Flächendeckender Ausbau von Sozialarbeit in der Schule – Das fordert die Hildesheimer Erklärung
Dienstag, 10. März 2026 - 07:44 Uhr
Professionell. Nachhaltig. Zukunftsorientiert: Das war das Leitthema des Bundeskongresses Schulsozialarbeit auf dem Universitätscampus in Hildesheim. Insgesamt 600 Fachkräfte aus der Schulsozialarbeit sowie Vertreter*innen aus Wissenschaft, Politik und Bildung diskutierten aktuelle fachliche, gesellschaftliche und bildungspolitische Herausforderungen und entwickelten Perspektiven für die strukturelle Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes. Die Abschlussforderung: Schulsozialarbeit als professionelles, nachhaltiges und zukunftsorientiertes Angebot für alle jungen Menschen strukturell und dauerhaft absichern.
„Schulsozialarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe spielt eine elementare Rolle im Hinblick auf Chancengleichheit, Teilhabe und die Bildungswege junger Menschen,“ erklärt Prof. Dr. Gunther Graßhoff, Professor für Sozialpädagogik an der Universität Hildesheim und Mit-Organisator der Veranstaltung. „Insbesondere vor dem Hintergrund wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen und steigender Anforderungen im Schulalltag ist ein flächendeckender Ausbau der Schulsozialarbeit mit verlässlichen Finanzierungs- und Kooperationsstrukturen von Bund, Ländern und Kommunen notwendig.“
Die Hildesheimer Erklärung
Die Ergebnisse aus dem Kongress und die daraus resultierenden Forderungen fassten die Teilnehmenden in einer gemeinsamen Erklärung zusammen. „Mit der Hildesheimer Erklärung wird die Notwendigkeit der strukturellen Verankerung von Schulsozialarbeit betont,“ sagt Daniel Rohde, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim und Mit-Organisator der Veranstaltung. „Dies könnte durch Ausführungsgesetze auf Länderebene und die Aufnahme von Schulsozialarbeit in die Schulgesetze geschehen.“ Weiterhin benennt die Erklärung einen Personalschlüssel von einer Vollzeitstelle für Sozialarbeit pro 150 junge Menschen, „wovon mindestens eine unbefristete Vollzeitstelle pro Schule grundlegender Standard sein soll,“ wie Rohde ergänzt. Darüber hinaus sprechen sich die Unterzeichnenden der Hildesheimer Erklärung für bundesweit abgestimmte Qualitätsstandards, tariflich gesicherte und der Qualifikation angemessene Arbeitsbedingungen sowie ausreichende Ressourcen für Planung, Qualitätssicherung und fachliche Begleitung aus. „Die Schulsozialarbeit wird dabei als Expertin für Netzwerkarbeit und Sozialraumorientierung verstanden, die zur strukturellen Öffnung von Schule in den Sozialraum beiträgt und interprofessionelle Zusammenarbeit nachhaltig stärkt,“ erläutert Graßhoff. Ziel ist es, Kontinuität, Verlässlichkeit und Qualität der Angebote langfristig sicherzustellen und damit einen wirksamen Beitrag zu mehr Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit zu leisten.
Was ist der Bundeskongress Schulsozialarbeit?
Der Bundeskongress versteht sich als bundesweites Forum für fachlichen Austausch, interdisziplinäre Vernetzung und strategische Positionsbestimmung. Im Mittelpunkt des Kongresses standen die vier zentralen Themenfelder Armut und soziale Gerechtigkeit, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Digitalisierung und Digitalität sowie Professionalität in der Schulsozialarbeit. In Vorträgen, Foren, Workshops und Praxisdialogen wurden wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus der Praxis verknüpft, um konkrete Handlungsansätze für unterschiedliche Schulformen und regionale Rahmenbedingungen zu entwickeln.
Der Kongress wurde als Kooperation zwischen dem Kooperationsverbund Schulsozialarbeit, der LAG Schulsozialarbeit Niedersachsen e.V., der Universität Hildesheim, der HAWK Hildesheim und der Hochschule Hannover organisiert und fand auf dem Campus der Universität Hildesheim statt. Den Eröffnungsvortrag hielt Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Professor für Sozialpädagogik an der Universität Hildesheim, zum Thema "Wie ermöglicht Schule Kindheit und Jugend?"
Hier geht es zur vollständigen Erklärung.