Empfehlungen zur Nutzung von KI im Studium
Mit KI, Künstlicher Intelligenz, Artificial Intelligence, Large Language Models stehen wir gesellschaftlich und in Bildungsinstitutionen vor neuen Herausforderungen, die aktuell und parallel zu neuen technologischen Neuentwicklungen beforscht werden.
Gleichzeitig scheint es wichtig zu werden, sich als Institution und als in der Institution als Lehrende und Lernende beschäftigte Personen ein Verhältnis zur Technologie, den Möglichkeiten ihrer Nutzung und den damit verbundenen Herausforderungen auseinander zu setzen.
Diese Leitlinie soll als erweiterungsbedürftiger Impuls für eine solche Auseinandersetzung sein. Anlass für die Entwicklung dieser Leitlinie/Empfehlung sind Artikulationen von Unsicherheiten bei Lehrenden und Lernenden, die z.B. folgende Fragen betreffen:
- Was sind eigentlich legitime Abkürzungen im Erlernen wissenschaftlicher Praxis? Wie kann der Impuls, sich der Arbeit mit und am Text auszusetzen, als eine Voraussetzung der Entwicklung eines pädagogischen professionellen Selbstverständnisses weiter plausibel gemacht werden?
- Wie können Belastungen von Beziehungen zwischen Dozierenden und Studierenden im Umgang mit Herausforderungen dieser Praxis und der Technologie vermieden oder bearbeitet werden?
- Wie kann das Moment der Illusion bearbeitet werden, die Technologie ließe sich instrumentell nutzen respektive ‚beherrschen‘? Wie können globale Nebeneffekte der Technologie und Nutzungsweisen im Blick bleiben?
- Wie kann verhindert werden, dass das Arbeiten mit KI nicht lediglich in instrumenteller Weise in unsere Lehr- und Lernpraktiken ‚einsickert‘?
KI-gestützte Werkzeuge können Studierende beim wissenschaftlichen Arbeiten unterstützen, indem sie Recherchen erleichtern, Textentwürfe strukturieren oder Schreibprozesse begleiten, egal, ob es um Hausarbeiten, Essays, Präsentationen oder Podcasts geht. Gleichzeitig bleibt das wissenschaftliche Schreiben eine eigenständige intellektuelle Leistung, die von eigenständigem Denken, Quellenbewusstsein und argumentativer Kohärenz lebt. Die folgenden (unabgeschlossenen) Leitlinien sollen eine reflektierte Nutzung von KI ermöglichen, ohne dass (lehrende oder lernende) Schreibende die Kontrolle über ihren wissenschaftlichen Schreibprozess verlieren.
Leitlinien für den verantwortungsvollen Einsatz von KI
1. KI als Werkzeug nutzen, nicht als Autor
KI kann Texte generieren, Zusammenfassungen erstellen oder Formulierungen vorschlagen – aber die Verantwortung für den Inhalt liegt immer bei der Autorin oder dem Autor. Nutzen Sie KI als Hilfsmittel zur Strukturierung und Inspiration, aber übernehmen Sie keine unveränderten KI-Texte in Ihre Arbeit.
2. Kritisches Denken bleibt entscheidend
Wissenschaftliches Arbeiten bedeutet, Argumente zu entwickeln, Theorien (auch kritisch zu betrachten und) zu nutzen und eine eigene Position zu beziehen. KI liefert keine neuen Erkenntnisse, sondern arbeitet in für uns Nutzende meist nicht nachvollziehbarer Weise mit bestehenden Daten. Prüfen Sie deshalb sorgfältig, ob Vorschläge der KI logisch, inhaltlich korrekt und argumentativ sinnvoll sind. In dieser Hinsicht kann KI die Arbeit mit wissenschaftlicher Literatur nur ergänzen.
3. Quellennachweise und wissenschaftliche Integrität wahren
KI-Modelle können halluzinieren, das heißt, sie produzieren unter Umständen Textquellen, die gar nicht existieren. Vermeiden Sie es, erfundene oder fehlerhafte Quellen aus KI-generierten Texten zu übernehmen. Zitieren Sie alle verwendeten Texte korrekt und überprüfen Sie KI-generierte Referenzen auf ihre Existenz und wissenschaftliche Relevanz. Nicht nur die Halluzination von Literatur ist eine Fehlerquelle von KI, sie sind in der Lage, Fehler auf verschiedenen Ebenen wissenschaftlichen Arbeitens zu produzieren. Informationen zu den Regeln wissenschaftlichen Schreibens finden Sie auf der Webseite der Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft.
