Beim Umgang mit Krisen helfen Freund*innen – Folgestudie zu Jugend und Corona (JuCo V) ist da

Mittwoch, 4. März 2026 - 08:58 Uhr
Im Hintegrund der Collage ist ein Foto, auf dem bunte Schuhe in einem Kreis angeordnet sind. Davor ist ein traurig guckendes stilisiertes Coronavirus sowie das Foto einer jungen, unglücklich schauenden blonden Frau, die ihren Kopf in ihre Hand stützt.

Die Corona-Pandemie ist vorbei, doch die psychischen Folgen bei jungen Menschen sind bis heute spürbar. Das zeigen die Ergebnisse aus dem fünften Durchlauf der Befragungsreihe zu Jugend und Corona (JuCo). Wissenschaftler*innen der Universität Hildesheim führen die Studie seit 2020 durch. Neben psychischen Belastungen haben sie auch nach Strategien zum Umgang mit Krisen gefragt.

„Die Befragung ist ein Instrument, um jungen Menschen Gehör zu verschaffen“, erklärt Dr. Severine Thomas, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. Gemeinsam mit Mareike Daps hat sie die Studie durchgeführt. „Jugend und Corona“ war die erste Studie, die sich bereits im April 2020 (also zu Beginn der Pandemie) mit den psychosozialen Folgen für junge Menschen (zwischen 15 und 30 Jahren) beschäftigt hat. Ziel der mittlerweile fünf Durchläufe war es, herauszufinden, wie sich junge Menschen unter dem Einfluss aktueller gesellschaftlicher Krisen fühlen – und wie sie mit diesen umgehen. Denn: Die Corona-Pandemie ist nicht die einzige Krise, die junge Menschen beschäftigt.

Grundlage für die neue Studie: Die Wissenschaftler*innen sind davon ausgegangen, dass Klimawandel, Diskriminierung, Krieg und Inflation eine große Rolle im Leben junger Menschen spielen. Daps und Thomas haben daher diese gesellschaftlichen Krisen in der „Jugend und Corona“-Umfrage ergänzt und außerdem gefragt, was junge Menschen in Deutschland tun, um mit diesen Krisen klarzukommen. 

Psychisch belastet, einsam und politisch verunsichert – so fühlen sich junge Menschen 

Die Ergebnisse zeigen: Nach wie vor fühlen sich viele junge Menschen in Deutschland stärker psychisch belastet als vor der Pandemie Die Zahlen psychischer Erkrankungen gehen zwar langsam zurück, bleiben aber immer noch relativ hoch und über Vor-Pandemie-Niveau: „Viele junge Menschen haben die Belastungssymptomatik nicht abgelegt,“ erklärt Thomas. Auch Einsamkeit ist ein bedeutendes Thema für junge Menschen: Rund 30 Prozent der Befragten gaben während der Pandemie an, sich davon betroffen zu fühlen. Der Umgang der Politik mit der Pandemie hat junge Menschen zutiefst verunsichert und ihr Vertrauen in den Staat geschwächt. Weiterhin benennen die befragten jungen Menschen wachsende Geldsorgen und Zukunftsängste.

Die Mehrheit der Befragten ist trotzdem mit ihrer individuellen Lebenssituation eher zufrieden. Junge Menschen scheinen also in der Lage trotz schwieriger Lebensumstände ihr Leben positiv zu sehen. Eine große Rolle bei der Bewältigung von Belastungen und Sorgen spielen Freund*innen und andere enge Bezugspersonen. Wer mehr Freund*innen in der analogen Welt trifft und keine Geldprobleme hat, ist glücklicher – so die Studie.

Die Belastung wird sich nicht von selbst regulieren

Dass junge Menschen sich so belastet fühlen, führt Thomas aus, sei auch eine wichtige Botschaft an Institutionen, die mit jungen Menschen arbeiten. Dazu gehörten die Kinder- und Jugendhilfe, Schulen, Sportvereine, aber eben auch die Universitäten. Die neuen Ergebnisse aus der Studie sollen dazu einladen, mit jungen Menschen ins Gespräch zu gehen und neue Konzepte zu entwickeln. Denn: Die Belastung junger Menschen durch Krisen wie Klimawandel, Naturkatastrophen und Krieg werde „sich nicht ‚von selbst‘ regulieren“. Stattdessen müssten Konzepte entwickelt werden, durch die junge Menschen auch in Krisenzeiten gleichberechtigt am Leben teilhaben können und mit ihren Sorgen ernst genommen werden.

Weitere Informationen

Die kompletten Ergebnisse der Studie finden sich hier: https://doi.org/10.18442/338
Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Dr. Severine Thomas
thomass@uni-hildesheim.de

Das Projekt wurde durch das COVID-19-Forschungsnetzwerk Niedersachsen (COFONI) mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gefördert.