Universität Hildesheim - Meldungen - Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft de-de Stiftung Universität Hildesheim Thu, 05 Dec 2019 20:35:45 +0100 Thu, 05 Dec 2019 20:35:45 +0100 TYPO3 EXT:news news-17820 Fri, 08 Nov 2019 11:29:12 +0100 Vortragsreihe "Kindheitspädagogische Übergangsforschung – aktuelle Studien und Befunde" im Wintersemester 2019/20 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/vortragsreih-17/ Wo?

Universitätsplatz 1
Forum
Raum N 006

Wann? Dienstags, 16.15 bis 17.45 Uhr

 

VORTRÄGE

19.11. 2019
Dr. Michael Lichtblau/Magdalena Hartmann, Universität Hannover

Übergang Kita-Schule: Bruch oder Brücke? – Ergebnisse des Praxistransferprojektes
‚Interessenbasierter Übergang Kita-Schule‘

Der Vortrag behandelt das Thema „Kindliche Interessen(entwicklung) im Übergang von der Kita in die Schule“ unter theoretischer und empirischer Perspektive. Vorgestellt werden u.a. Ergebnisse eines kürzlich abgeschlossenen Praxistransferprojektes, in dem an zwei Modellstandorten der Übergang Kita-Schule gezielt auf Basis kindlicher Interessen kooperativ gestaltet wurde.

 

03.12.2019
Prof. Dr. Dorothee Gutknecht, Ev. Hochschule Freiburg

Herausforderung Eingewöhnung: Responsive Gestaltung von Übergängen

Betrachtet wird die (kulturell) responsive Übergangsgestaltung von pädagogischen Fachkräften in Bezug auf Kinder (z.B. Skriptaufbau, emotionale Regulation) und eingewöhnende Bezugspersonen (z.B. Vater- und Mutterschaftskonstellation, Eskalation/Deeskalation).
Ergebnisse aus phänomenologischen und ethnografischen Studien erhellen die hier notwendigen Inhaltsaspekte einer professionellen Responsivität.

 

10.12. 2019

Prof. Dr. Edita Jung, Hochschule Emden/Leer

Von der Kinderkrippe in den Kindergarten. Der Übergang aus der Perspektive pädagogischer Fachkräfte

Den Ausgangspunkt des Vortrages bildet ein Übergang, welcher sich im Zuge des quantitativen Ausbaus von Betreuungsplätzen für Kinder bis zu drei Jahren zwar zunehmend als ein normativer etabliert, eine entsprechende wissenschaftliche Betrachtung bislang jedoch kaum erfährt. Es werden die methodische Anlage und die Befunde einer Interviewstudie zu übergangsbezogenen Subjektiven Theorien von pädagogischen Fachkräften in Krippen und Kindergärten vorgestellt und diskutiert. Im Fokus steht die Sicht der Fachkräfte auf die eigene sowie die Rolle von weiteren Akteur*innen während dieser Phase.

 

07.01. 2020

Prof. Dr. Claudia Mähler, Universität Hildesheim

Gut gerüstet für die Schule? – Zur Bedeutung bereichsspezifischer Vorläuferkompetenzen für den Schulerfolg

Mit dem Schuleintritt beginnt eine neue Lebensphase, aber was es dort zu lernen gibt, ist keineswegs alles neu. Kinder entwickeln sich kontinuierlich und erwerben schon vor der Schule wichtige Vorläuferkompetenzen, z.B. für die Schriftsprache, die Mathematik, die soziale Anpassung. Und so entsteht auch bereits vor der Schule eine große Vielfalt, die zu ganz unterschiedlichen Startchancen für die Kinder führt. Im Vortrag werden die Entwicklung wichtiger Vorläuferkompetenzen für den späteren Schulerfolg beleuchtet und Möglichkeiten früher Förderung aufgezeigt.

 

14.01.2020
Prof. Dr. Dominik Krinninger, Universität Osnabrück

Familiäre Bearbeitung des Übergangs in die Grundschule

Der Vortrag thematisiert den Übergang in die Grundschule aus der familialen Binnenperspektive. Mit Bezug auf ein Forschungsprojekt, bei dem zwölf Familien in der Phase des Übergangs ihres ersten Kindes in die Grundschule ethnografisch begleitet wurden, werden nicht nur Praktiken und Strategien der Kinder und Eltern im familialen Umgang mit den neuen Herausforderungen beleuchtet, sondern auch Veränderungen, die die Familien selbst in dieser Phase durchlaufen.

 

21.01. 2020
Dr. Miriam Buse , Universität Osnabrück

„ … es ist nicht mehr Kindergarten, es ist Schule“– Elterliche Orientierungen am Übergang in die Grundschule

Der Vortrag beleuchtet elterliche Orientierungen am Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule mit einem besonderen Fokus auf die Funktionszuschreibung und Adressierungen der Eltern am Übergang zwischen den frühkindlichen Bildungsinstitutionen. Zusätzlich werden elterliche Sichtweisen auf die Zusammenarbeit mit pädagogischen Fach- und Lehrkräften aufgezeigt.

 

28.01.2020
Isabell Krähnert/Katja Zehbe, Universität Hildesheim

Begleitung von inklusiven Übergangsprozessen in Elterngesprächen

Der Vortrag widmet sich der Frage nach dem „(Un)Doing Inklusion“ in Gesprächen zwischen pädagogischen Fachkräften und Eltern sog. körperlich und seelisch ,behinderter' Kinder in Kindertageseinrichtungen. Es wird ein spezifischer Fokus auf Übergänge in die Institution, innerhalb der Kindertageseinrichtung, als auch auf den Übergang zur Grundschule gerichtet. Es werden Ergebnisse des gleichnamigen Forschungsprojektes vorgestellt.

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Allg. Erziehungswissenschaft
news-17795 Thu, 07 Nov 2019 09:27:42 +0100 Eine Diktatur und ihr Nachleben: Uni Hildesheim forscht über Erziehung und Bildung in der DDR https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/eine-diktatur-und-ihr-nachleben-uni-hildesheim-forscht-ueber-erziehung-und-bildung-in-der-ddr/ Aufarbeiten der Geschichte: Forschungsteams der Universität Hildesheim untersuchen anhand der vollständigen Bestände der Kinder- und Jugendliteratur und der Schulbücher der DDR sowie von Interviews mit Zeitzeug*innen die darin erzählten Mythen über Erziehung und Bildung. Dabei kooperiert die Arbeitsgruppe um Professorin Meike Sophia Baader und Professor Michael Corsten mit Universitäten und Bibliotheken in Berlin und Rostock. Ein Ziel des gesamten Verbundprojekts ist es, die Erkenntnisse für Forschung und Lehre, für die politische Bildung als auch für Museen und Schulen aufzubereiten und das Wissen digital verfügbar zu machen. Darstellung des gesamten Verbundprojekts

„30 Jahre nach dem Mauerfall ist die Aufarbeitung nicht abgeschlossen, die damit verbundenen Themen müssen bearbeitet werden“, sagt Professorin Meike Sophia Baader. Die Geschichte der DDR wirke auch 30 Jahre nach dem Mauerfall zum Beispiel in Biografien fort.

Im Verbundprojekt „Bildungs-Mythen über die DDR – eine Diktatur und ihr Nachleben“ arbeitet die Erziehungswissenschaftlerin der Universität Hildesheim  mit einem Team um Soziologieprofessor Michael Corsten, der Humboldt Universität zu Berlin, der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung Berlin und der Universität Rostock zusammen.

„Diese Forschung kann dazu beitragen, die unterschiedlichen Entwicklungspfade in den Bundesländern in Ost und West zu verstehen“, so Baader. Bisher liegen wenig vergleichende und vertiefende Untersuchungen zu den Inhalten der Kinder- und Jugendliteratur und den Schulbücher der DDR sowie den Mythen über das Bildungssystem der Diktatur vor.

Kindheit in der DDR: Bundesforschungsministerium unterstützt den Forschungsverbund zur DDR-Geschichte

Die Universität Hildesheim gehört zu jenen Hochschulen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgewählt wurden, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der DDR und dem SED-Unrecht auszubauen. Insgesamt fördert das Ministerium 14 Forschungsverbünde in Deutschland. Viele der geförderten Hochschulen arbeiten mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Gedenkstätten, Archiven und Einrichtungen der politischen Bildung zusammen. So sollen Brücken zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gebaut und die Forschungsergebnisse breiter in die Bevölkerung vermittelt werden. Der Förderzeitraum beträgt vier Jahre, von 2019 bis 2022.

„Dass wir zu den geförderten Universitäten gehören, die neue Perspektiven einnehmen, um die Geschichte der DDR zu erforschen, freut uns sehr. Wir arbeiten eng mit unseren Kooperationspartnern und –partnerinnen in Berlin und Rostock zusammen“, so Baader. Die Erziehungswissenschaftlerin hat sich auf die historische Bildungsforschung und Familien- sowie Kindheitsforschung spezialisert. Sie ist Sprecherin des Arbeitskreises „Historische Familienforschung“ in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft.

In dem Forschungsverbund arbeiten gleich zwei Hildesheimer Forschungsteams des Instituts für Erziehungswissenschaft und des Instituts für Soziologie in einem gemeinsamen Teilprojekt mit dem übergreifenden Titel „Konstruktionen von Kindheit in der DDR“ zusammen. Das Hildesheimer Teilprojekt gliedert sich wiederum in zwei Fallstudien.

Forschung in der Fallstudie: „Bilderwelten in Kinder- und Jugendliteratur und Schulbüchern der DDR“

Ein Forschungsteam um Professorin Meike Sophia Baader untersucht die Bilderwelten in der Kinder- und Jugendliteratur und in Schulbüchern der DDR, deren vollständige Bestände in der Staatsbibliothek Berlin und in der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung vorhanden sind.

Je weiter der Mauerfall zurückliege, desto intensiver würden sich die Mythen über das Bildungssystem in der DDR verfestigen, so die Feststellung ihrer Arbeitsgruppe. „Ein Mythos ist zum Beispiel die Annahme, das Schulsystem sei in der DDR weniger selektiv und damit chancengerechter gewesen, oder die Vorstellung, es herrschte Gleichberechtigung in Bezug auf Herkunft, Geschlecht und Generationen“, sagt Meike Sophia Baader. Erstaunlicherweise hätten sich diese Sichtweisen mit wachsendem Abstand zur Wende tendenziell eher verschärft. Dass diejenigen, die nicht systemkonform waren, im Bildungssystem mit spezifischen Schwierigkeiten konfrontiert waren, wird bei dieser Mythenbildung übergangen.

Während das gesamte Verbundprojekt bislang nicht erschlossene Bild-, Text-, Ton-und Filmquellen auf emotional wirkmächtige mentale Bilder und Narrative über Bildung, Erziehung und Schule der DDR untersucht, analysiert Meike Baader zusammen mit ihren wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Sandra Koch und Friederike Kroschel die Bilder und Texte in Kinder- und Jugendliteratur sowie in Schulbüchern der DDR. Von besonderem Interesse sind Familien- und Kindheitskonzepte, Generationen- und Geschlechterverhälnisse sowie Vorstellungen von Autorität und Agency.

Literatur und Lesepädagogik und damit Kinder- und Jugendbücher sowie Schulbücher hatten in der DDR einen hohen Stellenwert, da sie für die Herausbildung der „sozialistischen Persönlichkeit“ herangezogen wurden. Das Lesen von Kinder und Jugendliche wurde dabei besonders gefördert und honoriert. Die DDR hatte seit Ende der 1950er Jahre ein einheitliches Bildungssystem von der Krippe bis zur Hochschule. Oberstes Ziel der Bildung von Kindern war die Erziehung zur „sozialistischen Persönlichkeit“. „Es gehörte zur Politik des Regimes, dass jedes Kind einen Bibliotheksausweis erhält, das Lesen wurde gefördert und die Buchbestände dokumentieren, welche Inhalte kommuniziert wurden“, so Koch. 14 Kinderbuchverlage publizierten in der DDR, mehr als 150 Autorinnen und Autoren schrieben Kinderliteratur, über 100 Illustratorinnen und Illustratoren produzierten Darstellungen. Etwa 80 % der Kinder hatte einen Bibliotheksausweis, im Schnitt haben Kinder 23 Bücher im Jahr ausgeliehen.

Welches Wissen wurde in den Büchern von Generation zu Generation weitergegeben? „Wir interessieren uns dafür, welches Wissen über das Aufwachsen in der DDR in den Büchern hervorgebracht wird und wie dieses im kommunikativen Gedächtnis tradiert wird.“  

Kinder- und Jugendbücher sowie Schulbücher sind Medien für Kinder – was darin an Inhalten transportiert wird mit denen Kinder aufwachsen, das untersucht diese  Hildesheimer Arbeitsgruppe in ihrer Fallstudie. Es handele sich um „Medien für Kinder, von Erwachsenen geschaffen, die mit Vorstellungen geschrieben wurden, was Kinder wie verstehen sollen“, so Sandra Koch. Der Zugang zu den vollständigen Sammlungsbeständen der Kinder- und Schulbücher der DDR sei eine hervorragende Grundlage für die Forschung. „Die gesamte Schulbuch- und Kinderliteratur steht uns zur Verfügung, von der Frühphase bis 1989, das sind enorme Bestände.“ Der gesamte Bestand der neueren deutschsprachigen Kinder- und Jugendbücher nach 1945 umfasst in der Staatsbibliothek Berlin etwa 69.000 Titel, darunter die Titel der DDR-Verlage vollständig. Die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung enthält über 5000 Schulbücher seit 1945, die vom staatseigenen Verlag „Volk und Wissen“ verlegt wurden. Alle mussten vom Kultus- oder Bildungsministerium der DDR vor der Veröffentlichung abgesegnet werden.

Sowohl für die Analyse der Kinder- und Jugendbüchern als auch für die Analyse der Schulbücher müssen die Quellen zunächst systematisiert und kategorisiert werden, um dann eine begründete Auswahl für ihre Text- und Bilduntersuchung treffen zu können. „Gerade weil die Bücher in der DDR zur Herausbildung einer „sozialistischen Persönlichkeit“ beitragen sollten, haben diese eine hohe politische Bedeutung. Historisch interessant ist aber, welche Spielräume es möglicherweise doch gab, jedenfalls in der Kinderliteratur, obwohl die Inhalte staatlich gesteuert wurden“, sagt Professorin Meike Sophia Baader. Beim Schulbuch hingegen stelle sich dies anders dar.  

Friederike Kroschel als Historikerin und Sandra Koch als Erziehungswissenschaftlerin ergänzen sich in ihren wissenschaftlichen Perspektiven und fokussieren sich vor diesem Hintergrund in besonderer Weise auf die visuellen Darstellungen in den Büchern. „Bilder und Illustrationen wirken unmittelbar als ein eigenes Genre und sie verraten möglicherweise einiges, was im Text nicht steht. So wird in einem Bild zum Beispiel offenbar, dass nicht alles gleichberechtigt zuging, etwa wenn Jungen mit Technik gezeigt werden und Mädchen am Rand des Bildes stehen“, sagt Kroschel.

Die Kinder- und Jugendliteratur sowie die Schulbücher sind eine gute Quelle, um etwas über die Herkunft bestimmter Narrative und Mythen zu erfahren. „Insgesamt gibt es an der Universität Hildesheim einige Projekte, die sich mit Kinder- und Jugendliteratur befassen, so dass sich daraus über die Fachbereiche hinweg ein interessanter Forschungsschwerpunkt ergeben könnte“, so Baader.

Forschung in der Fallstudie: „Mythen in erzählten Bildungs- und Kindheitserfahrungen in der DDR“

Es wird vielfach unterstellt, dass Geschichtsbewusstsein zur (Allgemein-)Bildung dazu gehört. Allerdings ist das Wissen über die Vergangenheit unserer Gesellschaft, gerade mit Blick auf die Entwicklungen der ehemaligen DDR, in der heutigen Gesellschaft recht heterogen. Doch woran liegt das?

Die Fallstudie „Mythen in erzählten Kindheits- und Bildungserfahrungen der DDR“ geht von der Annahme aus, dass Geschichtswissen Teil des individuellen und kollektiven Gedächtnisses von Menschen in einer Gesellschaft ist. Die damit einhergehenden Formen des Erinnerns sind schwierig; sie unterliegen je besonderen Perspektiven und Standorten. Nicht zuletzt werden sie zudem von biographischen Brüchen geprägt. Dies gilt insbesondere für Zeitzeug*innen, welche selbst in der DDR gelebt und das dortige Bildungssystem auf ihren eigenen Bildungswegen erfahren haben: „Was wird heute eigentlich noch erinnert an Bildungs- und Erziehungspraktiken? Was können Zeitzeug*innen berichten, wie erinnern sie sich an das Bildungswesen der DDR?“, fragt Professor Michael Corsten.

Das Wissen über Bildung und Kindheit in der DDR ist also unter anderem davon abhängig, ob jemand selbst in der DDR gelebt hat oder nicht, in welchem Alter und welchen geschichtlichen Phasen sie oder er dort mit den Institutionen des Bildungssystems, sei es Schule, Studium, Berufsausbildung oder Weiterbildung, in Berührung gekommen ist. Und sicher spielt es ebenfalls eine Rolle, welche (politische) Position ein Mensch in der DDR eingenommen hat, ob er zur Arbeiterschicht, zur sogenannten „Intelligenz“, zu den Kadern in Betrieben oder den Parteien zählte.

Im Rahmen der Fallstudie „Mythen in erzählten Kindheits- und Bildungserfahrungen der DDR“ untersuchen der Soziologe Prof. Dr. Corsten sowie die Sozial- und Organisationspädagogin Larissa Jafke biographische Interviews mit Zeitzeug*innen aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive. Hierbei kann im Kern auf einen Datensatz von 50 Personen zurückgegriffen werden, die zwischen 2001 und 2010 dreimal biographisch interviewt wurden. Darüber hinaus werden über Kooperationen mit weiteren Forschenden sowie mit dem Archiv „Deutsches Gedächtnis“ zusätzliche Interviewmaterialien ausgewertet. „So wird u.a. die interessante Möglichkeit eröffnet, auf Interviews zurückzugreifen, welche Ende der 1980er Jahre und somit noch während des Bestehens der DDR mit Zeitzeug*innen  geführt wurden“, so Jafke. Denn für das individuelle und kollektive Erinnern ist es ebenso wichtig, zu welchem Zeitpunkt sich Personen erinnern sowie, ob sich das Erinnern der Person im Laufe des eigenen Lebens verändert.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens ist jedoch zu berücksichtigen, dass Änderungen des Erinnerns noch nicht die Form des Mythos annehmen müssen. Das, was geschah, kann später in einem neuen Licht, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen neu eingeschätzt und gewichtet werden. „Mythen sind daher aus unserer Sicht eher primäre Bilder der Geschichte, die sich individuell und kollektiv als selbstverständliches Wissen um die eigene Vergangenheit als Bedeutungen durchgesetzt haben und an die Menschen mehr oder weniger vorbewusst anknüpfen“, so Corsten.

Mythen können demnach ebenfalls eine Funktion für den eigenen Selbstentwurf einnehmen – ganz im Sinne des britischen Sozialhistorikers Paul Thompson: „The myths we live by“. Solche Mythen anhand der Erzählungen von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen mit dem Fokus auf Erfahrungen von Bildung und Kindheit herauszuarbeiten, stellt folglich die wesentliche Aufgabe der Fallstudie dar.

Die gesamten Erkenntnisse, Daten und Quellen beider Fallstudien sollen für Forschung, Lehre und Unterricht zugänglich gemacht werden

Aktuell befindet sich das Team noch in der anfänglichen Forschungsphase und befasst sich bisher primär mit den Interviewanfängen, bzw. mit den anfänglichen Selbsteinführungen der Interviewten. „Im Zuge dessen analysieren wir unter anderem, inwiefern und auf welche Weise sich hier bereits zu dem sozial historischen Kontext der DDR positioniert wird und was dies wiederum für die eigene Subjektivierung bedeutet“, fügt Jafke ergänzend hinzu.  

Die gesamten Erkenntnisse, Daten und Quellen beider Fallstudien sollen für Forschung, Lehre, Unterricht sowie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Dazu gehören zum Beispiel eine Online-Plattform sowie interaktive Formate wie virtuelle Ausstellungen oder Handapparate, angereichert mit didaktischen Konzepten für den Unterricht.

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Universität Hildesheim Sozialwissenschaften Soziologie Forschung Startseite
news-17327 Thu, 05 Sep 2019 11:42:00 +0200 Uni Hildesheim bildet Fachkräfte für Erziehung und Bildung aus https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/uni-hildesheim-bildet-fachkraefte-fuer-erziehung-und-bildung-aus/ Die Universität Hildesheim bildet Fachkräfte für pädagogische Handlungsfelder aus, die sich mit Fragen der Erziehung, Bildung, Beratung und Unterstützung von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen befassen. Die Bewerbung um einen Studienplatz im Bachelorstudiengang „Erziehungswissenschaft“ ist noch bis zum 30. September 2019 möglich [VERLÄNGERT!]. Bachelorstudiengang „Erziehungswissenschaft“
Bewerben Sie sich bis zum 30.09.2019 [VERLÄNGERT!]
an der Universität Hildesheim

Die Erziehungswissenschaft gilt als Leitdisziplin für alle pädagogischen Berufe. Sie beschäftigt sich mit Fragen der Erziehung, Sozialisation und Bildung sowie mit pädagogischen Konzepten, Institutionen und Praktiken. Im Bachelorstudium „Erziehungswissenschaft“ an der Universität Hildesheim werden grundlegende Begriffe, Theorien und Methoden vermittelt, um pädagogische Handlungsfelder kennen zu lernen und zu analysieren. Dabei werden gesellschaftliche und historische Dimensionen sowie interdisziplinäre und interkulturelle Bezüge berücksichtigt. Außerdem erwerben Studierende Kompetenzen, um zum Beispiel pädagogische Maßnahmen planen und gestalten zu können und Menschen in ihren unterschiedlichen Bedürfnislagen zu unterstützen.

Für alle Studieninteressierten, die sich für Tätigkeiten in den genannten Bereichen qualifizieren wollen, bietet das Hildesheimer Bachelorstudium Möglichkeiten zu einer breiten wissenschaftlichen und fachlichen Auseinandersetzung. Berufliche Erfahrungen und Vorkenntnisse in pädagogischen Handlungsfeldern können auf das Studium angerechnet werden.

Zu den Studieninhalten gehören unter anderem die Einführung in die Allgemeine Erziehungswissenschaft, die Auseinandersetzung mit Fragen der Erziehung und Bildung im gesellschaftlichen und historischen Kontext sowie mit Themen aus den Bereichen Kindheit, Jugend und Familie. Studierende erlernen quantitative und qualitative sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden und wenden diese auf verschiedene pädagogische Handlungsfelder an.

Pädagogik der Kindheit: Studierende befassen sich mit den Bedingungen des Aufwachsens und der frühen Bildung in Familie, Kita und Schule

Besondere Berücksichtigung im Studiengang erfahren Fragen der „Pädagogik der Kindheit“, die sich mit den Bedingungen des Aufwachsens und der frühen Bildung in Familie, Kita und Schule befassen.

Diese sind zugleich verwoben mit aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen wie Globalisierung, Pluralisierung und Forderungen nach Inklusion, sie wirken sich auf die Lebenswelten aus und werfen Fragen von Diversität und des pädagogischen Umgangs damit auf.

Deshalb beinhaltet das Studium die systematische Auseinandersetzung mit Diversität und gesellschaftlichen Differenzkategorien wie zum Beispiel Geschlecht, Alter, Religion oder Weltanschauung, sexuelle Identität, Behinderung sowie ethnische und soziale Herkunft.

Forschungsstarkes Team der Universität Hildesheim integriert neueste Forschungserkenntnisse in die Lehre und bindet Studierende in Forschungsprojekte mit ein

Der Studiengang wird von einem forschungsstarken Team verantwortet, das die Studieninhalte an die Dynamiken gesellschaftlicher Wandlungsprozesse anpasst, aktuelle Fragen aufgreift und neuste Forschungsergebnisse in die Lehre integriert.

Interessierten Studierenden wird die Möglichkeit eröffnet, in Forschungsprojekten mitzuarbeiten. Zugleich reagieren die Lehrenden diversitätssensibel auf die Bedarfe der Studierenden und bieten in diesem Zusammenhang ein Mentor*innenprogramm an.

Die freie Wahl eines Nebenfaches, zum Beispiel Sachunterricht, Kunst, Englisch oder Sport, ermöglicht Studierenden eine individuelle Profilbildung.

Berufliche Perspektiven sind vielfältig und reichen von der Familienbildung über Kinder- und Jugendhilfe bis zum Personalwesen und kommunaler Sozialpolitik

Die beruflichen Perspektiven für Absolvent*innen sind gut und vielfältig und beziehen sich auf Handlungsfelder entlang aller Altersgruppen – von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter.

So werden Absolvent*innen beispielsweise in der interkulturellen Bildungsarbeit tätig, arbeiten in Unternehmen im Personalwesen beziehungsweise Management, in der Kinder-, Jugend- und Familienbildung, der Kinder- und Jugendhilfe, der Schulsozialarbeit oder in der kommunalen Bildungs- und Sozialpolitik, in der Erwachsenen- und Weiterbildung, ebenso in der Gedenkstättenpädagogik,  der Straffälligen- und Strafgefangenenhilfe oder in der Medienpädagogik.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft
news-17365 Tue, 03 Sep 2019 09:16:00 +0200 Sprachlernprojekt für geflüchtete Kinder und Jugendliche https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/sprachlernprojekt-fuer-gefluechtete-kinder-und-jugendliche-1/ Seit vier Jahren qualifiziert ein Team um Annette Lützel Studentinnen und Studenten der Universität Hildesheim für den Sprachunterricht von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. An zwei Standorten in Hildesheim unterstützen die Studierenden täglich geflüchtete Menschen beim Spracherwerb und bei der Integration in Schule, Alltag und Arbeitswelt. Mittlerweile wurden mehr als 400 Studierende qualifiziert. Eine Zwischenbilanz. Im Wintersemester 2015/16 wurde mit Mitteln des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur ein Projekt gestartet, dass Studentinnen und Studenten qualifiziert, um geflüchtete Menschen beim Spracherwerb zu unterstützen.

Ein Team der Universität Hildesheim vermittelt Studierenden in theoretischen Modulen die fachlichen Grundlagen, in einer Praxisphase unterrichten sie Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund.

Die fachliche Qualifizierung der Studierenden erfolgt in unterschiedlichen Themenbereichen wie zum Beispiel Diversität, Zweitspracherwerb, aufenthalts- und sozialrechtliche Regelungen für Geflüchtete, Hintergrundinformationen zu Fluchtursachen und Herkunftsländern sowie Umgang mit durch Flucht und Verfolgung traumatisierter Menschen. Des Weiteren gibt es Vertiefungsveranstaltungen zum Unterricht im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“, zur Unterrichtsvorbereitung und zum Thema Alphabetisierung. Nach dem Besuch der Einführungsveranstaltung beginnen die Studierenden mit der Unterrichtsassistenz an den Schulen.

400 Studentinnen und Studenten haben im Sprachlernprojekt seit 2015 geflüchtete Kinder und Jugendliche beim Spracherwerb unterstützt

Das Sprachlernprojekt fand zunächst in der Erstaufnahmestelle für Geflüchtete in Hildesheim statt. Im November 2016 wurde die Erstaufnahmestelle geschlossen, viele Geflüchtete haben nun einen dauerhaften Aufenthalt und benötigen Unterstützung bei der Integration in Schule und Arbeitsmarkt.

Insbesondere die Schulen stehen hier vor einer großen Herausforderung. Das Projekt wird deshalb seit Sommer 2016 an zwei Hildesheimer Schulen, der Grundschule Nord und der Walter-Gropius-Berufsschule, fortgesetzt.  Beide Schulen haben einen großen Bedarf an Sprachförderung, das Sprachlernprojekt bietet hier täglich im Anschluss an den Regelunterricht ein ergänzender Sprachunterricht an. Hier wird – anders als im Regelunterricht – sehr intensiv in kleinen Gruppen gearbeitet. Täglich unterrichten 20 Studierende an den beiden Standorten.

Sprachunterricht an Grundschule und Berufsschule

Das Projekt hat sich seit dem Start sehr gut entwickelt, so die Projektkoordinatorin Annette Lützel. Beide Seiten – geflüchtete Schülerinnen und Schüler als auch Studierende – profitieren sehr von dieser Arbeit. Zuerst hatte sich das Projekt nur an Lehramtsstudierende gerichtet, die im Rahmen ihres Sozialpraktikums teilnehmen. Mittlerweile ist das Projekt auch für Studierende anderer Fachrichtungen, wie zum Beispiel Sozial- und Organisationspädagogik und Erziehungswissenschaften, offen. Viele Studierende treffen im späteren Berufsalltag auf Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund, im Sprachlernprojekt erwerben sie wichtige Kompetenzen für diese Arbeit.

Die Schulen werden durch das Projekt sehr gut in ihrer Arbeit unterstützt, deshalb erhält das Projekt auch eine Förderung durch die Stadt und den Landkreis Hildesheim sowie die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung. Mit einer Unterstützung des Europäischen Sozialfonds hat das Uni-Team seit Januar 2019 das Sprachlernprojekt zusätzlich um eine intensive Unterstützung der Schülerinnen und Schüler im Übergang von der Schule in den Beruf erweitert.

Sommerfest

Am Donnerstag, 5. September 2019, ab 14:00 Uhr lädt das Team des Sprachlernprojekts im Neubau am Hauptcampus zum Sommerfest ein. Wer teilnehmen möchte, wird gebeten sich vorher bitte per E-Mail anzumelden (roeben@uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Sozial- und Organisationspädagogik Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Fachbereich 3 Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Studierendenportal Flüchtlinge
news-17137 Mon, 15 Jul 2019 07:17:03 +0200 Stellungnahme der Abt. Allgemeine Erziehungswissenschaft zu den Vorfällen um die Preisverleihung an die BIPOC-Gruppe https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/stellungnahm/ Seitens der BIPOC-Gruppe der Hochschule sind wir aufgefordert worden, uns zu den Vorfällen rund um die Verleihung des Preises an die Gruppe zu positionieren. Die Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft hat über den offenen Brief der BIPOC-Hochschulgruppe und die Antwort des Präsidenten diskutiert.

Da niemand von uns bei der Preisverleihung dabei war, wollen und können wir zum konkreten Vor- und Hergang rund um die Preisverleihung, zu dem, was genau von wem, in welcher Form und mit welcher Performanz gesagt wurde, nicht Stellung nehmen und nicht der Logik des Pro oder Contra folgen. Wozu wir etwas sagen können und wollen, ist, dass es sich bei der Rede von „alten weissen Männern“ um einen breiteren aktuellen Diskurs handelt, zu dem es entsprechende Publikationen und Bestseller gibt, die sich, durchaus auch in ironischer Form, mit diesem Deutungsmuster befassen. Jeder Verweis auf den Topos ist also bereits Teil eines Diskurses und damit nicht primär als persönlicher Angriff zu lesen. Sophie Passmann, die sich in ihrem aktuellen Bestseller „Alte weisse Männer. Ein Schlichtungsversuch“ (2019) mit „weissen alten Männern“ aus sehr unterschiedlichen Kontexten, vom Bild-Zeitungsredakteur (Kai Diekmann) bis zum Spitzenkoch (Tim Raue), zu Gesprächen getroffen hat, schreibt in ihrem Vorwort. „Diese Reise ist der Versuch einer Annäherung an Männlichkeit im 21. Jahrhundert, die sich zum ersten Mal mit dem Umstand konfrontiert sieht, nicht mehr das Monopol auf die Menschheit auszuüben“ (Passman, S. 10).

Alle, die sich in diesem Diskurs, wie auch immer, positionieren sind zugleich dessen Teil und nehmen keine vordiskursive Stellung in einem Außerhalb ein. Dies gilt auch für die Debatte um Rassismus und Rassismuskritik. Es gibt keine „reine“ und externe Position. „Rassismus bildet“, argumentiert Paul Mecheril. Dass dies kein Argument für eine Nichteinmischung bei rassistischen Praktiken sein darf, ist klar, klar ist aber auch, dass die Auseinandersetzungen mit der eigenen Verwobenheit in rassistische Strukturen komplex sind und uns in unterschiedlichen Kontexten auf personaler, historischer, epistemischer und institutioneller Ebene herausfordern. Handlungsfähigkeit zu bewahren und Unterscheidungen vorzunehmen, ist eine Leitidee des Selbstverständnisses unserer Abteilung. In unseren Studiengängen beziehen wir uns auf diskursrelevante Wissensformen und Forschungen, auf Werkzeugkisten und Analyseinstrumentarien, um sich kontextuell, kritisch, argumentationsgestützt und professionell positionieren zu können. Forschungen in diesem Zusammenhang nicht nur zu rezipieren, sondern auch selbst voranzutreiben, ist uns ein großes Anliegen. Dabei handelt es sich stets um einen unabgeschlossenen Prozess. Dem Dilemma, auch rassismusproduzierende und Geschlechterstereotypen reifizierende Wissensformen zu reproduzieren, ist nicht immer zu entkommen, aber dies kann und muss mindestens identifiziert und reflektiert werden.     

Die Unmöglichkeit einer Position außerhalb ist das Gemeinsame zwischen den beiden wirkmächtigen Diskurssträngen von Rassismus und Geschlecht. Zudem handelt es sich bei der Frage nach mit Geschlecht argumentierenden Auf- und Abwertungsformen und solchen gegenüber People of Color um Ordnungsmuster, Zuschreibungen und Erfahrungen, die sich über Generationen ziehen und den Subjekten tief eingeschrieben sind, ohne dass sie sich dessen immer bewusst sein müssen. Wir sind immer alle schon verstrickt, gleichwohl können und müssen wir Positionen beziehen, aber komplett rassismusfreie Räume gibt es aufgrund der Geschichte nicht.    

Da wir in unserem Studiengang mit dem Schwerpunkt „Diversity Education“ Fragen des Umgangs mit Diversität, Geschlecht, Rassismus und Antifeminismus zum Gegenstand haben, ist es uns wichtig, uns in dieser Form zur Debatte an unserer Universität zu äußern. Da das, was uns hier an der Universität verbindet und verbinden sollte, die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Positionen, Argumenten, Studien und Debatten und mit entsprechenden Veröffentlichungen ist, schlagen wir eine hochschulöffentliche Veranstaltung vor, die in Kooperation mit dem ZBI (Zentrum für Bildungsintegration) stattfindet. Zu dieser könnten wir etwa Sophie Passmann als Autorin des Buches über „Alte weisse Männer“ (2019), Reni Eddo-Lodge als Autorin des Buches „Warum ich nicht länger mit Weissen über Hautfarbe spreche“ (dt. 2019), Paul Mecheril als Ko-Autor des Buches „Rassismus bildet“ (Broden/Mecheril 2010) und Rolf Pohl als Verfasser der Studie „Feindbild Frau“ (2019) einladen, um gemeinsam zu diskutieren. Schließlich ist auch das „Feindbild Frau“ tief in die Kultur und symbolische Ordnung eingeschrieben, dieses war lange so etwas wie eine kulturelle Selbstverständlichkeit.

Mit der vorgeschlagenen Form der auf Expertise basierenden Auseinandersetzungen würden wir der Hochschule als Ort wissenschaftlicher und informierter Diskussionen und unserem Studiengang mit dem Schwerpunkt „Diversity Education“ gerecht werden wollen.  

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Allg. Erziehungswissenschaft
news-16849 Mon, 27 May 2019 15:31:39 +0200 Hochschulforschung – Hohe Relevanz für die Hochschulpraxis https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/hochschulforschung-hohe-relevanz-fuer-die-hochschulpraxis/ Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“ arbeiten an Forschungsprojekten, die eine hohe gesellschafts- wie hochschulpolitische Relevanz aufweisen. Um sich gemeinsam mit weiteren Vertreterinnen und Vertretern aus der Hochschulforschung sowie aus dem Hochschulmanagement bundesweit auszutauschen, trafen sie sich im Rahmen der „3. Hildesheimer Dialoge“ an der Universität Hildesheim. Ein Gastbeitrag des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“

Zu den aktuellen Themen an Hochschulen zählen zum Beispiel, wie die Betreuung von Promovierenden stetig verbessert werden kann, wie die Hochschulen angesichts der gestiegenen Studierendenzahlen und nach wie vor hohen Abbruchquoten eine qualitativ gute und ansprechende Lehre leisten können, aber auch, wie sukzessive der Anteil an Professorinnen und Frauen in den Spitzen- und Leitungspositionen im Hochschul- und Wissenschaftsbetrieb erhöht werden kann, und welche Maßnahmen und Strategien Hochschulen ergreifen, um ihre Beschäftigten sowie die Studierenden vor sexualisierter Gewalt und Belästigung zu schützen.

Grund genug für das Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ einige empirische Forschungsprojekte zu den oben genannten aktuellen Themen beim 3. Hildesheimer Dialog vorzustellen und Inhalte, Methoden, Vorgehensweisen, Ergebnisse und die Praxisrelevanz mit den Gästen intensiv zu diskutieren.

Empirische Forschungsprojekte, Methoden, Inhalte und Vorgehensweisen wurden auf der Tagung vorgestellt

Die meisten – mit einer Ausnahme – dort vorgestellten Projekte stehen am Beginn ihrer Forschungsphase. Moderiert wurde die Veranstaltung von Andrea Bührmann. Sie ist Professorin für Soziologie und Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Chancengleichheit an der Universität Göttingen und war mit großem Interesse nach Hildesheim gereist, um sich einen Einblick in aktuelle Forschungsthemen rund um die Hochschule zu verschaffen.

Den Auftakt der Diskussionsrunde machte Prof. Dr. Tanja Paulitz von der TU Darmstadt. Sie gab einen spannenden Einblick in ein in Deutschland wenig untersuchtes Forschungsfeld: In dem BMBF-Projekt „Jenseits der Gläsernen Decke“ untersucht sie gemeinsam mit Leonie Wagner, Professorin an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) und einem Team, welche Marginalisierungserfahrungen Professorinnen an Universitäten wie Fachhochschulen machen. Im Kern ihres Projektes geht es darum, die sehr feinen und zum Teil wenig bewussten Mechanismen des Unsichtbarmachens, des Übersehens und Wegdrängens von Spitzenfrauen im Hochschul- und Wissenschaftsbetrieb aufzuzeigen und daraus Gegenstrategien für eine Sensibilisierung und für inklusive Anerkennungspraktiken zu entwickeln.

Noch in der ersten Phase der Förderung ist das Forschungsprojekt „Thematisierung von sexualisierter Gewalt an Hochschulen in der Lehre und der Organisation“, das Prof. Dr. Meike Sophia Baader, vom Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim, zusammen mit Dr. Christin Sager, ebenfalls vom Institut für Erziehungswissenschaft, leitet: „Unser Projekt geht der Frage nach, wie Hochschulen als Organisation mit dem Thema „sexualisierte Gewalt“ umgehen, welche Richtlinien und Beratungsangebote institutionalisiert und welche Formen von Best Practice identifiziert werden können“, erklärte Meike Baader, Professorin für Erziehungswissenschaft und Vize-Präsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Universität Hildesheim.

„Zudem fragen wir danach, ob das Thema in pädagogischen Studiengängen in der Lehre angekommen und verankert ist, gibt es doch seit 2010 eine erhöhte Aufmerksamkeit für sexualisierte Gewalt in pädagogischen Kontexten, so dass ein professioneller Umgang damit Teil der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften sein sollte. Zusammen mit Akteuren und Akteurinnen aus der Region werden wir Handlungsempfehlungen erarbeiten“. Ihr Projekt wird bis Ende 2021 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert, ebenso wie das Forschungsprojekt „Bewertungspraktiken in Lehr-/Lernsettings der Promotionsbetreuung“ von Dr. Daniela Böhringer und Prof. Kai-Olaf Maiwald, beide von der Universität Osnabrück, und Dr. Svea Korff vom Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim. Das Forschungsteam an den beiden Standorten untersucht unterschiedliche Settings der Betreuung, in denen die Promotion sowohl als Arbeits- und Lernprozess wie auch als materiales schriftliches Objekt Thema ist. Diese Perspektive erhellt die Frage, wie in der Wissenschaft dem Nachwuchs Leistung interaktiv zugeschrieben wird. Dazu werden Videoaufnahmen gemacht und konversationsanalytisch ausgewertet.

Die Promotionsphase und der anschließende Übergang in den akademischen und außerakademischen Arbeitsmarkt stehen im Mittelpunkt eines weiteren Forschungsprojektes, dessen Eckpunkte ebenfalls bei den Hildesheimer Dialogen vorgestellt wurden: Dr. Kolja Briedis vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) gab einen Überblick über die großangelegte Studie „NACAPS – National Academics Panel Study“. Im Rahmen dieser Längsschnittstudie, die er mit seinem Team durchführt, werden regelmäßig Promovierende und Promotivierte in Deutschland zu den Bedingungen des Promovierens, ihren Karriereabsichten, Karriereverläufen und allgemeinen Lebensbedingungen gefragt. Auch die Universität Hildesheim beteiligt sich an dieser Befragung.

Den thematischen Abschluss bildete ein aktuelles Forschungsprojekt, das die akademische Lehre und vor allem die Hochschullehrenden in den wissenschaftlichen Blick nimmt: Wie reagieren Lehrende auf neue Anforderungen, die an eine zeitgemäße Lehre gestellt werden? Gehen Lehrende darauf ein, digitale Medien vermehrt in ihre Lehre zu integrieren? Setzen sie Aspekte einer gender- und diversityorientierten Lehre um? Diesen Fragen geht Dr. Marion Kamphans vom Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ in ihrem von der Universität Hildesheim geförderten Habilitationsprojekt nach, das sie den Anwesenden vorstellte.

Hildesheimer Dialoge initiieren Austausch über Hochschulforschung und Hochschulentwicklung

Bereits zum dritten Mal veranstaltete das Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ der Institute für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft und für Sozial- und Organisationspädagogik (Prof. Dr. Meike Baader; Prof. Dr. Wolfgang Schröer; Dr. Svea Korff; Dr. Marion Kamphans) der Universität Hildesheim die „Hildesheimer Dialoge“. Von besonderem Interesse ist es, einen Austausch mit anderen an Themen der Hochschulforschung und Hochschulentwicklung Interessierten zu initiieren.

Zentrales Ziel ist es, sich auf Landes- und Bundesebene zu vernetzen. Ein dritter Grund für dieses Format ist, die hochschulpolitische wie praktische Relevanz der empirischen Studien und Projekte – die im Forschungscluster bearbeitet werden in ihrer Anschlussfähigkeit für Veränderungsprozesse an Hochschulen, etwa für das Hochschulmanagement oder die akademische Personalentwicklung zu diskutieren.

Kontakt bei Fragen zu den Hildesheimer Dialogen: Dr. Marion Kamphans, Universität Hildesheim, Institut für Erziehungswissenschaft, Abt. Allg. Erziehungswissenschaft (E-Mail: kamphans@uni-hildesheim.de)

Kontakt bei Fragen zum Forschungscluster „Hochschule und Bildung“: Dr. Svea Korff, Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik (E-Mail: korffs@uni-hildesheim.de)

Auf dem Gruppenfoto von links nach rechts:

Prof. Dr. Andrea Bührmann, Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Chancengleichheit an der Universität Göttingen; Prof. Dr. Meike Sophia Baader, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs an der Universität Hildesheim; Dr. Daniela Böhringer, Universität Osnabrück; Dr. Svea Korff, Forschungscluster „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim; Dr. Mark Bajohrs, Universität Mainz; Carolin Bätge, Universität Hildesheim; Prof. Dr. Kai-Olaf Maiwald, Universität Osnabrück; Dr. Marion Kamphans, Forschungscluster „Hochschule und Bildung“; Dr. Christin Sager, Universität Hildesheim; Dr. Silvia Lange, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hildesheim; Dr. Kolja Briedis, Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Hannover; Prof. Dr. Tanja Paulitz, TU Darmstadt.

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news-16767 Wed, 15 May 2019 10:52:00 +0200 „Das Leben mit geringer Lese- und Schreibkompetenz ist eine erhebliche Einschränkung“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/das-leben-mit-geringer-lese-und-schreibkompetenz-ist-eine-erhebliche-einschraenkung/ Professorin Carola Iller über Konsequenzen aus der LEO-Studie, in der die Lese- und Schreibkompetenzen der Deutsch sprechenden erwachsenen Bevölkerung (18 bis 64 Jahre) untersucht wurden. In der Studie „LEO – Leben mit geringer Literalität“ hat ein Team um Professorin Anke Grotlüschen die Lese- und Schreibkompetenzen der Deutsch sprechenden erwachsenen Bevölkerung (18 bis 64 Jahre) erfasst. Etwa  6,2 Millionen Deutsche haben große Schwierigkeiten, einen zusammenhängenden Text in deutscher Sprache zu lesen und zu schreiben.

Geringe  Literalität  bedeutet,  dass  eine  Person allenfalls bis zur Ebene einfacher Sätze lesen und schreiben kann

Die Erziehungswissenschaftlerin Professorin Carolo Iller von der Universität Hildesheim gehört zum wissenschaftlichen Beirat der LEO-Studie. Sie befasst sich in der Forschung mit der Frage, wie Erwachsene mit geringen Lese- und Schreibkompetenzen besser unterstützt und beraten werden können.

„Inklusive Bildung hat den Anspruch, allen Menschen – mit und ohne Einschränkungen – die Teilhabe an Bildung zu ermöglichen und das Leben mit geringer Lese- und Schreibkompetenz ist eine erhebliche Einschränkung. Vor allem ist damit auch der Zugang zu qualifizierter Arbeit, die Teilhabe am politischen Leben und eine eigenständiger Lebensweise eingeschränkt. Selbst zum Ausfüllen von Formularen und Anträgen, zum Unterschreiben von Kaufverträgen und zur Auswahl des richtigen Handy-Tarifs wird Hilfe benötigt“, so Carola Iller.

Die Hildesheimer Professorin für Weiterbildung hat sich auf Erwachsenenbildung spezialisiert. „Ich beschäftige mich mit den didaktischen Konzepten und den Möglichkeiten einer zielgruppengerechten Ansprache der Erwachsenen – zum Beispiel durch Beratung oder die Einbindung von Familienangehörigen.“

Eine Möglichkeit, sprachliche Barrieren abzubauen, sei zum Beispiel die Leichte Sprache. Die LEO-Studie hat gezeigt, dass etwa 30 % der Erwachsenen mit geringer Lesekompetenz den Schriftverkehr im Haushalt an andere delegieren und seltener ihren Kindern vorlesen als der Bevölkerungsdurchschnitt. Wichtig seien vor allem verständliche Informationen zu Gesundheit, Familienleistungen, aber auch zur Teilhabe an Politik und Arbeit, sagt Carola Iller. Eine geringe Lesekompetenz könne von den Erwachsenen an ihre Kinder „sozial vererbt“ werden, wenn nicht Maßnahmen ergriffen werden, sagt Iller. Denn das Vorlesen im Kindesalter hat wiederum Einfluss auf das Lesen und Schreiben sowie den Schulerfolg der Kinder.

Menschen mit geringer Literalität benötigen Unterstützung im Alltag – zum Beispiel beim Ausfüllen von Fomularen oder beim Lesen eines Busfahrplans

Die Professorin schlägt vor, geringe Literalität bei Erwachsenen zu enttabuisieren und in der Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass Menschen mit geringer Literalität Unterstützung benötigen – zum Beispiel beim Ausfüllen von Fomularen oder beim Lesen eines Busfahrplans. Geringe  Literalität  bedeutet,  dass  eine  Person allenfalls bis zur Ebene einfacher Sätze lesen und schreiben kann.

„Die Lernberatung zum Erwerb von Lese- und Schreibkompetenz sollte ausgebaut werden und stärker mit anderen Beratungsangeboten wie Gesundheitsberatung, Erziehungsberatung und Schuldnerberatung verknüpft werden. Es braucht außerdem eine bessere vertikale Vernetzung zwischen den Bildungsbereichen: Wir gehen davon aus, dass Kindergarten, Schule und Hochschule jeweils zu abgeschlossenen Kompetenzen führen, das ist aber im richtigen Leben nicht so. Und deshalb brauchen wir immer wieder Gelegenheiten, das Gelernte aufzufrischen oder etwas nachzuholen, was vorher vielleicht nicht vermittelt wurde oder nicht gelernt werden konnte“, sagt Carola Iller.

Interviews mit Erwachsenen mit geringen Lese- und  Schreibkompetenzen 

Die Professorin hat Erwachsene mit geringen Lese- und  Schreibkompetenzen interviewt, die zum Beispiel während der Grundschulzeit aufgrund einer Erkrankung nicht regelmäßig am Unterricht teilgenommen haben und dann nie richtig Lesen und Schreiben gelernt haben. „Sie haben sich ihr weiteres Schulleben durchgehangelt und versucht, nicht aufzufallen und danach Gelegenheiten gemieden, in denen ihre geringe Lese- und Schreibkompetenz hätte auffallen können. Wenn es dann im Erwachsenenalter durch eine persönliche Krise oder ein anderen einschneidendes Erlebnis doch noch zu dem Wunsch kommt, von Grund auf Lesen und Schreiben zu lernen, ist das ein großer Aufwand.“

Die Wissenschaftlerin verweist auf ein Vorzeigeprojekt in Israel Dort können Erwachsene am Unterricht in Schulen teilnehmen. „Das hat bei allen Beteiligten – Kindern, Lehrerinnen und Lehrern sowie lernende Erwachsene – eine sehr positive Resonanz erhalten. Solche Projekte brauchen wir hier auch.“

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news-16512 Thu, 11 Apr 2019 08:12:36 +0200 PRAXIS-TAG der Erziehungswissenschaft am 15.05.2019 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/praxis-tag-d/ Das Institut für Erziehungswissenschaft/Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft lädt alle Studierende der Erziehungswissenschaft zum „Praxis-Tag“ am 15.5.2019 ein. Nach einer Diskussionsrunde zu den „Kompetenzerwartungen an eine Fachkraft in pädagogischen Handlungsfeldern“ stellen ehemalige Studierende ihre Abschlussarbeitsthemen vor. Die im Anschluss stattfindende „Börse der Möglichkeiten“ bietet die Gelegenheit, sich mit Vertreter_innen pädagogischer Einrichtungen auszutauschen.

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news-16183 Thu, 07 Mar 2019 20:02:00 +0100 Bundesregierung beruft Professorin Viola Georgi in Fachkommission Integrationsfähigkeit https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/bundesregierung-beruft-professorin-viola-georgi-in-fachkommission-integrationsfaehigkeit/ Die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerin Professorin Viola Georgi wurde vom Bundeskabinett in die „Fachkommission Integrationsfähigkeit“ berufen. Die Kommission erarbeitet Empfehlungen für Bund, Länder, Kommunen und Zivilgesellschaft. Den ersten Bericht legt die Kommission 2020 vor. Professorin Georgi ist in der Forschung zur Bildungsintegration international sehr gut vernetzt und leistet zugleich Basisarbeit in der Kommune, so Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich. Die Bundesregierung hat die Berufung einer Fachkommission zu den Rahmenbedingungen der Integrationsfähigkeit beschlossen. Das Bundesinnenministerium, das Bundesarbeitsministerium sowie die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration haben dem Bundeskabinett die Mitglieder vorgeschlagen.

Zu den Mitgliedern der Fachkommission wurde Professorin Viola Georgi berufen. Die Erziehungswissenschaftlerin ist Expertin für Fragen der Bildung in der Einwanderungsgesellschaft und leitet an der Universität Hildesheim das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“. Georgi befasst sich in der Forschung unter anderem mit Heterogenität in der Schule, Bildungsmedien, historisch-politischer Bildung in der Migrationsgesellschaft und Demokratiepädagogik.

Den ersten Bericht mit Empfehlungen legt die Kommission 2020 dem Deutschen Bundestag vor

Professorin Viola Georgi wird einen Bericht mit Empfehlungen mitverfassen, den die Fachkommission 2020 vorstellt. Diesen Bericht legt die Bundesregierung dann dem Deutschen Bundestag vor. Die konstituierende Sitzung der Fachkommisssion war am 20. Februar 2019 in Berlin. Die Fachkommission soll die Standards für gelingende Integration erarbeiten. Dazu gehören Strukturen, wie die ausreichende Versorgung mit Kitas, Schulen und Wohnraum und der Zugang zum Arbeitsmarkt. Es geht aber auch um politische Bildung, um Werte, Respekt und Regeln, die ein friedliches Miteinander bestimmen, so die Staatsministerin Annette Widmann-Mauz anlässlich der ersten Sitzung in Berlin.

„Ich freue mich sehr auf die interdisziplinäre Kommissionsarbeit. Ich bin vor allem gespannt, auf die Entwicklung von innovativen Empfehlungen für das Handlungsfeld Bildungsintegration“, sagt Professorin Viola Georgi.

„Die Fachkommission ist zu beglückwünschen, denn mit Professorin Georgi gewinnt sie eine Wissenschaftlerin, die international sehr gut vernetzt ist und zugleich Basisarbeit in der Kommune leistet – eine seltene Kombination“, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich.

Professorin Viola Georgi erarbeitet Empfehlungen für den Bereich Bildungsintegration

Die Kommission wird die wirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen, gesellschaftlichen und demografischen Rahmenbedingungen für Integration beschreiben und erarbeitet Vorschläge für Standards, wie diese verbessert werden können. Die Kommission befasst sich sowohl mit der Neu-Zuwanderung – etwa von Geflüchteten und EU-Bürgerinnen und EU-Bürgern – als auch mit den bereits länger in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund.

Die Empfehlungen können sich an die Bundesressorts, aber auch an Länder, Kommunen sowie die Zivilgesellschaft richten.

Der unabhängigen Fachkommission gehören renommierte Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Praxis an. Den Vorsitz übernehmen Derya Çağlar, Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin, und Ashok-Alexander Sridharan, Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn.

