielt? Tragen sie zur inhaltlichen Debatte bei?

Legt man die Erwartung zugrunde, dass soziale Netzwerke den Raum für breite inhaltliche Debatten, für die Erarbeitung oder Diskussion von Lösungsvorschlägen bieten, so wird man eher ernüchtert, denn bei der von uns untersuchten Online-Kommunikation in den Protestbewegungen dominierte auf Facebook das „liking“ und auf Twitter das „retweeting“.

Die anspruchsvollere Möglichkeit von Kommentaren wurde dagegen bei beiden Plattformen am wenigsten genutzt. Ein virtueller Raum öffentlicher Beratschlagung (Deliberation) entstand nicht. Überhaupt dominierten auf den untersuchten Facebook- und Twitter-Seiten 2011 nicht die politische inhaltliche Auseinandersetzungen, sondern organisatorische Aspekte; diese wiederum meist mit lokalem Bezug.

Und auch die Verbreitung von Emotionen oder Symbolen und die Mobilisierung von Aktivisten spielten eine wichtigere Rolle als Debatten. Das muss nicht heißen, dass keine programmatischen und inhaltlichen Diskurse in den Protestbewegungen existierten. Wenn, dann aber möglicherweise in kleineren Kreisen oder in geschlossenen Foren. Das aber spräche gegen das Aufkommen einer globalen Öffentlichkeit, denn nur solche auf Grund ihres breiten Vernetzungsgrad relevanten sozialen Netzwerke wie Facebook und Twitter könnten für eine entsprechende Verbreitung sorgen.

Wie stark werden Symbole und Emotionen verbreitet, zum Beispiel Gefühle wie Empörung über Banken oder auch Verunsicherung mit dem politischen System und seinen Reaktionen auf die Finanzkrise?

Wir hatten erwartet, dass sich der stark emotionale Charakter der Empörungsbewegung – Wut, Enttäuschung, Empörung – deutlich in den Inhalten der Online-Kommunikation niederschlägt. Das war insgesamt weniger der Fall als erwartet. Sowohl bei Facebook als auch bei Twitter gehören ausschließlich emotionsbezogene Inhalte weniger zur Kommunikation als organisatorische Fragen und sogar als inhaltlicher Diskurs. Interessant aber war, dass vielen der Beiträge, die sich zuvorderst organisatorischen Fragen widmeten, oder teilweise auch inhaltlichen Beiträgen Emotionen beigemischt waren.

Ist denn ein like oder ein retweet zu „schwach“, um diese Funktion der politischen Teilhabe und Mitgestaltung zu erfüllen? Immerhin werden Informationen verbreitet – schnell, ungefiltert können sie viele erreichen.

Dazu drei Punkte: Erstens – Wir bezeichnen die Protestbewegungen von 2011 als „hybride Phänomene“. Damit meinen wir, dass diese Bewegungen am meisten Wirkungskraft entfalteten, als es sowohl die physische Präsenz der Zeltlager und Demonstranten gab als auch der virtuelle Protestraum im Netz genutzt wurde. So lautet eine Interpretation der niedrigen Nutzung sozialer Medien für Diskurs, dass Diskurs in den Zeltlagern, den Versammlungen und Kommissionen stattfand und dass dort auch die affektive Seite durch das Zusammenleben und Erleben des Protests abgedeckt wurde. Unsere Ergebnisse bestätigen dies: Vor allem die Veränderungen im Zeitverlauf (von 2011 zu 2012) zeigen eine Verlagerung von dem realen in den virtuellen Raum. Während 2011 noch die organisatorischen Aspekte im Vordergrund standen, nahmen 2012 sowohl diskursorientierte als auch affektiv-symbolische Inhalte in 2012 zu. Wir sehen darin eine Transformation der Empörungsbewegungen von dem „heißen“ Protestjahr 2011 in die Nachfolgezeit. Es scheint sehr plausibel, dass der 2011 noch hybride Charakter der Empörungsbewegungen, nämlich als gleichermaßen analoger wie digitaler Aktivismus, sich 2012 ohne die physische Präsenz der Demonstrationen und Zeltlager zu einem stärker digitalen Aktivismus veränderte.

Zweitens – Wir müssen das Bild, das wir von der Nutzung sozialer Medien in Protestbewegungen haben, möglicherweise einer Realitätsanpassung unterziehen: Soziale Medien dienten zwar dazu, organisatorische Hinweise zu geben, auf Diskurse hinzuweisen oder in der Kombination mit affektiven Botschaften Emotionen zu verbreiten. Die jeweiligen Reaktionen auf die einzelnen Posts bilden jedoch nur die Teilnahme einiger weniger, dafür sehr aktiver User ab. Andere Follower, vermutlich die Mehrheit, nutzten die Plattformen lediglich als Rezipienten, nahmen die Informationen und emotionalen Botschaften also wahr, verbreiteten sie aber nicht über die sozialen Medien weiter. Es gab sicher unterschiedliche Typen der Nutzung: einerseits die sehr aktiven, andererseits die „Wohlfühlaktivisten“, die das Gefühl haben, Einfluss auszuüben, ohne mehr tun zu müssen als einer Facebook-Gruppe beizutreten. So können sich Sympathisanten und Aktivisten die Illusion politischer Partizipation erschaffen. Der Like-Button bei Facebook lädt dazu ein, sich vom Sofa oder Schreibtisch aus mit einem Klick an einer sozialen Bewegung zu beteiligen. So entsteht gefühlte bzw. symbolische Partizipation, die gleichwohl keine oder kaum Wirkung entfaltet.

Drittens – Es gab auch innerhalb der Protestbewegungen unterschiedliche Standpunkte, wie man effektiv politischen Einfluss ausüben kann. Grundsätzlich kann man zwei Ansätze unterscheiden: Der eine besteht darin, bei einer dezentralen, weniger organisierten, hierarchiefreien Form des Miteinanders bleiben zu wollen und den Bewegungscharakter aufrecht zu erhalten. Der andere verfolgte eine stärker parteiförmige Einflussnahme, die auch eine stärkere Strukturierung und Hierarchisierung bedeutete. „Überlebt“ haben im Sinne des letzteren Ansatzes in Spanien die Partei „Podemos“ und in Portugal die „Juntos Podemos“.

In Ihrem Buch zur Studie schreiben Sie: „Derzeit sind überall auf der Welt partizipative Schübe zu beobachten.“ Am Anfang dieser Phase standen die Proteste in Tunesien, in der arabischen Welt beobachtet man unterschiedliche Resultate: Systemumbrüche und politische Neuanfänge in Tunesien und Ägypten, Bürgerkriege in Libyen und Syrien, autoritäre Kontrolle in Bahrein und Jemen. Internationale Aufmerksamkeit konnten die Aktivisten durch „massenhafte Ansammlungen auf zentralen Plätzen der Städte“ und „intensive Nutzung sozialer Medien“ erlangen. Kommunizieren, koordinieren, mobilisieren – ist das die Rolle von sozialen Medien in Protestbewegungen? Übernehmen sie eine organisatorische Aufgabe?

Unsere Untersuchung zeigt, dass soziale Medien in den Protestbewegungen von 2011 zu dem überwiegenden Anteil (40% Facebook, 42% Twitter) zur Verbreitung von organisatorischen Hinweisen genutzt wurde. Dazu gehören Hinweise auf Demonstrationen oder Aktionen, Informationen über Polizeieinsätze etc. Der Vergleich der Kommunikation von 2011 und 2012 zeigt, dass tatsächlich dieser Zweck 2011 im Vordergrund stand, denn 2012 ist der Anteil organisatorischer Posts deutlich geringer.

Jeder kann mitlesen. Die „Guten“ und die „Bösen“. Wird das unterschätzt?

Ich glaube, dass Überschätzen das falsche Wort ist. Soziale Medien werden vielmehr zu einseitig beurteilt und damit falsch eingeschätzt. Nach dem Arabischen Frühling war man zu  optimistisch. Es wurde nur die Möglichkeit gesehen, Autokratien unter Druck zu setzen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Viele Beispiele haben inzwischen deutlich gemacht, dass nicht nur demokratisch gesinnte Oppositionen das Netz nutzen können, sondern auch radikale Gruppen, um ihre Botschaften zu verbreiten und zu mobilisieren. Je nach Anlass werden die Sozialen Medien und das Internet also nur einseitig wahrgenommen. Um mit digitalen Medien und ihren Wirkungen umgehen zu können, wird ein netzrealistischer Ansatz gebraucht; das heißt zunächst müssen wir die positiven und negativen Seiten des Internets zur Kenntnis nehmen, analysieren und die politischen Akteure müssen sich darauf einstellen. So wird nicht der Fehler begangen, einmal das Internet zu verteufeln und es ein anderes Mal in den Himmel zu heben.

Die Fragen stellte Isa Lange

Buchvorstellung „Soziale Medien in Protestbewegungen“

Analyse der Online-Kommunikation: Proteste in Portugal, Spanien, USA, Großbritannien und Deutschland.

Welche Rolle spielen soziale Medien in Protestbewegungen? Dieser Frage gingen Prof. Dr. Marianne Kneuer und Dr. Saskia Richter im Jahr 2014 nach. Anlass für die Studie war die Beobachtung, dass der weltweiten Finanzkrise in 2011 Protestbewegungen in westlichen Demokratien folgten, die in mehr als 80 Ländern der Welt ein hohes Maß an Empörung auf die Straße brachten und zugleich intensiv soziale Medien nutzten, sagt Marianne Kneuer, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim. Die Politikwissenschaftlerinnen haben Facebook- und Twitter-Postings von Aktivisten aus Spanien, Portugal, den USA, Großbritannien und Deutschland analysiert. Prof. Dr. Paul Nolte von der FU Berlin stellt das  Buch „Soziale Medien in Protestbewegungen. Neue Wege für Diskurs, Organisation und Empörung?“ am 26. Januar 2016 um 19:15 Uhr im Center of World Music in Hildesheim vor.

Zur Person: Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer

Marianne Kneuer ist seit 2011 Professorin für Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Sie ist Sprecherin des Arbeitskreises Demokratieforschung der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft und war von 2011 bis 2013 Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft. Sie ist Mitglied des Executive Committee der „Internationalen Vereinigung für Politikwissenschaft" (IPSA) und hat zudem dort 2011 die Forschungsgruppe „Demokratische Qualität“ gegründet, die sie seither auch leitet. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Demokratie- und Europaforschung. An der Universität Hildesheim hat sie den Forschungsfokus „Politik und Internet“ etabliert.

Mehr zum Thema: Internet und Demokratie

WDR 5, Sendung „scala", 29.10.2015, Thema: „Soziale Medien in Protestbewegungen: ‚like‘ den Widerstand“, Interview mit Prof. Dr. Marianne Kneuer, Politikwissenschaftlerin an der Uni Hildesheim (Audio, ~ 13 Min.)

Deutschlandfunk, 24.07.2014, Thema: „Empörung statt politischer Partizipation“, Beitrag über politikwissenschaftliche Forschung an der Uni Hildesheim (Audio)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Politik Sozialwissenschaften Fachbereich 1
news-11218 Wed, 20 Jan 2016 15:20:00 +0100 Zwischen Kunst und Politik https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/zwischen-kunst-und-politik/ Im Seminar „Zwischen Kunst und Politik. Kulturprojekte mit Flüchtlingen“ haben sich Studierende auf die Suche nach künstlerischen Projekten in der Region begeben, die mit Menschen mit Fluchterfahrungen zusammenarbeiten. Am 27. Januar stellen sie in einer Ausstellung Ergebnisse vor. Am Abend spricht ein Politikwissenschaftler über „Globalisierung und Flucht“: Der öffentliche Vortrag ist Teil einer Qualifizierungsmaßnahme für ehrenamtlich Helfende in der Flüchtlingsarbeit, die vom Landkreis und der Stadt Hildesheim organisiert wird. Die Flüchtlingspolitik Deutschlands und Europas ist ein heftig diskutiertes Thema, nicht nur in Politik und Medien, sondern auch unter Künstlerinnen und Künstlern und Aktivistinnen und Aktivisten. Im Seminar „Zwischen Kunst und Politik. Kulturprojekte mit Flüchtlingen“ haben sich Studierende des Instituts für Sozialwissenschaften und des Instituts für Kulturpolitik auf die Suche nach künstlerischen Projekten gemacht, die Menschen mit Fluchterfahrungen zum Ausgangs- und Mittelpunkt ihrer Arbeit machen.

Damit treffen die Projekte den Nerv der Zeit. Aber welchen Beitrag zur Diskussion leisten sie? Welche Ideen werden wo umgesetzt? Welche Haltungen im Umgang miteinander lassen sich in ihnen nachweisen? Verändern sich die Akteure im Laufe der Zeit? Gibt es Anbindungen an Kultur- und Bildungsinstitutionen? Welche Resonanz in Medien und Stadtgesellschaft erfährt das Projekt?

Die Studentinnen und Studenten sind solchen Fragen nachgegangen. In Kleingruppen haben sie ausgewählte Projekte in der Tiefe analysiert und dazu auch mit den Protagonisten Kontakt aufgenommen.

Die Ergebnisse der systematischen Untersuchung haben sie als eigenes künstlerisches Projekt aufbereitet: In einer Ausstellung mit performativen und musikalischen Beiträgen, begehbaren Installationen, Audio- und Filmeindrücken wird erlebbar wie Kunst und Kultur sich derzeit in der Flüchtlingsdebatte positionieren. Auch die Künstlerinnen und Künstler selbst werden vor Ort sein: Filmemacher bitten zum Gespräch, Musiker geben Kostproben ihres Könnens, Bücher hängen von der Decke, Fotografen diskutieren über ihre Bilder und vieles mehr.

Die Ausstellung findet ausschließlich am 27. Januar 2016 von 16.00 Uhr bis 19.00 Uhr im Burgtheater (Hs52/001) auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim statt. Der Eintritt ist kostenfrei. Geleitet wird das Seminar von Professor Hannes Schammann vom Institut für Sozialwissenschaften und Nina Stoffers vom Institut für Kulturpolitik.

Zusätzliche Angebote: Vortrag „Globalisierung und Flucht“ und Workshop Theaterimprovisation

Im Anschluss an die Ausstellung findet am 27. Januar 2016 ein Vortrag zum Thema „Globalisierung und Flucht“ von Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim, statt. Der Vortrag beginnt um 20:00 Uhr auf der Domäne im Hohen Haus (Raum Hs 50/202). Der öffentliche und kostenfreie Vortrag ist Teil einer Qualifizierungsmaßnahme für ehrenamtlich Helfende in der Flüchtlingsarbeit, die vom Landkreis und der Stadt Hildesheim organisiert wird.

Am Donnerstag, 28. Januar 2016, um 18:00 Uhr, findet auf dem Uni-Hauptcampus in Fortsetzung der Ausstellung ein Workshop des Berliner „Refugee Club Impulse“ statt. Darin werden die Referenten Methoden der Theaterimprovisation und des Creative Writing vorstellen, die gezielt auf ein „Empowerment“ von geflüchteten Menschen abzielen. Eine Anmeldung für den Workshop kann bei der Ausstellung erfolgen oder per E-Mail an Prof. Dr. Hannes Schammann (hannes.schammann[at]uni-hildesheim.de) und Nina Stoffers (stoffers[at]uni-hildesheim.de).

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Politik Kulturpolitik Flüchtlinge
news-11172 Sat, 16 Jan 2016 18:06:00 +0100 Digitale Lebenswelten: Freie und unabhängige Medien https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/digitale-lebenswelten-freie-und-unabhaengige-medien/ Alexandra Borchardt, Chefin vom Dienst der Süddeutschen Zeitung, spricht an der Uni Hildesheim über die Situation der Medienbranche, Trends der Digitalisierung und freie und unabhängige Medien. Der Vortrag am Dienstag ist Teil der Reihe „Digitale Lebenswelten". Freie und unabhängige Medien sind zentral für die Demokratie. Doch die Medienbranche steht zunehmend unter Druck. Die digitale Welt verändert Lebens- und Konsumgewohnheiten, neue Meinungsmarktplätze machen Zeitungen und Zeitschriften, Fernseh- und Radiosendern Konkurrenz. Die bewährten Geschäftsmodelle sind angezählt. Alexandra Borchardt, Chefin vom Dienst der Süddeutschen Zeitung, analysiert in ihrem Vortrag in der Reihe „Digitale Lebenswelten" an der Universität Hildesheim die Situation der Branche. Sie beschreibt fünf Trends der Digitalisierung, die jeden betreffen und führt aus, welche Konsequenzen Medienhäuser daraus ziehen und ziehen müssen.

Der öffentliche Vortrag beginnt am Dienstag, 19. Januar 2016, um 19:15 Uhr in der Universitätsbibliothek am Universitätsplatz 1 in Hildesheim.

Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten“

Die Reihe „Digitale Lebenswelten: Politik – Medien – Kommunikation" richtet sich an Bürger aus der Region, an Studierende und Lehrende. Organisiert wird die Vorlesungsreihe von den Instituten für Sozialwissenschaften, Interkulturelle Kommunikation sowie Informationswissenschaft und Sprachtechnologie. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Am 26. Januar 2016 wird das Buch „Soziale Medien in Protestbewegungen. Neue Wege für Diskurs, Organisation und Empörung?“ vorgestellt. Welche Rolle spielen soziale Medien in Protestbewegungen? Dieser Frage gingen Prof. Dr. Marianne Kneuer und Dr. Saskia Richter im Jahr 2014 nach. Anlass für die Studie war die Beobachtung, dass der weltweiten Finanzkrise in 2011 Protestbewegungen in westlichen Demokratien folgten, die in mehr als 80 Ländern der Welt ein hohes Maß an Empörung auf die Straße brachten und zugleich intensiv soziale Medien nutzten, sagt Marianne Kneuer, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim. Die Politikwissenschaftlerinnen haben Facebook- und Twitter-Postings von Aktivisten aus Spanien, Portugal, den USA, Großbritannien und Deutschland analysiert. Prof. Dr. Paul Nolte von der FU Berlin stellt das  Buch im Center of World Music in Hildesheim vor (Programm als PDF).

Abschließend gibt die Sprachwissenschaftlerin Prof. Dr. Bettina Kluge am 2. Februar 2016 Einblicke in Forschungsergebnisse aus der Migrationslinguistik. Sie spricht über „Mehrsprachigkeit und Humor als identitäre Ressource – migrantische Bloggerinnen und Blogger in Quebec“ (Programm als PDF). Die Wissenschaftlerin hat Blogs von spanisch- und französischsprachigen Menschen untersucht, die nach Quebec auswandern oder auswandern wollen und die sich online mit anderen Migrationswilligen über ihre Erfahrungen austauschen.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Interkulturelle Kommunikation
news-11168 Fri, 15 Jan 2016 10:32:00 +0100 Umweltbewusstsein im Alltag https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/umweltbewuss/ Am Dienstag, den 19. Januar 2016 wird in der Zeit von 18-20h eine Studierendengruppe in Kooperation mit der Hildesheimer Greenpeace Gruppe bei AWO Trialog Hildesheim über Möglichkeiten des Energiesparens und des Einsparens von Plastik im Alltag informieren. Außerdem werden Apps zu Themen des nachhaltigen Konsums vorgestellt. Weiterführende Informationen entnehmen Sie bitte der Ankündigung.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-11156 Wed, 13 Jan 2016 17:27:00 +0100 Buchvorstellung "Soziale Medien in Protestbewegungen" https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/buchvorstell-3/ Welche Rolle spielen soziale Medien in Protestbewegungen? Dieser Frage gingen Prof. Dr. Marianne Kneuer und Dr. Saskia Richter im Jahr 2014 nach. Anlass für die Studie war die Beobachtung, dass der weltweiten Finanzkrise in 2011 Protestbewegungen in westlichen Demokratien folgten, die in mehr als 80 Ländern der Welt ein hohes Maß an Empörung auf die Straße brachten und zugleich intensiv soziale Medien nutzten. Gab es einen Zusammenhang zwischen dieser Empörung, der transnationalen Verbreitung der Bewegungen und der Nutzung sozialer Medien? Schafften die sozialen Medien neue, virtuelle Räume für Deliberation oder war die Online- Kommunikation lediglich für organisatorische Aspekte relevant? Um diese Fragen zu beantworten, analysierten die beiden Wissenschaftlerinnen Facebook- und Twitter-Postings von fünf Akteuren jener Bewegungen, darunter Beiträge von Aktivisten aus Spanien, Portugal, den USA, Großbritannien und Deutschland. Die Ergebnisse dieser vergleichenden Analyse sind mittlerweile in dem Buch „Soziale Medien in Protestbewegungen – Neue Wege für Diskurs, Organisation und Empörung“ veröffentlicht, das im Juni 2015 im Campus Verlag erschienen ist.

Am 26. Januar 2016 wird Prof. Dr. Paul Nolte von der FU Berlin unser Buch im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Digitale Lebenswelten“ im Center for World Music (Timotheuskirche) vorstellen. Die Veranstaltung beginnt um 19:15 Uhr.

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Migrationspolitik Sozialwissenschaften Soziologie Politik Methodenbüro
news-11070 Tue, 08 Dec 2015 17:14:00 +0100 Graduiertenkolleg startet: „Wir wollen selbst dabei klüger werden“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/graduiertenk/ Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung" startet in eine zweite Runde: Die acht Promovierenden untersuchen in den kommenden drei Jahren zum Beispiel Geschlecht in der Literatur, in Raptexten, in der bildenden Kunst und im Computerspiel. „Ich freue mich auf die individuelle Betreuung, auch methodisch", sagt Professorin Kathrin Audehm, die zwei Promotionsprojekte betreut. Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung" startet in eine zweite Runde. Das Kolleg ist erneut interdisziplinär ausgerichtet und fördert Promotionsprojekte aus den Erziehungs- und Sozialwissenschaften, den Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaften. „Ich hoffe, Sie, liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten können die nächsten drei Jahre gut nutzen. Sie haben einen enormen Freiraum, um zu forschen und ihre Schwerpunkte zu entwickeln“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Silvia Lange.

Professorinnen und Professoren mehrerer Fachrichtungen begleiten die Promovierenden an der Universität Hildesheim. Es gebe „genügend zu erforschen“, sagt Professor Toni Tholen. „Auf vielen Ebenen des Bildungssystems und in Medien können wir die (Re-)Produktion von problematisierwürdigen Geschlechterpraktiken und Geschlechterbildern beobachten. Das Graduiertenkolleg bietet vielfältige Möglichkeiten, der Konstruktion von Geschlechterrollen nachzugehen“, so der Literaturwissenschaftler.

Das Kolleg ist interdisziplinär, also fachübergreifend, ausgerichtet. Das sei „kein vordergründiges Label, sondern wird gelebt“, sagt Toni Tholen. Er verweist auf die Diskussionsrunden, die in den kommenden Monaten anstehen.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten können sich wissenschaftlich auseinandersetzen – auf Tagungen, in Vorlesungsreihen, Workshops und in Arbeitssitzungen im zweiwöchigen Abstand. „Wir wollen selbst dabei klüger werden“, freut sich Tholen auf den Austausch.

Das Graduiertenkolleg – eines der wenigen dieser Art bundesweit – kann durch eine Förderung des Bundesforschungsministeriums und aus Mitteln des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums im Rahmen des Professorinnenprogramm II in eine zweite Runde starten. Insgesamt wurden für die neue Runde acht Promotionsstipendien (monatlich 1250 Euro Unterstützung) vergeben. Die Promovierenden untersuchen in den kommenden drei Jahren zum Beispiel Geschlecht in der Literatur, in der bildenden Kunst, in spirituellen Diskursen und im Computerspiel, Raptexte als Orte informeller Bildung und das Selbstverständnis der Sexualpädagogik der 1980er. Weitere Wissenschaftlerinnen untersuchen, welche Rolle Geschlecht in der Sterbebegleitung spielt und mit welchen Begrifflichkeiten und Verständnissen von Identität in der pädagogischen Praxis gearbeitet wird.

Heidi Süß ist eine der Stipendiatinnen. Sie hat in Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“ studiert, mit einem Schwerpunkt in der Sprachwissenschaft. Sie beschäftigt sich mit der Hip-Hop-Kultur. „Es geht um soziale Ungleichheit. Innerhalb der Hip-Hop-Kultur gibt es Exklusionsprozesse, die diskursiv stattfinden“, sagt Heidi Süß. Wer wird außen vorgehalten? – das ist eine ihrer Forschungsfragen. In ihrer Dissertation möchte sie herausfinden, „ob jemand durch Musik ausgeschlossen wird“. Ihr Datenmaterial sind Raptexte in deutscher Sprache. Welche Texte sie analysieren wird, wird sie in den kommenden Monaten festlegen. „Das ist ein Vorteil des Kollegs – wie ich das Datenmaterial erhebe, können wir ausdiskutieren.“

Sie wolle dann untersuchen, ob Personen aufgrund ihres Geschlechts, der Herkunft, des Bildungsgrades oder des Alters Ungleichheit erfahren. Sie sei selber mit Hip-Hop aufgewachsen und habe erfahren, „dass es schon dazu kommt, dass bestimmte Personengruppen als nicht zugehörig betrachtet werden“. „Ich möchte aber kein Hip-Hop-Bashing machen. Ich untersuche auch, welche positiven Strategien es gibt, wieder teilzuhaben in der Szene, etwa indem Begriffe rückerobert und positiv gedeutet werden“, sagt Heidi Süß, die bereits in ihrer Abschlussarbeit bei der Sprachwissenschaftlerin Prof. Beatrix Kreß über „Gangsta-Rap“ geforscht hat und nun im Graduiertenkolleg „ganz viel Austausch und neue Erfahrungen“ erwartet. „Ich möchte viel lernen von den anderen.“

Eine der Professorinnen, die den wissenschaftlichen Nachwuchs in den kommenden drei Jahren begleitet, ist Kathrin Audehm. Die Erziehungswissenschaftlerin forscht zu Autoritätsverhältnissen in pädagogischen Organisationen und Genderkonstruktionen im Film. Sie unterstützt zwei Promovendinnen auf dem Weg, die Forschung zu beginnen und abzuschließen: Eva Reuter erforscht kritische Bildungsdiskurse in der außerschulischen Jugendarbeit und Melanie Pierburg befasst sich mit der Ausbildung von Ehrenamtlichen, die in Hospizen in der Sterbebegleitung tätig sind. „Die meisten, die im Hospiz arbeiten sind Frauen. In der letzten Lebensphase und im Umgang mit Tod und der Vergänglichkeit des Lebens müssen wir auch Geschlechteraspekte beachten.“

Was man erlebt, wenn man eine Promotion begleiten kann? „Ich freue mich auf die individuelle Betreuung, auch methodisch. Und ich bin gespannt, wie die ganz jungen Wissenschaftlerinnen ihr Feld erarbeiten und ihre Fragen entwickeln. Wichtig ist am Anfang in der Beratung, auch einzugrenzen. Dann sagt man auch: Jetzt ist genug mit Theorie, jetzt geht es ins Feld und darum, Material zu sichten. Man kann sich auch auf den Weg machen, ohne ihn vollständig zu kennen, es geht auch darum, das Selbstvertrauen zu stärken“, sagt Kathrin Audehm.

Graduiertenkolleg startet mit Auftaktveranstaltung

Im Rahmen einer feierlichen Auftaktveranstaltung im Hohen Haus auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg kamen die unterschiedlichen Fachdisziplinen im November 2015 zusammen. Vizepräsident Prof. Martin Schreiner hob die „interdisziplinäre Zusammenarbeit“ und die Bedeutung der „strukturierten Nachwuchsförderung“ hervor. Zum Auftakt sprach unter anderem Professorin Kerstin Palm von der Humboldt-Universität zu Berlin über „Naturwissenschaften und Gender Studies". Außerdem wurde der gut 450 Seiten starke Sammelband „Bildung – Selbst(bild) – Geschlechterbilder“, der in der ersten Runde des Kollegs entstanden ist, vorgestellt.

Mit ihrer Forschung starten Marcus Felix, Sarah-Christina Glücks, Jöran Klatt, Alexandra Mieth, Melanie Pierburg, Eva Reuter, Heidi Süß und Nina von Wildenradt. Die Professorinnen und Professoren Kathrin Audehm, Meike Sophia Baader, Stefani Brusberg-Kiermeier, Michael Corsten, Beatrix Kreß, Annemarie Matzke und Toni Tholen begleiten die Stipendiatinnen und Stipendiaten in den nächsten drei Jahren. Wer mehr über die einzelnen Forschungsvorhaben erfahren möchte, wird auf der Internetseite des Kollegs fündig.

Wer Fragen zu dem Promotionsprogramm hat, kann die Projektkoordinatorin Dr. Kerstin Bueschges kontaktieren (E-Mail bueschge@uni-hildesheim.de).

Rückblick auf das erste Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“

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news-10921 Wed, 04 Nov 2015 12:05:00 +0100 Modern, traditionell, vielfältig: Einblicke in afrikanische Kinder- und Jugendbücher https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/modern-traditionell-vielfaeltig-einblicke-in-afrikanische-kinder-und-jugendbuecher/ Lehramtsstudierende haben Jugendliche in Realschulen in Hildesheim und Hannover befragt. Viele verbinden Afrika mit Armut, Krankheit und Hunger. Ein Team der Universität Hildesheim hat daher eine Ausstellung und öffentliche Vorlesungsreihe über Afrikabilder entwickelt. Autorinnen und Autoren afrikanischer Kinder- und Jugendliteratur geben Einblicke in die Vielfalt der Länder und Menschen. Eine einzelne Geschichte, schreibt die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie, schaffe Stereotype („The Danger of the Single Story“, 2009). „Das Problem von verallgemeinernden Urteilen ist nicht, dass sie unwahr sind, sondern, dass sie unvollständig sind. Sie machen eine Geschichte zur einzigen Geschichte." Stattdessen, so die Autorin, sollten wir realisieren, dass nie nur eine einzige Geschichte zu einem Ort existiere.

Sozialwissenschaftlerinnen, Erziehungswissenschaftler, Historiker und Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim greifen nun die Gedanken von afrikanischen Autorinnen und Autoren in einer Ausstellung auf. „Wir möchten mit dieser Ausstellung zum Nachdenken über die eigene Vorstellung von Afrika anregen und Ein- und Ausblicke in die Vielfalt Afrikas und afrikanischer Gesellschaften anstoßen", sagt Jessica Schwarz vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim.

Im Projekt „Globaler Wandel in der Politischen Bildung“ und im Seminar „Afrikanische Kinder- und Jugendliteratur“ haben sich Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim mit der Frage auseinandergesetzt, welches Bild von Afrika Schülerinnen und Schüler haben und inwieweit Schule zu einer differenzierten Vorstellung von Afrika beitragen kann, indem ein ganzer Kontinent nicht einseitig auf Armut, Krankheit und Krieg reduziert wird, erläutert Jessica Schwarz. In Befragungen an Schulen in Hildesheim und Hannover wurde wiederkehrend das Interesse am Alltag der Menschen und an Afrikas Flora und Fauna geäußert. Außerdem sind die befragten Jugendlichen interessiert an einer Darstellung der wirklichen Vielfalt Afrikas, um stereotypen Vorstellungen und Vorurteilen entgegenzuwirken. Ein negatives, wenig differenziertes Afrikabild überwiegt bei den befragten Jugendlichen. Wiederkehrende Begriffe sind Armut, Krankheit und Hunger. Ein Sechstklässler antwortet auf die Frage, was ihm zum Thema Afrika einfällt: „Diese Menschen, die an Krankheiten sterben und die haben halt nicht so viel Geld und nicht so viel Essen wie wir.“

Befragt wurden im Frühsommer 2015 208 Jugendliche aus zehn Schulklassen an zwei Realschulen. Die Lehramtsstudenten Clemens Franke, Benedikt Kiehn und Jan Siefer haben ihre kleine Studie hier zusammengefasst (PDF).

In einer Ausstellung im Hildesheimer Schulmuseum präsentieren die Studierenden nun Projektergebnisse: Sie zeigen das moderne, traditionelle und vielfältige Bild Afrikas anhand von Auszügen aus der Kinder- und Jugendliteratur. In den Kinderbüchern werden zum Beispiel Höflichkeits- und Umgangsformen sowie der Respekt und der Umgang miteinander thematisiert und in Tierfabeln in Kisuaheli vermittelt. Das Projekt wurde begleitet und mit Buchspenden unterstützt vom Verein Initiativen Partnerschaft Eine Welt e.V. in Hildesheim.

Neben den beiden international bekannten nigerianischen Autoren Chinua Achebe und Cyprian Ekwensi, die in kunstvoll illustrierten Kinderbüchern, wie „How the Leopard got his Claws“ (Achebe) und „Masquerade Time“ (Ekwensi), die Mythen und Fabeln ihrer Ahnen nutzen, um Kinder für die Vergangenheit zu sensibilisieren, sind auch autobiographische Erzählungen in der Ausstellung zu sehen. Zum Beispiel die Geschichte des jungen Autoren Mbu Maloni aus Südafrika, der seine Kindheit und Jugend in einem Waisenhaus in einem Township in seinem Buch „Niemand wird mich töten“ beschreibt und mit Unterstützung des Leiters des Waisenhauses Hokisa, Lutz van Dijk, sein Buch auch in Deutschland publizieren konnte.

Neben tansanischen Schulbüchern der Primarstufe und der weiterführenden Schulen werden Kinderbücher gezeigt, die Umweltbewusstsein und Naturschutz in den Mittelpunkt stellen oder Ausgrenzung und Benachteiligung im Kinder- und Jugendalter thematisieren.

Mit der Ausstellung startet auch eine öffentliche Ringvorlesung über Afrikabilder. Ein Thema ist unter anderem die Rolle von länderübergreifenden Schulpartnerschaften. Persönliche Begegnungen haben eine „fundamentale Bedeutung für das biographische Lernen bei Schülerinnen und Schülern“, sagt Jessica Schwarz. Sie hat im vergangenen Jahr ihre Dissertation über „Die Wiederentdeckung der Begegnung in der politischen Bildung“ verteidigt. Die Politikwissenschaftlerin der Universität Hildesheim untersucht, wie Globales Lernen in internationalen Schulpartnerschaften stattfindet. Dabei betrachtet sie die Zusammenarbeit von niedersächsischen Schulen mit Partnern in Brasilien, Costa Rica, Gambia, Kenia, Niger, Tansania und auf den Philippinen. Politische Problembestände seien „nicht mehr lokalisiert oder ausschließlich national geprägt“, so Schwarz. Die Wissenschaftlerin weist darauf hin, dass Schulpartnerschaften geeignet sind, „um Wissensvermittlung über globale Zusammenhängemit persönlichkeitswirksamen Erfahrungen der Begegnung mit einem vormals geographisch entfernten Kulturraum zu verbinden“.

