Care Leaver: Heimkinder müssen für ihr Recht auf Bildung kämpfen

Samstag, 24. Mai 2014 um 08:00 Uhr

DIE WELT über Kinder und Jugendliche, die nicht bei der Herkunftsfamilie aufwachsen. Sozialpädagogen der Uni Hildesheim erforschen Lebenslagen und Bildungswege von Care Leavern. Dabei ist ein bundesweites Netzwerk entstanden.

Eine Forschergruppe der Universität Hildesheim geht der Frage nach, was aus Kindern und Jugendlichen wird, die im Heim, in der Pflegefamilie und in betreuten Wohngruppen aufwachsen und diese Erziehungshilfen verlassen. Die jungen Leute können in ihrer Bildungslaufbahn nur bedingt auf familiäre Unterstützung zurückgreifen. Von ihnen wird früh viel erwartet, etwa ein selbstständiges Leben im eigenen Wohnraum mit 18 Jahren. Die Hilfen enden abrupt. Ein Drittel der jungen Erwachsenen besuchen zum Zeitpunkt der Beendigung der Hilfe weder eine Schule noch machen sie eine Ausbildung. Ein Team um Professor Wolfgang Schröer untersucht in mehreren Projekten Bildungswege der Care Leaver, also junger Menschen, die außerhalb ihres Elternhauses aufgewachsen sind. DIE WELT berichtet nun in einem Schwerpunktartikel über Care Leaver.

„Ganz gleich, ob sie noch zur Schule gehen oder auf der Suche nach einer Ausbildung sind – sie fallen mit 18 Jahren durch das Raster der Behörden. Wissenschaftler von der Universität Hildesheim haben nun untersucht, mit welchen Problemen die Care Leaver konfrontiert werden – und welche Angebote ihnen helfen könnten. [...] die eigene Biografie zehrt an den Kräften. [...] Die Probleme überlagern den Alltag. Viele sind gar nicht in der Lage, sich auf die Schule zu konzentrieren", schreibt DIE WELT. Vielen Care Leavern, die es an die Hochschule geschafft haben, ist gemein, dass sie „jemanden kennen, der an sie geglaubt hat [...] Freunde, Bekannte oder Berufsberater", sagt Benjamin Strahl, Sozialpädagoge an der Universität Hildesheim, der WELT.

Die Hildesheimer Forscher vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik haben umfangreichere Daten über die Lebenswege von Care Leavern in Deutschland und gelungene Übergangsmodelle in anderen Ländern erfasst und erhoben, wie Organisationen den Übergang in das Erwachsenenleben begleiten. Mit Studierenden wurden biografische Interviews geführt – wie verlief ihr Weg in die Uni? In einer Studie mit rund 250 Jugendlichen, die derzeit in Jugendhilfeeinrichtungen leben, untersuchen die Forscher, welche Unterstützung die befragten 16-Jährigen auf ihrem Bildungsweg erhalten und welche Erwartungen an sie gestellt werden. Derzeit entsteht ein Arbeitsbuch, das sich an Fachleute in der Kinder- und Jugendhilfe wendet. Gemeinsam mit Betroffenen haben die Sozialpädagogen seit 2012 das bundesweite Netzwerk „Care Leavers in Deutschland" aufgebaut.

„Heimkinder müssen für ihr Recht auf Bildung kämpfen", Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Uni Hildesheim, DIE WELT, 24.05.2014 (online und print)

Kontakt zu den Forschern und Care Leavern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

Erstellt von DIE WELT, Tanja Tricarico