Zu den Mitgliedern der Fachkommission der Bundesregierung gehören neben Professorin Viola Georgi unter anderem die Politikwissenschaftlerin Professorin Petra Bendel, die Sprachwissenschaftlerin Professorin Havva Engin und der Rechtswissenschaftler Professor Daniel Thym.

Weitere Informationen

Gemeinsame Pressemitteilung der
Integrationsbeauftragten der Bundesregierung,
des Bundesministeriums des Innern und
des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim

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news-16192 Mon, 18 Feb 2019 12:08:00 +0100 Hildesheimer Forschungserkenntnisse zu frühkindlicher Bildung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/hildesheimer-forschungserkenntnisse-zu-fruehkindlicher-bildung/ Die Wissenschaftlerinnen Professorin Meike Baader und Professorin Claudia Mähler diskutieren bei der Veranstaltung „Forschung made in Niedersachsen“ über frühkindliche Bildung. Das Wissenschaftsministerium möchte mit der Veranstaltungsreihe zeigen, wie Erkenntnisse der Forschung unseren Alltag beeinflussen und wie an niedersächsischen Hochschulen innovative und zukunftsweisende Lösungen für aktuelle Fragestellungen erarbeitet werden. Die Erwartungen der Gesellschaft an die frühkindliche Bildung und die vorschulischen Einrichtungen sind vielfältig: bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, frühzeitiges Fördern der Kompetenzentwicklung und der Chancengleichheit. Ebenso wird die Forschung zur frühkindlichen Bildung an niedersächsischen Hochschulen ausgebaut.

Gleich zwei Hildesheimer Expertinnen stellen Forschungserkenntnisse zu frühkindlicher Bildung bei der Reihe „Forschung made in Niedersachsen“ vor. Die des Veranstaltungsreihe des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur zum Thema „Was brauchen unsere Kinder? Frühkindliche Bildung in der Forschung“ findet am Donnerstag, 21. Februar 2019, in der Universität in Osnabrück statt.

Psychologin Claudia Mähler: Während einige Kinder für den Schulstart sehr gut gerüstet sind, zeigen andere Kinder noch Entwicklungsrückstände

„Eine besondere Herausforderung für die frühkindliche Bildung stellt die große Heterogenität der kognitiven Kompetenzen und der für den gelungenen Schulstart wichtigen Vorläuferfertigkeiten der Kinder da. Während einige Kinder sehr gut gerüstet sind, zeigen andere Kinder noch Entwicklungsrückstände zum Beispiel in Bezug auf die sprachliche Entwicklung, auf die phonologische Bewusstheit oder auch auf mathematische Basisfertigkeiten. Eine frühe Förderung macht also Sinn, um die Chancengleichheit für alle Kinder zu erhöhen. Eine besondere Rolle spielen dabei alle Formen der alltagsintegrierten Förderung, die im Kita-Alltag und wenn möglich in spielerischer Weise zur frühkindlichen Bildung beitragen. Aber auch zusätzliche Interventionsprogramme für einzelne benachteiligte Kinder können von Bedeutung sein", sagt Professorin Claudia Mähler.

Claudia Mähler forscht und lehrt als Professorin für Pädagogische Psychologie an der Universität Hildesheim und hat die Forschungsambulanz „Kind im Mittelpunkt“ aufgebaut. Sie wird Erkenntnisse aus den Forschungsprojekten „Differentielle Entwicklungsverläufe kognitiver Kompetenzen (KOKO)“, „Spielorientierte Förderung schulischer Vorläuferfertigkeiten im Kindergarten (ZIKZAK)“ und „Professionalisierung alltagsintegrierter sprachlicher Bildung bei ein- und mehrsprachig aufwachsenden Kindern – Fühlen Denken Sprechen“ vorstellen, in denen sie sich mit Heterogenität und alltagsintegrierter Förderung befasst.

In der Langzeitstudie „KoKo“ hat ein Forschungsteam um Claudia Mähler sieben Jahre lang erfasst, wie Kinder sich entwickeln – von der Kita über die Grundschulzeit bis in die weiterführende Schule. Die Untersuchung gibt Auskunft über Entwicklungsstadien, Entwicklungstempi und über individuelle Entwicklungsvorsprünge und Entwicklungsrückstände. Forschungsfragen sind unter anderem: In welchem Ausmaß bringen Kinder bei der Einschulung die nötigen Kompetenzen mit, um den Anforderungen der schulischen Bildungsmaßnahmen gewachsen zu sein? Wie entwickeln sich diese Kompetenzen im Vorschulalter? Inwieweit lässt sich die Schulfähigkeit voraussagen? Lassen sich Vorläuferfertigkeiten schulischer Kompetenzen beeinflussen?

Die Studie zeigt, dass die „schulischen Vorläuferfertigkeiten“ eine wichtige Rolle spielen bei der Vorhersage von Schulleistungen. Dazu gehören zum Beispiel die phonologische Bewusstheit und numerische Kompetenzen wie Mengenverständnis oder Zählfertigkeiten: Kann ein Kind zum Beispiel hören, dass im Wort „Auto“ kein „i“ enthalten ist, erkennt es Laute und Reime, entwickelt es ein Verständnis für Mengen und Zahlen, etwa für „mehr“ oder „weniger“.

Erziehungswissenschaftlerin Meike Baader spricht über den Wandel von Kindheit: Was brauchen Kinder? Was brauchen Familien?

Die Erziehungswissenschaftlerin Professorin Meike Baader wurde vom Ministerium  insbesondere darum gebeten, über den Wandel von Kindheit zu sprechen und wie sich dieser beschreiben lässt. Sie wird auch die Frage beantworten: Was brauchen Familien?

„Kinder gehen heute immer früher in Einrichtungen der Kinderbetreuung, sie tun dies immer länger und immer mehr Kinder besuchen frühpädagogische Einrichtungen. Kinder gehen heute unter Umständen länger in die KiTa als in die Grundschule. Was dies für Kinder und ihre Familien heißt, ist Thema meines Beitrages, bei dem es auch um die Frage geht, ob die Beschreibung einer ‚Pädagogisierung der Kindheit‘, wie sie in der Fachliteratur vorgenommen wird, den Wandel angemessen erfasst. Ich bezweifle dies, denn die Veränderungen sind meines Erachtens weitreichender, wenn man auch die Eltern einbezieht, denn schließlich wachsen Kinder heute zunehmend in pluralisierten Familien auf, in denen beide Elternteile erwerbstätig sind. Auch Alleinerziehende sind zumeist erwebstätig. Eltern betrachten KiTas aber nicht nur als Dienstleister, sondern leisten auch selbst  Beiträge zur öffentlichen frühkindlichen Bildung, Erziehung und Betreuung“, so Baader.

In einem vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium finanzierten Forschungsprojekt befasst sich die Professorin aktuell zusammen mit der Wissenschaftlerin Katharina Riechers mit Elterninitiativen in Niedersachsen, die dort 10,5% aller KiTas stellen.

„Eltern sind nicht nur die Adressaten von Appellen zur Verantwortungsübernahme für ihre Kinder, etwa im Rahmen von Erziehungspartnerschaften, sondern leisten selbst Beiträge zum öffentlichen KiTa-System und damit zur Wohlfahrtserbringung. Die Frage der Veranstaltung – was brauchen Kinder – werde ich in meinem Beitrag erweitern und fragen: Was brauchen Familien?“, so Professorin Meike Baader. Zu den Fachgebieten der Hildesheimer Wissenschaftlerin gehören unterem anderem die Kindheits- und Familienforschung, die Forschung zu Übergängen im Bildungssystem und die historische Bildungsforschung.

Bei „Forschung made in Niedersachsen“ geben Expertinnen und Experten aus der Forschung Einblicke in dieses interdisziplinäre Forschungsfeld und diskutieren mit Bürgerinnen und Bürgern. Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler wird die Veranstaltung eröffnen. Die Moderation übernimmt der Bildungs- und Wissenschaftsjournalist Jan-Martin Wiarda.

Forschung mad in Niedersachsen: Es diskutieren am 21. Februar 2019 an der Universität Osnabrück:

  • Professorin Dr. Meike Sophia Baader, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs und Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim 

  • Professor Dr. Jan Erhorn, Professor am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Osnabrück und Vorstandsvorsitzender des Niedersächsischen Institutes für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe)

  • Professorin Dr. Hedwig Gasteiger, Professorin für Didaktik der Mathematik an der Universität Osnabrück und Direktorin des Forschungszentrums CEDER (Center for Early Childhood Development and Education Research) 

  • Professorin Dr. Claudia Mähler, Professorin für Pädagogische Psychologie und Diagnostik am Institut für Psychologie an der Stiftung Universität Hildesheim

Wissenschaftsministerium: Forschung made in Niedersachsen

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news-16093 Mon, 04 Feb 2019 14:06:00 +0100 Allianzen für Demokratie in der Schule: Minister spricht über Demokratiebildung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/allianzen-fuer-demokratie-in-der-schule-minister-spricht-ueber-demokratiebildung/ Der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne spricht an der Universität Hildesheim über Demokratiebildung. Das Zentrum für Bildungsintegration lädt zu der öffentlichen Veranstaltung „Allianzen für Demokratie in der Schule“ ein. „Wer mitwirken möchte an der großen Idee eines Demokratienetzwerkes in und für Niedersachsen, ist herzlich eingeladen“, sagt Professorin Viola Georgi. Erwartet werden über 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Grußwort des Präsidenten der Stiftung Universität Hildesheim
anlässlich der Veranstaltung „Allianzen für Demokratie in der Schule“

Rede des niedersächsischen Kultusministers Grant Hendrik Tonne vom 7. Februar 2019

Schulen und Hochschulen in Niedersachsen sehen sich derzeit verstärkt mit demokratiefeindlicher Rhetorik, rechtspopulistischer Hetze und rassistisch motivierten Übergriffen konfrontiert. Darauf weisen Wissenschaftlerinnen des Zentrums für Bildungsintegration der Universität Hildesheim hin.

Studierende und Lehrende beschäftigt der aktuelle Vorfall an der Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim. Nach einer UNESCO-Fotoaktion „Wir sind mehr!“ war der Schulleiter massiven Anfeindungen ausgesetzt – viele Schulleiter und Schulleiterinnen, Lehrkräfte, Elternvertretungen, Schüler und Schülerinnen bekundeten daraufhin ihre Solidarität.

Ausgehend von diesem Ereignis diskutiert ein Bündnis aus Studierenden, Lehrkräften sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Hildesheim die Möglichkeiten der demokratischen Schulentwicklung und gegenseitigen Unterstützung.

Demokratienetzwerk startet in Hildesheim

Die  Veranstaltung „Allianzen für Demokratie in der Schule – Reflektieren, Diskutieren, Handeln“ ist öffentlich und beginnt am Donnerstag, 7. Februar 2019, um 16.00 im Audimax der Universität Hildesheim.

Die Erziehungswissenschaftlerin Professorin Viola Georgi berichtet über aktuelle Studien zur demokratischen Verfasstheit unserer Gesellschaft und erläutert, wie demokratische Handlungskompetenz in Bildungsinstitutionen gefördert werden kann. Der Hildesheimer Wissenschaftler Michael Wrase, Professor für Öffentliches Recht mit den Schwerpunkten Sozial- und Bildungsrecht, spricht über die Frage, wie politisch Lehrende an Schulen sein dürfen. An einer Podiumsdiskussion nimmt unter anderem Dr. René Mounajed, Schulleiter der Robert-Bosch-Gesamtschule teil.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne spricht über Demokratiebildung in Niedersachsen

Als Gastredner wird um 17:45 Uhr der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne über Demokratiebildung in Niedersachsen sprechen. Anschließend befassen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam in kleinen Arbeitsgruppen mit der Frage, was an Schulen und Hochschulen in Hinblick auf Demokratiebildung und Auseinandersetzung mit der demokratischen Verfasstheit der Gesellschaft fehlt. Die Ideen aus diesen Zukunftswerkstätten werden gesammelt.

„Es ist ein großes Experiment“, sagt Professorin Viola Georgi, Direktorin des Zentrums für Bildungsintegration. „Wir möchten Menschen zusammenbringen, die sich mit der Frage auseinandersetzen, wie man ein starkes Bündnis für Demokratie schmieden kann. Unsere Hoffnung ist, dass wir einen Anstoß für ein Demokratienetzwerk in Niedersachsen geben können und diesen Prozess aktiv begleiten können.“

„Unsere Demokratie wird derzeit vom Rechtspopulismus herausgefordert. Deshalb ist das Demokratielernen in Schule und Hochschule eine Aufgabe von großer gesellschaftlicher Relevanz und Dringlichkeit. Demokratie muss gelebt werden, um gelernt werden zu können. Jeden Tag und überall. Wir wollen mit der Veranstaltung den Anstoß für ein breites Bündnis für Demokratiebildung in Niedersachsen geben. Durch Vernetzung von Hochschule, Schule, Zivilgesellschaft und Politik können wir unsere Demokratie nachhaltiger machen und stärken, damit wir den Demokratiefeinden trotzen können. Jeden Tag und überall“, so Georgi.

Studentin: „Wir möchten eine Allianz für Demokratie schmieden“

„Wir möchten eine Allianz für Demokratie schmieden, es geht darum, dass Menschen reflektieren und eingreifen, wenn extremistische Ansichten und Hetze sich verbreiten“, sagt Lewia Gerlinger. Die Psychologiestudentin ist AStA-Referentin für Politische Bildung. „Ich finde diese Veranstaltung sehr wichtig. Wir hoffen, dass viele Menschen teilnehmen und uns bei dieser Arbeit helfen. Jeder ist im Alltag gefragt, hinzuschauen und hinzuhören und von Diskriminierung betroffenen Personen beizustehen. Wichtig ist, dass man den Mut hat, aufzustehen, wenn etwas in der Demokratie schief läuft“, so Gerlinger.

Die Organisatoren, das Zentrum für Bildungsintegration und der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni, laden alle Interessierten Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Studierende und Lehrende zu der Veranstaltung ein. Die Veranstalter haben in den letzten Wochen mehrere Dutzend Schulen angeschrieben und hoffen, dass auch Schülerinnen und Schüler an dem Netzwerk mitwirken.

„Allianzen für Demokratie in der Schule – Reflektieren, Diskutieren, Handeln“

Wann? Donnerstag, 7. Februar 2019 16:00 bis 19:30 Uhr

Wo? Audimax, Hauptcampus der Universität Hildesheim

Allianzen für Demokratie in der Schule – ausführliche Programmübersicht

Zentrum für Bildungsintegration – Demokratie und Diversität in Migrationsgesellschaften

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news-14555 Wed, 19 Sep 2018 09:02:00 +0200 INKLUSIVE BILDUNGSFORSCHUNG DER FRÜHEN KINDHEIT https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/inklusive-bi/ Veranstaltungsreihe mit öffentlichen Vorträgen und Begleitseminar im Wintersemester 2018/19 Termin: Dienstags, 16 -18 Uhr (c.t.)

Wo? Hauptcampus Universität Hildesheim, im Forum - Raum N006 (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim)

Veranstalter*innen
Stiftung Universität Hildesheim - Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft, Prof. Dr. Peter Cloos

In Kooperation mit
dem Forschungsverbund „Inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit als multidisziplinäre Herausforderung“ und dem Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen.

Der Forschungsverbund „Inklusive Bildungsforschung“ wird im Niedersächsischen Vorab gefördert durch:

              

 

Eine inklusive Bildung, Erziehung und Förderung zeichnet sich dadurch aus, dass sie soziale und persönliche Unterschiede in den Zugehörigkeiten, Lebenslagen und Entwicklungsbedingungen von Kindern wahrnimmt und die sozialen und persönlichen Teilhabebeschränkungen im alltäglichen Zusammenspiel der sozialen und persönlichen Differenzlinien pädagogisch bearbeitet. In der Kindheitspädagogik und der Bildungsforschung wird die Diskussion um das Verhältnis von Inklusion und Früher Kindheit in institutionellen Kontexten zunehmend mehr mit empirischen Erkenntnissen unterfüttert. Grundsätzlich wird davon ausgegangen, dass gerade mit Inklusion eine multidisziplinäre Herausforderung formuliert ist.

 

                > Welche Forschungszugänge entwerfen welche Perspektiven auf inklusive Bildung und Kindheiten?

                > Lässt sich eine gemeinsame Kontur einer inklusiven Bildungsforschung der frühen Kindheit entwickeln?

Mittels öffentlicher Vorträge sollen diese Fragen beantwortet werden. Gastredner_innen sind u.a. der Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Jörn Borke, die Elementarpädagogin Frau Dr. Maria Fürstaller und die Sozialpädagogin Frau Dr. Julia Brunner.

 

11.12.2018 Dr. Julia Brunner
(Hochschule Fulda)
wird noch bekannt gegeben
15.01.2019 Dr. Maria Fürstaller
(FH Campus Wien)
Warum Religion (k)eine Rolle spielt. Einblick in ein Forschungsprojekt zur religiösen und kulturellen Vielfalt in elementarpädagogischen Einrichtungen
22.01.2019 Dr. Bedia Akbaş
(Universität Oldenburg)
Alltägliche Phantasien und Mythen zu ‚Kultur‘ und ‚Sprache‘ – Eine Studie zu Ungleichheitspraktiken im Kontext der Elementarpädagogik
29.01.2019 Prof. Dr. Jörn Borke
(Hochschule Magdeburg-Stendal)
Kultursensitive Frühpädagogik als Teil einer inklusiven Pädagogik in Kindertagesstätten

Besuchen Sie auch unsere Homepage  Forschungsverbund „Inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit als multidisziplinäre Herausforderung“  und Facebook.

 

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Interessierte – auch zu einzelnen Veranstaltungen – sind herzlich willkommen! Studierende, die Interesse an dem gesamten Seminar (0407) haben, melden sich bitte wie gewohnt im LSF an.

Handzettel zum Abruf

 

Information & Kontakt

Stiftung Universität Hildesheim
Institut für Erziehungswissenschaft
Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft

Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

Carolin Bätge, M.A.  
Koordinatorin des Forschungsverbundes
Mail: baetge@uni-hildesheim.de

 

              

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Allg. Erziehungswissenschaft
news-15373 Thu, 06 Sep 2018 09:02:00 +0200 „68“ - Kontinuitäten und Diskontinuitäten einer kulturellen Revolte https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/68-konti/ Ringvorlesung im Wintersemester 2018/19 Termin: Donnerstags, jeweils um 14:00 Uhr

Wo? Hauptcampus Universität Hildesheim, im Gebäude H - Hörsaal 2 (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim)

Veranstalter*innen
Stiftung Universität Hildesheim - Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft, Prof. Dr. Meike Sophia Baader, Dr. Tatjana Freytag, Dr. Christin Sager

In Kooperation mit
der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung und der Kooperationsstelle Hochschulen & Gewerkschaften Region Hannover-Hildesheim

Die Bewegung von "68" hat die Bundesrepublik auf der soziokulturellen, aber auch auf der pädagogischen Ebene nachhaltig verändert, indem patriarchale und hierarchische Gesellschafts- und Familienstrukturen und rigide Moralvorstellungen in Frage gestellt wurden, die zu einem Wandel vor allem auf der privaten Ebene führten, der aber auch pädagogische Institutionen erfasste. Im Fokus stand die Forderung nach mehr Demokratie und Partizipation, nach Emanzipation und einem selbstbestimmten Leben, neuen Geschlechter- und Generationenbeziehungen, mit denen zugleich neue Familien- und Lebensformen einhergingen, nach neuen Werten, aber auch nach der Auseinandersetzung und der Frage nach dem Umgang mit der Vergangenheit.
Die Ringvorlesung setzt hier an und fragt nach den Veränderungen und Wirkungen von "68" auf heutige Diskussionen. Im Fokus der Veranstaltung steht die Frage, wie wirkt "68"
in heutige Diskussionen hinein? Welche Veränderungen von Beziehungs-, Sexual- und Lebensformen konnten sich durchsetzen, welchen Einfluss hatte "68" auf die pädagogische Praxis? Spielt "68" für Studierende 50 Jahre später noch eine Rolle? Knüpft die politische Bildung an Forderungen jener Jahre an bzw. setzt sie sich mit "68" auseinander?

Programm:

01.11.2018
Ingrid Gilcher-Holtey, Universität Bielefeld
"68" als Chiffre und transnationale soziale Bewegung.

08.11.2018
Detlef Siegfried, Universität Kopenhagen
1968 Pop. Ein gespanntes Verhältnis.

15.11.2018
Meike Sophia Baader, Universität Hildesheim
Der Alltag der Geschlechter, die Lebensformen und die Kinderfrage. Von der antiautoritären Kinderladenbewegung zu Elterninitiativen.

22.11.2018
Pia Schmid, Universität Halle-Wittenberg
KiTa 3000. Vom Versuch antiautoritärer Erziehung auf kommunaler Ebene.

29.11.2018
Kristina Schulz, Universität Bern
Die Neue Frauenbewegung um "68" in internationaler Perspektive.

6.12.2018
Rolf Pohl, Universität Hannover
Männlichkeit und "68". Sexuelle Emanzipation im Dienst eines modernisierten Patriarchats.

13.12.2018
Pascal Eitler, Max Planck Institut für Bildungsforschung Berlin
"Sexuelle Revolution"? Körperpolitik um und nach 1968.
&
Katrin Wille, Universität Hildesheim
Weibliche Sexualität. Werkstattbericht aus dem Projektsemester Kulturwissenschaften.

10.01.2019
Silja Behre, Universität Tel Aviv
50 Jahre Deutungskämpfe um '1968' - Thesen und Tendenzen.

17.01.2019
Anne Rohstock, Universität Tübingen
68, die Universität und die Hochschul- und Bildungsreformen.

24.01.2019
Volker Weiß, Hamburg
Von der antiautoritären Bewegung zu autoritären Orientierungen?

31.01.2019
Alex Demirowić, Universität Frankfurt
Revolution oder Neukonstitution der Demokratie. Die Linke nach dem Faschismus.

7.2.2019
Ulrika Engler, Pascal Kubat (Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung Hannover)/Stefan Krankenhagen, Meike Baader (Universität Hildesheim)
68 und wie weiter? Welche Bedeutung hat "68" für die politische Bildung?

 

Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich. Interessierte - auch zu einzelnen Veranstaltungen - sind herzlich willkommen! Studierende, die Leistungspunkte erwerben möchten, melden sich wie gewohnt im LSF an. Informationen zum Leistungsnachweis werden in der Sitzung am 25.10.2018 gegeben.

 

Flyer zum Abruf

 

Information & Kontakt

Stiftung Universität Hildesheim
Institut für Erziehungswissenschaft
Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft

Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

Christine Krummacker
Tel. 05121-883-10100, Fax 05121-883-10101

krummacker@uni-hildesheim.de

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Allg. Erziehungswissenschaft
news-13047 Wed, 22 Feb 2017 10:45:00 +0100 Bildungsforschung: Inklusion in der frühen Kindheit https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/bildungsforschung-inklusion-in-der-fruehen-kindheit/ Land Niedersachsen fördert Forschungsverbund an der Universität Hildesheim: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bauen die Grundlagenforschung zur frühkindlichen Bildung aus. Sie dokumentieren in empirischen Studien das Geschehen in Kitas und den Übergang in die Grundschule. Erkenntnisse sollen schnell in die Praxis gelangen. Bereits 2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet und sich damit verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem umzusetzen. Seitdem verändert sich das gesamte Bildungssystem und die Kinder- und Jugendhilfe, einschließlich der Kindertagesstätten. Pädagoginnen und Pädagogen lernen, konstruktiv mit den unterschiedlichen sozialen, sozio-kulturellen, körperlichen und biografischen Voraussetzungen von Kindern und Jugendlichen umzugehen und die Teilhabechancen für alle zu verbessern. Wie das aber im Alltag passiert, etwa in Kindertagesstätten, wird bisher kaum untersucht. Hier setzt der Hildesheimer Forschungsverbund an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tauchen ein in den Alltag und dokumentieren in empirischen Studien das Geschehen in Kitas und den Übergang in die Grundschule.

„Wir vertiefen die Bildungs- und Teilhabeforschung in der frühen Kindheit“, sagt Peter Cloos, Professor für Pädagogik der frühen Kindheit an der Universität Hildesheim und Sprecher des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen. Gerade im Bereich der Bildung und der sozialen Teilhabe der bis sechsjährigen Kinder gibt es noch erhebliche Forschungslücken in Bezug auf die Inklusion. „Im gesamten Bildungssystem und in der Kinder- und Jugendhilfe geschehen aktuell große Umwälzungen. Inklusion ist eine breit diskutierte Herausforderung. Wir wollen dazu beitragen, das noch geringe empirische Wissen auszubauen und die unterschiedlichen Forschungstraditionen zu verbinden“, so Cloos.

Das Land Niedersachsen fördert am Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen der Universität Hildesheim den Forschungsverbund „Inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit als multidisziplinäre Herausforderung" bis 2020 mit insgesamt 1,3 Millionen Euro. Neben Hildesheim werden Verbundprojekte in Göttingen und Hannover aus dem „Niedersächsischen Vorab“ gefördert.

Der Hildesheimer Forschungsverbund bearbeitet sechs Forschungsprojekte. Beteiligt sind insgesamt acht Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Erziehungswissenschaft, Entwicklungspsychologie, dem Fremdsprachenerwerb und der Mathematikdidaktik, der Neurodidaktik sowie Sozial- und Organisationspädagogik. „Ich freue mich auf die weitere Vertiefung unserer Zusammenarbeit im Kompetenzzentrum, wir wollen gemeinsam neue Perspektiven für eine inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit entwickeln", sagt Professor Cloos.

Neue Erkenntnisse sollen schnell in die Praxis gelangen – in die Wissenschaft, die Politik, die Kinder- und Jugendhilfe und in die Bildungseinrichtungen. Der Forschungsverbund arbeitet eng mit Partnern aus der Praxis zusammen und entwickelt gemeinsam mit den Praxispartnern Konzepte für den Transfer, unter anderem mit Kindertagesstätten und Grundschulen, der Landesarbeitsgemeinschaft Elterninitiativen Niedersachsen/Bremen e.V. (lagE), dem Kinder- und Jugendbereich der Diakonie Himmelsthür, dem Verein für Frühe Mehrsprachigkeit an Kitas und Schulen (FMKS). Geplant sind ebenso Kooperationen mit Jugendämtern, Fachschulen und Einrichtungen der Fort- und Weiterbildung. In allen Forschungsprojekten werden konkrete Transfermaßnahmen für die pädagogische Praxis entwickelt und umgesetzt. Die Forschungsprojekte laufen bis 2020. Ergebnisse werden auf Tagungen vorgestellt.

Im Forschungsverbund unterstützt die Universität Hildesheim zehn Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in der Phase  während und nach der Promotion. Sie promovieren in den Projekten, werden vom Uni-Methodenbüro in der Wahl der Forschungsmethoden unterstützt und können sich mit laufenden Vorhaben aus den Graduiertenkollegs „Multiprofessionalität in der Bildungsinfrastruktur und in Sozialen Diensten“, „Gender und Bildung“ und den Promotionskollegs „Bildungsintegration“ und „Unterrichtsforschung" vernetzen. Die im Verbund beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können auch im Promotionsstudiengang Sozial- und Organisationspädagogik, dem bundesweit ersten akkreditierten Studiengang dieser Art, promovieren.

Wer Interesse an dem Forschungsverbund hat, kann sich an Prof. Dr. Peter Cloos wenden (E-Mail cloosp@uni-hildesheim.de).

Folgende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim leiten die sechs Forschungsprojekte:

  • Prof. Dr. Meike S. Baader (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
  • Prof. Dr. Peter Cloos (Pädagogik der frühen Kindheit) (Sprecher)
  • Dr. Florian Eßer (Sozialpädagogik)
  • Prof. Dr. Kristian Folta-Schoofs (Neurodidaktik)
  • Prof. Dr. Kristin Kersten (Didaktik des Englischen und Spracherwerb)
  • Prof. Dr. Claudia Mähler (Pädagogische Psychologie und Diagnostik)
  • Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme (Mathematik und ihre Didaktik)
  • Prof. Dr. Wolfgang Schröer (Sozialpädagogik)

 

Die sechs Forschungsprojekte im Überblick:

Wie Kinder sich entwickeln – Kognitive Entwicklung und Förderung in inklusiven Settings

Studie „Frühe Inklusion beim Schriftspracherwerb“ (FRISCH)

Schon lange vor der Einschulung bringen Kinder ganz unterschiedliche Voraussetzungen für die Schriftsprache mit. Ein Team aus der Pädagogischen Psychologie und Diagnostik um Professorin Claudia Mähler untersucht, wie Kindern der Einstieg in den Schriftspracherwerb gelingt. Welche Kinder profitieren in welcher Weise von einer Förderung zu welchem Zeitpunkt?

Claudia Mähler arbeitet mit Kitas und Grundschulen in der Region Hildesheim zusammen. Die Interventionsstudie beginnt im letzten Kindergartenjahr und begleitet 160 Kinder beim Übergang in die Grundschule und in den ersten beiden Schuljahren. Zunächst werden verschiedene Vorläuferkompetenzen erfasst, die für das Erlernen der Schriftsprache wichtig sind, etwa die Leistung des Arbeitsgedächtnisses, der Sprachentwicklungsstand und vor allem die „phonologische Bewusstheit“. Die Wissenschaftlerinnen untersuchen, wie sich ein Training der phonologischen Bewusstheit im letzten Kindergartenjahr und wie sich eine Umstellung des Eingangsunterrichts im Fach Deutsch auf das Erlernen der Schriftsprache auswirken.

„Ich freue mich, das Thema Inklusion nun auch in die frühe Bildung hineinzutragen und den Übergang vom Vorschulalter in die Schule begleiten zu können“, sagt Claudia Mähler. Die Professorin befasst sich in der Forschung seit vielen Jahren mit der Frage, welche frühkindlichen kognitiven Fähigkeiten es genau sind, die am Ende einen Einfluss darauf haben, ob ein Kind in der Schule gut zurechtkommt und erfolgreich ist. Bisherige Hildesheimer Langzeitstudien zeigen, dass die Unterschiede, die zwischen den Kindern in diesen Kompetenzen bestehen, bereits im Alter von vier Jahren sehr groß sind.

Studie „Soziales Training von Raumwahrnehmung und Raumkognition (zur vorschulischen Förderung des mathematischen Grundverständnisses)“ (STARK)

Wie kann das mathematische Grundverständnis in der frühen Kindheit gefördert werden? Professor Kristian Folta-Schoofs und Professorin Barbara Schmidt-Thieme untersuchen, in welcher Weise Kinder im letzten Kindergartenjahr von einem Training der Raumwahrnehmung profitieren können.

„Die vorschulische mathematische Förderung beinhaltet immer noch bevorzugt das Lernen von arabischen Zahlen und rechnerischem Faktenwissen. Wir wollen alternative Zugänge zur Förderung des mathematischen Grundverständnisses in den Blick nehmen, die weniger an Sprache und stärker auf die unmittelbare Lebens- und Erfahrungswelt der Kinder bezogen sind“, sagt Professor Kristian Folta-Schoofs. „Dazu gehört auch die Berücksichtigung der körperlich-sinnlichen Erfassung von Raummerkmalen – auch im Verhältnis zum eigenen Körper – sowie von handlungs- und bewegungsorientierten Lernmöglichkeiten, die im Rahmen der vorschulischen Vorbereitung auf den Mathematikunterricht bislang noch wenig berücksichtigt werden und noch unzureichend wissenschaftlich untersucht sind.“

Barbara Schmidt-Thieme verfügt über Expertise auf dem Gebiet der mathematischen Frühförderung, vor allem zur Didaktik der Geometrie. Kristian Folta-Schoofs forscht im Neurolabor der Universität Hildesheim im Bereich der neuronalen Grundlagen von Wahrnehmungs-, Aufmerksamkeits- und Zeitverarbeitungsprozessen und zu den Ansätzen einer barrierefreien Gestaltung von Lernumgebungen.

Studie „Fremdsprachenlernen in inklusiven Kontexten: Sprachliche und kognitive Entwicklung in zweisprachigen Einrichtungen“ (FLINK)

Wie die sprachliche Entwicklung in ein- und zweisprachigen Kindertagesstätten und im Übergang in die Grundschule verläuft, untersucht Professorin Kristin Kersten in Kooperation mit Professor Werner Greve vom Institut für Psychologie. In der Studie erfassen die Wissenschaftler bis 2019, wie sich Kinder sprachlich und kognitiv entwickeln.

Dabei vergleichen sie die Entwicklungsverläufe von Kindern in einsprachigen und zweisprachigen Kitas und Grundschulen. In den bilingualen Kitas verwenden muttersprachliche Erzieherinnen und Erzieher im gesamten Tagesablauf Englisch im Umgang mit den Kindern, in bilingualen Schulen unterrichten Lehrerinnen und Lehrer zum Beispiel Mathe, Sport, Musik oder Sachkunde auf Englisch. Bislang wenig untersucht ist die Frage, inwieweit die sprachliche Entwicklung mit dem Selbstkonzept von Kindern zusammenhängt. Auch hierzu soll die Studie Erkenntnisse liefern. Durch teilnehmende Beobachtung werden außerdem die Strategien aller pädagogischen Fachkräfte und Lehrkräfte dokumentiert: Wie begleiten sie die Lernprozesse? Wie gestalten sie den sprachlichen Input für inklusiv ausgerichtete Lernergruppen?

„Forschungsergebnisse aus früheren Studien weisen darauf hin, dass die Intensität, Dauer des Kontakts sowie das handlungsbegleitende Erlernen der Fremdsprache an Objekten, Bildern und der Umwelt entscheidend sind. Wir wissen außerdem, dass intensives bilinguales Lernen zu kognitiven Vorteilen führen kann. Ob die Fremdsprache mehrere Stunden pro Tag oder nur zwei Stunden pro Woche angeboten wird und wie sie von der Lehrkraft umgesetzt wird – das macht für die Entwicklung der Kinder viel aus. Dazu kommt, dass jedes Kind individuelle Voraussetzungen zum Lernen mitbringt, die sich nicht nur in den kognitiven und sprachlichen Fähigkeiten, sondern auch im sozialen Umfeld unterscheiden. Und schließlich ist jedes Schulprogramm ein komplexes Gefüge, in dem auch jede Lehrkraft ihre eigenen Kenntnisse, Einstellungen und Motivation mitbringt“, so Kersten. Die Sprachwissenschaftlerin hat zuvor ein EU-Projekt geleitet und in niedersächsischen Grundschulen den bilingualen Unterricht analysiert.

Der Alltag in Kitas – „Doing inclusion“ – Inklusion als alltägliche Herstellungsleistung

Studie „Inklusive Elterninitiativen“ (IKE)

10 Prozent aller 4500 Kindertageseinrichtungen in Niedersachsen sind Elterninitiativen. Elterninitiativen sind bislang kaum erforscht, dabei sind sie heute ein fester Bestandteil in der Kita-Landschaft. Eltern bauen somit einen Teil der Strukturen auf, die Bildungsteilhabe befördern oder verhindern können.

Einen Gesamtüberblick, welche Inklusionskonzepte Elterninitiativen im Bundesland Niedersachsen verfolgen, soll die Studie von Professorin Meike Baader liefern. Wer sind die Akteure und Akteurinnen, welches sind ihre Motive, Erfahrungen, Ressourcen aber auch Hindernisse? Wie gehen Eltern und Professionelle in diesen Einrichtungen mit Inklusion um? Die Erziehungswissenschaftlerin führt in den kommenden Monaten Interviews mit 45 Einrichtungsleitungen und analysiert, wie private Elterninitiativen in Niedersachsen handeln. Während sie in den 1970er Jahren anfänglich als Alternative für fehlende Plätze gegründet wurden, hat sich schon in den siebziger Jahren gezeigt, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und Migrationserfahrungen aufgrund des Betreuungsschlüssels besonders gut versorgt wurden, wie eine DFG-geförderte Studie von Meike Baader zeigt.

Studie „Multiprofessionelle Teams in inklusiven Settings“ (MUPRO)

Zusammen statt allein: Professor Peter Cloos nimmt die Arbeit von multiprofessionell zusammengesetzten Teams in Kindertageseinrichtungen unter die Lupe. Der Erziehungswissenschaftler analysiert in 10 Einrichtungen 20 Teamgespräche.

„Wir tauchen ein in den Alltag“, sagt Cloos. Bisher wurde kaum empirisch untersucht, wie unterschiedliche Berufsgruppen in Organisationen wie Kitas zusammenarbeiten. Wie verständigen sie sich in Teamgesprächen über Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche? Teilen sie Aufgaben auf und grenzen sich voneinander ab („Das ist nicht mein Gebiet!“) oder entstehen Räume, um gemeinsam unter Einbeziehung vieler Perspektiven die individuelle Entwicklung von Kindern zu erfassen? Die Forschungsergebnisse sollen in die Beratung von multiprofessionellen Teams fließen.

Studie „Kinder als Inklusionsakteure“ (INKA)

Nicht nur Eltern und pädagogische Fachkräfte, auch Kinder leisten einen Beitrag zu Inklusion: wie sie anderen Kindern begegnen, wie sie selbst handeln. Bisher liegen kaum Studien vor, die Kinder als Handelnde in „inklusiven Settings“ betrachten oder Kinder in den Forschungsprozess einbeziehen. Florian Eßer, Miriam Sitter und Professor Wolfgang Schröer bauen derzeit eine Forschungsgruppe mit acht Kindern auf. Sie stimmen Forschungsfragen, die Erhebung und Präsentation von wissenschaftlichen Erkenntnissen mit den Kindern ab: Wie erleben Kinder Zugehörigkeit und Ausgrenzung, wie nehmen sie den Alltag in Kitas wahr?

Vorurteile, dass man mit Kindern keine partizipative Forschung durchführen kann, gelten mittlerweile als widerlegt. Sie bringen junge Perspektiven in die Forschung ein, die sonst aus dem Blick geraten. Die Kinder ersetzen dabei nicht die Forscher, vielmehr eröffnen sie neue Sichtweisen.

„Differenzdilemma“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diskutieren im Forschungsverbund außerdem, inwieweit Wissenschaft selbst Differenzen erzeugt. Die Wissenschaft spricht von „Differenzdilemma“: Jede Thematisierung von Differenz behebt diese nicht nur, sondern kann Differenz durch ihre Betonung erst hervorheben oder verstärken.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik Psychologie KIM - Kind im Mittelpunkt Fachbereich 3 Englische Sprache Fachbereich 4 Mathematik & Angewandte Informatik Startseite Forschung
news-12991 Fri, 27 Jan 2017 10:40:00 +0100 Das Erinnern wachhalten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/das-erinnern-wachhalten/ Aus der Forschung: Die junge Wissenschaftlerin Wiebke Hiemesch recherchiert und schreibt, damit Lebens- und Leidensgeschichten nicht vergessen werden. Sie dokumentiert in ihrer Forschung die Kindheit in nationalsozialistischen Zwangslagern und wie Kinder diese Zeit überlebt haben. Die Erziehungswissenschaftlerin Wiebke Hiemesch hat in ihrer Doktorarbeit untersucht, wie Kinder den lebensbedrohlichen Alltag im Konzentrationslager Ravensbrück überlebt haben. Die junge Wissenschaftlerin forscht in einer Arbeitsgruppe von Professorin Meike Baader an der Universität Hildesheim. Meike Baader und Dr. Tatjana Freytag sind Herausgeberinnen des Buches „Erinnerungskulturen: eine pädagogische und bildungspolitische Herausforderung”. In dem Buch geht es auch darum, wie Gedenken mit zunehmendem Abstand zum historischen Ereignis möglich ist.

„Die Gedenkstättenarbeit sieht sich zunehmend mit der Frage konfrontiert, wie Erinnerung praktiziert werden kann, wenn kaum noch Zeitzeugen leben. Schließlich basierte auch die pädagogische Arbeit über viele Jahrzehnte stark auf den Berichten von Überlebenden. Diese bezeugten durch ihre Anwesenheit und ihre Erzählungen die Geschehnisse“, sagt Professorin Meike Baader. „In Zukunft wird die Gedenkstättenarbeit viel stärker auf Archive und aufgezeichnete Dokumentationen zurückgreifen.“ Aber es gebe auch ganz andere Formen des Gedenkens, so habe beispielsweise die Universität Frankfurt sich entschieden, den 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus auch an der Universität  zu einem Erinnerungstag zu machen. An verschiedenen Instituten stehen eine Woche lang der Nationalsozialismus und seine Vernichtungspolitik im Zentrum von Veranstaltungen, Vorträgen, Filmen, Lesungen und Führungen. Im Rahmen der Erziehungswissenschaft gibt es zum Beispiel einen Vortrag zu  „Herrenmenschentum, Rassismus und Judenfeindschaft“ bei Lehrkräften. „Vielleicht ließe sich auch für Hildesheim über ein vergleichbares Format nachdenken“, sagt Baader. „In diesem Rahmen könnten auch studentische Arbeiten zum Thema präsentiert werden. Schließlich haben auch in dem Sammelband Studierende aus einem Seminar ihre Untersuchungen veröffentlicht, darunter zum Beispiel ein Beitrag über ein Mahnmal in Hannover“.    

Zu den Schwerpunkten des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim zählen neben „Diversity  Education“  und  auch bildungsgeschichtliche Fragen,  darunter  das  Aufwachsen   von   Kindern   und Jugendlichen im 20. und 21. Jahrhundert und damit auch während des   Nationalsozialismus. Baader begleitet zu diesem Thema mehrere Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. So befasst sich etwa Jessica Vehse damit, wie heute bei Führungen durch Gedenkstätten über die verschiedenen Opfergruppen gesprochen wird.

Interview mit Erziehungswissenschaftlerin Wiebke Hiemesch

Im Interview beschreibt Wiebke Hiemesch, wie Kindern eine Welt „Stück für Stück zerstört wurde bis ihnen nicht einmal mehr das Recht auf den eigenen Namen blieb“. „Erwachsene und Kinder kämpften in den nationalsozialistischen Zwangslagern um kleinste Momente von zwischenmenschlicher Zuwendung und Schutz“, sagt Hiemesch. Die Erziehungswissenschaftlerin forscht an der Universität Hildesheim.

Sie haben gerade Ihre Doktorarbeit „Kinder im Konzentrationslager Ravensbrück“ abgeschlossen und sich mit den  Lebenserinnerungen von überlebenden Frauen und Männern befasst. Was untersuchen Sie in der Forschung?

Wiebke Hiemesch: In meiner Doktorarbeit widme ich mich der Gruppe der Kinder im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Ich habe Interviews mit Menschen ausgewertet, die als junger Mensch das Konzentrationslager Ravensbrück überlebt haben. Ich frage, wie die Menschen über die Lagerzeit sprechen und was wir darüber möglicherweise über ihr damaliges Erleben erfahren. Unter den Interviewten ist auch eine Frau, die als Vierzehnjährige im Lager zeichnete – eine große Ausnahme angesichts der Extremsituation des Lagers. Umso bemerkenswerter ist es, dass die Frau überlebte, die Zeichnungen aufbewahrte und der Gedenkstätte schließlich übergab. Auch die Zeichnungen habe ich mir im Rahmen meiner Forschung angeschaut. Sie zeigen Szenen und Personen aus dem Lager, wie beispielsweise eine Frauengruppe bei der körperlich und seelisch zermürbenden Zwangsarbeit. Ebenso finden sich Darstellungen, die Erinnerungen, Träume und Wünsche darstellen, zum Beispiel polnische Traditionen, christliche Motive und tanzende Frauen.

Eine Erkenntnis, zu der Sie in Ihrer Forschung kamen?

Zunächst konnte ich mit meiner Arbeit ein genaueres Bild davon zeichnen, wer die Kinder im Konzentrationslager Ravensbrück waren, warum und mit wem sie dort hingebracht wurden und unter welchen unmenschlichen Bedingungen sie lebten. Kinder hatten in allen nationalsozialistischen Zwangslagern kaum eine Überlebenschance. Auch im (Frauen-)Konzentrationslager Ravensbrück starben die meisten von ihnen an Hunger, Kälte und Erschöpfung sowie an grassierenden Krankheiten, medizinischen Versuchen und auch durch gezielte Ermordungen. Die Interviewten beschreiben, wie den Kindern eine ihnen zuvor bekannte Welt Stück für Stück zerstört wurde, bis ihnen schließlich im Lager nicht einmal mehr das Recht auf den eigenen Namen blieb. Vor dem Hintergrund allgegenwärtiger Lebensbedrohung kämpften Erwachsene und Kinder um kleinste Momente von zwischenmenschlicher Zuwendung und Schutz, jedoch immer nur soweit ihnen dies körperlich und seelisch möglich war.

Warum ist Ihre Forschung keine Zeitverschwendung – warum ist Ihre Forschung wichtig?

Viele Menschen, mit denen ich sprach, waren von meinem Promotionsthema überrascht. Ihnen war bis dahin nicht bekannt, dass auch Kinder in den nationalsozialistischen Zwangslagern eingesperrt und durch die industrielle Massenermordung umgebracht wurden. Auch in der Erziehungswissenschaft wissen wir bisher relativ wenig über die jüngsten Opfer des Nationalsozialismus. Dieser Leerstelle wollte ich mit meiner Doktorarbeit begegnen. Ich möchte das kindheitshistorische Wissen ebenso erweitern, wie eine Aufmerksamkeit für die Lebens- und Leidensgeschichten der Kinder in nationalsozialistischen Konzentrationslagern schaffen.

Wie haben Sie die Menschen gefunden, die vor mehr als 70 Jahren die Zeit im Konzentrationslager überlebt haben, bzw. welches Interviewmaterial haben Sie ausgewertet?

Eine große Unterstützung waren die Leiterin Dr. Insa Eschebach sowie die Mitarbeiterinnen der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück. Sie vermittelten mir ein Gespräch mit einer Überlebenden, die ich in Frankreich besuchte. Das war eine beeindruckende Begegnung. Gerne hätte ich auch die anderen Gespräche selbst geführt. Doch müssen wir bedenken, dass diese Gespräche immer wieder von neuem die Gefahr einer Retraumatisierung in sich bergen. Einige Überlebende haben trotz dessen bereits mehrmals Auskunft gegebenen. Eine zukünftige Aufgabe von Forschung ist es, sich diesen vorhandenen Interviews zuzuwenden. Für meine Doktorarbeit sah ich an der FU Berlin Interviews des Visual History Archives der Shoah Foundation ein. Der Gesamtbestand umfasst über 50.000 Interviews. Es gibt auch kleinere Projekte, wie das Archiv „Die Frauen von Ravensbrück“ von Loretta Walz, die mir ebenfalls Interviews zur Verfügung stellte. Und die Gedenkstättenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter führen selbst Gespräche, die über die jeweiligen Archive einsehbar sind.

Die Arbeit in Archiven ist ein wichtiger Bestandteil Ihrer Forschung?

Neben der reinen Schreibtischarbeit musste ich zahlreiche Archivreisen unternehmen, um die vorhandenen Interviews oder bisher wenig aufgearbeitete Archivbestände vor Ort einzusehen. Die Interviews sind aber nicht immer in deutscher oder englischer Sprache geführt. Also ließ ich Interviews aus dem Polnischen und dem Französischen übersetzen, die jetzt für weitere Forscherinnen und Forscher zugänglich sind. Um dies möglich zu machen, habe ich viel Unterstützung erfahren, etwa von der Universitätsgesellschaft Hildesheim, durch die die notwendigen Forschungsreisen und Übersetzungen überhaupt erst möglich wurden.

Welche Verantwortung tragen Sie als Wissenschaftlerin?

Die Befreiung der Zwangslager liegt mittlerweile fast 72 Jahre zurück. Gegenwärtig zeugen fast nur noch die „Child Survivors“ von den Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus. Sie sind die letzten Zeuginnen und Zeugen, auf ihnen liegt eine enorme Last. Aber auch sie werden bald nicht mehr persönlich berichten können. Ich bin überzeugt, dass die jüngere Generation sich der Verantwortung stellen muss, als sekundäre Zeuginnen und Zeugen dafür einzutreten, dass deren Lebens- und Leidensgeschichten nicht vergessen werden. Es bleibt zudem eine immerwährende Aufgabe, die Auseinandersetzung mit der Rolle von Wissenschaft für die Etablierung, Ausbreitung und Umsetzung von rassistischen und menschenverachtenden Ideologien als Bestandteil von Lehre und Forschung zu etablieren.

Nun sind Sie fertig mit Ihrer Promotion an der Universität in Hildesheim und tragen den Doktortitel – werden Sie etwas vermissen?

Ich hatte das Glück während der Promotionsphase von einem Stipendium des Studienwerks Villigst e.V. gefördert zu werden. Dies ermöglichte mir eine äußerst intensive Arbeit. Die Fertigstellung meines Manuskripts ist nun eine Weile her und ich vermisse hin und wieder die Möglichkeit mich erneut mit dieser Intensität einem Thema zuwenden zu können.

Haben Sie Sorge, wie es nun beruflich weitergeht?

Wie bei der Promotion lernt man die Vorteile und Tücken der Post-Doc-Phase erst kennen, wenn man tatsächlich drinsteckt. Man kann auf das zurückblicken, was man geschafft hat und man kann sich neuen Herausforderungen zuwenden. Entscheidet man sich dafür, an der Uni zubleiben, so ist mein Eindruck, befindet man sich zugleich erneut in einer unplanbaren und prekären Phase, die einem den Eindruck vermitteln kann, dass das Wissenschaftssystem nicht allzu viel für seinen Nachwuchs tut.  
Deshalb freue ich mich besonders, dass ich zusammen mit Prof. Dr. Meike Sophia Baader ein neues Projekt plane. Wir wollen gemeinsam an die Ergebnisse meiner Doktorarbeit anschließen und einen neuen Aspekt in den Blick nehmen, ein im Verborgenen organisiertes Unterrichtsangebot der polnischen, weiblichen Gefangenen im Konzentrationslager Ravensbrück. Auch den Zeichnungen aus dem Lager wollen wir uns noch einmal dezidierter zuwenden.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Dr. Wiebke Hiemesch, 31, geboren in Hannover, Titel der Doktorarbeit „Kinder im Konzentrationslager Ravensbrück. (Über-)Lebenserinnerungen“, betreut durch Prof. Dr. Meike Sophia Baader von der Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft der Stiftung Universität Hildesheim sowie Prof. em. Dr. Juliane Jacobi vom Institut für Pädagogik der Universität Potsdam.

Einblicke in Forschung

Das Interview mit Wiebke Hiemesch ist Teil einer fortlaufenden Serie über Doktorandinnen und Doktoranden an der Universität Hildesheim. Wer Einblicke in seine Arbeit, Forschungsmethoden und wissenschaftliche Erkenntnisse geben möchte, kann sich gerne in der Pressestelle bei Isa Lange melden (presse@uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Fachbereich 1
news-12886 Mon, 09 Jan 2017 12:49:00 +0100 Tagung/Workshop des Arbeitskreises Historische Familienforschung (AHFF) in der Sektion Historische Bildungsforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/tagungworks/ Familienförmigkeit? – Zur Geschichte und Gegenwart pädagogischer Institutionen und Organisationen Tagungsort: Hauptcampus Uni Hildesheim, im Forum Neubau – Raum N 009 und N 010 (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim)

Termin: Freitag, 27.01.2017 um 12.00 Uhr

Lokale Veranstalter_ innen: Arbeitskreis Historische Familienforschung (AHFF) in der Sektion Historische Bildungsforschung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, Prof. Dr. Meike Baader, PD Dr. Wolfgang Gippert, Prof. Dr. Carola Groppe, Dr. Christin Sager

Info: Gegenwärtig ist zu beobachten, dass in aktuellen bildungspolitischen Debatten wie auch in behördlichen Dokumenten und in Texten einzelner pädagogischer Institutionen und Organisationen verstärkt die Familie als Organisationsmuster und ideologische Ressource zur Legitimierung pädagogischer Ziele und Reformen herangezogen wird. Familie scheint eine hohe Attraktivität als Referenz pädagogischer Bestrebungen sowie institutioneller und organisationaler Reformen zu besitzen. Die Tagung möchte der Frage nachgehen, inwiefern mit dieser positiven Bezugnahme pädagogischer Institutionen und Organisationen auf Familie eine Neuerung vorliegt oder ob sich hier längerfristige Entwicklungen, historische Brüche oder auch historische Epochalisierungen nachweisen lassen. Damit ist die Tagung offen für historische wie aktuelle Vorträge.

Inhaltlich stellt sich insbesondere die Frage nach dem Verhältnis von Familienförmigkeit und pädagogischer Professionalität. Welchen Einfluss haben Vorstellungen von Familienbeziehungen auf das professionelle Verhalten von Fachkräften in pädagogischen Handlungsfeldern? Verbirgt sich dahinter eine wachsende Kritik und Distanz gegenüber öffentlichen pädagogischen Institutionen und Organisationen? Nähern sich die Rollenmuster in öffentlichen pädagogischen Institutionen und Organisationen und diejenigen in Familien einander an? Verändern sich Lern- und Entwicklungsumgebungen für Kinder und Jugendliche in Schulen, Universitäten, Fürsorgeeinrichtungen etc. zugunsten familienähnlicher, informeller Umwelten? Schließlich: Sind diese Entwicklungen und Diskurse Ausdruck zunehmend postmoderner und poststrukturalistischer Verhaltensmodi, Handlungsorientierungen und Sinnzuschreibungen?