Auf einen Blick / Afrikabilder: Ausstellung und öffentliche Vorlesungsreihe starten in Hildesheim

Jeden Donnerstag: Vorlesungsreihe über Afrikabilder auf der Domäne Marienburg. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Die Ausstellung zu afrikanischer Kinder- und Jugendliteratur wird am Donnerstag, 5. November 2015, um 16:00 Uhr im Schulmuseum auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg der Hildesheimer Universität eröffnet (Domänenstraße, 31141 Hildesheim). Interessierte Schulklassen und Bürger sind herzlich eingeladen. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Schulmuseums (dienstags 10:00 bis 12:00 Uhr und mittwochs 15:00 bis 17:00 Uhr) geöffnet. Außerdem kann man Termine auf Anfrage vereinbaren. Auch Sonderführungen sind für Gruppen nach telefonischer Anmeldung möglich. Weitere Informationen findet man auf der Internetseite des Schulmuseums. Ansprechpartner ist Dr. Hartmut Schröder (Tel.: 05121-883-10150 oder E-Mail: ssm@uni-hildesheim.de). Der tansanische Künstler John Kilaka, der im November Kunst-Workshops zu tansanischer Malerei in Schulen und Kindergärten in Niedersachsen anbieten wird, ist ebenfalls vor Ort und mit seinen Fabelbüchern und Bildern bei der Auftaktveranstaltung vertreten. Seine Kinderbücher „Gute Freunde", „Frische Fische" und „Der wunderbare Baum" sind auch in deutsche Sprache übersetzt worden.

Mit der Ausstellung startet an der Universität Hildesheim auch eine öffentliche Ringvorlesung über Afrikabilder (Programm als PDF). Jeden Donnerstag von 16:00 bis 18:00 Uhr sprechen Fachleute aus Forschung und Schule. Die Vorträge finden im Burgtheater auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg statt (Haus 2a,Raum 2a). Den Eröffnungsvortrag hält Kirsten Rüther, Professorin für Geschichte und Gesellschaften Afrikas an der Universität Wien, am 5. November 2015, um 16:15 Uhr. Am 12. November spricht Gerhard Meier-Hilbert (Hildesheim) über vielfältige Lebenswelten von Kindern in afrikanischen Ländern. Am 19. November gibt Manfred Loimeier (Heidelberg) Einblicke in Literaturvermittlung und die Förderung der Lesekultur unter Kindern und Jugendlichen in Nigeria und Mali.

Es folgen weitere Vorträge. Professor Wolfgang Schneider (Hildesheim) spricht zum Beispiel über Auswärtige Kulturpolitik und künstlerische Kooperationen und Luise Steinwachs(Berlin) gibt einen Einblick in Lernerfahrungen in Schulpartnerschaften. Auch die Herman-Nohl-Schule (Hildesheim) gibt Einblicke in eine Bildungspartnerschaft in Moshi/Tansania.

Die Vortragsreihe über Afrikabilder ist eine Kooperation des Instituts für Geschichte, der Stiftung Schulmuseum, des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim und des Vereins Initiativen Partnerschaft Eine Welt e.V. Die Sparkasse und das Bistum Hildesheim unterstützen die Reihe.

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Migrationspolitik Pressemeldungen Sozialwissenschaften Politik Geschichte Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft
news-10702 Sun, 04 Oct 2015 16:58:00 +0200 Bildungswege: Studium nach der Flucht https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/bildungswege-studium-nach-der-flucht-3/ Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Lehrende und Studierende unterstützen junge Erwachsene aus Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan dabei, im Uni-Alltag anzukommen und Perspektiven für den weiteren Bildungsweg zu entwickeln. Wie finde ich eine passende Lehrveranstaltung? Muss ich Zeugnisse vorlegen? Wie gut muss ich die deutsche Sprache sprechen? Wie kann ich Kontakt zu Studierenden aufbauen?

Auch im Wintersemester 2015/16 wird es für Asylsuchende und Flüchtlinge wieder die Möglichkeit geben, an Kursen der Universität Hildesheim teilzunehmen.

Beim Schnupperstudium müssen keinerlei Bedingungen erfüllt werden. Das Studium soll dabei helfen, die Studienstrukturen und andere Studierende kennen zu lernen, interessante Seminare und Vorlesungen zu besuchen und dabei die deutsche Sprache und Wissenschaftssprache zu lernen", sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik. Wichtig sei es aber auch, um Struktur in den Alltag zu bekommen und Perspektiven für das eigene Leben zu entwickeln. „Dabei helfen wir durch studentische Beratung und die Vermittlung von Tandempartnern", so Steffi Albrecht, Mitarbeiterin im International Office der Uni. Beliebt sind Studienfächer wie Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, aber auch die Sozialwissenschaften.

Studierende („Anker-Peers“) begleiten die Studierenden mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg durch die Universität. Sie wurden für die Beratung von der Studienberatung geschult und kennen Unterstützungsprogramme Außerdem bilden sie Sprachtandems. „Studierende aus Irak, Syrien, Sudan und Afghanistan suchen Tandempartner. Es geht um den Austausch in der Alltagssprache. In meine Sprechstunden kommen vermehrt junge Flüchtlinge, die einfach gerne Deutsch sprechen möchten und gleichzeitig Kontakt mit anderen jungen Menschen suchen“, sagt Steffi Albrecht.

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Die etwa 20 jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen.

Wege in die Universität: Kontakt für Studieninteressierte

Die Universität Hildesheim lädt Studieninteressierte mit Fluchterfahrung am Mittwoch, 7. Oktober 2015, um 16:00 Uhr zu einer Infoveranstaltung an die Universität ein (Forum am Universitätsplatz 1, Hildesheim). Auch Ehrenamtliche und Multiplikatoren, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, können sich bei den Lehrenden und Forschern der Uni informieren. Interessierte können sich gerne bei Rückfragen an Steffi Albrecht vom International Office der Uni (steffi.albrecht@uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Hannes Schammann (hannes.schammann@uni-hildesheim.de) wenden.

Hilfe für ein Studium nach der Flucht / Spenden

Die Stiftung Universität Hildesheim versucht derzeit, Studierende mit Fluchterfahrung bei der Finanzierung ihres weiteren Studiums zu unterstützen. Bürger, Unternehmen und Organisationen, die helfen möchten, können steuerlich absetzbare Spenden unter dem Stichwort „Studium nach der Flucht“ auf das Konto der Stiftung Universität Hildesheim bei der Nord/LB Hannover (IBAN: DE86250500000106031768 / BIC: NOLADE2HXXX) überweisen. Wer Fragen hat, kann Markus Langer (markus.langer@uni-hildesheim.de; 05121.883-90130) kontaktieren.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Politik Sozialwissenschaften Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10710 Sat, 03 Oct 2015 19:00:00 +0200 Beim Klicken helfen: Social Media und Flüchtlingshilfe https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/beim-klicken-helfen-social-media-und-fluechtlingshilfe/ Mit dem Internet organisieren wir Hilfe. Oder teilen Bilder, die sichtbar machen: „Ich helfe“ oder „Du bist willkommen“. Der Soziologe Michael Corsten untersucht, warum sich Menschen engagieren und wie sich unsere Kommunikationsformen verändern. Der Journalist Matthias Meisner beobachtet, wie via Twitter und Facebook Hilfe organisiert wird. Im Internet kursieren eine Fülle an Informationen und Listen über Hilfsprojekte

Einblick. Ins Internet. Zunächst eine lose Bestandsaufnahme – vollkommen unvollständig. Kurze Blitzlichter in der Masse an Informationen, die dennoch zeigen: Da tut sich etwas. Wer nicht beim Flüchtlingsrat um die Ecke, im Rathaus oder im ehrenamtlichen Café im Flüchtlingsheim vorbeischaut, der geht in diesen Tagen ins Internet. Im Internet finden jene, die helfen wollen, erste Ratschläge: „Was kann ich tun?“ und „Wie kann ich helfen?“ heißen etwa Internetportale von Freiwilligen und Nichtregierungsorganisationen. Frauenzeitschriften wie „Brigitte“ liefern „Tipps und Infos“. Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe hat zusammen mit dem ZDF eine „Auswahl von Hilfsprojekten“ zusammengestellt, in denen man sich ehrenamtlich engagieren kann.

Die ARD bietet eine kommentierte Linkliste zum Thema „Hilfe für Flüchtlinge im Netz“ an. Die Redaktion trägt in einer Karte fortlaufend Projekte ein, und ruft dazu auf, weitere Vorschläge einzureichen: „Es gibt viele Wege, Flüchtlingen zu helfen“. Flüchtlingen leichter helfen – das ist auch die Botschaft aus dem Bundesfinanzministerium: Regierungssprecher Steffen Seibert weist via Twitter auf „vereinfachte Regelungen für private Spender“ hin.

Bei der ZEIT können sich Leser online durchklicken, je nachdem ob sie Zeit, Geld oder Platz haben. Eine Übersicht gibt Anregungen, wie man auf die humanitäre Notlage in Deutschland reagieren kann: „Ich habe Zeit und ein Auto“, „Ich habe Zeit und Fremdsprachenkenntnisse“, „Ich habe Zeit und mache Musik oder Sport“, „Ich habe Geld und dafür Dinge gekauft, die ich nicht mehr brauche“ oder „Ich habe Platz und ein Zimmer frei“. Dann folgen Ratschläge, was man tun kann.

In Berlin vernetzen sich junge Leute: sie haben eine Online-Jobbörse aufgebaut, um Arbeitgeber und Flüchtlinge zusammenbringen („workeer“) und eine Online-Plattform entwickelt, mit der sie Wohnraum vermitteln („Flüchtlinge willkommen“). Via Facebook starten sie Aufrufe und suchen ganz konkret nach Paten, die das WG-Zusammenleben begleiten, zum Beispiel in Bremerhaven.

Und auch an der Universität Hildesheim haben sich viele Initiativen gebildet, Studierende und Lehrende kommen mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien zusammen, die geflohen sind. Sie lernen die deutsche Sprache, spielen Theater und Fußball – nicht online, sondern im physischen Raum. Auch sie nutzen das Internet, zum Beispiel um auf Theaterproben zum Thema „Flucht, Zeit und Isolation“ aufmerksam zu machen und zu Theaterabenden einzuladen. Lehramtsstudierende, die jede Woche mit Jugendlichen aus einer Sprachlernklasse und einer Regelklasse lernen und dies mit gemeinsamen Sport-Aktivitäten kombinieren, bedanken sich online für Spenden.

Klicken und tippen, um zu helfen: Ehrenamtliche vernetzen sich online

Der Hildesheimer Professor Michael Corsten untersucht, warum sich Menschen bürgerschaftlich engagieren. „Es ist nicht erst seit 2015 so, dass Engagement in der Flüchtlingshilfe über soziale Medien mobilisiert wird. Das hat es schon vorher gegeben.“

Schon um die Jahrtausendwende hat der Soziologe über eine Online-Recherche erfasst, welche Initiativen es in der Flüchtlingshilfe in verschiedenen Orten in Deutschland gibt. Die Forscher landeten auf Webseiten von „Amnesty International“ und „ProAsyl“, auch lokale Einrichtungen hatten schon Seiten im Netz, etwa „Gegenwind“ , „Asyl e.V.“ oder „Medizinische Flüchtlingshilfe“ , jeweils kombiniert mit dem Ortsnamen. Aber, so Corsten, vor 15 Jahren haben sich „viel viel weniger Menschen über das Internet informiert, um herauszufinden, wo können sie etwas tun und helfen“.

Diese Informationen im Internet – wie kann ich helfen? – die kommen nicht aus dem Nirgendwo. „Es braucht einen gesellschaftlichen Prozess, der das Engagement anschiebt. Es hat 2015 Gewalttaten und Brandanschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland gegeben. Das hat Menschen mobilisiert, zu sagen: Das wollen wir nicht, das empört uns, dagegen unternehmen wir etwas. Wir helfen. Wir heißen Flüchtlinge willkommen“, sagt Michael Corsten.

„1989 hätte ich einen Tweet abgesetzt“, sagt der Journalist – soziale Medien beschleunigen

Rückblick. Das erste Wochenende im September 2015. Helfer mobilisieren über elektronische Medien Hunderte Menschen, die anschließend an Bahnhöfen Flüchtlinge willkommen heißen. Was war geschehen?

Ende August hatte sich am Keleti-Bahnhof in Budapest das Gerücht verbreitet, Deutschland würde Sonderzüge bereitstellen, die syrische Flüchtlinge in die Bundesrepublik fahren. Der Journalist Matthias Meisner fragt noch am Abend via Twitter nach, das höre sich „nach einer guten Idee an“, das Auswärtige Amt antwortet am nächsten Morgen: „Ist nach unserer Kenntnis trotzdem eine Ente.“ Eine Stunde später reagiert der Regierungssprecher: „Nein. Es gibt keine Sonderzüge. EU-Recht gilt:Wer nach Ungarn kommt,muss sich dort registrieren+Asylverf. dort durchführen“.

Doch da ist die Information bereits in der Welt, spricht sich herum. In den Folgetagen entwickelt sich eine ungeheure Dynamik, die bis nach Deutschland reicht.

Soziale Medien beschleunigen die Vorgänge extrem, sagt Matthias Meisner. Als Reporter für die DPA hat er 1989 über Entwicklungen in Ungarn berichtet, über den Fall der Mauer.

Ein Vierteljahrhundert ist das her. Twitter, Facebook, whatsapp, blogs waren noch offline und hießen Zeitung, Fernsehen, Radio. Meisner war damals mehrfach in Ungarn. Immer mehr Flüchtlinge zog es zur Deutschen Botschaft nach Prag. Auf DDR-Flüchtlinge werde nicht mehr geschossen, wenn sie die Grenze überschreiten, erfuhren er und weitere deutsche Journalistenkollegen während eines Gesprächs im ungarischen Außenministerium von einem Abteilungsleiter (mehr im DLF-Interview). Diese Information brachte der Reporter mit in die Redaktion nach Deutschland. „Heute hätte ich einen Tweet abgesetzt“, sagt der Journalist des Berliner „Tagesspiegel“.

Wenn Matthias Meisner nun, 2015, über Vorgänge in Ungarn, in Österreich und Deutschland spricht, dann können wir seine Gedanken und Informationen nicht nur in Echtzeit miterleben, sondern auch aus der jungen Zeitgeschichte hervorholen: die Tweets des Journalisten sind Teil der digitalen Spuren unserer Geschichte.

Scrollt man in Meisners Twitterprofil nach unten, wenige Tage nach den Geschehnissen, und hält die Pfeiltaste gedrückt, vergehen etwa drei Minuten. Die noch junge Geschichte rast an einem vorbei. Bilder, Hashtags, Kommentare, Retweets. „+++ Eil +++ Die ersten fünf Busse für #Flüchtlinge beim #marchofhope sind da“, steht da zum Beispiel am 4. September 2015.

„Was wir in den vergangenen Wochen erlebt haben, das konnten wir in Echtzeit miterleben. Der taz-Kollege Martin Kaul saß in dem allerersten Bus, der Flüchtlinge an die ungarisch-österreichische Grenze brachte. Er war zugleich die Lebensversicherung für die Flüchtlinge, ob sie sicher an der Grenze ankommen, er twitterte“, sagt Matthias Meisner, der seine Aufgabe als Journalist vor allem darin sieht, „zu sammeln, zu verifizieren, ob Informationen stimmen“.

Engagement im und mit dem Netz – „Viele können mitlesen, mitdenken und reagieren“

Online wird geteilt, was in Ungarn passiert – auch unter jenen, die helfen wollen. „Erst waren das Gerüchte, kommt ein Zug in Gera an, in Saalfeld, in Frankfurt, in Berlin? Die Deutsche Bahn hat nicht darüber informiert, wann und wo die Züge ankommen. Das hat Hilfe erschwert. Aber es haben sich auch Leute gefunden, die Info-Listen mit an- und abfahrenden Zügen fortdauernd aktualisierten. Über das Internet ist es möglich zu zeigen: wo ist Hilfe nötig – Decken, Getränke, ein Dolmetscher?“, sagt Matthias Meisner. Dabei geht es um mehr als Klick und Like: „Die Weitergabe von Informationen ist wichtig. Viele können mitlesen, mitdenken und schon reagieren.“ So seien schnell Hunderte auf den Beinen, die direkt eingreifen und helfen.

Über Facebook und Twitter konnte die Bevölkerung erfahren, wann genau die Züge aus Ungarn in München, in Dortmund ankommen. „Das sind eben die Medien, die wir heute nutzen, um Informationen zu bekommen. Als Deutschland 1954 Weltmeister geworden ist, da sind die Spieler an allen Bahnhöfen dieser Republik empfangen und bejubelt worden. Auch ganz ohne Smartphone haben die Menschen gewusst, wann der Zug durch ihren Bahnhof fährt. Vielleicht haben sie auch einfach nur lange gewartet“, sagt Michael Corsten. Doch die Technik allein reicht nicht aus, um Menschen zu mobilisieren.  „Menschen müssen sich mobilisieren lassen, sie müssen ansprechbar für ein bestimmtes Problem sein. Dann gehen sie raus, dann gehen sie irgendwohin und erheben ihre Stimme.“

Das Smartphone als Informationsgrundlage –  handlich, erreichbar – sei heute praktisch, sagt der Soziologe. Jeder Helfer kann das kleine Gerät in der Hosentasche mit sich führen. „Man kann sich schnell und aktuell informieren. Es ist eine kleine Beschleunigung. Aber um 500 Leute zum Bahnhof zu lotsen, reicht es nicht aus, dass alle ein Smartphone haben. Vielleicht haben doch einige durch das Radio oder durch Bekannte davon erfahren.“

Menschen transportieren einen Tisch von A nach B – das geht nicht mit einem Klick

Am Bahnhof in München nutzen nicht nur freiwillige Helfer im September 2015 das Internet – „wir brauchen 800 Isomatten“ –, auch die Polizei München twittert, mit genauen Ortsangaben und Hinweisen. So werden etwa am „Messegelände #Riem noch Männerkleidung + Schuhe benötigt! #dankemünchen“.

Viele wollen helfen, was können sie tun? Wo werden Personen gebraucht? „Mit elektronischen Medien können wir logistische Probleme bewältigen und Informationen rasch sortieren“, fasst Professor Michael Corsten die technischen Vorteile zusammen. „Wir hoffen auf das Internet, auf zeitnahe Lösungen, auf die Chancen der Vernetzung. Aber das Netz ist nicht in der Lage, praktisch, konkret und lokal alle Lücken zu schließen. Im Netz sieht das so einfach aus. Sie können zwar die Information abrufen, dass da jemand ist, der etwas zur Verfügung stellt. Aber bis er das – die Decke, die Möbel, das Deutschbuch – dann wirklich zum Punkt B gebracht hat, da brauchen Sie eben dann doch etwas, was vor Ort geschieht. Wir sind auf Prozesse im physischen Raum angewiesen.“

Drei Sekunden, ein Blick auf den Bildschirm, auf das Smartphone – ein Klick, ein Retweet, ein Like. Wo beginnt Engagement? Das Teilen einer Nachricht auf Twitter ist zunächst „eine Positionierung“, sagt Corsten. „Der Klick ist eine Form des Engagements – relativ unaufwändig und günstig. Die Öffentlichkeit erfährt etwas über die Stimmungslage, wohin tendiert die Bevölkerung, heißt sie Menschen willkommen oder ist sie eher skeptisch. Dafür ist der Klick gut.“

Dann aber müssen Menschen auch Zeit haben, bestimmte Dinge zu tun. Sie können sich über Twitter und Facebook verabreden, passende Zeitpunkt finden. „Trotzdem muss es Menschen geben, die wissen: Es werden jetzt Transporter benötigt, die Möbel  von A nach B bringen. Das setzt das Motiv bei Personen voraus, nach diesen Informationen zu suchen und zu handeln.“

Mehr als schöne Bilder und flüchtige Momente – was bleibt langfristig?

Ausblick. Hoffentlich ist das kein Facebook-Event. Punktuell. Weil das cool ist. Dabei sein am Bahnhof  – der Weg zum Bahnhof, Winken, Süßigkeiten und Obst verteilen. Kommen sie noch in einem halben Jahr, in einem Jahr, um zu helfen?

Wer von den Personen, die in den Online-Foren etwas kommentieren – ob auf SPIEGELonline, ZEITonline, tagesschau.de, BILDonline –, wäre auch ansprechbar, wirklich Hilfe zu leisten? Angefangen dabei, dass man Kleidung, Decken spendet oder tatsächlich vor Ort Kaffee trinkt, miteinander redet, Deutsch lernt, die Stadt erkundet.

„Mit den elektronischen Medien haben wir eine neue Qualität der Mobilisierung“, sagt Corsten. „Es engagiert sich natürlich nicht jeder. Die Bereitschaft, sich mit einer Regelmäßigkeit für eine Sache zu engagieren, zwei Mal in der Woche, jeden Monat, ist bei 15 bis 20 % der Gesellschaft vorhanden.“

Bürgerschaftliches Engagement setzt Regelmäßigkeit voraus, so Michael Corsten. Dass Menschen immer wieder zusammentreffen, miteinander kommunizieren, Projekte in Gang halten, dafür Verantwortung übernehmen. Hier werden die Zahlen der Engagierten geringer. Wer Arzt ist, engagiert sich in der medizinischen Flüchtlingshilfe und Gesundheitsversorgung, eine Lehrerin gibt Deutschunterricht, eine Erzieherin begleitet Kinder. „Wir greifen in dem Moment auf die Kompetenzen zurück, die wir haben“, so Corsten.

Naturkatastrophen etwa führen zu einer schnellen, punktuellen Aktivität. Ist die Hochwasserkatastrophe überstanden, beginnt für viele wieder der Alltag. Diese „prosozialen Aktionen“ sind oftmals einmalig. „Punktuell, akut, jetzt tun wir etwas, an diesem Wochenende. Da ist die Bereitschaft, etwas zu tun, deutlich höher, vielleicht liegt sie bei etwa 30 bis 40 Prozent.“

Vielleicht, sagt Corsten, entsteht in diesen Tagen in der Flüchtlingshilfe ein kontinuierliches Engagement. Besonders heute, wenn es um Menschen geht, die nach der Flucht ankommen und hier weiterleben, bedarf es der Regelmäßigkeit, wenigstens für einen gewissen Zeitraum. Eine Familie aus dem Irak etwa sucht in Hildesheim jemanden, der die drei kleinen Grundschulkinder in den ersten Wochen begleitet – aber nicht morgen wieder weg ist. „Unterstützen wollen viele – aber es kommt hinzu: Wie greift man eigentlich ein? Sollte eine Person immer dabei sein und die Kinder zur Schule begleiten? Irgendwann muss der Tag kommen, an dem die Begleitperson wegfällt. Weil Integration bedeutet, ich kann mich selbstständig in dieser Gesellschaft bewegen und sie ist so beschaffen, dass sie mich aufnehmen kann.“ Unsere Aufgabe sei es, sagt Corsten, für Bedingungen zu sorgen, den vielen Menschen, die jetzt zu uns kommen, diese Teilhabe zu ermöglichen. „Das Aufnehmen setzt sehr komplizierte Prozesse heraus – das ist nicht mit einmaligen Aktionen getan, das ist auch nicht nur mit regelmäßigem Engagement getan. Vielleicht haben wir für diese Aufgabe noch gar keine Erfahrungen. Diese neuartige Situation wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen. Jetzt können wir als Gesellschaft selbstbewusst sein und sagen: Das schaffen wir, wie es die Bundeskanzlerin tut. Wir können unterstreichen: Das machen wir, wir haben motivierte Menschen, die auch hinnehmen können, das nicht immer alles gleich gut funktioniert. Aber es gibt kein Patentrezept“, sagt Corsten.

Weitere Informationen: Warum helfen einige und andere nicht?

Lehramtsstudenten trainieren mit Jugendlichen. Soziologen untersuchen in Hildesheim, wer warum hilft. Foto: Lange

Das Ehrenamt steht hoch im Kurs. Prof. Dr. Michael Corsten untersucht, warum sich Menschen engagieren. Der Soziologe der Universität Hildesheim hat zwischen 2001 und 2012 mit Forschern der Universität Jena in vier Städten regelmäßig Interviews geführt. In der Langzeitstudie „Was bewegt Deutschland?“ sprachen die Forscher mit Menschen in Wilhelmshaven, Jena, Dessau und Göttingen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, die als Schöffen, in der Jugendarbeit und im Kulturbereich ehrenamtlich tätig sind. Befragt wurden auch karrierefokussierte Menschen und Erwerbslose. Die einen engagieren sich nur, wenn es der eigenen Karriere dient und wenn es in den Zeitplan passt. Den anderen hingegen fehlt häufig das soziale Netzwerk, um in Engagement hineinzugeraten.

„Engagement hängt mit politischer Kultur zusammen. Menschen, die sich bürgerschaftlich engagieren, tendieren weniger als Nichtengagierte dazu, politische Ressentiments zu entwickeln“, sagt Corsten. Die Engagierten werden selber aktiv und erleben: wenn man versucht, sich zu beteiligen, dann kostet das Mühe. Man kann seinen eigenen Erwartungen oft nicht gerecht werden, man muss mit Leuten kooperieren und Kompromisse bilden.

Was verleitet Akteure, das was ihnen am Herzen liegt, tatkräftig umzusetzen? Schließlich engagieren sich manche jahrelang, obwohl sie dafür kein Geld und oft kaum Reputation erlangen. Seinen vielleicht entscheidenden Antrieb gewinnt Engagement aus „sozialen Resonanzräumen“. „Wertschätzung für Ehrenamt schaffen – das ist Aufgabe der kommunalen Politik“, so Corsten.

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Pressemeldungen Sozialwissenschaften Soziologie Flüchtlinge
news-10646 Tue, 29 Sep 2015 11:47:00 +0200 Rat für Migration: Stellungnahme zu Flucht und Asyl https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/rat-fuer-migration-stellungnahme-zu-flucht-und-asyl/ Berlin, Hildesheim. Migrationsforscher_innen aus dem Rat für Migration haben heute in Berlin das aktuelle Gesetzesvorhaben der Bundesregierung im Bereich Flucht und Asyl kommentiert. Darunter auch Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Universität Hildesheim. Der Rat für Migration hat heute in der Bundespressekonferenz in Berlin (Stellungnahme anhören: Phoenix) das aktuelle Gesetzesvorhaben der Bundesregierung im Bereich Flucht und Asyl kommentiert (zur ausführlichen Stellungnahme und Presseinformation des Rats für Migration vom 29.09.2015). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kritisieren, dass die Gesetzesvorschläge zur Beschleunigung des Asylverfahrens ihr Ziel verfehlten. „Um schnellere Verfahren zu gewährleisten, muss Bürokratie abgebaut werden. Die Vorschläge sehen aber eher ein Mehr an Bürokratie vor. Das bedeutet auch: Längere Wartezeiten bei Behörden und Belastung der kommunalen Haushalte", so Professor Hannes Schammann von der Universität Hildesheim. Beispielsweise werde die maximale Dauer einer sogenannten Duldung von bislang sechs auf drei Monate verkürzt. Dadurch könne aber niemand schneller abgeschoben werden. Stattdessen müssten die Menschen einfach doppelt so häufig zur Ausländerbehörde.

Auch die Wiedereinführung von Sachleistungen in Erstaufnahmeeinrichtungen – beispielsweise durch Essenspakete anstelle von Bargeld – sei ein Rückschritt in Sachen Effizienz: „Erst im März 2015 hat man Sachleistungen abgeschafft, weil sie unpraktisch und zu teuer waren. Jetzt führt man sie wieder ein", kritisiert Schammann. Zudem gebe es keinerlei Belege, dass Sachleistungen tatsächlich abschreckende Wirkung hätten, wie der Gesetzentwurf unterstellt. Schammann ist sich sicher: „Die Menschen werden trotzdem kommen."

Auch von der Einstufung von Staaten des Westbalkan als „sichere Herkunftsstaaten" versprechen sich die Wissenschaftler keine wesentliche Erleichterung. Stattdessen setzen sie auf eine unbürokratische Anerkennung aller syrischen Flüchtlinge. Bislang werden diese zwar bereits zu fast 100 % anerkannt, müssen aber durch ein aufwändiges Verfahren. „Wenn man syrische Kriegsflüchtlinge aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit pauschal anerkennen würde, wäre das Asylsystem mit einem Schlag entlastet und wieder leistungsfähig. Diese Option fehlt aber im Gesetzentwurf," so Hannes Schammann.

Die gesamte Stellungnahme des Rats für Migration mit zehn Forderungen für eine Neujustierung des Asylsystems ist hier online abrufbar.

Info: Rat für Migration

Neben Prof. Dr. Hannes Schammann engagiert sich auch Prof. Dr. Viola Georgi (Professorin für Diversity Education an der Universität Hildesheim) im Rat für Migration. Der Rat für Migration
 ist ein bundesweiter Zusammenschluss von über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus unterschiedlichen Disziplinen. Seine zentrale Aufgabe sieht der Rat für Migration unter anderem darin, politische Entscheidungen und öffentliche Debatten über Migration, Integration und Asyl kritisch zu begleiten.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge Erziehungswissenschaft
news-10579 Tue, 25 Aug 2015 17:45:00 +0200 Campus unter Strom: Carsharing mit Elektroautos https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/campus-unter-strom-carsharing-mit-elektroautos/ Seit fast zwei Jahren erprobt die Universität Hildesheim die Alltagstauglichkeit von Carsharing mit Elektroautos. Nach Feierabend und am Wochenende können Uni-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Autos privat nutzen, tagsüber greifen weitere Beschäftigte auf die Fahrzeuge zurück. Über ein Webportal erfolgen die Buchungen. Auf den Erfahrungen aus dem „innerbetrieblichen Carsharing" können Pflegedienste, Taxiunternehmen oder Nachbarschaftsverbünde im ländlichen Raum aufbauen. Wissenschaftler des Instituts für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik untersuchen, wie elektrisch betriebene Fahrzeuge auf Hildesheimer Straßen zum Einsatz kommen. An der Universität untersuchen sie seit Oktober 2013 im Verbundvorhaben „e-Autarke Zukunft" ein innerbetriebliches Carsharing mit Elektrofahrzeugen. Dabei wird das Fahrzeug zwischen dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer geteilt. Zurzeit stehen für das „Tandem"-Modell fünf Elektrofahrzeuge den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen der Universität zur Verfügung. Ein Tandempartner kann dabei das Auto für die private Nutzung nach der Arbeit und am Wochenende verwenden, erzählt Olexander Filevych. Während der Arbeitszeit steht das Elektrofahrzeug anderen Beschäftigten der Universität für die dienstliche Nutzung bereit, zum Beispiel um vom Kulturcampus zu einem Termin in die Innenstadt zu gelangen. Die anfallenden Gesamtkosten werden geteilt.

„Die Begeisterung für die leisen, umweltfreundlichen und durchaus agilen Fahrzeuge ist groß. Zwei unserer fünf Fahrzeuge werden an einem Solarcarport geladen“, sagt Filevych. Über ein Internetportal kann man einsehen, wie viel Energie erzeugt wird und wie viel Energie das Auto zu welcher Tageszeit verbraucht hat. Auch die dienstliche Nutzung hat seit Oktober 2013 stark zugenommen. Mittlerweile sind rund 100 Nutzer – das sind etwa 14% aller Beschäftigten – im eigens entwickelten Buchungsportal angemeldet. „Die Elektromobilität kommt also gut an und das mit großen Schritten“, meint Filevych.

Um Elektromobilität in die Breite zu tragen, sucht die Arbeitsgruppe um Professor Helmut Lessing zurzeit Organisationen, Unternehmen und Einrichtungen, die das Carsharing-Modell mit Elektrofahrzeugen als Partner der Universität Hildesheim testen. Die Forschung ist Teil der im Juni ausgeschriebenen Förderrichtlinie Elektromobilität.

Die Wissenschaftler konzentrieren sich dabei auf die Wirtschaftlichkeit von Elektromobilität im Landkreis Hildesheim. Nach Auslauf des Projekts soll ein Start-up die Betreuung, Buchung und Abrechnung der Fahrzeuge und Beratungsdienste übernehmen. Das Ziel der Forscher: Sie wollen Elektromobilität aus Hildesheim nun in die weiteren Landkreise in Niedersachsen tragen. Dabei erhalten die Wissenschaftler viele Rückmeldungen von interessierten Privatpersonen, die Elektroautos bereits nutzen oder nutzen möchten sowie von Betrieben, etwa Reinigungsunternehmen und Pflegedienste. Nach einem Aufruf in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung meldeten sich unmittelbar ein Dutzend interessierte Betriebe und Familien.

Und wie reagieren Menschen auf die neue Technologie? In einem weiteren Projekt ist Britta Reinecke beteiligt, in einem Wohngebiet am Moritzberg untersucht sie die Akzeptanz von neuer Energietechnik. Die Sozialwissenschaftlerin erfasst, wie akzeptiert Elektromobilität und Energietechnik, wie Elektroautos genutzt und geteilt werden. Ändert sich dadurch das Mobilitätsverhalten? Die Hildesheimer Wissenschaftlerin untersucht, welche Erfahrungen die Bewohner nach dem Einzug in den Bereichen Technik, Energie, Mobilität sammeln.

Wer Interesse an einer Kooperation hat, kann die Forscher kontaktieren. Auch Privatpersonen sind willkommen an dem Elektroauto-Projekt teilzunehmen, denn in Zukunft könnten sich auch mehrere Familien zusammen tun, um die Nutzungskosten des Elektrofahrzeugs somit untereinander zu teilen. Dabei steht insbesondere der ländliche Raum im Fokus. Kontakt zu den Forschern: Prof. Helmut Lessing (Tel. 05121 883 40512; E-Mail: lessing@cs.uni-hildesheim.de) oder Olexander Filvych (Tel. 05121 883 40644; E-Mail: filevy@uni-hildesheim.de).

Mit Elektrofahrrädern über den Universitätsplatz. Foto: Marian Schrader/Uni Hildesheim

Elektrofahrräder an der Universität

Seit dem Frühjahr stellen die Forscher um Professor Helmut Lessing vier Elektrofahrräder (Pedelecs) für Dienstfahrten innerhalb der Kernarbeitszeit kostenfrei zur Verfügung. Wie schon bei den Elektroautos sind auch die Fahrräder wieder einem Tandem-Partner zugeordnet. Gegen einen kleinen Beitrag von voraussichtlich zwanzig Euro im Monat können die Tandem-Nutzer die Pedelecs auch nach Feierabend privat nutzen. Die Forscher der Uni Hildesheim untersuchen nun, ob die Elektrofahrräder in Unternehmen dazu führen können, dass die Umwelt geschützt wird, weil sie Autos ersetzen. Erste Erfahrungen zeigen, dass im Kurz- bis Mittelstreckenbereich das Auto problemlos stehen gelassen werden kann. Erste Langstrecken-Testfahrten der Hildesheimer Arbeitsgruppe  haben ergeben, dass im Hildesheimer Raum eine Streckenlänge von max. 50 km bei mittelstarker Unterstützungsleistung zurück gelegt werden kann, wenn nicht zwischengeladen wird.  „Es besteht also ein hohes Potential für Pendler im Mittelstreckenbereich“, so das Fazit der Forscher.