4. KI für Recherche und Strukturierung nutzen
KI kann helfen, ein Thema zu erschließen, zentrale Begriffe zu identifizieren oder Texte zu gliedern. Nutzen Sie sie, um einen ersten Überblick über ein Forschungsfeld zu erhalten oder um Gliederungen und Argumentationsstrukturen zu entwickeln – aber die eigentliche inhaltliche Auseinandersetzung soll von Ihnen selbst kommen.
5. Eigene Schreibkompetenz aktiv entwickeln
Das wissenschaftliche Schreiben ist ein zentraler Bestandteil des akademischen Lernprozesses. Was gutes wissenschaftliches Arbeiten bedeutet, lässt sich nicht nur verstehen, sondern erst in diesem Prozess erfahren. Nutzen Sie KI nicht als Ersatz für eigene Formulierungen, sondern als Werkzeug, um Stil, Präzision und Argumentationsführung zu verbessern. Überarbeiten Sie KI-generierte Texte stets, um sie an Ihre eigene Schreibweise anzupassen. Wie Sie KI zur Verbesserung des eigenen Schreibens nutzen können, erfahren Sie z. B. im Lese- und Schreibzentrum der Uni.
6. Transparenz über den Einsatz von KI
Falls KI in Ihrer Arbeit eine größere Rolle gespielt hat, etwa bei der Texterstellung oder -überarbeitung, machen Sie dies kenntlich. In wissenschaftlichen Arbeiten sollte reflektiert werden, inwiefern KI-gestützte Tools genutzt wurden, um Transparenz zu gewährleisten.
7. Grenzen der KI-Technologie erkennen
KI kann nicht zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven abwägen, keine originären Forschungsbeiträge leisten und oft nicht zuverlässig zwischen faktenbasierten und spekulativen Aussagen unterscheiden. Ihre Nutzung sollte deshalb stets mit einer kritischen Prüfung der Ergebnisse verbunden sein.
8. Datenschutz und akademische Ethik beachten
Vermeiden Sie es, vertrauliche oder personenbezogene Daten in KI-Tools einzugeben. Viele KI-Anwendungen speichern und analysieren Eingaben, was datenschutzrechtliche Probleme aufwerfen kann. Informieren Sie sich über die Datenschutzrichtlinien der verwendeten KI-Anwendungen. Dazu gehört auch die Auseinandersetzung mit der algorithmischen Voreingenommenheit der KI, die zu Diskriminierung von Personen(gruppen) führen kann.
9. KI als Unterstützung für kollaboratives Arbeiten nutzen
KI kann Gruppenarbeiten erleichtern, indem sie Diskussionen strukturiert, Ideen sammelt oder erste Textentwürfe erstellt. Sie ersetzt jedoch nicht die inhaltliche Diskussion und das gemeinsame Entwickeln wissenschaftlicher Argumente.
10. Reflexion über den eigenen Schreibprozess einbauen
Nutzen Sie KI nicht unkritisch, sondern reflektieren Sie deren Einfluss auf Ihr Schreiben. Wie verändert sich die Argumentation? Wo geht möglicherweise Eigenständigkeit verloren? Solche Reflexionen können auch in wissenschaftlichen Arbeiten thematisiert werden.
Empfehlungen
- Besprechen Sie mit den Lehrenden, in welchem Umfang der Einsatz von KI in den Arbeiten akzeptabel ist und nutzen Sie sie gezielt als Unterstützung – nicht als Ersatz für eigene wissenschaftliche Leistungen.
- Fügen Sie Ihrer Arbeit eine tabellarische Übersicht der verwendeten Prompts als digitalen Anhang bei.
- Beobachten Sie Ihre Nutzungsweise. Fallen Ihnen Schwierigkeiten auf mit dem wissenschaftlichen Schreiben, die zu einer im Sinne der o.g. Leitlinien problematischen Nutzung von KI führen, können Sie sich Support bei den betreuenden Dozent*innen oder dem Lese- und Schreibzentrum der Uni Hildesheim holen.
- Nutzen Sie für weitere Informationen das Angebot des Lese- und Schreibzentrums der Uni Hildesheim (https://www.uni-hildesheim.de/lsz).
| Zulässige Nutzung von KI | Nicht zulässig |
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