Mit dem Thema verbundene Fragestellungen sind keineswegs nur zeitgeschichtlich, sondern es verbinden sich damit Forschungsperspektiven für alle historischen Epochen: Für das 18. und 19. Jahrhundert stellen sich z. B. Fragen nach den Konstitutions- und Zielvorgaben öffentlicher Bildungssysteme sowie nach impliziten familialen Konkurrenzen oder Vorbildern, die auch schultypenspezifisch sein konnten. Der deutschen Volksschule des Kaiserreichs bspw. waren familienähnliche Beziehungen von väterlichen Lehrern zu seinen ‚Kindern‘ näher als dem deutschen Gymnasium. Dies galt aber nicht in gleichem Maße für die Bildungssysteme anderer Staaten. Ebenso lehnten sich insbesondere höhere Internatsschulen des Auslands in ihren Organisationsmustern oftmals an die Familie an. In Deutschland machten sich im 19. und 20. Jahrhundert pädagogische Reformbewegungen die Familie zunutze, um gegen eine vermeintlich fabrik- und kasernenartig organisierte ‚Massenschule‘ zu protestieren und sich selbst als pädagogische Gegenwelt strukturell und ideologisch zu positionieren. Weiterhin stellt sich die Frage, mit welchen Familienleitbildern in pädagogischen Zusammenhängen historisch und aktuell operiert wurde bzw. wird. Die Tagung will ein Forum bieten, das Thema „Familienförmigkeit“ in seiner ganzen inhaltlichen Breite national wie international zu erörtern.

Die Tagung ist öffentlich. Anmeldung bis zum 10. Januar 2017

Informationen und Tagungsprogramm

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Allg. Erziehungswissenschaft Veranstaltungen
news-12492 Wed, 16 Nov 2016 10:40:00 +0100 Jahrestagung der Kommission Pädagogik der frühen Kindheit https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/jahrestagung-1/ Kinder und Kindheiten - Frühpädagogische Perspektiven Termin: 9. bis 11. März 2017
Ort: Stiftung Universität Hildesheim, Neubau

Mit dem gestiegenen öffentlichen Interesse an der frühen Kindheit und dem damit verbundenen Ausbau von öffentlich verantworteter Kindertagesbetreuung werden immer mehr Kinder zunehmend früher für eine längere Dauer am Tag außerfamiliär betreut. Der Besuch eines Angebots der Kindertagesbetreuung ist zur Normalität im Lebenslauf von Kindern geworden. Zugleich ist empirisch wenig darüber bekannt, wie sich Kindheiten im Kontext dieses veränderten Angebotes gestalten und welche ‚Nebenfolgen‘ sich aus diesen veränderten Be-dingungen des Aufwachsens von Kindern in der frühen Kindheit ergeben. Unter Rückbindung an die Pluralität theoretisch gerahmter frühpädagogischer Perspektiven auf Kinder und Kindheit sowie ihre methodologischen und methodischen Zugänge hat die Tagung das Ziel, den Stand der Forschung zu Kindern und Kindheiten in Bezug auf das Verhältnis von öffentlicher und privater Teilhabe zu rekapitulieren. Dabei finden sowohl internationale und kulturvergleichende Perspektiven Berücksichtigung, als auch eine kritische Selbstreflexion wissenschaftlicher Konstruktion(en) von Kindheit(en) verbunden mit ihren fachpolitischen und gesamtgesellschaftlichen Folgen. Grundsätzlich stellt sich die Frage, welche Rolle Wissenschaft selbst bei der Konstruktion von Kindheit(en) spielt.

Informationen und Anmeldung zur Tagung

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Allg. Erziehungswissenschaft Veranstaltungen
news-12166 Wed, 20 Jul 2016 12:30:00 +0200 Bildungswege: Studium nach der Flucht https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/bildungswege-studium-nach-der-flucht/ Wie finde ich eine passende Lehrveranstaltung? Muss ich Zeugnisse vorlegen? Wie gut muss ich die deutsche Sprache sprechen? Wie kann ich Kontakt zu Studierenden aufbauen? Auch im Wintersemester 2016 können geflüchtete Studieninteressierte wieder an Kursen der Universität Hildesheim und der Hochschule HAWK teilnehmen. Die Universität Hildesheim und die Hochschule HAWK laden Studieninteressierte mit Fluchterfahrung am Donnerstag, 4. August 2016, zu einer Informationsveranstaltung „Studium nach der Flucht" ein. Die Veranstaltung wird in den Sprachen Deutsch, Englisch und Arabisch angeboten und findet im FORUM der Universität Hildesheim (Universitätsplatz 1) statt. Auch Ehrenamtliche und Multiplikatoren, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, können sich informieren. 

Die Veranstaltung beginnt um 14:00 Uhr in Hörsaal 4 mit der Begrüßung und Vorträgen zum Thema Bildungswege in Deutschland. Danach geben Studierende Einblicke in das Studium nach der Flucht und Fachleute beraten an Info-Tischen über Voraussetzungen für das Studium sowie für eine Ausbildung. Im Anschluss zeigen Studentinnen und Studenten den Studieninteressierten während einer Campusführung die Universität. Beteiligt sind neben dem studentischen Uni-Welcome-Team auch das International Office der Universität, die Hochschule HAWK (Projekt HAWK open), die Agentur für Arbeit, die Handwerkskammer, die Flux-Flüchtlingshilfe, der Verein Asyl e.V. und das Studentenwerk Ostniedersachsen. Interessierte können sich gerne bei Fragen zur Veranstaltung an Steffi Albrecht (Universität, 05121.883-92010, aain@uni-hildesheim.de) und Frauke Drewes (HAWK, 05121.881-603, frauke.drewes@hawk-hhg.de) wenden.

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Beim Schnupperstudium müssen keinerlei Bedingungen erfüllt werden. Das Studium soll dabei helfen, die Studienstrukturen und andere Studierende kennen zu lernen, interessante Seminare und Vorlesungen zu besuchen und dabei die deutsche Sprache und Wissenschaftssprache zu lernen. Mit dem kostenfreien Gasthörerstudium ermöglicht die Uni jungen Erwachsenen außerdem, bereits Credits (Leistungspunkte) zu erwerben, die sie für ein späteres reguläres Studium anrechnen können. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Lehrende und Studierende unterstützen die jungen Erwachsenen dabei, im Uni-Alltag anzukommen und Perspektiven für den weiteren Bildungsweg zu entwickeln. Studierende („Anker-Peers“ und „Welcome-Team“) begleiten die Studierenden mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg durch die Universität. Sie wurden für die Beratung von der Studienberatung geschult und kennen Unterstützungsprogramme. Außerdem bilden sie Sprachtandems.

Seit Juni 2016 nehmen junge Erwachsene an einem Intensivsprachkurs inklusive Studienvorbereitung teil. Die Universität Hildesheim und die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) haben insgesamt 15 Stipendien für Geflüchtete vergeben, die studieren möchten. Der Sprachkurs dauert sechs Monate und umfasst jeweils 24 Stunden Deutschunterricht pro Woche plus etwa fünf Stunden Studienvorbereitung pro Woche. Weitere Sprachkurse sind in Planung. Von Mitte September bis Mitte Oktober 2016 bietet die Universität Hildesheim eine vierwöchige „Summer School“ zur intensiven Vorbereitung der Gasthörerschaft an.

Aus der Forschung: Wege an die Universität

Forscher der Universität Hildesheim haben Angebote deutscher Hochschulen für Studieninteressierte mit Fluchterfahrung untersucht: Die qualitative Erhebung fand an neun deutschen Hochschulen statt, darunter sieben Universitäten und zwei Fachhochschulen. Aus den Befunden der Studie „Studium nach der Flucht?" haben die Autoren 15 Handlungsempfehlungen formuliert. Diese richten sich primär an die Hochschulen selbst, aber auch an die Landes- und Bundespolitik. Die Ergebnisse der Studie finden Sie online.

Was passiert in Hildesheim? Überblick über Projekte an der Uni

Am Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen“ zusammen. Die Sprache lernen, der Zugang zur Universität, Teilhabe durch Sport, Künste und Musik – einen Überblick über Projekte zur Bildungsteilhabe nach der Flucht finden Sie online. Die Projekte sind interdisziplinär und breit gefächert und umfassen Forschung, Transfer in die Praxis, Evaluationen und Begleitung.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge Bildungsintegration
news-11719 Wed, 20 Apr 2016 18:11:00 +0200 Nach der Flucht: Lernen statt warten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/nach-der-flu/ Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle: Lehramtsstudierende unterstützen Erwachsene und Kinder, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache. Weitere Studierende können mitwirken – ab sofort kann man sich anmelden. Seit Mitte Oktober 2015 gehen Studentinnen und Studenten jeden Tag in eine Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Sie unterstützen Erwachsene und ihre Kinder, die erst seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Erlernen der deutschen Sprache.

Bisher haben die etwa 150 Menschen, darunter viele Familien, die Zeit in der Erstaufnahmeeinrichtung mit Warten verbracht. „Wir wollen die Zeit nutzen, um miteinander und voneinander zu lernen“, sagt Annette Lützel, die das Sprachlernprojekt an der Universität Hildesheim koordiniert. Katharina Melzner leitet den Sprachunterricht und studiert „Deutsch als Zweitsprache“ in Hildesheim. Für Lehramtsstudierende ist dieser Rahmen hilfreich: sie müssen nicht allein einen Sprachkurs auf die Beine stellen, sie vernetzen sich, tauschen sich über Unterrichtsmaterialien aus und die Arbeit liegt auf vielen Schultern verteilt.

Parallel zum Elternkurs gestalten die Studentinnen und Studenten ein Sprachlernangebot für Kinder und Jugendliche (0 bis 12 Jahre).

Lehramtsstudierende aller Fächer können im Rahmen des Projekts ihr Sozialpraktikum absolvieren oder die Leistungspunkte für das Lehramtsstudium (Master, Optionalbereich) erwerben. Außerdem ist es möglich, auf Antrag das Zertifikat für bilinguales Lehren und Lernen zu erhalten. Studierende können im Sprachlernprojekt mitwirken (alle Infos online). Das Projekt wird vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium und der Lotto-Sport-Stiftung gefördert und 2016 durchgängig fortgeführt.

Der nächste Starttermin für das zehnwöchige Sozialpraktikum in der Erstaufnahmestelle ist Ende Mai 2016, dann wieder im Oktober 2016. Wer in dem Projekt mitwirken möchte, kann Annette Lützel unter 05121.883-90018 oder sprachlernprojekt@uni-hildesheim.de kontaktieren.

Interview: Nachgefragt bei Marie-Therese

Eine der ersten, die seit Oktober im Sprachlernprojekt in der Erstaufnahmestelle mitwirkt, ist Marie-Therese Brammer. Die 22-Jährige studiert Grundschullehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch an der Universität Hildesheim.

Wie sieht dein Alltag aus?

Marie-Therese: Gemeinsam mit weiteren Lehramtsstudierenden fahre ich mit dem Bus zur Erstaufnahmestelle. Da die Anbindung in das Gewerbegebiet nicht so gut ist, bilden wir auch oft Fahrgemeinschaften. Das geht, wir kommen irgendwie immer hier an. Der Sprachunterricht findet an jedem Nachmittag statt. Ich bin seit Oktober immer montags und dienstags hier, bis Ende des Jahres. Wir bauen den Speiseraum für das Sprachenlernen um, schieben die Tische zusammen, wir haben hier keinen extra Raum für den Sprachunterricht. Dann kommen auch nach und nach schon die Teilnehmer, manche bringen ihre kleinen Kinder mit.

Wie fängt man an? Ihr arbeitet sehr nah am Alltag. Wer bin ich, wie heiße ich – ihr greift viele Alltagsthemen auf.

Das ist richtig. Die Teilnehmer am Sprachkurs sprechen Arabisch, Serbisch, wenige sprechen Englisch. Wir versuchen mit Bildern, Händen und Füßen die Vokabeln zu vermitteln. Wir gehen zum Beispiel einkaufen und lernen dabei die Begriffe für die Lebensmittel – das Ei, die Milch, eine Tomate, ein Salat. Oder wir sprechen über die Uhrzeiten – was bedeutet „Viertel vor“? Heute ging es um den Familienstammbaum: Mutter, Vater, Kinder – wir haben uns die Stammbäume aufgemalt. Das ist manchmal auch sehr persönlich. Aber das geht, weil wir auch in Kleingruppen arbeiten und uns zu zweit unterhalten. Heute habe ich mit einem Mann aus Syrien gesprochen, er ist mit seiner ganzen Familie hier in Hildesheim und hat aufgezeichnet, wie seine Kinder, seine Eltern heißen. Ich habe erfahren, dass er 13 Geschwister hat. Da musste ich erstmal nachfragen – wirklich? Fünf Brüder und acht Schwestern. Wir verstehen uns gut, man lernt sich kennen, mit Händen und Füßen, er spricht ganz wenig Englisch.

Neben dem Sprachkurs – klassisch am Tisch mit einer improvisierten Tafel, Zetteln und einem Stift – lernt ihr die Sprache auch in der Freizeit. Ihr erkundet die Stadt Hildesheim, ihr geht einkaufen, ihr wollte zusammen kochen.

Einmal in der Woche gibt es ein Freizeitangebot. Wer in der Erstaufnahmestelle ankommt, hat bisher noch wenig von Deutschland kennen gelernt. Wir sind der erste Kontakt. Wir gehen raus, lernen Vokabeln im Alltag und wenden sie an.

Man kann die Sprache auch mit technischen Mitteln lernen: Es gibt Apps zum Sprachenlernen, Übersetzungsprogramme. Ihr könntet auch einen Tag in die Erstaufnahmestelle kommen, jedem ein Smartphone in die Hand drücken, erklären, wie der Online-Sprachkurs funktioniert und dann seid ihr wieder weg und lasst die Menschen hier allein. Das ist aber nicht der Ansatz dieses Sprachlernprojekts. Ihr verbringt Zeit miteinander, wollt zusammenkommen. Man lacht zusammen, man ist traurig, wenn man erfährt, dass Familienangehörige nicht mehr leben. Was lernst du dabei?

Man verfolgt das sonst nur im Fernsehen, dass Menschen nach Deutschland fliehen. Hier in den Räumen der Erstaufnahmestelle, beim Sprachenlernen passiert viel Menschliches. Ich finde es sehr spannend zu erleben, wie es funktioniert, sich auszutauschen. Auch wenn man keine gemeinsame Sprache spricht, klappt die Verständigung. Es bringt uns allen viel, wir sind angehende Lehrerinnen und Lehrer. Wenn ich später im Klassenzimmer unterrichte, werde ich auch Kinder unterstützen, die noch kein Wort Deutsch sprechen.

Ist die Frage, wie lernt man als Erwachsener die deutsche Sprache als zweite Sprache für dich frisch und ungewohnt oder hast du dich damit schon im Studium beschäftigt?

Im Bachelor-Studium habe ich einige Seminare im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ besucht. Man lernt, wie es sein müsste – aber dann fehlt die praktische Erfahrung. In den Schulpraktika habe ich mit Kindern und Jugendlichen gelernt, die in einer Phase ihres Lebens sind, in der sie sowieso zur Schule gehen und lernen. Deshalb finde ich es sehr interessant, dass ich in dem Sprachlernprojekt nun mit Erwachsenen arbeiten kann und erfahre, wie das abläuft. Die Arbeit in der Erstaufnahmestelle kann ich mir für mein Studium anrechnen lassen, zum Beispiel als Praxisteil für das „Bilinguale Zertifikat“.

Du bist jetzt im Masterstudium und startest bald in den Beruf. Freust du dich auf die Herausforderung? Fühlst du dich überfordert oder suchst du nach Wegen, wie man mit Vielfalt umgehen kann?

Mein Ziel ist, in Niedersachsen zu unterrichten. Ich freue mich da wirklich drauf. Die Vielfalt an Schulen wird immer sichtbarer, ich interessiere mich sehr für den Bereich Deutsch als Zweitsprache. Wir können an der Universität in Hildesheim das Masterstudium um ein Jahr verlängern und uns im DAZ-Bereich spezialisieren.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Die Interview-Serie über das Sprachenlernen wird fortgeführt. Nächstes Mal: Nachgefragt bei Erwachsenen: Wie erleben sie das Erlernen der deutschen Sprache?

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Studierendenportal Flüchtlinge Lehrerbildung Bildungsintegration
news-11470 Sat, 05 Mar 2016 07:23:00 +0100 Bildungswege: Studium nach der Flucht https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/bildungswege-studium-nach-der-flucht-2/ Wie finde ich eine passende Lehrveranstaltung? Muss ich Zeugnisse vorlegen? Wie gut muss ich die deutsche Sprache sprechen? Wie kann ich Kontakt zu Studierenden aufbauen? Auch im Sommersemester 2016 können geflüchtete Studieninteressierte wieder an Kursen der Universität Hildesheim teilnehmen. Die Universität Hildesheim lädt Studieninteressierte mit Fluchterfahrung am Donnerstag, 10. März 2016, zu einer Informationsveranstaltung „Studium nach der Flucht" ein (im FORUM der Universität Hildesheim, Universitätsplatz 1). Auch Ehrenamtliche und Multiplikatoren, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, können sich informieren.

Ab 16:00 Uhr zeigen Studentinnen und Studenten den Studieninteressierten während einer Campusführung die Universität (Treffpunkt im Eingangsbereichs des FORUMs). Anschließend beginnt um 17:00 Uhr die Begrüßung in Hörsaal 4. Studierende geben Einblicke in das Studium nach der Flucht und sprechen über Bildungswege in Deutschland. Danach informieren Fachleute über Voraussetzungen für das Studium sowie für eine Ausbildung. Außerdem kann man sich individuell an verschiedenen Info-Tischen beraten lassen. Beteiligt sind neben dem studentischen Uni-Welcome-Team auch das International Office, die Hochschule HAWK, die Agentur für Arbeit und die Handwerkskammer Hildesheim. Interessierte können sich gerne bei Fragen zur Veranstaltung an Steffi Albrecht wenden (05121.883-92010, aain@uni-hildesheim.de).

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Beim Schnupperstudium müssen keinerlei Bedingungen erfüllt werden. Das Studium soll dabei helfen, die Studienstrukturen und andere Studierende kennen zu lernen, interessante Seminare und Vorlesungen zu besuchen und dabei die deutsche Sprache und Wissenschaftssprache zu lernen. Mit dem kostenfreien Gasthörerstudium ermöglicht die Uni jungen Erwachsenen außerdem, bereits Credits (Leistungspunkte) zu erwerben, die sie für ein späteres reguläres Studium anrechnen können.

Die Universität unterstützt die Studieninteressierten auch bei der Anfahrt zum Studienort, da viele aus dem Landkreis kommen. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Lehrende und Studierende unterstützen die jungen Erwachsenen dabei, im Uni-Alltag anzukommen und Perspektiven für den weiteren Bildungsweg zu entwickeln. Studierende („Anker-Peers“ und „Welcome-Team“) begleiten die Studierenden mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg durch die Universität. Sie wurden für die Beratung von der Studienberatung geschult und kennen Unterstützungsprogramme. Außerdem bilden sie Sprachtandems.

Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen“ zusammen. Auf der Jahreskonferenz des Forschungszentrums der Universität Hildesheim im April 2016 befassen sich Fachleute mit Bildungswegen von geflüchteten Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100 und presse@uni-hildesheim.de).

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration
news-11428 Sat, 27 Feb 2016 10:30:00 +0100 Bildungs- und Sozialforschung: Wie wir uns der Realität annähern https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/bildungs-un/ Ob in der Kita, Familie oder Schule, im Jugendzentrum oder im Altenheim: Wer ethnographisch forscht, beobachtet vor Ort, was sich abspielt, sagt Professorin Kathrin Audehm. Etwa 170 Fachleute tagen an der Uni Hildesheim: Wie gewinnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten im „Feld“, wie halten sie dennoch Distanz? Sie gehen raus – ihre Forschung findet nicht am Schreibtisch statt, sondern in der Wirklichkeit, im „Feld". Im Wohnzimmer einer Familie, in der Kinder mehrsprachig aufwachsen. In der 2. Schulklasse, die sich um ein gutes Klassenklima bemüht. Während einer Schulkonferenz, in der Zeugnisnoten besprochen werden. In einer WG der Jugendhilfe, die Jugendliche auf dem Weg in das Erwachsenenleben unterstützt.

Wer ethnographisch forscht, nimmt teil, hält Beobachtungen schriftlich fest und wertet die Daten dann aus und schreibt. Die Methoden sind mittlerweile vielfältig. Während Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich heute eher wiederholt und für jeweils kürzere Zeit in einheimische Felder begeben oder transnational und vergleichend beobachten, bedeutete ethnographische Feldforschung vor 100 Jahren noch einen langen Aufenthalt von etwa zwei Jahren in einer fremden Kultur.

„Bestimmte Dinge lassen sich nur schwer erfragen, sind den Befragten oft auch nicht bewusst oder eine Erwähnung wert, wie zum Beispiel Körperhaltungen und Bewegungen in Gebäuden und auf Plätzen, Selbstverständliches oder Gewohntes, die Routinen und tatsächlichen Regeln des Alltags. Die ethnographische Forschung trägt Daten nicht von außen an ihre Forschungsfelder heran, sondern beobachtet direkt vor Ort, was sich abspielt", so die Erziehungswissenschaftlerin Kathrin Audehm. „Dabei können immer Überraschungen passieren. Es kommt darauf an, sich auf diese einzulassen und nicht mit vorgefassten Meinungen und Überzeugungen ins Feld zu gehen und diesen zu folgen. Die Schwierigkeit besteht darin, eine Nähe zu den Personen im Feld aufzubauen, zu ihren Ansichten und Aussagen, ihren Rhythmen, ihren Zeiten und Orten und dennoch reflexive Distanz zu wahren", sagt die Hildesheimer Professorin.

In dieser Woche kommen etwa 170 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zur fünften Tagung der deutschsprachigen ethnographischen Bildungs- und Sozialforschung an der Universität Hildesheim zusammen.

Die Fachleute reflektieren dabei den eigenen Zugang zum „Feld": Wie erforscht man, was in Kindergärten, Schulen und Jugendeinrichtungen oder in Familien geschieht?

Die Fachleute befassen sich auf der Tagung „Ethnographie der Praxis – Praxis der Ethnographie" (22. bis 24. Februar 2016, Programm und Abstracts online) mit der Frage, wie sie Themen entwickeln, welche empirische Forschungsfelder in das Blickfeld der Wissenschaft geraten und welche Haltung sie zum Feld einnehmen. Sie reflektieren die Eigenart und Standards ethnographischer Analysen und Beschreibungen.

Professor Georg Breidenstein (Halle) spricht auf der Tagung über die ethnographische Forschungspraxis, die sich „in vielen Varianten um Praktiken der Feldforschung, manchmal auch der Datenanalyse dreht". Der Erziehungswissenschaftler beschäftigt sich mit der Frage, wie Forscher Daten gewinnen und wieder auf Distanz zum Feld gehen, wie sie an Protokollen arbeiten und Überraschungen entdecken. Sein Vortrag beschäftigt sich mit Routinen in der Forschung und dem „Interpretieren" von Beobachtungsprotokollen.

Wie erhalten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zugang zum Feld und mit welcher Haltung gehen sie ins Feld? Mit dieser Frage befasst sich der Hildesheimer Erziehungswissenschaftler Peter Cloos. Der Professor für frühe Kindheit hat unter anderem untersucht, wie Lernprozesse in Kitas dokumentiert werden und wie Kinder auf Beobachtung reagieren.

Mit der Rolle der Forscherin bzw. des Forschers im Forschungsprozess beschäftigen sich Katharina Mangold und Hanna Rettig. Sie zeigen anhand ihrer Dissertationsprojekte, in denen sie sich mit Jugend und transnationalen Erfahrungen beschäftigen, ob die Anwesenheit der Forscherin das Geschehen beeinflusst. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen verwenden den Begriff „inbetween" und sehen es als Leistung des Ethnographen/der Ethnographin, die Spannung zwischen Teilnahme und Beobachtung und zwischen Drinnen- und Draußen-Sein aufrechtzuerhalten.

Über die eigenen Rollen im Feld spricht auch die Berliner Wissenschaftlerin Grit Petschick. Die Feldforschung stellt Bedingungen an die Forschenden, neben Ort und Zeit sind dies Fragen der Finanzierung (Wie viel Feldforschung wird finanziert?) und allgemeine formale Fragen des Zugangs zum Feld. Ist eine Familie, eine Schulklasse, ein Altenheim etwa bereit, die Türen zu öffnen für die Forschung? „Auch andere Faktoren, wie das Alter der Forschenden und ihre bisherige Ausbildung können eine Rolle für die Position im Feld spielen und damit zwischen Nähe und Distanz bzw. beobachtender Teilnahme und teilnehmender Beobachtung entscheiden", so Petschick.

Die Konferenz greift auch internationale Fragen auf. In dem Vortrag „Paris. Eine soziale Geographie der Gewalt" befasst sich Fabien Jobard vom Centre Marc Bloch (Berlin) mit den Terroranschlägen in Paris im November 2015. Die neuere Gewaltforschung weist seit einigen Jahren auf die entscheidende Rolle des Raumes in der Entstehung und Entfaltung von Gewalt hin, sagt Jobard. In solchen „Gewalträumen" präge physische Gewalt den Alltag und die Wahrnehmungen der Menschen. In seinem Vortrag widmet sich der Politikwissenschaftler einem „friedlichem Raum, der aber von einer hohen Gewaltintensität auf einer sehr engen Fläche betroffen wurde".

„Wir erwarten spannende Vorträge und Diskussionen und erhoffen uns auch Anregungen für unser nächstes Hildesheimer Projekt. Jessica Schülein und ich wollen die materiellen Dimensionen der Schulkultur einer Ganztagsschule erforschen. In einer ethnographischen Einzelfallstudie wollen wir untersuchen, welche Bedeutung Architekturen, Räume, der Umgang mit Mobiliar und Medien, die Kleidung, Gesten oder das gemeinsame Mittagessen für die Hervorbringung von Geschlechtlichkeit haben", blickt die Erziehungswissenschaftlerin Kathrin Audehm auf anstehende Forschung. Die Professorin arbeitet auf dem Gebiet der pädagogischen Anthropologie und ethnographischen Bildungsforschung. Sie analysiert unter anderem Macht- und Autoritätsverhältnissen in pädagogischen Institutionen und Organisationen. Kathrin Audehm hat im Sonderforschungsbereich „Kulturen des Performativen“ an der Freien Universität Berlin mitgewirkt und in der „Berliner Ritualstudie" untersucht, wie Rituale und Gesten in Bildung und Erziehung wirken. Die Forscherinnen und Forscher sind „ins Feld gegangen" und haben Familien, Jugendeinrichtungen und Schulen aufgesucht. Audehm hat dabei vor allem Rituale in Familien erforscht und betrat damals wissenschaftliches Neuland, denn solche Analysen lagen bisher in Deutschland nicht vor.

Wer sich für ethnographische Bildungsforschung interessiert, kann Kontakt zu Prof. Dr. Kathrin Audehm aufnehmen (05121.883-10110, ethno@uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Sozialwissenschaften Soziologie Methodenbüro Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration
news-11053 Tue, 15 Dec 2015 15:15:00 +0100 Vielfalt im Lehrerzimmer: Orientierungstage für Jugendliche https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/vielfalt-im-2/ Die Universität Hildesheim gibt Jugendlichen während der „Orientierungstage" Einblicke in den Lehrerberuf. Ein Ziel der regionalen Orientierungstage ist, Jugendliche für den Lehrerberuf zu interessieren. Die Initiative des Kultusministeriums startet an mehreren Standorten in Niedersachsen. An den Standorten Braunschweig, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück bieten die Universitäten und Studienseminare in den nächsten Monaten regionale Orientierungstage an, um Jugendliche – mit Migrationsbiographie oder ohne – Einblicke in den Lehrerberuf zu geben und für das Thema „Vielfalt an Schulen" zu sensibilisieren. Jugendliche können sich für die Orientierungstage „Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer" bewerben.

An der Universität Hildesheim und an Schulen finden die Orientierungstage am Samstag, 16. Januar 2016, und am Donnerstag, 21. Januar 2016, statt. Der zweitägige Kompaktkurs gibt Einblicke in das Lehramtsstudium und zeigt die Chancen des Lehrerberufs. Die Jugendlichen diskutieren mit Professorinnen und Professoren, Lehrkräften und Lehramtsstudierenden. Sie erleben Schule während einer Hospitation aus einer anderen Perspektive. Insgesamt können 20 Jugendliche teilnehmen.

Jugendliche, die derzeit die 11., 12., oder 13. Klasse besuchen und Interesse haben, können sich einfach für die Orientierungstage in Hildesheim anmelden (hier geht's zum Bewerbungsbogen).

Vielfalt im Klassenzimmer ist eine Aufgabe für das gesamte Kollegium

Lehrerinnen und Lehrer spielen eine Schlüsselrolle für „gelingende Bildungsintegration, denn sie können ganz maßgeblich zum Wohlbefinden und zum Bildungserfolg ihrer Schüler beitragen", sagt Professorin Viola Georgi vom Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim. Sie untersucht, welche Erwartungen an Lehrkräfte mit einer Migrationsbiographie gerichtet werden und welche Erfahrungen sie im Schulalltag machen. Nur knapp fünf Prozent der Lehrerinnen und Lehrer haben selbst einen Migrationshintergrund.

Welche Rolle nehmen Lehrkräfte in der Schule ein, deren Familien zum Beispiel nach Deutschland eingewandert sind, die selbst mehrsprachig aufgewachsen sind oder im Ausland unterrichtet und interkulturelle Erfahrungen gesammelt haben? Die Erziehungswissenschaftlerin Yvonne Rechter von der Universität Hildesheim sagt, dass die Mehrsprachigkeit, die viele Lehrkräfte mitbringen, ein großer Vorteil für das Unterrichten heterogener Schulklassen sei. Letztlich müssten aber alle Lehrkräfte – unabhängig von ihrer Herkunft – lernen, wie sie mit Vielfalt umgehen, sagt Rechter. Sie fördert Lehramtsstudierende beim Sammeln von zusätzlichen Praxiserfahrungen im Studium. In Hildesheim unterstützen Studierende im Projekt „LernKU(h)LT“ seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zwei Mal in der Woche lernen sie gemeinsam in einer Kleingruppe und halten Kontakt zu den Eltern und Lehrkräften.

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Bildungsintegration Lehrerbildung Zentrum für Bildungsintegration
news-11070 Tue, 08 Dec 2015 17:14:00 +0100 Graduiertenkolleg startet: „Wir wollen selbst dabei klüger werden“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/graduiertenk/ Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung" startet in eine zweite Runde: Die acht Promovierenden untersuchen in den kommenden drei Jahren zum Beispiel Geschlecht in der Literatur, in Raptexten, in der bildenden Kunst und im Computerspiel. „Ich freue mich auf die individuelle Betreuung, auch methodisch", sagt Professorin Kathrin Audehm, die zwei Promotionsprojekte betreut. Das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung" startet in eine zweite Runde. Das Kolleg ist erneut interdisziplinär ausgerichtet und fördert Promotionsprojekte aus den Erziehungs- und Sozialwissenschaften, den Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaften. „Ich hoffe, Sie, liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten können die nächsten drei Jahre gut nutzen. Sie haben einen enormen Freiraum, um zu forschen und ihre Schwerpunkte zu entwickeln“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Silvia Lange.

Professorinnen und Professoren mehrerer Fachrichtungen begleiten die Promovierenden an der Universität Hildesheim. Es gebe „genügend zu erforschen“, sagt Professor Toni Tholen. „Auf vielen Ebenen des Bildungssystems und in Medien können wir die (Re-)Produktion von problematisierwürdigen Geschlechterpraktiken und Geschlechterbildern beobachten. Das Graduiertenkolleg bietet vielfältige Möglichkeiten, der Konstruktion von Geschlechterrollen nachzugehen“, so der Literaturwissenschaftler.

Das Kolleg ist interdisziplinär, also fachübergreifend, ausgerichtet. Das sei „kein vordergründiges Label, sondern wird gelebt“, sagt Toni Tholen. Er verweist auf die Diskussionsrunden, die in den kommenden Monaten anstehen.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten können sich wissenschaftlich auseinandersetzen – auf Tagungen, in Vorlesungsreihen, Workshops und in Arbeitssitzungen im zweiwöchigen Abstand. „Wir wollen selbst dabei klüger werden“, freut sich Tholen auf den Austausch.

Das Graduiertenkolleg – eines der wenigen dieser Art bundesweit – kann durch eine Förderung des Bundesforschungsministeriums und aus Mitteln des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums im Rahmen des Professorinnenprogramm II in eine zweite Runde starten. Insgesamt wurden für die neue Runde acht Promotionsstipendien (monatlich 1250 Euro Unterstützung) vergeben. Die Promovierenden untersuchen in den kommenden drei Jahren zum Beispiel Geschlecht in der Literatur, in der bildenden Kunst, in spirituellen Diskursen und im Computerspiel, Raptexte als Orte informeller Bildung und das Selbstverständnis der Sexualpädagogik der 1980er. Weitere Wissenschaftlerinnen untersuchen, welche Rolle Geschlecht in der Sterbebegleitung spielt und mit welchen Begrifflichkeiten und Verständnissen von Identität in der pädagogischen Praxis gearbeitet wird.

Heidi Süß ist eine der Stipendiatinnen. Sie hat in Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“ studiert, mit einem Schwerpunkt in der Sprachwissenschaft. Sie beschäftigt sich mit der Hip-Hop-Kultur. „Es geht um soziale Ungleichheit. Innerhalb der Hip-Hop-Kultur gibt es Exklusionsprozesse, die diskursiv stattfinden“, sagt Heidi Süß. Wer wird außen vorgehalten? – das ist eine ihrer Forschungsfragen. In ihrer Dissertation möchte sie herausfinden, „ob jemand durch Musik ausgeschlossen wird“. Ihr Datenmaterial sind Raptexte in deutscher Sprache. Welche Texte sie analysieren wird, wird sie in den kommenden Monaten festlegen. „Das ist ein Vorteil des Kollegs – wie ich das Datenmaterial erhebe, können wir ausdiskutieren.“

Sie wolle dann untersuchen, ob Personen aufgrund ihres Geschlechts, der Herkunft, des Bildungsgrades oder des Alters Ungleichheit erfahren. Sie sei selber mit Hip-Hop aufgewachsen und habe erfahren, „dass es schon dazu kommt, dass bestimmte Personengruppen als nicht zugehörig betrachtet werden“. „Ich möchte aber kein Hip-Hop-Bashing machen. Ich untersuche auch, welche positiven Strategien es gibt, wieder teilzuhaben in der Szene, etwa indem Begriffe rückerobert und positiv gedeutet werden“, sagt Heidi Süß, die bereits in ihrer Abschlussarbeit bei der Sprachwissenschaftlerin Prof. Beatrix Kreß über „Gangsta-Rap“ geforscht hat und nun im Graduiertenkolleg „ganz viel Austausch und neue Erfahrungen“ erwartet. „Ich möchte viel lernen von den anderen.“

Eine der Professorinnen, die den wissenschaftlichen Nachwuchs in den kommenden drei Jahren begleitet, ist Kathrin Audehm. Die Erziehungswissenschaftlerin forscht zu Autoritätsverhältnissen in pädagogischen Organisationen und Genderkonstruktionen im Film. Sie unterstützt zwei Promovendinnen auf dem Weg, die Forschung zu beginnen und abzuschließen: Eva Reuter erforscht kritische Bildungsdiskurse in der außerschulischen Jugendarbeit und Melanie Pierburg befasst sich mit der Ausbildung von Ehrenamtlichen, die in Hospizen in der Sterbebegleitung tätig sind. „Die meisten, die im Hospiz arbeiten sind Frauen. In der letzten Lebensphase und im Umgang mit Tod und der Vergänglichkeit des Lebens müssen wir auch Geschlechteraspekte beachten.“

Was man erlebt, wenn man eine Promotion begleiten kann? „Ich freue mich auf die individuelle Betreuung, auch methodisch. Und ich bin gespannt, wie die ganz jungen Wissenschaftlerinnen ihr Feld erarbeiten und ihre Fragen entwickeln. Wichtig ist am Anfang in der Beratung, auch einzugrenzen. Dann sagt man auch: Jetzt ist genug mit Theorie, jetzt geht es ins Feld und darum, Material zu sichten. Man kann sich auch auf den Weg machen, ohne ihn vollständig zu kennen, es geht auch darum, das Selbstvertrauen zu stärken“, sagt Kathrin Audehm.

Graduiertenkolleg startet mit Auftaktveranstaltung

Im Rahmen einer feierlichen Auftaktveranstaltung im Hohen Haus auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg kamen die unterschiedlichen Fachdisziplinen im November 2015 zusammen. Vizepräsident Prof. Martin Schreiner hob die „interdisziplinäre Zusammenarbeit“ und die Bedeutung der „strukturierten Nachwuchsförderung“ hervor. Zum Auftakt sprach unter anderem Professorin Kerstin Palm von der Humboldt-Universität zu Berlin über „Naturwissenschaften und Gender Studies". Außerdem wurde der gut 450 Seiten starke Sammelband „Bildung – Selbst(bild) – Geschlechterbilder“, der in der ersten Runde des Kollegs entstanden ist, vorgestellt.

Mit ihrer Forschung starten Marcus Felix, Sarah-Christina Glücks, Jöran Klatt, Alexandra Mieth, Melanie Pierburg, Eva Reuter, Heidi Süß und Nina von Wildenradt. Die Professorinnen und Professoren Kathrin Audehm, Meike Sophia Baader, Stefani Brusberg-Kiermeier, Michael Corsten, Beatrix Kreß, Annemarie Matzke und Toni Tholen begleiten die Stipendiatinnen und Stipendiaten in den nächsten drei Jahren. Wer mehr über die einzelnen Forschungsvorhaben erfahren möchte, wird auf der Internetseite des Kollegs fündig.

Wer Fragen zu dem Promotionsprogramm hat, kann die Projektkoordinatorin Dr. Kerstin Bueschges kontaktieren (E-Mail bueschge@uni-hildesheim.de).

Rückblick auf das erste Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“

Medienkontakt: Pressestelle Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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news-10944 Wed, 11 Nov 2015 10:00:00 +0100 Haltung zeigen: Weltoffene Hochschule – gegen Fremdenfeindlichkeit https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/haltung-zeigen-weltoffene-hochschule-gegen-fremdenfeindlichkeit/ In einer bundesweiten Aktion der Hochschulrektorenkonferenz wenden sich Hochschulen gegen Fremdenfeindlichkeit in Deutschland, darunter die Universität Hildesheim. Was ist eine weltoffene Hochschule und wie können sich Lehrende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Studierende dafür einsetzen – nachgefragt bei Studierenden, Lehrenden und der Universitätsleitung. Die Hochschulen reagieren mit der bundesweiten Aktion „Weltoffene Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit“ auf Vorkommnisse rassistisch motivierter verbaler und physischer Gewalt in den letzten Wochen und Monaten.

Was ist für Sie/für dich eine weltoffene Hochschule? Wer sich mit einem Statement an der Aktion „Weltoffene Hochschulen – gegen Fremdenfeindlichkeit“ beteiligen möchte, kann eine E-mail an presse@uni-hildesheim.de senden. Bitte geben Sie Ihren Namen an, gerne können Sie ein Bild im Querformat (inkl. Rechte zur honorarfreien Verwendung) mitsenden. Diese Internetseite wird regelmäßig aktualisiert und um Statements und Erfahrungen zu dem Thema ergänzt.

 

Universitäten bleiben weltoffen, sagt der Hildesheimer Universitätspräsident

Prof. Wolfgang-Uwe Friedrich, Universitätspräsident Hildesheim:

„Es gelten zwei Grundsätze:

  1. Deutschlands historische Verantwortung macht Widerstand gegen Rassismus und Fremdenhass zur Bürgerpflicht.
  2. Wissenschaft ist international und Universitäten waren, sind und bleiben weltoffen.“

 

Universitäten sollten regelmäßig und selbstkritisch über ihre Strukturen und Routinen reflektieren

Unis sollten Strukturen reflektieren, die Diskriminierung verursachen, so Viola Georgi. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Prof. Viola B. Georgi vom „Zentrum für Bildungsintegration" der Universität Hildesheim:

„Für mich ist eine ‚Weltoffene Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit' vor allem eine inklusive Hochschule. Diese reflektiert regelmäßig und selbstkritisch über ihre Strukturen und täglichen Routinen, die Teilhabe und Partizipation erschweren und institutionelle Diskriminierung verursachen können. Durch das offene Gespräch auf allen Ebenen des universitären Lebens,  das Monitoring von Rassismus und eine klare Antidiskriminierungshaltung baut sie aktiv Barrieren ab.

Wie kann sich jeder, ob Lehrende oder Studierende, für Vielfalt im Alltag einsetzen? Die Auseinandersetzung mit diesen Themen beginnt im Seminar, zum Beispiel damit, dass man über Rassismus spricht, den Begriff in seiner Komplexität diskutiert sowie konkrete Beispiele aus den aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten (zum Beispiel das Phänomen Pegida) oder dem Umfeld der Studierenden analysiert.

Häufig entstehen dadurch auch Brücken in die Praxis und Studierende engagieren sich in konkreten Projekten vor Ort. An der Stiftung Universität Hildesheim gibt es zum Beispiel die Initiative für einen ‚Raum der Stille‘, der für Angehörige unterschiedlicher Religionen, aber auch nicht-gläubige Studierende einen nicht-konfessionellen spirituellen Ort für Rückzug bieten soll. Andere Studierende bilden Tandems mit neuzugewanderten Studierenden mit Fluchterfahrung und unterstützen diese bei den ersten Schritten im Hörsaal oder erteilen Sprachunterricht. Jedes Jahr organisiert das Zentrum für Bildungsintegration einen ‚Diversity Tag‘. Dieser Tag adressiert alle Mitglieder der Hochschule und greift jeweils ein relevantes Thema von gesellschaftlicher Diversität  auf. Dabei wechseln die Formate von der Podiumsdiskussion über Workshops, Lesungen bis hin zu Ausstellungen. In diesem Jahr geht es um religiöse Pluralität in der Schule. Wir wollen nach den Zusammenhängen von interkultureller und interreligiöser Bildung fragen und die Rolle von Religionslernen in der Schule im Kontext der Migrationsgesellschaft reflektieren.“

 

Woher kommen solche negativen Vorurteile?

Auf dem Weg zur Uni: Moussa, im Bild mit Kulturwissenschaftsstudent Robin (li). Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Moussa Ibrahim geht seit April 2015 zur Universität Hildesheim und besucht Seminare in den Bereichen Migrationspolitik und Umwelttechnik. Er ist einer der ersten jungen Erwachsenen, die nach der Flucht am Schnupperstudium in Hildesheim teilnehmen. Er wartet seit fast zwei Jahren auf eine Entscheidung, ob er in Deutschland weiterhin lernen und leben darf. Die Ungewissheit ist schwierig, statt zu warten, warten, warten, nutzt Moussa die Zeit, um zu lernen. Er geht zum Sprachkurs und zur Universität. Moussa Ibrahim sagt:

„Zu Fremdenfeindlichkeit sage ich definitiv ‚Nein', da ich damit nur schlechte Erfahrungen hatte. Na ja, ich frage mich sowieso, woher kommen solche negativen Vorurteile? Zum Beispiel wir ausländischen Studentinnen und Studenten auf dem Campus, besonders Flüchtlinge: Gibt es etwas, was an unserem Verhalten ungewöhnlich ist, weshalb deutsche Studentinnen und Studenten mit uns ernst, vorsichtig, misstrauisch umgehen? Schade! Manche Studenten und Menschen hier in Deutschland behandeln uns, als ob wir eine Münze mit zwei Seiten wären. Eine Seite von uns hat viele Probleme mit der deutschen Sprache. Deutsch ist die erste Hürde, wenn wir recht gut Deutsch sprechen können, dann können wir einen Kompromiss erreichen und uns besser verstehen. Ich lerne deshalb die deutsche Sprache, täglich. Noch eine kurze Frage: Warum brauchen wir viel Zeit beim Deutschlernen? Haben wir daran Schuld?

War Deutschland ein Ziel für viele von uns? Als wir von unseren Heimatkriegen geflüchtet waren? Diese Frage ist schwierig zu beantworten.

Wir kommen zurück zu unserem Thema ‚Weltoffene Hochschule'. An einer weltoffenen Hochschule zu studieren, davon träumt jeder. Dort können wir zusammen studieren, leben, uns unterhalten, diskutieren, andere Menschen akzeptieren, einander helfen usw. bis wir uns fühlen, als ob wir eine Familie wären. Diese Familie besteht aus Respekt, der Vater, und aus Liebe, die Mutter. Weil wir alle Menschen sind, und ohne Liebe und Respekt kann keiner leben. Ich bin froh, dass es Menschen gibt, die mich in dieser Lebensphase unterstützen und mir dabei helfen, dass ich zur Universität gehen kann.“

 

Jeder sollte die gleichen Bildungschancen haben

Es geht um Fairness, sagt die Lehramtsstudentin Jenny O’Gorman. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Jenny O’Gorman studiert Grundschullehramt mit den Fächern Englisch und Mathematik und sagt:

„Es geht darum, wie wir im Alltag miteinander umgehen. Es muss nicht unbedingt extra Kurse gegen Rassismus oder Diskriminierung geben. Das Thema sollte Teil jeder Lehrveranstaltung sein. Wie gehen wir miteinander um? Wer zum Beispiel eine Frage am Infotresen stellt, sollte gleich behandelt werden. Eine weltoffene Hochschule sollte Bildungschancen ermöglichen, unabhängig von der Herkunft. In Hildesheim können Flüchtlinge ein Schnupperstudium machen, wenn jemand nicht beweisen kann, dass er das Abi hat weil die Zeugnisse weg sind und die Lebensphase gerade schwierig ist, sollte es Möglichkeiten geben, dennoch den Bildungsweg fortzuführen. Die Uni sollte offen sein.“

 

Historische Verantwortung: Wissenschaft hat zu Ausschluss beigetragen 

Hochschulen sollten Sorge dafür tragen, dass niemand ausgeschlossen wird, so Meike Baader. Foto: Julia Moras

Prof. Meike Sophia Baader lehrt und forscht in der Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim und sagt:

„Hochschulen als Orte von Wissenschaft und Forschung, von Lehre und Ausbildung sind gefordert, sich mit sozialer, kultureller, religiöser und sprachlicher Heterogenität auf verschiedensten Ebenen auseinanderzusetzen, Heterogenität kennzeichnet und bereichert die Forschung und Lehre. Nicht nur die zunehmende Internationalisierung der Studierenden und des Personals an Hochschulen verpflichtet diese dazu, sich gegen Fremdenfeindlichkeit zu positionieren, sondern auch die gesellschaftliche Verantwortung von Hochschulen. Eine weltoffene Hochschule ist eine, die sich dazu verpflichtet und Sorge dafür trägt, dass Menschen verschiedener Herkunft grundsätzlich zu allen Ebenen der Organisation Zugang erhalten und nicht aufgrund von gruppenbezogenen Zugehörigkeiten ausgeschlossen oder benachteiligt werden. Hier gilt es Barrieren abzubauen und Zugänglichkeit und Teilhabe zu erleichtern. 

Zu einem umfassenden Engagement von Hochschulen gegen Fremdenfeindlichkeit gehört für mich auch, die historische Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Hochschulen und die Wissenschaft selbst in der deutschen Geschichte zu Fremdenfeindlichkeit und Ausschluss beigetragen haben. Ich habe an der Universität Heidelberg studiert. Dort wurde 1933 das Motto der Universität ‚Dem lebendigen Geist' durch ‚Dem deutschen Geist' ersetzt. Erst Ende der 1980er Jahre wurde in der Universität eine Gedenktafel für die vertriebenen Wissenschaftler_ innen errichtet. Wie eine Verantwortungsübernahme  von Wissenschaftsorganisationen für ihre eigene Geschichte aussehen kann, zeigt beispielsweise die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG). Im Rahmen eines Forschungsprojektes wird ihre eigene Involviertheit in die Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus untersucht und in einer unlängst in Berlin in der ‚Topographie des Terrors' präsentierten Ausstellung ‚Wissenschaft, Planung, Vertreibung' thematisiert. Die Universität Frankfurt hat vor einem Monat beschlossen, dass alle ihre Bereiche sich am Tag der Befreiung von Auschwitz, am 27. Januar, der Erinnerung und der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zuwenden. 

Zudem sollten Hochschulen als Orte der Wissenschaft auch Orte der Kritik und der Ausbildung von Kritikfähigkeit und damit der Aufmerksamkeit für Mechanismen und Muster der Ausschließung sein.  Hochschule und die Wissenschaft im 21. Jahrhundert braucht die Vielfalt von Perspektiven auf ihre Themen und Gegenstände.

Wir bieten an unserem Institut und unserer Abteilung einen erziehungswissenschaftlichen Master-Studiengang an, der einen Schwerpunkt ‚Diversity Education‘ aufweist. Themen wie ‚Inklusion‘, die ‚Konstruktion von Fremdheit‘ bzw. von ‚Andersheit‘, ‚antirassistische Bildungsarbeit‘, ‚Migration und Pädagogik‘ oder auch ‚Erziehung nach Ausschwitz‘ gehören bei uns zum festen Studienprogramm und damit zu unserem Alltag in der Lehre. Dazu gibt es auch eine ganze Reihe von gemeinsamen Projekten an der Abteilung. Etwa das Projekt ‚Erinnerungskulturen als pädagogische und bildungspolitische Herausforderung‘ (2015). Aktuell habe ich mit der Promovendin Wiebke Hiemisch gemeinsam einen Forschungsantrag zu ‚Unterricht in Ravensbrück‘ in Zusammenarbeit mit der Mahn- und Gedenkstätte gestellt. Auch diese Themen werden bei uns in der Lehre angeboten und wir beziehen die Studierenden in solche Projekte ein.

Der Umgang mit Verschiedenheit ist eine permanente Herausforderung für alle Lehrenden und Studierenden. Nicht nur, dass Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit und Mechanismen der Ausschließung zum Thema in Lehrveranstaltungen gemacht werden, darüber hinaus geht es auch darum, dass in der Praxis von Lehrveranstaltungen zum Beispiel ausgrenzendes Sprechen und andere Praktiken sich nicht durchsetzen. Null Toleranz gegenüber Fremdenfeindlichkeit  ist m.E. ein wichtiges Prinzip. Darauf können sowohl Lehrende als auch Studierende achten, dies gilt aber auch für andere Formen der Abwertung und Ausgrenzung von Zugehörigkeiten. Konkret kann es aber auch bedeuten, sich zum Beispiel flexibel in Prüfungsformen zu zeigen, wenn Studierende nicht Deutsch als Muttersprache sprechen und nach entsprechenden Wegen und alternativen Möglichkeiten für Prüfungen und Leistungsnachweise zu suchen. Hier haben wir beispielsweise schon mit Übersetzer_ innen gearbeitet.

Ich setze mich für diesen Studiengang und die damit verbundenen Themen ein, aber auch dafür, dass Studierende mit unterschiedlicher Herkunft hier studieren können und darin, dass wir ihnen dies ermöglichen und erleichtern sowie flexibel auf ihre Bedarfe reagieren. Dies ist etwas, was wir an unserer Abteilung gemeinsam tun. Konkret haben wir in diesem Semester im Rahmen einer Ringvorlesung Personen eingeladen, die Flüchtlingsarbeit in Hildesheim leisten, um darüber die Stadt und die Hochschule miteinander ins Gespräch über Flüchtlingsarbeit zu bringen. Dies findet am 3. Dezember statt und ist hochschulöffentlich. In der letzten Woche habe ich gemeinsam mit Irene Leser vom Institut für Sozialwissenschaften einen Workshop durchgeführt auf einer Veranstaltung der  Bundeszentrale für politische Bildung, die sich Fragen des zeitgeschichtlichen Lernens mit Kindern gewidmet hat und bei der es auch darum ging, wie mit Kindern zu Themen wie dem Nationalsozialismus gearbeitet werden kann. Die erwähnte Idee der Universität Frankfurt, einen Gedenktag am 27. Januar einzuführen, könnte vielleicht auch für die Universität Hildesheim eine Option sein.“

 

Studierende durch gezielte Lernpartnerschaften auf ihren Bildungswegen unterstützen

Sabrina Zourelidis (Studentin), Annette Lützel und Katharina Melzner. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Seit Herbst 2015 sind Katharina Melzner und Annette Lützel gemeinsam mit Lehramtsstudierenden jeden Tag in einer Erstaufnahmestelle in Hildesheim. Melzner studiert „Deutsch als Zweitsprache“ und leitet den Sprachunterricht. Studentinnen und Studenten unterstützen Erwachsene, die seit wenigen Wochen in Deutschland leben, beim Sprachenlernen im Rahmen ihres Sozialpraktikums. Das Projekt wird 2016 fortgeführt, Studierende können mitwirken. Am 4. Dezember 2015 findet eine Informationsveranstaltung für Studierende statt.

Katharina Melzner und Annette Lützel sagen anlässlich der HRK-Initiative:

„Eine Hochschule hat die Aufgabe, junge Menschen auf ein akademisch ausgerichtetes Berufsleben vorzubereiten. Sie spiegelt daher einen Teil der Gesellschaft wider. Und dazu gehören alle Menschen, die in Deutschland leben – auch Migranteninnen und Migranten und Flüchtlinge!

Man könnte deren Situation an Hochschulen verbessern durch zum Beispiel:

  • explizitere Sprachförderung durch die Uni
  • besserer Hochschulzugang
  • Unterstützung dieser Studierenden durch gezieltere Lernpartnerschaften.“

 

Mehrsprachigkeit von Jugendlichen und Erwachsenen als Chance aufgreifen



... sagt Prof. Elke Montanari über das Sprachlernprojekt in der Erstaufnahmestelle in Hildesheim.

Die Professorin für Deutsch als Zweitsprache bildet an der Universität Hildesheim Lehrerinnen und Lehrer aus und befasst sich in der Forschung mit der Frage, wie Kinder und Jugendliche mehrsprachig aufwachsen.

 

Wertschätzung und Neugierde im Alltag

Vera Volkmann untersucht, wie Teilhabe durch und im Sport gelingen kann. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Prof. Vera Volkmann lehrt und forscht am Institut für Sportwissenschaft der Universität Hildesheim. Die Sportwissenschaftlerin unterstützt Lehramtsstudierende beim Aufbau von Sportprojekten und untersucht derzeit in einer Begleitforschung an Schulen in Peine und Hildesheim, wie Sport Jugendliche zusammenbringen kann.