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Sozialwissenschaften Fachbereich 4 Betriebswirtschaft & Wirtschaftsinformatik Betriebswirtschaft
news-10229 Sun, 05 Jul 2015 20:06:00 +0200 Migrationspolitik im Fokus der Forschung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/migrationspolitik-im-fokus-der-forschung/ Hannes Schammann befasst sich an der Universität Hildesheim mit Migrations- und Flüchtlingspolitik in Deutschland und der EU. In seiner öffentlichen Antrittsvorlesung spricht der Juniorprofessur für Migrationspolitik Anfang Juli zum Thema „Grenzenlos glücklich? Mythen der Migrationspolitik“. Im Gespräch gibt er vorab Einblick in seine Arbeit. Sie sind an der Universität Hildesheim Juniorprofessor für Migrationspolitik – bundesweit der erste mit dieser Denomination. Womit befassen Sie sich?

Wie wirkt Politik auf Migration und wie wirkt Migration auf Politik? Wer – Kommunen, Bundesländer, EU, Zivilgesellschaft und Unternehmen – meldet sich wie zu Wort? Jeder redet mit, da gilt es genau zuzuhören. In der Lehre möchte ich Kompetenzen zum Leben in einer pluralen Gesellschaft vermitteln. In meinen Kursen diskutieren Studierende mit Flüchtlingen über die Migrationspolitik der EU, am Beispiel der „Pegida“ erörtern sie Fragen der politischen Kultur. Mit Professorin Marianne Kneuer und Professor Thomas Demmelhuber organisiere ich die öffentliche Vorlesungsreihe „Demokratie und Islam“. Da treffen Hildesheimer und Studierende aufeinander und diskutieren intensiv über eines der emotional am stärksten aufgeladenen Themen unserer Zeit.

Wie verändert sich Flüchtlingspolitik? Einige argumentieren mit der Flaute bei den Fachkräften…

Flüchtlinge werden zunehmend mit Blick auf ihren Nutzen auf dem Arbeitsmarkt gesehen. Viele sind aber traumatisiert, können nicht sofort arbeiten. Es wird harte politische Auseinandersetzungen geben, ob das Asylverfahren tatsächlich zu einer Art Rekrutierungsinstrument für Fachkräfte umgebaut werden soll. Vor allem, wenn Kommunen sagen: Wir möchten MINT-Fachleute. Und nicht: Wir möchten eine Familie zusammenbringen, ihr Schutz geben.

„Wir sind nicht genug Menschen hier“, sagt Goslars Bürgermeister. Er lehnt das „Zwischenparken in Sammelunterkünften“ ab. Wie gehen Kommunen damit um?

Sehr unterschiedlich. Am besten fahren Kommunen, die langfristig flexibel denken und Schwankungen der Flüchtlingszahlen einplanen. Flüchtlingsmigration lässt sich kaum steuern. Die Stadt Münster kooperiert etwa mit Wohnungsbaugesellschaften und plant Zwischennutzungen ein. Die Stadt Hildesheim überrascht mich positiv, denkt pragmatisch. Zuerst kommen Flüchtlinge in die Gemeinschaftsunterkunft, dann möglichst schnell in eigene Wohnungen. Das fördert die Integration und ist meist kostengünstiger. Die Stadt kommt im „Arbeitskreis Asyl“ mit Kirchen, Studierenden und ehrenamtlichen Initiativen zusammen.

Studierende engagieren sich, etwa im Bereich Deutsch als Zweitsprache.

Ich beobachte eine große Bereitschaft, sich zu engagieren. Menschen gehen gemeinsam mit Flüchtlingen zur Behörde, lehren die deutsche Sprache. Aber nicht jeder ist qualifiziert, in allen Bereichen zu helfen. Ehrenamt braucht Hauptamt, die Stadt muss das koordinieren und Freiwillige begleiten.

Wo ist Handlungsbedarf?

Land und Kommunen sollten überlegen, wie sie die Wartezeit von Asylsuchenden sinnvoll nutzen können. Langeweile und erzwungene Untätigkeit verursachen Integrationsprobleme, die man später nur noch mühsam beheben kann. Deshalb sollte die Landesregierung weiterhin konsequent mit dem Bund darüber verhandeln, wie man Asylbewerber ab dem ersten Tag für Integrationskurse zulassen kann. Bislang nämlich dürfen Flüchtlinge zumeist erst an den bundesgeförderten Kursen teilnehmen, wenn sie anerkannt sind. Das ist zu spät. Zweitens sollten Land und Kommunen Möglichkeiten schaffen, damit sich Flüchtlinge sinnvoll beschäftigen können. Man kann beispielsweise gezielt studierende Asylsuchende als Gasthörer an Unis zulassen. In Hildesheim gehen wir erste Schritte und merken: Das Schnupperstudium an der Universität gibt Struktur im Tagesablauf, die Studierenden mit Fluchterfahrung nehmen am normalen Uni-Betrieb teil, wie jeder andere Student auch. Viele haben einen ungesicherten Status, aber sie bringen den Mut auf, sind hoch motiviert, zu lernen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Antrittsvorlesung über Migrationspolitik am 8. Juli 2015

Der Migrationsforscher und Politikwissenschaftler Hannes Schammann spricht in seiner öffentlichen Antrittsvorlesung über Migrationspolitik. Die Veranstaltung mit dem Titel „Grenzenlos glücklich? Mythen der Migrationspolitik“ beginnt am Mittwoch, 8. Juli 2015, um 18:15 Uhr im Hörsaal 4 der Universität Hildesheim (Forum, Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim). Interessierte Bürgerinnen und Bürger, Studierende und Lehrende sind herzlich eingeladen. Hannes Schammann hinterfragt in der Vorlesung einige zentrale Thesen der politikwissenschaftlichen Migrationsforschung. Wird Migrationspolitik in westlichen Demokratien wirklich immer liberaler? Hat die Bevölkerung immer etwas dagegen – und ist „Pegida“ typisch für diese restriktiven Tendenzen? Sind unterschiedliche Ansätze der Flüchtlingspolitik nur zwischen Nationalstaaten zu beobachten?

Zur Person

Prof. Dr. Hannes Schammann ist seit Herbst 2014 Juniorprofessor für Migrationspolitik an der Hildesheimer Universität. Vorher arbeitete er mehrere Jahre in der migrations- und integrationspolitischen Praxis: als Projektleiter für Migration und Integration bei der Robert Bosch Stiftung, als Referent für Grundsatzfragen der Integration beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und als Koordinator für Integrationsprojekte bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Ev. Jugendsozialarbeit. Berufsbegleitend promovierte Hannes Schammann an der Universität Passau zu „Ethnomarketing und Integration“. Er arbeitet besonders gerne an der Schnittstelle von Forschung und Praxis. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen auf Migrations- und Flüchtlingspolitik in Deutschland und der EU sowie auf der Frage nach Teilhabe islamischer Organisationen in Deutschland. An der Universität Hildesheim ergeben sich damit zahlreiche Überschneidungen, insbesondere mit dem Zentrum für Bildungsintegration.

Lesen Sie dieses Interview im aktuellen Uni-Magazin ab Seite 21 (zum epaper)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Flüchtlinge
news-9930 Mon, 27 Apr 2015 17:47:00 +0200 Demokratie und Islam https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/demokratie-u-1/ Die Universität Hildesheim organisiert eine öffentliche Veranstaltungsreihe mit prominenten Gästen zur Rolle des Islam in der Politik. Interessierte Studierende, Lehrende, Bürgerinnen und Bürger können ab 5. Mai jeden Dienstag Vorträge besuchen und mit Experten aus ganz Deutschland diskutieren. Themen sind unter anderem die politischen Forderungen von Muslimen an die deutsche und niedersächsische Politik oder die Rolle der „Scharia“ für europäische Muslime. Politikwissenschaftler der Universität Hildesheim diskutieren mit der hochkarätig besetzten Vortragsreihe „Demokratie und Islam“ das Spannungsverhältnis von Religion und Politik und wollen darin einen Raum für einen faktenbasierten Austausch zu einem emotionalisierten Thema schaffen.

Die öffentlichen Veranstaltungen richten sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Region, Studierende und Lehrende. In acht Vorträgen und einer Podiumsdiskussion werden von Mai bis Juli 2015 zentrale Fragen zur Rolle des Islam in der deutschen und internationalen Politik angesprochen. Die Spannbreite der Themen ist groß: Es geht um die grundsätzliche Vereinbarkeit von Religion und Demokratie, um die Deutsche Islam Konferenz und um Forderungen islamischer Verbände an die deutsche Politik. Außerdem werden Vorträge zum politischen Islam im Nahen Osten oder zu theologischen Argumentationen im internationalen Terrorismus angeboten. In einer abschließenden Podiumsdiskussion geht es um den Islam in Niedersachsen. Unter den Vortragenden der Reihe sind Aiman A. Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland), Dr. Guido Steinberg (Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik) und Dr. Manfred Schmidt (Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge).

Die Vorlesungsreihe spiegelt eine Expertise wider, die sich an der Universität Hildesheim am Institut für Sozialwissenschaften in den vergangenen Jahren versammelt hat: Professor Thomas Demmelhuber ist Regionalexperte für den Nahen Osten, Feldforschungsaufenthalte führten den Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt „Internet und Politik" unter anderem nach Ägypten, Jordanien, Katar und Kuwait und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik, befasst sich mit Fragen von Migration und Integration in Kommunen, in Deutschland und Europa. Professorin Marianne Kneuer ist Demokratieforscherin und befasst sich mit dem Verhältnis von Staat und Religion. „Demokratien kennen unterschiedliche Ordnungsmuster, von der strikten Trennung von Staat und Religion (Frankreich), über partnerschaftliche Modelle (Deutschland) bis hin zu Staatsreligionen (Großbritannien)“, sagt Kneuer über das grundsätzliche Spannungsverhältnis von Religion und Demokratie.„Der Glaube fügt sich nicht ohne Weiteres in die moderne demokratische Staats- und Gesellschaftsordnung ein.“ Die drei Hildesheimer Politikwissenschaftler organisieren die Vorlesungsreihe. Sie bilden unter anderem Grund-, Haupt- und Realschullehrerinnen und Lehrer aus.

Oft werde verkannt, „dass außerhalb der arabischen Welt mehr Muslime leben als in der Region selbst. So ist zum Beispiel das bevölkerungsreichste muslimische Land Indonesien auch eine Demokratie", sagt Thomas Demmelhuber. „Meist steht die arabische Welt deckungsgleich zur islamischen Welt." Er weist darauf hin, dass die Annahme eines problematischen Verhältnisses von Demokratie und Islam einer empirischen Prüfung weltweit nur ansatzweise standhält.

Hannes Schammann ergänzt: „Wir wissen aber auch: Politische Forderungen von Muslimen sehen in Hildesheim natürlich ganz anders aus als in Jakarta oder Riad. Wir legen deshalb einen weiteren Schwerpunkt auf muslimisches Leben in Deutschland und Niedersachsen. Hier entwickelt sich seit Jahren eine sehr dynamische und bunte Szene.“

Die erste öffentliche Veranstaltung findet am Dienstag, 5. Mai 2015, um 18.15 Uhr, im Hörsaal 1 auf dem Hauptcampus statt (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim). Das vollständige Programm ist online (PDF) abrufbar.

Die Vorlesung „Demokratie und Islam“ im Überblick:

Zum Auftakt am 5. Mai 2015 spricht Prof. Dr. Marianne Kneuer (Universität Hildesheim) über das Verhältnis von Demokratie und Religion. Dr. Jörn Thielmann (Geschäftsführer des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa, Universität Erlangen-Nürnber) befasst sich am 12. Mai mit dem Thema „Scharia und Europa". Am 19. Mai spricht Prof. Dr. Hannes Schammann (Universität Hildesheim) über Islamische Jugendinitiativen in Deutschland. Am 2. Juni geht es in dem Beitrag von Aiman A. Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Köln) um Forderungen Islamischer Verbände an die deutsche Politik. Wie demokratisch ist der politische Islam Im Nahen Osten? fragt Prof. Dr. Thomas Demmelhuber (Universität Hildesheim) am 9 Juni. „Islam in Indonesien" ist das Thema der Vorlesung von Prof. Dr. Monika Arnez (Universität Hamburg) am 16. Juni. Über „Theologische Argumentationen im internationalen islamistischen Terrorismus" spricht Dr. Guido Steinberg (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin) am 23. Juni. Dr. Manfred Schmidt (Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Nürnberg) spricht am 30. Juni über „Die Deutsche Islam Konferenz: eine Erfolgsgeschichte?". In der abschließenden Podiumsdiskussion am 7. Juli 2015 zum Thema „Angekommen. Anerkannt? Muslime in Niedersachsen" debattieren unter anderem Prof. Dr. Wolfgang Reinbold (Beauftragter für Kirche und Islam der Evangelischen Landeskirche) und Avni Altiner (Vorsitzender der Schura Niedersachsen). Die Moderation übernimmt Hannes Schammann.

Kontakt: Wer Fragen oder Interesse an den Themen der Vorlesungsreihe hat, kann sich an die Organisatoren wenden (Prof. Dr. Marianne Kneuer, Telefon: 05121.883-10706, E-Mail: kneuer[at]uni-hildesheim.de; Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, 05121.883-10704, thomas.demmelhuber[at]uni-hildesheim.de; Prof. Dr. Hannes Schammann, 05121.883-10712, hannes.schammann[at]uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Politik Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung
news-9742 Tue, 07 Apr 2015 18:14:00 +0200 Bloß neue Technik? Wie sich Kommunikationsformen verändern https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/bloss-neue-technik-wie-sich-kommunikationsformen-veraendern/ Wie wir mit digitalen Medien umgehen: Sind Facebook, Twitter und Youtube bloß eine neue Technik oder ändern sich damit auch Formen der Kommunikation? Soziologen der Uni Hildesheim untersuchen, wie Medien genutzt werden: Sie beobachten Online-Kommunikation in Blogs und Foren – und offline-Debatten in Vereinen, an Fotoabenden und Stammtischen. Sie wollen erfahren, wann etwa „Selfies“ entstehen, warum man in politischen Live-Chats und auf Podien diskutiert oder wer Fotos (nicht) online teilt. Interessierte aus dem Raum Hildesheim, Hannover, Braunschweig, Göttingen können an der Studie teilnehmen. Neulich war Michael Corsten mit seiner Familie in einer fremden Stadt. Mit dem Stadtplan in der Hand suchte er nach einem Restaurant. „Mein Sohn hat sein Smartphone rausgezückt, in der Nähe soll ein gutes Restaurant liegen. 35 gute Bewertungen ploppten auf“, erzählt der Soziologe der Universität Hildesheim. Sein Sohn setzt sich durch, die Familie lässt sich auf Empfehlungen von Usern ein, die ihnen unbekannt sind – das Essen war brillant. Das heimische Restaurant ist in keinem Stadtführer verzeichnet, obwohl es im Internet die meisten „Gefällt mir“-Klicks zählt. Ein simples Beispiel aus dem Alltag. „Wir müssen uns vor Augen halten, wie wirksam digitale Kommunikation ist. Jedwede Information – etwa über den letzten Restaurantbesuch – bleibt gespeichert und das verändert soziale Praktiken“, sagt der Professor für Soziologie.

„Wir untersuchen, wie sich Kommunikationsformen in der digitalen und nicht-digitalen Welt unterscheiden. Wie setzt man zum Beispiel ein Thema? Wie weckt man für ein Bild Interesse? Wie protestieren Menschen digital und auf der Straße, wie debattieren sie am Stammtisch oder im Blog über Fußball?“, zählt Michael Corsten auf. Er ist vor allem an den „Umschlagspunkten der Kommunikation“ interessiert, wie Themen gewechselt werden und jemand neue Punkte in eine Debatte einführt.

Ins Feld gehen: Beobachten, was in Debattierclubs, Blogs, Foren und an Stammtischen passiert

Gemeinsam mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern Holger Herma, Laura Maleyka und Sascha Oswald möchte Michael Corsten in dem Forschungsprojekt „Digitale Verbreitungsmedien, Kommunikationsmacht und Generation“ herausfinden, wie verschiedene soziale Gruppen mit den neuen technischen Kommunikationsmitteln umgehen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt mit etwa 250.000 Euro über drei Jahre. Verändert sich mit Facebook, Youtube, Twitter, Blogs und Co lediglich die technische Art der Kommunikation – oder auch die Formen der Kommunikation selbst? Um das herauszufinden gehen die Wissenschaftler ins Feld: Sie beobachten, was in Debattierclubs, Foto- und Filmvereinen, in Blogs, Foren und auch an Stammtischen passiert. Sie sammeln zum Beispiel, wie visuell dargestellte Ironie via „reddit“ verbreitet wird. Die anfangs kleine Gemeinschaft gilt mittlerweile als weltweit genutzte Plattform, die sich als „Startseite des Internets“ bezeichnet.

Die Hildesheimer Arbeitsgruppe geht davon aus, dass „jedes Medium Menschen über unterschiedliche technische Kanäle miteinander verbindet und so eigene Rahmenbedingungen für die Kommunikation setzt“. Ein Zeitschriftenartikel richtet sich über den Sehsinn von einem an viele, während das Telefon den Austausch von nur zwei Menschen über den Hörsinn ermöglicht. Wie stellt ein Chat nun Verknüpfungen zwischen Menschen her? Verlaufen Diskussionen in Foren und via Skype anders, als am städtischen Stammtisch und wie verändert sich dadurch ein Gespräch?

Die Forscherinnen und Forscher möchten in den nächsten drei Jahren mehr darüber erfahren, wie Medien genutzt werden. Dafür suchen sie derzeit Studienteilnehmer (siehe Aufruf unten). Wann entstehen „Selfies“? Wie unterhalten sich Menschen auf Facebook? Wie zeige ich meiner Familie meine Urlaubsfotos? Mit wem, wo und wie diskutiert man über gesellschaftliche und persönliche Themen? „Wir möchten mehr darüber erfahren, welche Generationen sich bestimmten Mediengattungen widmen“, sagt der Soziologe Holger Herma. „Es schafft Unterschiede, in welchem Alter man auf Medien trifft, sie als neuartig, als gewohnt oder als veraltet wahrnimmt, um sich zu informieren und zu kommunizieren. Wir beobachten, wie Menschen analog damit umgehen, zum Beispiel warum sich Menschen auch heute noch zu privaten Dia- oder Fotoabenden treffen, Bilder aber nicht online zirkulieren oder kommentieren lassen. Wir haben viele Fotokreise gefunden, die das Internet nur nutzen, um Termine unter sich zu vereinbaren. Anders verhält es sich mit politischen Live-Chats, wo von vorherein kein geschlossener Kreis gegeben ist“, so Herma.

Bei Podiumsdiskussionen ist ein Ende in Sicht – online ist unklar, wann Debatte endet

Was die Forscher zum Beispiel beobachten: Zeitungskolumnen, die in digitalen Foren in hoher Anzahl von Usern mit nicknames kommentiert werden. „Diese Art der Kommunikation mag dem ersten Eindruck zufolge unübersichtlich wirken, da sich Bezugs- und Anknüpfungspunkte anders ausbilden. Hierzu ein Ordnungssystem zu erstellen, gibt aber Aufschluss darüber, wie sich Kommunikation in digitalen Medien nach eigenen, oft neuartigen Gesetzlichkeiten vollzieht und reguliert", sagt Holger Herma.

Vieles laufe „im Analogen" anders ab: Bei Debatten in Vereinen oder bei einer Podiumsdiskussion ist zum Beispiel der Kreis der Mitwirkenden gesetzt. „Die Orientierung an Sachinhalten und die wechselseitige Bezugnahme ist gängigen Konventionen unterzogen – oder moderiert – und es ist deutlich, wann die Debatte zu Ende ist. Bei einem Thread ist es unklar, wann die Diskussion eigentlich zu Ende ist“, so der Forscher. Die Hildesheimer Arbeitsgruppe untersucht zurzeit intensiv solche Forendiskussionen und Debattierclubs. Die Forscher erfassen, wie um Publikumsgunst und Deutungshoheit gerungen wird und dabei auch Kämpfe um öffentliche Meinung ausgefochten – oder simuliert – werden.

Für manche sind E-Mails selbstverständlich – der Brief wird zur seltenen Sonderform

Außerdem will das Team von Michael Corsten erfahren, wie sich Nutzer die Technologien aneignen. Wie lernen sie mit dem Tablet oder dem Smartphone umzugehen, für welche Information und Kommunikation werden bestimmte Medientypen herangezogen oder absichtlich beiseite gelassen? Und wie binden sie die Technologien in ihren Alltag ein – vom Internetkaufhaus bis zum digitalen Navigationssystem?

Für manche ist das E-mailen selbstverständlich und das Verfassen eines Briefes wird zur seltenen Sonderform – der PISA-Sieger Finnland erwägt derzeit, dem Erlernen der Handschrift an Schulen einen nachrangigen Stellenwert zuzumessen. In Deutschland untersuchten Forscher jüngst die Feinmotorik von Grundschülern und ihre Schwierigkeiten, mit der Hand zu schreiben (dazu FAZ). Für wiederum andere sind E-Mail und sms bereits anachronistisch, sie nutzen Whatsapp und Co, andere Gattungen nehmen sie als randständig wahr.

In dem DFG-Forschungsprojekt untersuchen die Wissenschaftler aus Hildesheim auch, wie in sozialen Netzwerken und Foren Deutungshoheit und Weltauslegungen entstehen. Sie verwenden dafür den Begriff „Kommunikationsmacht“. Wer ist eigentlich berechtigt, einen Themenwechsel vorzunehmen? Laura Maleyka interessiert sich hierbei besonders für die Frage, wie Nutzer es schaffen „eine gegenläufige Meinung im Diskurs durchzusetzen“. Sie hat an der Hildesheimer Universität Internationales Informationsmanagement, Sprachwissenschaften, interkulturelle Kommunikation und Soziologie studiert. Ihre Abschlussarbeit hat Laura Maleyka über Online-Foren geschrieben – und am Beispiel der Brüderle-Debatte um Sexismus verglichen, wie Diskussion analog und digital stattfindet.

Online = anonymer, weniger sozial? Zu einfach. Anaolog und digital kann man nicht mehr scharf voneinander trennen

Was ist tatsächlich neu an den digitalen Medien? „Ich halte die Annahmen, dass die Kommunikation asynchroner, anonymer und weniger sozial verläuft, für vereinfacht. Ich finde es daher spannend, zu erfassen, was sich wirklich in der Kommunikation verändert hat. Das kann man herausfinden, wenn man bestimmte Kommunikationsformate miteinander vergleicht, analog und digital. Dann sieht man auch dass diese Unterscheidung oft nicht mehr trennscharf vorzunehmen ist. So werden etwa digitale Kommunikationspraktiken auch in die analoge Sprache übernommen, zum Beispiel ‚lol‘“, sagt Sascha Oswald, der in Konstanz Soziologie, Sprachwissenschaften und Neurolinguistik studiert hat. „Das Forschungsprojekt reizt mich, weil wir verschiedene Phänomene im Zusammenhang betrachten: Kommunikation, Macht und Technik.“

Professor Michael Corsten, Laura Maleyka und Sascha Oswald. Foto: Lange/Uni Hildesheim

Studie: Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht

Informationen rund um das Projekt erhalten Interessierte bei den Soziologen und der Soziologin unter der E-Mail-Adresse digi-med[at]uni-hildesheim.de. Die Forscher würden sich über Kontakte zu Fotografen, Debattierclubs, Stammtische und Gesprächsrunden aus dem Raum Hildesheim, Hannover, Braunschweig, Göttingen freuen, die an dem Forschungsprojekt teilnehmen. Die Forscher interessieren sich auch an Menschen aller Altersgruppen und beiderlei Geschlechts, die über Ihre Beschäftigung mit Fotografien, Videos oder Debattier- und Diskussionskunst ins Gespräch kommen möchten. Die Teilnehmer müssten etwas Zeit mitbringen und den Forschern Einblicke in ihre Interessen und Freizeitbeschäftigung geben.

Auch Fotojournalisten gesucht

Ein Gespräch mit professionellen Fotografen aus dem journalistischen Bereich wäre ebenfalls sehr interessant für die Hildesheimer Forscher. Sie möchten zum Beispiel erfahren, ob, und wenn ja, worin, sich der Einsatz von Fotos im Online-Journalismus vom klassischen Journalismus unterscheidet. Führt Online-Journalismus auch zu Veränderungen der Herstellung von Fotos (etwa durch die unterschiedliche Wahl von Kameras, aber auch Perspektiven, Größen, Farbeinstellungen)? Gibt es verschiedene Strategien der Platzierung von Fotos (digital/analog)? Ist der Unterschied digital-analog wirklich so bedeutend? Oder spielen nicht gängige Differenzen (wie Format der Zeitung/Zeitschrift, Gattung: Boulevard, Wochenzeitung, Illustrierte) eine viel wichtigere Rolle?

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-9608 Mon, 16 Feb 2015 17:17:00 +0100 Online publizieren: Blättern, knicken – wischen, klicken https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/online-publi/ Klick statt Knick: Weltweit und kostenfrei verfügbar – mit dem „Online-Publishing“ entsteht ein digitales Gedächtnis der Hildesheimer Universität. Erste Erkenntnisse gibt es aus der Politikdidaktik über internationale Schulpartnerschaften. Ein Klick ins Netz – die vollen 264 Seiten stehen online. Begegnungen haben eine „fundamentale Bedeutung für das biographische Lernen bei Schülerinnen und Schülern“. Kaum ist der letzte Satz notiert, sind die 264 Seiten weltweit kostenfrei verfügbar: Im Oktober hat Jessica Schwarz ihre Dissertation „Die Wiederentdeckung der Begegnung in der politischen Bildung" (Volltext online) verteidigt.

Die Politikwissenschaftlerin untersucht am Institut für Sozialwissenschaften, wie Globales Lernen in internationalen Schulpartnerschaften stattfindet. Dabei betrachtet sie die Zusammenarbeit von niedersächsischen Schulen mit Partnern in Brasilien, Costa Rica, Gambia, Kenia, Niger, Tansania und auf den Philippinen. Politische Kinder- und Jugendbildung konfrontiere die Jugendlichen „mit Themen, die erst mit einem bestimmten Alter oder einer gewissen biographischen Reife (Wahlen, Unterschriftenaktionen, Demonstrationen) ihre volle Relevanz für das Individuum entfalten“, so Schwarz. Politische Problembestände seien „nicht mehr lokalisiert oder ausschließlich national geprägt“. Darauf müssen Kinder und Jugendliche vorbereitet werden. Die Politikwissenschaftlerin weist darauf hin, dass Schulpartnerschaften geeignet sind, „um Wissensvermittlung über globale Zusammenhänge mit persönlichkeitswirksamen Erfahrungen der Begegnung mit einem vormals geographisch entfernten Kulturraum zu verbinden“.

Diese Arbeit bildet den Auftakt der Reihe „Hildesheimer Studien zur Fachdidaktik“, herausgegeben von den Professoren Peter Frei, Katrin Hauenschild, Irene Pieper und Barbara Schmidt-Thieme im Universitätsverlag Hildesheim. In den beinahe 20 Verlagsjahren entstanden über 60 Printpublikationen. Wer über das technische Know-how verfügt, konnte und kann auf dem HilDok-Server der Universitätsbibliothek seine Beiträge auch als Online-Ausgabe einstellen. Künftig sollen im Verlag neue wissenschaftliche Reihen ins Leben gerufen und umfassend redaktionell betreut werden. Mit diesem neuen „Online-Publishing“ entsteht ein digitales Gedächtnis der Hildesheimer Universität, kostenfrei und weltweit verfügbar.

Blättern und knicken oder wischen und klicken? „Wir möchten Universitätsmitgliedern die Möglichkeit bieten, ihre wissenschaftlichen Erträge schnell und in ansprechendem Layout zu publizieren“, sagt Mario Müller, Editorial Director Print & Digital Publishing des Universitätsverlages. „Wissenschaftlich arbeiten heißt heute zu einem großen Teil online zu recherchieren. Als Historiker gelange ich an sehr alte Quellen und handschriftliches Material, kann von Hildesheim aus die Bestände in New York und London einsehen – das ist ein Traum. Durch die Online-Recherche wird die wissenschaftliche Arbeit nicht oberflächlicher, sondern intensiver, da ich mir Originale anschauen kann, die sonst in Depots unter Verschluss sind.“ Der größte Feind der Bibliothek ist der Nutzer, schrieb Umberto Eco. „Diesen Eindruck hatte man lange, wichtig war der schonende Umgang mit dem Material. Aber nun bietet das Internet völlig neue Möglichkeit der Rezeption: Einmal gescannt und schon kann man sehen, was geschrieben steht, auch Randnotizen und Nutzungsspuren nachvollziehen“, sagt der habilitierte Historiker. Bisher waren gerade kleine Universitätsstandorte im Nachteil – die Auswahl an Medien ist begrenzt, der Raum knapp bemessen. Zwar arbeiten Forscher und Studierende per Fernleihe – jemand holt das gewünschte Buch hervor, schickt es auf dem Postweg nach Hildesheim, bis es wieder an den Ursprungsort zurückgesandt wird –, das ist aber umständlicher als der Klick im Netz.

Online zu veröffentlichen biete für alle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Möglichkeiten. „Die Werke sind wie im Printbereich über Fachportale recherchierbar und in der Deutschen Nationalbibliothek verzeichnet. Der Universitätsverlag arbeitet nicht gewinnorientiert, wir wollen Wissen flexibel und transparent zur Verfügung stellen“, so Müller.

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news-9392 Sat, 10 Jan 2015 17:56:00 +0100 Mehr als nur Islamfeindlichkeit: Pegida-Demonstrationen in Niedersachsen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/mehr-als-nur-islamfeindlichkeit-pegida-demonstrationen-in-niedersachsen/ Wissenschaftler_innen der Universität Hildesheim rufen zur Beschäftigung mit den vielfältigen Ursachen der Pegida-Demonstrationen auf. Die Ablehnung gesellschaftlicher Vielfalt und die Unzufriedenheit mit dem demokratischen System beschränken sich nicht auf Ostdeutschland. Die verbreitete Angst vor einer „Islamisierung des Abendlandes“ ist nach Meinung der Erziehungswissenschaftlerin Viola B. Georgi und des Politikwissenschaftlers Hannes Schammann nicht der einzige Grund für den Erfolg der Pegida-Bewegung. Die Hildesheimer Professor_innen verweisen darauf, dass die Motive der Demonstranten sehr vielfältig seien. Dabei reiche das Spektrum von der Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation über die grundsätzliche Ablehnung gesellschaftlicher Vielfalt bis hin zur Frustration über das demokratische System. An diesen Problemen müsse man arbeiten, wenn man Pegida wirklich etwas entgegensetzen wolle.

„Wir wissen aus aktuellen Studien, dass die Islamfeindlichkeit in den letzten Jahren massiv gestiegen und in Deutschland auch im internationalen Vergleich bedrohlich hoch ist. Auf die Ablehnung des Islam können sich also viele Personen mit ansonsten sehr unterschiedlichen Interessen einigen. Sie fungiert als gemeinsamer Nenner, als eine Art Marketing-Tool für Pegida“, so Hannes Schammann, der in Hildesheim die Juniorprofessur für Migrationspolitik inne hat. Er widerspricht auch der zunehmend geäußerten Auffassung, die Bewegung sei ein rein ostdeutsches Phänomen: „Auch wenn wir für die angekündigten Demonstrationen in Hannover und Braunschweig wesentlich geringere Teilnehmerzahlen erwarten als für Dresden, gibt es keinen Grund, sich beruhigt zurückzulehnen. Menschenfeindlichkeit und Demokratieverdrossenheit suchen sich verschiedene Ventile. In westdeutschen Bundesländern haben wir es eher mit einem subtileren Alltagsrassismus zu tun, den man nicht auf der Straße zeigt, der aber beispielsweise bei der Diskriminierung von Bewerbern um einen Ausbildungsplatz sichtbar wird.“

Viola. B. Georgi, Professorin für Diversity Education und Leiterin des Zentrums für Bildungsintegration an der Universität Hildesheim, fügt hinzu, dass es notwendiger denn je sei, über unterschiedliche Formen des Rassismus in unserer Gesellschaft zu sprechen. Schammann betont allerdings auch, dass die Pegida-Demonstrationen nicht als Gradmesser für die Einstellung der deutschen Bevölkerung zu Asylbewerbern verstanden werden dürfen. „Es gibt derzeit eine große Welle der Hilfsbereitschaft gegenüber Asylbewerbern in der Zivilgesellschaft. Auch Verantwortliche in Kommunen reagieren auf die steigende Anzahl an Flüchtlingen wesentlich besonnener und pragmatischer als in den 1990er Jahren. Hier sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Daran ändert auch Pegida nichts.“

In Hannover kommen am Montag Vertreter unterschiedlicher Religionen zusammen. Der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen und Präsident der Universität Hildesheim, Professor Wolfgang-Uwe Friedrich, nimmt an diesem Friedensgebet teil. „Alle zwanzig niedersächsischen Hochschulen bringen Ihre Solidarität mit den Opfern des Terrorismus in Frankreich zum Ausdruck. Sie treten ein für Meinungsfreiheit, für Toleranz und Weltoffenheit. Meinungsfreiheit und Freiheit der Wissenschaft gehören untrennbar zusammen", so Friedrich. Zu dem multi-religiösen Friedensgebet laden die Evangelisch-Lutherische Marktkirche und der Rat der Religionen der Landeshauptstadt Hannover ein.

Viola Georgi macht darauf aufmerksam, dass die Angst vor „Überfremdung“ und der mit ihr einhergehende Rassismus besonders dort verbreitet sei, wo interkulturelle Kontakte fehlen, etwa keine Begegnungen mit Flüchtlingen im Alltag stattfinden. Daraus erkläre sich auch der Zulauf von Pegida in den Regionen, in denen kaum Einwanderer leben.

