Ausgangslage und Forschungsziele

Mit dem Ausbau schulischer Ganztagsangebote in den letzten 15 Jahren hat sich die Grenze von Unterricht und außerschulischen Settings verschoben. Ganztagsschule ist ohne eine Kooperation mit Partnern der außerschulischen Bildung kaum realisierbar. In die konkrete Ausgestaltung nicht unterrichtsbezogener Angebote an Ganztagsschulen sind unterschiedliche Akteure aus dem Feld der Kinder- und Jugendhilfe, der Kulturellen Bildung, des Sports und viele andere mehr eingebunden.
Erste Befunde aus der ganztagsschulbezogenen Kooperationsforschung deuten an, dass mit zunehmender Kooperation zwischen Lehrkräften und anderen pädagogischen Fachkräften die Auseinandersetzungen entlang unterschiedlicher professioneller Selbstverständnisse häufiger werden. Allerdings gibt es noch keine Befunde dazu, welche anderen Lernkulturen sich durch die neuen Akteure in den Schulen ergeben. Lassen sich in der Schule Angebote identifizieren, die eher die Struktur außerschulischer Settings verbürgen? Oder werden Prämissen der außerschulischen Bildung über den Organisationsrahmen Schule verändert und in eine schulische Logik adaptiert? Für die theoretische wie auch praktische Weiterentwicklung der Ganztagsschule scheinen diese Fragen insofern relevant, weil gerade die Ermöglichung neuer Lernkulturen bildungspolitisch als zentral eingestuft wird.
Mit dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützten JenUs-Projekt werden außerunterrichtliche Angebote an insgesamt vier Ganztagsschulen (gebunden und offen) in mehreren Schritten untersucht. In Bremen wird mit Ganztagsschulen in gebundener Form und in Niedersachsen mit offenen Ganztagsschulen kooperiert.

Methoden und Vorgehen

Das qualitative Forschungsdesign erfordert, sehr eng mit den Schulen zu kooperieren und in Austausch zu treten. In unterschiedlicher Intensität – insgesamt sind zwei Arbeitspakete vorgesehen – werden Forscher_innen aus der Universität Hildesheim und Bremen über 3 Jahre in den Schulen Erhebungen vornehmen.
Zunächst wird empirisch erschlossen, wie die einzelne Schule sich als Ganztagsschule entwickelt hat und welche inhaltlichen und organisatorischen Merkmale identifizierbar sind. Hierzu werden vorwiegend folgende Erhebungen stattfinden:

  • Hospitation und teilnehmende Beobachtung in allen Angeboten des Ganztages
  • Ein Expert_inneninterview mit Ganztagsschulkoordinator_innen
  • Dokumentation von schulischen Materialien und Protokollen zum Ganztag (z.B. Flyer, Homepage, Elternbroschüren)

Im zweiten Arbeitspaket werden dann insgesamt vier Angebote ausgewählt, in denen zusätzliche Erhebungen durchgeführt werden. Es ist in diesem Arbeitsschritt geplant, dass die Forscher_innen auch Aufnahmen mit einer digitalen Videokamera machen. Außerdem sind kurze Interviews mit den Angebotsverantwortlichen und einzelnen Schüler_innen geplant. Insgesamt sollen die Forscher_innen einen möglichst genauen Einblick in die Frage, wie jenseits des Unterrichts Angebote pädagogisch geplant und durchgeführt werden, bekommen.

  • Fokussierte Ethnografie
  • Videografie
  • Ethnografische Interviews mit den angebotsverantwortlichen Akteuren

Das Projekt JenUs startet im Oktober 2016 und wird für drei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Projektflyer zum Ausdrucken als pdf-Datei

Publikationen

Graßhoff, Gunther/Haude, Christin/Idel, Till-Sebastian/Bebek, Carolin/Schütz, Anna (i. E.): Die Eigenlogik des Nachmittags. Explorative Beobachtungen aus Ethnografien zu außerunterrichtlichen Angeboten. In: DDS – Die Deutsche Schule.

Graßhoff, Gunther/Haude, Christin/Bebek, Carolin/Schütz, Anna/Idel, Till-Sebastian (i. E.): Die andere Seite der Bildung? Versuch einer Ordnungsbestimmung von außerunterrichtlichen Angeboten an Ganztagsschulen. In: np – Neue Praxis.

Graßhoff, Gunther/Haude, Christin (2019): Der Ganztag ohne die Jugend? Jugendtheoretische Perspektiven auf die Ganztagsschule. In: Sozialmagazin. 44 Jg., Heft 1-2, Weinheim: Beltz Juventa S. 22-29.

Augsburg, Ralf (2017): "Jenseits des Unterrichts": Was macht Ganztagsangebote aus? Prof. Gunther Graßhoff im Interview, 08.06.2017. https://www.ganztagsschulen.org/de/21489.php (Abruf 04.05.2019)

Projektgruppe

Das Forschungsprojekt ist eine Kooperation zwischen der Universität Bremen und der Universität Hildesheim.

Projektleitung: Prof. Dr. Till-Sebastian Idel und Dr. Anna Schütz (Universität Bremen), Prof. Dr. Gunther Graßhoff (Universität Hildesheim),
Wissenschaftliche Mitarbeiter_innen: Carolin Bebek und Henning Gutfleisch (Universität Bremen), Christin Haude (Universität Hildesheim)

Studentische Mitarbeiter_innen (Universität Hildesheim): Fiona Ertelt und Friederike Schnur

Kontakt

Prof. Dr. Gunther Graßhoff (Projektleitung)
E-Mail: gunther.grasshoff@uni-hildesheim.de
Fon: +49(0)5121-883-11774

Christin Haude
E-Mail: haudec@uni-hildesheim.de
Fon: +49(0)5121-883-11754

Universität Hildesheim
Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
Universitätsplatz 1
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