Die Professorin sagt:

„Für mich ist eine ‚weltoffene Hochschule‘ eine Hochschule, die die Unterschiedlichkeit ihrer Studierenden als Bereicherung ansieht und nicht nur den bildungsbürgerlichen Habitus reproduziert. Es ist eine Hochschule, die durch Forschung und Lehre dazu anregt, ‚Normalität' als relativ und variabel zu erkennen und Irritationen bereit hält.

Am deutlichsten bemerkt man dies im alltäglichen Umgang miteinander, der durch Wertschätzung und Neugierde auf ‚den anderen' geprägt sein sollte. Man kann dies besonders durch die entsprechende Auswahl von Themen für Lehrveranstaltungen und Tagungen, aber auch durch eine ausgeprägte Diskussionskultur erreichen. Wenn Studierende ihrerseits Impulse geben, kann man als Lehrperson eine förderliche Rahmung und Unterstützung bieten.

Ich bemühe mich, einen wertschätzenden und fördernden Umgang mit den Studierenden zu pflegen, der sich auch nicht nur auf die Lehrveranstaltungen und ähnliches beschränkt. Ich versuche, auch als Person mit entsprechenden Werten zur Verfügung zu stehen, wo immer mir dieses möglich ist. Im Zentrum für Bildungsintegration bin ich zum Beispiel für den Focal Point ‚Sport - Teilhabe – Perspektiven‘ verantwortlich und befasse mich in Forschung – aber auch Interventionsprojekten damit, unter welchen Bedingungen die Teilhabe an der Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur für alle in unserer Gesellschaft gesteigert werden kann.“

 

Dialog und Begegnung fördern

Marit Breede und ihr Team ermutigen Studierende, ins Ausland zu gehen. Foto: Clemens Heidrich

Marit Breede vom International Office der Universität Hildesheim:

„Eine weltoffene Hochschule – daran arbeiten wir im International Office tagtäglich! Ganz konkret dadurch, dass wir unser Bestmögliches tun, um internationalen Studierenden ihren Aufenthalt an der Universität Hildesheim zu einem unvergesslichen und angenehmen Erlebnis zu machen. Und im Gegenzug möglichst viele hiesige Studierende ermutigen, das Abenteuer Ausland zu wagen. So bringen wir Menschen verschiedener Kulturen miteinander in Kontakt, in Hildesheim und im Ausland, und fördern den Dialog und die Begegnung – meiner Ansicht nach ist dies immer noch die effektivste Möglichkeit, Fremdenfeindlichkeit vorzubeugen.“

Wer im Ausland studieren möchte, erhält beim Go-Out-Tag am 18. November 2015 alle Information rund um Planung, Studienmöglichkeiten und Finanzierung.

 

Respekt!

Es beginnt in der Schule, man lernt, einander zu respektieren, sagt Nadine Raygrotzki. Foto: Lange/Uni Hildesheim

Nadine Raygrotzki studiert in Hildesheim Lehramt mit den Fächern Mathematik und Englisch.

Die Studentin sagt:

„Eine weltoffene Hochschule? Alle sollten zusammen studieren können und einander respektieren. Ich arbeite bald im Klassenzimmer – an Schulen sollte es fair zugehen. Ich möchte Lehrerin werden und alle gleich behandeln. Man darf niemanden wegen seiner Herkunft benachteiligen.“

 

Vielfalt ist eine Chance, um voneinander und miteinander zu lernen

Morena Piro vom Center for World Music an der Universität Hildesheim:

„Eine weltoffene Hochschule stellt sich den gesellschaftlichen Herausforderungen und sieht die Vielfalt als Chance, voneinander und miteinander zu lernen. Der berufsbegleitende Weiterbildungsstudiengang ‚musik.welt - Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung' am Center for World Music reagiert auf die aktuellen Herausforderungen unserer sich kulturell wandelnden Gesellschaft. Musik schafft hier Räume, in denen sich die Studierenden aus unterschiedlichsten Herkunftsländern auf Augenhöhe begegnen."

 

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Sportwissenschaft Musik und Musikwissenschaft Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Präsident Präsidium
news-10938 Tue, 10 Nov 2015 17:04:00 +0100 Diversity-Tag: Religiöse Vielfalt in Schulen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/diversity-tag-religioese-vielfalt-in-schulen/ Auseinandersetzung mit Religion, mit unterschiedlichen Glaubensvorstellungen und Wertorientierungen ist für eine plurale Gesellschaft unverzichtbar, sagt Professorin Viola Georgi. In einer Podiumsdiskussion an der Universität sprechen Fachleute am Donnerstagabend, 12. November 2015, über religiöse Vielfalt im Schulalltag. Auseinandersetzung mit Religion, mit unterschiedlichen Glaubensvorstellungen und Wertorientierungen ist für eine plurale Gesellschaft unverzichtbar, sagt Professorin Viola Georgi. „Lehrerinnen und Lehrer müssen vor allem Gelegenheiten haben, sich in Studium und Praxis mit unterschiedlichen Glaubensvorstellungen und Wertorientierungen intensiv zu beschäftigen, zum Beispiel im Rahmen von Seminaren zur Interkulturellen Schul- und Unterrichtsentwicklung, so wie wir sie an der Universität Hildesheim anbieten.“ Dabei gehe es um die Reflexion der „eigenen“ religiösen und kulturellen Prägung, so Georgi, aber auch um das Wahrnehmen und Kennenlernen von religiösen Traditionen und Praxen, mit denen man nicht so vertraut ist. „Wir wollen die Neugier der Studierenden wecken, Kenntnisse vermitteln und interkulturelle Kompetenzen fördern.“

Viola Georgi leitet an der Hildesheimer Universität das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“. Jährlich lädt sie mit ihrem Team zum „Diversity-Tag“ ein. Fachleute, Lehrende und Studierende tauschen sich aus, im Vorjahr haben sie sich mit dem Themenfeld „Mehrsprachigkeit“ auseinandergesetzt. Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, berichteten zum Beispiel in einer Ausstellung über ihren Alltag und ihre Sprachen. In diesem Jahr befassen sich die Wissenschaftlerinnen  mit der religiösen Vielfalt an Schulen und laden am Donnerstagabend, 12. November 2015, zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion mit anschließendem Konzert (PDF) im neuen Forum am Universitätsplatz 1 ein.

Am Freitag tauschen sich 20 namhafte Experten und Expertinnen aus dem Bereich der Religionswissenschaften und der Interkulturellen Bildung aus. Gemeinsam mit dem Europarat, dem „European Wergeland Centre“ und der „Coordinating Group for Religion and Education in Europe“ (CoGREE) lädt das Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim zu einer nichtöffentlichen „Nationalen Konsultation“ (PDF) ein.

Die Fachleute diskutieren, wie man der religiösen Pluralität im Klassenzimmer gerechter werden kann. „Gerade angesichts der derzeitigen Neuzuwanderung von Menschen mit vornehmlich muslimischen religiösen Prägungen rückt die Frage nach der Rolle von Religion und ihrer Vermittlung erneut ins Zentrum gesellschaftspolitischer Debatten“, sagt Viola Georgi. Deutschland habe, im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, etwa im Vergleich zum laizistisch geprägten Frankreich, „ein sehr spezielles Modell von schulischem Religionsunterricht“, so die Erziehungswissenschaftlerin. Religion sei in Frankreich Privatangelegenheit und wird daher nicht als Fach in der Schule unterrichtet. „In Deutschland findet religiöse Unterweisung in der Schule statt und wird zudem konfessionell unterrichtet. Angesichts der rasanten Diversifizierung religiöser Gruppen und Glaubensgemeinschaften sowie starken Säkularisierungsprozessen werden wir im Rahmen der Nationalen Konsultation diskutieren, wie zeitgemäß dieses Modell religiösen Lernens ist. Es muss gefragt werden, ob Ethikunterricht und Religionskunde oder ein integrativer Religionsunterricht, der Schülerinnen und Schüler aller Glaubensrichtungen einbezieht, nicht eine inklusivere Alternative für Religionslernen in der Einwanderungsgesellschaft darstellen könnte. Wir wollen nach den Zusammenhängen von interkultureller und interreligiöser Bildung fragen und dabei die Chancen und Rahmenbedingungen für gelebte religiöse Vielfalt in der Schule ausloten, aber auch Konfliktfelder und Fallstricke benennen“, sagt die Professorin.

Im Rahmen des Symposiums werden die Fachleute ein neues Konzept des Europarates beraten und Empfehlungen zur Weiterentwicklung und Implementierung dieses Konzeptes für den deutschen Kontext formulieren.

Diversity-Tag an der Universität Hildesheim

Die öffentliche Podiumsdiskussion „Religion und Schule: Kontroversen – Standpunkte – Perspektiven" beginnt am Donnerstag, 12. November 2015, um 18:00 Uhr im neuen Forum am Universitätsplatz 1. Es diskutieren die Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track (Landeskirchenamt der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers), Annett Abdel-Rahman (Universität Osnabrück), Theologieprofessor Martin Schreiner (Stiftung Universität Hildesheim), Riem Spielhaus (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen Centre for Islam & Law in Europe) sowie Professor Wolfram Weiße (Universität Hamburg, Akademie der Weltregionen). Professorin Viola B. Georgi (Zentrum für Bildungsintegration, Stiftung Universität Hildesheim) und Peter Schreiner (Comenius-Institut, Münster, Coordinating Group for Religion in Education in Europe) moderieren die Diskussion.

Anschließend geben Maximilian Guth und Ehsan Ebrahimi Einblicke in ein interkulturelles Musikprojekt für Chor und Instrumentalensemble.

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Evangelische Theologie Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration
news-10729 Fri, 09 Oct 2015 17:51:00 +0200 Lehrerausbildung: Vielfalt an Schulen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/lehrerausbil-1/ Vielfalt im Lehrerzimmer: Die Universität Hildesheim möchte mit „Orientierungstagen" Jugendliche für den Lehrerberuf begeistern. Eine Bewerbung ist ab sofort möglich. Lehrerinnen und Lehrer können zum Wohlbefinden und zum Bildungserfolg ihrer Schüler beitragen, sagt Professorin Viola Georgi. Ein Ziel der regionalen Orientierungstage ist, Jugendliche – vor allem mit Migrationsbiographie – für den Lehrerberuf zu interessieren. Die Initiative des Kultusministerium startet an mehreren Standorten in Niedersachsen. Mit einer Tagung haben im Oktober 2015 etwa 170 Fachleute aus Wissenschaft und Schule ein Zeichen für Vielfalt gesetzt. Die Konferenz des Niedersächsischen Kultusministeriums und der Universität Hildesheim bildet zugleich den Auftakt für die Orientierungstage „Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer". An den Standorten Braunschweig, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück bieten die Universitäten und Studienseminare in den nächsten Monaten regionale Orientierungstage an, um Jugendliche – insbesondere mit Migrationsbiographie – für das Thema „Vielfalt an Schulen" zu sensibilisieren und für den Berufswunsch Lehramt zu interessieren.

Lehrerinnen und Lehrer, sagt Professorin Viola Georgi von der Universität Hildesheim, spielen eine Schlüsselrolle für „gelingende Bildungsintegration, denn sie können ganz maßgeblich zum Wohlbefinden und zum Bildungserfolg ihrer Schüler beitragen".

Nur knapp fünf Prozent der Lehrerinnen und Lehrer haben selbst einen Migrationshintergrund. Das Ungleichgewicht setze sich im öffentlichen Dienst weiter fort, sowohl in Behörden als auch bei der Polizei, sagt die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf. Dies müsse sich ändern. „Oftmals fehlt es an umfassenden Kenntnissen über Bildungswege und Berufsmöglichkeiten. Hier müssen wir ansetzen, Öffentlichkeit herstellen und für das Thema sensibilisieren", so Doris Schröder-Köpf.

„Mit der Fachtagung und den Orientierungstagen unterstreichen wir, dass die interkulturelle Öffnung von Schulen wichtig ist", sagt Claudia Schanz, Referatsleiterin im Niedersächsischen Kultusministerium. „Wir wollen dazu beitragen, dass Bildungserfolg unabhängig von Herkunft gelingen kann. Und wir wollen die Vielfalt im Klassenzimmer auch im Lehrerzimmer erreichen, denn wir wissen, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationsbiographie am Ende der Schulzeit oft andere Berufsinteressen haben, als den Lehrerberuf. Deshalb werben wir aktiv dafür. Sie haben aufgrund ihrer Lebensbiographie ein vertieftes Verständnis für die Lebenswelt der Jugendlichen. Sie sollen aber zuallererst gute Lehrer sein und nicht auf diese Rolle als Brückenbauer festgelegt werden."

Welche Rolle nehmen Lehrkräfte in der Schule ein, deren Familien zum Beispiel nach Deutschland eingewandert sind, die selbst mehrsprachig aufgewachsen sind oder im Ausland unterrichtet und interkulturelle Erfahrungen gesammelt haben? Die Erziehungswissenschaftlerin Yvonne Rechter von der Universität Hildesheim betont, dass die Mehrsprachigkeit, die viele Lehrkräfte mitbringen, ein großer Vorteil für das Unterrichten heterogener Schulklassen sei. Letztlich müssten aber alle Lehrkräfte – unabhängig von ihrer Herkunft – lernen, wie sie mit Vielfalt umgehen, sagt Rechter. Sie fördert Lehramtsstudierende beim Sammeln von zusätzlichen Praxiserfahrungen im Studium. In Hildesheim unterstützen Studierende im Projekt „LernKU(h)LT“ seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zwei Mal in der Woche lernen sie gemeinsam in einer Kleingruppe und halten Kontakt zu den Eltern und Lehrkräften.

Claudia Schanz berichtet von einem Netzwerk, in dem sich etwa 300 Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte engagieren. Erfreulich sei, so Schanz, dass „immer mehr auch Funktionen einnehmen, die Schulleitung übernehmen und im Karriereweg aufsteigen". „Die Lehrkräfte gehen in Schulen und werben aktiv für den Lehrerberuf", so Schanz. Das Niedersächsische Kultusministerium stellt für das „Migranetz" personelle Ressourcen zur Verfügung.

Auf der Hildesheimer Tagung haben sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch mit dem Themenfeld „Bildungswege nach der Flucht" befasst. Derzeit werden viele Kinder und Jugendliche, die eine Flucht hinter sich haben, in sogenannten Willkommens-, Sprachlern- oder Migrationsklassen – die Bezeichnung variiert je nach Bundesland – auf den Schulalltag in Deutschland vorbereitet. Wie unterstützen Schulen und Bildungseinrichtungen Kinder und Jugendliche bei diesem Übergang? „Vielerorts – besonders in den Städten – klappt das gut, weil Schulen in Deutschland vielfältige Erfahrungen im Umgang mit migrationsbedingter sozialer, kultureller und sprachlicher Vielfalt gesammelt haben. Aber es gibt auch Schulen, die überfordert sind, weil ihnen Personal fehlt, Sozialarbeiter, Psychologen und Dolmetscher etwa, die gerade dringend gebraucht werden", sagt Professorin Viola Georgi, die am Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim über „Schule in der Einwanderungsgesellschaft" und „Bildungschancen" forscht.

„Je eher die Kinder und Jugendlichen wieder einen strukturierten Alltag erleben, umso besser", so Prof. Viola Georgi. Sie sind in der Schule unter Gleichaltrigen, lösen Aufgaben gemeinsam, sie spielen zusammen Fußball, gehen ins Theater oder besuchen den Zoo. Der Schulalltag mit all seinen Routinen hilft dabei, sich in der neuen Gesellschaft zu orientieren und entlastet auch die Eltern.

Die Tagung des Niedersächsischen Kultusministeriums und der Universität Hildesheim wurde vom Niedersächsischen Sozialministerium gefördert. Beteiligt sind unter anderem das Zentrum für Bildungsintegration, das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung und das Institut für Erziehungswissenschaft.

Jetzt anmelden: Orientierungstage / Ministerium und Universität werben für mehr Vielfalt im Lehrerzimmer

Die Initiative des Niedersächsischen Kultutsministeriums kommt auch nach Hildesheim: An der Universität Hildesheim und an Schulen finden die Orientierungstage „Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer!" am Samstag, 16. Januar 2016, und am Donnerstag, 21. Januar 2016, statt. Der zweitätige Kompaktkurs gibt Einblicke in das Lehramtsstudium und zeigt die Chancen des Lehrerberufs. Schülerinnen und Schüler von der 11. bis 13. Klasse können sich bis zum 12. Dezember 2015 bewerben. Das Angebot richtet sich vor allem an junge Menschen mit Migrationsbiographie.
Weitere Informationen zur Teilnahme findet man online.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Ang. Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Lehrerbildung Bildungsintegration
news-10727 Tue, 06 Oct 2015 08:00:00 +0200 Willkommensklasse – und dann? Auf die Schulen kommt jetzt Großes zu: Sie müssen Hunderttausende Flüchtlingskinder integrieren. Wie soll das gehen? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/willkommensk/ HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG und HILDESHEIMER ALLGEMEINE ZEITUNG über Schule in der Einwanderungsgesellschaft: Professorin Viola Georgi untersucht an der Universität Hildesheim, wie Schulen mit Vielfalt umgehen, und bildet Fachleute für den Bildungsbereich aus. Die Politikredakteurin Marina Kormbaki berichtet in einem Schwerpunkt-Artikel (Seite 3) überden Alltag in Sprachlernklassen und wie Schulen Kinder und Jugendliche beim Ankommen in Deutschland unterstützen. „'Wir haben in der Vergangenheit bereits vielfältige Erfahrungen gesammelt und Konzepte entwickelt. Wir müssen jetzt das Rad nicht neu erfinden', sagt Prof. Viola Georgi, Bildungsexpertin an der Uni Hildesheim. 'Schon seit Langem vermitteln wir Lehramtsstudenten eine Pädagogik, die kulturelle Unterschiede und Mehrsprachigkeit von Schülern nicht mehr als Problem betrachtet'“, heißt es in der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, Willkommensklasse – und dann? Auf die Schulen kommt jetzt Großes zu: Sie müssen Hunderttausende Flüchtlingskinder integrieren. Wie soll das gehen?", Politik Seite 3, 06.10.2015 (print)

Kontakt zu Studierenden und zu Lehrenden, die Studieninteressierte nach der Flucht unterstützen, über die Universität Hildesheim (Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional Bildungsintegration Lehrerbildung Flüchtlinge
news-10838 Thu, 01 Oct 2015 12:05:00 +0200 Diskriminierung fängt im Schulbuch an https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/diskriminier/ Lehrer müssen sich immer stärker mit Schülern auseinandersetzen, die über einen Migrationshintergrund verfügen. Das bisherige Bildungsmodell ist allerdings nicht mehr zukunftsfähig. Auf der Fachtagung "Vielfalt im Klassenzimmer" an der Universität Hildesheim wurden die aktuellen Probleme diskutiert und mögliche Lösungsstrategien aufgezeigt. Die Tagung richtete sich vor allem an diejenigen, die die Last dieser Integrationsarbeit zu tragen haben: Die Lehrer. Pressespiegel regional Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-10640 Wed, 30 Sep 2015 08:06:00 +0200 Schule in der Einwanderungsgesellschaft https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/schule-in-de/ Lehrerinnen und Lehrer spielen eine Schlüsselrolle für „gelingende Bildungsintegration", sagt Professorin Viola Georgi. Anfang Oktober befassen sich Fachleute an der Universität Hildesheim mit dem Themenfeld „Schule in der Einwanderungsgesellschaft". Unter anderem sprechen sie über „Bildungswege nach der Flucht". Außerdem geht es um die Frage, welche Rolle Lehrkräfte spielen, deren Familienbiografie selbst von Migration geprägt ist, die mehrsprachig aufgewachsen sind oder im Ausland unterrichtet und interkulturelle Erfahrungen gesammelt haben. Am Donnerstag, 1. Oktober 2015, befassen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Pädagoginnen und Pädagogen aus der Schule und dem Bereich Migration und Teilhabe mit dem Thema „Vielfalt an Schulen". Die Tagung des Niedersächsischen Kultusministeriums und der Universität Hildesheim (zum Programm) wird vom Niedersächsischen Sozialministerium gefördert. Beteiligt sind unter anderem das Zentrum für Bildungsintegration, das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung und das Institut für Erziehungswissenschaft. Zur Begrüßung spricht die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf.

Die Fachtagung bildet den Auftakt für die Orientierungstage „Vielfalt im Klassenzimmer = Vielfalt im Lehrerzimmer": An den Standorten Braunschweig, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück bieten die Universitäten und Studienseminare regionale Orientierungstage an, um Jugendliche – insbesondere mit Migrationsbiographie – für das Thema „Vielfalt an Schulen" zu sensibilisieren und für den Berufswunsch Lehramt zu interessieren.

Lehrerinnen und Lehrer, sagt die Hildesheimer Professorin Viola Georgi, spielen eine Schlüsselrolle für „gelingende Bildungsintegration, denn sie können ganz maßgeblich zum Wohlbefinden und zum Bildungserfolg ihrer Schüler beitragen".

Die Fachtagung soll ein Zeichen für Vielfalt und die interkulturelle Öffnung von Schulen setzen, sagt Claudia Schanz, Referatsleiterin im Niedersächsischen Kultusministerium. Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Die Tagung richtet sich insbesondere an Fachleute aus Schulen, Bildungseinrichtungen und Hochschulen sowie an Lehramtsstudierende und am Lehrerberuf Interessierte. Eine Anmeldung ist erforderlich bei Marina de Greef (via E-Mail bis zum 30.09.2015: Marina.deGreef[at]mk.niedersachsen.de).

Derzeit werden viele Kinder und Jugendliche, die eine Flucht hinter sich haben, in sogenannten Willkommens-, Sprachlern- oder Migrationsklassen – die Bezeichnung variiert je nach Bundesland – auf den Schulalltag in Deutschland vorbereitet. Wie unterstützen Schulen und Bildungseinrichtungen Kinder und Jugendliche bei diesem Übergang? „Vielerorts – besonders in den Städten – klappt das gut, weil Schulen in Deutschland vielfältige Erfahrungen im Umgang mit migrationsbedingter sozialer, kultureller und sprachlicher Vielfalt gesammelt haben. Aber es gibt auch Schulen, die überfordert sind, weil ihnen Personal fehlt, Sozialarbeiter, Psychologen und Dolmetscher etwa, die gerade dringend gebraucht werden", sagt Professorin Viola Georgi, die an der Universität Hildesheim zum Thema  „Schule in der Einwanderungsgesellschaft" forscht.

Auf der Fachtagung geht es auch um die Frage, welche Rolle Lehrkräfte in der Schule einnehmen, deren Familien zum Beispiel nach Deutschland eingewandert sind, die selbst mehrsprachig aufgewachsen sind oder im Ausland unterrichtet und interkulturelle Erfahrungen gesammelt haben.

Die Erziehungswissenschaftlerin Yvonne Rechter von der Universität Hildesheim betont, dass die Mehrsprachigkeit, die viele Lehrkräfte mit Migrationshintergrund mitbringen, ein großer Vorteil für das Unterrichten heterogener Schulklassen sei. Letztlich müssten aber alle Lehrkräfte – unabhängig von ihrer Herkunft – lernen, wie sie mit Vielfalt umgehen, sagt Rechter. Sie fördert unter anderem Lehramtsstudierende beim Sammeln von zusätzlichen Praxiserfahrungen im Studium. In Hildesheim unterstützen Studierende im Projekt „LernKU(h)LT“ seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zwei Mal in der Woche lernen sie gemeinsam in einer Kleingruppe und halten Kontakt zu den Eltern und Lehrkräften.

Themen der Tagung sind zum Beispiel:

  • Schule in der Migrationsgesellschaft
  • Umgang mit durch Flucht traumatisierten Kindern und Jugendlichen in Schule
  • Mehrsprachigkeit von Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern im Unterricht/in der Schule
  • Rassismus- und antisemitismuskritische Jugendarbeit
  • Diversity in Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien

Lesetipp / Aktuelle Reportagen und Interviews: Sport kann verbinden

Nach der Flucht – Sport gibt Kraft und kann verbinden: Zwei Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim begleiten Jugendliche, die geflohen sind, beim Ankommen in Deutschland. Jede Woche gehen sie gemeinsam auf den Sportplatz. Viele weitere Studierende wollen durch Theaterspielen, Musizieren und Sprachenlernen Begegnungen fördern. Lesen Sie aktuelle Reportagen und Interviews im Uni-Magazin (2015, epaper online).

Medienkontakt: Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100, 0177.8605905).

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration
news-10633 Thu, 13 Aug 2015 11:48:00 +0200 IHK ehrt die Besten des Jahrgangs https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/ihk-ehrt-die-2/ Die Industrie- und Handelskammer (IHK) ehrte auch in diesem Jahr wieder die besten Absolventen des aktuellen Ausbildungsjahres. Zur Feierstunde sprach Prof. Dr. Carola lller von der Uni Hildesheim über das Thema lebenslanges Lernen und Aus- und Weiterbildung. Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft news-10517 Wed, 22 Jul 2015 15:38:00 +0200 "Genauer hinschauen" – Uni-Professoren fordern mehr Geld für Kitas https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/genauer-hin/ Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zum Betreuungsgeld fordern 24 Wissenschaftler die frei gewordenen Gelder für die öffentliche Kinderbetreuung zu verwenden. Mitunterzeichner des Papiers sind Kirsten Scheiwe, Professorin für Recht sozialer Dienstleistungen und Wolfgang Schröer, Professor für Erziehungs-und Sozialwissenschaften an der Universität Hildesheim. Sie fordern gemeinsam eine Aufwertung und Professionalisierung des Berufs der Erzieherinnen. Migrationspolitik Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Sozialwissenschaften Soziologie Politik Forschung Kompetenzzentrum Frühe Kindheit news-10494 Mon, 13 Jul 2015 13:45:00 +0200 Gegen Vorurteile in Kinderwelten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/gegen-vorurt/ Mitte Juli fand die letzte öffentliche Ringvorlesung „Kindheit in der Region / KinderLeben vielfältig" statt, eine Kooperation des Niedersächsischen Instituts für Frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe), Hildesheimer Einrichtungen der frühkindlichen Bildung sowie der Universität Hildesheim. Ziel war der Austausch von Erfahrungs- und Wissensbeständen für die optimale Gestaltung von Bildungs- und Entwicklungsprozessen von Kindern. Das Thema der letzten Veranstaltung: Wie kann eine Lernumgebung entwickelt werden, die Vorurteile hinterfragt und sensibilisiert. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Forschung Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Inklusion Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) news-10476 Tue, 07 Jul 2015 13:45:00 +0200 Schiff ahoi: Mast-und Schotbruch auf der Innerste https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/schiff-ahoi/ Beim Innerste-Rennen ließen Schüler ihre ganz eigenen Bootskreationen auf einer 200 Meter langen Strecke um die Wette schwimmen. Das Schulprojekt wurde von Julia Krankenhagen, Erziehungswissenschaftlerin und Lehrbeauftragte am Institut für Kulturpolitik organisiert. Pressespiegel regional Fachbereich 2 Kulturpolitik Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft news-10468 Mon, 06 Jul 2015 13:45:00 +0200 Mission erfolgreich: Kinder-Bildung (vorerst) gerettet https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/mission-erfo/ Die Landesregierung rückt von ihren Plänen, die regionalen Institute für frühkindliche Entwicklung (nifbe) zu streichen, ab. Auch Hildesheim wäre von den Streichplänen betroffen, doch "nifbe" -Chefin Margitta Rudolph zeigte sich kämpferisch und erreichte den Erhalt des Standorts. Und so kann der erfolgreiche Transfer von Ergebnisse der Forschung mit den Themen und Problemen der Praxis fortgeführt werden. "Hildesheim hat sich zu einer Forschungshochburg der frühkindlichen Pädagogik entwickelt", so Rudolph. Und das sowohl an der Universität als auch an der HAWK. Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Psychologie Forschung Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Fachbereich 3 Deutsche Sprache news-10444 Sat, 27 Jun 2015 16:02:00 +0200 Uni checkt das Jugendamt https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/uni-checkt-d/ Die Arbeit der Experten in den Jugendämtern gegen den Schulabsentismus, besser bekannt als das Schulschwänzen, möchte die Universität Hildesheim mit einem zweijährigen Forschungsprojekt unterstützen. "Es gibt kaum Erkenntnisse darüber wie Betroffene Hilfeempfänger den Umgang der Behörden mit sich einschätzen", beschreibt Uni-Professor Wolfgang Schröer den Ansatz der Forschungsarbeit. Nun begleiten Uni-Studenten die Sozialpädagogen bei ihrer täglichen Arbeit, analysieren und bewerten die Besuche und Gespräche. Ein Ziel des Projektes ist es, Standards für die Bearbeitung von Fällen zu erarbeiten, das Ganze in enger Zusammenarbeit mit den Fachleuten des Jugendamts. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Psychologie Sozial- und Organisationspädagogik Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft news-10236 Wed, 24 Jun 2015 13:00:00 +0200 Bildungswege von Flüchtlingen: World Refugee Day https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/bildungswege-1/ Hildesheimer Universitätspräsident fordert eine stärkere Öffnung des Bildungssystems: Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Die jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. „Let’s help refugees thrive, not just survive”, so lautet der Appell von Melissa Fleming vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR). Wir sollten Flüchtlinge dabei unterstützen, zu überleben und ihnen zugleich dabei helfen, ihre Persönlichkeit zu entfalten, um Erfolg zu haben.

Wenn die UN zum „World Refugee Day“ am 20. Juni 2015 weltweit auf die Probleme von Geflüchteten und auf ihre Kraft, ihren Mut und Durchhaltewillen aufmerksam macht, setzt die Universität Hildesheim ebenfalls ein Zeichen: Studierende und Lehrende unterstützen Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen und beim Spracherwerb, sie spielen gemeinsam Fußball, Theater und Musizieren.

Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich fordert anlässlich des Weltflüchtlingstages eine stärkere Öffnung des Bildungssystems und mehr Sprachangebote für Flüchtlinge. Dabei weist Friedrich auf die Rolle von Universitäten hin: „Wir wollen unseren Beitrag in Forschung und Lehre, Studium und Weiterbildung leisten, um die Bildungschancen von Menschen aus Einwanderungsfamilien zu verbessern. Wir erkennen gleichzeitig ihre vielfältigen Erfahrungen an. Wir sollten die Ärmsten und Fleißigsten nach Kräften fördern, auch und gerade im Bildungssystem.“

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Unter ihnen ist Iman Ziaudin, die in Afghanistan und Pakistan aufwuchs und mit Anfang 20 nach Deutschland floh. Seit eineinhalb Jahren lebt sie in Hildesheim, seit zwei Monaten geht sie zur Uni. „Die Uni macht mich stärker. Ich höre den ganzen Tag Deutsch. Es ist ein schönes Gefühl: Ich kann studieren, ich fühle mich wie andere Studentinnen. Ich komme zur Uni, sitze im Unterricht und stelle mir meine Zukunft vor. Ich finde das super-schön“, sagt die 25-Jährige Informatik-Studentin. Sie besucht derzeit sechs Vorlesungen und bereitet sich parallel auf eine Sprachprüfung (C1) vor.

Die Studierenden mit Fluchterfahrung haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, von Menschen, die noch kein Studium absolviert haben bis zu jenen, die einen Studienabschluss in ihrem Herkunftsland erworben haben. Darunter zum Beispiel Ingenieure und eine Informatikerin aus Syrien, ein Politikstudent aus dem Sudan, ein Arzt und ein Modedesigner aus Syrien. „Das Schnupperstudium gibt Struktur im Tagesablauf, Studierende kommen teilweise aus dem Landkreis zu uns. Sie nehmen am normalen Uni-Betrieb teil. Viele haben einen ungesicherten Status, aber sie bringen den Mut auf, sind hoch motiviert, zu lernen“, sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik. Land und Kommunen sollten „Möglichkeiten schaffen, damit sich Flüchtlinge sinnvoll beschäftigen können“.

Studierende („Anker-Peers“) begleiten die Studierenden mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg durch die Uni. Sie wurden für die Beratung von der Studienberatung geschult und kennen Unterstützungsprogramme Außerdem bilden sie Sprachtandems. „Studierende aus Irak, Syrien und Somalia suchen Tandempartner. Es geht um den Austausch in der Alltagssprache. In meine Sprechstunden kommen vermehrt junge Flüchtlinge, die einfach gerne Deutsch sprechen möchten und gleichzeitig Kontakt mit anderen jungen Menschen suchen“, sagt Steffi Albrecht vom International Office.

In Hildesheim gibt es keine Zugangsvoraussetzungen, es geht darum, den Einstieg in das Studium zu ermöglichen. Die Universität arbeitet mit Asyl e.V. zusammen, um Flüchtlinge zu erreichen; mit der VHS (Sprachkurse), mit der HAWK, mit dem Arbeitskreis Asyl der Stadt Hildesheim (Ehrenamtliche informieren). Herausforderungen sind zum Beispiel die Sprachkenntnisse oder auch die Anerkennung der Hochschulzugangsberechtigung. Viele, die ein Studium in ihrem Herkunftsland absolviert haben, waren bemüht, ihre Papiere trotz der Flucht mitzunehmen. „Viele Studierende mussten kurz vor ihrem Abschluss aus Syrien, Irak und Sudan, aus Afghanistan und Iran fliehen. Sie sollen die Bindung zur Uni nicht verlieren“, sagt Daoud Naso vom Verein Asyl e.V.

Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen und Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Gerade haben sich junge Menschen, die erst seit etwa zwei Jahren in Deutschland leben, zusammen mit Studierenden des Masterstudiengangs „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“ auf das Deutsche Sprachdiplom vorbereitet und in den mündlichen Prüfungen ein „bestanden“ erreicht (Niveaustufen B1 und A2).

Hilfe für ein Studium nach der Flucht / Spenden und Stipendien

Die Stiftung Universität Hildesheim versucht derzeit, Studierende mit Fluchterfahrung bei der Finanzierung ihres weiteren Studiums zu unterstützen. Bürger, Unternehmen und Organisationen, die ein Deutschlandstipendium stiften möchten, können Markus Langer (markus.langer@uni-hildesheim.de; 05121 88390130) kontaktieren. Das Prinzip ist einfach: 1800 Euro Privatspende werden durch den Bund auf den doppelten Betrag aufgestockt. So entsteht ein Stipendium von 300 Euro monatlich über ein Jahr. Die Spenden sind steuerlich absetzbar. Oder spenden Sie unter dem Stichwort „Studium nach der Flucht“ auf das Konto der Stiftung Universität Hildesheim bei der Nord/LB Hannover (IBAN: DE86250500000106031768 / BIC: NOLADE2HXXX).

Magazin: Themenschwerpunkt Studium nach der Flucht

Mehr erfahren Sie im Magazin der Universität Hildesheim. Die Sommerausgabe 2015 erscheint zum „World Refugee Day“ mit dem Schwerpunktthema „Studium nach der Flucht / Bildungswege von Flüchtlingen“ und ist online kostenfrei als PDF und Epaper abrufbar.

Zwei Beispiele

Projekt „LernKU(H)LT“: Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen lernen im Team

Lehramtsstudierende der Universität Hildesheim fördern seit 2006 Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team. Zweimal wöchentlich über mindestens ein halbes Jahr begleiten sie je eine Gruppe von drei bis fünf Kindern. Die Lehramtsstudenten werden von Erziehungswissenschaftlern begleitet und halten Kontakt zu den Eltern. „Ziel ist die schulische Situation von Erst- bis Zehntklässlern, vor allem mit Förderbedarf in der deutschen Sprache, in der Region Hildesheim zu verbessern“, sagt Yvonne Rechter. Etwa 600 Kinder und Jugendliche aus der Region und 200 Studentinnen und Studenten nahmen bisher teil. Derzeit laufen 18 Gruppen, drei davon in Hannover. Etwa 13 % der Kinder kommen aus Syrien. „Mein Sohn wächst zweisprachig auf. Ich begrüße die Initiative der Universität Hildesheim, für die Studentin sind das wichtige Erfahrungen. Mein Sohn kann in der kleinen Gruppe Fragen stellen, es macht ihm Spaß“, sagt Aiman Ismail, dessen Familie seit vielen Jahren in Deutschland lebt und dessen 9-jähriger Sohn an dem Projekt teilnimmt.

Projekt „Funah“: Im Sport zusammenkommen

Viele Studierende engagieren sich für Flüchtlinge. Über das gemeinsame Fußballspiel wollen Omar Fahmy und Dominik Feer mit Jugendlichen in Niedersachsen Werte erarbeiten wie Teamgeist, Respekt, Vertrauen, Verbindlichkeit, Selbstständigkeit. Ihr Werkzeug gegen Konflikte auf dem Schulhof ist der Sport. „Wir wollen nicht bessere Fußballer aus den Jugendlichen machen, wir wollen eine Gemeinschaft bilden“, sagt Omar Fahmy. Vor dem Auspowern bieten die Lehramtsstudenten der Universität Hildesheim gezielte Förderung im schulischen Bereich an, in Fächern, in denen es bei den teilnehmenden Kindern ab zehn Jahren noch nicht rund läuft. Die Studenten arbeiten seit 2015 mit der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim zusammen. Dabei erreichen sie Kinder aus Flüchtlingsfamilien. Sie sind wöchentlich in der Schule und arbeiten intensiv mit Kindern aus einer Sprachlernklasse. Die Sportwissenschaftlerin Prof. Vera Volkmann begleitet das Projekt wissenschaftlich. „Sport ist gemeinschaftliches Erleben, auch körperlich und emotional. Sport kann ein guter Anker sein, um Begegnungen anzubahnen.“

Pressemeldung des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur

„Wir möchten Flüchtlingen, die persönlich ein schweres Schicksal erleiden, Perspektiven aufzeigen. Es ist im Interesse der ganzen Gesellschaft, wenn wir das Potenzial dieser Menschen nicht brachliegen lassen und ihnen dabei helfen, Bildungschancen zu ergreifen“, sagt die Niedersächsische Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić (zur Pressemeldung). „Damit erleichtern wir es Flüchtlingen, rasch bei uns Fuß zu fassen und geben gleichzeitig einen Anreiz, um zukünftige Fachkräfte in Niedersachsen zu halten.“

Medienkontakt:

Kontakt zu Studierenden mit Fluchterfahrung, zu Familien und Wissenschaftlern über die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905).

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Lehrerbildung MA DaZ/DaF Flüchtlinge
news-10023 Wed, 10 Jun 2015 18:41:00 +0200 „Nach der Schule endet Lernen nicht“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/nach-der-sc/ Neu an der Universität: Die Professorinnen Bettina Amrhein und Carola Iller befassen sich an der Universität Hildesheim mit Teilhabe an Bildung und Weiterbildung im Lebensverlauf. Anlässlich der Eröffnung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung im Beisein der Niedersächsischen Kultusministerin berichten die Wissenschaftlerinnen aus ihrer Forschung. „Der Bereich der Weiterbildung umfasst alle Lerngelegenheiten nach dem Abschluss der Schule, der Erstausbildung“, sagt Carola Iller, Professorin für Fort- und Weiterbildung an der Universität Hildesheim. Wenn man von einer durchschnittlichen Lebenserwartung von etwa 80 Jahren ausgeht, dann verbringen wir ein Viertel dieser Lebenszeit in Kindergarten und Schule, die anderen drei Viertel Lebenszeit haben wir für Bildung im nachschulischen Bereich, so Iller.

Nach der Schule endet Lernen nicht, sagt Carola Iller. „Vor, neben und nach der Schule gibt es Bildungsprozesse, die wichtig sind, um Herausforderungen im Beruf und Alltag zu bewältigen.“ Neben der Schule finden beispielsweise wichtige Lernprozesse im Sportverein statt. „Vereine sind nicht systematisch als Bildungsorte erschlossen. Wenn man Aufgaben als Jugendtrainer übernimmt, dann ist man dafür fachlich ausgebildet. Aber man gibt Heranwachsenden auch Orientierung.“ Diese Menschen sind wichtige Identifikationsfiguren, das zeigen Untersuchungen der Professorin. Biografische Interviews zeigen, wie wichtig diese Schlüsselpersonen in der Jugend sind, sie kommen teilweise aus der Familie, ältere Geschwister und Verwandte werden zu Vorbildern, aber auch Personen aus der Nachbarschaft und aus Sportvereinen. Iller spricht von dem „signifikanten Anderen“, also Personen, die „bedeutungsvoll sind für die eigene Entwicklung, von denen man sich etwas abschaut, an denen man sich orientiert“. In der Schule finden auch außerhalb des Unterrichts wichtige Lernprozesse statt, zum Beispiel in den Pausen im Umgang mit älteren und jüngeren Kindern.

Die Weiterbildung nach der Schule ist dann ein bunter Strauß mit formalen Angeboten im staatlich anerkannten Bildungssystem (etwa an Universitäten), mit non-formalen Angeboten (etwa Kurse an Volkshochschulen und Trainings der Krankenkasse und betriebliche Bildungsangebote). „Unternehmen sind die größten Weiterbildungsanbieter, obwohl sie nicht als Bildungsanbieter anerkannt sind. Vielen Unternehmen ist es auch nicht bewusst, dass interne Weiterbildungen eine wichtige Rolle für die berufliche Weiterentwicklung spielen“, so Professorin Iller. „Es gibt für alle diese vielen Angebote keinen Masterplan, wie in der Schule, wo wir festlegen, was unterrichtet wird. Wir sind darauf angewiesen, dass Erwachsene die Weiterbildung für sich als so relevant einschätzen, dass sie Zeit und Geld investieren. Deshalb muss jemand, der ein Weiterbildungsangebot für eine 40-jährige berufstätige Mutter entwickelt antizipieren: Was wollen die Erwachsenen? Warum könnte das Bildungsprogramm für diese Frau relevant sein?“

Lernen endet nicht nach der Schule: Anwälte, Ärzte und Lehrkräfte müssen sich fortbilden

In einigen Berufen gebe es eine Fortbildungspflicht, etwa für Anwälte, Ärzte und Lehrkräfte. „In diesen Berufen ist so eine Entwicklung über die gesamte Berufslaufbahn hinweg, da muss man Fortbildungen verpflichten. Ein Studium in der Medizin oder im Lehramt reicht nicht aus, um bis zur Rente eine gute Ärztin, ein guter Lehrer zu sein. Das spüren wir gerade auch an Schulen, mit der Reform zur inklusiven Schule“, sagt Carola Iller.

Durch die Schaffung neuer Professuren sitzen in der Universität unterschiedliche Perspektiven an einem Tisch, von der Lehrerausbildung bis zur Weiterbildung, das war für Bettina Amrhein ausschlaggebend, um von Köln nach Hildesheim zu wechseln. Die Professorin für Inklusion und Bildung lehrt an der Hildesheimer Uni nun in den Bereichen Inklusion, Individuelle Förderung, Diagnostik und Umgang mit Heterogenität in der Grundschule. Sie war selbst fast 10 Jahre Lehrerin an Grund- und Hauptschulen im integrativen bzw. inklusiven Unterricht und beobachtet schon lange die Entwicklung hin zu inklusiven Schulen. „Ich habe selber als Lehrerin viel Skepsis erfahren für meinen Weg zurück in die Wissenschaft.“

Dass die Professur mit dem Schwerpunkt „Inklusion und Bildung“ ausgeschrieben wurde, sei besonders, so Amrhein. „Ich wollte mich zunächst eigentlich gar nicht aus Köln weg bewerben, aber die Ausschreibung der Professur hat mich in ihrer Offenheit für das Thema derart angesprochen. Dies bestätigt sich nun auch in den ersten Kooperationen an der Stiftung Universität Hildesheim. Ich treffe hier auf viele Kolleginnen und Kollegen, die Inklusion bereits interdisziplinär denken. Wir denken Inklusion weit, beziehen das, was wir über Migration und Diversity wissen, mit ein und haben die Nachhaltigkeit dieser Bildungsinnovation fest im Blick.“

Mit der Reform des Lehramtsstudiums in Niedersachsen (GHR 300) – das Masterstudium umfasst nun vier statt wie bisher zwei Semester – wurde ein Modul „Inklusion“ verpflichtend eingeführt. „Die Mathematikdidaktikerin, die Sprachwissenschaftlerin, der Sportwissenschaftler befasst sich mit dem Thema. In den Fachdidaktiken passiert derzeit viel“, sagt Professorin Bettina Amrhein. Weiterbildungen seien in der Hochschullehre sehr wichtig. „Wenn sich Lehrende auch als permanent Lernende begreifen, dann gehen sie auf das neue Thema der Inklusion mutiger zu. Sie schauen, wie sie Barrieren für Lernen und Teilhabe abbauen können.“

Es gebe aber auch Lehrende, die solchen Neuerungen mit Zurückhaltung begegnen. „Oft wird das fälschlicherweise als Widerstand bezeichnet. Das ist wenig hilfreich, denn eine eher abwartende Haltung einer großen Neuerung gegenüber dient vielleicht auch zunächst dem verständlichen Schutz der eigenen Ressourcen. Die Weiterbildung des Hochschulpersonals sollte auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden, dazu gehöre auch die Forschung in den Fachdidaktiken, ergänzt Carola Iller. „Universitäten können Inklusion zum Thema der Hochschuldidaktik machen, sie leben das vor, auch die Verwaltung.“

„Inklusive Fachdidaktik“: Umgang mit Vielfalt in Mathematik-, Sprach-, Sportunterricht

Derzeit lehrt Bettina Amrhein in den Seminaren „Schul-Forschungswerkstatt (Pädagogik). Fallstudien zur Entwicklung inklusiver Schulen" und „Inklusion im regionalen Kontext". Studierende seien nicht selten erheblich irritiert, beobachtet sie. „Durch ihre Erfahrungen in der Praxisphase – und in Hildesheim verbringen die Lehramtsstudierenden sehr viel Zeit in der Praxis im Vergleich zu anderen Standorten –, erleben sie häufig, dass der Umgang mit Vielfalt im Klassenzimmer nicht gut gelingt. Gerade aktuell machen sie aufgrund der großen Probleme bei der Umsetzung inklusiver Bildung in der Schule häufig die Erfahrung, dass Lehrkräfte der Bildungsreform sehr skeptisch gegenüberstehen. Lehrkräfte berichten, dass sie häufig allein sind, dass sie Ressourcen nicht erhalten.“ Das erleben Lehramtsstudierende an Schulen und sie wissen, das wird später Alltag sein. Der Einfluss der Mentoren im Praktikum wirke stärker als der der Dozenten in den Begleitveranstaltungen. Im Projektband „Fallstudien zur Entwicklung und Gestaltung inklusiver Schulen“ wolle sie Studierende dabei unterstützen, „einen forschenden Blick zu entwickeln und die Praxiserfahrung immer vor dem Hintergrund der im Rahmen des Studiums kennengelernten Theorien zu reflektieren“. Im Wintersemester 2015/16 folgt eine Ringvorlesung „Inklusion“ mit dem Schwerpunkt „Inklusive Fachdidaktik“. „Die Studierenden haben einen hohen Bedarf, ihre Vorstellungen auszureifen, wie Inklusion in ‚ihrem‘ Fach funktionieren kann“, so Bettina Amrhein. Langfristig wolle sie die Kooperation mit den Praxisschulen ausbauen und in einen gemeinsamen Lernprozess einsteigen, was die Entwicklung hin zu inklusiven Schulen betrifft.

An der Universität in Hildesheim gibt es einen Studiengang, in dem Lehrerinnen und Lehrer, die mitten im Beruf stehen, über einen längeren Zeitraum auf dem Weg zur inklusiven Schule begleitet werden. „Es geht nicht allein darum, wie man Arbeitsblätter größer kopiert, sondern darum, pädagogische Grundhaltungen zu reflektieren“, so Amrhein. „Der Weg zur Inklusion ist ein Paradigmenwechsel im pädagogischen Handeln, viele Lehrkräfte haben sich in der Erstausbildung nicht damit befasst, es ist nicht ausreichend, kurzfristig zu intervenieren. Das gilt für viele Innovationen, die Menschen müssen dahinter stehen“, ergänzt Professorin Carola Iller.

Barrieren aufspüren: Unterricht so gestalten, dass alle teilhaben können

Was bedeutet inklusive Bildung? „Im Kern geht es darum, Barrieren für Teilhabe in einem System, zum Beispiel der Schule oder der Universität, aufzuspüren, sagt Bettina Amrhein. In vielen anderen Bundesländern gehe der Aufbau einer an Inklusion orientierten Lehrerbildung derzeit jedoch in eine etwas andere Richtung. Häufig sollen sich Studierende „sonderpädagogische Kompetenzen“ und Spezialwissen über den Umgang mit Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf aneignen.

„Umgang mit Inklusion bedeutet jedoch, den Blick immer auf alle Schülerinnen und Schüler zu richten. Es liegt in der Verantwortung der allgemeinen Schulpädagogik in Kooperation mit anderen Professionen, den Unterricht so zu gestalten, dass alle teilhaben können. Dass dies funktioniert, wird auch in Deutschland seit fast 40 Jahren immer wieder bewiesen und mit Forschungsergebnissen hinterlegt.“ Dabei sei dies nicht einfach, da das Schulsystem darauf ausgerichtet sei, möglichst homogene Lerngruppen zu bilden. Mit Lehramtsstudierenden und Promovierenden befasst sie sich zurzeit mit dem Schulalltag in anderen Ländern: wie funktioniert das Schulsystem und Teilhabe an Bildung etwa in Canada? „Viele Länder haben schon vor Jahrzehnten umgesteuert, um mit Vielfalt positiv umzugehen“, so Amrhein.

„Das Problem, das ich derzeit sehe, wenn ich Lehrerfortbildungen gebe, ist: Wir erwarten von den Lehrern eine inklusive Haltung. Wir mahnen sie an. Andererseits belässt man sie aber in der Logik eines Schulsystems, das noch sehr wenig inklusiv ausgerichtet ist, das erlebe ich vor allem an Gymnasien“, so die Professorin. „Ich befasse mich daher stark mit dem Handeln von Schulleitungen. Schulleitungen können diesen Prozess mitsteuern, wir sollten sie stärker fortbilden. Viele Bundesländer haben ein Tages-Modul Inklusion an ihre üblichen Fortbildungen drangesetzt, das reicht bei weitem nicht aus", sagt Bettina Amrhein.

Bildung im Erwachsenenalter: Man kann auch noch Bildung nachholen

Eine wichtige Aufgabe der Erwachsenbildung sei, so Carola Iller, die Tür weiter offen zu halten, Abschlüsse nachzuholen. „Man kann auch noch Bildung nachholen im Erwachsenenalter. Aber wir sehen, dass die Schere auseinanderklafft. Diejenigen, die an der Universität Studiengänge im Erwachsenenalter besuchen, das sind die bildungsaffinen. Diejenigen, die früh in eine andere Richtung gebracht wurden und kein positives Verhältnis zu Bildung haben, die nutzen auch Weiterbildungsmöglichkeiten nicht.“ Naja, dann eben nicht – diese Einstellung sei fatal. „Wir wissen aus bildungsökonomischen und soziologischen Untersuchungen, dass Bildung ganz viele positive Effekte hat, das geht einher mit einer besseren Gesundheit und Berufsposition, mit einem höheren Einkommen, einer stärkeren politischen Partizipation und gesellschaftlichem Engagement.“

Die Teilhabe an Bildung, so Carola Iller, habe eine so große, steuernde Wirkung, so dass man nicht einfach sagen kann: Dann bildest du dich halt nicht weiter. „Weiterbildung ist freiwillig, aber wer sich dagegen entscheidet hat erhebliche Nachteile.“

Etwa die Hälfte der Bevölkerung nimmt keine Weiterbildung wahr. So nimmt etwa „fast jeder zweite Niedersachse an Weiterbildung teil“, wie aus einer Studie (2015) im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur hervorgeht. Demnach haben in Niedersachsen 2014 rund 2,3 Millionen Bürgerinnen und Bürger im Alter von 18 bis 64 Jahren (47 Prozent) an einer Weiterbildungsmaßnahme teilgenommen. Erwerbstätige und Auszubildende profitierten dabei am häufigsten von Weiterbildung. Arbeitslose und sonstige Nicht-Erwerbstätige würden zu 40 bzw. 23 Prozent erreicht. „Der Landesregierung ist es ein besonderes Anliegen, jedem die Chance auf Weiterbildung zu ermöglichen, mehr Menschen für Weiterbildung zu begeistern, das Angebot entsprechend attraktiv zu gestalten und so die Ausbildung von Fachkräften zu sichern“, so die Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić.

Die Studie wurde parallel zur bundesweiten Studie „Weiterbildungsverhalten in Deutschland 2014“ des Bundesbildungsministeriums durchgeführt. „Es gibt Menschen, die sehr aktiv regelmäßig an Weiterbildungen teilnehmen“, sagt Professorin Iller. „Aber die nie Teilnehmenden, etwa 20 bis 25 Prozent, die nach ihrem meistens sehr niedrigen Berufsabschluss aus dem Bildungssystem ausgeschieden sind, die haben große Probleme, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Das macht für mich als Weiterbildungsforscherin das Thema Inklusion so bedeutsam. Damit die Teilhabe an Bildung im Lebensentwurf vorkommt, sollte es eine stärkere Koordination und Steuerung geben. Es gibt keinen Masterplan in der Weiterbildung, welche Angebote für welche Gruppen gemacht werden sollen. Es gibt Angebote, aber es gibt Menschen, die diese Angebote gar nicht finden,  Weiterbildung kommt gar nicht vor in ihrem Lebenskontext.“

In die Uni mit 71: Seniorinnen und Senioren müssen nicht mehr lernen, aber viele wollen es

Anders bei manchen älteren Menschen: Seniorinnen und Senioren etwa müssen gar nicht mehr lernen. „Sie müssen nichts mehr nachweisen und davon einen Nutzen haben. Sie gehen in die Universität, weil sie es gesellig finden mit jungen Studierenden, weil sie Vorlesungen spannend finden“, sagt Carola Iller und weist auf das Gasthörerstudium an der Uni in Hildesheim hin. Rund 80 Prozent sind über 60 Jahre, die älteste der etwa 100 Gasthörenden ist Jahrgang 1930, sie wird dieses Jahr 85 Jahre alt. „Sie würden niemals einer Studentin den Platz wegnehmen wollen, das hat für die Gasthörer oberste Priorität. Aber wenn es einen Platz gibt in der Geschichtsvorlesung oder dem Theologieseminar, dann möchten sie teilhaben, es gehört zu ihrer Freizeitgestaltung, zu ihrem täglichen Leben“, so Iller.