„In den urbanen durch Migration geprägten städtischen Räumen ist Pegida schwach. In Stuttgart, Köln, Frankfurt oder Berlin ist soziale, kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt Teil des gelebten Alltags. Vielfalt ist Normalität und stellt deshalb auch keine Bedrohung dar. An diesen Orten entsteht die neue deutsche Gesellschaft. Hier werden neue Formen des pluralen Zusammenlebens erprobt und verhandelt.“ Die Erziehungswissenschaftlerin ist Mitglied im bundesweiten Rat für Migration. Dieser ist ein Zusammenschluss von rund 80 Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen und hat am 5. Januar 2015 ein Thesenpapier mit Handlungsempfehlungen (pdf) veröffentlicht. Kern ist laut Georgi die Forderung, eine „Leitbild-Kommission“ einzuführen. Ein solch republikanisches Leitbild soll die Selbstverständlichkeit einer postmigrantischen Gesellschaft zum Ausdruck bringen und als Identifikationsmöglichkeit für alle Menschen in Deutschland dienen können.

Der Rat für Migration fordert in seinem Thesenpapier auch eine verstärkte Wissens- und Kompetenzvermittlung zu Fragen der migrationsbedingten Vielfalt. Die Universität Hildesheim geht hier mit zahlreichen Projekten, Seminaren und Veranstaltungen voran. Dabei werden Veranstaltungen, wenn möglich, auch kostenlos für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hier drei Beispiele:

  • Das Zentrum für Bildungsintegration (Prof. Dr. Viola B. Georgi) bietet derzeit eine Ringvorlesung zum Thema „Rassismuskritische Bildung“ an. Die nächste Veranstaltung findet am 21. Januar 2015 statt (12:00 Uhr im Hörsaal 1 am Hauptcampus der Uni Hildesheim). Timo Reinfrank spricht über Rechtsextremismus als eine Herausforderung in der Bildungsarbeit. Der Politologe der Amadeu Antonio Stiftung berät zivilgesellschaftliche Initiativen, Politik und Verwaltung in der Arbeit gegen Rechtsextremismus und entwickelt Bildungsmaterialien zu diesem Themenkomplex. Am 28. Januar 2015 gibt Claudia Schanz, Referentin für politische Bildung am Niedersächsischen Kultusministerium, einen Einblick in aktuelle bildungspolitische Vorhaben im Bereich der interkulturellen Schulentwicklung in Niedersachsen. 
  • Das Fach Politik (Prof. Dr. Marianne Kneuer, Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, Prof. Dr. Hannes Schammann) wird im Sommersemester eine Ringvorlesung zum Thema „Demokratie und Islam“ organisieren. Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben.
  • Zahlreiche Studierende der Universität Hildesheim engagieren sich vielfältig und ehrenamtlich für eine plurale Gesellschaft – ob im neu gegründeten Vorhaben „Muslimunity“ oder in der Initiative „Pangea“, die sich um die Unterstützung der Flüchtlinge im Wohnheim in der Senkingstraße in Hildesheim kümmert. Dabei sind Lehramtsstudierende aus dem Bereich „Deutsch als Zweitsprache" beteiligt.

Forscherinnen untersuchen im Diversity-Monitoring, wie Unis mit Vielfalt umgehen. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Info: Zusammen leben und lernen

Zusammen leben und lernen – in den letzten Jahren entstand an der Universität Hildesheim, wo mit etwa 2600 Lehramtsstudierenden ein Großteil der Grund- Haupt- und Realschullehrer in Niedersachsen ausgebildet wird, ein Schwerpunkt im Bereich Bildungsintegration. Mit 2,85 Millionen Euro unterstützt das Niedersächsische Wissenschaftsministerium das Forschungsgebiet.

Professuren wie Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache und Diversity Education wurden eingerichtet und Fächer wie Sport und Musik in die Planung einbezogen. Am „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“ befasst sich das Team um Viola Georgi, Professorin für Diversity Education, mit Bildungsverläufen. Die Forscher möchten einen Beitrag zum Abbau von Bildungsungleichheit leisten, 2014 wurde ein Promotionskolleg eingerichtet. Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Diversity und Hochschule, historisch-politische Bildung in der Migrationsgesellschaft, interkulturelle Schulforschung, Bildungsteilhabe von Minderheiten, Diversity in Schulbüchern, Mehrsprachigkeit, Diversity und Musik und Künste sowie Sport und Teilhabe.

2014 hat die Universität eine Juniorprofessur mit dem Schwerpunkt „Politik und Migration“ besetzt. Der Politikwissenschaftler Hannes Schammann arbeitet praxisnah, in diesem Semester befassen sich seine Lehramtsstudierenden zum Beispiel mit religiöser Vielfalt in der Schule und wie sich junge deutsche Muslime gesellschaftlich engagieren. In einem weiteren Seminar sind die Studierenden vor Ort, diskutieren mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen, befassen sich mit lokaler Flüchtlingsarbeit in Hildesheim und wo Herausforderungen in der europäischen, nationalstaatlichen und kommunalen Flüchtlingspolitik liegen.

Mehr zum Thema:

NDR online, 10.01.2015, „Uni Hildesheim will über Pegida aufklären / Warum ist Pegida so erfolgreich? Die Gründe gehen über die Angst vor 'Islamisierung' weit hinaus, sagen zwei Hildesheimer Forscher. Sie planen zahlreiche Veranstaltungen zum Thema"

NDR 1 Niedersachsen, 11.01.2014 ~12:00 Uhr, Hörfunk, Interview mit Hannes Schammann

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news-9246 Mon, 08 Dec 2014 09:28:00 +0100 Kein Neuland mehr? Warum immer mehr deutsche Politiker twittern https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/kein-neuland-mehr-warum-immer-mehr-deutsche-politiker-twittern/ Wie nutzen Politkerinnen und Politiker das Internet? Fast der ganze Bundestag ist sozial vernetzt, nur 29 der 631 Bundestagsabgeordneten sind weder auf Facebook oder Twitter unterwegs, beobachtet Martin Fuchs. In der Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten" gibt der Blogger einen Einblick, warum Politiker twittern. Manchen fehlt schlicht die Zeit, um die Netzwerke authentisch und persönlich zu nutzen. Vor einer Woche hat sich Niedersachsen wieder zu Wort gemeldet: „Wir sind zurück – die Niedersächsische #Landesregierung wird nun wieder von hier Neuigkeiten in alle Welt vertwittern", verkündete die Landesregierung. Zuvor war der Account seit Mai 2013 verwaist. Einen Tag später meldet sich auch der Niedersächsische Ministerpräsident: Seit einer Woche twittert „Stephan Weil und die Pressestelle der Staatskanzlei". Im Tweet Nr. 16 heißt es zum Beispiel: „Viele #Flüchtlinge bringen viele Talente mit - auch deswegen mehr Engagement für Integration!"

Wie nutzen Politker das Internet? Der Blogger und Politikberater Martin Fuchs geht an der Universität Hildesheim der Frage nach, was deutsche Politiker auf Twitter machen. Der öffentliche Vortrag „Politik im Netz: Warum immer mehr deutsche Politiker twittern“ beginnt am Dienstag, 9. Dezember 2014, um 19:15 Uhr am Bühler-Campus der Uni. Fast der ganze Bundestag ist sozial vernetzt, nur 29 der 631 Bundestagsabgeordneten sind weder auf Facebook oder Twitter noch auf Google+ oder Youtube aktiv, beobachtet Fuchs. Warum sie offline sind? Ihnen fehlt schlicht die Zeit, um die Netzwerke authentisch und persönlich zu nutzen. Außerdem begründeten die Abgeordneten die Nichtnutzung mit dem Datenschutz oder sie lehnten diese Form der online-Dialogkultur ab.

Martin Fuchs berät mittlerweile Spitzenpolitiker in Berlin und den Bundesländern in Sachen Nutzung von Social Media, steht im Austausch mit den Social-Media-Verantwortlichen des Auswärtigen Amtes und war zuletzt im Auftrag des Auswärtigen Amtes und einiger Botschaften international unterwegs. Als „Hamburger Wahlbeobachter" bloggt er über die Nutzung von Social Media wie Twitter, Facebook und Co in der Politik. So hat er zum Beispiel untersucht, wie die 142 Landesministerien und Staatskanzleien im Web unterwegs sind. Ein Ergebnis: 29 haben einen Twitter-Account (Stichtag 5. Oktober 2014). Die Landesregierung Baden-Württemberg hat in drei Jahren über 5000 Tweets gesendet, äußert sich auch zu kritischen Themen, baut Infografiken und visuelle Elemente ein, so Fuchs. Allerdings seien die Tweets nicht personalisiert, man weiß nicht, wer aus der Regierung zwitschert. Kein Bürger kommuniziert gerne mit einer Blackbox, so der Blogger. Anders das Sächsische Staatsministerium des Inneren, das einzige Landesministerium mit einem personalisiertem Twitter-Account. „Als Profilfoto grüßt weder ein Bild vom Ministerium noch das Logo der Behörde, sondern der Sprecher des Hauses Martin Strunden. Diese direkte Ansprache macht den Account persönlicher und schafft ein gewisses Maß an Vertrautheit", so Fuchs.

Fuchs spricht im Rahmen der öffentlichen Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten", die sich an Bürger aus der Region, an Studierende und Lehrende richtet. Dabei geht es an der Universität Hildesheim in insgesamt sechs Vorträgen mit Diskussion um digitale Selbstdarstellungen in der Politik und um Selbstdarstellung von Spitzenpolitikern auf deren persönlichen Internetseiten in mehreren Ländern. Am 6. Januar 2015 spricht Frederic Kastner über Informationstechnologie für Entwicklungsländer, am 20. Januar 2015 geht es in dem Beitrag von Nicola Döring um psychologische Folgen durch Internetnutzung. Die Reihe endet am 3. Februar 2015 mit einem Vortrag von Carola Richter (FU Berlin) über soziale Medien in Umbrüchen in Ägypten, China und anderen Autokratien. Organisiert wird die Vorlesungsreihe von dem Politikwissenschaftler Professor Thomas Demmelhuber, dem Informationswissenschaftler Professor Joachim Griesbaum und Beatrix Kreß, Professorin für Interkulturelle Kommunikation. Die Reihe findet in Kooperation mit der Universitätsgesellschaft Hildesheim e.V. und dem Herderkolleg statt.

Twittern mit Pausen: Niedersächsische Landregierung, Ministerpräsident. Screenshots: Isa Lange/Uni Hildesheim

Internet und Politik

Die Forschergruppe „Internet und Politik" an der Universität Hildesheim untersucht, welche Rolle das Internet in politischen Prozessen spielt, etwa im Nahen Osten und beim Regimewandel in Ägypten oder im Wahlkampf vor der Haustür. Die Politikwissenschaftler gehen der Frage nach, wie im Internet Meinungsbildungsprozesse angestoßen und Entscheidungen getroffen werden können und beobachten, wie Politiker soziale Online-Medien nutzen. Dabei untersuchen die Professoren Marianne Kneuer und Thomas Demmelhuber auch die Rolle Neuer Medien in Transformations- und Demokratisierungsprozessen. Über das Internet können Bürger Proteste schneller und breiter organisieren, wie die politischen Umbrüche in Tunesien und Ägypten zeigen. Allerdings warnen die Forscher davor, das Internet als „Befreiungstechnologie“ zu bezeichnen, wie es im Zuge der jüngsten arabischen Umbrüche geschah. Soziale Medien können keine Revolutionen auslösen und auch keine Demokratisierung erzeugen. Das Internet ist ein neutrales Medium und kann „von den Guten und den Bösen genutzt werden“.

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news-9135 Fri, 14 Nov 2014 13:05:00 +0100 Ein Bild geht um die Welt: Hillary's Hand https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/ein-bild-geht-um-die-welt-hillarys-hand/ Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Die Welt der Pixel analysieren: Das Institut für Sozialwissenschaften zeigt Wege auf, wie Bilder interpretiert werden können. Wie man Pixel interpretieren kann: Professor Michael Kauppert und Irene Leser vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim zeigen in der Publikation „Hillary's Hand. Zur politischen Ikonografie der Gegenwart", wie man Bilder, die um die Welt gehen, analysieren kann.

Das Foto aus dem „Situation Room" im Weißen Haus (zum Bild), in dem sich am 1. Mai 2011 das nationale Sicherheitsteam der US-Regierung versammelte, ging um die Welt. Die Aufnahme von Pete Souza wurde massenmedial außerordentlich schnell verbreitet, lud zu Bild-Adaptionen ein und gilt als eines der meist betrachteten Fotos auf flickr. An politischen, rechtlichen und moralischen Kommentaren zu diesem Bild fehlt es nicht – wohl aber an wissenschaftlich begründeten Aussagen. „Einem berühmten Sprichwort zufolge sagt ein Bild mehr als tausend Worte. Mit unserem Buch lässt sich prüfen, ob dies mehr als nur eine Metapher ist", sagt Michael Kauppert. Entstanden ist nun ein Buch zu einem Bild, in 76.505 Worten. „Hillary's Hand" versammelt soziologische, kunst- und kulturwissenschaftliche Analysen zu einem Foto und bündelt sie in einer methodischen Reflexion. Die Beiträge befassen sich mit Abwesenheit und Sichtbarkeit, mit Wahrheit, mit Medienmechanismen amerikanischer Bildpolitik nach dem 11. September, und erklären, was Hillary Clintons Hand verdeckt.

„Lange Zeit wurde in der qualitativen Sozialforschung die Bedeutung des Visuellen vernachlässigt. Es galt die Maxime, die Welt als Text zu verstehen. Im Zuge gesteigerter digitaler Bildaufkommen ist es unabkömmlich, die Welt der Pixel zu analysieren", sagt die Soziologin Irene Leser. Bilder dienen privater Erinnerung, der Dokumentation (institutionell) wichtiger Ereignisse, der Information über Sachverhalte oder sie repräsentieren Herrschaft, politische und militärische Macht.

Die Herausgeber stellen Forschungsergebnisse vor und diskutieren in der Universitätsbibliothek mit dem Medienkünstler Franz Reimer über das Foto, das für Furore sorgte. Der Künstler hat eine Videoinstallation zum „Situation Room" erstellt.

Die öffentliche und kostenfreie Buchpräsentation beginnt am 18. November 2014 um 18.15 Uhr in der Leselounge der Universitätsbibliothek Hildesheim. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Leseprobe und Inhaltsverzeichnis „Hillary's Hand. Zur politischen Ikonografie der Gegenwart" (PDF)

„Hillarys Hand. Ein Foto, das Geschichte machte", Buchbesprechung der Publikation von Michael Kauppert und Irene Leser von der Hildesheimer Universität, Sendung „Andruck. Das Magazin für politische Literatur", Deutschlandfunk (Audio-Beitrag von Katharina Hamberger, 6 Min.)

[Dieser Beitrag wurde am 14.01.2015 aktualisiert mit dem Hinweis auf den DLF-Beitrag.]

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news-9097 Sat, 08 Nov 2014 09:13:00 +0100 Digitale Lebenswelten: Das Internet, eine Bühne für Politik und Selbstdarstellung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/digitale-lebenswelten-das-internet-eine-buehne-fuer-politik-und-selbstdarstellung/ Beatrix Kreß untersucht an der Universität Hildesheim, wie Politiker das Internet nutzen, um sich darzustellen. Sie archiviert Kommentare und Updates. „Das Netz ist als Bühne interessant. Über Kanäle wie Facebook und twitter können Politiker selbstbestimmt Nachrichten schicken", so Kreß. Politiker wenden sich auch an Kinder und Jugendliche: Die russische Internetseite „Lerne den Präsidenten kennen“ sei eine „kleine Staatsbürgerkunde". Isa Lange sprach mit der Professorin für Interkulturelle Kommunikation. Sie befassen sich am Institut für Interkulturelle Kommunikation mit politischer Sprache, vor allem in slawischen Ländern und im Internet. Was sind Gründe für eine Selbstdarstellung im Internet?

Sich darzustellen, PR in eigener Sache ist ein Grund, warum das gemacht wird, da unterscheiden sich deutsche Politiker nicht von russischen Politikern. Das Netz ist als Bühne interessant. Über Kanäle wie Facebook und twitter können Politiker selbstbestimmt Nachrichten schicken, ohne dass ihnen „lästige Journalisten“ sozusagen dazwischen kommen. Das ist für russische Politiker ebenso interessant wie für deutsche. Eine wichtige Rolle spielt auch das Image des Mediums: Das Internet steht für zeitgemäße Politik und politische Partizipation, besondere demokratische Strukturen, die eine Demokratie von unten implizieren – jeder kann mitsprechen. Von diesem Image möchte jeder ein Stück abhaben.

Lassen Sie uns in die russische Politik einsteigen. Sie eröffnen mit dem Thema „Politainment à la russe: Digitale Selbstdarstellungen in der russischen Politik“ die öffentliche Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten“. Sie beobachten, was sich in den sozialen Medien und im Internet tut, seit Dmitrij Medvedev Präsident war und wie Wladimir Putin im Internet auftritt. An wen richten sich diejenigen, die da aktiv sind?

Interessanterweise sind die Inhalte überwiegend auf Russisch und eher innenpolitisch, an das interne Publikum gerichtet. Den Facebook-Auftritt von Wladimir Putin gibt es auf Russisch und Englisch, wobei das Englische eine stark verkürzte Fassung des Russischen darstellt. Hier wird vor allem über seine Reisen berichtet und über Events, die er besucht hat. Wenig wirklich politisch Relevantes wird da gesagt. Es ist eher eine Art Hofberichterstattung, etwa: Putin war in einer Schule und hat den neuen Sportsaal eröffnet. Im Russischen sind die Berichte relativ ausführlich gehalten. Es ist eindeutig, dass sie sich zunächst an ein russischsprachiges Publikum richten.

Sie untersuchen Selbstdarstellungen, blogs und videoblogs von Politikern im Internet, etwa von Dmitrij Medvedev, haben dazu Beiträge veröffentlicht, etwa die Publikation „Totalitarian Political Discourse? Tolerance and Intolerance in Eastern and East Central European Countries" (2013) und „Stilisierungs- und Inszenierungsmuster der Demokratie und politischen Partizipation in der Webpräsenz des russischen Präsidenten" (2012).

Medvedev war der Anstoß, sich mit dem Thema Selbstdarstellungen stärker zu befassen. Er hat in seiner Amtszeit als russischer Präsident von 2008 bis 2012 einen extrem großen Wert auf seine Internetpräsenz gelegt, das war sehr auffällig. Es gibt von ihm ein bekanntes Zitat: Jemand, der im Internet die Präsenz verliert, verliert auch die Präsenz im wahren Leben. Er ist der erste bedeutende russische Politiker, der sich das Medium zu eigen gemacht hat – vom bloggen über twittern bis zur Einrichtung einer Webseite für Kinder. In seiner Amtszeit ist die sonstige Aktivität von russischen Politikern im Netz enorm angestiegen. Er wollte das moderne Image des Mediums nutzen, auf ihm lagen Hoffnungen, dass er in der russischen Politik Reformen einführen wird. Mit dem Internet hat er auch versucht, sich mit dem Image des „Modernisierers“ zu kleiden. Dann gibt es einen harten Cut, der zwischen den Darstellungsstilen von Medvedev und dann Putin verläuft. Putin nutzt auch das neue Medium – aber ganz anders. Nicht auf der pseudo-partizipativen Ebene, sondern er nutzt es eher als statisches Medium.

Ein Merkmal von Facebook und all den Plattformen ist, dass sich die Bevölkerung einmischen, kommentieren, etwas ansprechen und kritisieren kann. Passiert das?

Das passiert derzeit deutlich weniger als zu Zeiten Medvedevs. Das liegt daran, dass Putin Wege wählt, die das weniger möglich machen. Medvedev hat zum Beispiel einen Videoblog mit Kommentarfunktion, da konnte man auch kritische Stimmen finden. Das gibt es bei Putin nicht. Die Internetseite des Präsidenten ist aktuell nicht kommentierbar –, dort werden seine Biographie und seine Hobbies vorgestellt. Da kann man nicht dran teilnehmen. Dann gibt es den Facebook-Auftritt, der aber so gehalten ist, dass über wirklich brisante Themen nicht gesprochen wird. Sondern über relativ marginale Auftritte zum Beispiel bei Veteranentreffen wird berichtet. In den Kommentaren erscheint dann auch nichts. Das sind banale Aussagen wie „Putin, dein Foto ist super“. Es wird nicht inhaltlich gesprochen.

„Das Ego geht online“ hieß es in einem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung. Warum gibt es denn diesen Drang, sich zu präsentieren, diese Selbstdarstellungen im politischen Bereich. Eigentlich liegt doch die Chance des Internets darin, Bürger zu beteiligen. Wenn Sie nun beobachten, dass dort banale Aussagen wie „Das Foto gefällt mir“ geäußert werden – welchen Nutzen haben denn diese Auftritte?

Primär geht es um Selbstdarstellung. Online-Medien sind für Putin – nach den klassischen Medien – ein weiterer Kanal, um zu zeigen, wie ein starker Mann beim Fischen, auf der Jagd auftritt. Mittlerweile ist es für ihn auch ein Problem, dass die Präsenz in sozialen Online-Medien zum guten Ton gehört. Man muss dort präsent sein. Das sagen ihm vermutlich auch seine Berater, es ist problematisch, wenn er keinen Facebook-Auftritt hätte. Seine Berater finden Mittel und Wege es so zu gestalten, dass der Präsident nicht allzu sehr angegriffen werden kann.

Sie haben Äußerungsstrukturen in Konflikten untersucht und sich dabei auf russische und tschechische literarische Texte konzentriert.

In meiner Dissertation gehe ich davon aus, dass literarische Texte teilweise versuchen, natürliche Sprache abzubilden. Es gibt eine Annäherung, es gibt Autoren, die im literarischen Sprechen versuchen, Authentizität herzustellen. Ich habe Dialoge in Romanen und Dramen untersucht, um Parallelen zwischen natürlichem Sprechen/Streiten und literarischem Sprechen/Streiten aufzuzeigen und um typische Äußerungsstrukturen zu vergleichen, die Konflikte kennzeichnen. Ein Beispiel: In den absurden Dramen Vacláv Havels werden die politischen Pseudokonflikte im Sozialismus und das dort übliche „Neusprech“ totalitärer Systeme verballhornt auf eine Weise, die die politische und die Alltagsrealität der damaligen Zeit widerspiegelt.

Da sind einerseits die Bücher, daneben die „echten“ natürlichen Texte wie eine Rede eines Politikers oder eine Fernsehübertragung, hinzu kommen Äußerungen über das Internet. Wenn Sie die Äußerungsstrukturen im Internet angesichts der aktuellen Konflikte beobachten: Was findet im Netz statt?

Putin lässt das bewusst nicht ins Netz einfließen. Alles was im Netz verfügbar ist, ist zu preisgegeben und seiner Verfügungsmacht entzogen. In dem Moment kann jeder darauf zugreifen. Konfliktevozierende Äußerungen finden ausschließlich vor der Presse oder anderen Politikern in mündlicher Form statt. Wenn Putin in solchen Kreisen spricht, dann ist das in hohem Maße inszeniert und insofern nahe dem Literarischen als es auf bestimmte Effekte hin zugespitzt ist und genau in dieser Erwartung geäußert wird. Es gibt zwar immer mal wieder, weniger in letzter Zeit, „Ausfallerscheinungen“, wo die Fassade bröckelt und Putin deutlich Emotionen zeigt. Aber solche Ausbrüche sind selten, innerhalb des Ukraine-Konfliktes ist alles extrem beherrscht.

Wie gehen sie in Ihren Untersuchungen vor, schauen Sie alle zwei Tage auf den Facebook-Account?

Genau, ich sammle möglichst alles und stelle ein Korpus zusammen. Ich rufe täglich ab, was es für neue Kommentare und Updates auf Facebook gibt, um das zu archivieren. Quantifizieren möchte ich nichts, aber seit Medvedev so aktiv im Netz wurde, beobachte ich das kontinuierlich. Da das Netz wenig vergisst, sind viele Dinge auch heute noch auffindbar.

Sie haben einen Beitrag „Der Präsident Russlands an seine Bürger im Schulalter" verfasst. Politiker wenden sich auch an Kinder und Jugendliche. Es gibt eine russische Website für Kinder und Jugendliche „Lerne den Präsidenten kennen". Auf der Internetseite können Kinder und Jugendliche etwa aus einem Fragenkatalog eine Frage an den Präsidenten auswählen, aber nicht selber eine formulieren. Wie läuft das ab, wenn man Kindern die russische Politik und den Präsidenten erklärt?

Das ist sehr spannend. Die Seite „Lerne den Präsidenten kennen“ ist unter Medvedev eingerichtet worden, eine kleine Staatsbürgerkunde. Die Internetseite ist ganz geschickt gemacht, auf spielerische Art und Weise werden Kinder eingeladen, Grundbegriffe der Politik kennen zu lernen. Es gibt ein Quiz „Was ist Demokratie?“ und man kann sich durch Ja- und Nein-Fragen durchklicken, ob man denn weiß, was eigentlich Demokratie bedeutet. Dann gibt es Rubriken, in denen es um die persönliche Inszenierung geht und wo man den Präsidenten näher kennen lernen kann – auf Augenhöhe. Er berichtet von seiner Schulzeit und wie er sich auf dem Schulhof geprügelt hat. Einerseits ist das Portal interaktiv, doch gleichzeitig beschränkt: Man kann Fragen an den Präsidenten stellen – aber muss aus einem vorgegebenen Fragenrepertoire auswählen und kann nicht frei formulieren. Das ist auch hier der Versuch, eine Offenheit und Zugänglichkeit zu suggerieren, aber auch nicht zu viel preis zu geben. Ich möchte nun die Veränderungen untersuchen, die es unter Putin gibt. Er lässt die Internetseite für Kinder weiterbetreiben.

Was steckt hinter dem Begriff „Politainment“ – auf welche Länder ist das anwendbar?

Der Begriff stammt von dem deutschen Politik- und Medienwissenschaftler Andreas Dörner. Er beschreibt damit ein Phänomen, das vor allem in den späten 1990er Jahren aufgetreten ist, wo Politiker zunehmend das Fernsehen für sich genutzt haben und einen Politikstil etabliert haben, der nicht das klassische „Wir sind in einer politischen Elefantenrunde“ verkörpert hat, sondern immer an der Grenze zum Entertainment stand. Ein Beispiel ist Guido Westerwelle mit seinem 18-Prozent-Wahlkampf, er fuhr mit seinem Guido-Mobil durch die Lande und zog in den Big-Brother-Container ein. Plötzlich tauchen im Fernsehen Formate auf, in denen Politiker mitwirken, aber die nicht wirklich politisch sind, sondern sich in einem privat-politischen Zwischenzustand bewegt haben. Auch bei „Wetten dass“ sitzen die Politiker als unterhaltend und politisch sprechende Menschen da. Die Beschäftigung mit diesem Phänomen begann bereits vor einigen Jahrzehnten in den USA. Markant ist in der russischen Politik: die Putinsche Inszenierung setzt auf das Heldentum, auf den starken Politiker, der auch im privaten Kontext stark ist. Hier ist ein Politiker, der ist auch physisch stark, der ist körperlich fit, wenn es auf anderem Wege nicht mehr geht. Putin hat sich beispielsweise, als die schrecklichen Waldbrände vor vier Jahren rund um Moskau herrschten, an der Brandlöschung im Hubschrauber beteiligt. Das haben die Medien aufgegriffen und er wurde mit rauchgeschwärztem Gesicht in Feuerwehruniform gezeigt.

Sie forschen zu Inszenierungen in der russischen Politik, zu politischer Sprache, Mediensprache und Werbesprache. Wie erkennt man das sprachlich?

Man kann alles inszenieren, auch Authentizität. Ich beziehe kontextuelle Faktoren in die Analysen ein, ich weiß wo die Äußerung stattfindet, wer dabei ist und an wen die Nachricht adressiert ist. Ob ich Fachterminologie verwende oder versuche, meine Botschaft in eine weniger komplexe Sprache umzubrechen ist ein Zeichen dafür, an wen ich mich richte. Auf Facebook wendet sich Putin häufig etwa an russische Seniorinnen und Senioren und lässt von Ereignissen berichten, auf denen er mit Veteranen aus dem zweiten Weltkrieg zusammenkommt. Dann werden „Erinnerungen an früher“ in einem erzählenden Ton veröffentlicht: Damals im Winter, als in St. Petersburg die große Hungersnot ausbrach. Wenn Putin sich an Bürger von der Straße richtet, dann wählt er ein anderes sprachliches Register, als wenn er vor der Duma spricht.

Zur Person

Beatrix Kreß ist Professorin für Interkulturelle Kommunikation an der Universität Hildesheim. Sie forscht zu Migration und Mehrsprachigkeit, ein Arbeitsschwerpunkt sind Slawische Länder. Die Sprachwissenschaftlerin befasst sich zum Beispiel mit mehrsprachigen Bildungsbiografien und untersucht, welche Zusammenhänge zwischen Herkunftssprachen und Identitätsentwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund bestehen. In einer Studie erfasst sie seit 2010, wie Kinder mit russischsprachigem Migrationshintergrund in der russischen Community in Niedersachsen gefördert werden und wie dabei „schulähnliche Strukturen entstehen". Mit Blick auf digitale Lernplattformen weist Prof. Dr. Beatrix Kreß darauf hin, dass man bei der Gestaltung von Online-Wissensplattformen, die ja weltweit zugänglich sind, auf kulturelle Unterschiede eingehen sollte. Beteiligte gehen oft von einem kulturfreien Raum aus, obwohl gerade der Umgang mit Wissen kulturspezifisch ist. Beatrix Kreß hat Slavische Philologie und Germanistik in Frankfurt am Main und Prag studiert.

Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten“

Die öffentliche Vorlesungsreihe „Digitale Lebenswelten: Politik – Medien – Kommunikation" richtet sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Region, an Studierende und Lehrende. Dabei geht es an der Universität Hildesheim in insgesamt sechs Vorträgen mit Diskussion um digitale Selbstdarstellungen in der Politik, um soziale Medien in Transformationsprozessen (Länderbeispiele sind Ägypten und China), um Selbstdarstellung von Spitzenpolitikern auf deren persönlichen Internetseiten im interkulturellen Vergleich und Informationstechnologie für Entwicklungsländer. Die Forscherinnen und Forscher gehen der Frage nach, warum immer mehr deutsche Politiker twittern und welche psychischen Folgen durch Internetnutzung entstehen. Organisiert wird die Vorlesungsreihe vom Institut für Sozialwissenschaften (Prof. Dr. Thomas Demmelhuber), Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie (Prof. Dr. Joachim Griesbaum ) und Institut für Interkulturelle Kommunikation (Prof. Dr. Beatrix Kreß). Die Reihe findet in Kooperation mit der Universitätsgesellschaft Hildesheim e.V. und dem Herderkolleg statt.

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Fachbereich 3 Interkulturelle Kommunikation
news-8812 Sat, 20 Sep 2014 18:05:00 +0200 Mehr Demokratie durch neue Medien? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/mehr-demokratie-durch-neue-medien/ Twitter, whatsapp, Foren und blogs – über das Internet ist Kommunikation nicht mehr an einen Ort gebunden. Jeder kann von unterwegs Informationen empfangen, sich empören und mit anderen zusammenschließen. Etwa 20 Politik- und Kommunikationswissenschaftler diskutieren auf der gemeinsamen Tagung der DVPW-Arbeitskreise „Demokratieforschung“ und „Politik und Kultur“ an der Universität Hildesheim die Bedeutung neuer Medien für Demokratien. Twitter, facebook und whatsapp, chats, Foren und skype, blogs und mailing – über das Internet ist Kommunikation nicht mehr an einen Ort gebunden, jeder kann von unterwegs Informationen senden und empfangen, sich empören und mit anderen zusammenschließen. Im politischen Prozess bietet das Internet neue Wege, um zu Entscheidungen zu gelangen: Bürger können Petitionen und Gesetzesvorhaben elektronisch einreichen. Der letzte Schritt ist dann die Abstimmung per Klick am Computer zu Hause, entweder bei einer Wahl oder bei einem Referendum, sagt die Politikwissenschaftlerin Marianne Kneuer. Doch diese Möglichkeiten werden weltweit sehr unterschiedlich genutzt. Am weitesten verbreitet sind die Bereitstellung und Nutzung von Information, deutlich weniger setzen Regierungen elektronische Beratungs- und noch seltener elektronische Entscheidungsmechanismen ein, so Kneuer.  Deutschland liegt hier nur im unteren Bereich.

Neue Kommunikationsmedien verändern die heutigen Demokratien – in welcher Weise, darüber diskutieren 20 Fachleute auf der Tagung „Web 2.0 – Demokratie 2.0: Digitale Medien und ihre Implikationen für Prozesse und Qualität von Demokratie“ (Programm). Die Veranstalter Professorin Marianne Kneuer (Universität Hildesheim), Professor Samuel Salzborn und Professor Walter Reese-Schäfer (Universität Göttingen) wollen mit der Tagung deutlich machen, wie soziale Medien demokratische Prozesse beeinflussen.

Welche Antworten aus Sicht der Praxis gegeben werden können, darüber debattieren Marina Weisband, ehemalige Geschäftsführerin der Piratenpartei und Autorin des Buches „Wir nennen es Politik“, und Dr. Stephan Eisel, MdB a.D. und seit 2010 Projektleiter für Internet und Demokratie sowie Bürgerbeteiligung der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die Wissenschaftler analysieren auf der Tagung das Zusammenspiel von neuen Medien und Demokratien. Welche Rolle spielt das Internet als neuer Raum von Öffentlichkeit? Und wie wird in diesem Raum kommuniziert? Diesen Fragen nähern sich die Referenten mit Beispielen wie dem Plagiats-Wiki Guttenplag (Hagen Schölzel) und stellen Befunde über Diskurse in Online-Öffentlichkeiten vor (Alma Kolleck).

Ob neue Medien zu mehr Partizipation beitragen können und wie Politiker auf die neuen Forderungen der Bürger reagieren, damit beschäftigt sich Aron Buzóngany. Doch welche Wirkung können Online-Verfahren entfalten? Tobias Escher und Ulrich Rosar geben einen Einblick in ein Anwendungsfeld: Sie untersuchen den Einfluss auf die Qualität politischer Entscheidungen im Hochschulbereich. Mathias König und Wolfgang König zeigen am Beispiel der SPD, welche Bedeutung Online-Verfahren für Mitgliederentscheide in Parteien haben und wie während der Abstimmung zur „Groko“ getwittert wurde – SPD-Mitglieder konnten im Herbst 2013 ihr Votum über den Koalitionsvertrag abgeben. Auf der Tagung geht es auch um konkrete Methoden: Wie Online-Kommunikation fundiert analysiert werden kann, zeigt der Hildesheimer Informationswissenschaftler Joachim Griesbaum.

