Care Leaver: Übergänge ins Erwachsenenleben begleiten

Samstag, 24. Mai 2014 um 07:13 Uhr

Auf das Leben im Heim, in der Pflegefamilie und Wohngruppe folgt Unsicherheit: Care Leaver sind junge Menschen, die außerhalb ihres Elternhauses aufgewachsen sind. Wenige werden beim Übergang in das Erwachsenenleben unterstützt, Hilfen enden abrupt. Die Uni baut mit Betroffenen ein Netzwerk auf und erforscht die Bildungsbiografien der jungen Leute.

Eine Forschergruppe der Universität Hildesheim geht der Frage nach, was aus Kindern und Jugendlichen wird, die im Heim, in der Pflegefamilie und in betreuten Wohngruppen aufwachsen und diese Erziehungshilfen verlassen. Die jungen Leute können in ihrer Bildungslaufbahn nur bedingt auf familiäre Unterstützung zurückgreifen. Von ihnen wird früh viel erwartet, etwa ein selbstständiges Leben im eigenen Wohnraum mit 18 Jahren. Die Hilfen enden abrupt. Ein Drittel der jungen Erwachsenen besuchen zum Zeitpunkt der Beendigung der Hilfe weder eine Schule noch machen sie eine Ausbildung. Ein Team um Professor Wolfgang Schröer untersucht in mehreren Projekten Bildungswege der Care Leaver, also junger Menschen, die außerhalb ihres Elternhauses aufgewachsen sind.

So wurden umfangreichere Daten über die Lebenswege von Care Leavern in Deutschland und gelungene Übergangsmodelle in anderen Ländern erfasst und wie Organisationen den Übergang in das Erwachsenenleben begleiten. Mit Studierenden wurden biografische Interviews geführt – wie verlief ihr Weg in die Uni? In einer Studie mit rund 250 Jugendlichen, die derzeit in Jugendhilfeeinrichtungen leben, untersuchen die Forscher, welche Unterstützung die befragten 16-Jährigen auf ihrem Bildungsweg erhalten und welche Erwartungen an sie gestellt werden. Derzeit entsteht ein Arbeitsbuch, das sich an Fachleute in der Kinder- und Jugendhilfe wendet.

Gemeinsam mit Betroffenen haben die Sozialpädagogen seit 2012 das bundesweite Netzwerk „Care Leavers in Deutschland" aufgebaut. Sie entwickeln Informationsmaterial, einen Flyer, drehen einen Film und geben Tipps – zum Beispiel, wie man einen Bafög-Antrag stellen kann, ohne die Einkommensnachweise der Eltern vorlegen zu müssen. Auch die Aktivitäten in Niedersachsen sollen regional weiterentwickelt werden. Gemeinsam mit sechs weiteren Hochschulen unter anderem aus Hildesheim, Emden, Holzminden, Oldenburg und Vechta wollen die Sozialpädagogen auf die Lebenssituation von Studierenden mit Jugendhilfeerfahrung aufmerksam machen. Das Niedersächsische Wissenschaftsministerium fördert das Vorhaben im Rahmen des Programms „Wege ins Studium öffnen“. Betroffene können sich an Katharina Mangold und Benjamin Strahl wenden (strahl[at]uni-hildesheim.de und mangoldk[at]uni-hildesheim.de).

Auf dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag in Berlin wollen die Forscher der Universität Hildesheim, gemeinsam mit der Internationalen Gesellschaft für erzieherische Hilfen (IGfH), das Thema in breitere Fachkreise bringen. Sie bieten am 4. Juni 2014 ein eigenes Fachforum an, in dem es um die Übergangsbegleitung in ein selbständiges Leben geht. Im Sommer startet ein weiteres Projekt, die Forscher befassen sich mit den Rechten von Care Leavern. 

„Heimkinder müssen für ihr Recht auf Bildung kämpfen", Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik der Uni Hildesheim, DIE WELT, 24.05.2014 (online und print)

Artikel im Uni-Journal (pdf)

Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

Erstellt von Pressestelle, Isa Lange