Das bestätigt Hans-Joachim Holz, der 71-Jährige besucht seit sechs Jahren nicht nur Vorlesungen, sondern auch viele Seminare an der Universität Hildesheim. Er fährt zwei bis drei Mal in der Woche von Bad Gandersheim etwa 40 Kilometer mit dem Auto nach Hildesheim. „Nach 30 Jahren als Grundschullehrer gehe ich wieder zur Universität. Das Lernen hört nicht auf. Ich muss aber keine Pädagogik-Seminare mehr besuchen", lächelt er. Hans-Joachim Holz wählt, wie viele der Gasthörenden, die Fächer Geschichte, Soziologie, Philosophie. Beliebt ist zum Beispiel die Vorlesungsreihe „Europagespräche" des Historikers Professor Michael Gehler.

Das Studium biete eine Möglichkeit, nicht von 100 auf 0 zu fallen, nachdem man im Berufsleben ausscheidet. „Ich gehe noch lieber in Seminare. Es ist ein Geben und Nehmen und schön, mit den jungen Leuten gemeinsam zu arbeiten, eigentlich nehme ich alles mit, was zum Studium gehört, Referate, Gruppenarbeiten – nur Klausuren schreibe ich nicht mehr.“ Er habe schon viele Beziehungen zu den Studierenden geknüpft und sieht bekannte Gesichter wieder. Schließlich sei die Uni überschaubar, mit insgesamt 7100 Studierenden. In diesem Sommersemester besucht Hans-Joachim Holz zum Beispiel Lehrveranstaltungen zu den Themenfeldern Religion, Migration und Integration und Politische Kultur, etwa eine Vorlesung von Politikwissenschaftlern über „Demokratie und Islam".

Biographien erforschen: Nicht von 100 auf 0 fallen – Pläne machen für die Phase nach dem Beruf

In der Forschung arbeitet Carola Iller mit Studien, deren Daten (Tonbänder und Transkripte) über Biographien sie weiter auswertet. So untersucht sie anhand von biografischen Interviews aus der „interdisziplinären Längsschnittstudie des Erwachsenenalters“ (ILSE), welche Bedeutung Bildung für das gesunde und zufriedene Altern hat. Dabei wurden Menschen, die um 1930 und um 1950 geboren wurden, über einen Zeitraum von 20 Jahren mehrfach befragt.

Aus ihren Untersuchungen geht hervor, wie sich die Menschen Pläne für die Phase nach dem Beruf machen, welche Rolle Bildung für diese Menschen spielt und welche Erwartungen sie an Weiterbildungen haben. „Mit zunehmendem Alter werden formale Bildungseinrichtungen unbedeutender, weil man die Abschlüsse nicht mehr braucht und man eher gezielt nach einzelnen Veranstaltungen sucht.“ Soziale Beziehungen, Personen, von denen man etwas lernen kann, sind sehr wichtig für den Lernprozess, das ist ein wichtiges Ergebnis der Untersuchungen der Professorin. „Es ist wichtig, dass man Personen im Umfeld, in der Familie, im Freundeskreis hat, die einen unterstützen und sagen, das ist gut, was du machst. Sie können Anregungen geben, Informationen austauschen, das funktioniert auch gut intergenerativ, von den Kindern zu den Eltern, von den Enkelkindern zu den Großeltern und umgekehrt“, so Iller.

Was machen ältere Menschen? „Es gibt eine Reihe von Weiterbildungsanbietern, die gezielt Senioren ansprechen, wobei sie das eigentlich gar nicht so wollen. Es gibt viele Kirchen, die für Senioren kulturelle Angebote machen, etwa ein Theaterbesuch mit einem Gespräch davor. Manche bieten Seminare mit Selbsthilfecharakter an, um in einer besonderen Lebenssituation Austausch mit anderen zu ermöglichen, etwa bei Trauer.“ Es gibt  Seminare für ältere Männer, etwa das Projekt „Baustellen beim Älter werden“ in Bremen. Über zwei Halbtage kommen die Männer zusammen und tauschen sich über das Älter werden aus, was sie mit der Zeit anfangen und wie sie den neuen Lebensabschnitt und den Alltag planen. „Menschen, die Pläne haben, aktiv sind, sich engagieren, die bleiben auch länger gesund und zufriedener. Und sie lernen so auch andere Leute kennen, wenn die beruflichen Kontakte nicht mehr relevant sind“, sagt Iller.

In Hildesheim kommen zum Beispiel in einem wöchentlichen Seniorentreff bei der AWO ältere Migrantinnen zusammen, die sich beim Kaffee über das komplexe Pflegesystem austauschen. Fragen wie, „Was ist eine Pflegestufe?“ werden in türkische Sprache übersetzt, sie befassen sich mit Depression im Alter, mit Sportangeboten. „Es ist wichtig, dass die Fachkräfte im Gesundheitswesen und in der Sozialen Arbeit hier Grundkenntnisse im Bereich der Weiterbildung haben, damit sie nicht allein intuitiv arbeiten“, sagt Carola Iller. „Es sollte noch stärker Multiplikatoren geben, die sich mit hauptberuflich Verantwortlichen in der Weiterbildung vernetzen, die wissen, welche Angebote es gibt. Sie können nicht alles, aber sie können im Vorfeld arbeiten und Menschen erreichen. Diese Brückenpersonen machen Bildungsberatung. Sie können dazu beitragen, dass sich eine Person dazu entscheidet, sich weiterzubilden.“ Über niedrigschwellige Angebote, zeitlich überschaubar, kann man jene erreichen, die bisher nicht im Boot sind. „Wer ganz bildungsungewohnt ist, verpflichtet sich nicht gleich für ein halbes Jahr, einen Kurs zu besuchen. Man sollte auch vertraute Orte wählen, um über Weiterbildung zu informieren, und nicht auch noch räumlich Hürden aufbauen“, sagt Iller. Einige Kirchen arbeiten zum Beispiel mit einem Rollwagen, da ist alles drin für ein Seminar. Auch Betriebe fahren nicht in ferne Schulungszentren, sondern bilden am Arbeitsplatz fort.

Die Professorinnen Bettina Amrhein und Carola Iller sprechen in einer gemeinsamen Antrittsvorlesung über „Inklusive Bildung – ein Leben lang“. Die öffentliche Vorlesung beginnt am Mittwoch, 20. Mai 2015, um 17:00 Uhr im neuen Forum am Hauptcampus und ist Teil der Eröffnung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung. Diese Eröffnung beginnt mit einem Grußwort der Niedersächsischen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt um 16:15 Uhr.

Informationen zur Eröffnung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Ang. Erziehungswissenschaft Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-10296 Wed, 20 May 2015 15:38:00 +0200 Nach der Schule geht das Lernen weiter https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/nach-der-sch/ "Inklusive Bildung -ein Leben lang", lautet der Titel einer gemeinsamen Antrittsvorlesung von zwei neuen Professorinnen der Universität. "Der Bereich der Weiterbildung umfasst alle Lerngelegenheiten nach dem Abschluss der Schule, der Erstausbildung", sagt Carola Iller, Professorin für Fort-und Weiterbildung. Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Einrichtungen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Lehrerbildung news-10094 Mon, 04 May 2015 16:12:00 +0200 Kindheit in der Region https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/kindheit-in/ Mehrere Einrichtungen, die sich mit der frühkindlichen Bildung beschäftigen, laden zu einer Veranstaltungsreihe zum Thema "Kindheit in der Region" ein. Zur Auftaktveranstaltung hielt Prof. Meike Baader von der Universität Hildesheim einen Vortrag über die Pluralisierung von Familien- und Lebensformen. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Forschung Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Allg. Erziehungswissenschaft news-9934 Tue, 28 Apr 2015 17:00:00 +0200 Bildungswege von Flüchtlingen: Was können Unis tun? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/bildungswege-2/ Um Flüchtlinge auf ihren Bildungswegen zu unterstützen, könnten Studierende „von Mensch zu Mensch" helfen, sagt die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf. Eine besondere Rolle komme dabei dem Spracherwerb und den Künsten zu. Am Rande einer Konferenz über das Recht auf Bildung an der Universität Hildesheim sprach Isa Lange mit der Migrationsbeauftragten. Wenn wir über Bildungswege von Flüchtlingen sprechen, was erhoffen Sie sich von Universitäten? Welche Rolle spielen die Hochschulen, was beobachten Sie in Niedersachsen?

Doris Schröder-Köpf: Es gibt einige sehr schöne Initiativen, wie Universitäten sich öffnen für Flüchtlinge, um ihnen aus der Perspektiv- und Betätigungslosigkeit rauszuhelfen, etwa in Lüneburg. Das ist ein erster Weg, dass sich die Studierenden selber bemühen, um junge Leute, die in Herkunftsländern schon ein Studium aufgenommen haben, und die das aufgrund ihrer Lage erstmal nicht weitermachen können.

Was können Studierende tun?

Durchaus auch von Mensch zu Mensch helfen, einzelne ansprechen. Wo sind Menschen mit Fluchterfahrung, die weitermachen möchten, wie können wir ihnen Teilnahme an Kursen an der Uni ermöglichen? Sie können zum Beispiel beim Deutschlernen helfen.

An der Hildesheimer Universität begleiten seit Sommersemester im „Schnupperstudium" einige Lehrende und Studierende junge Erwachsene mit Fluchterfahrung, zeigen den Campus, beraten bei der Suche nach Seminaren. Einige Studenten haben Tandems gebildet, um mit den Flüchtlingen auch an der Alltagssprache zu arbeiten, was man in üblichen Sprachkursen nicht lernt. In Seminaren hat man es dann aber mit Fachsprache zu tun...

Natürlich ist die fachspezifische Frage eine große Herausforderung. Ich habe das selber kennengelernt, habe in den Vereinigten Staaten gelebt. Als ich dort schwanger wurde und ein Kind bekommen habe und Kinderarztbesuche machen musste, hat mir das Vokabular für Kinderkrankheiten völlig gefehlt. Wie viel schwieriger muss es sein, wenn man Physik, Chemie oder vergleichende Literaturwissenschaft studiert und es fehlt einem das Vokabular für genau diesen Bereich? Da reicht nicht mehr der Wortschatz, um Brötchen einzukaufen und sich mit Nachbarn unterhalten zu können. Das ist eine große Herausforderung – vor der stehen wir in Niedersachsen auch in den Gymnasien. Es gibt jetzt einige Gymnasien, an denen Sprachlernklassen eingerichtet wurden. Früher war das mehr an Hauptschulen, Gesamtschulen. Die Lehrer an den gymnasialen Sprachlernklassen sagen, es ist wahnsinnig schwierig, dass Fachvokabular für Kunstunterricht genau so drauf zu haben wie für Mathematik. Das ist eine große, große Herausforderung. Wenn es gelingt, profitieren wir alle davon.

Wer sollte dabei mitwirken?

Wir haben viel zu tun, alle. Das schafft die Politik alleine nicht. Da können alle Studierenden mithelfen.

Sie sprechen die Studierenden an – an der Universität Hildesheim arbeiten einige im Theater und in den szenischen Künsten mit Flüchtlingen zusammen (etwa die Gruppe Voll:milch oder das Türkisch-Deutsche Theater). Im musikalischen Bereich befassen sich Forscher und angehende Lehrerinnen und Lehrer am Center for World Music mit kultureller Vielfalt. Ist das auch ein Weg, sich künstlerisch zu begegnen?

Ich glaube sogar, dass künstlerische Ausdrucksformen ganz besonders geeignet sind, um Menschen, die Flucht, Vertreibung und viele Gräuel erlebt haben, sozusagen das Leben zu erleichtern und einen Zugang zu einer neuen Gemeinschaft zu finden. Das geht von Ausdruckstanz bis zur Malerei. Es gibt inzwischen auch einige fotografische Projekte mit Flüchtlingen. Diese künstlerischen Ausdrucksformen sind glaube ich besonders gut, weil sie an die Seele gehen und man nicht viele Worte braucht.

Vielen Dank für das Gespräch.

Über die Konferenz: Recht auf Bildung

An der Universität Hildesheim diskutierten am 23. und 24. April 2015 Fachleute über das Menschenrecht auf Bildung und seine Umsetzung in Deutschland sowie über den Bildungserfolg von Kindern in der Migrationsgesellschaft, der auch vom Rechtsstatus abhängt. Etwa 160 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis nahmen teil, darunter Studierende, Flüchtlinge und zivilgesellschaftlich Aktive aus Bremen, Hildesheim, Hannover und Berlin sowie die Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe des Landes Niedersachsen. Es sei dringend notwendig, „konsequent weiter an der Herstellung von Chancengleichheit in der deutschen Migrationsgesellschaft zu arbeiten", sagt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Viola Georgi (mehr im Interview, Mediendienst Integration). Organisiert wurde die Konferenz vom „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften" und dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim in Kooperation mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und dem Deutschen Institut für Menschenrechte. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten mehrere Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen. Wie Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache als zweite Sprache erlernen, etwa in Sprachlernklassen und Integrationskursen, untersucht ein Team um Elke Montanari, Professorin für Deutsch als Zweitsprache an der Universität Hildesheim. Gerade haben sich junge Menschen, die erst seit etwa zwei Jahren in Deutschland leben, zusammen mit Lehramtsstudierenden und Studierenden des Masterstudiengangs DaZ/DaF auf das Deutsche Sprachdiplom vorbereitet. Dabei arbeitet die Uni mit der berufsbildenden Walter-Gropius-Schule und dem Niedersächsischen Landesinstitut für Qualitätsentwicklung zusammen. Als Ergebnis für die mündlichen Prüfungen haben alle Lerner in den mündlichen Prüfungen ein „bestanden“ erreicht, und zwar auf den Niveaustufen B1 und A2.

Einen Nachbericht zur Konferenz lesen Sie auf der Internetseite www.uni-hildesheim.de zum Wochenende.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Fachbereich 1 Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Lehrerbildung Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10065 Sat, 25 Apr 2015 13:32:00 +0200 "Asylpolitik dient der Abschreckung" https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/asylpolitik-1/ Der Rechtsanspruch auf Bildung und die Wirklichkeit klaffen oft auseinander. An der Universität Hildesheim diskutierten Fachleute über das Recht auf Bildung und seine Umsetzung in Deutschland. Auf dem Abschlusspodium hofft Doris Schröder-Köpf auf eine politische Chance für den Kurswechsel, weil die Akzeptanz von Flüchtlingen steigt. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Forschung Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Sozial- und Organisationspädagogik news-10058 Fri, 24 Apr 2015 13:50:00 +0200 Angekommen und jetzt? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/angekommen-u/ Angesichts der Flüchtlingsnot ist die Hilfsbereitschaft groß, doch richtige Hilfe will gelernt sein. Wie das funktionieren kann, will die Uni Hildesheim mit einer zweitägigen Konferenz zum Thema Menschenrecht auf Bildung zeigen. Theoretisch wie auch praktisch. Deswegen sind unter den rund 160 Fachleuten auch zahlreiche Vertreter von Initiativen auch aus Hildesheim mit dabei. Veranstalter sind das Institut für Sozial­ und Organisationspädagogik und das Zentrum für Bildungsorganisation der Uni Hildesheim. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Forschung Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Sozialwissenschaften Sozial- und Organisationspädagogik news-9900 Sun, 19 Apr 2015 15:40:00 +0200 Migration: Ankommen und Weiterkommen – Das Recht auf Bildung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/migration-ankommen-und-weiterkommen-das-recht-auf-bildung/ Der Rechtsanspruch auf Bildung und die Wirklichkeit klaffen oft auseinander. An der Universität Hildesheim diskutieren Fachleute über das Recht auf Bildung und seine Umsetzung in Deutschland. Es sei notwendig, weiter an der Herstellung von Chancengleichheit in der deutschen Migrationsgesellschaft zu arbeiten. Etwa 160 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis kommen zusammen, darunter Studierende, Flüchtlinge und zivilgesellschaftlich Aktive. Sie diskutieren mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen, einer Hildesheimer Schulleiterin und der Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe. Deutschland hat sich durch die Unterzeichnung der UN-Kinderrechtskonvention zur Umsetzung des Menschenrechts auf Bildung verpflichtet. Doch der Rechtsanspruch und die Wirklichkeit klaffen oft auseinander, sagt Professorin Kirsten Scheiwe. Häufig sprechen wir von der Notwendigkeit, zugewanderte Menschen durch Bildung zu integrieren. Das klingt erstmal plausibel, so Professorin Viola Georgi. „Die Menschen kommen als Newcomers in ein neues Land und die Bildungseinrichtungen machen entsprechende Angebote, damit sie sich schnell integrieren können." Dazu gehören etwa Sprach- und Integrationskurse, Weiterbildungsangebote und interkulturelle Schulentwicklung. Die Realität sehe aber vielerorts anders aus, sagt Georgi. „Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien – insbesondere die mit einer Flüchtlingsgeschichte – stoßen auf strukturelle und rechtliche Barrieren, die diskriminierend wirken, ihr Recht auf Bildung einschränken und damit ihre Bildungsteilhabe erschweren." Jugendliche aus Flüchtlingsfamilien warten oft mehrere Monate auf einen Schulplatz. Alle Kinder aus Flüchtlingsfamilien, auch Jugendliche und junge Erwachsene benötigen einen Anspruch auf Sprachförderung, fordert die Sozialrechtlerin Kirsten Scheiwe.

An der Universität Hildesheim diskutieren am 23. und 24. April 2015 Fachleute über das Recht auf Bildung und seine Umsetzung in Deutschland sowie über den Bildungserfolg von Migrantenkindern, der auch vom Rechtsstatus abhängt. Es werden etwa 160 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis erwartet, darunter auch Studierende, Flüchtlinge und zivilgesellschaftlich Aktive aus Bremen, Hildesheim und Berlin. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es dringend notwendig ist, konsequent weiter an der Herstellung von Chancengleichheit in der deutschen Migrationsgesellschaft zu arbeiten", sagt die Erziehungswissenschaftlerin Viola Georgi.

Im Schwerpunkt „Ankommen und Weiterkommen“ sprechen Forscher am Freitagnachmittag mit jungen Flüchtlingen, dem Flüchtlingsrat Niedersachsen und mit einer Schulleiterin einer Hildesheimer Grundschule. Die Niedersächsische Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe, Doris Schröder-Köpf, äußert sich zum Thema und diskutiert mit Nurjana Arslanova, die die Hälfte ihres Lebens im Flüchtlingslager verbracht hat und keine Ausbildung beginnen durfte, nun macht sie ihr Fachabitur. Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik, moderiert das Panel. Die Teilnahme an dieser öffentlichen Diskussion am Freitag , 24. April 2015, um 14:00 Uhr ist ohne Anmeldung möglich. Die Plätze an den weiteren Programmpunkten der Konferenz sind begrenzt, eine Teilnahme ist noch vereinzelt nach Anmeldung möglich (Email: presse@uni-hildesheim.de).

Zur Konferenz laden das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften" und das Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim in Kooperation mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes und dem Deutschen Institut für Menschenrechte ein. Auf der Konferenz spricht Professor Heiner Bielefeldt, Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Religions- und Weltanschauungsfreiheit und Inhaber des Lehrstuhls für Menschenrechte der Universität Erlangen-Nürnberg über Menschenrechte in der Einwanderungsgesellschaft. Die Dokumentarfilmerin Jutta Neupert zeigt den Dokumentarfilm „Familien auf der Flucht – von Syrien nach Deutschland“.

In Hildesheim – wo auch der Flüchtlingsrat Niedersachsen seinen Sitz hat – haben Mitglieder der Universität Hildesheim gemeinsam mit dem Verein Asyl e.V. zum Sommersemester eine Initiative ins Leben gerufen, um Flüchtlinge in ihren Bildungswegen zu unterstützen. Die Studentin Vanessa Gauer vom „Anker-Peer-Programm" der Uni begleitet gemeinsam mit weiteren Kommilitonen die Studierenden mit Fluchterfahrung. Die Studentinnen zeigen den Flüchtlingen in Campusführungen die Universität, bilden Tandems, um die Alltagssprache zu lernen, kennen Unterstützungsprogramme und stellen den Kontakt zu Lehrenden her. Die Studieninteressierten unter anderem aus Afghanistan, Syrien und Sudan haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse.

Programm und Kurzinfo zu den Vortragenden als PDF

Wann und Wo? Konferenz „Recht – Bildung – Migration. Das Menschenrecht auf Bildung im Kontext von Migration und Integration", 23. und 24. April 2015, Universität Hildesheim, Bühler-Campus

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Sozial- und Organisationspädagogik Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Fachbereich 1 Lehrerbildung Inklusion Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-10005 Sat, 18 Apr 2015 13:32:00 +0200 Reden für das Recht auf Bildung – Uni will sich mit Konferenz für Flüchtlinge engagieren https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/reden-fuer-da/ Deutschland hat sich zur Umsetzung des Menschenrechts auf Bildung verpflichtet. Doch Rechtsanspruch und Wirklichkeit klaffen oft auseinander, so Prof. Kirsten Scheiwe von der Universität Hildesheim. Die Hochschule lud aus diesem Anlass 160 Fachleute aus Wissenschaft und Praxis zu einer Konferenz ein, darunter auch Studierende, Flüchtlinge und Ehrenamtliche aus Bremen, Hildesheim und Berlin. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Sozialwissenschaften Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik Forschung Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Allg. Erziehungswissenschaft Flüchtlinge news-8985 Tue, 24 Mar 2015 10:00:00 +0100 Interkulturelles Lernen: Vielfalt will gelernt sein / Sprachunterricht kann Kindern bessere Chancen bieten und angehende Lehrer auf die kulturelle Vielfalt in den Klassen vorbereiten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/interkulture/ ZEIT ONLINE über die interkulturelle Lehrerausbildung an der Universität Hildesheim: Reportage über eine Lehramtsstudentin, die wöchentlich Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen im Team fördert An einem Freitagnachmittag in einer kleinen Bücherei einer Hildesheimer Grundschule: Drei Grundschüler sitzen um einen Tisch, auf dem vierten kleinen Stuhl sitzt die Lehramtsstudentin Madeleine Mäbert. Zweimal die Woche trifft sich diese Lerngruppe, darunter der neunjährige Omer. „Anderthalb Stunden lang übt die Lehramtsstudentin mit den Jungs Lesen, Grammatik oder Texte schreiben", beobachtet Birk Grüling in der ZEIT-Reportage.

Die Kinder sollen in der Gruppe vor allem besser Deutsch und konzentriertes Arbeiten lernen, so ZEIT ONLINE über das Projekt „Lernku(h)lt - Kinder unterschiedlicher Herkunftssprachen lernen im Team" am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim. Dabei begleiten Hildesheimer Lehramtsstudierende Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund über ein Jahr zwei Mal wöchentlich in einer Kleingruppe. Sie halten auch Kontakt zu den Klassenlehrern und Eltern. Lokale Stiftungen unterstützen das Projekt, die Uni arbeitet mit Asyl e.V. zusammen, um den Kontakt zu Familien zu halten.

„An der Universität Hildesheim hat man aus den positiven Praxis-Erfahrungen des LernKU(H)LT-Projekts gelernt. Neben längeren Praxisphasen in den Schulen wurde das Lehrangebot zu den Themen Migration, Sprachenförderung und Bildung stark ausgebaut", beobachtet ZEIT ONLINE. „In den Mathebüchern ist von Fruchtsaftgetränken, Keltereien oder Arbeitslöhnen die Rede. Viele Kinder kennen solche Begriffe aus ihrer Alltagssprache nicht", sagt die Mathematikdidaktikerin Prof. Barbara Schmidt-Thieme im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Prof. Viola Georgi, Leiterin des neugegründeten Zentrums für Bildungsintegration der Uni Hildesheim, sagt ZEIT ONLINE: „Es gibt immer noch Bildungsungleichheit in Deutschland. Deshalb brauchen wir mehr interkulturell ausgebildete und für Diskriminierung sensible Lehrer.‘“  

ZEITonline, „Interkulturelles Lernen: Vielfalt will gelernt sein", Reportage aus Hildesheim, 24.03.2015 (online)

Kontakt zu den Forschern, Lehramtsstudierenden und mehrsprachigen Familien über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Ang. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Pressespiegel überregional Bildungsintegration Lehrerbildung Zentrum für Bildungsintegration Flüchtlinge
news-9788 Sat, 21 Mar 2015 16:02:00 +0100 Streik trifft 28 Kitas und Krippen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/streik-triff/ Etwa 250 Menschen haben gestern Vormittag in Hildesheim demonstriert. Erzieherinnen, Sozialpädagogen und auch Sozialarbeiter fordern unter anderem mehr Geld für ihre Arbeit. 28 Kitas, Krippen und andere Betreuungseinrichtungen wurden in der Region Hildesheim bestreikt. Professor Peter Cloos vom Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen der Stiftung Uni Hildesheim hat durchaus Verständnis für die Forderungen der Erzieher, sind doch die heutigen Aufgaben und Anforderungen an die Pädagogen wesentlich vielschichtiger. Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft news-9766 Fri, 20 Mar 2015 16:00:00 +0100 Einwanderung ist in den Büchern noch ein Problem https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/einwanderung/ Das Thema Einwanderung wird in vielen Schulbüchern immer noch als ein Problem und nicht als gesellschaftlicher Normalfall betrachtet. Das zeigt eine neue Studie, die die Universität Hildesheim zusammen mit dem Braunschweiger Georg-Eckert-Institut erstellt hat. Es gelingt vielen Büchern noch nicht, die gesellschaftliche Vielfalt als normal abzubilden und Chancen von Migration aufzuzeigen, sagt Professorin Viola Georgi von der Uni Hildesheim anlässlich der Veröffentlichung der „Schulbuchstudie Migration und Integration“. Untersucht wurden 65 Schulbücher aus fünf Bundesländern in den Fächern Sozialkunde, Politik, Geschichte, Geografie. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Lehrerbildung Inklusion Pressespiegel regional news-9982 Fri, 20 Mar 2015 09:00:00 +0100 Einwanderung ist in den Büchern noch ein Problem / Eine Studie kritisiert die Darstellung und Rolle von Migranten in der Unterrichtsliteratur für Schulen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/einwanderung-1/ HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG über Schulbücher und die Darstellung von Migration und Integration in Bildungsmedien / Professorin Viola Georgi von der Uni Hildesheim sagt: Die Lehrerausbildung habe bei dem Thema einen großen Nachholbedarf „Begriffe wie Ausländer, Fremde, Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund würden oft nicht unterschieden, sondern oft als Synonyme in den Büchern verwendet. […] Weil ihm dies nicht gefällt, macht Benedikt Domdey immer häufiger sein Unterrichtsmaterial selbst. ‚Schulbücher sollten alle Jugendlichen ansprechen, hier sollte eine Bandbreite auftauchen, eine Vielfalt, denn die Klassen sind vielfältig‘, sagt Domdey. Er studiert an der Universität Hildesheim Wirtschaft und Theologie und hat in Schulpraktika in sechsten und neunten Klassen an Schulen in Hildesheim, Bad Salzdetfurth und Nordstemmen unterrichtet", berichtet die Redakteurin Saskia Döhner in der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG anlässlich einer neuen Schulbuch-Studie. Das Georg-Eckert-Institut hat im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Bildungsintegration der Uni Hildesheim untersucht, wie Schulbücher Migration und Integration darstellen.

„In Büchern gebe es oft Aufgaben wie ‚Fragt einen Schüler mit Migrationshintergrund in eurer Klasse, wie seine Familie zu uns nach Deutschland gekommen ist‘", sagt Viola Georgi, Professorin für Diversity Education an der Universität Hildesheim, der HAZ. Dadurch würden Migranten immer wieder aus der Gemeinschaft herausgehoben, die Lehrerausbildung habe bei dem Thema einen großen Nachholbedarf, so Georgi.

Hannoversche Allgemeine Zeitung, „Einwanderung ist in den Büchern noch ein Problem / Eine Studie kritisiert die Darstellung und Rolle von Migranten in der Unterrichtsliteratur für Schulen", 20.03.2015 (print) (www.haz.de)

Kontakt zu den Forschern vom Zentrum für Bildungsintegration und zu Lehramtsstudierenden und Schulen über die Universität Hildesheim (Pressestelle, Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional Lehrerbildung Bildungsintegration
news-9727 Wed, 18 Mar 2015 16:00:00 +0100 Neue Studie: Integration und Migration im Schulbuch https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/neue-studie/ „Formuliere mögliche Zukunftswege für ausländische Kinder" – steht als Aufgabe in einem Schulbuch. Es gelingt vielen Büchern noch nicht, die gesellschaftliche Vielfalt als normal abzubilden und Chancen von Migration aufzuzeigen, sagt Professorin Viola Georgi von der Uni Hildesheim anlässlich der Veröffentlichung der „Schulbuchstudie Migration und Integration“. Ein Team des Georg-Eckert-Instituts unter der Leitung von Inga Niehaus und die Erziehungswissenschaftlerin haben 65 Schulbücher in den Fächern Sozialkunde, Politik, Geschichte, Geografie aus fünf Bundesländern untersucht. Staatsministerin Aydan Özoğuz hat am 17. März 2015 in Berlin die „Schulbuchstudie Migration und Integration“ vorgestellt. Schulbücher vermitteln nicht nur Fachwissen, sondern auch Werte und Normen. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration hat das „Georg-Eckert-Institut – Leibniz Institut für Internationale Schulbuchforschung" (GEI) in Zusammenarbeit mit dem „Zentrum für Bildungsintegration" an der Stiftung Universität Hildesheim beauftragt, eine Analyse zur Darstellung von Migration und Integration in Schulbüchern durchzuführen. Die Studie spricht Empfehlungen für die Bildungspraxis und -politik aus, wie eine zeitgemäße Darstellung von Vielfalt in Schulbüchern gelingen kann. „Ich empfehle, dass nicht nur die Schulbuchverlage, sondern auch die Lehrerinnen und Lehrer und Bildungsverwaltungen der Länder die Schulbuchstudie 'Migration und Integration' als Anregung nutzen", so die Staatsministerin Aydan Özoğuz. „Ein ermutigendes Ergebnis der Studie ist, dass in den Sozialkundebüchern Deutschland explizit als ein Einwanderungsland, in dem Menschen unterschiedlichster Herkunft ihre Heimat haben, beschrieben wird."

Dr. Inga Niehaus hat die Studie am Georg-Eckert-Institut geleitet. Zum Team der Schulbuchforscher gehören die Autoren der Studie, Rosa Hoppe und Dr. Marcus Otto. Die Forschungsbibliothek des GEI in Braunschweig umfasst mit 175.000 Schulbüchern aus 160 Ländern eine weltweit einzigartige Sammlung der Fächer Geschichte, Sozialkunde, Geographie und Religion.

Beteiligt an der Studie ist auch Professorin Viola B. Georgi. Mit dem Thema Schulbücher und Bildungsmedien und ihrer Relevanz in der Lehrerausbildung befasst sich die Erziehungswissenschaftlerin an der Universität in Hildesheim. Dabei bindet sie auch Studierende der Erziehungswissenschaften und des Lehramts ein. Sie lehrt und forscht im Bereich Diversity Education, befasst sich mit Vielfalt im Schulalltag, an Kitas und Hochschulen.

Online lesen: „Schulbuchstudie Migration und Integration" (PDF)

Presseinformation des Georg-Eckert-Instituts

Interview mit Professorin Viola Georgi als PDF

Nachgefragt bei Professorin Viola Georgi: Wie Schulbücher Migration und Integration darstellen

Weshalb sind Schulbücher eigentlich ein wichtiger Gegenstand von Forschung?

Viola Georgi: Schulbücher sollen gesellschaftlich als relevant und richtig erachtetes Wissen bereitstellen. Es geht um Weltbilder, gesellschaftliche Werte und Regeln, die via didaktischer Aufbereitung in der Schule an die nächsten Generationen weitergegeben werden sollen. Schulbücher müssen sich an staatlichen Rahmenplänen orientieren und offiziell genehmigt werden. Schulbücher repräsentieren anerkanntes und staatlich legitimiertes Wissen. Sie verfügen daher über eine gewisse Autorität und gelten als lehrreich. Wenngleich Schulbücher nach wie vor ein wichtiges Bildungsmedium darstellen, sollten sie jedoch m.E. in ihrer Wirkung nicht überschätzt werden. Denn was genau aus den Schulbuchinhalten bei den Lernenden ankommt, hängt auch ganz maßgeblich davon ab, wie die Lehrenden mit dem Schulbuch umgehen und welche ergänzenden Materialien sie zum Einsatz bringen. Aufgrund der gesellschaftlichen, bildungspolitischen und bildungspraktischen Relevanz von Schulbüchern ist es für die Umsetzung von diversitätssensibler Bildung aber dennoch notwendig, Lehrmittel zu entwickeln, die einen inklusiven Unterricht unterstützen.

Was haben Sie in der Studie untersucht?

Die Studie geht der Frage nach, wie Migration und Integration in Bezug auf gesellschaftliche Vielfalt in deutschen Schulbüchern dargestellt werden und inwiefern Schulbücher zu einer zunehmenden Akzeptanz von Diversität als gesellschaftlicher Normalität beitragen können. Die Untersuchung bezieht sich auf die Tatsache, dass sich Deutschland in den letzten Jahrzehnten zu einem modernen Einwanderungsland entwickelt hat. Vielfalt im Klassenzimmer ist längst zur Regel geworden und die Auswirkungen auf das Bildungssystem sind nicht zu übersehen. Der Fokus der Studie liegt auf den Schwerpunkten „Diversity – Abbildung einwanderungsbedingter Vielfalt“ und „Partizipation – gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Migrationshintergrund.

Wie viele und welche Schulbücher haben Sie untersucht?

Insgesamt haben wir 65 aktuell zugelassene Schulbücher aus fünf Bundesländern untersucht. Dazu gehörten Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Berlin und Brandenburg. Die qualitative Analyse bezieht sich auf Schulbücher der Sekundarstufen I in den Fächern Sozialkunde, Politik, Geschichte und Geografie.

Was sind die Befunde?

Die von uns untersuchten Schulbücher spiegeln größtenteils dominante gesellschaftliche Diskurse wider, wie zum Beispiel die sich hartnäckig behauptende Position, dass Migration in erster Linie Probleme verursache und konfliktbeladen sei. Zum Teil hinken die Bücher den neueren Entwicklungen und Erkenntnissen der Wissenschaft hinterher, das heißt, es fällt ihnen schwer die demografische Realität – also die deutsche Einwanderungsgesellschaft – zeitgemäß in Bild und Text zu fassen. Es gelingt ihnen bisher noch nicht, die migrationsbedingte Vielfalt als normal zu begreifen und auch die Potentiale von Migration und Diversität zu erkennen und zu vermitteln. Stattdessen werden wir mit Darstellungen konfrontiert, die sich nur schwer von Stereotypen lösen können. Migranten werden nur selten als aktiv Handelnde, sondern eher als Bedürftige und oft als Opfer gesellschaftlicher Umstände präsentiert. Viele Schulbuchdarstellungen verfallen zudem immer wieder in das Muster „Wir“ und „Sie“, „eigen“ und „fremd“, wobei sich ein Integrationsverständnis offenbart, das davon ausgeht, dass es vor allem die Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sind, die Anpassungsleistungen an die „deutsche Gesellschaft“ erbringen müssen. Dass ist problematisch, da auf diese Weise der Mythos eines homogenen deutschen Kollektivs aufrechterhalten wird. Migranten werden immer wieder als die Anderen, als die diesem Kollektiv Gegenüberstehenden präsentiert. Auch lässt sich ein fahrlässiger Umgang mit Bezeichnungen ausmachen. In manchen Schulbüchern werden die Begriffe „Ausländer“, „Fremde“ und „Menschen mit Migrationshintergrund“ synonym verwendet.

Sie haben auch die Arbeitsaufträge in den Schulbüchern unter die Lupe genommen. Was lässt sich dazu sagen?

Häufig sind die Arbeitsaufträge aus Perspektive der Dominanzgesellschaft formuliert. Besonders augenfällig wird das in Aufgabenstellungen, die die Schüler explizit einer Herkunft zuweisen, wie zum Beispiel „Fragt einen Schüler mit Migrationshintergrund in eurer Klasse, wie seine Familie zu uns nach Deutschland gekommen ist“ oder die Aufforderung, die Klasse mal in ausländische und deutsche Schüler zu teilen, um eine bestimmte Aufgabe zu lösen. Oft werden Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien zum Untersuchungsobjekt ihrer Mitschüler ohne Migrationshintergrund, die zum Beispiel dazu aufgefordert werden „fremde Kulturen am Schulort“ zu untersuchen oder darüber diskutieren sollen, welche Erfahrungen sie mit Aussiedlern gemacht haben. Für die Schüler aus Einwandererfamilien bedeutet das, ständig die Erfahrung zu machen, auf die Herkunft verwiesen zu werden. Das macht es schwer, ein Zugehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Sie werden aus der Klasse herausgehoben, besonders bzw. anders „gemacht“ und müssen – im Gegensatz zu ihren Mitschülern ohne Migrationsgeschichte – häufig private Auskunft über ihre vermeintlich andere Lebensweise, ihre Familie oder ihre Religion geben, in einem Rahmen, in dem sie das vielleicht gar nicht möchten.

Welche Rolle spielt die Lehrerausbildung für das Erlernen eines kritischen Umgangs mit Bildungsmedien? Welche Konzepte können hier tragen?

Der Diversity-Ansatz ist m.E. eine wichtige Strategie auf dem Weg zu einem pluralen demokratischen Gesellschaftsverständnis. In einem solchen Selbstverständnis ist Diversität der Normalfall. Schlicht gesagt: Es ist normal, verschieden zu sein. Die Auseinandersetzung mit Heterogenität ist Teil unseres Alltags. Differenz – etwa die Migrationserfahrung – ist dann nicht als „Abweichung“ zu definieren, sondern stellt lediglich einen Aspekt menschlicher Identität dar. Die vielfältigen individuellen und kollektiven Unterschiede werden als selbstverständlich begriffen und zum Ausgangspunkt von Lernprozessen gemacht. Das gilt für Kita, Schule und Hochschule gleichermaßen. Zugleich handelt es sich bei „Diversity Education“ um eine Perspektive, die bewusst auch die gesellschaftlichen Dominanz- und Ungleichheitsverhältnisse in den Blick nimmt. Durch eine dezidierte Antidiskriminierungsperspektive, die an den Menschenrechten ausgerichtet ist, wird die Gleichstellung von Verschiedenen angestrebt. Das geschieht zum Beispiel auch über die angemessene Repräsentation, Anerkennung, Wertschätzung und Inklusion von Verschiedenheit in Schulbüchern und anderen Bildungsmedien. Ganz entscheidend ist hierbei, dass die Lehr- und Lernmaterialien auf Lehrkräfte treffen, die die notwendigen pädagogischen und fachdidaktischen  Kompetenzen mitbringen, um einen diversitätssensiblen Unterricht zu gestalten. Hier sehe ich aber in der deutschen Lehrerausbildung noch großen Nachholbedarf.  Es bedarf m.E. vielerorts einer systematischen curricularen Verankerung von Diversity-Themen (etwa Migration, Mehrsprachigkeit, Inklusion, Interkulturalität) in der Lehreraus- und -fortbildung. Hier kann dann ein kritischer, ungleichheits- und diversitätssensibler Umgang mit Unterrichtsmaterialen eingeübt werden.

Was kann man tun, damit sich die Inhalte der Schulbücher verändern?

Verlage müssen die Befunde der Schulbuchforschung zunächst einmal überhaupt erst zur Kenntnis nehmen und als mögliches Korrektiv der eigenen Arbeit anerkennen. Darüber hinaus wäre es sehr sinnvoll, Autoren regelmäßig thematisch weiterzubilden und auch Schulbuchautorinnen und -autoren mit Migrationshintergrund zu rekrutieren. Schließlich halte ich ein zusätzliches kritisches Lektorat durch Fachwissenschaftler und Fachdidaktiker für ratsam. Ich möchte aber nicht versäumen, auf den komplexen Produktionsprozess von Schulbüchern hinzuweisen, der sich u.a. an staatlichen Rahmenplänen für die Schulen orientieren muss. Auch in diesen Rahmenplänen – von Bundesland zu Bundesland verschieden – stecken manchmal problematische Vorgaben, wenn z.B. verlangt wird, dass die Lernenden sich mit „Fremdem“ und „Eigenem“ beschäftigen sollen.  Hierzu müssen die Autoren dann eine Themeneinheit oder ein Kapitel entwickeln, ob sie das sinnvoll finden oder nicht. Ich erhoffe mir aber einen Paradigmenwechsel. Zumindest kündigt sich dieser in den jüngsten Empfehlungen der Kultusminister zur interkulturellen Bildung in Erziehung und Schule von 2013 an. Hier heißt es nämlich: „Schule soll Vielfalt zugleich als Normalität und als Potenzial für alle wahrnehmen und Schulbücher sollen geprüft werden „im Hinblick darauf, ob die vielschichtige, auch herkunftsbezogene Heterogenität der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt ist.“ (KMK 2013, 8)

Die Uni Hildesheim bildet einen Großteil der nds. Grund-, Haupt-, Realschullehrer aus. Foto: I. Lange/Uni Hildesheim

Zur Person

Prof. Dr. Viola B. Georgi ist Professorin für Diversity Education an der Stiftung Universität Hildesheim und Direktorin des Zentrums für Bildungsintegration.

Zwischen 2006 und 2012 war sie Juniorprofessorin für Interkulturelle Erziehungswissenschaft an der Freien Universität Berlin. 2010 nahm sie eine Gastprofessur an der York University in Toronto (Kanada) wahr. Zuvor war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt und am Centrum für angewandte Politikforschung der Ludwig Maximilians Universität München tätig. Sie studierte Lehramt, Erziehungswissenschaft und Soziologie an der Goethe Universität Frankfurt, der University of Bristol (England) und der Harvard University (USA). Zu Ihren Arbeits- und  Forschungsschwerpunkten zählen u.a.  Diversity Education, Interkulturelle Bildung und Professionalisierung, Diversity in Bildungsmedien, Holocaust Education, Geschichtsbewusstseinsforschung, Demokratiepädagogik und Citizenship Education.

Lesetipp: Bücher, die verbinden – oder trennen: Integration und Vielfalt in Schulbüchern. Fachleute aus mehreren Ländern analysieren, wie Verschiedenheit (Diversity) in Schulbüchern dargestellt wird. Es gibt Zwischentöne, Schattierungen, Abstufungen – doch leider auch viele Klischees und Vorurteile. (Meldung vom September 2014)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Lehrerbildung Inklusion
news-9736 Wed, 18 Mar 2015 09:00:00 +0100 Beim Thema Integration sind Schulbücher mangelhaft: Eine Studie zeigt, dass Schulbücher die Vielfalt im Klassenzimmer nur unzureichend abbilden https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/beim-thema-i/ DIE WELT über eine Schulbuchstudie im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration: Das Georg-Eckert-Institut hat in Zusammenarbeit mit der Uni Hildesheim untersucht, wie Schulbücher Migration und Integration darstellen. In der Lehrerausbildung sollten Themen wie Migration, Interkulturalität, Inklusion systematisch im Lehrplan verankert werden, fordert Professorin Viola Georgi vom Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim. DIE WELT über eine neue Studie des Georg-Eckert-Instituts, in der in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim untersucht wurde, wie Migration und Integration in Schulbüchern dargestellt werden. 

Vielfalt in der Gesellschaft und an Schulen werde „nicht als Normalfall dargestellt", das zeige die Studie, berichtet DIE WELT. „Tragen Schulbücher ungewollt zur Diskriminierung von Schülern mit Zuwanderungsgeschichte bei? Das Thema Schulbücher ist ein Arbeitsschwerpunkt von Prof. Viola Georgi von der Universität Hildesheim. Die Erziehungswissenschaftlerin ist deutschlandweit die einzige Professorin für 'diversity education', also für Vielfalt in der Lehrerausbildung", schreibt Freia Peters in der Zeitung DIE WELT.

Deutschland habe sich in den letzten Jahrzehnten zu einem modernen Einwanderungsland entwickelt, sagt Professorin Viola Georgi der Zeitung DIE WELT. In der Lehrerausbildung sollten Themen wie Migration, Interkulturalität, Inklusion systematisch im Lehrplan verankert werden, so die Hildesheimer Professorin. Die Studienleiterin Inga Niehaus vom Georg-Eckert-Institut regt in der WELT an, die Begriffe und Bezeichnungspraxen wie „Ausländer", „Fremde" und „Migranten" zu überdenken.

DIE WELT, „ Beim Thema Integration sind Schulbücher mangelhaft / Eine Studie zeigt, dass Schulbücher die Vielfalt im Klassenzimmer nur unzureichend abbilden", 17./18.03.2015 (print kurz, online lang) (www.welt.de)

Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905) / Kontakt zu den Schulbuchforschern und weitere Infos zur Schulbuchanalyse über das Georg-Eckert-Institut

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Ang. Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional Lehrerbildung Bildungsintegration Inklusion
news-9737 Sat, 14 Mar 2015 16:02:00 +0100 Ist das Kopftuch ein Problem? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/ist-das-kopf/ Das aktuelle Urteil des Bundesverfassungsgerichts stößt in Niedersachsen auf geteilte Meinungen. Der 22-jährige Hildesheimer Studentin Huriye, die an der Universität Geschichte und Geografie studiert, eröffnen sich nun aber wohl neue Chancen. Sie hatte bereits überlegt, ihr Studium wegen des Kopftuchverbotes in der Türkei zu beenden. Nach dem gestrigen Urteil bleibt die junge Frau vielleicht hier. Pressespiegel regional Sozialwissenschaften Soziologie Fachbereich 1 Bildungsintegration Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Forschung Zentrum für Bildungsintegration news-9589 Wed, 04 Feb 2015 16:07:00 +0100 Volkshochschule baut für Millionen um https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/volkshochsch/ Der größte Bildungsträger der Region Hildesheim weitet sich an seinem Stammsitz erheblich aus. Dabei wandelt sich die VHS zunehmend zur Beratungseinrichtung. So sind die Dozenten sehr oft auch mit der Umsetzung der Inklusion, also der Gleichbehandlung von behinderten und nichtbehinderten Kindern in Kitas und Schulen, beschäftigt. An dieser Stelle arbeitet die VHS eng mit der Universität Hildesheim und der HAWK zusammen. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft news-9572 Mon, 02 Feb 2015 16:07:00 +0100 Alle zu Tisch: Essen ist fertig! https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/alle-zu-tisc/ Die Professorin Kathrin Audehm forscht an der Universität Hildesheim über den Mikrokosmos Familie. Ihr Forschungsschwerpunkt sind Rituale. Zum Beispiel, wie sich Familien verhalten, wenn sie gemeinsam zu Tisch sitzen und essen. Pressespiegel regional Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft news-9511 Fri, 30 Jan 2015 09:32:00 +0100 Migration und Familie: Das verwandtschaftliche Netzwerk https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/migration-und-familie-das-verwandtschaftliche-netzwerk/ Welche Rolle die Familie während der Auswanderung und Einwanderung einnimmt, wird bisher kaum erforscht. Dabei sind es einzelne Menschen und mit ihnen Familien, die Migration durchleben. „Lange Zeit wurde übersehen, dass Migration oft ein Familienprojekt ist. Migration kann Familien auch zerreißen oder zerstören“, sagt Professorin Meike Sophia Baader am Rande der Konferenz „Migration und Familie“ an der Universität Hildesheim. Sie stellt Ergebnisse zu türkischen Migrantenfamilien in Berlin um 1970 vor. Welche Rolle spielen die Familie und Verwandtschaft in allen Stadien des Migrationsprozesses? Wie Familien mit den Herausforderungen der Migration umgehen – vom Leben in den Herkunftsgebieten über Ursachen und Begleitumstände bis hin zum Leben in der Ankunftsregion oder Rückwanderung –darüber tauschen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Arbeitskreises „Historische Familienforschung“ der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft an der Universität Hildesheim aus. Die Tagung „Migration und Familie“ gibt einen Einblick in Erkenntnisse zu veränderten Familienstrukturen, Familiengedächtnissen und Generationsbeziehungen. Etwa 45 Fachleute aus Deutschland werden an diesem Wochenende erwartet.

Auf welche Ressourcen Familien zurückgreifen können und auf welche Hindernisse sie stoßen, diskutieren die Fachleute auch anhand von empirischen Studien. Christina Lokk (Hildesheim) analysiert, welche Rolle familiär-verwandtschaftliche Netzwerke in der Lebenswelt alleinerziehender Migrantinnen und Migranten spielen. Anne-Kristin Kuhnt (Duisburg-Essen) untersucht Kinderwünsche von Migranten. 7270 km über den Atlantik – Katharina Beiergrößlein (München) beschäftigt sich mit Auswirkungen von Migration auf Familie. Laura Wehr (München) befasst sich mit der Ost-West-Migration im familiären Gedächtnis von DDR-Übersiedler-Familien und nimmt dabei die Perspektive der Kinder in den Blick. Auch Alexander Walther (Jena) beschäftigt sich mit dem familiären Gedächtnis am Beispiel jugoslawischer Bürgerkriegsflüchtlinge in Deutschland. Claudia Roesch (Münster) zeigt, welche Beratungsunterstützung mexikanische Einwandererfamilien im Kalifornien der 1920er Jahre erhalten. Wie in russischen Dreigenerationenfamilien in Berlin Bildung in der Familie weitergegeben wird, untersucht Ljuba Meyer (Dortmund). Mit Rückkehrentscheidungen von „reimmigrierten (Spät-) Aussiedlerfamilien in Westsibirien“ setzt sich Tatjana Fenicia (Dübendorf/Schweiz) auseinander.

Im Arbeitskreis „Historische Familienforschung“ befassen sich Fachleute unterschiedlicher Disziplinen mit der politischen, ökonomischen, kulturellen und sozialen Lage von Familien. Die Historische Migrationsforschung hat sich bisher mit der Geschichte der Migration befasst – einer historischen Grunderfahrung des Menschen. Eine Fülle an Studien zeigt, wie Bevölkerungsgruppen wandern und siedeln – ob religiöse, ethnische, politische oder regionale Gruppen; es sind immer soziale Netzwerke.

Zur Rolle und Bedeutung der Familie während der Auswanderung und Einwanderung liegen bisher kaum Migrationsstudien aus der Familienforschung vor. Dabei sind es einzelne Menschen und mit ihnen Familien, die Migration durchleben. „Lange Zeit wurde übersehen, dass Migration oft ein Familienprojekt ist, dem die unterschiedlichsten Gründe und Motive zugrunde liegen können. Zugleich kann Migration auch Familien und Familienkonstellationen zerreißen oder zerstören“, sagt Professorin Meike Sophia Baader, die die Tagung an der Hildesheimer Universität gemeinsam mit Christin Sager und Kolleginnen und Kollegen der Universitäten Köln, Augsburg und Hamburg organisiert hat.

Baader und Sager stellen Ergebnisse aus der Forschung über sozialpädagogische Stadtteilarbeit mit türkischen Migrantenfamilien in Berlin um 1970 vor. „Bereits Anfang der 1970er Jahre gab es in West-Berlin Stadtteile mit 40 Prozent Migrantenfamilien. Es wurden pädagogische Konzepte entwickelt, wie mit Kindern aus diesen Familien pädagogisch gearbeitet werden kann, wie etwa ihr Spracherwerb oder der Übergang in die Schule unterstützt werden kann. In manchen pädagogischen Ansätzen war bereits Anfang der 1970er Jahre Integration und nicht Defizitorientierung und Rückkehr die Perspektive. Religion und religiöse Orientierung hingegen waren in dieser frühen Phase kaum ein öffentliches oder pädagogisches Thema im Zusammenhang mit Einwanderung“, sagt Meike Baader. „Bis jedoch Migration und die damit verbundenen pädagogischen Herausforderungen wirklich breiter als bildungspolitisches Thema wahrgenommen wurden, dauerte es einige Jahrzehnte bis zur Jahrtausendwende. Auch die Disziplin der Erziehungswissenschaft selbst hat das Thema erst Ende der achtziger Jahre disziplinär fest verankert.“

Die Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft erforscht unter anderem, wie in der Pädagogik der Kindheit auf gesellschaftliche und soziale Transformationen, auf veränderte Sorgeverhältnisse und auf die Herausforderungen durch Migration reagiert werden kann. An der Universität Hildesheim können Studierende im Master die Schwerpunkte „Pädagogik der Kindheit“ oder „Diversity Education“ wählen.

Die Tagung „Migration und Familie“ (Programm) findet am 30. und 31. Januar 2015 auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg der Universität Hildesheim statt. Alle Vorträge sind öffentlich.

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft
news-9385 Sat, 10 Jan 2015 18:44:00 +0100 Suchen mit der blinden Kuh: Digitale Medien in der Grundschule https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/suchen-mit-d/ Kinder wachsen mit digitalen Medien auf. Tür zu, Stecker raus – im Klassenzimmer ist das Internet vielerorts nicht angekommen. Studierende der Informationswissenschaft wollen mit einem Online-Kurs bundesweit Grundschullehrkräfte und Lehramtsstudierende erreichen und über den sicheren Einsatz von mobilen Geräten wie Tablets im Unterricht informieren. Einblicke in den kostenfreien Kurs „Digitales Lernen in der Grundschule“. Tablets und Smartphones gehören für viele Kinder mittlerweile zum Aufwachsen dazu. Im Unterrichtsalltag ist der Umgang mit mobilen digitalen Geräten bisher kaum angekommen, darauf weisen Studierende der Informationswissenschaften der Universität Hildesheim hin. In ihrer Recherche an Schulen in der Region sind sie auf Unsicherheit und Zurückhaltung gestoßen, digitale Medien im Klassenzimmer einzusetzen. Das wird auch in einem Video deutlich. „E-Learning haben wir eigentlich nur durch unseren Computerraum“, sagt eine Lehrerin. Mit mobilen Geräten könnte man hingegen flexibler arbeiten, in einer Ecke im Klassenraum, am Gruppentisch. Allerdings sieht sie die Gefahr, das Tablets als Spielzeug genutzt werden. „Wir haben überhaupt keine Tablets in der Schule. Ich fühle mich derzeit auch nicht in der Lage, weil ich überhaupt keinerlei Vorwissen habe“, sagt eine andere.