Trägt das Internet zu mehr Transparenz bei? Am Beispiel von Rechtsextremismus leuchtet Samuel Salzborn die „dunkle Seite des WWW“ aus. Wer tummelt sich im Netz, wer sind die Akteure? Um das herauszufinden, steigen Wissenschaftler ein in die sozialen Medien. So untersuchen Marianne Kneuer und Saskia Richter an der Hildesheimer Universität, die facebook- und twitter-Kommunikation während Empörungsbewegungen seit 2011, etwa der Occupy-Bewegung in Deutschland, Großbritannien und den USA. Dafür haben sie bisher über 1200 posts gesammelt und analysiert. Ergebnisse stellen sie Anfang November in Berlin vor. So wird beispielsweise deutlich, dass über soziale Medien Symbole und Emotionen vermittelt werden, etwa Empörung über Banken und Verunsicherung mit dem politischen System und seinen Reaktionen auf die Finanzkrise. Hans Asenbaum zeigt anhand von Akteuren wie Anonymous, wie diese Gruppen im Internet auftreten und soziale Medien als Kommunikationskanäle nutzen.

Abschließend widmet sich die Tagung aber auch autokratischen Machthabern und der Frage wie diese mit neuen Medien in Momenten des politischen Umbruchs umgehen. Hanan Badr aus Kairo und Thomas Demmelhuber stellen eine Fallstudie zu Ägypten vor.

Die Tagung ist eine Veranstaltung der Arbeitskreise „Demokratieforschung“ und „Politik und Kultur“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW). Sie wird von den Sprechern der Arbeitskreise Marianne Kneuer („Demokratieforschung“) und Samuel Salzborn („Politik und Kultur“) und Walter Reese-Schäfer in Kooperation mit der Universität Göttingen veranstaltet. Die Veranstaltung findet am 23. und 24. September 2014 an der Universität Hildesheim statt. Die Tagung ist nicht öffentlich und richtet sich an Fachvertreter. Tagungsort ist der Bühler Campus der Stiftung Universität Hildesheim. Eine Teilnahme ist nur nach vorheriger Anmeldung möglich (bolling@uni-hildesheim.de)!

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Migrationspolitik Pressemeldungen Politik Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie
news-8681 Mon, 04 Aug 2014 07:59:00 +0200 Weltorganisation der Politikwissenschaft beruft Marianne Kneuer in Vorstand https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/weltorganisation-der-politikwissenschaft-beruft-marianne-kneuer-in-vorstand/ Akademische Netzwerke zwischen Ost und West, Nord und Süd knüpfen: Im Vorstand der Internationalen Vereinigung für Politikwissenschaft ist Professorin Marianne Kneuer künftig für internationale Kooperation in Forschung und Lehre zuständig. Prof. Dr. Marianne Kneuer ist auf dem Weltkongress der Politikwissenschaft Ende Juli 2014 in Montreal in den Vorstand der Internationalen Vereinigung für Politikwissenschaft (IPSA) gewählt worden. Die Amtsperiode beträgt zunächst zwei Jahre. Innerhalb des Vorstands ist Professorin Kneuer für internationale Kooperation in Forschung und Lehre zuständig.

Die Weltorganisation der Politikwissenschaft wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von der UNESCO angestoßen. Unter ihrem Schirm fand 1949 die Gründung der IPSA statt. Ziel war es, den intellektuellen Austausch von Politikwissenschaftlern weltweit zu fördern. Heute sind über 4000 Forscher und Forscherinnen, über 50 nationale Vereinigungen sowie fast hundert institutionelle Mitglieder in der IPSA vertreten.

Ein wichtiger Auftrag besteht weiterhin darin, akademische Netzwerke zwischen Ost und West sowie zwischen Nord und Süd zu knüpfen, zwischen Politikwissenschaftlern in jungen und etablierten Demokratien. Gerade aber in autoritären Regimen bleibt die unabhängige Ausübung der Disziplin schwierig. Die Weltkongresse bilden daher ein wichtiges Forum des Austausches. Mit den nächsten Kongressen in Istanbul (2016) und Brisbane (2018) bewegt sich die IPSA bewusst in Regionen, die bislang noch unterrepräsentiert sind.

Marianne Kneuer ist seit 2011 Professorin für Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Sie ist Sprecherin des Arbeitskreises Demokratieforschung der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft und war von 2011 bis 2013 Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft. In der IPSA hat sie 2011 die Forschungsgruppe „Demokratische Qualität“ gegründet, die sie seither auch leitet. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Demokratie- und Europaforschung. An der Universität Hildesheim hat sie den Forschungsschwerpunkt „Politik und Internet“ etabliert.

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik
news-8589 Sat, 19 Jul 2014 07:06:00 +0200 Soziale Medien und Demokratie https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/soziale-medien-und-demokratie/ Politikwissenschaftler untersuchen, wie Menschen über Twitter und Facebook während Empörungsbewegungen kommunizieren. Meist geht es weniger um inhaltliche Debatten. Erste Analysen der Forschergruppe „Internet und Politik" der Uni Hildesheim zeigen, dass über soziale Medien vielmehr Symbole und Emotionen vermittelt werden, etwa Empörung über Banken und Verunsicherung mit dem politischen System und seinen Reaktionen auf die Finanzkrise. Anhand von Ägypten untersuchen die Forscher den Einfluss von sozialen Medien auf politische Umbrüche. Können soziale Medien die Qualität von Demokratie verbessern? Und wie kann man das „messen"? Diesen Fragen gehen Marianne Kneuer, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim, und ihr spanischer Kollege Oscar Luengo, Professor an der Universität Granada, auf der Weltkonferenz der Politikwissenschaft Ende Juli in Montreal nach.

Die spanischen Zeltlager an der Puerta del Sol und die Occupy-Bewegung des Jahres 2011 haben bewiesen, dass Facebook und Twitter durchaus ein Vehikel sind, um Demonstrationen zu organisieren und Menschen zu mobilisieren. Welche Funktionen soziale Medien darüber hinaus innerhalb der Demokratie ausüben können, dazu äußert sich Marianne Kneuer so: „Wir möchten herausfinden, ob soziale Onlinemedien zu Verbesserungen demokratischer Prozesse führen können – etwa durch mehr Teilhabe der Bürger oder durch zusätzliche Plattformen der Debatte und Verständigung.“

Auf dem Weltkongress stellen die Politikwissenschaftlerinnen Prof. Dr. Marianne Kneuer und Dr. Saskia Richter erste Ergebnisse ihres Forschungsprojektes zur Online-Kommunikation während der Empörungsbewegungen von 2011/12 vor. Die Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik (BAPP) finanziert das Projekt. Dabei untersuchen die Forscherinnen die Facebook- und Twitter-Kommunikation zu je drei Zeitpunkten der Empörungsbewegungen in 2011 und 2012 in fünf Ländern: die Occupy-Bewegung in Deutschland, Großbritannien und den USA sowie die Acampada in Portugal und Spanien. Mit Hilfe des social network importer NodeXL (für Facebook) und der Suchmaschine topsy (für Twitter) wurden rund 1200 posts als screenshots gesammelt und zur weiteren Bearbeitung gespeichert. Die Wissenschaftlerinnen untersuchen, in welcher Form (liking und favoriting, sharing und retweeting, commenting und answering) welche Art von Beiträge (Text, Link, Foto, Video) kommuniziert werden. Außerdem interessiert die Reichweite der Kommunikation: Findet sie tatsächlich transnational statt, was etwa unterstellt wird, wenn Occupy als globale Bewegung verstanden wird, oder handelt es sich um überwiegend nationale Vernetzungen?

Die Politikwissenschaftlerinnen der Uni Hildesheim untersuchen mit diesem Projekt, welche Funktion genau soziale Medien im Kontext des Protestes nach der Finanzkrise gespielt haben. Tragen sie zum inhaltlichen Diskurs und zur transnationalen Beratschlagung und Debatte bei? Erfüllen sie eher organisatorische Funktionen, etwa bei der Vorort-Kommunikation der Proteste? Oder dienen sie dazu, identitätsstiftende Symbole und Emotionen – wie Empörung – zu verbreiten?

„Erste Ergebnisse der Analyse von etwa 1200 Posts zeigen, dass die inhaltliche Auseinandersetzung und der Diskurs nicht im Vordergrund standen, denn die überwiegende Interaktion bestand im liking bei Facebook und retweeting bei Twitter. Wenn soziale Medien, genauer Facebook und Twitter, Deliberation fördern sollen, müsste hingegen das commenting bei Facebook oder answering bei Twitter stärker genutzt werden, damit Austausch über Inhalte stattfinden kann“, sagt Marianne Kneuer. In solchen inhaltlichen Debatten könnten etwa politische Entscheidungen kritisiert, Forderungen an nationale oder globale Akteure herangetragen und alternative Lösungen formuliert werden. Erste inhaltliche Analysen zeigen jedoch vielmehr, dass von einer starken Funktion sozialer Medien für die Vermittlung von Symbolen und Emotionen auszugehen ist. So wird zum Beispiel deutlich, dass neben Gefühlen wie Empörung über die Banken und das Bankensystem auch Verunsicherung transportiert werden; gleichermaßen eine generelle Unzufriedenheit mit dem politischen System und seinen Reaktionen auf die Finanzkrise. Eine wichtige Rolle bei der Online-Kommunikation spielt zudem die Mobilisierung über affektive Ansprache. Die Projektleiterinnen vermuten daher, dass die Empörungsbewegungen nicht danach streben, auf einer inhaltlichen Ebene politische Lösungen zu debattieren, sondern schlichtweg ihre Empörung zu artikulieren und eine breitere Öffentlichkeit dafür zu mobilisieren. Sollten die weiteren Analysen diesen ersten Befund bestätigen, dann wäre das ein Beleg dafür, dass soziale Netzwerke weniger als erwartet diskursive oder deliberative Demokratiemodelle stützen – zumindest innerhalb von Protestbewegungen.

Auf internationalem Terrain bewegen sich weitere Forschungen von Hildesheimer Politikwissenschaftlern. So erläutert Prof. Dr. Thomas Demmelhuber zusammen mit der ägyptischen Wissenschaftlerin Dr. Hanan Badr von der Universität Kairo am Fallbeispiel Ägypten den Einfluss von sozialen Medien auf demokratische Transformationsprozesse. Sie erläutern die Funktionen sozialer Medien in autoritären Regimen und Herrschaftstypen während Umbruchsphasen. So wird etwa deutlich, dass soziale Medien in den einzelnen Phasen politischer Transformation variierende Funktionen erfüllen und keineswegs aus sich selbst heraus einen Weg in Richtung Demokratisierung verstärken. Thomas Demmelhuber ist außerdem in dem Panel „Electoral Politics and State-Building: Authoritarianism and Democratization in the Muslim World" vertreten, wo er über die herrschaftspolitische Dauerhaftigkeit der Monarchien auf der arabischen Halbinsel sprechen wird und jenseits bekannter Faktoren wie zum Beispiel Ressourcenreichtum über Besonderheiten der Staatsbildung und spezifische soziale Ordnungsmuster zu erklären versucht.

Weltkongress in Canada

Der 23. Weltkongress der Politikwissenschaft (IPSA) zum Thema „Challenges of Contemporary Governance“ (Herausforderungen im gegenwärtigen Regieren) findet vom 19. bis 24. Juli 2014 in Montreal, Canada, statt. Die Professoren Marianne Kneuer und Oscar Luengo leiten das Panel „Social Media and Their Influence on the Quality of Democracy”. Das Fach Politikwissenschaft der Hildesheimer Universität ist mit drei Vorträgen auf dem Kongress vertreten.

Info: Internet und Politik

Die Forschergruppe „Internet und Politik" an der Universität Hildesheim untersucht, welche Rolle das Internet in politischen Prozessen spielt, etwa im Nahen Osten und beim Regimewandel in Ägypten oder im Wahlkampf vor der Haustür. Die Politikwissenschaftler gehen der Frage nach, wie im Internet Meinungsbildungsprozesse angestoßen und Entscheidungen getroffen werden können und beobachten, wie Politiker soziale Online-Medien nutzen. Die Professoren Marianne Kneuer und Thomas Demmelhuber untersuchen die Rolle Neuer Medien in Transformations- und Demokratisierungsprozessen.

Lesetipp: „Das Internet: Bereicherung oder Stressfaktor für die Demokratie?"

Der Sammelband (2013, Nomos-Verlag, Hg. von Marianne Kneuer) geht der Frage nach, welche Wirkung die neuen Formen vernetzter Kommunikation auf die demokratischen Prozesse haben: Kann das Internet Defizite oder Fehlentwicklungen heutiger Demokratien beheben und so Demokratie bereichern? Oder ergeben sich aus der Funktionslogik des Internets Stressfaktoren, da demokratische Strukturen geschwächt und demokratische Prozesse unterminiert werden?

Mehr zum Thema:

„Daumen hoch, Daumen runter. Forscher der Universität Hildesheim untersuchten die politische Willensbildung bei Facebook und Twitter", Deutschlandfunk, Sendung „Studiozeit Aus Kultur- und Sozialwissenschaften" (24.07.2014 ab 20:10 Uhr), Marianne Kneuer und Saskia Richter im Gespräch mit Jakob Epler

„Plattform des Protests", Hildesheimer Allgemeine Zeitung (16.07.2014)

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Migrationspolitik Pressemeldungen Politik Sozialwissenschaften Fachbereich 1
news-8461 Tue, 24 Jun 2014 21:08:00 +0200 Woher die Zauberkraft des Künstlerischen kommt, fragen sich Kultursoziologen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/woher-die-zauberkraft-des-kuenstlerischen-kommt-fragen-sich-kultursoziologen/ Leben unter Kreativitätsansprüchen in Beruf und Alltag: Es ist fast unmöglich, sich dem Sei-kreativ-Denken zu entziehen. Die ästhetische Dimension macht auch vor der Wissenschaft keinen Halt, sagt Juniorprofessor Michael Kauppert. Inwieweit betrifft Kunst den Alltag und wo liegt eine Grenze? „Es ist fast unmöglich, heute zu sagen, man will nicht kreativ sein“, sagt Michael Kauppert, Juniorprofessor für Kultursoziologie am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Die Werbeindustrie, Mode und Design, die Ratgeberliteratur mit neuen Einfällen, Empfehlungen für das Selbst, der gesamte Managementbereich – „jeder läuft unter den Kreativitätsansprüchen“. Das war nicht immer so, sagt Kauppert. „Die Künste wirkten wie ein Motor. Sie fanden im 20. Jahrhundert ihren Weg aus der autonomen Abgeschiedenheit der Museen, in die Breite der Gesellschaft. Es kam zu einer Ästhetisierung der ganzen Lebenswelt.“

Die Entgrenzung der Künste ist selbstverständlich geworden in der Berufs- und Alltagswelt, die gesamte Gesellschaft ist davon betroffen. „Man bewegt sich in einem Dunstkreis der Kreativitätsindustrie“, beobachtet Michael Kauppert, der gemeinsam mit Rolf Elberfeld, Professor für Philosophie, Ende Juni eine Konferenz zu dem Thema an der Hildesheimer Universität organisiert. Andreas Reckwitz, Professor für Vergleichende Kultursoziologie in Frankfurt/Oder, erläutert in seinem Eröffnungsvortrag „Kreativitätsdispositiv und Ästhetisierungsprozesse“ die These, dass wir uns in einem gesellschaftsweiten Prozess der Ästhetisierung befinden. Seine Gesellschaftsdiagnose beginnt vor 100 Jahren und betrachtet vor allem die Zeit ab 1980. Die Entgrenzung der Künste hat etwa auch die Programmierung von Bedienoberflächen erreicht, Software und Hardware-Architektur. Es handele sich nicht nur um technologische Fortschritte und kleinere Chips, sondern es soll auch hübsch sein, nicht allein funktional. Beige-graue Computerkisten stehen in kaum einem Büroraum mehr. „Undenkbar, dagegen zu protestieren“, so Kauppert. „Stattdessen hat man ein psychisches Problem, wenn man nicht künstlerisch-kreativ sein will. Überall hallt uns entgegen: Ihr müsst kreativ sein, wenn euch nichts einfällt, habt ihr ein Burnout.“ Protestieren  à la „Mir fällt nichts mehr ein, ich bewege mich nicht“ – nein, eine soziale Bewegung von Einfallslosen gebe es nicht. „Niemand kann sich auf Dauer dem Sei-kreativ-Denken entziehen“, folgert Kauppert. Der recht autonome künstlerische Bereich im 19. Jahrhundert mit seinen bildungsbürgerlichen Orten und Institutionen für Kunst diffundiere in alle Lebensbereiche. So trägt man nicht einfach nur funktionale Kleidung, jedermann solle sich auch überlegen, wie er darin möglichst gut aussieht. Und wer Fotos macht, achtet mehr denn je darauf, dass sie schön werden.

Nun, wann verpufft denn die „Zauberkraft des Künstlerisch-Ästhetischen“? Michael Kauppert sagt: „Wie an allem kann man sich sattgesehen haben an der ornamentalen Aufhübschung. Eine Gegenbewegung, Verweigerung und Umwertung wäre zwar möglich – ich sehe sie derzeit aber nicht.“ Der Kultursoziologe nennt weitere Beispiele für die Ästhetisierung des Alltagslebens, etwa die Handschrift, sie kommt wieder, mit Mitteln der Technik imitiere man die Schreibschrift maschinell. Die Handschrift sei ein individueller Ausdruck, die auch hinsichtlich ihrer ästhetischen Gelungenheit bewertet werde.

Die ästhetische Dimension macht auch vor der Wissenschaft keinen Halt. Wolfgang Krohm, Professor am Institut für Wissenschafts- und Technikforschung in Bielefeld, spricht auf der Hildesheimer Konferenz über „Kunstvolle Forschung“. In der Wissenschaft geht es vermeintlich nicht um das Schöne und Elegante, sondern um Wahrheit. „Die Grenzen sind wohlmöglich gar nicht so starr. Die Eleganz des Forschungsbeweises, die Einfachheit eines Experiments, eine einfache Formel, die doch rätselhaft viel erklären vermag – auch in der Forschung ist der Grenzverkehr fließend. Ist es noch Kunst oder schon Wissenschaft, was wir da hören, sehen, lesen?“, sagt Michael Kauppert.

Selbstentgrenzung der Künste

Die Konferenz „Ästhetische Praxis: Selbstentgrenzung der Künste oder Entkunstung der Kunst“ (PDF) findet vom 26. Juni bis 28. Juni 2014 auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim statt. Interessierte sind herzlich eingeladen, eine Teilnahme ist öffentlich und kostenfrei. Der Eröffnungsvortrag von Andreas Reckwitz beginnt am Donnerstag um 14:00 Uhr.

Insgesamt diskutieren rund 40 Referentinnen und Referenten auf der Jahrestagung des Arbeitskreises Soziologie der Künste der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Stefan Krankenhagen spricht über „Die ästhetische Praxis der Dinge“, Hilmar Schäfer über „Brot und Künste? Die Auszeichnung ‚immaterielles Kulturerbe‘ und die Ästhetisierung des Alltags“, Anja Frank über „‘Diese Inszenierung ist das Allerletzte‘. Ästhetisches Urteilen als ästhetische Praxis und Mittel der sozialen Bezugnahme“ und Idiká Szántó über „Die Grenzen der Entgrenzung. Die Überschätzung der Kunst als bestimmendes Modell der Arbeit“.

Kulturforschung an der Universität Hildesheim

Welche Rolle nimmt die ästhetische Praxis in der Forschung ein? Wie können die Künste in ihrer Entstehung beobachtet, erforscht werden? An der Universität Hildesheim entstand über drei Jahrzehnte ein Schwerpunkt in den Kulturwissenschaften, der wissenschaftliche und ästhetische beziehungsweise künstlerische Praxis verbindet. Die Lehr- und Forschungsansätze entstehen im Verbund von Theater-, Musik-, Medien- und Literaturwissenschaften sowie Bildender Kunst, Kulturpolitik, Philosophie und Sprachwissenschaften. Gebündelt werden sie im „Herder-Kolleg. Zentrum für transdisziplinäre Kulturforschung“.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen etwa Probenprozesse im Theater, Schreibprozesse in der Literatur, Visuelle Argumentation zwischen Bild und Wort, Strategien musikalischen Denkens, Prozesse der Popularisierung in den Medien, Performative Weisen des Philosophierens und Prozesse kultureller Bildung in den Künsten. Im „Projektsemester“ werden die Forschungen mit Studierenden künstlerisch-wissenschaftlich erprobt, im aktuellen Projektsemester zum Thema „Verschwendung“.

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Pressemeldungen Soziologie Sozialwissenschaften Fachbereich 1 Fachbereich 2 Philosophie Herder-Kolleg
news-8230 Tue, 06 May 2014 07:56:00 +0200 Stile im südamerikanischen Fußball https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/stile-im-suedamerikanischen-fussball/ Stanford-Professor Hans Ulrich Gumbrecht zu Gast an Uni Hildesheim: Der renommierte Literaturprofessor nimmt am Dienstag, 13. Mai 2014, Zuhörer in die Welt des südamerikanischen Fußballs mit und stimmt auf die nahende Fußballweltmeisterschaft in Brasilien ein. Politik- und Sportwissenschaftler befassen sich in weiteren Vorträgen mit der Legitimation sportlicher Großereignisse, mit politischen Protesten, Sportfördergesetzen und Fairness. Hans Ulrich Gumbrecht ist nicht nur ein herausragender und äußerst vielseitiger Literaturwissenschaftler, sondern auch ein gefragter zeitgenössischer Intellektueller. Zu seinen beruflichen Stationen zählen neben Deutschland, Spanien und Italien seit 1989 die Eliteuniversität Stanford sowie zahlreiche internationalen Gastprofessuren. Regelmäßig äußert Hans Ulrich Gumbrecht sich im Feuilleton der F.A.Z. zu Literatur und Philosophie, aber auch zu verschiedenen Facetten der Alltagskultur des 21. Jahrhunderts.

Gumbrecht kennt die Welt des Sports und der Stadien. Er besitzt Dauerkarten für American Football, Eishockey und Basketball. In seinem Buch „Lob des Sports“ (2005) setzt er sich mit dem wachsenden Stellenwert des Sports in der Gesellschaft auseinander. Bei seinem Besuch in Hildesheim dürfen sich Lehrende, Studierende und die interessierte Öffentlichkeit auf spannende Einblicke in die „Stile im südamerikanischen Fußball“ von dem Literaturprofessor und bekennenden Fußballfan erhoffen. Dabei nimmt er sich auch Zeit für Gespräche mit Studierenden.

Der Vortrag von Professor Gumbrecht beginnt am Dienstag, 13. Mai 2014, um 18.15 Uhr im Hörsaal 1 am Hauptcampus. In der Ringvorlesung „Politik und Sport" (Meldung) laden die Professoren Marianne Kneuer und Peter Frei ein zu Debatten über Sport und Politik: Es geht etwa um die Legitimation sportlicher Großereignisse, um politische Proteste, um Sportfördergesetze und Fairness.

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news-8135 Mon, 28 Apr 2014 09:15:00 +0200 Sportliche Großereignisse und ihre Schatten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/sportliche-grossereignisse-und-ihre-schatten/ Die Universität Hildesheim lädt zu Debatten über Sport und Politik: Es geht um den Glanz und die Legitimation sportlicher Großereignisse, um politische Proteste, um Sportfördergesetze und Fairness. Dieses Jahr steht im Zeichen sportlicher Großereignisse: die olympischen Winterspiele in Sotchi, die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Aber neben dem Glanz, den solche „events“ weltweit verbreiten, gibt es durchaus auch Schatten, sagt Marianne Kneuer, Professorin für Politikwissenschaft der Universität Hildesheim. Die kritisierte Sicherheitslage, der Russland mit drastischen Vorkehrungen begegnete; in Brasilien protestierten Menschen und verlangten Schulen und Lehrer statt Stadien. In Bayern entschieden sich die Bürger gänzlich gegen eine Winterolympiade. Aus Qatar als Ausrichter der Fußball-WM 2022 hört man  Nachrichten über ausgebeutete Leiharbeiter. Diese wenigen Beispiele geben vor allem Hinweise darauf, wie sehr Sport und Politik verknüpft sind, ergänzt Peter Frei, Professor für Sportwissenschaft.

Das Fach Politikwissenschaft und das Institut für Sportwissenschaft nehmen in einer gemeinsamen Ringvorlesung diese Verknüpfungen in den Blick und nähern sich dem Faszinosum sportlicher Inszenierungen aus verschiedenen Perspektiven. Studierende, Lehrende und die interessierte Öffentlichkeit sind eingeladen, im Sommersemester 2014 mit  externen Experten, Personen aus dem Sport ebenso wie den Sport- und Politikwissenschaftlern der Universität Hildesheim zu diskutieren. Die Reihe ist kostenfrei.

Nach einer Einführung in das Themenfeld am 30. April, folgen Beiträge über die Bezüge zwischen Sport, Medien und Politik, über Laufen und Politik oder über den „Glanz und die Legitimation sportlicher Großereignisse und warum es Diktaturen einfacher haben". Der renommierte Literaturprofessor Hans Ulrich Gumbrecht (Stanford) spricht über Stile im südamerikanischen Fußball. Es geht um politische Proteste im Rahmen von sportlichen Großereignissen und um das Sportfördergesetz in Niedersachsen. In einer Podiumsdiskussion am 25. Juni debattieren Experten aus der Sportwelt über „Moral und Fairness im Sport“.

Die Ringvorlesung „Sport und Politik“ im Sommersemester 2014 findet mittwochs von 18:00 bis 20:00 Uhr an der Universität Hildesheim statt (Marienburger Platz 22, Hörsaal 1, 2 bzw. 3). 

Sport und Politik (Programm als PDF)

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news-7210 Wed, 23 Oct 2013 09:22:00 +0200 Digitale Lebenswelten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/digitale-lebenswelten/ Wir sind mehr und mehr online. Die Politik- und Informationswissenschaftler Thomas Demmelhuber und Joachim Griesbaum haben eine Vortragsreihe entwickelt und laden Studierende und Lehrende ein, über digitale Lebenswelten zu debattieren. „An den digitalen Lebenswelten kommt heute keiner mehr vorbei. Wir wollen in dieser Vortragsreihe die täglichen Schnittpunkte mit dem Internet für die Bürgerinnen und Bürger mitsamt ihren Chancen, Gefahren und Herausforderungen unter die Lupe nehmen“, sagt Politikwissenschaftler Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, der die fächerübergreifende Vorlesungsreihe gemeinsam mit dem Informationswissenschaftler Prof. Dr. Joachim Griesbaum entwickelt hat. Die Universitätsgesellschaft unterstützt die Veranstaltungsreihe. „Wir diskutieren Forschungsergebnisse und Forschungsfragen in ihren tagesaktuellen Bedeutungen für die Bürger und vor allem laden wir die regionale Öffentlichkeit ein, mitzudiskutieren.“

Dabei geht es an der Universität Hildesheim um Fragen wie: Welche Möglichkeiten bietet das Internet für die repräsentative Demokratie? Geben wir in Zukunft „unsere“ Stimme online ab? Was ergibt sich daraus für Gesellschaftsgruppen, die über keinen Zugang zum Internet verfügen? Laufen wir Gefahr, durch das Internet tradierte Kulturgüter wie das Buch zu verlieren, so zum Beispiel eine der Fragen im Vortrag des Direktors der Universitätsbibliothek Dr. Ewald Brahms im Dezember. Sind Bücher künftig nur noch digital und multi-medial? Wie steht es im „allgegenwärtigen Netz“ eigentlich mit dem Zugang und der Nutzung von Information − konkret der Informationsfreiheit, dem Datenschutz und dem Urheberrecht? Ist das Versprechen der Anonymisierung von Nutzerdaten ein PR-Trick von Internetgiganten wie Google oder Apple?

„Das Internet ist mittlerweile allgegenwärtig, wir sind mehr und mehr online, und – die Gefahr besteht – weniger im realen Hier und Jetzt. Die ‚digitale Invasion‘ berührt und verändert unsere Lern- und Kommunikationssituationen“, erklärt Joachim Griesbaum. Er forscht zu Suchmaschinen- und Social Media Marketing, Identitätsbildung in sozialen Online-Medien und Wissensmanagement im Internet.

„Gleichzeitig ist das Internet ein Werkzeugkasten für Bürgerinnen und Bürger weltweit in Demokratien und in autoritären Herrschaftsformen, um neue Formen der politischen Partizipation zu entwickeln und Protest zu artikulieren und dafür zu mobilisieren“, ergänzt Thomas Demmelhuber, der über Revolution und Regimewandel im Nahen Osten forscht und seit 2005 in Kairo in zahlreichen Forschungs- und Lehraufenthalten die politischen Veränderungen vor Ort miterlebt hat. Die Analyse der Rolle von Internet in politischen Transformationsprozessen fügt sich ein in die Arbeit der Forschergruppe „Politik und Internet“ an der Uni Hildesheim unter der Leitung von Prof. Dr. Marianne Kneuer.

Die Vorträge befassen sich mit der Veränderung politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Sphären im und durch das Internet. Beteiligt sind Informations- und Politikwissenschaftler, Geschichts- und Literaturwissenschaftler. Die Reihe wird vom Institut für Sozialwissenschaften und vom Institut für Informationswissenschaft und Sprachtechnologie organisiert.

Die öffentliche Vortragsreihe „Digitale Lebenswelten − Chancen und Risiken für Bürger, Staat und Gesellschaft" (Programm als pdf) startet am 29. Oktober 2013 und umfasst bis Februar 2014 acht Veranstaltungen am Bühler-Campus. In Kooperation mit der Universitätsgesellschaft Hildesheim e.V.

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Migrationspolitik Pressemeldungen Politik Sozialwissenschaften Fachbereich 1 Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie
news-7140 Sat, 05 Oct 2013 08:17:00 +0200 0,2 % beteiligen sich am Bürgerhaushalt https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/02-beteiligen-sich-am-buergerhaushalt/ Nach der Bundestagswahl – nicht jeder durfte wählen. Bürgerhaushalte bieten eine Plattform für Mitsprache – auch Unter-18-Jährige und Migrantinnen und Migranten ohne Wahlberechtigung können Vorschläge in ihrer Region einbringen. Doch sie beteiligen sich kaum. Nur 0,2 % aller Bürger nahmen in der ersten Runde in Hildesheim teil. Politikwissenschaftler der Universität Hildesheim untersuchen neue Formen der Bürgerbeteiligung. Mit neuen Formen der Bürgerbeteiligung entstehen neue Aufgaben und Chancen für die Politische Bildung. „Für Bürgerinnen und Bürger, die von den ‚klassischen‘ Formen der Teilhabe wie Wählen ausgeschlossen sind – zum Beispiel Unter 18-Jährige und Migrantinnen und Migranten –, können Bürgerhaushalte Plattformen für mehr Mitsprache darstellen. Sollen sich Bürger in die politische Willensbildung und in Entscheidungsprozesse einbringen, sollte ihnen aber das ‚Handwerkszeug‘ demokratischer Partizipation vermittelt werden“, sagt Prof. Dr. Marianne Kneuer von der Universität Hildesheim.

Die Politikwissenschaftlerin beobachtet einen „wachsenden Wunsch der Bürger, an ‚nahen‘ politischen Entscheidungen stärker teilhaben zu wollen“. Ein markantes Ereignis sind die Proteste rund um Stuttgart 21. „Bürger möchten eine Stimme haben bei Entscheidungen, die sie direkt betreffen, wie etwa kommunale Planung und Großprojekte.“ Es gehe nicht mehr um das „Ob“ von mehr Bürgerbeteiligung, sondern um das „Wie“, sagt Kneuer.

Die Stimme der Bürger

Seit den 90er Jahren entstehen bundesweit Bürgerhaushalte, in denen Bürgerinnen und Bürger über bestimmte Teile des kommunalen Haushaltes mitbestimmen und sich über die Verwendung der Mittel verständigen können. Sie können Vorschläge einreichen – ohne Garantie auf Umsetzung. Die Stadtverwaltung begleitet diese Prozesse. Inzwischen wird der Bürgerhaushalt, der seine Ursprünge in Brasilien hat, in 100 deutschen Kommunen erstmals oder wiederholt durchgeführt.

Doch die Erfahrungen sind gemischt. „Nicht selten sind alle Seiten enttäuscht: Die politischen Akteure – der Stadtrat – empfinden die Qualität der Bürgervorschläge oft als unzureichend. Für die Bürger ist es unbefriedigend zu erleben, wenn nur wenige Vorschläge vom Stadtrat angenommen werden. Besonders engagierte Bürger sind frustriert wegen niedriger Beteiligungsraten“, beobachtet Marianne Kneuer. „Neue Arrangements der Mitsprache können nicht von heute auf morgen perfekt funktionieren. Alle Beteiligten stehen vor Lernprozessen.

Das wurde auch in Hildesheim sichtbar. Politikwissenschaftler der Universität Hildesheim begleiten den Prozess seit 2012 wissenschaftlich. „Die ersten Erfahrungen sind gemischt. Mit dem ‚lesbaren Haushalt‘ – in verständlicher Sprache – wurde die kommunale Finanzplanung transparenter. Der Bürgerhaushalt ist nicht nur eine Möglichkeit, sich als Bürger an der kommunalen Finanzplanung zu beteiligen, er dient auch als Sprachrohr für die Bürgerschaft, um konkrete Bedürfnisse an die Politik heranzutragen" sagt Katia Schnelle. Die Hildesheimer Lehramtsabsolventin hat ihre Masterarbeit über neue Partizipationsformen auf kommunaler Ebene verfasst, beobachtete die Treffen des Arbeitskreises und Bürgerversammlungen, sprach mit den Beteiligten aus der Verwaltung, Mitgliedern des Stadtrats und Bürgern. Sie wollte herausfinden, wer sich überhaupt am Bürgerhaushalt beteiligt und warum; und welchen Stellenwert kommunale Politik in der Schule hat. Seit diesem Schuljahr ist sie Referendarin an der Oberschule Söhlde – und unterrichtet Politik in einer 6. und 9. Klasse.

Ältere Frauen und Migranten beteiligen sich kaum

„Der erste Durchlauf des Bürgerhaushalts im Jahr 2012 hat interessanterweise nur einen bestimmten Teil der Hildesheimer Bevölkerung aktiviert: Und zwar primär diejenigen Bürger, die ohnehin schon politisch aktiv sind, tendenziell eher Männer aus der höheren Bildungsschicht. Ältere Frauen und Migranten beteiligten sich kaum“, sagt Katia Schnelle. Die Beteiligung lag in der ersten Runde bei nur 0,2% aller Hildesheimer Bürger. „Für die Bürgerinitiative, die sich maßgeblich für den Bürgerhaushalt eingesetzt hatte, ist dies ein enttäuschendes Ergebnis. Ebenfalls enttäuschend war, dass keiner der Vorschläge der Bürger, die in einem offline- und online-Verfahren ermittelt wurden, vom Finanzausschuss der Stadt beschlossen wurde“, sagt Marianne Kneuer.

