Katholische Theologie in Hildesheim

1. Wer in römisch-katholischer oder evangelischer Variante christliche Religion unterrichten will – eine gewagte Redeweise! -, muss sich darüber im klaren sein bzw. sich klar machen (lassen), dass der Unterrichtsstoff im Ganzen wie in all seinen Teilen in formaler Hinsicht sich ausschließlich der Perspektive des christlichen Glaubens verdankt.


2. Wer katholischen Religionsunterricht erteilen will, muss daher diese formale Perspektive des Glaubens kennen und wiedererkennen und sich in sie einüben (in die Perspektive, nicht in den Glauben selbst) als das Spezifische, das das Unterrichtsfach „Katholische Religionslehre“ profiliert und legitimiert. (Schließlich gibt es keine Themen und Inhalte des Religionsunterrichts, die nicht auch in anderen Unterrichtsfächern in jeweils deren Perspektive zur Sprache kommen könnten und auch faktisch zur Sprache kommen.)

Das Basismodul („Theologie – Reflexion des Glaubens“) will in diese spezifische Perspektive einführen, indem es

  • die biblischen Texte des AT und NT in ihrem historischen und kulturellen Kontext als normative Texte des Ursprungsereignisses des christlichen Glaubens lesen lehrt (BM b: „Die normativen Ursprünge des christlichen Glaubens“);
  • die geschichtlichen Gestalten des Christentums als mehr oder weniger gelungene Artikulationen des christlichen Glaubens angesichts der Herausforderungen der jeweiligen Zeit oder Epoche erschließt (BM c: „In der Geschichte gelebter Glaube der Christen“);
  • Erfahrungen, Inhalte, Praxen und Institutionen des christlichen Glaubens einer Zeit vor den biblischen Zeugnissen und auf dem Hintergrund der Tradition systematisch bedenkt, begründet und kritisiert (BM d: „Kritischer Kommentar der Glaubenserfahrung, -inhalte und –praxis“);
  • eine ethisch begründete persönliche und soziale Lebenspraxis im Horizont des christlichen Glaubens sehen lehrt (BM e: „Ethische Fragen und Methoden im Horizont christlichen Glaubens“).

 

3. Wer katholischen Religionsunterricht erteilen will, muss sich der Kriterien stimmigen christlichen Glaubens und damit auch stimmiger christlicher Theologie vergewissern, des Maßstabs, der erlaubt, das proprium christlicher Religion zu identifizieren – oder aber zu vermissen, nämlich der Geschichte Jesu von Nazareth, des Christus, in seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferweckung.

Das Aufbaumodul 1 („Jesus Christus – Quelle christlichen Glaubens“) nimmt darum Jesus von Nazareth, den Sohn Gottes, als den bleibend normativen Bezugspunkt christlicher Theologie in den Blick in dreifacher Perspektive:

  • im jüdischen geschichtlich-kulturellen Kontext seiner Zeit und im Ursprung der jungen Kirche (AM 1a: Jesus im jüdischen Kontext seiner Zeit und die Anfänge der Kirche);
  • im christologischen Zeugnis der Texte des Neuen Testaments (AM 1b: Christologische Theologie des Neuen Testaments) ;
  • in der immer wieder neu herausgeforderten und in der Tradition und Gegenwart der Kirche immer wieder neu in Augenhöhe zur jeweiligen Zeit unternommenen theologischen Rechenschaft über das geglaubte Christusereignis (AM 1c: Anfänge und Geschichte der Christologie).

 

4. Wer katholischen Religionsunterricht erteilen will, muss den christlichen Glauben in seiner persönlichen Dimension kennen, ihn als identitätsförderndes bzw. –behinderndes Medium in reflektierter Aufmerksamkeit wahrnehmen in der eigenen christlichen Existenz wie in der der Schülerinnen und Schüler und hierbei besonders biographischen, kulturellen, kirchlichen und gesellschaftlichen Faktoren wache Beachtung schenken.

Das Aufbaumodul 2 („Glauben – Medium persönlicher und kirchlicher Identität“) analysiert und reflektiert darum die Zusammenhänge und Vermittlungen von christlichem Glauben und persönlichem Leben bzw. persönlicher Lebensgeschichte.