„Wir möchten informieren und Grundschullehrerinnen und Lehrern näher bringen, wie sie E-Learning im Unterricht anwenden können“, sagt Alice Holka. Die 27-Jährige aus Oberhausen studiert an der Universität Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“. Gemeinsam mit 20 Studierenden hat sie in einem Projektseminar bei Professor Joachim Griesbaum den Online-Kurs „Digitales Lernen in der Grundschule – Tablets von Lehrern sinnvoll eingesetzt“ entwickelt. In dem kostenfreien Kurs – einem sogenannten MOOC – erfahren Lehramtsstudierende und Grundschullehrkräfte, wie sie Tablets sinnvoll in ihrem Unterricht einsetzen können. Das Besondere: Die Kursteilnehmer kommen aus ganz Deutschland. Ob eine Lehrerin aus Frankfurt, eine Referendarin aus Magdeburg, ein Lehramtsstudent aus Ludwigsburg oder ein Lehrer aus Oldenburg – jeder kann teilnehmen.

Die Studierenden vermitteln im ersten Teil des Kurses, was E-Learning ist, warum es sinnvoll ist, Grundschüler im Umgang mit neuen digitalen Technologien vertraut zu machen, wo Chancen und Risiken liegen und welche Voraussetzungen für den Einsatz von Tablets in der Grundschule geschaffen werden müssen.

Im zweiten Teil geben sie einen Überblick über den Einsatz von Tablets an Grundschulen in Deutschland, diskutieren die Rolle der Lehrperson und zeigen Praxisbeispiele aus einer Hildesheimer Grundschule. Eine Lehrerin berichtet in einem Video von ihren bisherigen Erfahrungen im Schulalltag. Nur wenige Grundschulen haben Erfahrungen mit Tablets im Unterricht oder arbeiten wenn nur eine gewisse Zeit in der Woche mit den Geräten, sagt Kyra Bornemann. Eine bereits 5. Klasse der Molitoris-Schule in Harsum arbeitet zum Beispiel einmal in der Woche mit Tablets. Die Schule setzt die Geräte besonders für die Internet-Recherche in Geschichte und Erdkunde ein, da in diesen Fächern die Schulbücher schnell veralten und keine aktuellen Informationen enthalten.

Auf dem Markt schwirren eine Menge Apps für Grundschüler umher, die allerdings nicht immer geeignet sind, da sie bestimmte Voraussetzungen nicht erfüllen. so die von den Studierenden interviewte Lehrerin Christiane Schulte von der Grundschule Fischbeck. Dann tauchen zum Beispiel Rechenaufgaben ohne Mengendarstellungen auf, lediglich mit Zahlen. Ihre Schülerinnen und Schüler seien besonders motiviert, mit dem Tablet selbstständig zu arbeiten. Schwierig werde es manchmal, wenn die Kinder zu schnell von der eigentlichen Aufgabe abgelenkt werden, etwa wenn sie für sich spannende Themen im Internet finden und sich diese lange anschauen oder durchlesen. „Die Tablets werden an dieser Schule besonders in Gruppenarbeiten für Recherchen im Sachunterricht genutzt. Die Schüler arbeiten mit Suchmaschinen für Kinder wie ‚blinde-kuh.de‘ und bereiten damit eigenständig Referate vor“, berichtet Kyra Bornemann von der Recherche. Die 26-jährige Studentin hat die Kursinhalte mitentwickelt und besitzt selbst übrigens kein Tablet. Sie erinnert sich an ihre Grundschulzeit: „Wir hatten ein Englisch-Lern-Computerspiel, welches ich sehr gerne gespielt habe. Ich kann mir gut vorstellen, dass Schüler motivierter sind, wenn das Lernen mithilfe von Tablets ‚spielerischer‘ und eigeninitiierter gestaltet werden kann.“

Kinder-Suchmaschinen wie blinde-kuh sollen sichere Recherche ermöglichen: Dabei werden auch Surftipps zu Internetseiten in türkischer Sprache sowie Nachrichten zusammengestellt. Screenshot: Isa Lange/Uni Hildesheim

Im dritten Teil des Kurses zeigen die Studierenden, wie mobile Geräte sinnvoll in den Unterricht eingebunden werden können. Die Studierenden gehen auf den sicheren Umgang mit Tablets ein, von der sicheren Recherche im Internet bis zum Einrichten von Sicherheitsschranken und der Betreuung der Kinder während der Nutzung. „Wir stellen eine App vor, die Vorgaben des Kultusministeriums und Datenschutzaspekte berücksichtigt und Schülern spielend Lerninhalte vermittelt. Diese App ist frei verfügbar. Außerdem geben wir einen Überblick über weitere Apps für den Unterricht“, sagt James Patric Hiller. Der 29-Jährige studiert an der Uni Hildesheim „Internationales Informationsmanagement“ mit dem Schwerpunkt Informationswissenschaft.

Wenn 27 Kinder im Unterricht mit Tablets hantieren – kann der Klassenlehrer dann den Überblick behalten, wo die einzelnen Schüler hinklicken? Die Hildesheimer Studierenden stellen Kontrollapps zum Sicherheitsbrowsing vor und bieten Einblicke in die Kindersuchmaschine „fragFINN" sowie die Recherche im Kinder-Wiki „ZUM-Grundschul-Wiki". „Lehrer sollten Schüler anleiten, nur innerhalb dieser geschützten Umgebung zu agieren. Sie können nicht ständig kontrollieren. Sie sollten Schüler dabei begleiten, den Sinn dieser Suchmöglichkeiten zu erkennen. Kindergerechte Suche im Netz kann auch Spaß machen“, so Hiller. Für den medienerfahrenen Studenten bietet die digitalen Geräte eine Chance, „normalen Unterrichtsalltag“ durch multimediale, bunte, abwechslungsreiche Inhalte anzureichern. „Wer mit Freude bei der Sache ist, lernt besser und speichert die Informationen nachhaltiger. Aber: Lernapps können den Unterricht nicht ersetzen, sondern eben nur ergänzen.“ In der heutigen Zeit sei Informationskompetenz ein wichtiger Schlüsselfaktor, so James Hiller. Wer weiß, wo er suchen müsse, könne seinen „Wissensschatz ausbauen“, so der Student.

Im vierten Teil des Kurses zeigen die Studierenden, wie man Eltern den Einsatz von mobilen Endgeräten im Unterricht näher bringen kann. Der Umgang mit Medien sei – genauso wie das Lesen, Schreiben und Rechnen – eine wichtige Voraussetzung für das spätere Berufsleben. Voraussetzung für den Einsatz von mobilen Endgeräten in der Schule sind medienkompetente Lehrerinnen und Lehrer. Die Studierenden geben einen Einblick Aus- und Fortbildung zum Thema sowie zur Beantragung von Fördermitteln.

Im ZUM-Grundschulwiki können Kinder die Inhalte der Internetseite mitgestalten und ihr Wissen weitergeben. Ein Detektiv erklärt, wie man sicher surft. Screenshot: Isa Lange/Uni Hildesheim

Wie Schulen auf digitale Medien reagieren, beobachtet Professor Joachim Griesbaum. „Derzeit finden sich vermehrt Initiativen, Tablets in den Unterricht zu integrieren. Die Folgen sind bislang wenig erforscht“, sagt der Informationswissenschaftler der Hildesheimer Universität. Digitale Medien seien Teil der allgemeinen Infrastruktur, innerhalb derer lehren und lernen stattfindet. „Technologien können auch völlig neue soziale Lehr- und Lernkontexte erschaffen.“ Zwar könne so ein höheres „informationelles und soziales Lernkapital realisiert werden“.

Gleichzeitig bestünde aber die Gefahr des „Information Overloads“ und der Ablenkung, so Griesbaum. Ein Klick hier, ein Wischen dort. „Die Informations- und Medienkompetenz wird für Lehrende und Lernende immer wichtiger.“ Die Informationswissenschaft könne dazu beitragen, den kompetenten und sicheren Umgang mit elektronischen Informationen und Kommunikationsformen zu erlernen. „Digitale Medien erlauben es uns im Idealfall Lehr- und Lernumgebungen zu verbessern. Das Lernen selbst können sie uns nicht abnehmen. Für die Gestaltung von Lernprozessen und -szenarien, bleiben fachbezogene und pädagogisch-didaktische Kompetenzen der Lehrkräfte nach wie vor zentral.“

Ich bin deine Ministerin: Auch mit Informationen von Politikern – hier die Kinderwebseite der Bundesfamilienministerin – müssen Kinder lernen, umzugehen. Screenshot: Isa Lange/Uni Hildesheim

Teilnahme am MOOC „Digitales Lernen in der Grundschule“

Der Online-Kurs startet am 12. Januar 2015. Vier Wochen lang wird jeden Montagnachmittag eine neue Inhaltseinheit freigeschaltet, die dann zu einem beliebigen Zeitpunkt bearbeitet werden kann. Für die Bearbeitung müssen etwa 45 Minuten in der Woche eingeplant werden. Jeder, der bis zum 9. Februar 2015 alle Inhalte bearbeitet hat, bekommt eine Teilnahmebescheinigung. Die Kursteilnehmer können in moderierten Foren ihre Fragen stellen und sich mit anderen Teilnehmern austauschen. Interessierte können sich ab sofort kostenfrei anmelden. Alle Inhalte sind auch nach dem Start verfügbar. Und ja – auch von unterwegs kann man natürlich an dem Kurs teilnehmen (unterstützte Plattformen sind iOS, Android, Palm webOS, BlackBerry).

Lernen im digitalen Zeitalter: Fachleute für E-Learning

Online Wissen teilen: Wie E-Learning und Wissensmanagement über das Internet organisiert werden, erforscht Joachim Griesbaum. Der Professor für Informationswissenschaft mit dem Schwerpunkt „Soziale Netzwerke und Kollaborative Medien“ forscht an der Universität Hildesheim zu Suchmaschinen-Marketing, Identitätsbildung in sozialen Online-Medien und Wissensmanagement im Internet. „MOOCs beruhen auf dem Gedanken, dass Wissen in Online-Netzwerken und Communities sozial erzeugt und erworben wird“, sagt Griesbaum über virtuelle Großgruppen-Lernszenarien. Er befasst sich mit Vorteilen, Problemfeldern und Folgen dieses Trends. Seine Studierenden haben 2014 einen MOOC über Wissensmanagement und im Jahr davor einen Online-Kurs „Datenschutz im Internet" angeboten.

Ende der Kreidezeit: Einblick in die digitale Lehrerausbildung

Kreidetafel oder Technik – wie verändert sich der Lehrerberuf technisch? In Bad Salzdetfurth sieht die Lösung so aus: Da das Lehrerkollegium die Technik unterschiedlich stark nutzt – einige mit Neugier, andere mit Skepsis – stehen in jedem Klassenraum eine weiße Tafel, die mit Stiften beschrieben werden kann, und eine interaktive Tafel mit allen technischen Möglichkeiten. Lehramtsstudierende erproben die Technik, Siebtklässler helfen ihnen dabei. Die Studierenden der Universität Hildesheim sind im ersten Studienjahr jeden Freitag im Klassenzimmer und beobachten Unterricht. [zur Reportage „Kreidetafel oder Technik – wie verändert sich der Lehrerberuf technisch?"]

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Fachbereich 3 Informationswissenschaft und Sprachtechnologie Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-9392 Sat, 10 Jan 2015 17:56:00 +0100 Mehr als nur Islamfeindlichkeit: Pegida-Demonstrationen in Niedersachsen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/mehr-als-nur-islamfeindlichkeit-pegida-demonstrationen-in-niedersachsen/ Wissenschaftler_innen der Universität Hildesheim rufen zur Beschäftigung mit den vielfältigen Ursachen der Pegida-Demonstrationen auf. Die Ablehnung gesellschaftlicher Vielfalt und die Unzufriedenheit mit dem demokratischen System beschränken sich nicht auf Ostdeutschland. Die verbreitete Angst vor einer „Islamisierung des Abendlandes“ ist nach Meinung der Erziehungswissenschaftlerin Viola B. Georgi und des Politikwissenschaftlers Hannes Schammann nicht der einzige Grund für den Erfolg der Pegida-Bewegung. Die Hildesheimer Professor_innen verweisen darauf, dass die Motive der Demonstranten sehr vielfältig seien. Dabei reiche das Spektrum von der Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation über die grundsätzliche Ablehnung gesellschaftlicher Vielfalt bis hin zur Frustration über das demokratische System. An diesen Problemen müsse man arbeiten, wenn man Pegida wirklich etwas entgegensetzen wolle.

„Wir wissen aus aktuellen Studien, dass die Islamfeindlichkeit in den letzten Jahren massiv gestiegen und in Deutschland auch im internationalen Vergleich bedrohlich hoch ist. Auf die Ablehnung des Islam können sich also viele Personen mit ansonsten sehr unterschiedlichen Interessen einigen. Sie fungiert als gemeinsamer Nenner, als eine Art Marketing-Tool für Pegida“, so Hannes Schammann, der in Hildesheim die Juniorprofessur für Migrationspolitik inne hat. Er widerspricht auch der zunehmend geäußerten Auffassung, die Bewegung sei ein rein ostdeutsches Phänomen: „Auch wenn wir für die angekündigten Demonstrationen in Hannover und Braunschweig wesentlich geringere Teilnehmerzahlen erwarten als für Dresden, gibt es keinen Grund, sich beruhigt zurückzulehnen. Menschenfeindlichkeit und Demokratieverdrossenheit suchen sich verschiedene Ventile. In westdeutschen Bundesländern haben wir es eher mit einem subtileren Alltagsrassismus zu tun, den man nicht auf der Straße zeigt, der aber beispielsweise bei der Diskriminierung von Bewerbern um einen Ausbildungsplatz sichtbar wird.“

Viola. B. Georgi, Professorin für Diversity Education und Leiterin des Zentrums für Bildungsintegration an der Universität Hildesheim, fügt hinzu, dass es notwendiger denn je sei, über unterschiedliche Formen des Rassismus in unserer Gesellschaft zu sprechen. Schammann betont allerdings auch, dass die Pegida-Demonstrationen nicht als Gradmesser für die Einstellung der deutschen Bevölkerung zu Asylbewerbern verstanden werden dürfen. „Es gibt derzeit eine große Welle der Hilfsbereitschaft gegenüber Asylbewerbern in der Zivilgesellschaft. Auch Verantwortliche in Kommunen reagieren auf die steigende Anzahl an Flüchtlingen wesentlich besonnener und pragmatischer als in den 1990er Jahren. Hier sind wir ein gutes Stück vorangekommen. Daran ändert auch Pegida nichts.“

In Hannover kommen am Montag Vertreter unterschiedlicher Religionen zusammen. Der Vorsitzende der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen und Präsident der Universität Hildesheim, Professor Wolfgang-Uwe Friedrich, nimmt an diesem Friedensgebet teil. „Alle zwanzig niedersächsischen Hochschulen bringen Ihre Solidarität mit den Opfern des Terrorismus in Frankreich zum Ausdruck. Sie treten ein für Meinungsfreiheit, für Toleranz und Weltoffenheit. Meinungsfreiheit und Freiheit der Wissenschaft gehören untrennbar zusammen", so Friedrich. Zu dem multi-religiösen Friedensgebet laden die Evangelisch-Lutherische Marktkirche und der Rat der Religionen der Landeshauptstadt Hannover ein.

Viola Georgi macht darauf aufmerksam, dass die Angst vor „Überfremdung“ und der mit ihr einhergehende Rassismus besonders dort verbreitet sei, wo interkulturelle Kontakte fehlen, etwa keine Begegnungen mit Flüchtlingen im Alltag stattfinden. Daraus erkläre sich auch der Zulauf von Pegida in den Regionen, in denen kaum Einwanderer leben.

„In den urbanen durch Migration geprägten städtischen Räumen ist Pegida schwach. In Stuttgart, Köln, Frankfurt oder Berlin ist soziale, kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt Teil des gelebten Alltags. Vielfalt ist Normalität und stellt deshalb auch keine Bedrohung dar. An diesen Orten entsteht die neue deutsche Gesellschaft. Hier werden neue Formen des pluralen Zusammenlebens erprobt und verhandelt.“ Die Erziehungswissenschaftlerin ist Mitglied im bundesweiten Rat für Migration. Dieser ist ein Zusammenschluss von rund 80 Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen und hat am 5. Januar 2015 ein Thesenpapier mit Handlungsempfehlungen (pdf) veröffentlicht. Kern ist laut Georgi die Forderung, eine „Leitbild-Kommission“ einzuführen. Ein solch republikanisches Leitbild soll die Selbstverständlichkeit einer postmigrantischen Gesellschaft zum Ausdruck bringen und als Identifikationsmöglichkeit für alle Menschen in Deutschland dienen können.

Der Rat für Migration fordert in seinem Thesenpapier auch eine verstärkte Wissens- und Kompetenzvermittlung zu Fragen der migrationsbedingten Vielfalt. Die Universität Hildesheim geht hier mit zahlreichen Projekten, Seminaren und Veranstaltungen voran. Dabei werden Veranstaltungen, wenn möglich, auch kostenlos für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hier drei Beispiele:

  • Das Zentrum für Bildungsintegration (Prof. Dr. Viola B. Georgi) bietet derzeit eine Ringvorlesung zum Thema „Rassismuskritische Bildung“ an. Die nächste Veranstaltung findet am 21. Januar 2015 statt (12:00 Uhr im Hörsaal 1 am Hauptcampus der Uni Hildesheim). Timo Reinfrank spricht über Rechtsextremismus als eine Herausforderung in der Bildungsarbeit. Der Politologe der Amadeu Antonio Stiftung berät zivilgesellschaftliche Initiativen, Politik und Verwaltung in der Arbeit gegen Rechtsextremismus und entwickelt Bildungsmaterialien zu diesem Themenkomplex. Am 28. Januar 2015 gibt Claudia Schanz, Referentin für politische Bildung am Niedersächsischen Kultusministerium, einen Einblick in aktuelle bildungspolitische Vorhaben im Bereich der interkulturellen Schulentwicklung in Niedersachsen. 
  • Das Fach Politik (Prof. Dr. Marianne Kneuer, Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, Prof. Dr. Hannes Schammann) wird im Sommersemester eine Ringvorlesung zum Thema „Demokratie und Islam“ organisieren. Ort und Zeit werden noch bekannt gegeben.
  • Zahlreiche Studierende der Universität Hildesheim engagieren sich vielfältig und ehrenamtlich für eine plurale Gesellschaft – ob im neu gegründeten Vorhaben „Muslimunity“ oder in der Initiative „Pangea“, die sich um die Unterstützung der Flüchtlinge im Wohnheim in der Senkingstraße in Hildesheim kümmert. Dabei sind Lehramtsstudierende aus dem Bereich „Deutsch als Zweitsprache" beteiligt.

Forscherinnen untersuchen im Diversity-Monitoring, wie Unis mit Vielfalt umgehen. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Info: Zusammen leben und lernen

Zusammen leben und lernen – in den letzten Jahren entstand an der Universität Hildesheim, wo mit etwa 2600 Lehramtsstudierenden ein Großteil der Grund- Haupt- und Realschullehrer in Niedersachsen ausgebildet wird, ein Schwerpunkt im Bereich Bildungsintegration. Mit 2,85 Millionen Euro unterstützt das Niedersächsische Wissenschaftsministerium das Forschungsgebiet.

Professuren wie Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache und Diversity Education wurden eingerichtet und Fächer wie Sport und Musik in die Planung einbezogen. Am „Zentrum für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften“ befasst sich das Team um Viola Georgi, Professorin für Diversity Education, mit Bildungsverläufen. Die Forscher möchten einen Beitrag zum Abbau von Bildungsungleichheit leisten, 2014 wurde ein Promotionskolleg eingerichtet. Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Diversity und Hochschule, historisch-politische Bildung in der Migrationsgesellschaft, interkulturelle Schulforschung, Bildungsteilhabe von Minderheiten, Diversity in Schulbüchern, Mehrsprachigkeit, Diversity und Musik und Künste sowie Sport und Teilhabe.

2014 hat die Universität eine Juniorprofessur mit dem Schwerpunkt „Politik und Migration“ besetzt. Der Politikwissenschaftler Hannes Schammann arbeitet praxisnah, in diesem Semester befassen sich seine Lehramtsstudierenden zum Beispiel mit religiöser Vielfalt in der Schule und wie sich junge deutsche Muslime gesellschaftlich engagieren. In einem weiteren Seminar sind die Studierenden vor Ort, diskutieren mit dem Flüchtlingsrat Niedersachsen, befassen sich mit lokaler Flüchtlingsarbeit in Hildesheim und wo Herausforderungen in der europäischen, nationalstaatlichen und kommunalen Flüchtlingspolitik liegen.

Mehr zum Thema:

NDR online, 10.01.2015, „Uni Hildesheim will über Pegida aufklären / Warum ist Pegida so erfolgreich? Die Gründe gehen über die Angst vor 'Islamisierung' weit hinaus, sagen zwei Hildesheimer Forscher. Sie planen zahlreiche Veranstaltungen zum Thema"

NDR 1 Niedersachsen, 11.01.2014 ~12:00 Uhr, Hörfunk, Interview mit Hannes Schammann

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news-9474 Sat, 10 Jan 2015 13:00:00 +0100 "Islamfeindlichkeit dient als Marketing für Pegida" — Hildesheimer Wissenschaftler warnen vor Alltagsrassismus, der sich neue Ventile sucht https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/islamfeindl/ Wir wissen aus aktuellen Studien, dass die Islamfeindlichkeit in den letzten Jahren massiv gestiegen und auch im internationalen Vergleich in Deutschland bedrohlich hoch ist. Auf die Ablehnung des Islam können sich also viele Personen mit ansonsten sehr unterschiedlichen Interessen einigen. Sie fungiert als gemeinsamer Nenner, als eine Art Marketing-Tool für Pegida", so Schammann, der an der Universität Hildesheim als Juniorprofessur Migrationspolitik lehrt. Die Erziehungswissenschaftlerin Viola B. Georgi leitet an der Universität Hildesheim das Zentrum für Bildungsintegration und ist Mitglied im bundesweiten Rat für Migration. Dieser hat aktuell ein Thesenpapier mit Handlungsempfehlungen veröffentlicht.  

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news-9290 Fri, 12 Dec 2014 18:57:00 +0100 Geschichte der Kindheit https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/geschichte-der-kindheit/ Wie viele Seiten wohl täglich in Hildesheim verfasst werden? Die neue Serie „Wortwörtlich" gibt Einblicke in wissenschaftliche Publikationen. Diesmal: Aufwachsen in der Großstadt, in Institutionen und außerhalb der Heimat – die Geschichte der Kindheit. Ein umfassender Überblick über moderne Kindheiten seit 1800 in Europa. Was wir Kindheit und Familie nennen, habe es nicht immer gegeben, davon geht der französische Historiker Philippe Ariès aus. Diese Gedanken sind über 50 Jahre her. Seitdem ist keine große Geschichte der Kindheit mehr erschienen.

50 Jahre nach Ariès bahnbrechender Studie „L᾿enfant et la vie familiale sous l᾿Ancien régime" erzählen Soziologen, Historiker und Erziehungswissenschaftler auf 500 Seiten die Geschichte der Kindheit noch einmal. Zum Herausgeberteam gehören neben Meike Sophia Baader, Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Hildesheim, auch die Sozialpädagogen Professor Wolfgang Schröer und Florian Eßer. Im Buch „Kindheiten in der Moderne” erzählen sie eine „Geschichte der Sorge". Der Leser taucht ein, etwa in die bürgerliche, die verwissenschaftlichte, die wohlfahrtsstaatliche, die transnationale Kindheit und erfährt mehr über das Aufwachsen in sozialen Bewegungen und Großstädten und nationalsozialistischen Konzentrationslagern (letzterer ist ein Beitrag der Hildesheimer Doktorandin Wiebke Hiemesch).

„Die vorliegende Kindheitsgeschichte konzentriert sich auf die europäische Moderne. Ausgangspunkt bildet die These, dass sich in den jeweiligen Diskursen über Kindheit charakteristische Elemente der jeweiligen Epochen der Moderne wie in einem Brennglas spiegeln. Ob das Kind zum Beispiel als 'heilig', als 'Künstler' oder als 'Turbo-Lerner' und 'Unternehmer seiner Selbst' imaginiert und beschrieben wird, hat wesentlich mit den Grundzügen und Themen der jeweiligen Epochen und den dazugehörigen Leitbildern zu tun“, schreibt das Herausgeberteam der Universität Hildesheim.

Textpassagen aus dem Buch

Um 1900: Die Straßen der Stadt sind die Schule

Die großstädtische Kindheit, Hakan Forsell (Seite 190ff):

„Es gab Kinder, die zwischen mehr oder minder befristeten Aufgaben (Zeitungsjungen, Schuhputzer, Botenjungen), kriminellen oder semikriminellen Aktivitäten (Taschendiebstahl, oder Beschäftigungen im Bereich Varieté und Bordellen) und Betteln hin- und herwechselten. Im Untergrund existierte eine informelle urbane Wirtschaft, die scheinbar völlig jenseits der Aufsicht durch Eltern und die Gesellschaft lag. Einige dieser Kinder besuchten eine Schule und manche hatten sogar einen überdachten Schlafplatz, doch dauerte es bis weit in das 20. Jahrhundert hinein, bis in größerem Umfang freiwillige und öffentliche Aktionen organisiert wurden, um gegen die soziale Verwundbarkeit dieser Kinder anzugehen.

Tatsächlich war es um 1900 in europäischen Städten en vogue, die Straßen der Stadt als eine Art Schule zu begreifen, als natürliche Heimat für Kinder aus der Arbeiterklasse. In Berlin veröffentlichte der Lehrer Charles Grazza ein Tagebuch über seine 'pädagogischen Expeditionen' zu talentierten Schülern aus den Arbeiterfamilien der Stadt. Pädagogen und Journalisten entdeckten, dass Kinder auf der Straße Dinge lernten, die ihnen keine Schule beibringen konnte. Der Berliner Fotograf Willy Römer porträtierte ihre physische Präsenz, ihre Körperlichkeit und Aufmerksamkeit, den Zusammenhalt und die Überlebenskompetenz. Die Kinder waren überall und sahen und wussten alles, was in ihrer direkten Umgebung geschah."

Eine Kinderkultur entstand, mit Spielplätzen und Kindertheater

Die reflexive Kindheit, Meike Baader (Seite 414 ff):

„Reflexive Kindheit wird durch eine Institutionalisierung der Lebensphase Kindheit bestimmt, die unter anderem in einem Zuwachs an Bildungs- und Freizeitinstitutionen gründet und von Professionalisierungsprozessen der zuständigen Fachkräfte flankiert wird. In den 1970er-Jahren bildete sich verstärkt eine eigene Kinderkultur im öffentlichen Raum – etwa in Form von Spielplätzen, Kindertheatern und Kinderzentren – heraus. Es entstanden jugendkulturelle Räume, die primär geschlechtergemischt waren.

Elterninitiativen protestierten gegen autozentrierte Innenstädte, forderten Spiel- statt Parkplätze und versuchten so, den städtischen Raum für Kinder attraktiver zu gestalten. Die neue Selbstständigkeit der Kinder wurde für immer mehr Eltern zum wichtigsten Erziehungsziel.

Reflexive Kindheit schließt eine Stärkung der Rechtsposition von Kindern ein und den Abbau eines stark hierarchisch konzipierten Generationenverhältnisses. Die Ablösung der 'elterlichen Gewalt' durch die 'elterliche Sorge' im Familienrecht ab 1980 sowie die Durchsetzung eines Rechts auf 'gewaltfreie Erziehung' im Jahre 2000 bringen dies exemplarisch zum Ausdruck. Die Stärkung der Rechtspositionen von Frauen und Kindern seit den 1970er-Jahren verändert die Generationen-, Geschlechter- und Familienverhältnisse fundamental. Die Entkoppelung von Sexualität und Fortpflanzung führt schließlich zur Möglichkeit der Planung von Kindern bzw. zur Frage 'Kinder oder keine und wann'."

Reisende Diplomatenkinder werden als kleine Weltbürger bezeichnet

Die transnationale Kindheit, Nicole Himmelsbach, Wolfgang Schröer (Seite 492ff):

„Wir finden vielfältige Initiativen, Politiken und Märkte, die gerechtere oder erfülltere Kindheiten versprechen. Seit vielen Jahren wird der grenzüberschreitende Aktionsradius von Kindern in ganz unterschiedlichen Kontexten beschrieben, die sogenannte Zirkulation von Kindern in Afrika und Lateinamerika, Migrationsbewegungen arbeitender Kinder und Kinderflüchtlinge. Reisende Kinder von Diplomaten oder Geschäftsleuten werden als kleine Weltbürger bezeichnet. Kinder, die zum Beispiel nationale Grenzen überschreiten, um zu arbeiten oder zu flüchten, bezeichnet man dagegen weniger als Weltbürger, sondern eher als Opfer ihrer Lebensumstände. Je nach Alter und Lebensweise werden sie zuweilen auch als Gefahr für die nationale öffentliche Sicherheit wahrgenommen. Mädchen in einem Heim einer kolumbianischen Grenzstadt nennen Gesundheit, Arbeit und Schulbildung als die wesentlichen Bestandteile einer 'guten Kindheit'. Der Großteil der Mädchen kommt aus den umliegenden Dörfern nahe der Grenze. Einige habe in fremden Haushalten oder auf der Straße gearbeitet und bezeichnen sich selbst nicht als Kinder: 'Wir machen nicht das was Kinder machen. Also spielen und so.' Mädchen, die als Prostituierte in der Grenzregion arbeiteten haben ihre Kindheit mit dem ersten sexuellen Kontakt für beendet erklärt.

Zweifelsohne bedeutet Kindheit heute für eine Mehrheit der Kinder weltweit 'Schulkindheit' – wenn auch für einen unterschiedlichen Zeitraum. Auch lebt die Mehrheit der Kinder weltweit in Familien, wobei die Definition dessen, was Familie bedeutet, sehr unterschiedlich ist. Darüber hinaus ist Kindheit in vielen Teilen der Erde aber auch Arbeitskindheit, Kriegskindheit und insgesamt 'eine gesundheitsgefährdende Lebensphase'."

Die kindliche Natur ergründen

Die verwissenschaftlichte Kindheit, Florian Eßer (Seite 124ff):

„1890 beschrieb ein Leipziger Pädagoge mehr als 300 'Kinderfehler' – die Liste reichte von 'Ängstlichkeit' über 'Denkfaul' bis hin zu 'Zwangshandlungen'. Die Idee, die kindliche Natur ergründen zu wollen, löste eine rege Forschungstätigkeit aus, die bis heute nie wirklich abebben sollte. Die Geschichte der Verwissenschaftlichung von Kindheit handelt von der Child Study, die, von Nordamerika ausgehend, den europäischen Kontinent erreichte und ein immenses Forschungsinteresse rund um die Natur des Kindes auslöste. Forschungseinrichtungen, Vereine und Organisationen wurden gegründet, so besuchten etwa 700 Teilnehmer den Kongress für Kinderforschung und Jugendfürsorge 1907 in Berlin.

Väter aus dem bürgerlichen Milieu hielten in Journalen fest, wie ihre Kinder in körperlicher, geistiger und moralischer Hinsicht Fortschritte machten. In fertig zu kaufenden Kindertagebüchern sollten Eltern anhand vorgegebener Beobachtungskategorien systematisch die 'Fortschritte' ihrer Kinder vermerken. Schülerinnen und Schüler mussten ständig beobachtet und auf der Grundlage von Verfahren der Notengebung bewertet werden. Intelligenzmessungsverfahren kamen dem Bedürfnis der Lehrerinnen und Lehrer entgegen, Ursachen für die Leistungsunterschiede zwischen den Kindern zu finden. Mit Hilfe des wissenschaftlichen Wissens ließen sich der Grad der Gesundheit, Intelligenz und Kompetenz jedes einzelnen Kindes bestimmen. Die Verfeinerung von Instrumenten führten zu flächendeckenden Messungen an Kindern. Im Hier und Jetzt ließ sich prognostizieren, was aus den Kindern morgen werden würde."

Der Geschichte der Kindheit auf der Spur. Fotos: Buchcover Campus-Verlag (Collage)

Angaben zum Buch, diesmal entdeckt:

Meike Sophia Baader, Florian Eßer, Wolfgang Schröer (Hg.): Kindheiten in der Moderne. Eine Geschichte der Sorge, 2014, 514 Seiten, Campus-Verlag

Ein Buch zum Entdecken?

Wie viele Seiten und welche Themen wohl täglich an der Universität Hildesheim verfasst werden? Die neue Serie „Wortwörtlich“ gibt Einblicke in wissenschaftliche Publikationen der Forscherinnen und Forscher. Auch etwas gelesen oder geschrieben? Senden Sie Ihre Vorschläge an Isa Lange (presse@uni-hildesheim.de).

Lesetipp:

Lesen Sie diesen Beitrag im aktuellen Uni-Journal (pdf)

DIE ZEIT, „Goldene Jahre auf der Straße / Wie hat sich die Kindheit verändert, uns was bedeutet das für die heutige Bildungspolitik", Interview mit Meike Baader, 14.08.2014 (print, online)

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik Fachbereich 1
news-9078 Tue, 04 Nov 2014 17:54:00 +0100 Wie wir zusammenleben: Vielfalt in Bildungseinrichtungen in Israel und Deutschland https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/wie-wir-zusammenleben-vielfalt-in-bildungseinrichtungen-in-israel-und-deutschland/ Worte und Klänge verbinden junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Haifa und Hildesheim. Nach dem Austausch über Forschungsmethoden in Hildesheim geht es weiter nach Berlin: In der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erfahren sie mehr über das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Mit der Jungen Islamkonferenz kommen sie über den Islam als drittgrößte Religion in Deutschland ins Gespräch. Mit der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus sprechen sie über Bildungsmaterialien in der Einwanderungsgesellschaft. Instrumente haben nun einmal die Eigenschaft, zu klingen. Nach einer Stunde Rundgang durch die Räume der ehemaligen Timotheuskirche drängt sich ihr Wesenszug immer stärker auf – von Professor Raimund Vogels erfahren die israelischen und deutschen Forscherinnen und Forscher zunächst mehr über die Digitalisierung von Musikarchiven, etwa in Ägypten und Iran. Vogels gibt Einblicke in Forschungsmethoden und berichtet vom Interesse der Musikethnologen, mehr darüber zu erfahren, warum Menschen Musik lieben oder sie ablehnen und wie Musik Aggressionen auslösen oder überwinden kann.

An diesem Novembertag sitzen 20 Nachwuchswissenschaftler inmitten von Glasvitrinen. Darin: eine der größten privaten Sammlungen außereuropäischer Musikinstrumente. Der ehemalige Lehrer Rolf Irle hat die Klangkörper in 50 Jahren zusammengetragen – und der Universität gestiftet, unter der Bedingung, dass sie zugänglich ist, in der Lehrerausbildung zum Einsatz kommt und erforscht wird. Dazwischen: ein Stuhlkreis. Ob die Instrumente noch klingen, fragt ein junger Israeli. Raimund Vogels vom Center for World Music der Universität Hildesheim spürt die große Neugier im Raum, den Instrumenten ihre Klänge zu entlocken. Was kann man da anderes tun, als die Türen der Vitrinen zu öffnen? Und schon landen die Klangkörper in Händen, an Mündern, auf Oberschenkeln; Töne einer Kurzhalslaute erklingen. Herzliches Lachen, intensive Gespräche, Klänge – ein drei Monate junges Kind einer israelischen Forscherin lässt sich davon nicht beunruhigen und gluckst in die Runde.

Im Gespräch: Erziehungswissenschaftlerin Viola B. Georgi

Seit einem Jahr läuft das Forschungsprojekt der Universitäten Haifa und Hildesheim. Die israelischen und deutschen Wissenschaftler aus den Bereichen Pädagogik, Musikwissenschaft, Religionswissenschaft, Geographie und Soziologie befassen sich mit Vielfalt in Bildungseinrichtungen und wie wir zusammenleben. Sie gehen in Jugendclubs, Schulen, Theater und Stadtteilversammlungen, länderübergreifend bilden sie Tandems und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Isa Lange sprach mit der Hildesheimer Professorin Viola Georgi. Gemeinsam mit ihrem Kollegen aus Haifa, Professor Yotom Hotam, leitet sie das Projekt „Diversity in Israel und Deutschland", das von der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum gefördert wird.

Einige untersuchen die Wirkung von Integrationskursen, andere werten mehrsprachige Schulprogramme aus und untersuchen am Beispiel russischsprachiger Einwanderer, wie Schulen und Eltern zusammenarbeiten. Zeigen die empirischen Forschungsarbeiten in Ihrem Projekt, wie Vielfalt und Interkulturalität im Alltag angekommen sind?

Viola Georgi: Die Arbeiten zeigen den Alltag gelebter Vielfalt in Deutschland und Israel. Sie zeigen aber auch, wo es Grenzen und Friktionen gibt. Das hat viel mit dem historischen Gewordensein und dem politischen Selbstverständnis zu tun. Wir erfahren – mit einem durch die Forschungsprojekte fokussierten Blick – wie Diversity in beiden Gesellschaften konkret verhandelt wird. Zugleich ist spannend, wie die unterschiedlichen theoretischen und methodischen Zugangsweisen der Promovierenden diese Vielfalt thematisieren und sichtbar machen. Wie werden Muslime und der Islam in israelischen Schulbüchern repräsentiert? Wie können traditionelle religiöse Lebensentwürfe jüdisch-orthodoxer Frauen feministisch gelesen werden? Wie sehen Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund die schulische Praxis in der Einwanderungsgesellschaft? Welche reformpädagogischen Konzepte eignen sich besonders für den Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft? Neben der Diskussion über den theoretischen und methodischen Zuschnitt der Forschungsprojekte, ermöglichen „field trips“ vor Ort einen praktischen und direkten Blick auf die Forschungsfelder.

In der aktuellen Forschungswerkstatt befassen Sie sich mit dem Thema „Bildungsdilemma in Zeiten von Konflikten". Was ist damit gemeint?

Viola Georgi: Hier geht es unter anderem darum, Probleme und Dilemmata von  Bildungsinstitutionen in Krisenregionen – insbesondere mit Blick auf den Nahostkonflikt – zu diskutieren. Wie werden Krieg und Konflikt in den Schulen und Bildungseinrichtungen „freiwillig“ oder „unfreiwillig“ zum Thema gemacht? Wie gehen Lehrerinnen und Lehrer mit dieser Situation um? Welche Konzepte von civic education können hier unterstützend wirken?

Dann geht es weiter nach Berlin. Was ist in der Antidiskriminierungsstelle des Bunds und bei der Jungen Islam Konferenz geplant?

Viola Georgi: Die Teilnehmenden werden die vielfältigen Arbeits- und Handlungsfelder der Antidiskriminierungsstelle des Bundes kennenlernen und erfahren, wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (2006) in Deutschland umgesetzt wurde. Mit der Jungen Islamkonferenz wollen wir über den Islam als drittgrößte Religion in Deutschland ins Gespräch kommen. Mit der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus werden wir unter anderem Bildungskonzepte und Materialien diskutieren, die den Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft aufgreifen. 

Sie kombinieren die Diskussion und den Austausch über Forschungsmethoden mit einem Kulturprogramm, das auch ein Statement ist: Sie tagen im Center for World Music der Universität Hildesheim zwischen Klangkörpern, eine der größten Sammlungen außereuropäischer Musikinstrumente. Und im Berliner Gorki-Theater werden Sie das Stück „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen” anschauen. Das Haus wurde gerade unter der Leitung von Shermin Langhoff und Jens Hillje, ein Absolvent der Hildesheimer Kulturwissenschaften, als Theater des Jahres ausgezeichnet und bringt ein Programm auf die Bühne, das den vielfältigen Biographien der Stadt gerecht zu werden versucht. Welche Rolle spielen diese gemeinsamen Begegnungen im Forschungsprozess und für das länderübergreifende Projekt?

Viola Georgi: Die Auseinandersetzung mit kultureller Bildung ist uns im Rahmen des Austauschs sehr wichtig. Sowohl das Center for World Music mit seinen spannenden musikethnologischen Projekten, als auch der Besuch des Gorki-Theaters bieten eine Möglichkeit gemeinsam, über diversitätsbewusste, rassimuskritische und postmigrantische künstlerische Praxis nachzudenken.

Diversity in Israel und Deutschland: Forscherinnen und Forscher (Bilder unten) aus beiden Ländern bilden Tandems und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Diversity in Israel und Deutschland: Forscherinnen und Forscher (Bilder unten) aus beiden Ländern bilden Tandems und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Diversity in Israel und Deutschland: Forscherinnen und Forscher (Bilder unten) aus beiden Ländern bilden Tandems und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Diversity in Israel und Deutschland: Forscherinnen und Forscher aus beiden Ländern bilden Tandems und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Musik und Musikwissenschaft Center for World Music Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration
news-9085 Wed, 29 Oct 2014 15:14:00 +0100 Ringvorlesung zum Thema Rassismus https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/ringvorlesun-31/ Referenten bieten Beispiele für den Einfluss rassistischer Denk- und Sprechweisen. Ringvorlesung des Zentrums für Bildungsintegration der Universität Hildesheim Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Zentrum für Bildungsintegration news-8601 Mon, 29 Sep 2014 08:43:00 +0200 Angst und Verunsicherung im Umgang mit Missbrauch / Fachkräfte fortbilden und Kinder stärken https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/angst-und-verunsicherung-im-umgang-mit-missbrauch-fachkraefte-fortbilden-und-kinder-staerken/ Missbrauchsfälle in Internaten, kirchlichen Einrichtungen und in der Kinder- und Jugendarbeit haben die Öffentlichkeit erschüttert. Forscherinnen und Forscher der Uni Hildesheim fordern, das Thema stärker in der Aus- und Fortbildung von pädagogischen Fachkräften zu verankern. Niedersachsen hat als erstes Bundesland vor zwei Jahren eine Anlaufstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs und Diskriminierungen in Schulen eingerichtet. Betroffene müssten vor Ort in regionalen Beratungsstellen schnell ihre Fragen und Sorgen in einem geschützten Rahmen mitteilen können, sagt Professorin Meike Baader. Der Umgang mit sexuellem Missbrauch werde nach wie vor zu wenig in der Aus- und Fortbildung von pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften thematisiert,  kritisiert Meike Sophia Baader, Professorin für Erziehungswissenschaft. Seit 2010 bietet sie an der Universität Hildesheim regelmäßig Lehrveranstaltungen zum Thema an. „Sexualisierte Gewalt war in pädagogischen Einrichtungen bis zum öffentlichen Bekanntwerden von Missbrauchsvorfällen in pädagogischen Institutionen 2010 mit einem Tabu versehen. Derzeit ist es eher mit Angst und Verunsicherung verbunden, wie Forschungsergebnisse zum Umgang von pädagogischen Einrichtungen mit der Thematik zeigen“, sagt Baader.

Einige pädagogische Organisationen und Institutionen übernehmen eine Verantwortung für das Thema. Sie entwickeln Schutzkonzepte, die Verfahrensregeln enthalten, wie Lehr- und andere pädagogische Fachkräfte bei Verdachtsfällen vorgehen, an welche Expertinnen und Experten sie sich wenden, wer vor Ort Ansprechpartner für Betroffene ist und wie und wann das Lehrerkollegium, Fachkräfte, Eltern sowie Mitschüler und Mitschülerinnen informiert werden sollten. Doch ein solches Vorgehen ist bislang kaum flächendeckend der Fall, sagt Professorin Baader.

Ergebnisse aus einer Recherche zum Umgang mit sexualisierter Gewalt in pädagogischen Einrichtungen zeigen, dass vor allem Schulen sich schwer tun, während das Thema in Kindertageseinrichtungen und Heimen eher angekommen ist. „In den Schulen wird das Thema gerne an die Sozialpädagogik delegiert“, so Baader. Sie hat in der Ethikkommission „Nähe und Distanz in pädagogischen Beziehungen“ der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft mitgewirkt, die 2010 eingerichtet wurde.

Lehrveranstaltungen, die das Institut für Erziehungswissenschaft an der Hildesheimer Universität zur sexualisierten Gewalt durchführt, werden von Studierenden stark nachgefragt. Mehrere Forschungsarbeiten entstehen. So hat die Studentin Lisa Quasthoff in ihrer erziehungswissenschaftlichen Master-Abschlussarbeit aktuelle Vorfälle in pädagogischen Institutionen und die Bedingungen in zwei Internatsschulen miteinander verglichen. Pauline Karch hat präventive Projekte in Kindertageseinrichtungen untersucht. „Prävention beginnt im Erziehungsalltag. Kinder müssen darin gestärkt werden, Nein zu sagen und lernen, was Geheimnisse und Grenzen sind und wo sie sofort Hilfe erhalten. Ein einmaliges Projekt nur für Kinder reicht nicht, kein Kind kann sich selber schützen. Die Erwachsenen müssen mit ins Boot geholt werden“, sagt Karch. Claudia Bowe-Traeger befasste sich damit, wie die katholischen Kirche mit dem Thema umgeht und Henrike Niedermeyer fragt in ihrer Bachelor-Arbeit nach den Anforderungen an pädagogische Professionalität. Außerdem sind mehrere Promotionen entstanden. Julia Gebrande, inzwischen Professorin an der Hochschule Esslingen, hat ihre Promotion „Handlungskompetenz zur Unterstützung von Kindern mit sexualisierter Gewalterfahrung. Bedarfsanalyse von pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen“ abgeschlossen. Christin Sager, Mitarbeiterin in der Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft hat eine Dissertation zur „Geschichte der Sexualaufklärung“ verfasst. Derzeit entsteht eine weitere Dissertation zu „Schutzkonzepten und Frühen Hilfen“ von Anne-Kathrin Grebenstein.

Niedersachsen hat als erstes Bundesland vor zwei Jahren (August 2012) eine Anlaufstelle für Opfer und Fragen sexuellen Missbrauchs und Diskriminierungen in Schulen eingerichtet, die telefonisch an vier Tagen in der Woche erreichbar ist (www.mk.niedersachsen.de). Die Anrufer, darunter Lehrer, Schüler und Eltern, hatten allgemeine Fragen zu sexuellem Missbrauch, Mobbing, Cybermobbing und Diskriminierung. Meike Baader unterstreicht die Bedeutung von regionalen Beratungsstellen. „Sie können für Betroffene vor Ort schnell und einfach erreichbare Anlaufstellen sein, wo sie ihre Fragen und Sorgen in einem geschützten Rahmen mitteilen können.“

Forschungs- und Handlungsbedarf sieht Baader in der Frage der Betroffenheit von Jungen durch sexualisierte Gewalt, aber auch in der Problematik eines „Generalverdachts“ gegen männliche Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen. Beratungseinrichtungen sind jedoch aufgrund ihrer historischen Entstehung häufig auf die Beratung von Mädchen und Frauen spezialisiert. Während Mädchen in der Familie und im persönlichen Nahraum stärker sexualisierte Gewalt erleiden, sind Jungen in den pädagogischen Einrichtungen stärker betroffen.

Weitere Forscher der Universität Hildesheim arbeiten in diesem Themenfeld, darunter ein Team um den Sozialpädagogen Professor Wolfgang Schröer. Was macht ein sicheres Umfeld aus? Derzeit läuft eine bundesweite Untersuchung: In dem dreijährigen Forschungsprojekt „Ich bin sicher! Schutzkonzepte aus der Sicht von Jugendlichen und Betreuungspersonen" befragen Wissenschaftler seit Sommer 2014 Kinder und Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren sowie Betreuungspersonen bundesweit. In dem Forschungsprojekt stehen die Bedürfnisse und Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt. Die Forscher der Universität Hildesheim, der Hochschule Landshut und der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie fragen Jugendliche, was ein sicheres Leben in stationären Erziehungshilfen, Internaten und Kliniken ausmacht, was Einrichtungen hierfür tun können und wie sie ihre aktuelle Situation einschätzen. Von den Betreuungspersonen möchte das Forschungsteam erfahren, welche Voraussetzungen und Hinderungsgründe sie erleben und wie sie im Alltag handeln, um Kindern und Jugendlichen in ihren Einrichtungen ein sicheres Leben zu ermöglichen. „Wir wollen von den Kindern und Jugendlichen erfahren, wie Wohngruppen, Internate und Kliniken beschaffen sein müssen, damit sie sich dort zuhause, wohl und sicher fühlen", sagt Tanja Rusack, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. Mithilfe der Ergebnisse will der Forschungsverbund zur Verbesserung von Schutzkonzepten in pädagogischen Organisationen beitragen. Das Forschungsprojekt wird mit 694.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Förderlinie „Sexuelle Gewalt in pädagogischen Kontexten“ unterstützt.
Der Forschungsverbund erhebt die Daten in Online-Befragungen und Gruppendiskussionen mit Fachkräften, Kindern und Jugendlichen. Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren sowie Betreuungspersonen aus stationären Einrichtungen können bis Mitte November 2014 an der Online-Befragung teilnehmen (www.projekt-ichbinsicher.de). Die Daten im Online-Fragebogen werden anonym erhoben.

Konferenz „Entgrenzung“

40 Fachleute unter anderem aus den USA, Dänemark, Tschechien, Großbritannien und Deutschland tagen vom 29. September bis 1. Oktober 2014 an der Universität Hildesheim. Auf der internationalen Tagung „Zwischen notwendiger Enttabuisierung und problematischer Entgrenzung. Sexuelle Revolution und Kindheit im historischen Kontext der 1970/80er" geht es um historische Perspektiven, Recht, Politik und Medien, Kindheit, Sexualität und Erziehung; um Politik-, Erziehungs- und Zeitgeschichte. Veranstaltet wird die Konferenz von Forschern der Universitäten Hildesheim, Trier und Frankfurt am Main. Ansprechpartnerin bei Fragen ist Meike Sophia Baader, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Hildesheimer Universität. Die dreitägige Konferenz richtet sich an Fachleute und ist nicht öffentlich. Kooperationspartner ist das Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung.

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik
news-8821 Mon, 22 Sep 2014 19:50:00 +0200 Bücher, die verbinden – oder trennen / Integration und Vielfalt in Schulbüchern https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/buecher-die-verbinden-oder-trennen-integration-und-vielfalt-in-schulbuechern/ Fachleute aus mehreren Ländern analysieren, wie Verschiedenheit (Diversity) in Schulbüchern dargestellt wird. Es gibt Zwischentöne, Schattierungen, Abstufungen – doch leider auch viele Klischees und Vorurteile. Sie sollen Klarheit, Orientierung und Objektivität vermitteln. Schulbücher erklären die Welt und den Alltag: Wie Menschen auf dem Land leben, wie Konflikte und Kriege entstehen und was sie auslösen und was Menschenrechte sind. Sie zeigen die Welt in Karten, erklären, wie aus Wind Energie gewonnen wird, wie die Erde aus dem Weltraum aussieht und warum Menschen Müll wiederverwerten. Doch Schulbücher können auch trennend wirken und zu Diskriminierungserfahrungen beitragen. Etwa wenn permanent zwischen Migranten und „Einheimischen" unterschieden wird. Damit werden diese immer wieder als „die Anderen" bezeichnet und Zugehörigkeit unmöglich gemacht, sagt Viola B. Georgi, Professorin für Diversity Education an der Universität Hildesheim. „Es ist notwendig, die Bildungsmedien an Schulen durch die Diversity-Brille zu betrachten und Stereotype und Klischees bezogen auf unterschiedliche Differenzmerkmale aufzudecken“, richtet sich Georgi an Verlage, Politik und Lehrkräfte. Nicht erst seit der öffentlichen Debatte um die Frage, ob der Kinderbuchautor Ottfried Preußler in seinem Buch „Die kleine Hexe“ rassistische Klischees über Menschen anderer Herkunft bediente, ist die Frage nach nicht-stereotypisierender Darstellung unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen in Bildungsmedien hoch bedeutsam, so die Professorin.

Mit der Darstellung der Kolonialzeit und von Migration in Schulbüchern beschäftigt sich die jüngere Schulbuchforschung. Wie werden Gender, Behinderung und ethnische Herkunft in Schulbüchern verschiedener Fachrichtungen sichtbar gemacht und in welcher Absicht? Welche gesellschaftlichen Normen und Grenzen werden formuliert? Welche Themen tauchen nicht auf? Damit befassen sich etwa 20 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Südafrika, Israel, Kanada, Österreich und Deutschland. Der internationale Workshop wird im Herbst 2014 (Programm) vom Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim und dem Georg Eckert Leibnitz Institut für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig organisiert.

Viola Georgi befasst sich mit der Frage, welche Rolle Diversity in der Schulbuchforschung spielt. Dabei wird deutlich, wie wichtig ein diversitätssensibler Blick auf Bildungsmaterialien ist. Elina Marmer zeigt, wie in deutschen Schulbüchern Afrika dargestellt wird. So wird der Themenkomplex Afrika in manchen Geographiebüchern unter Querschnittsthemen wie „Kriege, Krisen, Krankheiten, Katastrophen, Kriminalität" behandelt. Abwertende Inhalte, Bilder und Begrifflichkeiten werden Afrika zugeordnet und Menschen afrikanischer Herkunft werden wiederholt als hilflos und passiv und als Feld- oder Plantagenarbeiter gezeigt. Die vorkoloniale Geschichte, Kulturen und Philosophien der afrikanischen Gesellschaften sind kaum erwähnt. Wie in südafrikanischen Schulbüchern die Geschichte Afrikas dargestellt wird, analysiert anschließend Mashall T. Maposa (University of KwaZulu-Natal, Südafrika).