Seit Mai bis Anfang Oktober können sich Bürger in der zweiten Runde beteiligen, auch online. Die Abstimmung über die eingereichten Vorschläge zum Gesamthaushalt der Stadt Hildesheim 2014 erfolgt auf einer öffentlichen Bürgerversammlung am 8. Oktober 2013 (um 18:00 Uhr im Rathaus).

Die Forschungsergebnisse zum Hildesheimer Verfahren werden am 28. November 2013 erstmals öffentlich vorgestellt. Prof. Marianne Kneuer und Katia Schnelle laden dazu ein, den Hildesheimer Bürgerhaushalt aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten und über das Verfahren zu diskutieren (Vortrag, 19.00 Uhr in der VHS Pfaffenstieg).

Lesetipp: „Neue Partizipationsformen auf kommunaler Ebene am Beispiel des Hildesheimer Bürgerhaushalts – Implikationen für eine politische Bildung in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels“ (Katia Schnelle, Abschlussarbeit, 2013). Kontakt über die Pressestelle, Isa Lange, 0177.8605905, presse@uni-hildesheim.de.

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news-6430 Sun, 14 Apr 2013 13:45:00 +0200 Weltgeschichtliche Zäsuren https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/weltgeschichtliche-zaesuren/ Radio Tonkuhle sendet sonntags in einem Spezial die Vorträge der Ringvorlesung „Weltgeschichtliche Zäsuren in Gesellschaft und Politik". Soziologen, Historiker und Politikwissenschaftler der Universität Hildesheim untersuchen, wie ein Ereignis zu einem Einschnitt von Weltbedeutung wird. Was macht ein Ereignis zu einer Zäsur von Weltbedeutung? Und wie lassen sich Weltereignisse abgrenzen, von all den Ereignissen, die einfach in der Vergangenheit liegen? In einer öffentlichen Ringvorlesung untersuchen bis Juli 2013 Soziologen, Historiker und Politikwissenschaftler der Universität Hildesheim weltgeschichtliche Zäsuren. Im Fokus stehen dabei die Jahre 1989, 2001 und 2011. Nach einem halbstündigen Vortrag folgen Kommentierungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den beiden anderen Fächern sowie die vertiefende Diskussion mit Studierenden und Interessierten.

Radio Tonkuhle sendet im Sommersemester in einem Tonkuhle Spezial sonntagabends ab 21 Uhr die Vorträge und Kommentierungen aus der jeweiligen Vorwoche. Damit können alle Interessierten, die mittwochabends nicht an den Vorlesungen im Audimax teilnehmen können, die Inhalte auch beim Lokalsender hören.

Am 14. April steht bis etwa 22:15 Uhr der erste Sendetermin an: Prof. Dr. Michael Corsten spricht zum Thema „Weltereignisse = Weltmedienereignisse?". Prof. Dr. Michael Gehler und Prof. Dr. Marianne Kneuer kommentieren aus historischer und politikwissenschaftlicher Sicht. Der nächste Sendetermin ist Sonntag, 21. April.

Presseinformation zur Ringvorlesung und Programm

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news-6358 Tue, 02 Apr 2013 08:37:00 +0200 Weltgeschichtliche Zäsuren in Gesellschaft und Politik: 1989 – 2001 – 2011 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/weltgeschichtliche-zaesuren-in-gesellschaft-und-politik-1989-2001-2011/ Was macht ein Ereignis zu einer Zäsur von Weltbedeutung? Und wie lassen sich Weltereignisse abgrenzen, von all den Ereignissen, die einfach in der Vergangenheit liegen? In einer öffentlichen Ringvorlesung untersuchen bis Juli 2013 Soziologen, Historiker und Politikwissenschaftler der Universität Hildesheim weltgeschichtliche Zäsuren. Im Fokus stehen dabei die Jahre 1989, 2001 und 2011. „Jahreszahlen markieren nicht nur Ereignisse, sondern können auch weltgeschichtliche Zäsuren symbolisieren“, sagt Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer von der Uni Hildesheim. „Was macht ein Ereignis zu einer Zäsur von Weltbedeutung? Und wie lassen sie sich abgrenzen, von all den Ereignissen, die einfach in der Vergangenheit liegen? “

Diesen Fragen widmen sich die Geschichtswissenschaft, Soziologie und Politikwissenschaft der Universität Hildesheim in einer interdisziplinären Ringvorlesung in diesem Sommersemester. Betrachtet werden drei jüngere Ereignisse, die sich in den Jahreszahlen 1989, 2001 und 2011 spiegeln: Das Ende des osteuropäischen Sozialismus – symbolisiert durch den Fall der Mauer –, die neue Form eines weltweiten und transnationalen Terrorismus, der sich in den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon offenbarte und die ersten Siege der arabischen Revolutionen in Tunesien und Ägypten, die sich in den friedlichen Demonstrationen und den Abgängen der Machthaber Ben-Ali und Mubarak dokumentierten.

Diese Ereignisse und ihre Zusammenhänge sollen aus der Perspektive der drei Disziplinen ausgeleuchtet werden. Deshalb folgen im Rahmen der Ringvorlesung nach einem halbstündigen Vortrag dann Kommentierungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den beiden anderen Fächern sowie die vertiefende Diskussion mit Studierenden und Interessierten.

Die Themen der Vorlesungsreihe (Programm als PDF) sind u.a.: Weltereignisse = Weltmedienereignisse? (Michael Corsten), Umbrüche in Mitteleuropa um 1989 (Michael Gehler), Zäsuren für die (globale) Verbreitung von Demokratie (Marianne Kneuer), Umbrüche im Baltikum (Andreas Schimmelpfennig), 89 und die 89er: Selbstthematisierung und private Lebensführung im innerdeutschen Transformationsprozess (Holger Herma), Das Weltbild ist das Weltgericht. Konflikt der Imaginationen seit 9/11 (Michael Kauppert), 9/11 und Arabellion: Naher Osten zwischen Kontinuität und Wandel (Thomas Demmelhuber), Der Westen und die Kreuzfahrer, al-Qaida und die Assassinen – Instrumentalisierung von Geschichte im Kontext des War on Terror (Felix Hinz), Migrations- und Kriminalpolitik in Umbruchzeiten 1989-2001-2011 (Andreas Pudlat), „Wie die Welt erfassen?“ Konzepte globalen Lernens (Jessica Schwarz).

Interessierte sind herzlich eingeladen.

Wo? Audimax der Universität Hildesheim, Marienburger Platz 22
Wann? Mittwochs im Sommersemester, 18:15 Uhr (10. April bis 10. Juli 2013)

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news-6055 Fri, 25 Jan 2013 15:43:00 +0100 Zwei Jahre danach: Revolution und Regimewandel in Ägypten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/zwei-jahre-danach-revolution-und-regimewandel-in-aegypten/ Vor zwei Jahren blickte die Welt auf den Tahrir-Platz und den „Arabischen Frühling" in Ägypten. Ein Forscher der Universität Hildesheim erlebte in Kairo die politischen Veränderungen nach dem Rücktritt von Mubarak. Prof. Dr. Thomas Demmelhuber stellt in einer aktuellen Stunde zur Lage in Ägypten erstmals das Buch „Revolution und Regimewandel in Ägypten" vor. Die Autoren arbeiten darin die Ereignisse im Ägypten des Jahres 2011 auf. Prof. Dr. Thomas Demmelhuber geht in der aktuellen Stunde auf die Lage in Ägypten ein. Erstmals stellt er den Sammelband „Revolution und Regimewandel in Ägypten" (Hrsg. Thomas Demmelhuber, Hildesheim/Holger Albrecht, Kairo, Ende 2012, Nomos-Verlag) öffentlich vor. 11 Autoren arbeiten darin die Ereignisse im Ägypten des Jahres 2011 auf. Das Buch gibt Hinweise auf eine zukünftige Forschungsagenda über die Länder des Nahen und Mittleren Ostens nach den Volksaufständen. Die Beiträge befassen sich mit den Ursachen, dem Verlauf und den Akteuren der Konflikte sowie Regime- und Elitenwandel in autoritären Regimen. Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi besucht am 30. Januar die Bundeskanzlerin in Berlin. Die Themen der Unterredung sind u.a. die innenpolitische Lage in Ägypten und die bilateralen Beziehungen.

Thomas Demmelhuber ist seit 2012 Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet an der Universität Hildesheim. Seit 2005 war er mehrfach für Forschungsaufenthalte im Nahen Osten, so erlebte er vor Ort als Gastprofessor in Kairo die politischen Veränderungen nach dem Rücktritt von Mubarak. Das politische System Ägyptens ist eines seiner Forschungsschwerpunkte.

Aktuelle Stunde am 30. Januar

Die Universitätsgesellschaft Hildesheim e.V. unterstützt die Buchvorstellung am Mittwoch, 30. Januar 2013, ab 18:15 Uhr in der Uni Hildesheim (Hörsaal 2, Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim). Interessierte sind herzlich eingeladen.

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news-5948 Mon, 14 Jan 2013 08:28:00 +0100 Revolution und Regimewandel in Ägypten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/revolution-und-regimewandel-in-aegypten/ In einer aktuellen Stunde zur Lage in Ägypten stellt Prof. Dr. Thomas Demmelhuber am 30. Januar erstmals den Band „Revolution und Regimewandel in Ägypten" vor. Die Autoren arbeiten darin die Ereignisse im Ägypten des Jahres 2011 auf. Dabei befassen sie sich auch mit dem Zusammenhang von technischen Entwicklungen und gesellschaftlichen Umbrüchen. Neue Medien haben eine wichtige „Multiplikatorfunktion“ vor und während der Proteste, so Demmelhuber. „Ist Präsident Mursi der neue Pharao Ägyptens?“, fragt Prof. Dr. Thomas Demmelhuber vom Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Das politische System Ägyptens und die Herrschaftseliten des Landes zählen zu den Forschungsschwerpunkten des Juniorprofessors für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet. In einer aktuellen Stunde geht Thomas Demmelhuber am 30. Januar auf die Lage in Ägypten ein und berichtet aus der Forschung.

Erstmals stellt er den Ende 2012 im Nomos-Verlag erschienenen Sammelband „Revolution und Regimewandel in Ägypten" (Hrsg. Thomas Demmelhuber, Hildesheim/Holger Albrecht, Kairo) öffentlich vor, dessen Drucklegung von der Universitätsgesellschaft Hildesheim e.V. unterstützt wurde. 11 Autoren arbeiten darin die Ereignisse im Ägypten des Jahres 2011 auf und spiegeln den aktuellen Stand der deutschsprachigen, sozialwissenschaftlichen Forschung über die „Revolution des 25. Januar“ in Ägypten wider. Mit dem Buch geben sie auch Hinweise auf eine zukünftige Forschungsagenda über die Länder des Nahen und Mittleren Ostens nach den Volksaufständen von 2011. Die Beiträge beschäftigen sich mit den Ursachen, dem Verlauf und den Akteuren konfliktiver Staats-Gesellschafts-Beziehungen sowie Regime- und Elitenwandel in autoritären Regimen.

Außerdem werden Generationenkonflikte, der Zusammenhang von technischen Entwicklungen in der Welt der Medien und gesellschaftlichen Umbrüchen sowie Prozesse der Institutionenbildung in Transformationsstaaten untersucht. Neue Medien spielten eine wichtige „Multiplikatorfunktion“ vor und während der Proteste des Arabischen Frühlings. Allerdings, so Demmelhuber, hat eine genaue analytische und theoretische Verortung der Rolle neuer Medien in politischen Transformationsprozessen sowie eine Einspeisung dieser regional fundierten Erkenntnisse in die allgemeine Theoriedebatte gerade erst begonnen.

So untersucht er in der Forschergruppe „Politik und Internet“ unter Leitung von Prof. Dr. Marianne Kneuer, welche Rolle „neue Medien“ in politischen Wandlungsprozessen im Nahen und Mittleren Osten spielen. Thomas Demmelhuber ist seit 2012 Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politik und Internet an der Universität Hildesheim. Seit 2005 war er mehrfach für Forschungsaufenthalte im Nahen Osten, so erlebte er vor Ort als Gastprofessor in Kairo die unmittelbare politische Veränderungsdynamik nach dem Rücktritt von Mubarak.

Aktuelle Stunde

Die Universitätsgesellschaft Hildesheim e.V. unterstützt die Buchvorstellung und aktuelle Stunde am Mittwoch, 30. Januar 2013, ab 18:15 Uhr in der Universität Hildesheim (Hörsaal 2, Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim). Interessierte sind herzlich eingeladen.

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news-5761 Mon, 19 Nov 2012 18:04:00 +0100 Deutungshoheit im Netz: Der „Twitter-Krieg“ um Gaza / Antrittsvorlesung am 28. November https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/deutungshohe/ Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Gaza-Streifen zeigt, wie das Internet von einem Nebenschauplatz des Nahostkonflikts zu einer zentralen Arena der Auseinandersetzung geworden ist. Ein Kommentar von Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, Universität Hildesheim. Das Internet entwickelt sich zunehmend zu einem eigenständigen Feld nationaler Sicherheit und der Kriegsführung. Warum? Es geht einerseits um Deutungshoheit in der multimedialen Öffentlichkeit, darum also wer sich als legitimer, sich selbst verteidigender Akteur verstanden und als Opfer der Aggression des jeweilig anderen gesehen werden will. Andererseits geht es um die Verteidigung nationaler Sicherheit im virtuellen Raum, also um die Verteidigung der eigenen „Territorialität“ im eigentlich grenzenlosen World Wide Web.

So veröffentlichten die israelischen Streitkräfte über ihren offiziellen Twitter-Account (IDF) und Live-Blog (idfblog.com) mit Beginn der Kampfhandlungen Live-Bilder, Nachrichten und Videos, welche die Rechtmäßigkeit der Gewalt als Akt der Selbstverteidigung gegen aus dem Gaza-Streifen auf Israel abgefeuerte Raketen unterstreichen sollten (vgl. „Rocket Counter“ auf idfblog.com).

Gekontert wurden diese sowohl nüchternen als auch martialischen Statusmeldungen von der Hamas und ihr nahestehenden Gruppen mit Darstellungen von verletzten Kindern, Opfern unter der Zivilbevölkerung oder zerstörten zivilen Zielen inklusive martialischer Vergeltungsabsichten – ebenfalls über lebhafte Zuhilfenahme von Web 2.0-Medien und Plattformen.

Der Konflikt im Netz ist in diesem Fall ein Spiegelbild der physischen Auseinandersetzung zu Boden oder zu Luft und wird letztere in Zukunft auch nicht ersetzen. Dennoch zeigt die Nutzung von Web 2.0-Medien in der Kriegsführung, dass das Netz ein neutrales Medium ist und keine „Befreiungstechnologie“. Jeder kann sich dieses Mediums bedienen, egal ob regimeloyale oder regimekritische Gruppe, staatlicher oder nicht-staatlicher Akteur, Freund oder Feind und das unabhängig des jeweiligen meist nicht verifizierbaren Aufenthaltsort der Protagonisten.

Gleichwohl ist – trotz voreiliger Klassifizierungen des Konflikts als „Twitter-Krieg“ (spiegel.de, 15.11.2012) – die breite Wirkung von Web 2.0-Medien immer noch abhängig von einer Übernahme durch traditionelle Massenmedien (bspw. al-Jazeera) in der Region und darüber hinaus, um überhaupt eine massenmediale Öffentlichkeit zu erreichen. Erstens findet dadurch eine Überlappung von analoger und digitaler Öffentlichkeit statt, welche vor dem Hintergrund variierender und im Regionaldurchschnitt immer noch sehr niedrigen Internet-Penetrationsraten von entscheidender Bedeutung ist. Zweitens bleiben traditionelle Massenmedien unerlässlich in ihrer Rolle als Filter für den komplexen von Web 2.0-Medien generierten Inhalt, inklusive ihrer meist in der Region oder vor Ort agierenden Korrespondenten.

Zum Autor:

Prof. Dr. Thomas Demmelhuber ist seit 2012 Juniorprofessor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internet und Politik an der Universität Hildesheim. Seit 2005 war er mehrfach für Forschungsaufenthalte im Nahen Osten und verfolgt auch vom Hildesheimer Büro aus u.a. arabischsprachige Medien, blogs, Twitter. Er untersucht, welche Rolle „neue Medien“ in politischen Wandlungsprozessen im Nahen und Mittleren Osten spielen. An der Universität Hildesheim untersucht die Forschergruppe „Politik und Internet“ welchen Einfluss neue Medien auf politische Prozesse haben.

Antrittsvorlesung am 28. November

Am 28. November 2012, 18:15 Uhr, hält Thomas Demmelhuber seine öffentliche Antrittsvorlesung „Frühlingsgefühle im Nahen Osten – eine zeithistorische Einordnung von Protest und seiner medialen Ausdrucksform" (Hörsaal 2, Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim).

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news-5698 Mon, 12 Nov 2012 17:20:00 +0100 Das Internet: Bereicherung oder Stressfaktor für die Demokratie? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/das-internet-bereicherung-oder-stressfaktor-fuer-die-demokratie/ Etwa 50 Politikwissenschaftler diskutieren am 16. und 17. November auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) an der Universität Hildesheim über die Rolle des Internets in der Politik. Ob das Internet eine Bereicherung oder ein Stressfaktor für die Politikvermittlung ist, darüber debattieren Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Caja Thimm, Universität Bonn, Philip Brechler, Fraktion Piratenpartei, Berlin, und Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident a.D. zum Auftakt der Jahrestagung. Dr. Heinrich Wefing, DIE ZEIT, moderiert die Podiumsdiskussion. Zuvor eröffnen um 14:00 Uhr Prof. Dr. Marianne Kneuer, Vorsitzende der DGfP, und Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich die Tagung.

Die Tagung widmet sich in mehreren Fachvorträgen der Frage, welche Wirkungen das Internet auf verschiedene Politikbereiche hat. Es werden die positiven und negativen Wirkungen analysiert und bewertet. Inwieweit kann Internet die repräsentative Demokratie bereichern oder gar stressen? Welchen Einfluss hat das Internet auf die Kommunikation, die Partizipation und Entscheidungsprozesse in der repräsentativen Demokratie? Hierzu wird Ulrich Sarcinelli, Koblenz-Landau, sprechen. Wie verändert sich Öffentlichkeit durch das Internet? Wird sie transparenter oder eher unübersichtlicher? (Barbara Zehnpfennig, Passau) Und welche Konsequenzen lassen sich in der internationalen Politik feststellen? (James Davies, St. Gallen) 

Des Weiteren werden rechtliche Fragen beleuchtet (Michael Hassemer, Kaiserlautern) und der zunehmend wichtige und brisante Aspekt der Cybersecurity diskutiert. Dr. Sandro Gayken, FU Berlin und IT-Stratege für die IT-Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, wird über Strategien und potenzielle Lösungsansätze sprechen.

Im letzten Themenblock befassen sich Experten mit dem Internet als Stressfaktor für Autokratien. Hier werden der Nahe Osten (Thomas Demmelhuber) und China (Nele Noesselt) fokussiert.

„Die maßgeblichen Kräfte für die Entstehung von Demokratien sind die Bürgerinnen und Bürger. Über das Internet können sie Proteste schneller und breiter organisieren, wie die politischen Umbrüche in Tunesien und Ägypten zeigen“, sagt Prof. Dr. Marianne Kneuer. An der Universität Hildesheim untersucht sie in der Forschergruppe „Politik und Internet“, welchen Einfluss neue Medien auf politische Prozesse haben. Kneuer warnt aber davor, das Internet als „Befreiungstechnologie“ zu bezeichnen, wie es im Zuge der jüngsten arabischen Umbrüche geschah. Soziale Medien können keine Revolutionen auslösen und auch keine Demokratisierung erzeugen. Das Internet ist ein neutrales Medium und kann „von den Guten und den Bösen genutzt werden“, betont Kneuer.

Die DGfP ist eine der beiden Fachvereinigungen von Politikwissenschaftlern in Deutschland. Tagungsort ist der 2012 nach umfangreichen Um- und Neubauten wiedereröffnete Kulturcampus Domäne Marienburg. Am Freitag findet vorab die Nachwuchstagung statt.

Die Tagung ist nicht öffentlich und richtet sich an Fachvertreter (Programm als PDF). Tagungsort ist der Kulturcampus Domäne Marienburg der Stiftung Universität Hildesheim.

„Der Einfluss der sozialen Netzwerke: Politik geht online", N-TV.de, dpa, 16.11.2012

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news-5345 Wed, 31 Oct 2012 08:26:00 +0100 „Balance der drei Gewalten ist verfassungsrechtlicher Dauerbrenner“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/balance-der-drei-gewalten-ist-verfassungsrechtlicher-dauerbrenner/ In einer akademischen Feierstunde wurde Karl-Helge Hupka von der Universität Hildesheim eine Honorarprofessur verliehen. In seiner Antrittsvorlesung „Gewaltenteilung, demokratische Legitimation, Unabhängigkeit“ sprach der Präsident des Oberlandesgerichts Braunschweig über die Stellung der Richterinnen und Richter nach dem Grundgesetz. Karl-Helge Hupka lehrt seit mehreren Jahren am Institut für Sozialwissenschaften, insbesondere im Fach Politikwissenschaft, und ermöglicht ein praktisch orientiertes Lehrangebot. In seinen Lehrveranstaltungen befasst sich Hupka mit dem politischen System der Bundesrepublik und „vermittelt ein historisches Verständnis und ein reflektiertes Bewusstsein der Errungenschaften der bundesdeutschen Verfassung und damit zugleich eine demokratische Haltung“, erklärt Prof. Dr. Werner Greve, Dekan des Fachbereichs für Erziehungs- und Sozialwissenschaften. „Dass dies durch einen höchst angesehen Experten geschieht, wertet das von Herrn Hupka ermöglichte und engagiert organisierte Lehrangebot für die Studierenden zusätzlich auf“, so Greve.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich hob in der Feierstunde die große Bedeutung der Verbindung zwischen Stiftungsuniversität und Bürgergesellschaft hervor. Dr. Jürgen Oehlerking, Staatssekretär im Niedersächsischen Justizministerium, sprach Grußworte.

In seiner Antrittsvorlesung „Gewaltenteilung, demokratische Legitimation, Unabhängigkeit“ sprach Karl-Helge Hupka über die Gewaltenteilung an „der Schnittstelle“ zwischen vollziehender Gewalt und Rechtsprechung. Schnittstellenprobleme zwischen den drei Staatsgewalten gibt es mannigfach, erklärte Hupka. „So wird der Rechtssprechung, vor allem dem Bundesverfassungsgericht, vorgeworfen, manchmal in die Legislative ‚hineinzuregieren‘. Der Legislative wird vorgehalten, der Exekutive in Gesetzen oft zu großen Spielraum zu lassen. Die richtige Balance der drei Gewalten ist ein verfassungsrechtlicher Dauerbrenner.“ Die Gewalten angemessen auszutarieren sei eine permanente Aufgabe für Politik und Wissenschaft.

„Das Grundgesetz schweigt weitgehend, wenn es darum geht, wie die Organisation der Dritten Gewalt aussehen, insbesondere wer die Dienstaufsicht über die Richter ausüben soll. Wer soll die Richter aussuchen, ernennen und ggf. befördern?“, so Karl-Helge Hupka. Diesen von der Verfassung eröffneten Gestaltungsraum hat der Bundesgesetzgeber so ausgefüllt, dass er die Befugnisse der zweiten Gewalt, der Exekutive, übertragen hat. „Schon bald nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes hat dies herbe Kritik erfahren. Richter forderten mehr Selbstständigkeit, ja eine ‚Entfesselung der Dritten Gewalt‘. Viel geschehen ist in der Folgezeit nicht“, fasst Hupka zusammen.

Zur Person

Karl-Helge Hupka, geboren 1949 in Augsburg, hat sein erstes Staatsexamen in Tübingen abgelegt, sein zweites Staatsexamen 1976 in Stuttgart. Dort war er bis 1978 als Richter beim Landgericht Stuttgart tätig. Weitere berufliche Stationen waren Referent im Bundesjustizministerium, Oberregierungsrat im Niedersächsischen Innenministerium, Richter am Landgericht Hildesheim und hauptamtlicher Arbeitsgemeinschaftsleiter für Rechtsreferendare, Direktor des Amtsgerichts Gifhorn sowie seit 2000 Präsident des Landgerichts Hildesheim. Seit 2009 ist er Präsident des Oberlandesgerichts Braunschweig.

Bereits seit 1980 lehrte Karl-Helge Hupka als Dozent an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Hildesheim. Es folgten Lehrtätigkeiten an den kommunalen Studieninstituten Braunschweig und Magdeburg sowie im Fach Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim. Er war Vorsitzender des Niedersächsischen Richterbundes, Vorsitzender des Präsidialrates der ordentlichen Gerichtsbarkeit in der niedersächsischen Justiz sowie Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Richterbundes.

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Migrationspolitik Pressemeldungen Politik Sozialwissenschaften Fachbereich 1
news-5449 Mon, 24 Sep 2012 13:51:00 +0200 Eröffnungsvortrag von Prof. Demmelhuber auf DAAD Konferenz https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/eroeffnungsvo/ Thema "Mehr als nur eine Rebellion? Eine zeithistorische Einordnung des Arabischen Frühlings". Prof. Dr. Thomas Demmelhuber nimmt vom 26.-28. September 2012 an der internationalen DAAD-Konferenz "Arabische Hochschulen in Zeiten des Umbruchs - Neue Wege der Transformation beschreiten" teil und hält am 28. September zu Beginn der DAAD-Alumni-Konferenz "Teilhabe und Gerechtigkeit in Zeiten des Arabischen Umbruchs" den Eröffnungsvortrag zum Thema "Mehr als nur eine Rebellion? Eine zeithistorische Einordnung des Arabischen Frühlings".

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news-5430 Sun, 23 Sep 2012 17:58:00 +0200 Prof. Dr. Marianne Kneuer über Internet und Demokratie https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/prof-dr-marianne-kneuer-ueber-internet-und-demokratie/ Politikwissenschaftler untersuchen an der Universität Hildesheim im Forschungsschwerpunkt „Internet und Politik" die Rolle des Internets und neuer Medien in politischen Veränderungsprozessen. Ein Kommentar von Prof. Dr. Marianne Kneuer. Im Zuge des arabischen Frühlings 2011 war eine Euphorie entstanden über die Wirkung des Internets und vor allem die sozialen Medien. Schnell war die Bezeichnung „Twitter- oder Facebook-Revolution“ für die politischen Umbrüche in Tunesien und Ägypten zur Hand. Nicht nur in der öffentlichen und politischen Debatte, sondern teilweise auch in der Politikwissenschaft entstand eine hoffnungsvolle Haltung, bei der den neuen Medien eine demokratieförderliche Wirkung zugeschrieben wurde, dass Autokratien zunehmend durch diese interaktive Form der Kommunikation und die dadurch effektiver und schneller umsetzbare Mobilisierung von Widerstand und Protest bedroht werden. Manche Wissenschaftler sprachen sogar von „Befreiungstechnologie“. Dies ist jedoch eine zu einseitige Sicht und verkürzt die Wirkungsmöglichkeiten digitaler und vor allem sozialer Medien (Twitter, Facebook, youtube etc.) auf die positiven Effekte. Eine netzrealistische Perspektive ist erforderlich:

Erstens: Das Internet ist per se nicht demokratisch und kann aus sich heraus auch keine Demokratie erzeugen. Das Internet ist ein neutrales Medium, das grundsätzlich von jedem Akteur genutzt werden kann, um seine Botschaften zu transportieren und damit seine spezifischen Interessen zu vertreten. Die technischen Möglichkeiten einer schnellen, breiten, interaktiven, dezentralen und anonymen Verbreitung über digitale Medien steht allen Akteuren in Gesellschaft, Wirtschaft und Staat offen: den demokratischen Oppositionellen ebenso wie den autokratischen Machthabern, Anti-System-Gruppierungen wie Extremisten oder auch Terroristen. Das zeigt sich nicht zuletzt auch zurzeit an den dramatischen Ereignissen nach dem Bekanntwerden des Videos „Innocence of Muslims“, das zunächst anonym ins Netz gestellt wurde, lange dort unbeachtet blieb und dann durch die Übersetzung Verbreitung im arabischen Raum gefunden hat.

Zweitens: Digitale Medien werden auch von Diktatoren genutzt. Autokratische Machthaber stehen demokratisch gesinnten Netzprofis hinsichtlich des technischen Erfindungsreichtums in nichts nach. Sie entwickeln subtile Filter- und Zensursysteme, beteiligen sich selbst an der Netzkommunikation und können so digitale Netzwerke zum Kontrollinstrument oder gar zur Fahndung nach Netzdissidenten ummünzen. Des Weiteren nutzen autokratische Regime das Internet auch zur Herstellung von Legitimität, indem sie Bürgernähe und Responsivität simulieren, so etwa kann man – vermeintlich – in China mit dem Premierminister Wen Jiaobao chatten. Somit eröffnen die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sowohl Möglichkeiten für die Befreiung von Autokratien als auch für die soziale Kontrolle durch Autokratien. Kommunikationstechnologien können nicht einem einzigen Ergebnis – entweder Befreiung oder Kontrolle – zugeordnet werden. Auf eine kurze Formel gebracht: Eine neue Software-Anwendung, so erfindungsreich sie sein mag, kann keine sozialen oder politischen Probleme lösen. Die maßgeblichen Kräfte für die Beendigung von Autokratien und für die Entwicklung von Demokratien sind die Akteure und Akteurinnen, also die Bürger_innen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Bewegungen, Regierungen sowie relevante Elitengruppen. Die neuen Medien bilden lediglich die Kanäle dafür.

Drittens: Im Zuge der Arabischen Umbrüche haben wir das Internet vor allem als Medium zur Mobilisierung und zur Organisation von Protest erlebt. Dieser Protest hatte in diesen Fällen – in Tunesien, Ägypten, Jemen etc. – das Ziel, autoritäre Regime zu beenden und Demokratien einzurichten. Aber die Möglichkeit, über das Internet Menschen zu mobilisieren und Proteste zu organisieren, kann auch zu anderen als demokratischen Zwecken genutzt werden. Die besondere Wirkung digitaler Medien besteht darin, bereits vorhandene Stimmungen und Ziele schneller und breiter bekannt zu machen, mobilisierte Bürger schneller und effektiver zu vernetzen und die Organisation von Protesten zu beschleunigen oder zu vereinfachen. Es gibt jedoch keinen Automatismus, dass digitale Medien – auch in der Zukunft – nur Demokratie fördernde oder Demokratie konforme Wirkungen haben. Man muss künftig nicht ausschließen, dass sich auch nicht wohlmeinende Gruppierungen oder Einzelpersonen Youtube, Facebook und Twitter bemächtigen, um ihre Botschaften zu lancieren, noch dazu, wenn sie sich einer ähnlichen Wirkung wie zurzeit sicher sein können.

Viertens: Die digitalen Medien – auch wenn sie über die Grenzen wirken und transnational sind – sind immer Teil eines nationalen Mediensystems, das auch aus traditionellen Medien besteht und die eine entscheidende Filter- und Transmitterfunktion für die in Web 2.0-Medien generierten Inhalte spielen. Daher muss auch das Zusammenspiel von neuen sozialen Medien und den klassischen elektronischen und Printmedien betrachtet werden, um die Wirkung einordnen zu können. So spielte der Fernsehsender Al-Jazeera im arabischen Frühling eine wichtige Rolle, weil er Facebook-Quellen über die Landesgrenzen hinweg einer breiten regionalen und auch internationalen Öffentlichkeit publik gemacht hat. Im Falle des Schmäh-Videos „Innocence of Muslims“ war es der salafistische Fernsehkanal Al-Nas, der Ausschnitte des Videos in arabischer Sprache in einer Talkshow einblendete; aus dieser Talkshow wurde dann ein Clip auf Youtube hochgeladen und erst dann fand das Video die bekannte Verbreitung.

Es bleibt die Frage, was neue Medien und hierbei insbesondere Web 2.0-Medien in Bezug auf politische Veränderungsprozesse tatsächlich bewirken können, und zwar nicht nur in Bezug auf den Sturz von Autokratien und den demokratischen Umbruch, sondern auch in Bezug auf eine Konsolidierung und nachhaltige Stabilisierung von Demokratien. Dieser Forschungsfrage widmet sich die Forschungsgruppe Internet und Politik am Institut für Sozialwissenschaften der Universität Hildesheim. Dabei ist es angezeigt, weder in eine netzoptimistische Sichtweise zu verfallen, die das Internet auf eine Rolle des politischen Fortschritts festlegt, noch eine netzpessimistische Sichtweise zu vertreten, die einem Defätismus folgt, der das Internet als unkontrollierbares Werkzeug des Rückschritts verteufelt. Wichtig ist ein Netzrealismus, der sich die Ambivalenz des Mediums Internet vor Augen führt.

Kontakt über die Pressestelle:

Isa Lange, 0177 860 5905, presse[at]uni-hildesheim.de

Prof. Dr. Marianne Kneuer und Jun.Prof. Dr. Thomas Demmelhuber über „Die Bedeutung Neuer Medien für die Demokratieentwicklung. Überlegungen am Beispiel des Arabischen Frühlings" (PDF)

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news-5378 Tue, 11 Sep 2012 09:09:00 +0200 Welt retten bedeutet, im Kleinen anzufangen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/welt-retten-bedeutet-im-kleinen-anzufangen/ Prof. Dr. Michael Corsten, Sozialwissenschaftler an der Stiftung Universität Hildesheim, erforscht, welche Akteure sich aktiv in die Gesellschaft einbringen und wer sich zurückzieht. In „sozialmoralischen Landkarten" zeichnen die Forscher der Universitäten Hildesheim und Jena das Engagement oder Nicht-Engagement der Bürgerinnen und Bürger spätmoderner Gesellschaften nach. Isa Lange sprach mit Professor Corsten über die „Weltretter“. „Arbeiten ohne Geld" – was treibt Menschen an, die nach dem Feierabend oder am Wochenende „die Welt retten"?

Etwa ein Drittel der Bevölkerung über 14 Jahre engagiert sich freiwillig, unentgeltlich und regelmäßig für ein öffentlich bedeutsames Anliegen – ob Schülerhausaufgabenhilfe, Sportkurse für Kinder und Jugendliche, im Einsatz in der Ortsheimatpflege, in Jugendhäusern, als Schöffe im Gericht. So vielfältig wie die Engagementtätigkeiten sind auch die Motive. Im Kern geht es den Engagierten darum, sich für die gemeinsamen Belange in einem konkreten Projekt vor Ort einzusetzen und damit im eigenen Alltag ein Stück Gemeinsinn zu leben. Die Welt retten bedeutet ganz konkret im Kleinen damit anzufangen, einen Beitrag zu leisten.

Und wer sind „die" Engagierten und Nicht-Engagierten?

