Verfahren und Verantwortung für die Medikation von jungen Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe

Projektlaufzeit: 04.2024 - 03.2026

Projektbeschreibung

Die Medikation von jungen Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe wird gegenwärtig systematisch sowohl historisch aufgearbeitet als auch angesichts von umstrittenen aktuellen Praktiken – so z.B. die Medikation von jungen Menschen durch den Kinder- und Jugendpsychiater Winterhoff – in Bezug auf Verfahren in der Gegenwart problematisiert. Es stellt sich grundlegend – auch über die aktuellen Aufarbeitungen hinaus – die Frage, wie aktuell die medizinische Behandlung junger Menschen u.a. mit Psychopharmaka in Einrichtungen der stationären Kinder- und Jugendhilfe und Pflegefamilien praktiziert wird, welche Erfahrungen junge Menschen damit machen und wie transparente Verfahren etabliert werden können, die für die jungen Menschen nachvollziehbar sind und ihre Rechte verwirklichen, wie es auch in der Medizin gefordert wird. Diese Aufgabe stellt sich im Alltag der stationären Kinder- und Jugendhilfe mit ihren unterschiedlichen Akteur*innen in den jeweiligen Verantwortungsbereichen als besondere Herausforderung dar. Deshalb soll im Rahmen der Praxisforschung und -entwicklung von MEDIJU die multiprofessionelle und -sektorale Zusammenarbeit der Beteiligten – Sorgeberechtigte (Eltern und insbesondere Vormund*innen), Erziehungsberechtigte (Betreuer*innen und Pflegeeltern), der Ärzt*innen und junge Menschen – in den Blick genommen werden.

Dabei sollen die jeweiligen Zugänge der verschiedenen Beteiligten, insbesondere auch der sorgeberechtigten Eltern oder Vormund*innen herausgearbeitet, Unklarheiten in der Verantwortungsübernahme und den organisationalen Verfahren analysiert und die Beteiligung der jungen Menschen reflektiert werden. Einbezogen werden soll dabei die Sichtweise der jungen Menschen und der anderen Beteiligten auf das Verhältnis der Medikation zur psychotherapeutischen Versorgung.

Auf dieser Grundlage zielt das Projekt darauf ab, u.a. in einem Workshop mit jungen Menschen und den unterschiedlichen Beteiligten – hier wiederum mit einem besonderen Fokus auf die Sorgeberechtigten – transferfähige Qualitätsstandards für die alltägliche Verfahrenspraxis zu entwickeln, die in der multiprofessionellen und -sektoralen Praxis der Medikation junger Menschen in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe handlungsleitend sein können. Diese Qualitätsstandards werden so kinder- und jugendgerecht und in einfacher Sprache aufbereitet, dass sie den jungen Menschen unmittelbar in Einrichtungen und Pflegefamilien zugänglich werden. Das Wissen soll zudem in zwei digitalen Fortbildungen an die beteiligten Fachkräfte weitergegeben werden.

Das Projekt wird in Kooperation mit dem Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft e.V. in Heidelberg (Henriette Katzenstein und Ruth Seyboldt) durchgeführt.