Nicholas Stone vom Promotionskolleg Bildungsintegration an der Universität Hildesheim zeigt, wie Bildungsmaterialien und Lehrbücher, die in Integrationskursen zum Einsatz kommen, gesellschaftliche Vielfalt in Deutschland darstellen.

Auch online tut sich Einiges: Marcus Otto und Masoumeh Bayat vom Georg-Eckert-Instituts weisen auf Lernmaterialien hin, sie befassen sich mit Migration und Integration in deutschen Schulbüchern. Im Internet können auf der Online-Plattform „Zwischentöne“ Lehrerinnen und Lehrer auf Lehrmaterial „für das globalisierte Klassenzimmer“ etwa für die Fächer Geschichte, Politik und Religion zurückgreifen, die auf die vielfältigen Biographien der Schülerinnen und Schüler eingehen und zum Nachdenken über den Umgang mit gesellschaftlichen Unterschieden anregen. In den Materialien geht es zum Beispiel um Identität (Wer ist „wir“?), um Geschlechterrollen in der Migration (mit Hörfunkbeiträgen über Lebensgeschichten von Frauen, die aus Irak und Polen nach Deutschland kamen) und Diskriminierung im Alltag (mit einem Video, wie junge Erwachsene auf dem Weg ins Berufsleben Benachteiligung erfahren). Daneben können Lehrkräfte an Fortbildungen teilnehmen.

Einblicke in schulische Bildungsmedien in anderen Ländern geben Forscher aus Österreich, Südafrika, Israel und Canada: Heidemarie Weinhäupl von der Universität Wien gibt einen Überblick, wie Migration und Mehrsprachigkeit in australischen Schulbüchern und im Klassenzimmer thematisiert werden. Suriamurthee M. Maistry, Jugathambal Ramdhani und Johan Wassermann (University of KwaZulu-Natal) analysieren, wie Armut in südafrikanischen Schulbüchern dargestellt und in welchen Rollen Frauen in aktuellen südafrikanischen und malawischen Geschichtsbüchern gezeigt werden. Wie Muslime in israelischen Schulbüchern dargestellt werden, analysiert Ayman Agbaria (University of Haifa). Sivane Hirsch (University of Quebec) befasst sich mit kanadischen Schulbüchern und wie in der Provinz Quebec das „einander kennen lernen“ von Geschichte, Kultur und Religion auch an Grenzen stößt. Eckhardt Fuchs vom Georg-Eckert-Institut befasst sich damit, wie Fachleute bei der Produktion von Lehrmaterialien Kultur, Religion und Geschlecht ohne Vorurteile thematisieren können. Die Veranstaltung ist nicht öffentlich.

Weitere Information: Forschung am Zentrum für Bildungsintegration

Das Forscherteam vom Zentrum für Bildungsintegration untersucht, wie Migration und Integration in Schulbüchern und Bildungsmedien verhandelt werden. Dabei bindet Professorin Viola Georgi Studierende der Universität Hildesheim ein, so fand im Sommer eine mehrtägige Exkursion zum Georg-Eckert-Institut statt. Die dortige Forschungsbibliothek umfasst mit 175.000 Schulbüchern aus 160 Ländern eine weltweit einzigartige Sammlung der Fächer Geschichte, Sozialkunde, Geographie und Religion. Im Seminar gingen die Studierenden empirisch der Frage nach, welche Bilder von Verschiedenheit in einzelnen Büchern erzeugt werden. Die Studierenden sind dabei mit kleinen Teilprojekten in ein größeres Forschungsprojekt zum Themenkomplex „Diversity in Bildungsmedien und Schulbüchern“ eingebunden.

Im Projekt „Diversity in Israel und Deutschland" (aktueller Artikel: „Wie wir zusammenleben: Vielfalt in Bildungseinrichtungen in Israel und Deutschland"), das von der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum gefördert wird, begleiten sich junge Wissenschaftler aus beiden Ländern gegenseitig in ihr Forschungsfeld und tauschen sich über Forschungsmethoden aus. Dabei untersucht einer der Wissenschaftler das Islambild in israelischen Schulbüchern.

Die Untersuchung von Schulbüchern ist ein Arbeitsschwerpunkt des „Zentrums für Bildungsintegration – Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften". Migration nicht länger nur aus einer Problem- und Defizitperspektive betrachten, sondern die Ressourcen in den Blick nehmen – das ist ein Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Hildesheimer Universität. Dabei setzen sie auch in der Lehrerausbildung an, Studierende begleiten etwa Jugendliche mit unterschiedlichen Herkunftssprachen über ein Jahr in einer Kleingruppe und besuchen die Familien. 2600 Lehramtsstudierende und 1000 angehende Sozialpädagogen und Erziehungswissenschaftler – also jene, die künftig in Stadtteilen, in Jugendzentren, Kitas und Musikschulen mit Jugendlichen arbeiten – profitieren von den Lehrangeboten. Professuren wie Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache, Frühpädagogik, Zweitspracherwerb und Diversity Education – die erste in der Bundesrepublik – wurden eingerichtet und Fächer wie Sport und Musik in die Planung einbezogen. Derzeit wird eine Professur mit dem Schwerpunkt „Politik und Migration“ besetzt. Mit 2,85 Millionen Euro unterstützt das Niedersächsische Wissenschaftsministerium das Forschungsgebiet.

Medienkontakt: Pressestelle, Isa Lange, presse[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Zentrum für Bildungsintegration
news-9139 Thu, 14 Aug 2014 15:45:00 +0200 Goldene Jahre auf der Straße / Wie hat sich die Kindheit verändert, uns was bedeutet das für die heutige Bildungspolitik https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/goldene-jahr/ DIE ZEIT im Gespräch mit der Pädagogin Professorin Meike S. Baader über Kindheit in der Moderne „Vom 18. Jahrhundert an gab es erst einmal die Idee von einer minimalen Bildung für alle Kinder, etwa Grundformen des Rechnens oder Schreibens. Die höhere Bildung war den höheren Ständen vorbehalten und das Gymnasium sowieso nur deren männlichen Angehörigen. Mädchen können das Abitur seit der Zeit um 1900 machen und auch erst seitdem studieren. Das katholische Arbeitermädchen vom Land hatte sogar bis in die siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts hinein noch wenig Chancen, auf ein Gymnasium zu gehen, das änderte sich erst mit der dann stattfindenden Bildungsexpansion. Heute diskutieren wir über Kinder mit Migrationshintergrund und die Inklusion von Kindern mit Behinderungen. Wir erleben also Inklusionsprozesse von immer mehr gesellschaftlichen Gruppen einerseits, andererseits haben wir es aber auch weiterhin mit selektions- und Exklusionsprozessen zu tun", sagt Meike Sophia Baader, Professorin für Erziehungswissenschaften an der Universität Hildesheim der Wochenzeitung DIE ZEIT. Gemeinsam mit Professor Wolfgang Schröer und Florian Eßer hat sie das Buch „Kindheiten in der Moderne” herausgegeben.

DIE ZEIT, „Goldene Jahre auf der Straße / Wie hat sich die Kindheit verändert, uns was bedeutet das für die heutige Bildungspolitik", 14.08.2014 (print, online) (www.zeit.de)

Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Lehrerbildung Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Pressespiegel überregional
news-8710 Wed, 13 Aug 2014 11:30:00 +0200 Wege in die Wissenschaft https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/wege-in-die-wissenschaft/ Eine Studie der Universität Hildesheim zeigt: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden in der Postdoc-Phase, also der Zeit nach der Promotion, überwiegend unspezifisch und unverbindlich gefördert. Diese Phase sei „ein Nadelöhr für den weiteren wissenschaftlichen Karriereverlauf“, sagt Svea Korff, wissenschaftliche Mitarbeiterin im vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt „Chancengleichheit in der Postdoc-Phase in Deutschland". Wie Wissenschaftsorganisationen „Postdocs“ in ihrer beruflichen und wissenschaftlichen Laufbahn nach der abgeschlossenen Promotion unterstützen, das untersucht eine Hildesheimer Forschergruppe derzeit in einer Studie. Sie haben bundesweit und fächerübergreifend Frauen und Männer (Online-Befragung: 539 Personen, qualitativ: 66 Personen) in der Zeit nach der Promotion – der Postdoc-Phase – befragt. Zudem wurden in einer repräsentativen Stichprobe 365 Internetseiten deutscher Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen analysiert. Was bietet das jeweilige Förderprogramm an, etwa Information, Vernetzung, Finanzierung und Mentoring? Welche Hürden müssen die Postdocs überwinden, um am Programm teilzunehmen? Wer wird angesprochen?

„Wir haben untersucht, inwieweit die Förderprogramme Geschlecht thematisieren, die Postdoc-Phase ist ein Nadelöhr für den weiteren wissenschaftlichen Karriereverlauf. Wir haben die Internetseiten etwa nach Stichworten wie 'Postdoc', 'wissenschaftlicher Nachwuchs', 'Gender' und 'Diversity' unter Menüpunkten wie 'Forschung', 'Personal', 'Weiterbildung', 'Gleichstellungsbüro', durchforstet und außerdem über Google gesucht“, sagt Svea Korff, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt „Chancengleichheit in der Postdoc-Phase in Deutschland“. Das Bundesforschungsministerium und die EU fördern das Projekt. Ergebnisse sollen auf einer Abschlusskonferenz im Februar 2015 vorgestellt werden.

Bislang lagen nur Einzeluntersuchungen vor, ein Gesamtüberblick zur Förderlandschaft fehlte hingegen. Die Forscherinnen und Forscher der Arbeitsgruppe „Hochschule und Bildung“ der Universität Hildesheim haben bereits in einem Vorgängerprojekt bundesweit den Weg zum Doktorgrad in strukturierten Promotionsprogrammen an deutschen Hochschulen erfasst. Dabei wurde ein Evaluationsinstrument entwickelt, mit dem Promotionsprogramme ihr „Gender und Diversity“-Profil analysieren können und so reflektieren können, was sie für „Chancengleichheit“ tun.

Erste Ergebnisse der Postdoc-Studie zeigen nun: Angebote für Postdocs gibt es an nahezu allen untersuchten Universitäten (37 Universitäten an denen 247 Förderprogramme identifiziert werden konnten) und außeruniversitären Forschungseinrichtungen (4 externe Forschungseinrichtungen mit insgesamt 19 Förderprogrammen). An den Fachhochschulen fanden die Forscher nur in knapp 9 Prozent der Fälle (9 Fachhochschulen mit 19 Förderprogrammen) Angebote für Postdocs. Die untersuchten Universitäten fördern Postdocs meist in Form von Informationen (55,1 Prozent) und finanzieller Unterstützung (36,4 Prozent).

Knapp zwei Drittel (65,5 Prozent) der Programme sind zielgruppenunspezifisch und richten sich an alle interessierten Postdocs, ganz unabhängig von deren Geschlecht oder anderen kategorisierenden Merkmalen. Ein Viertel der untersuchten Förderprogramme (26,5 Prozent) richten sich explizit an Wissenschaftlerinnen. Kein Programm in der Stichprobe ist ausschließlich für Männer als Zielgruppe ausgeschrieben. 8 Prozent der Förderprogramme richten ihren Fokus ausdrücklich auf Diversity und sprechen vor allem ausländische Postdocs an.

„Bei der Postdoc-Phase handelt es sich überwiegend um einen Karriereweg, bei dem Eigeninitiative gefordert ist, um sich gezielt Informationen und finanzielle Unterstützung zu beschaffen“, sagt Svea Korff. Dabei macht die Studie vier Typen von Förderprogrammen aus: Neben Informationen und Finanzierungsmaßnahmen (Typus „Search“ und „Cash“) fand das Forschungsteam zwei weitere Formen, um Karrierewege in der Postdoc-Phase zu unterstützen: Kurzfristig angelegte Qualifizierungs- und Beratungsangebote (Typus „Flow“), die sich vor allem an ausländische Postdocs richten, und eher längerfristig angelegte Mentoring-Programme, welche vor allem Frauen fördern und in ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten auf dem Weg zu einer Professur „wachsen lassen“ sollen (Typus „Grow“).

Wissenschaftseinrichtungen sollten nachvollziehbar erklären, für wen ihre Programme bestimmt sind und was sie anbieten. Schließlich sind sie öffentlich im Internet zugänglich und mögliche Adressaten müssen die Angebote finden können, sagt Svea Korff.

Um den Aufstieg von Frauen – von der Promotion bis zur Professur – zu fördern, setzen der Bund, Länder und Hochschulen Förderprogramme ein. Deutschland ist im europäischen Vergleich eines der Länder mit den wenigsten Professorinnen, zahlreiche Frauen verlassen die akademische Laufbahn bevor sie eine Professur in Aussicht haben. Bisher wurden vor allem erfolgreiche Promotionen und Karrieren derer untersucht, die dem Wissenschaftssystem erhalten bleiben. Die Hildesheimer Forschergruppe befragt derzeit in Gruppen- und Telefoninterviews Postdocs. Dabei gehen sie der Frage nach, wie ihre berufliche und persönliche Entwicklung verläuft, welche Anreize sie motivieren im Hochschulsystem zu arbeiten und wo auch Gründe für den Ausstieg aus der Wissenschaft liegen. Erste Auswertungen zeigen, dass die Postdoc-Phase kaum eine gesicherte berufliche Laufbahnperspektive bietet: In ihr spitzt sich der Wettbewerb in der Wissensgesellschaft derart zu, dass er für viele sehr gut qualifizierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unattraktiv wird, da sie ihre Potenziale nicht entfalten können, sondern aufgerieben werden. Zudem bietet das deutsche Wissenschaftssystem zu wenige Karriereoptionen jenseits der Professur, was auch in einer Erklärung des Wissenschaftsrates vom Juli 2014 moniert wird.

Abschlusskonferenz

Auf dem Abschlusssymposium „Chancengleichheit in der Postdoc-Phase in Deutschland – Gender und Diversity“ am 26. und 27. Februar 2015 an der Universität Hildesheim werden erstmals umfassend Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt vorgestellt. Eine verbindliche Anmeldung ist via E-Mail möglich (chance@uni-hildesheim.de). Die Anzahl der Plätze ist begrenzt, weitere Informationen online.  Auf der Konferenz sollen Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Postdoc-Phase in Deutschland erarbeitet werden. Die Veranstaltung richtet sich an Postdocs und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die die Postdoc-Phase im Wesentlichen mitgestalten, etwa in der Nachwuchsförderung, Gleichstellung und Personalentwicklung in Wissenschaftsorganisationen. Interessierte können sich an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsclusters „Hochschule und Bildung“ wenden (Svea Korff, E-Mail: chance@uni-hildesheim.de, Telefon: 05121.883-11750).

Lesetipp / Details zu den Forschungsergebnissen:

„Nachwuchs im Netz: Eine Untersuchung der Genderrelevanz von Förderprogrammen für Postdocs“, Daniela Böhringer, Julia Gundlach, Svea Korff (erschienen in: Beiträge zur Hochschulforschung, 36. Jahrgang, 3/2014)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik
news-8635 Fri, 01 Aug 2014 14:57:00 +0200 Internationale & interdisziplinäre Tagung an der Stiftung Universität Hildesheim, Domäne Marienburg vom 29.09. - 01.10.2014 https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/internationa-11/ "Zwischen notwendiger Enttabuisierung und problematischer Entgrenzung." Sexuelle Revolution und Kindheit im historischen Kontext der 1970/80er. Informationen zur Tagung

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Allg. Erziehungswissenschaft Veranstaltungen
news-8491 Fri, 25 Jul 2014 10:25:00 +0200 Eintauchen in Alltag: Studien zu Teilhabe und Benachteiligung im Bildungssystem https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/eintauchen-in-alltag-studien-zu-teilhabe-und-benachteiligung-im-bildungssystem/ Junge Forscherinnen und Forscher aus Sport, Musik und Sozialpädagogik befassen sich in empirischen Studien mit Teilhabe und Benachteiligung in Bildungssystemen. Die Themen sind vielfältig – und nah dran an unserem Alltag. Erste Einblicke in das neue Promotionskolleg am Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim. Katjuscha von Werthern etwa taucht in den Grundschulalltag in Berlin-Kreuzberg ein und untersucht dort, die Möglichkeiten und Grenzen „demokratischer Schulentwicklung“ und wie Eltern mit Migrationshintergrund sich an diesen Prozessen beteiligen. Sie wolle „gleich zu drei relevanten Bereichen der wissenschaftlichen, politischen und praktischen Debatte beitragen: Demokratisierung der Institution Schule, Möglichkeiten der Elternbeteiligung sowie das Verhältnis zwischen Schule und Familien mit Migrationshintergrund“. Anne Piezunka erfasst, wie Schulinspektionen in den Bundesländern die Qualität einzelner Schulen bewerten und welche Kriterien sie für „inklusive Schulen“ heranziehen. Ob Projekte von privaten und staatlich finanzierten Trägern wie „Teach first“, „Xenos“ oder „Schule ohne Rassismus“ Bildungsbenachteiligung an Schulen abbauen können, wurde bisher nicht systematisch untersucht. Können solche schulexternen Akteure, Maßnahmen und Projekte überhaupt eine institutionelle Veränderung in Richtung Chancengleichheit an einer Bildungsinstitution voranbringen – das fragt Seyran Bostanci. Werden sie ihrem Anspruch gerecht und wie begründen sie das schlechte Abschneiden etwa von Kindern mit Migrationshintergrund – sehen sie es als ein Produkt des Bildungssystems oder als persönliches Defizit, das es zu beheben gilt? Die Wissenschaftlerin führt Interviews mit den Projektmachern und analysiert Dokumente.

Welche Vorstellungen Schülerinnen und Schüler über China haben und ob im Schulunterricht Vorurteile über China sowie Chinesen reproduziert oder aufgebrochen werden – diesen Fragen geht Sara Poma Poma nach, indem sie Schüler der Oberstufe in Niedersachsen und an deutschen Schulen in China befragt.

Eine Generation später setzt Friederike Dobutowitsch an: Sie untersucht, welche Rolle „migrationsbedingte Mehrsprachigkeit“ an der Universität spielt. „Studierende ‚mit Migrationshintergrund‘ erfahren zunehmende Aufmerksamkeit. Der Nationale Aktionsplan Integration schreibt fest, dass mehr Schülerinnen und Schüler mit weniger privilegierten Zugangsmöglichkeiten für ein Hochschulstudium gewonnen werden sollen“, so Dobutowitsch. Zudem wollen Hochschulen internationaler werden – doch die Mehrsprachigkeit der Studierenden werde in diesem Zusammenhang bisher kaum wahrgenommen. Andererseits ist es möglich, an der Universität weitaus mehr Sprachen zertifizieren zu lassen als beispielsweise an der Schule. Deshalb untersucht die Pädagogin, wann Studierende Mehrsprachigkeit als Ressource wahrnehmen und warum sie in Herkunftssprachen investieren.

Samuel Mund befasst sich mit dem „eurozentrischen Blick“ in der musikalischen Bildung und der UNESCO-Konvention zum Erhalt der kulturellen Vielfalt. Sein Feldlabor ist vor der Haustür: Am Center for World Music der Hildesheimer Uni untersucht er, wie Lehrkräfte, Erzieherinnen und Musiker die musikalische Vielfalt in ihrer Arbeit in Stadtteilen, Jugendzentren und Schulen aufgreifen. Wie sich die Wohlfahrtspflege interkulturell aufstellt, etwa durch Schulungen des Personals, – das will Jolanta Voß in Experteninterviews herausfinden. Angesichts der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels werde der Umgang mit Vielfalt in Krankenhäusern, Kitas und Altenheimen relevanter. Vereinzelt gebe es Fallstudien, doch „es existiert kaum eine verbandsübergreifende Untersuchung zu Diversity-Prozessen in den deutschen Wohlfahrtsorganisationen“.

Die Stipendien sind über zwei Jahre mit 1.200 Euro plus Forschungspauschale dotiert. „Wir freuen uns über die Qualität der Promotionsprojekte, die allesamt wichtige bildungspolitische Fragestellungen der Migrationsgesellschaft beleuchten und richtungsweisende Ergebnisse für Wissenschaft und Praxis erwarten lassen“, so Viola Georgi, Professorin für Diversity Education. Die Niedersächsische Landesregierung steuert 2,85 Millionen Euro zur Weiterentwicklung des Schwerpunkts „Bildungsintegration“ an der Universität Hildesheim bei.

Mehr zum Thema Bildungsintegration im Uni-Journal

„Ihr Ziel: Richtungsweisende Ergebnisse", Hildesheimer Allgemeine Zeitung

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Bildungsintegration Zentrum für Bildungsintegration
news-8528 Mon, 30 Jun 2014 12:03:00 +0200 Plattform Inklusion https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/plattform-inklusion/ Wer im pädagogischen Alltag, ob an Schulen, in Jugendzentren und Stadtteilen, in der Kinder- und Jugendhilfe oder im Übergang von der Schule zum Beruf inklusiv arbeiten soll, sollte auch in der Ausbildung, Forschung und Fortbildung eine „inklusionssensible Universität erleben“ und die Möglichkeit haben, sich das notwendige Wissen anzueignen. Deshalb gibt es an der Universität Hildesheim seit Kurzem eine Plattform Inklusion. Die Universität Hildesheim macht sich auf dem Weg zur „inklusionssensiblen Hochschule“. Dazu gehört, ein entsprechendes Lehrangebot zu entwickeln und in den pädagogischen Studiengängen curricular zu verankern. Zum anderen geht es um die Entwicklung der Universität als inklusive Organisation, die sich auf Studierende, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Verschiedenheit einstellt und Benachteiligungen reflektiert und abbaut. Schließlich können die Hintergründe von Benachteiligungen sehr vielfältig sein, zum Beispiel Verpflichtungen zur Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen oder eigenen Kindern, die Notwendigkeit zur eigenen Existenzsicherung durch Zuverdienst, psychische Erkrankungen, Sinnesbeeinträchtigungen wie Hör- und Sehschädigungen, Legasthenien.

Um dieses Vorhaben umzusetzen, entstand unter dem Label „Zukunft Inklusion – ZInk“ die interdisziplinär arbeitende „Plattform Inklusion“. Diese Plattform hat derzeit die Aufgabe, Strukturen für eine inklusionssensible Universität Hildesheim zu entwickeln. Darüber hinaus bietet die Universität ab dem Wintersemester 2014/15 themenbezogene Werkstätten für Studierende und Lehrende an. Dabei geht es zunächst um das Themenfeld „Mitbestimmung“ an der Universität sowie um „regionale Vernetzung“ in Stadt und Landkreis Hildesheim. Denn nicht nur die Universität, auch die Region befindet sich mitten im Prozess, inklusive Strukturen etwa an Schulen zu gestalten – hier kann sich die Universität einbringen und auch die Region als praktisches Feld zusammen mit Studierenden erschließen.

Am Dienstag, 1. Juli 2014, startet die Plattform mit einem Runden Tisch. Für Lehrende der Universität Hildesheim besteht die Gelegenheit, sich auszutauschen. Professorin Annedore Prengel spricht in einem Impulsvortrag zum Thema „Inklusive Pädagogik: historisch-systematische Grundlagen, empirisch fundierte Erfahrungen und Desiderate der Forschung“. Die Wissenschaftlerin befasst sich seit geraumer Zeit mit inklusiver Pädagogik und ist Autorin der „Pädagogik der Vielfalt“.

Bei Fragen zur „Plattform Inklusion“ können sich Studierende und Lehrende an die Erziehungswissenschaftlerin Anna Moldenhauer (anna.moldenhauer@uni-hildesheim.de) und den Sozialpädagogen Andreas Oehme: andreas.oehme@uni-hildesheim.de) wenden.

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4
news-8520 Fri, 20 Jun 2014 10:55:00 +0200 Niedersachsen fördert Projekte der Uni https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/niedersachse-1/ Inklusion für die Schulsozialarbeit von Prof. Fabel-Lamla / Fallarbeit und Fallperspektiven von Peter Cloos Pressespiegel regional Fachbereich 1 Sozial- und Organisationspädagogik Allg. Erziehungswissenschaft Grundschuldidaktik und Sachunterricht Erziehungswissenschaft news-8402 Wed, 11 Jun 2014 11:11:00 +0200 Ich bin sicher! Online-Befragung startet https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/ich-bin-sicher-online-befragung-startet/ Missbrauchsfälle in Internaten, kirchlichen Einrichtungen und in der Kinder- und Jugendarbeit haben die Öffentlichkeit erschüttert. Umso größer ist das Bewusstsein dafür geworden, wie wichtig es ist, für ein sicheres Umfeld in pädagogischen Institutionen zu sorgen. Was macht ein sicheres Umfeld aus – Forscher der Uni Hildesheim, der Hochschule Landshut und des Universitätsklinikums Ulm starten eine Online-Befragung. An der Studie können 14- bis 18-Jährige sowie Betreuungspersonen mitwirken. In dem dreijährigen Forschungsprojekt „Ich bin sicher! Schutzkonzepte aus der Sicht von Jugendlichen und Betreuungspersonen" werden ab Juni 2014 Kinder und Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren sowie Betreuungspersonen bundesweit befragt. Die Forscherinnen und Forscher erfassen, wie diese Sicherheit vor sexualisierter Gewalt in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Internaten, Kliniken und Kurkliniken wahrnehmen. Denn Schutzkonzepte werden bisher größtenteils organisationspolitisch sowie hierarchisch entwickelt. In dem Forschungsprojekt stehen nun die Bedürfnisse und Sichtweisen der Kinder und Jugendlichen im Mittelpunkt.

Die Forscher fragen Jugendliche, was ein sicheres Leben in stationären Erziehungshilfen, Internaten und Kliniken ausmacht, was Einrichtungen hierfür tun können und wie sie ihre aktuelle Situation einschätzen. Von den Betreuungspersonen möchte das Forschungsteam erfahren, welche Voraussetzungen und Hinderungsgründe sie erleben und wie sie im Alltag handeln, um Kindern und Jugendlichen in ihren Einrichtungen ein sicheres Leben zu ermöglichen.

„Wir wollen von den Kindern und Jugendlichen erfahren, wie Wohngruppen, Internate und Kliniken beschaffen sein müssen, damit sie sich dort zuhause, wohl und sicher fühlen", sagt Tanja Rusack, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. Mithilfe der Ergebnisse will der Forschungsverbund zur Verbesserung von Schutzkonzepten in pädagogischen Organisationen beitragen. Das Forschungsprojekt wird mit 694.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in der Förderlinie „Sexuelle Gewalt in pädagogischen Kontexten“ unterstützt. An dem Forschungsprojekt wirken die Uni Hildesheim, die Hochschule Landshut und die Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie mit.

Zur Erhebung der Daten werden Online-Befragungen und Gruppendiskussionen mit Fachkräften, Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Ab Juni 2014 können Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren sowie Betreuungspersonen aus stationären Einrichtungen an der Online-Befragung teilnehmen (www.projekt-ichbinsicher.de). Die Daten im Online-Fragebogen werden anonym erhoben.

Die Forscher um Prof. Dr. Wolfgang Schröer vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Hildesheimer Universität untersuchen in einem weiteren Projekt mit der Universität Kassel und der Hochschule Landshut sexualisierte Gewaltverhältnisse unter Jugendlichen. Sie erfassen in einem Forschungsverbund, wie achtsam Jugendliche in Jugendzentren, Jugendhäusern, Jugend- und Sportverbänden miteinander umgehen. Erziehungswissenschaftler um Prof. Dr. Meike Baader befassen sich mit der Frage, welchen Raum das Thema sexualisierte Gewalt in der Aus- und Fortbildung von Pädagogen einnimmt.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Sozial- und Organisationspädagogik Allg. Erziehungswissenschaft
news-8403 Tue, 10 Jun 2014 17:12:00 +0200 Mehrsprachige Kinder https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/mehrsprachige-kinder/ Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, berichten über ihre Lebenslagen und Sprachen. Die Fotografin Martina Henschke und die Autorin Tatjana Leichsering holen 37 Grundschulkinder aus der Anonymität der Masse. Die Ausstellung mit Porträts und ausführlichen Interviewpassagen ist bis Ende Juli am Hauptcampus der Uni Hildesheim zu sehen. Deeqa zählt auf, was sie kann. „Somalisch, Englisch, Deutsch und etwas Französisch, Arabisch und ein bisschen Türkisch." Sie entdeckt in den Sprachen Ähnlichkeiten und beobachtet, wie etwa in ihrer Familie arabische und afrikanische Sprachen gemischt werden. Deeqa ist in Frankfurt geboren und hat dort „von meinen Freundinnen Türkisch gelernt". In Somalia, der Herkunft ihrer Eltern, war sie noch nie, aber die Sprache begleitet ihren Alltag.

Laura ist stolz auf ihr Heimatland, Portugal, in der Algarve. Aufgeschnappte Nachrichten aus Radio und Fernsehen wecken Sehnsucht: „Wenn ich manchmal die Bilder davon im Fernsehen sehe, würd ich da gerne sein." Laura ist in Deutschland geboren und hat in Portugal laufen und sprechen gelernt – erst später folgten Deutsch und Englisch. Heute spricht Lauras Vater mit ihr Portugiesich, Laura antwortet dann auf Deutsch. „Weil ich mich ans Deutschsprechen mehr gewöhnt habe."

Ermal ist in Frankfurt geboren, geht in die erste Klasse. Er macht am allerliebsten Plusaufgaben und guckt Bücher mit seiner Mama an. „Ich hab keine Bücher, aber ich leih mir Dinosaurierbücher aus.“ Dann stapft er alleine in die Bücherei und kommt mit einem Stapel zurück. Mit seinen Eltern spricht Ermal Albanisch, selten Deutsch. Auch Träumen funktioniert in zwei Sprachen. „Ich kann nichts anderes sprechen." 

Das Lieblingsfach von Joanne? Schwimmen und Deutsch! Joanne glaubt, dass sie Deutsch besser als Thai sprechen kann. „Weil ich hier geboren bin.“ Sie war noch nie in Thailand, spricht aber Thailändisch mit ihrer Mama. Die Familie ist weltweit zerstreut, der Austausch manchmal kaum möglich. „Mein Cousin kommt aus England und ich aus Deutschland und wir können nicht miteinander reden."

Diese vier Kinder erzählen, wie sie mehrsprachig aufwachsen, was ihre Lieblingssprache ist, was sie gut und vielleicht noch nicht so gut beherrschen. Im Projekt „Kinder Deutschlands" holen die Fotografin Martina Henschke und die Autorin Tatjana Leichsering 37 Kinder im Grundschulalter aus Frankfurt am Main aus der Anonymität der Masse. Während des bundesweiten Diversity-Tags, in Hildesheim organisiert vom Zentrum für Bildungsintegration, haben sie Einblick in die Recherchen gegeben. Statt abstrakte Begriffe und Statistiken lassen sie Kinder sprechen. Sie äußern sich zu ihrer Herkunft, Sprache, Identität und ihren Lebenswelten. Oft gerät Mehrsprachigkeit zum Hindernis, Sprachschwierigkeiten und kulturelle Unterschiede stehen im Vordergrund. Statt ein Kind zu sein, wird es zum Problemverursacher. Die Ausstellung an der Uni Hildesheim – an der Professorinnen für Deutsch als Zweitsprache und Mehrsprachigkeit forschen – lädt ein, Chancen in der Mehrsprachigkeit zu erkennen. Die Jüngsten, über die man so viel diskutiert, kommen zu Wort.

Mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich in Hildesheim mit der Frage, wie Kinder mehrsprachig aufwachsen und eine zweite Sprache erwerben. An der Universität werden untere anderem Lehrkräfte in einem Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache / Deutsch als Fremdsprache" für die Sprachförderung in Schulen ausgebildet. Mit interkultureller Lehrerbildung und Schulentwicklung befassen sich Forscher am „Zentrum für Bildungsintegration – Diversität und Demokratie in Migrationsgesellschaften“. Ein Arbeitsschwerpunkt ist, wie Kinder mehrsprachig aufwachsen und Schulen damit umgehen.

Die Ausstellung ist bis Ende Juli 2014 an der Hildesheimer Uni (Hauptcampus, vor dem Audimax) zu sehen und öffentlich und kostenfrei. Wer die Ausstellung nicht vor Ort begehen kann, erhält online erste Einblicke:

„Mein Heimatland finde ich cool", Deutsche Welle, Bildergalerie und Kommentar, 04.06.2014

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Fachbereich 3 Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration
news-8266 Wed, 07 May 2014 10:58:00 +0200 Bildungschancen in Deutschland https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/bildungschancen-in-deutschland/ Wer profitiert im Bildungssystem und wer wird benachteiligt? Mit unterschiedlichen Bildungswegen befasst sich eine öffentliche Vorlesungsreihe an der Universität Hildesheim. Dabei geht es zum Beispiel um Übergänge und den Zusammenhang von Herkunft und Bildungserfolg, so die Erziehungswissenschaftlerinnen. In der Ringvorlesung „(K)eine Chance für alle? Bildungsgänge in Deutschland“ geht es um den Stand der Bildungschancen und den Verlauf von Bildungsgängen in der Bundesrepublik. Erziehungswissenschaftlerinnen führen die Reihe Zusammenarbeit mit der Kooperationsstelle Hochschulen & Gewerkschaften der Region Hannover-Hildesheim durch.

Die Bedeutung von Bildung für die Lebensperspektiven junger Menschen in Deutschland wird in öffentlichen Diskursen immer wieder hervorgehoben. „Gleichzeitig konstatieren Studien zur Bildungsforschung bereits seit längerem einen engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg“, sagt Meike Sophia Baader, Professorin für Erziehungswissenschaft an der Uni Hildesheim. „Die Übergänge zwischen den verschiedenen Bildungsinstitutionen spielen dabei eine besondere Rolle“, betont die Wissenschaftlerin.

„Wir betrachten die einzelnen Ebenen des deutschen Bildungssystems und fragen danach, wer profitiert und wer benachteiligt wird“, erläutert die Erziehungswissenschaftlerin Dr. Tatjana Freytag das Programm der Vortragsreihe. Dabei arbeiten die Fachleute unter anderem heraus, wie Benachteiligungsstrukturen erfasst und wie diese verändert werden können. Darijusch Wirth von der Kooperationsstelle erläutert, dass mit der Reihe die breite Öffentlichkeit erreicht werden soll: „Die Diskussionen um G8, Studiengebühren und Inklusion belegen das große Interesse der Bürgerinnen und Bürger am Thema Bildung. Sie sind daher ausdrücklich eingeladen, zu den Veranstaltungen zu kommen und im Anschluss gemeinsam mit allen Teilnehmenden über den jeweiligen Vortrag zu diskutieren.“ Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Auch der Besuch von einzelnen Vorträgen ist möglich.

Für die Ringvorlesung konnten sechs externe Referentinnen und Referenten gewonnen werden. Den Auftakt macht Sabine Kiel, stellvertretende Landesvorsitzende der GEW, am 8. Mai 2014 mit dem Thema „Bildungschancen in Deutschland – eine ständige Herausforderung“. Prof. Dr. Doris Bühler-Niederberger (Bergische Universität Wuppertal) befasst sich am 22. Mai mit frühkindlicher Bildung, während Prof. i.R. Dr. Wulf Hopf (Universität Göttingen) am 19. Juni auf den Wandel in Leitbildern der Bildungsdebatte eingeht. Am 3. Juli spricht Dr. Markus Lörz (Leibniz Universität Hannover) über soziale Ungleichheit im Zugang zum Studium. Den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Zuge der Umsetzung von Inklusion betrachtet Prof. Dr. Birgit Herz (Leibniz Universität Hannover) am 17. Juli. Prof. Dr. Wolfgang Lauterbach (Universität Potsdam) rückt am 24. Juli den aktuellen Umbau des Bildungssystems in den Fokus. Alle Vorträge beginnen um 16:15 Uhr am Hauptcampus der Universität Hildesheim (Marienburger Platz 22, in Gebäude I im Hörsaal 1).

Studierende der Universität Hildesheim nehmen darüber hinaus an zwei Begleitseminaren zur Ringvorlesung am Institut für Erziehungswissenschaft teil. „Der hohe Anmeldestand mit über 100 Studierenden freut uns natürlich und zeigt, dass das Thema offenbar auf Interesse und Resonanz stößt“, so Baader.

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Pressemeldungen Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Fachbereich 1
news-9208 Sun, 20 Apr 2014 14:10:00 +0200 Thema: „Interkulturelles Klassenzimmer. Zwischen Herausforderung und Chance” https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/thema-inte/ HESSISCHER RUNDFUNK führt ein Interview mit Viola Georgi, Professorin für Diversity Education über die Chancen und Herausforderungen bei Integration von Schülern mit Migrationshintergrund. „Deutschlands Schulklassen werden immer bunter. Gut ein Drittel der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren hat einen Migrationshintergrund – eine Tatsache auf die sich das deutsche Schulsystem erst langsam einstellt. Daher werden in Zukunft große Erwartungen an die Lehrkräfte mit  Migrationshintergrund gestellt. Ihr Anteil liegt derzeit aber nur bei sechs Prozent”, so Anne Baier für HR-Info.

Auch die Wissenschaft beschäftigt sich schon seit einigen Jahren damit, wie ungleiche Chancen und Bildungsbarrieren abgebaut werden können. Eine Frau, die sehr viel dazu forscht, ist Professorin Viola Georgi, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Hildesheim, die in diesem Interview Antworten auf drängende Fragen gibt.

Hessischer Rundfunk, HR-info, „Thema: „Interkulturelles Klassenzimmer. Zwischen Herausforderung und Chance”, 20./21./22./23.04.2014 (Radio-Beitrag 7 Minuten) (www.hr-info.de)

Kontakt zu den Forschern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration
news-8134 Fri, 04 Apr 2014 08:00:00 +0200 Ist doch kinderleicht / Was sind wir euch wert? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/ist-doch-kin/ HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG über den Wert pädagogischer Arbeit in Kindertagesstätten und Professionalisierung in der frühkindlichen Bildung – einem Arbeitsschwerpunkt von Erziehungswissenschaftler Peter Cloos an der Uni Hildesheim Die HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG berichtet im Schwerpunktthema auf Seite 3 über die Entlohnung von Erzieherinnen und Erziehern und. „In Studien über das gesellschaftliche Ansehen einzelner Berufe werden Erzieher gar nicht erst einbezogen. Zweifel daran, dass es sich um einen anspruchsvollen Beruf handelt, halten sich hartnäckig. Zweifel, die nach nur einem Vormittagsbesuch in einer Kita zerbröseln wie Sand", so die HAZ.

„Die Eltern, die Träger, die Politik, die Wirtschaft – sie alle stellen zunehmend komplexe Erwartungen an die Kitas. [...] Erzieher sollen Kindern heute nicht nur eine sichere Bindung vermitteln und sie in ihrer Entfaltung fördern – sie müssen auch die soziale Vielfalt der Kinder im Blick haben und sensibel sein für Multikulturalität und Inklusion", sagt Peter Cloos, Professor für frühkindliche Bildung an der Universität Hildesheim, der HANNOVERSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG. 

„Ist doch kinderleicht / Was sind wir euch wert?", Hannoversche Allgemeine Zeitung, Schwerpunktthema Seite 3, 04.04.2014 (print)

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Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Pressespiegel überregional
news-9177 Sun, 09 Mar 2014 15:45:00 +0100 Exoten im Lehrerzimmer. Sie werden händeringend gesucht und dann doch diskriminiert: Lehrer mit Migrationshintergrund https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/exoten-im-le/ DEUTSCHE WELLE berichtet über eine der ersten bundesweiten Studie zum Thema „Vielfalt im Lehrerzimmer”. „In einer ersten bundesweiten Studie zum Thema "Vielfalt im Lehrerzimmer" haben sich die Wissenschaftlerinnen Viola B. Georgi, Lisanne Ackermann und Nurten Karakaş bereits vor vier Jahren mit der Diskriminierung von Lehrern mit Migrationshintergrund auseinandergesetzt. Die Forscherinnen werteten dazu 200 Fragebögen aus und führten 60 biografische Interviews. Das Ergebnis: Mehr als 22 Prozent der Pädagogen erlebten Diskriminierung und Rassismus im Schullalltag” so die DEUTSCHE WELLE.

"Die Diskriminierung findet dabei auf verschiedenen Ebenen statt”, so würden die Lehrer zum Beispiel auf ihren Akzent angesprochen oder müssten Anspielungen auf ihre Religion hinnehmen, sagt die Leiterin des Hildesheimer Zentrums für Bildungsintegration, Viola B. Georgi.

DEUTSCHE WELLE, „Exoten im Lehrerzimmer. Sie werden händeringend gesucht und dann doch diskriminiert: Lehrer mit Migrationshintergrund”, 09.03.2014 (online) (www.dw.de)

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Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Bildungsintegration Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB)
news-7953 Sat, 01 Mar 2014 08:00:00 +0100 Brückenbauer im Klassenzimmer: Lehrer mit Migrationshintergrund sollen helfen, Bildungsnachteile für Einwandererkinder abzubauen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/brueckenbauer/ NEUE PRESSE über Vielfalt im Lehrerzimmer, die praxisnahe Lehrerausbildung an der Uni Hildesheim und Forschung zur Schule in der Einwanderungsgesellschaft „Wenn die das können, kann ich das auch", erinnert sich Ali Ünlü im Gespräch mit der NEUEN PRESSE in Hannover an seine Schulzeit und die Begegnungen mit Lehrern türkischer und syrischer Herkunft. Der Lehramtsstudent der Universität Hildesheim studiert seit Herbst 2013 Chemie und Biologie und möchte „der beste Lehrer" werden. Ali Ünlü ist ein Sohn türkischer Einwanderer, seine Eltern gaben ihm „den Anspruch mit, fleißig zu sein". Nun sitzt Ünlü jeden Freitag im ersten Studienjahr im Klassenzimmer und beobachtet Unterricht, die „Praxistage seien gut, um sich pädagogisch auszuprobieren".

Lehrer sollen ein Spiegelbild der Gesellschaft sein, meint Professorin Viola Georgi vom Zentrum für Bildungsintegration an der Uni Hildesheim im Interview mit der NEUEN PRESSE. Sie gehen „sehr bewusst mit sprachlichen und kulturellen Unterschieden an der Schule um, wie wir aus Befragungen wissen", so Viola Georgi und fordert: „Alle Lehrerinnen und Lehrer, die heute an Schulen unterrichten, müssen sich der Vielfalt der Gesellschaft stellen, das heißt alle brauchen gute interkulturelle Kompetenzen."

„Brückenbauer im Klassenzimmer: Lehrer mit Migrationshintergrund sollen helfen, Bildungsnachteile für Einwandererkinder abzubauen“, Neue Presse, Wochenendausgabe, 01.03.2014 (print)

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Allg. Erziehungswissenschaft Zentrum für Bildungsintegration Bildungsintegration Pressespiegel überregional
news-7954 Sat, 01 Mar 2014 08:00:00 +0100 Vielfalt will gelernt sein: Durch das neue Zentrum für Bildungsintegration will die Uni Hildesheim angehende Lehrerinnen besser auf das Spektrum kultureller Unterschiede im Klassenzimmer vorbereiten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/vielfalt-wil/ TAZ über das neue Zentrum für Bildungsintegration der Universität Hildesheim und interkulturelles Lernen in der Lehrerausbildung „In Deutschland kommt heute jedes dritte Kind unter fünf Jahren aus einer Einwandererfamilie. Damit sich das Bildungssystem an die damit einhergehenden Veränderungen anpassen kann, hat die Uni Hildesheim Mitte Februar ein 'Zentrum für Bildungsintegration - Diversity und Demokratie in Migrationsgesellschaften' gegründet.  [...] In der Ausbildung von Grund- und Mittelschullehrerinnen beschäftigt sich die Hochschule bereits mit interkulturellem Lernen", beobachtet die TAZ. So laufen empirische Studien und ein Promotionskolleg startet. „Geplant ist die Verbindung von Theorie, Lehre und Praxis. Wir wollen unsere Forschungsergebnisse in die Lehrerausbildung und die Gestaltung von Schulbüchern tragen", so Viola Georgi, Professorin für Diversity Education an der Uni Hildesheim, in der TAZ.

„Vielfalt will gelernt sein: Durch das neue Zentrum für Bildungsintegration will die Uni Hildesheim angehende Lehrerinnen besser auf das Spektrum kultureller Unterschiede im Klassenzimmer vorbereiten“, TAZ die tageszeitung, (01.03.2014) (print und online)

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Allg. Erziehungswissenschaft Ang. Erziehungswissenschaft Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional Bildungsintegration Lehrerbildung
news-9199 Sat, 22 Feb 2014 13:00:00 +0100 Bildung und Migration - Uni Hildesheim forscht zu Bildung in der Einwanderungsgesellschaft https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/bildung-und/ FRANKFURTER RUNDSCHAU berichtet über das neue "Zentrum für Bildungsintegration" und gibt einen Überblick über die Arbeit und zukünftige Ausrichtung der Einrichtung. "Das Zentrum für Bildungsintegration soll laut Institutsleiterin und Professorin für Deversity Education Viola Georgi eine Plattform von wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren sein, die sich mit Chancengerechtigkeit und Teilhabe am Bildungssystem auseinandersetze" so die FRANKFURTER RUNDSCHAU in ihrem Beitrag.

„Auf der Agenda stehen Forschungsprojekte, ein Promotionskolleg, Tagungen, Publikationen und ein neuer Studiengang Migration und Partizipation”, so Georgi.

Frankfurter Rundschau, „Bildung und Migration”, 21.02.2014 (print) (www.fr-online.de)

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Fachbereich 1 Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Zentrum für Bildungsintegration Pressespiegel überregional Bildungsintegration
news-9206 Fri, 21 Feb 2014 13:42:00 +0100 Interkulturelle Bildung: Uni Hildesheim gründet neues Zentrum https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/interkulture-1/ DEUTSCHE UNIVERSITÄTS ZEITUNG berichtet zum Thema Migration. Wie Schulen und Hochschulen mit Zuwanderung umgehen, soll künftig intensiver an der Hochschule Hildesheim erforscht werden. Zur Gründungskonferenz wurden Wissenschaftler aus Europa, Kanada und USA geladen. „Wie Schulen und Hochschulen mit Migration umgehen, soll künftig intensiver an der Hochschule Hildesheim erforscht werden. Forschung, Lehre und Weiterbildung im Themenfeld Migration und Bildung soll so gebündelt werden. Zur Gründungskonferenz wurden Wissenschaftler aus Europa, Kanada und USA erwartet. Sie diskutierten beispielsweise, wie die Zusammenarbeit von Lehrern und Eltern optimal gestaltet werden kann”, schreibt die DEUTSCHE UNIVERSITÄTS ZEITUNG.

Deutsche Universitäts-Zeitung, „Interkulturelle Bildung: Uni Hildesheim gründet neues Zentrum”, 21.02.2014 (print) (www.duz.de)

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Zentrum für Bildungsintegration Allg. Erziehungswissenschaft Pressespiegel regional Erziehungswissenschaft Bildungsintegration
news-9216 Thu, 20 Feb 2014 16:10:00 +0100 Sendung „Campus und Karriere” – Lehrer besser auf Migrationskinder vorbereiten https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/sendung-cam/ DEUTSCHLANDFUNK berichtet über das neue Zentrum für Bildungsintegration. Ein Ziel: Lehramtsstudenten sollen lernen, wie sie Kinder aus Einwandererfamilien besser fördern können. In Lehramtsstudierende besuchen in Projekten ein Jahr lang Familien mit Migrationshintergrund, begleiten die Kinder sprachlich, treffen die Eltern und machen dabei wichtige Erfahrungen. „Zwölf Professoren erforschen die Ursachen, die für die Bildungsbenachteiligung verantwortlich sind. Es geht um strukturelle Ursachen, Formen der institutionellen Diskriminierung. Bei vielen Schülern, die vorzeitig die Schule verlassen müssen, ist die mangelnde Sprachkompetenz ein wesentlicher Grund dafür”, berichtet Michael Engel vom Deutschlandfunk. Um dem Manko besser zu begegnen, erforscht Elke Montanari die Möglichkeiten der Mehrsprachigkeit im Unterricht. Sie ist Professorin für „Deutsch als Zweitsprache” an der Universität Hildesheim.

Deutschlandfunk, „Lehrer besser auf Migrationskinder vorbereiten”, 20.02.2014 (Sendung „Campus und Karriere” Radio-Beitrag, 5 Minuten) (www.deutschlandfunk.de)

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news-9214 Thu, 20 Feb 2014 15:28:00 +0100 Zentrum für Bildungsintegration an der Uni Hildesheim gegründet https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/zentrum-fuer/ NDR FERNSEHEN berichtet in einem Filmbeitrag über die Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im Schulalltag chancengleich zu stellen. „Zentrum für Bildungsintegration an der Uni Hildesheim gegründet. Zum Startschuss diskutieren rund 300 Fachleute, wie Schulen besser auf Kinder mit Migrationshintergrund eingehen können. Gabriele Heinen-Kljajić, Niedersächsische Wissenschaftsministerin weist im NDR FERNSEHEN darauf hin, dass „nicht der Migrationshintergrund an sich das Problem ist, sondern das Problem ist das soziale Herkunftsmilieu, ist der Bildungshintergrund der Eltern, sind die sprachlichen Defizite". „Kinder und Jugendliche aus Einwandererfamilien haben immer noch viel weniger Aussichten auf Bildungserfolg und Bildungsteilhabe – und daran wollen wir arbeiten", sagt Viola Georgi, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Hildesheim dem NDR FERNSEHEN.

NDR Fernsehen, „Zentrum für Bildungsintegration an der Uni Hildesheim gegründet”, 20.02.2014 (Sendungen „Niedersachsen 18:00", „Hallo Niedersachsen” Film-Beitrag, 1 Minute) (www.ndr.de/fernsehen)

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news-7325 Wed, 04 Dec 2013 16:48:00 +0100 Diversität in Israel und Deutschland: Forschungswerkstatt startet https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/diversitaet-in-israel-und-deutschland-forschungswerkstatt-startet/ Wie wir zusammenleben – Die Universitäten Haifa und Hildesheim bringen junge Wissenschaftler aus den Bereichen Pädagogik, Musikwissenschaft, Religionswissenschaft, Geographie und Soziologie zusammen. Die Masterstudenten und Doktoranden bilden jeweils Tandems. Warum – das erklärt Prof. Viola B. Georgi anlässlich der ersten Forschungswerkstatt im Gespräch mit Isa Lange. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Israel und Deutschland begleiten sich gegenseitig ins Forschungsfeld, schauen sich über die Schulter. Was erhoffen Sie sich von dem Austausch?

Viola Georgi: Nun – die israelische und die deutsche Gesellschaft sind stark durch Migrations- und andere gesellschaftliche Pluralisierungsprozesse geprägt. Es ist spannend, über einen direkten Austausch junger Forscher und Forscherinnen in beiden Ländern über den jeweiligen Tellerrand zu schauen. Wir wollen erst einmal herausfinden, wie die Diskurse um gesellschaftliche Diversität in beiden Gesellschaften eigentlich beschaffen sind, also Ähnlichkeiten und Differenzen entdecken. Wir fragen: Welche Themen – Dimensionen von Vielfalt – stehen in den wissenschaftlichen und öffentlichen Debatten um Diversity im jeweiligen nationalen Kontext im Vordergrund und warum? Welche Aspekte von Vielfalt werden bisher nicht oder wenig thematisiert und warum ist das so? Von wem und wie werden diese Debatten geführt? Welche Rolle spielt die Wissenschaft? Wie fühlt es sich an, zu – häufig nicht etablierten Themen – zu arbeiten? Wir fragen auch: Welche Methoden kommen im Feld der Diversity Studies in beiden Ländern zur Anwendung? Wo stoßen diese an ihre Grenzen und welche neuen methodischen Zugänge lassen sich finden?

Wir erhoffen uns, über thematische und methodisch vergleichende Perspektiven, einen tieferen Einblick in die jeweiligen Besonderheiten der gesellschaftlichen Diskurse zu Diversität in Israel und Deutschland zu erhalten. Grundsätzlich geht es also um die Frage, welche Strategien in den beiden Ländern im Umgang mit Heterogenität entwickelt werden.

Die ausgewählten Nachwuchswissenschaftler arbeiten alle empirisch im Bereich Diversität, erheben Daten im Feld, durch Beobachtung und Interviews. Warum haben Sie sich für diese Nähe zur „Wirklichkeit" entschieden, welche Erwartung ist damit verbunden?

Wir wollen möglichst nah dran sein – an aktuellen und neuen Entwicklungen, Beschreibungen und Entdeckungen im Feld von Diversity Studies. Außerdem wollen wir, dass die Teilnehmenden, sich nicht nur kognitiv zu ihren Qualifikationsarbeiten austauschen, sondern durch Feldgänge „spüren“ und erfahren können, wie das Forschungsfeld der Partner beschaffen ist. Es macht schon einen Unterschied, ob man sich im Nachhinein über ein bereits geführtes und verschriftlichtes Interview oder eine Beobachtung austauscht – oder ob man selbst dabei war, in der Schule, im Jugendclub, im Theater oder in der Stadtteilversammlung.

Was überrascht Sie, mit welchen Fragen befassen sich die jungen Leute, die Sie nun für die Forschungswerkstätten ausgewählt haben?

Das Spektrum ist unglaublich breit und doch scheint das Thema „migrationsbedingte Heterogenität“ viele zu beschäftigen:  Wir haben Teilnehmende, die zur Inszenierung von Männlichkeit arbeiten, also einen klaren Genderbezug in ihren Arbeiten haben. Andere beschäftigen sich mit sozialer Herkunft und dem Zugang zu Bildung – etwa in der Hochschule, und mit Minderheiten – etwa die Roma in Deutschland. Die jungen Forscher untersuchen interkulturelle Elternarbeit am Beispiel von russischen Einwanderern in beiden Ländern und Diskriminierung von Lehrpersonen, die Minderheiten angehören oder einen Migrationshintergrund haben. Außerdem werden die Lehrerrolle in urbanen Räumen, die Wirkung von Integrationskursen und das Islambild in israelischen Schulbüchern untersucht.