Engagierte Bürgerinnen und Bürger kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten und Milieus. Das Engagement älterer Bürger hat zugenommen. Wer schon im Verein ist, bei dem steigen die Chancen, dass sie oder er sich freiwillig engagiert. Auch spielt Zeitmangel kaum eine Rolle. Vielfach finden wir ein „More-More-Prinzip". Wer sich bereits in einer Initiative engagiert, wird oftmals wieder angesprochen, ob er nicht weitere Ehrenämter aufgreifen kann. Weniger Engagement findet man in Großstädten und bei Menschen in prekären Erwerbspositionen (Arbeitslosigkeit, befristete Beschäftigung).

Welche Faktoren begünstigen bürgerschaftliches Engagement?

Die Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement hängt eng mit den sinkenden sozialen Netzwerken im Umfeld einer Person zusammen. Auf dem Land oder in kleineren Städten besitzen Menschen mehr soziale Beziehungen (Familie, Freunde, Bekannte) – auch eine stabile Berufstätigkeit stärkt den sozialen Zusammenhalt. In Städten und in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen sinkt der soziale Zusammenhalt und darüber die Neigung, sich für andere einzusetzen.

Können Bürgerstiftungen Ausgangspunkte für vernetztes Engagement in einer Region sein? Wie wichtig sind Strukturen und Organisationen, die ehrenamtliche Arbeit koordinieren und neue Engagierte motivieren?

Stiftungen sind in der Regel Ausdruck dafür, dass auch finanzstarke Akteure in einer Region bereit sind, einen Teil ihres Vermögens sozialen Projekten zur Verfügung zu stellen. Inwiefern soziale Projekte, die aus Stiftungen entstehen, dann weitere Akteure aus der  Region zu freiwilligen Aktivitäten motivieren, hängt von der Passung der Inhalte zum Charakter und den Bedürfnissen einer Region ab, auch von den Strukturen, die dort existieren. Wie arbeiten (neue) Stiftungen mit Verbänden, Vereinen und Bürgerinitiativen zusammen? Erkennen Sie Trends oder stützen sie Projekte, die zwar äußerlich renommiert scheinen, aber letztlich doch eher „Auslaufmodelle“ sind? Wichtig ist das kulturelle Verständnis und Selbstbild einer Region. Wie verstehen sich die Förderer und Stifter als Bürger? Mit welchen Traditionen, kulturellen und sozialen Entwicklungen sehen sie sich verbunden? Wie nah sind sie den aktuellen Prozessen?

Was sagt die Stiftungsdichte über das Engagement von Bürgern aus? In großen Städten wie Hannover kommen auf 100.000 Einwohner 58 Stiftungen, in Olden-burg 64– in Dresden nur 20. Welche regionalen Entwicklungen stellen sie fest?

Genau das ist die Frage, die sich oben schon andeutete. Ist die Stiftungsdichte nur ein Ausdruck des ökonomischen Kapitals, das in einer Region für soziale Projekte aufgebracht werden kann oder zeigt sie, dass durch Stiftungen unterstützte Projekte auch an die kulturellen Entwicklungen einer Region anknüpfen und diese fördern können? Liegen deshalb automatisch „reiche“ Städte vorne in der Stiftungsdichte? Deckt sich die Stiftungsdichte etwa mit der Vereinsdichte einer Stadt? Dann müsste Göttingen weiter oben liegen. Der Schlüssel liegt in einer Wechselbeziehung. Die Region muss finanzstarke Akteure motivieren, sich an den lokalen Projekten zu beteiligen, umgekehrt bedarf es bei den Stiftern Akteure, die sich mit dem Verständnis der Region zu identifizieren vermögen.

Sie erarbeiten derzeit mit Wissenschaftlern aus Jena „sozialmoralische Landkarten“. Was haben Sie herausgefunden?

Mit den sozialmoralischen Landkarten wollen wir – das sind neben mir noch Prof. Hartmut Rosa, Dr. Michael Beetz und Torsten Winkler – erfassen, wie Menschen ihr Verhältnis zur Welt herstellen und erfahren. Ob sie sich eher als „in die Welt geworfen“ oder „von der Welt getragen“ ansehen. Es geht um die Frage, ob Menschen das Gefühl haben, dass sie Rückmeldungen erfahren, wenn sie etwas unternehmen. Zum Beispiel, wenn sie sich engagieren wollen. Dann macht es einen Unterschied, ob ich das Gefühl habe, dass die Welt um mich herum, sich gleichgültig verhält. Oder ob ich zuversichtlich bin, dass mein Tun etwas bewirkt. Menschen, die ein Resonanzgefühl zur Welt ausgebildet haben, sind eher motiviert, Aufgaben zu übernehmen, etwas für andere zu tun.

Engagement im Studium – wie steht es um die Engagement-Bereitschaft (und-Ausübung) der jungen Generation?

Das Engagement der Studierenden ist laut Daten des Freiwilligensurveys zwischen 1999 und 2009 leicht gestiegen, von 40 auf 43%. Bei den älteren Studierenden (25 bis 29 Jahre) hat es deutlich zugenommen – von 36 auf 47%. Es wäre somit denkbar, dass die Studierenden in der Bachelorphase etwas weniger dazu neigen, ein Engagement auszuüben – immerhin sind es auch hier noch 40% im Jahr 2009. Außerdem zeigt sich ein Bildungseffekt: Gleichaltrige Jugendliche mit Berufsausbildung und in Erwerbstätigkeit engagieren sich nur zu ungefähr dreißig Prozent – auch Gymnasiasten im Alter 14 bis 19 engagieren sich mit über 40% deutlich stärker als Hauptschüler und Mittelschüler (unter 30%).

Vielen Dank für das Gespräch.

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news-5146 Tue, 28 Aug 2012 19:11:00 +0200 Wie lässt sich Demokratie messen? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/wie-laesst-sich-demokratie-messen/ Professorin Dr. Marianne Kneuer ist in den Rat der Weltorganisation für Politikwissenschaft (International Political Science Association, IPSA) berufen worden. Wie lässt sich Demokratie messen? Dieser Frage geht sie in der internationalen Forschergruppe „Qualität der Demokratie" nach. Die Amtsperiode beträgt zwei Jahre. Neben der Arbeit im Rat leitet die Hildesheimer Politikwissenschaftlerin die IPSA-Forschergruppe „Qualität der Demokratie" (Research Committee Quality of democracy).

„Wir bringen Politikwissenschaftler innerhalb und außerhalb Deutschlands, die an dem gleichen Thema arbeiten, zusammen, tauschen Forschungsansätze und -ergebnisse aus und entwerfen gemeinsame Projekte“, so Marianne Kneuer. Im kommenden Jahr wird die Forschergruppe einen internationalen Workshop veranstalten – zusammen mit dem Arbeitskreis „Demokratieforschung" der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft – zum Thema „Measuring democracy". „Wie lässt sich Demokratie messen? Diese Frage ist zur Zeit in der Demokratieforschung ein kontroverses Thema. Es herrscht eine große Dynamik an durchaus unterschiedlichen Ansätzen“, so Kneuer. Ordnen wir ein politisches System als Demokratie oder Autokratie ein, gibt es „Zwischenstufen"?

Das Fach Politikwissenschaft hat an der Universität Hildesheim einen Schwerpunkt in der Demokratie- und Autokratieforschung. Marianne Kneuer hat am Institut für Sozialwissenschaften die Professur für den Vergleich politischer Systeme/Internationale Beziehungen inne. „Ich erhoffe mir, dass dieser Workshop und die internationale Kooperation unsere Arbeit hier in Hildesheim befruchtet.“

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news-5095 Sat, 11 Aug 2012 18:12:00 +0200 Gescheiterte Kanzlerkandidaten und Frauen in der Politik https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/gescheiterte-kanzlerkandidaten-und-frauen-in-der-politik/ Dr. Saskia Richter erforscht den politischen Stil von Frauen. Sie promovierte über den Aufstieg und Fall von Petra Kelly, Gründungsmitglied der Partei Die Grünen. Mit der Politikwissenschaftlerin der Universität Hildesheim sprach Isa Lange über gescheiterte männliche Kanzlerkandidaten, die Frau an der Spitze der Bundesregierung und politische Bildung in Schulen. Die gescheiterten Kanzlerkandidaten seit 1949 – ob Kurt Schumacher, Franz Josef Strauß oder Edmund Stoiber – sind männlich. Sie haben untersucht, warum ihnen der Versuch misslang, ins Kanzleramt vorzudringen, welche Unterstützung sie bei der Nominierung erfuhren, wie der Wahlkampf verlief. Erschreckt es Sie, dass kaum Frauen unter den Spitzenkandidaten sind?

Erfolgreiche Kanzlerkandidaten der Bundesrepublik waren durchweg Männer – Konrad Adenauer, Willy Brandt oder Helmut Kohl. Auch die Gegenkandidaten waren männlich. Männer sind geübt darin, das Wort zu führen und auf generationsübergreifende Netzwerke und Seilschaften zurückzugreifen, die sie stützen.

Politik hat sich durch die Männerhand entwickelt. Bis in die 60er Jahre waren Frauen in politischen Positionen nicht üblich, sie mussten sich ihren Platz in Parlamenten erst erkämpfen. Im ersten Bundestag waren 410 Abgeordnete und davon nur 28 Frauen. Wie auch in den Medien – Marion Gräfin Dönhoff war eine journalistische Ausnahmeerscheinung. Männliche Erwerbstätige prägten die öffentliche Sphäre, Frauen führten den Haushalt und waren für die Kindererziehung zuständig. Die 68er, die Frauenbewegung in den 70er Jahren waren die Anfänge einer sukzessiven weiblichen politischen Bewegung. Erst seit 1977 darf die Frau ohne Zustimmung ihres Ehemannes erwerbstätig sein.

…heute regiert Angela Merkel. Als erste Frau ist sie seit beinahe acht Jahren Bundeskanzlerin. Eine Erfolgsgeschichte der Frauen in der Politik?

Sie ist eine Ausnahme.

Warum?

Zwar signalisiert Angela Merkel – und das ist ein wichtiges Zeichen – dass Frauen heute Spitzenpositionen einnehmen können. Dennoch ist die Bundeskanzlerin eine Ausnahmepolitikerin. Sie kam als Seiteneinsteigerin aus der Wissenschaft, war unter Helmut Kohl die Quotenfrau aus Ostdeutschland, hat keine Kinder.

Um dahin zu kommen, wo sie heute steht, hat sie den männlichen Führungsstil übernommen, ist machtpolitisch knallhart. Angela Merkel hat es geschafft, ein stabiles Netzwerk aufzubauen. Frauen wie die Büroleiterin Beate Baumann und die Medienberaterin Eva Christiansen sind unter den Vertrauten, ein loyales Umfeld stützt und festigt sie – denn als Einzelkämpfer ist man in der Politik handlungsunfähig. Heute gibt ihr das Amt eine starke Machtposition: Unabhängig ob Mann oder Frau – am Kabinettstisch ist die Bundeskanzlerin die uneingeschränkte Chefin, hier zählen Hierarchien und nicht das Geschlecht.

Wolfgang Schäuble, Norbert Röttgen, Christian Wulff, Friedrich Merz, Roland Koch. Die Liste der politischen Konkurrenten ist lang…

…und wird immer kürzer. Angela Merkel hat ihre männlichen Konkurrenten ausgestochen. Wolfgang Schäuble war zu sehr in die Spendenaffäre verwickelt, als dass er Angela Merkel hätte gefährlich werden können. Norbert Röttgen ist an seinem eigenen Ehrgeiz gescheitert, Christian Wulff an fehlendem politischen Feingespür – beide hat Angela Merkel allerdings ins Messer laufen lassen. Friedrich Merz nahm Angela Merkel den Fraktionsvorsitz ab, bevor er sich selbst aus der Politik zurückzog. Ähnlich wie Roland Koch, auch der Hessische Ministerpräsident beendete unter der Parteivorsitzenden Angela Merkel seine politische Karriere.

Sie sprechen von der Annahme des männlichen Führungsstils. Passen sich die Frauen in der Politik an? Was geht dabei verloren?

Viele Frauen ahmen die Männer nach, zeigen Strenge und Neutralität. Das sieht man schon an der Kleidung, dem dunklen Hosenanzug. Doch einige bringen neue – nicht nur farblich-modische – Akzente in die Politik: Sie leiten Sitzungen anders, sind inhaltlicher orientiert, weniger vom Aushandeln der Hierarchien geblendet. Männer irritiert der Führungsstil von Frauen!

Die Doppelspitze der Grünen kombiniert derzeit den sachlichen und emotional-betroffenen Politiker. Hier Cem Özdemir, dort Claudia Roth. Letztere spricht offen darüber, wenn sie emotional berührt ist; die taz beschrieb das Weinen als Markenzeichen der Grünen Chefin. Tränen und Leidenschaft gehören zu ihrem politischen Auftritt. Hans-Dietrich Genscher gab erst 40 Jahre nach den Geiselnahmen von München während der Olympischen Spiele 1972 und 20 Jahre nach der Wiedervereinigung zu, dass er emotional berührt und zu Tränen gerührt war.

Haben wir zu wenige Frauen in der Politik?

Noch ja. Auch wenn der Frauenanteil durch das konsequente Fordern von Frauenquoten gestiegen ist. Noch haben wir weniger Ministerinnen – sechs Frauen von 16 Kabinettsmitgliedern –, weniger Frauen als Bundestagsabgeordnete – derzeit gut 30 Prozent –, weniger beamtete Staatssekretärinnen – 24 Prozent –, und nur 16 Prozent Frauen als Abteilungsleiter. Die Unternehmensberatung Kienbaum stellte fest, dass immerhin von 1713 Referatsleitern in Ministerien, Kanzleramt und Bundespresseamt 30 Prozent Frauen sind.

Es kommen junge Frauen nach, die neue Karrierewege gehen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einfordern, dadurch verändert sich das politische Klima. Familienministerin Kristina Schröder ist während ihrer Amtszeit Mutter geworden, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ist als siebenfache Mutter eine Vorzeigepolitikerin, die auf die Integration von Müttern in die Arbeitswelt pocht.

Im Familienministerium sind die meisten Frauen in Führungspositionen. In den politisch harten Bereichen, wie in der Außen-, Finanz- und Wirtschaftspolitik, geht es jedoch sehr langsam voran. Frauen sollten mehr mitspielen. Wir sollten ausprobieren, wie sich Gesellschaft verändert, wenn Frauen auch in Unternehmen entscheiden. Möglicherweise handeln sie weniger risikofreudig.

Welche Rolle spielen die Schulen, kann Schulunterricht das Interesse von Mädchen und Jungen an Politik wecken?

Die Bildung ist ganz entscheidend. Unsere Lehramtsstudierenden im Fach Politikwissenschaft lernen, wie sie das Fach Politik künftig breit unterrichten. Demokratiebildung findet in unseren Haupt- und Grundschulen viel zu wenig statt. Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur lernen, wie das demokratische System aufgebaut ist, sondern selbst Staatsbürger werden. Politische Bildung fordert von ihnen: Geht raus in die Gesellschaft, gestaltet sie mit! Schule muss den Einzelnen dazu bewegen, teilzuhaben. Es muss wieder „in“ werden, zur Wahl zu gehen und sich in Vereinen zu engagieren.

In Ihrem Habilitationsprojekt forschen Sie über die politische Teilhabe in sich wandelnden Gesellschaften. Was untersuchen Sie bis 2015?

Meine These ist: Nach Wirtschafts- und Finanzkrisen steigt die politische Partizipation. Ich untersuche die Krise der 70er Jahre und die Finanzkrise seit 2008. Wer bringt sich wie ein? In Spanien demonstrieren derzeit arbeitslose Jugendliche, weil sie keine Perspektive sehen. In Stuttgart waren die Proteste rund um den Bahnhof Ausdruck von Wohlstand. In drei Flughafenprojekten – Frankfurt, München, Berlin – fühlen sich Bürger derzeit übergangen. Ich will herausfinden, wie Bürger dauerhaft an der Gestaltung der Gesellschaft teilhaben, so dass es nicht zu ausbruchsartigen unerwarteten Demonstrationen kommt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zur Person

Dr. Saskia Richter, geboren 1978, ist Politikwissenschaftlerin an der Universität Hildesheim. Über Frauen in der Politik und im Besonderen das Leben von Petra Kelly, Gründungsmitglied der Partei Die Grünen, hat sie in Deutschland und den USA geforscht. 2010 ist das Buch „Die Aktivistin. Das Leben der Petra Kelly“ bei der Deutschen Verlags-Anstalt erschienen. Nach Stationen in Göttingen, Berlin und Friedrichshafen arbeitet sie am Institut für Sozialwissenschaften der Uni Hildesheim derzeit an ihrer Habilitation über politische Partizipation in sich wandelnden Gesellschaften. 

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Politik Sozialwissenschaften Polyv. 2-Fäch.BA
news-4791 Tue, 12 Jun 2012 13:09:00 +0200 Die Facebook-Revolution, die keine war? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/die-facebook-revolution-die-keine-war/ Der Arabische Frühling in den Medien: Erfahrene Journalisten und Blogger diskutieren an der Universität Hildesheim über die Rolle des Internets und sozialer Medien in politischen Veränderungsprozessen. Im Zuge des arabischen Frühlings 2011 erlangte das Internet, vor allem die sozialen Medien eine herausgehobene Rolle. Einige Beobachter bezeichnen den politischen Umbruch sogar als „Twitter- oder Facebook-Revolution“, wohingegen andere vor einer voreiligen Einschätzung warnen und auf weitere Faktoren des politischen Wandels verweisen. Seither erleben wir in Politik, Medien und Wissenschaft eine lebhafte Debatte darüber, was Web 2.0-Medien in Bezug auf politische Veränderungsprozessen tatsächlich bewirken können und welchen Stellenwert dabei die klassischen Medien haben.

Diese Frage greift die Ringvorlesung „Demokratie und Internet“ des Faches Politikwissenschaft im Rahmen der Podiumsdiskussion „Der Arabische Frühling in den Medien“ am Mittwoch, 13. Juni, ab 18:00 Uhr c.t. im Hörsaal 2 (Hauptcampus) auf.

Unter der Moderation von Prof. Dr. Marianne Kneuer diskutieren die Fernsehjournalistin und Bloggerin Katrin Sandmann („Sandmann Blog“), der Journalist und Blogger Loay Mudhoon von der Deutschen Welle (Internetmagazin „Qantara“) sowie Bloggerin und Jemen-Expertin Mareike Transfeld (Twitter: „ProjectYemen“).

Die Ringvorlesung ist Teil des Forschungs- und Lehrschwerpunkts Politik und Internet, der am Institut für Sozialwissenschaften der Stiftung Universität Hildesheim aufgebaut wird.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion:

Katrin Sandmann arbeitete über 15 Jahre als Redakteurin, Reporterin und Korrespondentin unter anderem für die Nachrichtenprogramme Sat.1 und N24. 1999 berichtete sie mehrere Wochen aus dem Kosovo über den Einmarsch der NATO-Truppen. Im selben Jahr zog sie als Korrespondentin in den Nahen Osten, lebte in Jerusalem und Amman und bereiste die Nachbarländer Syrien, den Libanon und Ägypten. Über den Irak-Krieg und seine Folgen berichtete sie noch bis 2005 in akuter Gefahrenlage. Ihre Irak-Berichterstattung brachte Sandmann eine Nominierung als beste deutsche Fernsehjournalistin ein. Bis 2010 war sie Leiterin Reportage/Reporter bei N24 in Berlin. Die Schwerpunkte ihrer Berichterstattung lagen seitdem im Iran sowie den Kriegs- und Krisengebieten dieser Welt (Artikel über Katrin Sandmann: "Berufsrisiko Tod. Vom Leben als Krisenreporterin", Der Tagesspiegel).

Loay Mudhoon, Deutsche Welle, Politik- und Islamwissenschaftler, beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Nahen und Mittleren Osten im Kontext der internationalen Politik. Journalistisch ist Mudhoon verantwortlich für das Internetmagazin „Qantara.de - Dialog mit der islamischen Welt“, das über Themen aus dem europäisch-islamischen Kontext berichtet. Er ist Lehrbeauftragter am Institut für Internationale Politik und Außenpolitik und am Orientalischen Seminar der Universität zu Köln. Thematische Schwerpunkte sind unter anderem: Geopolitik im Nahen und Mittleren Osten im Kontext der internationalen Politik, Politischer Diskurs im arabischen Raum, Arabischer Mediendiskurs, Reformdenken im zeitgenössischen Islam, Islamdialog und Integration der Muslime in Deutschland, Deutsch-arabische Beziehungen, Islam und Rechtsstaatlichkeit. Seit 2007 ist Loay Mudhoon Redakteur der Deutschen Welle.

Mareike Transfeld ist Bloggerin und Jemen-Expertin, geboren 1985, Studium an der Universität Erlangen-Nürnberg mit der Fächerverbindung Politikwissenschaft, Islamwissenschaft und Neuere und Neueste Geschichte. Auslandsaufenthalte unter anderem in Tunesien und Jemen. Sie forscht über den Jemen, Regimelegitimität und Autoritarismus.

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Migrationspolitik Pressemeldungen Fachbereich 1 Ringvorlesungen Politik
news-4799 Tue, 05 Jun 2012 18:07:00 +0200 Exkursion nach Berlin „Rechtsextremismus als Herausforderung für die deutsche Demokratie“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/exkursion-nach-berlin-rechtsextremismus-als-herausforderung-fuer-die-deutsche-demokratie/ Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus – es gibt einen breiten Konsens darüber, dass diesen Phänomenen neben rechtlichen Schritten vor allem durch eine gesellschaftliche Debatte entgegengewirkt werden muss. Ein wichtiger Ort von Aufklärung und Debatte ist der schulische Bereich. Kinder und Jugendliche erfahren von extremistischen Aktivitäten aus den Medien oder erleben sie gar in ihrer direkten Nähe. Wie können und wie sollen Lehrer und Lehrerinnen damit umgehen? Das Fach Politikwissenschaft der Universität Hildesheim widmet sich dieser Frage und hat eine Exkursion für Lehramtsstudierende organisiert, um sich darüber zu informieren. Vom 30. Mai bis 1. Juni 2012 haben sich Hildesheimer Studierende in Berlin mit der Thematik des Rechtsextremismus in Deutschland und seinem Umgang befasst. Unter der Leitung von Dr. Sybille Reinke de Buitrago haben sie Einblicke in die Tätigkeiten verschiedener deutscher Regierungsinstitutionen und zivilgesellschaftlicher Organisationen in Berlin gewonnen.

Die Studierenden informierten sich im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ); im Bundesministerium des Innern (BMI) und bei der Beauftragten des Senats für Integration und Migration des Landes Berlin. Neben staatlichen Institutionen wurde auch die seit vielen Jahren aktive NGO „American Jewish Committee“ (AJC) besucht. Die Leiterin der deutschen Repräsentanz, Deidre Berger, stellte die Arbeit des AJC vor; dann hatten die Studierenden die Gelegenheit, mit geschulten Mitarbeitern der „Taskforce Education on Antisemitism“ zu diskutieren.

Die Quintessenz der Gespräche bleibt, dass Maßnahmen zur Bekämpfung des Rechtsextremismus breit aufgestellt und gesamtgesellschaftlich angesetzt werden müssen. Es ist wichtig, nicht nur Toleranz und Vielfalt generell zu fördern, sondern auch das demokratische Bewusstsein im Ganzen zu stärken und die Grundrechte im Denken fest zu verankern, wie auch die Kompetenzen zu lehren, um sich in die Demokratie einzubringen.

Das Fach Politikwissenschaft will diesen Ansatz weiterführen und vertiefen. Vor allem bei der Vermittlung von Partizipationsmöglichkeiten in der Schule muss ein Akzent liegen, um möglichst viele Jugendliche an die vielfältigen Formen heranzuführen, sich in demokratischen Debatten und Prozessen zu beteiligen und sie den Mehrwert solcher Beteiligung entdecken zu lassen. Daher sollen künftig ähnliche Exkursionen für Lehramtsstudierende zu dem Thema durchgeführt werden.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Marianne Kneuer, Institut für Sozialwissenschaften (kneuer[at]uni-hildesheim.de); Dr. Sybille Reinke de Buitrago (reinke[at]uni-hildesheim.de).

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news-4595 Mon, 16 Apr 2012 10:33:00 +0200 Streitgespräch fragt nach dem Recht auf Internet https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/streitgespraech-fragt-nach-dem-recht-auf-internet/ Das Streitgespräch „Freier Internetzugang für alle: Gibt es ein Recht auf Internet?“ lockte rund 130 Zuhörer in den Hörsaal der Stiftung Universität Hildesheim. Die Ringvorlesung „Demokratie und Internet" nimmt jeden Mittwoch aktuelle Aspekte im Themenfeld Demokratie und Internet in den Blick. An der Universität Hildesheim diskutierten am Mittwoch, 11. April 2012, der Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek von der CDU/CSU, Michele Marsching, 1. Vorsitzender des Landesverbands NRW der Piratenpartei und Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen, zum Thema „Freier Internetzugang für alle: Gibt es ein Recht auf Internet?“ Das von rund 130 Zuhörern besuchte Streitgespräch bildete den Auftakt zur Ringvorlesung „Demokratie und Internet“ und wurde von Prof. Dr. Marianne Kneuer vom Institut für Sozialwissenschaften, Fach Politikwissenschaft, moderiert.

Während keiner der Referenten in den Kurzstatements zu Beginn ein Grundrecht auf das Internet und seine Nutzung in Frage stellte, gab es zahlreiche Unterschiede in den jeweiligen Positionen, wie dieses Recht und der verantwortungsvolle Umgang damit zu implementieren seien. Alle gingen in dem Punkt konform, dass es einen Bedarf an Kontrollen im Internet gebe. Dennoch plädierten die Diskutanten für  ein unterschiedliches Maß an der Verhältnismäßigkeit im Umgang mit Sicherheit im Internet und ihrer Durchsetzung durch den Staat. Jarzombek verwies dabei auf nötige Stichprobenkontrollen, nicht so Marsching und Spitz. Zur Frage der Anonymität sah Marsching ein großes Spannungsfeld zwischen den Personen, die ihre Anonymität im Internet wahren wollen und denen, die sich freiwillig mit ihrem „Klarnamen“ dort bewegen. Laut Jarzombek liegt das Problem in den unterschiedlichen Speicherpraktiken von Unternehmen wie Google oder Vodafone. Dabei müsse man auch sehen, dass die durch private Unternehmen über Internetnutzer gespeicherten Daten die umstrittene staatliche Vorratsdatenspeicherung weit übertreffen, so Jarzombek. Marsching jedoch warf in diesem Kontext ein, dass es mit Blick auf private Unternehmen Alternativen gäbe, jedoch nicht beim Staat. Für ihn zählt die Medienkompetenz der Nutzer, welche für alle Teilnehmenden auf dem Podium von entscheidender Bedeutung im Umgang mit dem Medium Internet ist.

Im Anschluss an das Podiumsgespräch öffnete Prof. Kneuer das Podium für Fragen aus dem Publikum, welche vor allem auf umstrittene Themen des Datenschutzes (bspw. Gesundheitskarte der gesetzlichen Krankenkassen) und der aktuellen Debatte zu ACTA  (Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen) abzielten. Mit ACTA soll ein international gültiger Rechtsrahmen unter anderem gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet geschaffen werden. Die Diskutanten sahen gemeinsame europäische Richtlinien für angebracht, äußerten auch Bedenken aufgrund der Beteiligung von privaten Firmen und Lobbygruppen in der Formulierung des Abkommens.

Prof. Kneuer wies in ihrem Fazit darauf hin, dass das Recht auf freien Zugang die eine Seite der Medaille sei, die andere aber der Umgang mit dem Netz und der Umgang mit dessen Inhalten. Insofern sei die Forderung nach Medienkompetenz und einem verantwortungsvollen Umgang die eigentliche Herausforderung. Hier liege ein wichtiger Auftrag vor allem für künftige Lehrerinnen und Lehrer.

Ringvorlesung „Demokratie und Internet: Nationale und internationale Aspekte“
Auch die nächsten Sitzungen der Ringvorlesung, jeweils mittwochs von 18:00 Uhr c.t. bis 20:00 Uhr im Hörsaal 2 (Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim), werden spannende Aspekte im aktuellen Themenfeld Demokratie und Internet ansprechen. Die interessierte Öffentlichkeit ist eingeladen, an der Ringvorlesung teilzunehmen. Am 18. April führt Prof. Kneuer eine Bestandsaufnahme zum Thema Demokratie und Internet aus. Am 25. April spricht Prof. Dr. Joachim Griesbaum über „Architektur und Technik von Web 2.0“. Am 2. Mai referiert Dr. Michael Paetau zum Thema „E-Democracy: Neue Formen politischer Mitgestaltung durch E-Petitionen und E-Wahlen“.

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news-4546 Wed, 04 Apr 2012 14:27:00 +0200 Demokratie und Internet: Streitgespräch über freien Internetzugang für alle https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/demokratie-und-internet-streitgespraech-ueber-freien-internetzugang-fuer-alle/ Das Internet – frei von Hierarchien und Begrenzungen? „Freier Internetzugang für alle: Gibt es ein Recht auf Internet?“ – unter diesem Thema steht das Streitgespräch am Mittwoch, 11. April 2012, zwischen Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen, Thomas Jarzombek, MdB CDU/CSU und Michele Marsching, 1. Vorsitzender Landesverband NRW, Piratenpartei. Die öffentliche Veranstaltung bildet den Auftakt der Ringvorlesung „Demokratie und Internet: Nationale und internationale Aspekte“ des Fachs Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim. Das Internet schafft neue Kommunikationsstrukturen – es ermöglicht Menschen, sich in kurzer Zeit über nationale Grenzen hinweg auszutauschen, Texte oder Fotografien zu veröffentlichen und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Doch nicht jeder hat gleichberechtigten und freien Zugang zum Internet. Was, wenn Nationen ihren Bürgerinnen und Bürgern, die Teilhabe verweigern? Gibt es ein Recht auf Internet, im Sinne eines Rechts auf Teilhabe? Wer entscheidet, wer an welchen Inhalten des Internets teilhaben kann?

In jüngster Zeit wurden heftige Debatten um das ACTA-Abkommen (dt. Anti-Produktpiraterie-Handelsabkommen) geführt. ACTA ist ein geplantes multilaterales Handelsabkommen. Damit wollen die teilnehmenden Nationen den Schutz des Urheberrechts und vor Produktpiraterie sicherstellen. Gerät damit ein freier Zugang zum Internet in Gefahr?

Die interessierte Öffentlichkeit ist eingeladen, am Streitgespräch „Freier Zugang für alle: Gibt es ein Recht auf Internet?“ am Mittwoch, 11. April 2012, um 18:15 Uhr teilzunehmen. Es diskutieren Malte Spitz, Mitglied im Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen, Thomas Jarzombek, MdB CDU/CSU und Michele Marsching, 1. Vorsitzender Landesverband NRW, Piratenpartei.

Peter Altmaier, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, musste aufgrund von kurzfristigen Verpflichtungen seine Teilnahme leider absagen. Jüngst hat Altmaier, der als netzaffin gilt, in einem Aufsatz in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) den Zugang zum Internet mit dem Zugang zu Grundnahrungsmitteln verglichen. „Die politische Freiheit und Gleichheit der Bürger realisiert sich im Netz zum ersten Mal in Permanenz: Die neu entstehenden Strukturen eröffnen die Möglichkeit jederzeitiger und umfassender politischer Einflussnahme und Gestaltung, über jede Art von geographischer, politischer oder sozialer Grenze hinaus. Jenseits von Parteien, Verbänden und klassischen Medien entwickeln sich fast über Nacht revolutionäre Verhaltensmuster“, so Altmaier in der FAZ. Die entscheidende Frage im Hinblick auf Partizipation sei „vernetzt oder nicht?“. Der Zugang zum Internet sei zu einem Rechtsgut „von höchstem Wert“ geworden.

Die öffentliche Veranstaltung bildet den Auftakt der Ringvorlesung „Demokratie und Internet: Nationale und internationale Aspekte“, die von Prof. Dr. Marianne Kneuer vom Fach Politkwissenschaft an der Stiftung Universität Hildesheim organisiert wird. In Hildesheim wird am Institut für Sozialwissenschaften, Fach Politikwissenschaft, der Forschungs- und Lehrschwerpunkt Politik und Internet ausgebaut, jüngst wurde mit Prof. Dr. Thomas Demmelhuber ein neuer Juniorprofessor berufen.

Die öffentliche Ringvorlesung findet mittwochs von 18:15 Uhr bis 20:00 Uhr im Hörsaal 2, Hauptcampus der Universität Hildesheim statt. 

Öffentliche Ringvorlesung „Demokratie und Internet: Nationale und internationale Aspekte“

Wann? Mittwochs, 18:00 c.t. bis 20:00 Uhr

Wo? Hörsaal 2, Hauptcampus der Stiftung Universität Hildesheim (Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim)

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news-4125 Mon, 20 Feb 2012 11:02:00 +0100 EU ganz nah https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/eu-ganz-nah/ Im Rahmen von Exkursionen erhalten Studierende unmittelbar Einblicke in die Arbeit von Institutionen der Europäischen Union. Sie diskutieren mit Abgeordneten, erfahren mehr über die Entstehungsgeschichte des Euopäischen Parlaments oder sprechen mit Lobbyisten über deren Arbeit in Brüssel. Anfang Februar 2012 besuchten 14 Studierende im Rahmen einer Exkursion nach Brüssel mehrere Institutionen der Europäischen Union. „Die Studierenden konnten einen direkten Blick in die alltägliche Arbeit der EU-Institutionen werfen und die EU und ihre Arbeit aus der Nähe erleben", erklärt Dr. Sybille Reinke de Buitrago vom Institut für Sozialwissenschaften, Fach Polikwissenschaft, welches die Exkursion anbot. „Anders als in Seminaren zur EU, konnten die Studierenden die parlamentarische Arbeit von EU-Abgeordneten direkt mitverfolgen. In Verbindung mit dem theoretischen Wissen können sie so ein tieferes Verständnis der Entscheidungsprozesse innerhalb der Union gewinnen."

