Zukunftsfähig: Sozialpädagogik und Organisationsberatung

Dienstag, 28. Februar 2006 um 00:00 Uhr

Weiterbildungsmarkt für Lehrer und Forschungsvernetzung stellen wichtige Trends dar

Sozialpädagogen, sind das nicht die mit dem Helfersyndrom, die sich für und mit wenig Geld im Sozialstaat engagieren? Eben nicht. Die Zeiten haben sich geändert. Heute studieren diejenigen Sozialpädagogik, die in Unternehmen beispielsweise für die Weiterbildung verantwortlich sein wollen und die andererseits Organisationen beraten, wie sich Personalentwicklung gestalten lässt.

Das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik hat sich in den vergangenen Jahren den neuen Anforderungen der Gesellschaft gestellt und die Studierenden für neue Arbeitsfelder ausgebildet. Die Orientierung auf Organisationen war in dem Entwicklungsprozess eine entscheidende Erweiterung der Studieninhalte.

Das Sozialpädagogikstudium wurde zu unrecht über lange Zeit auf den Bereich sozialer Dienste eingegrenzt. Bei der Zuweisung von Praktika und auch der sich für die Absolventen anschließenden Berufstätigkeit dominierten öffentliche Träger und Non-Profit-Organisationen auf der Arbeitgeberseite. Dies hat sich seit den 90er Jahren entscheidend geändert. Ein Symposium, zu dem das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik zum Ende des Wintersemesters unter dem Titel "Entgrenzung und Dynamisierung" eingeladen hatte, ist und so formulierte es Institutsleiter Prof. Dr. Stephan Wolff "Ausdruck einer in den letzten Jahren konsequent vorangetriebenen Profilierung der Hildesheimer Sozialpädagogik."

In der Veranstaltung markierten Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Prof. Dr. Susanne Maurer und Prof. Dr. Erwin Wagner in ihren Vorträgen prägnante Entwicklungen, übergreifende Verbindungen und mögliche Forschungsvernetzungen der Sozialpädagogik an der Hildesheimer Stiftungsuniversität.

Eine wichtige Botschaft für die Studierenden kam vorab: Sie können wegen der Erschließung neuer Berufsfelder zukünftig auf ein besseres Gehalt im späteren Job hoffen. Das betonte zumindest Institutsleiter Prof. Dr. Stephan Wolff: "Eine organisationspädagogische Praxis beschränkt sich nicht notwendig auf den für die Sozialpädagogik und soziale Arbeit typischen Bereich sozialstaatlicher Einrichtungen und Dienstleistungen. Für unsere Studierenden, Praktikanten und Absolventen eröffnen sich damit ganz neue und attraktive Arbeits- und Forschungsfelder im verbandlichen und privatwirtschaftlichen Bereich; sei es in der Fort- und Weiterbildung, im Personalwesen, im Qualitäts- und Wissensmanagement, in der Organisationsberatung oder in der Programmevaluation. Ich will nicht vergessen zu erwähnen, dass Ent-Grenzung in diesem Zusammenhang nicht zuletzt bedeutet: Zugang zu höheren Gehaltsniveaus zu erlangen, als jenen, die wir aus dem klassischen Bereich kennen."

Der erste Redner, Prof. Dr. Wolfgang Schröer, repräsentierte beispielhaft das, was man den "Hildesheimer Habitus" nennen könnte. Gestützt auf eine solide disziplinhistorische Selbstvergewisserung entwickelte er für das Fach neue inhaltliche und theoretische Perspektiven. Schröer beschäftigte sich in seinem Vortrag mit den strukturellen Bedingungen und Herausforderungen, mit denen sich transnationale Organisationen und ihr Management in sozialen Bereich auseinander zu setzen haben.

Prof. Dr. Kerstin Maurer, die bereits an der Universität Marburg als Professorin lehrt, stellte ihren Hildesheimer Habilitationsvortrag zum Thema "Soziale Phantasie im Spiegel des Science Fiction" vor. Dass Maurer als Inspirationsquelle und Experimentierfeld sozialer Phantasie gerade das Science Fiction herausgestellt hat, bewies einmal mehr den Sinn von Entgrenzungen hier im Verhältnis zu den angewandten Kulturwissenschaften.

In einem dritten Vortrag stellte Prof. Dr. Erwin Wagner Perspektiven im Krisendiskurs vor. Wagner, der dem Institut seit langem als Lehrbeauftragter und als Mitstreiter bei diversen organisationspädagogischen Initiativen verbunden ist, arbeitet als Leiter des Zentrums für Fernstudium und Weiterbildung im Kern eines wichtigen Trends: dem Weiterbildungsmarkt. Die Qualifizierung von Schulleitern und das Schulmanagement sind hier wichtige neue Aufgabenfelder für die Stiftungsuniversität, was Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich in seinem Grußwort besonders betonte.

Der Vortragsabend der Sozialpädagogen zeigte deutlich, dass man in Hildesheim gut aufgestellt und zukunftsfähig ist. Vor allem mit Blick auf die Aufgaben und Herausforderungen, die eine entgrenzte Gesellschaft mit sich bringt.