Dazu expliziert das Modul

  • die persönlichen Faktoren gelebten Glaubens (AM 2a: Religion in biographischer Sozialisation);
  • die gegenwärtigen kirchlichen und gesellschaftlichen Kontexte und Dimensionen solchen Glaubens (AM 2b: Religion in kirchlicher und gesellschaftlicher Zeitgenossenschaft);
  • die immer geschichtlich bestimmte und so kontingente Gestalt einer in wacher Zeitgenossenschaft realisierten Glaubenspraxis (AM 2c: Die historische Gestalt des christlichen Glaubens I).

 

5. Wer katholischen Religionsunterricht erteilen will, muss angesichts des Plurals religiöser Agenten und ihrer Angebote in der Gesellschaft die Identität christlichen Glaubens zu behaupten wissen und dabei der Versuchung fundamentalistischer Verengungen widerstehen. Dazu hilft, die Pluralität der eigenen christlichen Tradition zu kennen, pluralisierende Faktoren biographischer, situativer, geschichtlicher und kultureller Art wahrzunehmen und sie in ihrer Legitimität zu würdigen.

Das Vertiefungsmodul 1 („Gott im Plural von Traditionen und Religionen“) macht aufmerksam auf die Korrelation religiöser Authentizität und Pluralität und sensibel für den Plural religiöser Überzeugungen und Ausdrucksgestalten

  • im Zeugnis des Alten und Neuen Testaments (VM 1a: Gott im Zeugnis des Alten und Neuen Testaments);
  • im religiös-kulturellen Plural der (Welt-)Religionen (VM 1b: Gott im Plural der Religionen);
  • unter geschichtlichen Bedingungen (VM 1c: Die historische Gestalt des christlichen Glaubens II).

 

6. Wer katholischen Religionsunterricht erteilen will, muss die Wahrheit des christlichen Glaubens als eine praktische Wahrheit, d.h. als eine Wahrheit der Bewährung zu buchstabieren wissen, als eine Wahrheit, die sich gerade an den Grenzen empirischen Wirklichkeitsverständnisses und empirischer Wirklichkeitserfahrung sowie in den Grenzsituationen menschlichen Lebens zu bewähren beansprucht.

Wer christliche Religion unterrichten will, darf sich mutig und unbefangen, in intellektueller Redlichkeit den großen, nie endgültig zu beantwortenden und doch unabweisbaren Fragen der Menschen stellen.

Das Vertiefungsmodul 2 („Transzendenz – Wahrheit – Verantwortung“) thematisiert darum Fragen nach Transzendenz, Wahrheit und Verantwortung in biblischer, systematischer und ethischer Perspektive, indem es

  • Menschsein expliziert im Angesicht Gottes entsprechend den klassischen dogmatischen Traktaten bzw. als deren Querschnittsthematik (VM 2a/b: Theologische Anthropologie I und II);
  • solche Fragen in der Heilsgeschichte des Ersten und Neuen Bundes identifiziert und anhand von Texten des Alten und Neuen Testaments erschließt (VM 2c: Interpretation zentraler biblischer Themen und Texte);
  • aktuelle ethische Themen rechten Lebens und richtigen Zusammenlebens der Menschen im kritisierenden, stimulierenden und integrierenden Licht des Evangeliums wahrnimmt und unter der Norm der Menschenfreundlichkeit diskutiert (VM 2d: Ethik – verantwortete Gestaltung des persönlichen, sozialen und gesellschaftlichen Lebens).

 

7. Wer katholischen Religionsunterricht erteilen will, muss in Verantwortung gegenüber dem Bildungsauftrag der gesellschaftlichen Institution Schule Kindern und Jugendlichen das Spezifische christlicher Weltanschauung und Lebensgestaltung erschließen und solche Bildungsprozesse in reflektierter Religionsdidaktik anzubahnen, zu unterstützen und zu reflektieren verstehen.

Das Vertiefungsmodul 3 („Didaktik religiöser Bildung“) sucht darum im Interesse ganzheitlicher religiöser Bildung von Kindern und Jugendlichen in theoretischer Reflexion und praktischer Einübung kairologische Zugänge zu entwerfen und zu erproben

  • zur biblischen Welt und zum Zeugnis des Alten und Neuen Testaments (VM 3a: Ein Buch mit sieben Siegeln – Didaktische Zugänge zur Bibel);
  • zur ethisch verantworteten und im Licht des christlichen Glaubens bedachten Gestaltung des persönlichen Lebens und sozialen Zusammenlebens (VM 3b: Was sollen wir tun? – Einführung in eine Didaktik der Ethik);
  • zur ästhetischen Dimension gelebten Glaubens (VM 3c: Kommt der Glaube nur vom Hören? – Ästhetik und Religion).

-gb-

13.05.2007