Im neuen Parlamentarium erfuhren die Studierenden auf interaktive Weise mehr über die Hintergründe und Entstehungsgeschichte, die Arbeitsschwerpunkte und aktuellen Entwicklungen in der Arbeit des Europäischen Parlaments. Auf dem Programm standen Besuche beim EU-Parlament und der Europäischen Kommission, darunter Gespräche mit Prof. Dr. Godelieve Quisthoudt-Rowohl, MdEP und seit 2009 Honorarprofessorin an der Universität Hildesheim, sowie einem Referenten der Kommission. Die Studierenden konnten im Plenarsaal des EU-Parlaments einen Teil der alltäglichen, politischen Abläufe in der Arbeit von EU-Abgeordneten erleben und einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Weitere Besuche fanden bei der Niedersächsischen Landesvertretung in Brüssel statt, deren Aufgabe es ist, das Land Niedersachsen als Kultur- und Wirtschaftsstandort in Brüssel zu repräsentieren. „Mit einem Besuch bei der Lobbygruppe der Conféderation Européenne des Propriétaires Forestiers wurde auch ein anderer wichtiger Teil der Arbeit in Brüssel unter die Lupe genommen, nämlich die der Lobbyisten, welche in Brüssel die verschiedensten Interessen privater Unternehmen und öffentlicher Gruppen vertreten", erklärt Dr. Sybille Reinke de Buitrago.

An den Exkursionen des Fachs Politikwissenschaft nehmen regelmäßig Studierende verschiedener Studiengänge teil, darunter Lehramtsstudierende.

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news-3623 Thu, 19 Jan 2012 12:49:00 +0100 Demokratisierung und Internet https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/demokratisierung-und-internet/ Welche Rolle spielen neue Medien in Autokratien und wie können sie den Aufbau von Demokratien beeinflussen? „Wir wollen in Hildesheim ein Forschungsprogramm entwickeln, das aus meiner Sicht frei von euphorischer Begeisterung über das Mobilisierungspotenzial des Web 2.0 sein muss", erläutert Prof. Dr. Marianne Kneuer. Sie hält am Mittwoch, 25. Januar 2012, ihre öffentliche Antrittsvorlesung zum Thema „Demokratisierung und Internet“. Jüngst ist die Politikwissenschaftlerin der Stiftung Universität Hildesheim zur Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft gewählt worden. Die Arbeitsschwerpunkte von Prof. Dr. Marianne Kneuer, Leiterin des Fachs Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften, liegen in der Demokratie- und Europaforschung. Sie erforscht zudem die Rolle des Internets und der neuen Kommunikationsmöglichkeiten in Demokratisierungsprozessen. Welche Rolle spielen neue Medien in Autokratien und wie können sie den Aufbau von Demokratien beeinflussen? „Wir wollen in Hildesheim ein Forschungsprogramm entwickeln, das aus meiner Sicht frei von euphorischer Begeisterung über das Mobilisierungspotenzial des Web 2.0 sein muss. Das Internet ist neutral und kann ebenso von den autokratischen Machthabern genutzt werden“, so Kneuer.

„Demokratisierung ist kein automatischer und linearer Prozess. Sogar rückläufige Prozesse sind denkbar.“ Professorin Kneuer untersucht Demokratisierungsprozesse – deren Verlauf, Erfolg oder Nichterfolg. Der Zusammenbruch von Autokratien garantiere noch keine Demokratie, dies belegen auch die arabischen Revolutionen. „Der arabische Frühling hat einen neuen Schub gebracht“, erklärt Kneuer. „Erstmals haben Länder der islamisch geprägten Welt begonnen, sich zu demokratisieren. Die Fälle Tunesiens, Ägyptens, Libyens, gleichermaßen Syrien und Jemen zeigen, dass autoritäre Machthaber nicht dauerhaft den Wunsch nach Partizipation, nach Meinungs- und Versammlungsfreiheit und freien und fairen Wahlen unterdrücken können.“ Jüngst diskutierte sie mit einer Delegation der Partneruniversität Nowgorod und Studierenden der Politikwissenschaft über die Wahl-Entwicklungen in Russland.

Von 1994 bis 1998 gehörte Marianne Kneuer dem Planungsstab von Bundespräsident Herzog an. Davor war sie als Journalistin, unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, tätig. Sie ist Mitherausgeberin der „Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft“ und der Buchreihen „Demokratiestudien. Demokratie und Demokratisierung in Theorie und Empirie“ sowie „Staatlichkeit und Governance in Transformation“.

In den Fachvertretungen der Politikwissenschaft in Deutschland ist Professorin Kneuer stark vertreten. Seit 2004 wirkt sie als Sprecherin des Arbeitskreises „Demokratieforschung“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) sowie seit 2005 als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP). Zur Vorsitzenden der DGfP ist Prof. Dr. Marianne Kneuer im November 2011 für eine Amtszeit von zwei Jahren gewählt worden.

Öffentliche Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Marianne Kneuer
Wann?  Mittwoch, 25. Januar 2012, 19:15 Uhr
Wo?      Hörsaal 1, Hauptcampus der Stiftung Universität Hildesheim

Lesen Sie ein Portrait über Prof. Kneuer in der TAZ – Die Tageszeitung vom 21.01.2012 (print) auch online: Spezialistin für Systemwechsel (online-Artikel)

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news-3881 Wed, 11 Jan 2012 14:28:00 +0100 Preise für hervorragende studentische Initiativen, Forschung, Lehre und Serviceleistungen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/preise-fuer-hervorragende-studentische-initiativen-forschung-lehre-und-serviceleistungen/ Für hervorragende studentische Initiativen werden Scherwin Saedi, der das Lore-Auerbach-Stipendienprogramm initiiert hat, sowie das Organisationsteam des Umwelttags 2011, Simon Ditzel, Julia Hartmann und Marc Wätzold, von der Stiftung Universität Hildesheim ausgezeichnet. Zudem wurden die Preise für hervorragende Forschung, Lehre und Serviceleistungen verliehen. Mit dem Preis für hervorragende studentische Initiativen werden Scherwin Saedi, der das Lore-Auerbach-Stipendienprogramm initiiert hat, sowie das studentische Organisationsteam des Umwelttags 2011, Simon Ditzel, Julia Hartmann und Marc Wätzold ausgezeichnet. „Global wichtige Themen sollten grundsätzlich in die Lehre integriert werden, und zwar unabhängig vom Studienfach. Vor allem mit der Lehrerausbildung besteht die Möglichkeit, auch folgende Generationen zu erreichen und sie für nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren“, hebt Wätzold hervor, der in Hildesheim Umweltsicherung studiert.
Das Lore-Auerbach-Stipendienprogramm geht auf eine Initiative des früheren AStA-Mitglieds Scherwin Saedi zurück. „Neben der inhaltlichen Ausrichtung hat Herr Saedi an der Ausarbeitung der Satzung bis hin zur Umsetzung maßgeblich mitgewirkt“, hebt Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich hervor. Ein Lore-Auerbach-Stipendium erhalten Studierende, die besondere Leistungen im Bereich bürgerschaftliches Engagement erbringen, in der akademischen Selbstverwaltung tätig sind, sich für den Bereich Bildungsintegration oder für internationale Zusammenarbeit im Hochschulbereich besonders einsetzen. Die Stipendiaten erhalten eine finanzielle Unterstützung von 600 Euro je Semester. „Ehrenamtliches Engagement hält vieles zusammen oder am Laufen, was dem Gemeinwohl dient und sonst nicht bestehen könnte“, so der Student des Internationalen Informationsmanagements.

Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Meike Sophia Baader wird mit dem Preis für hervorragende Forschung geehrt. An der Universität Hildesheim hat sie die Entwicklung der Allgemeinen Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Pädagogik der Kindheit und Diversity Education wesentlich vorangebracht, betont Vizepräsident Prof. Dr. Toni Tholen in seiner Laudatio. „Professorin Baader bearbeitet Forschungsfragen in Bezug auf alle relevanten Sektoren des Erziehungs- und Bildungssystems, vom Kindergarten bis zur Hochschule, einschließlich Aspekte des Übergangs, und bezieht Themen aus dem Feld der Pädagogik, der Religion und der Geschlechterforschung aufeinander“, würdigt Tholen.

Die Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft ist Mitbegründerin des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Schröer vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik leitet sie ein vom BMBF finanziertes Projekt zu „Chancengleichheit in der strukturierten Promotionsförderung an deutschen Hochschulen – Gender und Diversity“. Und sie ist eine von drei Sprecher_innen des Graduiertenkollegs „Gender und Bildung“, das zum Januar 2012 seine Arbeit aufgenommen hat. Auf internationaler Ebene bereitet Prof. Baader derzeit ein Kooperationsprojekt zum Thema „Erinnerungskultur“ mit der Universität Tel Aviv vor. Kürzlich wurde Prof. Baader in das Fachkollegium „Erziehungswissenschaft“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gewählt.

Rita Westphal, Leiterin der Stabsstelle Controlling an der Universität Hildesheim, erhält den Preis für hervorragenden Service. Ihr Einsatz im Bereich des strategischen und operativen Controlling sei vorbildlich, lobt Dr. Christoph Strutz, hauptberuflicher Vizepräsident. Sie mache nicht nur einen „Superjob“, sondern die Art und Weise, mit wie viel Geduld und Ideenreichtum und Einsatz sie ihn mache, zeichnen Frau Westphal einfach aus.

Der Politikwissenschaftler Volker Sommer wird für seine hervorragende Lehre ausgezeichnet. „Lehre gehört zum Fundament der Universität. Volker Sommer fördert und fordert eigenständiges, kreatives Denken seiner Studierenden“, unterstreicht Vizepräsident Prof. Dr. Thomas Lange in seiner Laudatio. Insbesondere sein Seminar „Theorie und Praxis der Politikfeldanalyse“ zeige vorbildlich, wie Theorie und Praxis in der Lehre verzahnt werden können. Anhand ausgewählter Politikfelder – Sozial-, Wirtschafts- und Umweltpolitik –  untersuchen die Studierenden mit Hilfe einschlägiger Theorien Fragen nach der Gestaltung politischer Entscheidungsprozesse, der politischen Planung und der bestimmenden Akteure. In der Lehrpreis-Jury waren Mitglieder aller Fachbereiche und Studierende vertreten.

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news-3783 Thu, 15 Dec 2011 14:17:00 +0100 Russland nach den Wahlen – wie stabil ist das System Putin? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/russland-nach-den-wahlen-wie-stabil-ist-das-system-putin/ Wo steht Russland nach den Wahlen? Stagniert das System Putin? Und was sagt die junge Generation dazu? Dialog auf Augenhöhe: An der Stiftung Universität Hildesheim diskutierte eine Delegation der Partneruniversität Nowgorod mit Studierenden der Politikwissenschaft über die neuesten Entwicklungen in Russland. „Direkte Dialoge sind nicht nur informativ, sondern wesentlich, damit wir einander besser verstehen, damit wir lernen, wie der andere denkt und warum er so denkt. Der Schriftsteller Leo Tolstoj hat den Dialog als zentrales Mittel der Bildung dargestellt. Bildung gilt demnach als Begegnung der Menschen, die formt. In diesem Sinne ist unser Dialog heute ein solch bildender Ansatz“, erklärte Prof. Dr. Marianne Kneuer, Institut für Sozialwissenschaften. Der Zeitpunkt des Besuches der achtköpfigen Delegation mit dem Rektor der russischen Partneruniversität Nowgorod, Prof. Dr. Weber, an der Spitze, hätte nicht besser gewählt werden können. In Russland sind höchst spannende Entwicklungen zu beobachten, vor allem für Politikwissenschaftler.

Die russischen Kollegen beleuchteten in der Diskussion an der Universität Hildesheim die aktuelle Debatte in Russland. Warum die führende Partei „Einiges Russland“ in der Wahl viele Stimmen verloren habe? Das ließe sich zurückführen auf unbewältigte Probleme wie die soziale Ungleichheit, eine riesige Kluft zwischen Armen und Reichen, Korruption und Kriminalität. Die Studierenden stellten Fragen über die Demonstrationen, die Organisatoren der Demonstrationen und über die Opposition. Aus den Antworten der russischen Kollegen ging hervor, dass es nicht nur Unterschiede zwischen der deutschen und russischen Wahrnehmung gibt, sondern dass auch in Russland dazu unterschiedliche Meinungen existieren.

Studierende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim zeigten großes Interesse am Austausch mit der russischen Delegation, schließlich erhielten sie aus erster Hand Informationen über die Wahlen, die politische Entwicklung und mögliche Zukunftsperspektiven Russlands. Der Dialog soll fortgesetzt werden. „Sie gewähren uns Einblicke in die praktische russische Politik“, hob die Politikwissenschaftlerin hervor. Prof. Kneuer erforscht an der Universität Hildesheim Transformations- und Demokratisierungsprozesse – deren Verlauf, Erfolg oder Nichterfolg.

Wie die russischen Delegationsmitglieder hervorhoben, kann man nicht von einer einheitlichen politischen Position der jungen Generation sprechen. An der Universität Nowgorod finden viele offene Diskussionen zwischen Studierenden und Lehrenden statt, die es ermöglichen, den Vertretern der jungen Generation ihren politischen Standpunkt zu finden.

„Demokratisierung ist kein automatischer und linearer Prozess. Sogar rückläufige Prozesse sind denkbar“, betonte Prof. Kneuer. Der Zusammenbruch von Autokratien garantiere noch keine Demokratie, dies belegen auch die arabischen Revolutionen. Mit solchen Fällen beschäftigen sich die Studierenden derzeit in Lehrveranstaltungen, nämlich mit Ländern, die man als „defekte Demokratien“ bezeichnen kann. „Der arabische Frühling hat einen neuen Schub gebracht“, erklärte Kneuer. „Erstmals haben Länder der islamisch geprägten Welt begonnen, sich zu demokratisieren. Die Fälle Tunesiens, Ägyptens, Libyens, gleichermaßen Syrien und Jemen zeigen, dass autoritäre Machthaber nicht dauerhaft den Wunsch nach Partizipation, nach Meinungs- und Versammlungsfreiheit und freien und fairen Wahlen unterdrücken können.“

Das Fach Politikwissenschaft an der Universität Hildesheim wird sich künftig mit der Frage auseinandersetzen, welche Rolle neue Medien in Autokratien spielen und wie diese Medien den Aufbau von Demokratien beeinflussen können. „Wir wollen in Hildesheim ein Forschungsprogramm entwickeln, das aus meiner Sicht frei von euphorischer Begeisterung über das Mobilisierungspotenzial des Web 2.0 sein muss. Das Internet ist neutral und kann ebenso von den autokratischen Machthabern genutzt werden“, so Kneuer.

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news-3706 Mon, 28 Nov 2011 18:28:00 +0100 Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/vorsitzende-der-deutschen-gesellschaft-fuer-politikwissenschaft/ Prof. Dr. Marianne Kneuer, Leiterin des Fachs Politikwissenschaft am Institut für Sozialwissenschaften der Stiftung Universität Hildesheim, ist zur Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft gewählt worden. Die Deutsche Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP) wählte Prof. Dr. Marianne Kneuer im November 2011 zur Vorsitzenden. Die DGfP stellt zusammen mit der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) die Fachvertretung der Politikwissenschaft in Deutschland dar. Prof. Kneuer wird das Amt der Vorsitzenden für zwei Jahre ausüben.

Die Arbeitsschwerpunkte von Prof. Kneuer, die seit Mai 2011 an der Universität Hildesheim lehrt, liegen in der Demokratie- und Europaforschung. Die Politikwissenschaftlerin erforscht zudem die Rolle des Internets und der neuen Kommunikationsmöglichkeiten in Demokratisierungsprozessen.

Von 1994 bis 1998 gehörte Kneuer dem Planungsstab von Bundespräsident Herzog an. Davor war sie als Journalistin, unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, tätig. Sie ist Mitherausgeberin der „Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft“ und der Buchreihen „Demokratiestudien. Demokratie und Demokratisierung in Theorie und Empirie“ sowie „Staatlichkeit und Governance in Transformation“. Zudem fungiert sie seit 2004 als Sprecherin des Arbeitskreises „Demokratieforschung“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) sowie seit 2005 als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP).

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news-3620 Wed, 16 Nov 2011 10:29:00 +0100 Ein Bild. Acht Interpretationen. https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/ein-bild-acht-interpretationen/ Ein Bild geht um die Welt – an Kommentaren fehlt es nicht, wohl aber an wissenschaftlich begründeten Aussagen. Der Forschungskreis „Materiale Kulturanalyse“ und das Methodenbüro der Stiftung Universität Hildesheim widmen sich im Rahmen eines interdisziplinären Workshops „Hillarys Hand. Zur politischen Ikonographie der Gegenwart" vom 18. bis 19. November 2011 der Bildanalyse. Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen aus dem deutschsprachigen Raum werden erwartet. Im Mai 2011 ging ein Bild um die Welt. Abgebildet ist die amerikanische Führungsspitze an einem Tisch im Lagezentrum des Weißen Hauses. An Kommentaren zu diesem Bild fehlt es nicht. Wohl aber an wissenschaftlich begründeten Aussagen. Der interdisziplinäre Workshop „Hillarys Hand. Zur politischen Ikonographie der Gegenwart" nähert sich dem Bild mit verschiedenen Methoden der Bildanalyse.

Durch die Fokussierung auf ein gemeinsames Material können die teilnehmenden Wissenschaftler – u.a. aus den Bereichen Soziologie, Psychologie, Pädagogik, Kunstgeschichte und Philosophie – verschiedene Methoden der Bildanalyse und Bildinterpretation vergleichen. „Dieser Vergleich ist jedoch kein Selbstzweck. Vielmehr steht er im Dienste informativer wie bewährungsfähiger Analysen zur politischen Ikonographie der Gegenwart“, unterstreicht Prof. Dr. Michael Kauppert, Juniorprofessor für Kultursoziologie. „Was das Bild zeigt, ist zunächst unklar. Zeigt es Politiker, die den Primat des Handelns aus der Hand gegeben haben und sich selbst zu Zuschauern verurteilt haben? Oder zeigt es schlichtweg Menschen, die angespannt sind, Neugierde verspüren, gar Angst haben?“, fragt Kauppert. „Und was macht eigentlich die Hand an Hillarys Mund?“

Veranstalter des Workshops ist der Forschungskreis „Materiale Kulturanalyse“ im Herder-Kolleg für transdisziplinäre Kulturforschung (Prof. Dr. Michael Kauppert) der Universität Hildesheim in Kooperation mit dem Methodenbüro (Irene Leser, M.A.) des Instituts für Sozialwissenschaften.

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news-2779 Mon, 02 May 2011 17:00:00 +0200 Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Kneuer an Stiftung Universität Hildesheim berufen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/politikwissenschaftlerin-prof-dr-marianne-kneuer-an-stiftung-universitaet-hildesheim-berufen/ Die Stiftung Universität Hildesheim hat zum 1. Mai 2011 eine neue Professorin für Politikwissenschaft berufen. Prof. Dr. Marianne Kneuer wird Schwerpunkte in der Demokratie- und Europaforschung am Institut für Sozialwissenschaften setzen. Die Politikwissenschaftlerin erforscht zudem die Rolle des Internets und der neuen Kommunikationsmöglichkeiten in Demokratisierungsprozessen. „Meine bisherigen Forschungsfelder – Demokratisierung und Demokratie einerseits, Europaforschung andererseits – werden auch die Schwerpunkte meiner Forschung und Lehre an der Stiftung Universität Hildesheim prägen“, erklärt die Politikwissenschaftlerin und ergänzt: „Die Ereignisse in Nordafrika und im Nahen Osten zeigen, dass Demokratisierung nicht nur ein weiterhin aktuelles Thema ist, sondern zudem eines, das aufs Engste mit internationalen Aspekten wie regionaler Stabilität, Sicherheit und Frieden, aber auch mit sehr individuellen Aspekten wie bessere Chancen auf soziale Gerechtigkeit und ein selbstbestimmtes Leben verbunden ist. Lehre und Forschung werden die vielfältigen Facetten von Entstehung, Stabilität und Qualität und Herausforderungen von Demokratien beleuchten, ebenso aber auch die von Autokratien; und zwar sowohl theoretisch als auch praktisch. Ich lege gerade im Hinblick auf die anwendungs- und berufsfeldorientierte Vermittlung in meinem Fach sehr viel Wert darauf, den Bogen zur praktischen Anwendung zu schlagen. So hängt mit dem Thema Demokratisierung ebenfalls die Frage nach der Förderung von Demokratie zusammen: Wann und wie können bzw. sollten externe Akteure wie die EU, die USA etc. von außen Demokratisierungen stützen?“

Die aktuellen demokratischen Revolutionen deuten auch darauf hin, dass sich in den letzten Jahrzehnten die Mechanismen von Demokratisierungen verändert haben, so Kneuer. „Das Internet hat eine erhebliche Rolle gespielt in Form von Blogging und Twittern; und zwar sowohl bei der Organisation der Aufstände als auch danach. Dieses Phänomen und seine Bedeutung für Demokratisierungsprozesse sind politikwissenschaftlich bislang kaum erforscht. Daher möchte ich hier ansetzen und sehe dazu ein Forschungsumfeld mit sehr guten Kooperationsmöglichkeiten an der Stiftung Universität Hildesheim“, betont Kneuer.

Präsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich hob bei der Vereidigung besonders das neue Forschungsfeld „Internet und Politik“ hervor: „Hier bietet sich gerade für die Studierenden der Informationswissenschaft ein hervorragendes neues Studienangebot.“

Kneuer lehrte zuletzt an der Katholischen Universität Eichstätt und hatte Vertretungsprofessuren in Erfurt, an der FernUniversität Hagen sowie an der TU Darmstadt inne.

Von 1994 bis 1998 gehörte Kneuer dem Planungsstab von Bundespräsident Herzog an. Davor war sie als Journalistin, unter anderem für die Frankfurter Allgemeine Zeitung, tätig. Sie ist Mitherausgeberin der „Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft“ und der Buchreihen „Demokratiestudien. Demokratie und Demokratisierung in Theorie und Empirie“ sowie „Staatlichkeit und Governance in Transformation“. Zudem fungiert sie seit 2004 als Sprecherin des Arbeitskreises „Demokratieforschung“ der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft (DVPW) sowie seit 2005 als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft (DGfP).

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news-2687 Wed, 23 Mar 2011 08:00:00 +0100 Interdisziplinäre Fachtagung zu Fallarbeit in der Bildungsforschung und Lehrerbildung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/interdisziplinaere-fachtagung-zu-fallarbeit-in-der-bildungsforschung-und-lehrerbildung/ „Was der Fall ist“ und „wie die Arbeit am Fall konzeptualisiert werden kann“ – diesen Fragen gingen am 21. und 22. Januar 2011 an der Stiftung Universität Hildesheim mehr als 120 Teilnehmende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach. Geladen hatte das Forum Fachdidaktische Forschung in Kooperation mit dem CeBU, dem Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen sowie dem Methodenbüro. Während des abwechslungsreichen Tagungsprogramms mit Hauptvorträgen namhafter Referenten, einer Podiumsdiskussion sowie thematisch zugeschnittenen Panels gelang ein vielschichtiger interdisziplinärer Diskurs.

Im Anschluss an die Eröffnung der Tagung durch Prof. Dr. Katrin Hauenschild würdigte Vizepräsident Prof. Dr. Toni Tholen die Bemühungen um eine fallorientierte Lehrerbildung, von der wichtige Impulse für die engere Verzahnung von Theorie und Praxis ausgehen. Im ersten Plenarvortrag stellte Prof. Dr. Jo Reichertz (Universität Duisburg-Essen) die Arbeit mit Fällen als besondere Möglichkeit der Habitusbildung heraus, durch die Lehrerinnen und Lehrer ihr berufspraktisches Handeln in Form von systematischer Distanz und wissenschaftlichem Skeptizismus erweitern. In den thematisch vielfältigen Panels zu Fallarbeit und Professionalisierung, fachdidaktischen Perspektiven sowie didaktisch-methodischen Umsetzungen von Fallarbeit in der Hochschulausbildung wurden Einblicke in einzelne fallbasierte Ansätze und Projekte mit je individuellen Zugängen gewährt. Einen besonderen Höhepunkt stellte die interdisziplinäre Podiumsdiskussion „Was der Fall ist“ unter der Leitung von Prof. Dr. Irene Pieper dar, bei der Prof. Dr. Götz Krummheuer (Universität Frankfurt), Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann (Alice Salomon Hochschule Berlin) und PD Dr. Friederike Kern (Universität Hildesheim) verschiedene Auslegungen einer videografierten Unterrichtssequenz aus dem Fallarchiv HILDE des Forums Fachdidaktische Forschung diskutierten.

Eine weitere Perspektive auf das Tagungsthema gelang Prof. Dr. Barbara Koch-Priewe (Universität Bielefeld) im zweiten Hauptvortrag, indem sie wissenspsychologische Bezüge zum forschenden Lernen und dessen Bedeutung für die Lehrerbildung herstellte. Zum Abschluss der Tagung erfolgte eine Bündelung der unterschiedlichen Erfahrungen aus dem vielfältigen Tagungsprogramm durch „Critical Friends“. Stellvertretend ließen sie die Ergebnisse und Denkanstöße aus ihren jeweiligen Perspektiven als Referent, als Nachwuchswissenschaftlerin bzw. als Mitglied der Tagungsorganisation Revue passieren. Professor Messmer aus der Schweiz resümierte dabei die Tagung für sich als „Restauranttester“ und lobte sie als inhaltlich wie organisatorisch äußerst „sättigend“. Insgesamt wurde von den „Critical Friends“ herausgestellt, dass die Diskussion um die Arbeit an und mit Fällen verschiedene Fallverständnisse in Bezug auf unterschiedliche Handlungsfelder verdeutlichte und eine damit einhergehende interdisziplinäre Auseinandersetzung äußerst gewinnbringende Anknüpfungspunkte für weitere Forschung ermöglicht habe.

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news-2209 Tue, 11 Sep 2007 08:23:00 +0200 Hildesheim Discussion Papers on Social Science https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-sozialwissenschaften/aktuelles/einzelansicht/artikel/hildesheim-discussion-papers-on-social-science/ Das Institut für Sozialwissenschaften stellt neue Publikationsserie vor Prof. Dr. Claudia Derichs, Leiterin des Instituts für Sozialwissenschaften, lädt zur Lektüre aktueller Beiträge der Sozialwissenschaften ein. "In unregelmäßigen Abständen veröffentlichen wir Beiträge der bei uns engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler", so Derichs. Die Politikwissenschaftlerin wünscht sich eine rege Diskussion in und mit den Hildesheimer Sozialwissenschaften. Die Reihe ist im August online gestartet und beinhaltet bereits dreiFachbeiträge zu aktuellen Themen. Hildesheim Discussion Papers on Social Science

HDP 1, August 2007: Frank Sommer, Militär und Demokratie in Südeuropa

HDP 2, August 2007: Peter Rieker, Soziale Dimensionen des Ethnischen in interethnischen Beziehungen

HDP3, September 2007:Rainer Strobl, Der Kampf um Aufmerksamkeit

 

HDP 3, September 2007

Rainer Strobl: Der Kampf um Aufmerksamkeit. Auffallen als Grundlage für Anerkennung und soziale Wertschätzung
(Vortrag im Rahmen des Habilitationsverfahrens)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, sehr geehrte Mitglieder Habilitationskommission,
"Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblasst der Reichtum neben der Prominenz".1 Dieses Zitat aus Georg Francks "ökonomie der Auf-merksamkeit möchte ich zum Anlass nehmen, Ihnen für die Aufmerksamkeit zu danken, die Sie mir im Verlauf meines Habilitationsverfahrens geschenkt haben und auch am heutigen Tage schenken. Besonders schön weist die englische Wendung "to pay attention" darauf hin, dass Aufmerksamkeit nichts ist, was in beliebiger Menge zur Verfügung steht. Man kann Aufmerksamkeit zwar schenken, aber auch schulden oder verweigern. Diejenigen, denen kei-ne Aufmerksamkeit zuteil wird und die im Schatten stehen, können schließlich versucht sein, Aufmerksamkeit zu erzwingen.
Doch bevor ich auf den hier bereits angedeuteten Kampf um Aufmerksamkeit eingehe, möch-te ich Ihnen zunächst einige überlegungen zur theoretischen Verortung des Aufmerksamkeitskonzeptes in der Soziologie vorstellen. Dann möchte ich zeigen, dass Aufmerksamkeit in der modernen Gesellschaft eine knappe Ressource ist.
Daran anknüpfend möchte ich Ihnen einige überlegungen zum Verhältnis von Aufmerksamkeit und Anerkennung vorstellen.
Anschließend möchte ich auf die Frage der Gewährung und der Erzwingung von Aufmerksamkeit eingehen.
Damit zusammenhängend möchte ich kurz darauf eingehen, ob uns die Aufmerksamkeit, die uns in Interaktionsbeziehungen entgegengebracht wird, eigentlich noch genügt.
Abschließend möchte ich auf die Frage eingehen ob das Anerkennungskonzept seinen Stellenwert für die von Honneth angestrebte normativ gehaltvolle Gesellschaftstheorie behalten kann, wenn man den Kampf um Aufmerksamkeit als den grundlegenden Kampf ansieht.

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1 Franck, Georg (1998): ökonomie der Aufmerksamkeit. München; Wien: Hanser, S. 10.

HDP 2, August 2007

Peter Rieker: Soziale Dimensionen des Ethnischen in interethnischen Beziehungen

In modernen Gesellschaften werden Identität und soziale Beziehungen entscheidend über ethnische Zugehörigkeit definiert. Um die Bedeutung ethnischer Zugehörigkeit angemessen zu erfassen, sollte man sich nicht darauf beschränken, ethnische Zugehörigkeit als zugeschriebenes Distinktionsmerkmal zu fassen, sondern die Selbstverortungen und Selbstbeschreibungen der Betroffenen einbeziehen. Dabei zeigen sich vielseitige Bezüge und es werden auch alter-native Formen sozialer Zugehörigkeit und Integration erkennbar. Vergemeinschaftungen, die sich nicht an der Zugehörigkeit zu tradierten National-, Volks- oder Kulturgruppe orientieren, lassen sich in solchen Bereichen der Migrationsforschung beobachten, die bisher nur wenig Aufmerksamkeit gefunden haben: Bei Migranten in Ostdeutschland und bei jungen Flüchtlingen. Unter Berücksichtigung dieser Migrantengruppen lassen sich soziale Bedingungen erkennen, die für interethnische Formen des Zusammenlebens und der Integration förderlich sind. Dafür ist es notwendig, das Konzept ethnischer Zugehörigkeit nicht auf die fixierte Zugehörigkeit zu National-, Volks- oder Kulturgruppen zu beschränken. Stattdessen ist hinsichtlich der Herkunft von Migranten eine Differenzierung sinnvoll, außerdem sollten der Aufnahmekontext und die Integrationsprozesse einbezogen werden.

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HDP 1, August 2007

Frank Sommer: Militär und Demokratie in Südeuropa

Am 26. Oktober 2005 begannen die offiziellen EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Noch muss das Land am Bosporus einen steinigen Weg zurücklegen, bis es evtl. seinen lang gehegten Wunsch nach einer Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft bzw. Union erfüllt sieht. Die Kopenhagener Kriterien von 1993, ursprünglich für die im Jahre 2004 erfolgte Osterweiterung konzipiert, bilden eine nicht zu unterschätzende Hürde für die wohl umstrittenste Vergrößerung des "Vereinten Europa".1 Das Land am Bosporus hat in den vergangenen Jahren beachtliche politische Reformen unternommen, die Zweifler in Staunen versetzten. Dies umso mehr, weil sich die anfangs sehr misstrauisch beäugte Regierung Erdogan als progressiver erwies als viele ihrer Vorgängerinnen.2 Andererseits ist die Demokratie in der Türkei nach wie vor schwach verankert, der Konflikt zwischen Tradition und Moderne spaltet das Land in zwei unversöhnliche Lager.3
Bei den Auseinandersetzungen innerhalb der Türkei fällt das Militär als Institution auf, die seit Jahrzehnten das politische Geschehen maßgeblich mitbestimmt. Die Armee versteht sich als Hort des kemalistischen Erbes und unterband bisher jeden ernsthaften Versuch, den von Atatürk vorgegebenen Weg zu verlassen. Dies hat bis heute zweischneidige Folgen: Einmal blieb die in den 1920er-Jahren endgültig erfolgte Ausrichtung der Türkei gen Westen erhalten. Langfristig ist daher eine Demokratisierung nicht auszuschließen. Andererseits sind gerade die häufigen Eingriffe der Armee in das politische Leben mit demokratischen Grundsätzen unvereinbar. Von den Anforderungen der Europäischen Union war die Türkei deshalb jahrzehntelang meilenweit entfernt; selbst heute noch darf das Militär in seiner Bedeutung nicht unterschätzt werden.
Das schwierige Verhältnis der Türkei zur Demokratie ist kein Einzelfall, ein Blick in andere europäische Mittelmeeranrainerstaaten4 verrät, dass auch dort bürgerliche Teilhaberechte und Partizipationsmöglichkeiten erst im Laufe der letzten Jahrzehnte durchgesetzt wurden. Portugal, Griechenland und Spanien blieben bis 1974 bzw. 1975 autoritär bestimmt.5 (...)

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1 Dabei sind deren Bedingungen plausibel und dürfen in ihren Ansprüchen kaum als unfair oder überhöht gelten. Von Forderungen nach mehr Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, der Einhaltung von Menschenrechten sowie der Gewährung von Minderheitenschutz kann die Bevölkerung Kleinasiens nur profitieren. Wirtschaftliche Kriterien betreffen den Kernbestand der europäischen Integration und sind daher unverzichtbar; die übernahme des acquis communautaire sollte ein reibungsloses Funktionieren der türkischen Verwaltung innerhalb der europäischen Administration garantieren. Dass erstmalig die Integrationskraft der EU ein Kriterium darstellt, darf angesichts der hohen Bevölkerungsanzahl in der Türkei und des sehr niedrigen BIP/Kopf nicht überraschen.
2 Zur Doppeldeutigkeit der Politik unter AKP-Chef Erdogan vgl. Gottschlich: Wohin steuert die AKP? Eine Partei zwischen Aufbruch und roll back, in: Haustein / Sartorius / Bertrams (Hrsg.): Modell Türkei? Ein Land im Spannungsfeld zwischen Religion, Militär und Demokratie, S. 51-56
3 Dies wurde erst bei dem jüngsten Streit (Mai 2007) um das Amt des türkischen Staatspräsidenten deutlich: Während die grundsätzlich religiös-traditionalistisch ausgerichtete Regierungspartei AKP ihren Kandidaten Gül durchsetzen wollte, demonstrierten mehrere hunderttausend westlich orientierte Bürgerinnen und Bürger dage-gen, weil sie eine zunehmende Islamisierung ihres Landes befürchteten.
4 Ob es sich bei der Türkei um ein europäisches Land handelt, ist sehr umstritten. Allerdings ist sie Mitglied des Europarates und wird als Beitrittskandidat für die Europäische Union diskutiert.
5 Im Zusammenhang mit der überwindung der dortigen Diktaturen sprach Samuel Huntington von der "dritten Demokratisierungswelle" (Huntington: The third wave. Democratization in the late Twentieth Century, 1991).
HDP 1/2007, S. 2

 

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