Evaluation der Transfergesellschaften der Praktiker/Max-Bahr-Baumarktkette

Untersuchung der Organisation und arbeitsmarktpolitischen Wirksamkeit von Transfergesellschaften im Netzwerk in einer großen Insolvenz im Einzelhandel mit bundesweit verteilten Betriebsstätten

Ausgangslage

Am 10. Juli 2013 erklärte die Praktiker AG, eine der größten Baumarktketten Deutschlands, die Zahlungsunfähigkeit. Nur wenige Wochen später folgte die Insolvenz der Praktiker-Unternehmenstochter Max Bahr. Die Insolvenz betraf etwa 20.000 Mitarbeiter/innen in den rund 400 Praktiker-, Extra Bau+Hobby- sowie Max-Bahr-Filialen und zählt damit zu den größten Firmenpleiten in der Geschichte der Bundesrepublik. In Bezug auf die Größe, Branche und regionale Verteilung ist sie vergleichbar mit der Insolvenz der Schlecker-Drogeriemarktkette im Jahr 2012.

Zur Unterstützung der Betroffenen wurde vom Insolvenzverwalter eine Transfergesellschaft vorgesehen. Deren Finanzierung beruht auf der besonderen Ausgangslage der Insolvenz im Einzelhandel: Die Beschäftigten sollten für den für die Insolvenzmasse entscheidenden Abverkauf der Waren motoviert werden und als Gegenleistung eine arbeitsmarktpolitische Unterstützung im Stellenverlust erhalten.  

Ziel des Projekts

Gegenstand der Evaluation sind die Transfergesellschaften, die im Rahmen der Insolvenz der Praktiker AG eingerichtet worden sind. Sie bestehen aus einem Verbund von sechs unabhängigen Trägern des Beschäftigtentransfers, die von einer zentralen Stelle koordiniert werden. Die sechs Träger haben ca. 7.500 Beschäftigte aus mehr als 200 bundesweit verteilten Standorten der zur Praktiker AG gehörenden Baumarktketten beraten, qualifiziert und in der Suche nach einer neuen Stelle unterstützt.

Mit qualitativen und quantitativen Methoden der empirischen Sozialforschung verfolgt das Forschungsprojekt drei Ziele:

Der Aufbau von Unterstützungsstrukturen für ein großes Unternehmen des Einzelhandels mit bundesweiten Betriebsstätten unter hohem Zeitdruck bedeutet für die beteiligten Akteure und Träger einen immensen Kraftakt. Die Untersuchung zielt, die Entwicklung des Netzwerks aus Transfergesellschaft nachzuzeichnen und hinsichtlich der Netzwerkstrukturen und arbeitsmarktpolitischen Wirksamkeit zu bewerten. Damit erarbeitet die Evaluation auch Orientierungswissen für die Bewältigung von zukünftigen Restrukturierungen im Einzelhandel, sie kann ferner der Debatte um die arbeitsmarktpolitische Wirksamkeit von Transfergesellschaften neue Impulse geben.

Methodische Herangehensweise und Laufzeit

Die Ziele und Forschungsfragen der Evaluation benötigen eine Mischung aus qualitativen und quantitativen Methoden der empirischen Sozialforschung. Der Kern des umfassenden qualitativen Arbeitsprogramms des Projekts sind sechs Intensiv-Fallstudien über die Transferarbeit der beteiligten Verbundpartner der Praktiker-Transfergesellschaft. Zentrales Instrument der Fallstudie ist das teilstandardisierte Experteninterview, ergänzt durch Dokumentenanalyse und eine Gruppendiskussion bzw. Fokusgruppe mit Teilnehmenden aus der Transfergesellschaft.

Das quantitative Arbeitsprogramm besteht in einer schriftlichen Breitenbefragung der Teilnehmer/innen in den Transfergesellschaften, in der die Wirksamkeit des Transfers ermittelt werden soll. In diesem Teil der Untersuchung stehen weniger die kurzfristige Vermittlung im Mittelpunkt, sondern die Qualität der aufgenommenen Arbeit, die Handlungsfähigkeit, die Orientierung und Beschäftigungsfähigkeit der Teilnehmenden, ferner psychosoziale Komponenten wie die Verringerung von Hysterese.

Das Forschungsprogramm wird ergänzt durch zusätzliche Expertengespräche und intensive Untersuchung der den Transfer koordinierenden Stelle und verbundbezogenen Institutionen und Gremien.

Weitere Informationen zum Projekt: www.helex-institut.de/html/projekte/p_praktiker.html

Laufzeit: 10/2014 bis 11/2015

Projektleitung: Gernot Mühge (Helex Institut Bochum)

Projektmitarbeit: Kathrin Filipiak (Helex Institut Bochum) & Luisa Peters (Universität Hildesheim)