Vielen Dank für das Gespräch!

Überblick: German Israeli Young Researchers – Exchange on Diversity

Wie wir zusammenleben – Die Universitäten Haifa und Hildesheim bringen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Pädagogik, Musikwissenschaft, Religionswissenschaft, Geographie und Soziologie zusammen. Die 16 deutschen und israelischen Masterstudenten und Doktoranden bilden jeweils Tandems und tauschen sich über die Diskurse zu Diversität in beiden Ländern aus. Das erste Treffen startete in dieser Woche in Berlin und Hildesheim. Die Partner-Universitäten richten 2014 weitere Forschungswerkstätten aus.

Die Forscher werten zum Beispiel mehrsprachige Schulprogramme aus; führen Interviews mit Lehrpersonen, die Minderheiten angehören; beobachten, wie Kinder in konfessionellen Kindergärten lernen und wie sich in Schulklassen Geschlechtsidentitäten äußern. Prof. Dr. Viola Georgi und Prof. Dr. Yotam Hotam leiten das Projekt „Diversity in Israel und Deutschland – German Israeli Young Researchers – Exchange on Diversity", das von der Stiftung Deutsch-Israelisches Zukunftsforum gefördert wird. Derzeit baut die Erziehungswissenschaftlerin Viola Georgi an der Uni Hildesheim das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversität und Demokratie in Migrationsgesellschaften" auf, das Unterricht und Bildungsprozesse in Einwanderungsgesellschaften untersucht. Die Gründungskonferenz findet vom 20. bis 22. Februar 2014 in Hildesheim statt.

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news-7519 Mon, 02 Dec 2013 08:27:00 +0100 Diversity-Studie: Welche Erfahrungen machen Studierende? https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/diversity-studie-welche-erfahrungen-machen-studierende/ Erstes Diversity-Monitoring startet: Erziehungswissenschaftlerinnen erfassen, welche Erfahrungen Studierende der Universität Hildesheim mit Barrieren und Diskriminierung machen. Aus den Ergebnissen sollen Angebote hergeleitet werden. Daten werden vertraulich bearbeitet. Die Stiftung Universität Hildesheim ist sehr daran interessiert, die Studienbedingungen für alle zu verbessern und Angebote bereitzustellen, die auf die individuellen Bedürfnisse der Studentinnen und Studenten zugeschnitten sind. Um dies zu erreichen, startet in diesen Tagen ein „Diversity Monitoring".

Erziehungswissenschaftlerinnen vom Zentrum für Bildungsintegration erfassen nun die Vielfalt der Studierendenschaft. Die Forscherinnen wollen herausfinden, welche Barrieren und Herausforderungen es an der Universität Hildesheim gibt, die einem erfolgreichen Studium Steine in den Weg legen, und welche Erfahrungen Studierende mit Diskriminierung gemacht haben. Fragen sind etwa: „Nehmen Sie Barrieren an der Universität wahr, die Ihr Studium beeinträchtigen?“ und „Haben Sie im Studium Diskriminierungserfahrung(en) gemacht?“

Die Ergebnisse aus der Befragung der etwa 6500 Studierenden sollen als Grundlage für die Gestaltung und Umsetzung von Angeboten zur Verbesserung der Studienbedingungen dienen. „Wir wollen aus den Daten und Empfehlungen der Studierenden Angebote herleiten. Das können zum Beispiel Lehrveranstaltungen in anderen Sprachen sein, familienfreundliche Zeiten der Pflichtlehrveranstaltungen oder Empowerment-Trainings für Studierende, die von Diskriminierungen betroffen sind", sagt Prof. Dr. Viola B. Georgi, Leiterin des Zentrums für Bildungsintegration.

Teilnehmen kann jede Studentin/jeder Student ab sofort bis zum 22. Dezember 2013. Der Fragebogen kann online ausgefüllt werden (zum Fragebogen). Sämtliche Daten werden vertraulich bearbeitet und anonymisiert in die Untersuchung eingehen. Zusätzlich werden im Rahmen von Forschungsseminaren mit Studierenden qualitative Interviews erhoben.

Das Forscherteam (Prof. Dr. Viola B. Georgi, Dr. Lisanne Ackermann, Filiz Keküllüoğlu) hofft auf möglichst große Beteiligung. Bei Fragen zur Erhebung wenden Sie sich bitte an Filiz Keküllüoğlu, die Koordinatorin des Zentrums für Bildungsintegration (filiz.kekuellueoglu[at]uni-hildesheim.de).

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news-7581 Wed, 27 Nov 2013 12:07:00 +0100 Ein Forschungs-Trio für Fragen der Kultur: Universität Hildesheim baut Fokus auf Mehrsprachigkeit und Migration aus https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/ein-forschun/ Neue Professorinnen für Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache und Diversity Education Pressespiegel regional Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Interkulturelle Kommunikation Zentrum für Bildungsintegration Lehrerbildung Bildungsintegration Deutsche Sprache news-7481 Mon, 25 Nov 2013 10:00:00 +0100 Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache und Diversity Education https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/interkulturelle-kommunikation-deutsch-als-zweitsprache-und-diversity-education/ Die Universität Hildesheim hat Professorinnen für Interkulturelle Kommunikation, Deutsch als Zweitsprache und Diversity Education berufen Eine vierte Professur „Inklusion“ ist in der Ausschreibung. Universitäten sollten in der Lehrerausbildung umfassend auf Herausforderungen im Bereich Bildung und Migration reagieren – so die Botschaft aus Hildesheim. Mit Prof. Dr. Beatrix Kreß konnte Ende November eine weitere Wissenschaftlerin berufen werden, die sich mit mehrsprachigen Bildungsbiografien befasst. Die Professorin für Interkulturelle Kommunikation forscht zu Migration und Mehrsprachigkeit, ein Arbeitsschwerpunkt sind Slawische Länder. Die Sprachwissenschaftlerin untersucht zum Beispiel, wie Gespräche zwischen russischsprachigen Eltern und deutschsprachigen Lehrern ablaufen und welche Zusammenhänge zwischen Herkunftssprachen und Identitätsentwicklung bei Kindern mit Migrationshintergrund bestehen. Seit 2008 lehrt sie als Juniorprofessorin in Hildesheim. Beatrix Kreß studierte Slawistik und Germanistik und promovierte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

„Der Raum Hildesheim, Hannover, Braunschweig ist von Mehrsprachigkeit geprägt und so konnte ich schnell den Kontakt zu russischsprachigen Fördereinrichtungen aufbauen. Die Universität Hildesheim bietet mir die Möglichkeit, meine Erkenntnisse in breitere Bildungszusammenhänge einzubetten. Äußerst reizvoll ist für mich die Internationalität und kulturelle Diversität der Studierenden, mit deren Unterstützung die Verbindung von Theorie und Praxis interkultureller Kommunikation im Seminargeschehen besonders gut gelingt", sagt Beatrix Kreß.

„Mehrsprachige Schülerinnen und Schüler sind eine wichtige Ressource und eine Bereicherung – das wird jetzt auf allen Ebenen bewusst. Lehramtsstudierende und Lehrkräfte, die schon lange im Beruf sind, wünschen sich mehr Wissen darüber, wie sie Mehrsprachigkeit einbeziehen können. Daher sind der Dialog und die Zusammenarbeit der Hochschulen und der Austausch mit anderen Projekten, wie etwa DaZ-Net, ein Netzwerk von Schulen mit mehrsprachigen Schülern, so wichtig“, sagt Prof. Dr. Elke Montanari, die seit 2012 an der Uni Hildesheim forscht. Zuvor war sie Juniorprofessorin an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Elke Montanari befasst sich damit, wie Kinder mehrere Sprachen erwerben, welche Erfahrungen in Kitas und Schulen gemacht werden und wie Erzieher, Eltern und Lehrer mehrsprachige Kinder besser verstehen und fördern können. Die Professorin für Deutsch als Zweitsprache untersucht derzeit, wie 6- bis 10-jährige Kinder mit deutscher Zweitsprache ihren Wortschatz aufbauen (russisch-deutsch und türkisch-deutsch) und wie sich dieser in Tiefe und Breite von dem einsprachiger Schüler unterscheidet. Das dreijährige Forschungsprojekt wird bis 2016 mit knapp 200.000 Euro vom Niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert. Wie Kinder, die Deutsch als zweite Sprache erwerben, mit Lücken im Wortschatz umgehen und wie Lehrkräfte darauf reagieren können – das lernen angehende Lehrkräfte bei Elke Montanari.

„Dabei ruht die Beschäftigung mit gesellschaftlicher Vielfalt an der Uni Hildesheim auf vielen Schultern“, hebt Montanari hervor. Entstanden ist zum Beispiel ein Masterstudiengang „Deutsch als Zweitsprache/Deutsch als Fremdsprache“, der im Wintersemester 2013/14 gestartet ist und Experten für die Lehrerfortbildung und Sprachförderung in Schulen ausbildet. Um die Sprachenförderung in die Lehramtsausbildung aller Fächer zu integrieren, haben sich neun lehrerbildende Hochschulen in Niedersachsen zu einer Hochschulinitiative zusammengeschlossen, die am Montag in Hannover vorgestellt wird.

Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Viola B. Georgi baut an der Universität Hildesheim derzeit das „Zentrum für Bildungsintegration – Diversität und Demokratie in Migrationsgesellschaften" auf. „Wir betrachten Migration nicht länger nur aus einer Problem- und Defizitperspektive, sondern nehmen die Ressourcen in den Blick. Das Zentrum für Bildungsintegration ist eine Plattform von wissenschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, die sich empirisch, grundlagentheoretisch und praktisch mit Partizipation in Bildungssystemen auseinandersetzen", sagt Viola Georgi. Das Zentrum will auch einen Beitrag zum Abbau von Bildungsbenachteiligung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund und von Minderheiten leisten und geht etwa strukturellen Ursachen von Bildungsbenachteiligung und institutioneller Diskriminierung nach. Es begleitet und vernetzt Forschungs- und Praxisprojekte und entwickelt Transferstrategien.

Die internationale Gründungskonferenz findet vom 20. bis 22. Februar 2014 zum Thema „Migration und Bildung: Theorie und Praxis interkultureller Lehrerbildung und Schulentwicklung“ statt. Migration fordert die Bildungsinstitutionen auf unterschiedlichen Ebenen heraus. Internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen aktuelle empirische Studien und Ansätze zum Umgang mit Migration und Heterogenität in der Schule und in der Lehrerbildung vor. Dabei berücksichtigen sie besonders Lehrkräfte mit Zuwanderungsbiographie und Mehrsprachigkeit. Die Tagung fragt, wie Lehrkräfte den Bedürfnissen von Kindern in heterogenen Klassen gerecht werden können. Ziel ist eine Bestandsaufnahme und Identifikation von geeigneten und notwendigen Maßnahmen, um damit zum Abbau von herkunftsbezogenen Bildungsungleichheiten beizutragen, so Georgi.  Forscher u.a. aus Kanada, Großbritannien, Türkei, Norwegen, Schweiz, USA, Griechenland und Deutschland werden erwartet.

Viola Georgi ist seit 2012 Professorin für „Diversity Education" an der Universität Hildesheim, zuvor lehrte sie an der FU Berlin. Sie wurde im November 2013 in den Rat für Migration berufen. Zentrale Aufgabe ist eine öffentliche kritische Begleitung der Politik in Fragen von Migration und Integration.

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news-6567 Wed, 22 May 2013 17:47:00 +0200 Seminar untersucht Bildungsteilhabe von Sinti und Roma in Europa https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/seminar-untersucht-bildungsteilhabe-von-sinti-und-roma-in-europa/ Studierende der Erziehungswissenschaften haben sich mit der Teilhabe von Sinti und Roma im Bildungssytem heute und mit ihrer Geschichte befasst. Am 30. Mai laden sie zur Ausstellungseröffnung mit Gastvorträgen ein. Viele Dokumente, Schriftstücke und alte Fotografien werden zum ersten Mal gezeigt. Zur Ausstellungseröffnung „Aus Niedersachsen nach Auschwitz – die Verfolgung der Sinti und Roma in der NS-Zeit“ am 30. Mai sind Interessierte herzlich eingeladen. Die öffentliche Wanderausstellung des Niedersächsischen Verbands Deutscher Sinti wird in der Stiftung Universität Hildesheim gezeigt. Studierende der Erziehungswissenschaften bieten Führungen und Workshops an. Viele Dokumente, Schriftstücke und alte Fotografien sind zum ersten Mal öffentlich zugänglich. Zeitzeugen aus niedersächsischen Städten kommen auf den ausgestellten Tafeln zu Wort. Zudem schlägt die Ausstellung eine Brücke in die Gegenwart: Zeitungsartikel dokumentieren aktuelle Debatten um Sinti und Roma in Deutschland und Europa.

Wie die Ausstellung nach Hildesheim kam? Prof. Dr. Viola B. Georgi, Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Hildesheim, bietet in diesem Semester ein Seminar zur Bildungsteilhabe von Sinti und Roma in Europa an. Im Studium befassen sich Studierende mit der mangelnden Teilhabe der Minderheiten in verschiedenen Bereichen des Bildungssystems und ergründen gesellschaftliche und bildungspolitische Ursachen. „Es ist unerlässlich, sich zunächst intensiv mit der Geschichte und der gesellschaftlichen Situation der Sinti und Roma auseinanderzusetzen“, sagt Georgi. Sie blicken auf eine lange Geschichte der Diskriminierung und Verfolgung bis hin zum Völkermord durch die Nationalsozialisten zurück. Bis heute ist ihre gesellschaftliche Situation in den meisten europäischen Ländern durch Segregation und Marginalisierung gekennzeichnet. „Sinti und Roma bilden politisch, sozial wie kulturell eine der benachteiligsten Bevölkerungsgruppen der Europäischen Union“, so Georgi.

Die Ausstellung in Hildesheim zeigt, wie Sinti und Roma verfolgt wurden, geht auf die Problematik der Bestrafung der Täter und die Wiedergutmachung für die Opfer ein. Bereits 1938 und 1940 erfolgten planmäßig Verhaftungswellen, die für viele den Tod in Konzentrationslagern zur Folge hatten. Auch die Geschichte vor dem Nationalsozialismus wird anhand niedersächsischer Quellen dargestellt. „Diese Ausstellung ist uns quasi zugeflogen. Wir hatten einen Gastreferenten vom Landesverband der Sinti Niedersachsen ins Seminar eingeladen – und haben sein Angebot gerne angenommen, die Wanderausstellung in der Universität zu zeigen. Das Seminarkonzept wurde angepasst und Studierende haben Führungen und Workshops zur Ausstellung konzipiert. So können sie die im Seminar erworbenen Kenntnisse praktisch einbinden“, sagt Georgi. „Wir freuen uns sehr über diese Gelegenheit, ein gesellschafts- und bildungspolitisch wichtiges Thema in die Öffentlichkeit tragen zu können.“

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 30. Mai, von 14:00 bis 15:00 Uhr vor dem Audimax auf dem Hauptcampus der Universität eröffnet. Grußworte sprechen Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und Daniel Strauß, Vorsitzender des Landesverbandes der Sinti und Roma Deutschland sowie Douglas Laubinger, Vorsitzender der Sinti Gemeinde Niedersachsen. Prof. Dr. Viola B. Georgi erklärt wie sich die Studierenden im Seminar mit dem Thema befasst haben. Kurator Boris Erchenbrecher führt in die Konzeption der Ausstellung ein. In einem Gastvortrag spricht Markus End, Antiziganismusforscher, Berlin, über „Antiziganismus in Vergangenheit und Gegenwart“. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Kontakt bei Rückfragen: Prof. Dr. Viola B. Georgi, Professur für Diversity Education, Zentrum für Bildungsintegration – Diversität und Demokratie in Migrationsgesellschaften, Universität Hildesheim

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news-6279 Fri, 15 Mar 2013 12:33:00 +0100 Jeder ist mal Beobachtungskind: Wie Lernprozesse in Kitas dokumentiert werden https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/jeder-ist-mal-beobachtungskind-wie-lernprozesse-in-kitas-dokumentiert-werden/ Die Orientierungspläne der 16 Bundesländer empfehlen, Bildungsprozesse von Kindern zu beobachten und zu dokumentieren. Wie das tatsächlich stattfindet, was mit den Dokumenten geschieht – darüber war bisher wenig bekannt. Erziehungswissenschaftler der Universität Hildesheim haben in einer Studie untersucht, wie pädagogische Fachkräfte die Lernentwicklung von Kindern im Kindergarten dokumentieren. Pädagogische Fachkräfte registrieren, für was sich Feliz interessiert, welche Entwicklungsschritte bei Anna anstehen. Ob Paul krabbelt und dabei mit Bauklötzen hantiert, und wie Michael mit einem Wollknäul und einer Schere hantiert – all das kann in standardisierten Arbeitsblättern notiert, mit Checklisten ausgewertet, im Kita-Team besprochen, an Eltern zurückgemeldet werden. Jedes Kind ist einmal „Beobachtungskind“, das ist häufig in einem Wochenplan festgelegt. Ist es krank, wird der Beobachtungsprozess „nachgearbeitet“. Nicht, weil das Kind in dem Moment etwas lernt, sondern, weil „etwas dokumentiert werden muss“. Erzieherinnen und Erzieher betreuen längst nicht mehr Kinder, sondern begleiten Bildungsprozesse – und dokumentieren sie.

„Bildungs- und Lernprozesse von 3- bis 6-Jährigen systematisch zu beobachten und zu dokumentieren wurde in den letzten zehn Jahren erheblich ausgeweitet“, sagt Dr. Marc Schulz. Empfehlungen dafür sind in allen Bildungs- bzw. Orientierungsplänen der sechzehn Bundesländer enthalten, Beobachtungsverfahren wurden entwickelt. Zwar sind diese Pläne für Kitas nicht rechtsverbindlich; doch sehen alle eine individuelle Beobachtung und Dokumentation kindlicher Bildungs- und Lernprozesse vor. 2011 besuchten über 94% der Kinder zwischen 3 und 6 Jahren frühpädagogische Einrichtungen (vgl. Statistisches Bundesamt, 2011). Nahezu alle Kinder dieser Altersgruppe werden vermutlich beobachtet.

Wie das tatsächlich stattfindet, was mit den Dokumenten geschieht – darüber war bisher wenig bekannt. Marc Schulz hat deshalb mit Prof. Dr. Peter Cloos, Professor für Pädagogik der frühen Kindheit an der Uni Hildesheim, den Tagesablauf in 18 Kindertageseinrichtungen in Niedersachsen von der Öffnung am Morgen bis zum späten Nachmittag begleitet. Vier Kitas, deren Fachkräfte sich am Konzept der „Bildungs-  und Lerngeschichten“ oder am „Early-Excellence“-Konzept orientieren und auf eine längere Erfahrungspraxis zurückblicken, wurden über einen Zeitraum von jeweils bis zu drei Monaten intensiv beobachtet. Außerdem wurden Gespräche mit Kindern, Fachkräften, Eltern geführt. Die Studie „Professionelle Begleitung von Bildungs- und Lernprozessen in Kindertagesstätten“ (2008 – 2013) weist erstmals empirisch nach, wie für die Fachpraxis entwickelte Beobachtungsverfahren im Kita-Alltag schrittweise eingesetzt werden.

Was ein Kind schon kann: Kleine Prozesse werden sichtbar

Ein Vorteil der bildungsbegleitenden Beobachtungsverfahren: Beiläufige, kleine Prozesse werden sichtbar „Das ist ideal, um Eltern plastisch zu zeigen, was ein Kind schon alles kann“, so Schulz. „So können Eltern für die Lernprozesse ihres Kindes einen Blick entwickeln, zum Beispiel welche Fähigkeiten dazugehören, wenn ein Kind unter den Tisch krabbelt und dabei Bauklötze stapelt. Wie Fachkräfte aus den Beobachtungen geeignete Fördermaßnahmen ableiten, ist jedoch undeutlich. Die Verfahren leiten zwar an, wie beobachtet, aber nicht wie daraus eine sinnvolle Förderung abgeleitet werden soll“, kritisiert Schulz.

Der Erziehungswissenschaftler hat auch herausgefunden, dass, je näher der Übergang in die Grundschule tritt, desto häufiger werden Beobachtungen mit Schule in Verbindung gebracht. Es wird darauf geschaut, ob das Kind die nötigen Vorläuferkompetenzen fürs Rechnen, Schreiben, Lesen entwickelt hat. „Die Verfahren bilden das kindliche Lernen nicht einfach nur ab. Vielmehr kommt hier ein komplexer Prozess in Gang. Innerhalb dieses Prozesses werden Kinder zu lernenden Kindergartenkindern gemacht und Lernen bzw. Bildung wird dabei als Leistung des Kindergartens praktisch hergestellt“, fasst Schulz die Studienergebnisse zusammen.

Doch wer wird wann warum beobachtet? Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass in Wochenplänen einzelne Kinder als „Beobachtungskinder“ benannt werden. Konkrete Beobachtungsorte werden nicht festgelegt. „Dadurch, dass einzelne Kinder oder Fachkräfte krank sind, entstehen laufend Veränderungen“, sagt Schulz. „Die Erzieher arbeiten vor und nach – sie beobachten also nicht nur, weil die Kinder etwas ‚Bildungs- oder Lernrelevantes‘ tun, das dokumentiert werden soll. Sondern Kinder werden beobachtet, weil sie beobachtet werden sollen.“

Auffallend ist, dass die schriftlichen Beobachtungen in Teamsitzungen und Elterngesprächen mündlich ergänzt und damit verändert werden. „Mit den Beobachtungsverfahren produzieren Fachkräfte kein objektives Wissen“, sagt Schulz. Die Verfahren formulieren den Anspruch der „ressourcenorientierten, wertneutralen Beobachtung“. „Bereits während des Notierens wird selektiert. De facto leitet der Beobachtungsbogen das Handeln der Fachkräfte an und filtert ihren Blick – so sollen sie zum Beispiel gezielt auf Körpersprache, Mimik, wörtliche Rede, Beziehungen achten. Beobachtungs-, Beschreibungs- und Interpretationsleistungen müssen synchron vollzogen werden“, fasst Marc Schulz die komplexe Aufgabe zusammen.

Wie Kinder auf Beobachtung reagieren

Die Studie zeigt, wie die Beobachtungsverfahren auf Kinder wirken: Fachkräfte beobachten die „Beobachtungskinder“ aus einer großen Nähe und schreiben dabei. „Die Bögen sind dabei wichtige Co-Akteure, da sie öffentlich für alle Anwesenden sichtbar machen, dass eine ‚Beobachtung‘ geschieht. Dabei sind die Kinder höchst aktiv. Sie fragen nach oder erklären, was sie gerade machen‘“, sagt Marc Schulz. Werden sie gefragt, was die Fachkräfte machen, sagen sie bspw. „Natascha will kucken, was Paul lernt!“. Schulz spricht von „öffentlichen Aufführungen“: „Kinder erleben in diesen Situationen, dass zwischen Beobachtungskindern und Zuschauerkindern unterschieden wird und innerhalb des Bühnengeschehens etwas Bedeutungsvolles passiert, welches die Fachkräfte mit Lernen in Zusammenhang bringen. Sie erfahren also für sich, was der Kindergarten unter 'Lernen' versteht – und was die Erwachsenen von ihnen wollen.“

Die Studie wird im Forschungsverbund „Frühkindliche Bildung und Entwicklung Niedersachsen“ durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit Mitteln aus dem VW-Vorab gefördert. Prof. Dr. Peter Cloos und Dr. Marc Schulz leiten das fünfjährige Projekt an der Universität Hildesheim.

Kontakt zu den Forschern: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 0177.8605905, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Erziehungswissenschaft Fachbereich 1
news-6293 Wed, 13 Mar 2013 11:29:00 +0100 Frühkindliche Bildung erforschen: Sieben Hochschulen ziehen Bilanz https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/fruehkindliche-bildung-erforschen-sieben-hochschulen-ziehen-bilanz/ „Die frühkindliche Bildung ist ein noch junges aber für unsere Gesellschaft bedeutendes Forschungsfeld. Der niedersächsische Verbund hat dazu beigetragen, Forschung und Transfer zu intensivieren“, sagt die niedersächsische Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić. In Hannover stellen Wissenschaftler erstmals öffentlich Ergebnisse aus dem Forschungsverbund „Frühkindliche Bildung und Entwicklung Niedersachsen" vor. Im Forschungsverbund „Frühkindliche Bildung und Entwicklung Niedersachsen" arbeiten seit 2008 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in interdisziplinären Projekten. Auf einer Abschlusstagung stellen sie vom 13. bis 15. März 2013 erstmals öffentlich die Ergebnisse aus den drei Forschungsclustern vor:

1. Erwerb (vor)schulischer Kompetenzen

2. Profession und Professionalisierung

3. Heterogenität

„Die frühkindliche Bildung ist ein noch junges aber für unsere Gesellschaft bedeutendes Forschungsfeld. Der niedersächsische Verbund ermöglicht, dass unsere Hochschulen ihre wissenschaftlichen Aktivitäten zur frühkindlichen Bildung systematisieren, austauschen und untereinander abstimmen. Diese Initiative hat dazu beigetragen, Forschung und Transfer zu intensivieren und somit den Ansprüchen von Kindern, Eltern und Fachkräften gerechter zu werden“, sagt die Niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur Dr. Gabriele Heinen-Kljajić.

„Im Verbund konnten wir das Grundlagenwissen über die frühe Kindheit ausbauen“, so Prof. Dr. Peter Cloos, Professor für Pädagogik der frühen Kindheit. Gemeinsam mit Prof. Dr. Claudia Mähler, Professorin für Pädagogische Psychologie, leitet er die Geschäftsstelle des Forschungsverbundes an der Universität Hildesheim.

Forscher haben zum Beispiel empirisch untersucht, welche kognitiven Kompetenzen in der frühen Kindheit für Schulerfolg entscheidend sind, wie Lernen in Kitas durch Beobachtung professionell begleitet wird, welche Lernerfahrungen Kinder in Übergängen machen und welche Sprachförderprojekte für Migrantenkinder im Elementarbereich wirken. Die acht Projekte sind an sechs Hochschulstandorten (Braunschweig, Göttingen, Hannover, Hildesheim, Lüneburg und Oldenburg) angesiedelt. „Psychologen befassen sich mit der Entwicklung des Kindes, Erziehungs- und Sozialwissenschaftler untersuchen professionelles Handeln von Fachkräften und institutionelle Bedingungen“, sagt Mähler.

Der Forschungsverbund wird vom niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit mehr als 2,5 Millionen Euro aus Mitteln des Niedersächischen Vorabs der Volkswagenstiftung gefördert. Drei Projekte wurden bereits abgeschlossen. Fünf Projekte laufen bis September 2013 und stellen auf der Tagung erste Ergebnisse vor.

Forschungsergebnisse der acht Projekte im Internet (PDF, eine Seite je Projekt)

Abschlusstagung vom 13. bis 15. März 2013

Nach der Eröffnung am Mittwoch, 13. März, um 17:45 Uhr folgt ein öffentlicher Vortrag über die Entwicklung im Kindesalter von Prof. Dr. Sabine Weinert, Universität Bamberg. Neben der Vorstellung der Forschungsergebnisse halten internationale Referenten zu den Forschungsclustern „Heterogenität“, „Erwerb (vor)schulischer Kompetenzen“ und „Professionalisierung“. Darunter sind: Prof. Dr. Jan Kampmann (Roskilde Universitet, Dänemark), Prof. Dr. Susanne Denham (University Fairfax, Virginia/USA),  Prof. Dr. Tanja Betz (Universität Frankfurt a.M.), Prof. Dr. Michael-Sebastian Honig (Abschlussvortrag, Université de Luxembourg).

Veranstaltungsort: Gebäude Kesselhaus, Uni Hannover, Schloßwender Str. 1 / Königsworther Platz, 30159 Hannover

Kontakt zu den Forschern: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 0177.8605905, presse@uni-hildesheim.de)

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Psychologie Erziehungswissenschaft Allg. Erziehungswissenschaft Tagungen & Kongresse
news-6193 Wed, 20 Feb 2013 14:41:00 +0100 Hilfe bei sexualisierter Gewalt in Schulen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/hilfe-bei-sexualisierter-gewalt-in-schulen/ „Pädagogische Institutionen müssen Schutzkonzepte entwickeln – mit eindeutigen Regelungen, wie sie bei Verdachtsfällen vorgehen. Wer ist vor Ort Ansprechpartner für Betroffene? Wie werden das Lehrerkollegium, Fachkräfte, Eltern, Mitschüler einbezogen und informiert?“, sagt Prof. Dr. Meike Sophia Baader. Zu wenig werde der Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Aus- und Fortbildung thematisiert. „Sexuelle Gewalt in Schulen ist weiterhin mit einem Tabu versehen, auch nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorfällen in pädagogischen Institutionen seit 2010“, sagt Dr. Meike Sophia Baader, Erziehungswissenschaftlerin an der Uni Hildesheim.

Dass Niedersachsen als erstes Bundesland seit 2012 eine Anlaufstelle für Opfer und Fragen sexuellen Missbrauchs und Diskriminierungen in Schulen eingerichtet hat, sieht Baader als wichtiges Signal. Innerhalb der ersten Monate sind „mehr als 100" Anrufe von Lehrern, Schülern und Eltern eingegangen, so das Niedersächsische Kultusministerium im Januar. Sie hatten allgemeine Fragen zu sexuellem Missbrauch, Mobbing, Cybermobbing und Diskriminierung. Es ging aber auch immer wieder um Einzelfälle. Kinder fühlen sich nicht nur von Lehrern schikaniert, sondern oft auch von Mitschülern. Neue strafrechtliche Ermittlungen hätten sich aus den teils anonymen Hinwiesen bislang noch nicht ergeben. Derzeit laufen rund 20 Disziplinarverfahren gegen Pädagogen, weil sie Schüler belästigt oder missbraucht haben.

„Wir brauchen niedrigschwellige Angebote für Betroffene“, sagt Baader. Welche Beratungsstellen gibt es in der Region überhaupt und an wen kann man sich wenden? Es muss „ein Netzwerk an Anlauf- und Beratungsstellen geknüpft werden“, so Baader. Sie hat in der Ethikkommission der „Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft" mitgewirkt, die 2010 eingerichtet wurde. Deren Ergebnisse zeigen, dass das Thema interdisziplinär betrachtet werden muss. Es gebe eine tendenzielle Blindheit der Pädagogik gegenüber Machtverhältnissen. In der Forschung hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher.

Zu wenig werde der Umgang mit sexuellem Missbrauch bisher in der Aus- und Fortbildung von pädagogischen Fachkräften thematisiert, kritisiert die Hildesheimer Professorin. Es dürfe nicht sein, dass Einrichtungen, die ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu Fortbildungen schicken, automatisch der Unterstellung ausgesetzt sind, dass ihre Einrichtung „ein Problem“ habe. Dies ist aber leider oft der Fall. Im pädagogischen Alltag sind „professionsethische Richtlinien“ erforderlich, zu denen etwa der reflektierte Umgang mit Distanz und Nähe in pädagogischen Beziehungen gehört.

„Zugleich müssen wir uns vor einem Generalverdacht gegenüber Männern hüten. Hier dürfen wir nicht vorverurteilen, wie es bisher häufig geschieht“, sagt Baader.

An der Universität Hildesheim werden die Lehrveranstaltungen zum Thema von Studierenden stark nachgefragt. So hat Studentin Lisa Quasthoff in ihrer erziehungswissenschaftlichen Abschlussarbeit die aktuellen Vorfälle in pädagogischen Institutionen untersucht und die Bedingungen in zwei Internatsschulen miteinander verglichen. „Nähe, Distanz, Macht und Sexualität als Grundthemen pädagogischer Arbeit müssen in der Ausbildung und in pädagogischen Einrichtungen verstärkt reflektiert werden“, so eines ihrer Ergebnisse. „Kenntnisse, über besondere Risikostrukturen sind wichtig, so können einerseits besonders autoritär und hierarchisch strukturierte Organisationen Risiken bergen, andererseits unklar und diffus aufgestellte“, ergänzt Baader.

Pauline Karch hat sich in ihrem Studium der Erziehungswissenschaften an der Uni Hildesheim in ihrer Masterarbeit mit Präventionskonzepten befasst. „Prävention beginnt im Erziehungsalltag“, sagt die 24 Jährige. „Kinder müssen darin gestärkt werden, Nein zu sagen und lernen, was Geheimnisse und Grenzen sind und wo sie sofort Hilfe erhalten.“ Ihre Untersuchungen zu präventiven Projekten in Kindertageseinrichtungen haben gezeigt, dass durch Fortbildungen, geschultes Personal, Elternarbeit und Projekte für Kinder eine umfassende präventive Arbeit geleistet werden kann. „Ein einmaliges Projekt nur für Kinder reicht nicht. Die Erwachsenen müssen mit ins Boot geholt werden“, sagt Karch. „Denn kein Kind kann sich selber schützen.“

In Hildesheim entstehen derzeit mehrere Promotionen, etwa zu „Schutzkonzepten und Frühen Hilfen“ und zur „Geschichte der Sexualaufklärung“. Julia Gebrande untersucht in einem Kooperationsprojekt der HAWK und der Universität, wie Kinder mit Missbrauchserfahrungen stabilisiert werden können und welche Möglichkeiten der Prävention es gibt.

Zwei weitere – vom Bundesforschungsministerium finanzierte – Forschungsprojekte der Universität Hildesheim befassen sich am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik – in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Ulm – mit sexueller Gewalt in der Heimerziehung und unter Gleichaltrigen, der sogenannten „peer violence“. Über den Umgang von Jugendlichen untereinander weiß man bisher noch wenig, dies stellt eine weitere Herausforderung an pädagogische Fachkräfte dar.

Info: Auf Bundesebene startete 2013 die Kampagne „Kein Raum für Missbrauch"

Info: Runder Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch": Am 20. Februar kommen die drei Bundesministerinnen Familie, Justiz und Bildung/Forschung (vertreten durch die Staatssekretärin) und die ehemaligen Mitglieder des Runden Tischs in Berlin zusammen und informieren über den Stand der Umsetzung von Maßnahmen gegen sexuellen Kindesmissbrauch.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik
news-4857 Fri, 29 Jun 2012 11:02:00 +0200 Forschung zu frühkindlicher Bildung und Entwicklung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/forschung-zu-fruehkindlicher-bildung-und-entwicklung/ Das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen feiert sein fünfjähriges Bestehen. Im Rahmen eines Festakts wurden am Freitag, 29. Juni 2012, im Beisein des niedersächsischen Kultusministers Dr. Bernd Althusmann das Forschungsprofil und die erzielten Forschungsergebnisse kompakt vorgestellt. Zu den aktuell rund 20 Forschungsprojekten zählen u.a. Diversity in der Ausbildung frühpädagogischer Fachkräfte, Mehrsprachigkeit in Kita und Schule, Neurokognitive Effekte sportlicher und musikalischer Frühförderung. Grußworte sprachen der niedersächsische Kultusminister Dr. Bernd Althusmann, Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und Prof. Dr. Peter Cloos, Erziehungswissenschaftler und Sprecher des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen (Programm als PDF).

Das Kompetenzzentrum wurde 2007 mit der Antragstellung für die wissenschaftliche Begleitung des Niedersächsischen Landesprogramms „Das letzte Kindergartenjahr als Brückenjahr zur Grundschule" durch Prof. Dr. Baader, Prof. Dr. Cloos und Prof. Dr. Schröer gegründet. Es hat sich zu einem interdisziplinären Forschungszentrum der Universität Hildesheim mit acht Forschungseinheiten entwickelt.

Das Zentrum ist überregional in Deutschland und Niedersachsen aktiv und arbeitet mit anderen Forschungseinrichtungen eng zusammen. Im Rahmen des Festakts werden erstmals das Forschungsprofil und die erzielten Forschungsergebnisse kompakt einem interessierten Publikum aus Politik, Wissenschaft und Fachpraxis vorgestellt.

Im Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen hat sich gezeigt, dass die anstehenden Herausforderungen im Feld der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Entwicklung insbesondere durch eine systematische interdisziplinäre Bündelung und Institutionalisierung der Forschung und durch handlungsfeldübergreifende regionale Kooperationsformen bearbeitet werden können. Angesichts der Vielfalt der offenen Fragen kann die interdisziplinäre Zusammenarbeit innovative Antworten und Lösungsstrategien entwickeln. In diesem Sinne hat sich das Kompetenzzentrum zum Ziel gesetzt, Zugänge unterschiedlicher Disziplinen zu bündeln und interdisziplinären Wissenstransfer zu fördern.

Das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen stellt aktuelle Forschungsprojekte ausführlich auf der Internetseite vor.

Medienbericht:

„Fünf Jahre Kompetenzzentrum Frühe Kindheit. Projekt an der Uni Hildesheim untersucht Bildung für kleine Kinder", Deutschlandfunk, Campus und Karriere, 29.06.2012

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Sozial- und Organisationspädagogik Forschung
news-4808 Sat, 16 Jun 2012 15:38:00 +0200 Chancengleichheit und frühkindliche Bildung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/chancengleichheit-und-fruehkindliche-bildung/ Ein Gespräch mit dem Hildesheimer Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Cloos. Er ist Sprecher des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen der Universität Hildesheim, das im Beisein des niedersächsischen Kultusministers in einem Festakt am 29. Juni sein fünfjähriges Bestehen feiert. Alle Kinder sollen die gleichen Chancen auf Bildung haben – haben Sie diese?

Nein, das haben sie nicht. Kinder haben nicht nur sehr unterschiedliche Chancen auf Bildung, sondern haben auch sehr ungleichen Zugang zu ökonomischen und sozialen Ressourcen.

Und wie äußert sich diese Chancenungleichheit? Welche Faktoren bestärken die Ungleichheit in den Bildungschancen, gerade bei den Unter-Zehnjährigen?

Kinder gehören zu den sozio-ökonomisch benachteiligten Gruppen in unserer Gesellschaft, die Armutsrate ist bei Kindern in den letzten Jahrzehnten erheblich gestiegen. Erst in den letzten Jahren hat sich diese Kurve wieder abgeflacht. Insbesondere Kinder in kinderreichen Familien und von Alleinerziehenden haben ein erhöhtes Armutsrisiko. Je jünger die Kinder sind, desto eher sind sie von Armut betroffen. Und Kinderarmut ist eng an die soziale Herkunft der Eltern gekoppelt. Lange vor PISA wurde festgestellt, dass die Bildungschancen von Kindern in erheblichem Maße durch ihre soziale Herkunft bestimmt sind.

Sind die Erwartungen, die wir an Kindertageseinrichtungen stellen – insbesondere im Hinblick auf die Chancengleichheit –  erfüllbar? Wer besucht denn die Kita?

Nach PISA wird an das frühkindliche Betreuungssystem zunehmend mehr die Erwartung herangetragen, dass es dazu beitragen soll, soziale und bildungsbezogene Ungleichheiten zu kompensieren. Tatsächlich wissen wir empirisch noch nicht viel darüber, wie gut dies hier gelingt.

In einer Expertise für die Hans-Böckler-Stiftung – die wir im Kontext des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen unter Federführung von Meike Sophia Baader zum Thema „Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung aus der Perspektive sozialer Ungleichheit“ erarbeitet haben – konnten wir den Stand der Forschung aufarbeiten. Die Ergebnisse: Nicht alle Kinder haben die gleiche Chance, Bildung, Erziehung und Betreuung einer Kindertageseinrichtung nutzen zu können. Je höher der Bildungsabschluss der Eltern ist, desto eher besucht das Kind eine Kindertageseinrichtung. Auch Kinder mit Migrationshintergrund nutzen seltener dieses Angebot. Hier muss jedoch mit der Interpretation der Daten sehr vorsichtig umgegangen werden, denn die einzelnen Migrationsgruppen unterscheiden sich in erheblichem Maße. Außerdem scheint der Faktor Bildungsabschluss ein höheres Gewicht zu haben als der Faktor Migrationshintergrund.

Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass alle Kinder von dem Besuch einer Kindertageseinrichtung profitieren. Die wenigen Daten, die für Deutschland vorliegen, deuten zumindest darauf hin, dass ein längerer Kindergartenbesuch die Chancen erhöht, ein Gymnasium zu besuchen. Das heißt jedoch nicht, dass hierdurch Ungleichheiten kompensiert würden. Im Gegenteil: Einige Studien weisen darauf hin, dass sich die Ungleichheiten eher verstärken, weil Kinder aus Familien mit besseren Ausgangsbedingungen in weitaus höherem Maße von Angeboten der Kindertagesbetreuung profitieren. Wir müssen sehr vorsichtig mit der Interpretation dieser Ergebnisse umgehen. Die Datenlage in Deutschland ist mehr als unzureichend. Wir wissen nicht, wie im Alltag der Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern vor der Schule Ungleichheiten kompensiert oder sogar verstärkt werden.

Gemeinsam mit Prof. Dr. Tanja Betz von der Goethe-Universität in Frankfurt haben Sie die erste große Fachtagung in der Bundesrepublik zum Thema „Kindheit und Profession“ im März durchgeführt. Wie erklären Sie sich – auch historisch – dass das Forschungsfeld der Kindheitspädagogik erst in den letzten Jahren angemessene Beachtung findet?

Die Tagung war ein großer Erfolg, ein Forum, auf dem wir Grundfragen einer kindheitspädagogischen Professionsforschung weiterentwickeln konnten. Die Frage, warum das Forschungsfeld der Kindheitspädagogik in Deutschland vor PISA so wenig Beachtung gefunden hat, hängt sicherlich mit den historischen Entwicklungen von Betreuungssystemen, wie sie zum Beispiel Kirsten Scheiwe als Mitglied des Kompetenzzentrums im europäischen Vergleich herausgearbeitet hat, zusammen. Entscheidend ist heute sicherlich, dass die Frage nach dem angemessenen System frühkindlicher Bildung, Erziehung und Betreuung in Zusammenhang auch mit ökonomischen Faktoren gesehen wird: der demografische Wandel, die Sicherung von Arbeitsplätzen für Frauen, die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die gesellschaftlichen Ansprüche an die Erziehung und Betreuung der Jüngsten haben sich stark gewandelt, welche Erwartungen werden Kindertagesstätten und Erzieherinnen und Erzieher heute gerichtet?

Ja, mit der erhöhten Aufmerksamkeit wuchsen auch die Erwartungen – jedoch ohne dass sich viel an den Rahmenbedingungen vor Ort verbessert hat. Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen stehen unter erhöhtem Professionalisierungsdruck. Sie sollen Bildungsexperten für unterschiedlichste Bildungsbereiche sein, sie unterstützen – vernetzt mit der Schule und anderen Institutionen und in Zusammenarbeit mit den Eltern – die Bildung und Erziehung der Kinder. Sie sollen Beobachtungs- und Diagnoseverfahren anwenden, aufmerksam und sensibel das Wohlergehen, die Bedürfnisse und Interessen der Kinder beachten. Sie sind Partizipations-, Kinderschutz-, Pflege- und Gesundheitsexperten. Sie gestalten positive Rahmenbedingungen für das Aufwachsen aller Kinder. Sie arbeiten in multiprofessionellen Teams und bilden sich ständig fort. Das machen die Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen mit hohem Engagement.

Mittlerweile wächst aber auch der Unmut. Was sollen sie noch alles tun auf Grundlage einer geringen Bezahlung, mit wenig Vorbereitungszeit, geringer gesellschaftlicher Anerkennung und geringen Aufstiegschancen?

Und wie können Erzieherinnen und Erzieher diesen Erwartungen begegnen? Wie müssen sie vorbereitet werden?

Aus der Forschungsperspektive geht es zunächst darum, die bestehenden Wissenslücken zu schließen. Zum Beispiel: Welche kognitiven Kompetenzen haben Kinder im Übergang vom Kindergarten in die Grundschule? Dies untersucht zurzeit Claudia Mähler als Mitglied des Kompetenzzentrums und des Forschungsverbundes frühkindliche Bildung und Entwicklung Niedersachsen. Vanessa Reinwand fragt zum Beispiel, wie in Zusammenarbeit von Fachkräften und Künstlern in Kindertageseinrichtungen ästhetische Bildung im Übergang zur Grundschule gelingen kann. Peter Frei und Katrin Hauenschild untersuchen mit einem Kletter- und Umweltturm wie Kinder dabei gefördert werden können, körperlich-sportive mit eigenständig erfahrbaren Umweltphänomenen zu verknüpfen.

Aus meiner Perspektive sollten wir nicht nur die Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen, sondern das gesamte System der Bildung, Erziehung und Betreuung von jungen Kindern in den Blick nehmen. Es geht ebenso um die Weiterentwicklung der Weiterbildung und der Ausbildung, sowohl im Bereich Fachschule und Hochschule, um die Verbesserung der Rahmenbedingungen und um die Stärkung der Organisationen durch die Professionalisierung von Fachberatung, durch Qualitäts- und Konzeptentwicklung.

Wir müssen zudem die Gesamtheit der Einrichtungen und Angebote anschauen, die Familien und Kinder neben Kindertageseinrichtungen nutzen. In einem von Wolfgang Schröer geleiteten Projekt wird in diesem Sinne von einem „Educational Mix“ gesprochen. Und wir können untersuchen, wie sich die Rahmenbedingungen des Aufwachsens von Kindern verändern, wie Startchancen für alle Kinder verbessert werden können. 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Festakt am 29. Juni 2012: Fünf Jahre Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen

Der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Cloos ist Sprecher des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen der Universität Hildesheim. Im Rahmen eines Festakts am 29. Juni 2012 anlässlich des fünfjährigen Bestehens des Kompetenzzentrums sollen die erzielten Forschungsergebnisse erstmals kompakt einem interessierten Publikum aus Politik, Wissenschaft und Fachpraxis vorgestellt werden. Niedersachsens Kultusminister Dr. Bernd Althusmann wird den Festakt mit einem Grußwort eröffnen.

Das Zentrum hat sich seit seiner Gründung 2007 durch Prof. Dr. Baader, Prof. Dr. Cloos und Prof. Dr. Schröer zu einem interdisziplinären Forschungszentrum mit acht Forschungseinheiten aus fünf Instituten entwickelt. Es ist überregional in Deutschland und Niedersachsen aktiv.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Forschung Allg. Erziehungswissenschaft Kompetenzzentrum Frühe Kindheit
news-4679 Mon, 07 May 2012 15:20:00 +0200 Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/graduiertenkolleg-gender-und-bildung/ Ist die Geschlechterfrage obsolet geworden? Geschlechterordnungen durchziehen nach wie vor alle Ebenen des Bildungssystems, so die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Meike Sophia Baader. Mit einer Auftaktveranstaltung am Donnerstag, 10. Mai 2012, startet das dreijährige interdisziplinäre Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ an der Stiftung Universität Hildesheim. Geschlechterordnungen durchziehen nach wie vor alle Ebenen des Bildungssystems, so die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Meike Sophia Baader anlässlich der Einrichtung des Graduiertenkollegs „Gender und Bildung“. Diese entscheiden über In- und Exklusionsprozesse und damit über die Verteilung von Lebenschancen und Lebensrisiken. Über die – teilweise subtilen – Mechanismen, wie dies genau funktioniert, wissen wir immer noch relativ wenig, so Baader. „Deshalb ist es erfreulich, dass im Rahmen des Graduiertenkollegs genau zu diesen Fragen geforscht wird. So befasst sich etwa ein Projekt mit nach wie vor erstaunlich stereotypisierenden Darstellung von ‚Männerarbeit‘ und ‚Frauenarbeit‘ in Lehrbüchern.“

Die Forschungsprojekte setzen sich zum Ziel für den Genderdiskurs zu sensibilisieren und gesellschaftliche Verhältnisse zu hinterfragen. Auch an Hochschulen setzt sich die Vorstellung von geschlechtlich konnotierten Fächern, Disziplinen oder Studiengängen fort, daher führt die Universität Hildesheim unter anderem seit 2010 das Projekt „Männer und Grundschullehramt“ am Gleichstellungsbüro durch.

Das dreijährige, interdisziplinäre Graduiertenkolleg startet mit neun Doktorandinnen und läuft bis Dezember 2014. Zu den Forschungsthemen der Nachwuchswissenschaftlerinnen zählen u.a.: Repräsentationen und Konstruktionen von Familie und Geschlecht, die Kulturtechnik des Hochstapelns und ihre geschlechtliche Dimension, kulturelle Bildungsprozesse Älterer, Gender und Theaterpädagogik, gendernde Sprachkonventionen in der Medienpädagogik, gendersensible Didaktik in den Naturwissenschaften und der Wandel von Geschlechterrollen durch den Einfluss formaler Bildung in Südghana.

Die Forschungsarbeiten aus den Bereichen der Erziehungs-, Sozial-, Sprach- Kultur- sowie Naturwissenschaften widmen sich der Frage wie und in welchem Maße Bildung – im engen und weiteren Sinne – normative Ordnungen und damit Geschlechterbilder (re-)produziert und/oder Spielräume eröffnet, diese zu durchbrechen.

Gefördert wird das Kolleg aus Mitteln des Professorinnenprogramms und des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Die Stipendiatinnen erhalten finanzielle Unterstützung in Form eines Vollstipendiums sowie wissenschaftliche Förderung durch ein vielfältiges Begleitprogramm. Betreut werden die Stipendiatinnen von sieben Professorinnen und Professoren der Hochschule. Sprecherinnen und Sprecher des Graduiertenkollegs sind Prof. Dr. Meike Sophia Baader (Erziehungswissenschaften), Prof. Dr. Verena Pietzner (Chemie) und Prof. Dr. Toni Tholen (Literaturwissenschaften).

Als eines der wenigen Forschungsprojekte zum Thema Gender bundesweit zeichnet sich das Graduiertenkolleg vor allem durch seine interdisziplinäre Forschungsperspektive sowie durch seine Fokussierung auf Interdependenzen der Kategorien Gender und Bildung aus.

Auftaktveranstaltung am 10. Mai

Grußworte zur Auftaktveranstaltung sprechen am Donnerstag, 10. Mai, ab 14:00 Uhr (Hauptcampus, Musiksaal, Gebäude K, Marienburger Platz 22), Prof. Dr. Meike Sophia Baader, Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und die Gleichstellungsbeauftragte Dr. Silvia Lange. Prof. Dr. Jutta Hartmann, Professorin für Allgemeine Pädagogik und soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin, hält einen Gastvortrag über „Kritisch-dekonstruktive Bewegungen. Zur Verwiesenheit von Gender- und Bildungstheorien“.

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Deutsche Sprache Chemie Graduiertenkolleg "Gender und Bildung"
news-4570 Tue, 10 Apr 2012 10:27:00 +0200 Über 90 Prozent Mütter: Eltern-Kind-Gruppen in Niedersachsen untersucht https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/ueber-90-prozent-muetter-eltern-kind-gruppen-in-niedersachsen-untersucht/ Eltern-Kind-Gruppen sind ein Austauschforum für junge Eltern, vorwiegend werden sie aber von Müttern aus der Mittelschicht (über 90 Prozent), selten von Vätern (unter 3 Prozent), Alleinerziehenden und Familien mit Zuwanderungsgeschichte besucht. Das zeigen Ergebnisse des Transfer- und Evaluationsprojekts „Pädagogische Nachhaltigkeit der Elternbildung in Eltern-Kind-Gruppen“ der Universität Hildesheim. Befragt wurden Eltern aus 42 Gruppen in Süd-Ost-Niedersachsen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen der Stiftung Universität Hildesheim haben in Kooperation mit sechs Familien-Bildungsstätten in Süd-Ost-Niedersachsen die pädagogische Nachhaltigkeit der Elternbildung in Eltern-Kind-Gruppen untersucht: Im Zentrum stand dabei die Frage, mit welchen Erwartungen junge Eltern in die Gruppen gehen und was sie dort erleben.

Eltern-Kind-Gruppen unterstützen Mütter und Väter in ihrer neuen Lebenssituation als Elternteile und bieten gleichzeitig Kindern die Möglichkeiten Erfahrungen unter ihresgleichen zu sammeln.

„Eltern gehen zur Eltern-Kind-Gruppe um sich mit anderen Eltern über Erfahrungen auszutauschen – vom Stillen über das Zahnen bis hin zu alltäglichen Fragen zu der Entwicklung von Kleinkindern. Die Ergebnisse des Projektes zeigen, dass Eltern ihr Kind bereits in dieser Lebensphase in der Entwicklung fördern möchten. Die Weiterentwicklung ihrer eigenen Elternkompetenz steht dabei weniger im Vordergrund. Nur ca. 50 Prozent der befragten Eltern möchten in diesen Gruppen explizit etwas über die Entwicklung und Erziehung von Kindern lernen“, unterstreicht Anne Zipfel, die das Transferprojekt an der Universität Hildesheim seit September 2011 wissenschaftlich begleitet.

Es fällt auf, dass Väter kaum präsent in den Gruppen sind (unter 3 %). „Wir vermuten, dass Väter nicht so stark an einem öffentlichen Austausch über Erziehungsfragen interessiert sind. Die teilnehmenden Mütter – überwiegend der gut situierten Mittelschicht – kommen häufig mit dem ersten Kind. Alleinerziehende, Familien mit Migrationshintergrund (5 Prozent) und Eltern mit einem geringeren Bildungsstand sind unter den  befragten Eltern kaum vertreten – obwohl doch auch diese zu den Zielgruppen der Familienbildung gehören sollten“, betont Zipfel.

Die Ergebnisse des zweijährigen Transferprojekts, welches im April 2010 unter der wissenschaftlichen Begleitung von Dr. Severine Thomas gestartet ist, unterstreichen die hohe Bedeutung von Eltern-Kind-Gruppen sowohl für die kindliche Entwicklung als auch für die Orientierung junger Eltern in der für sie neuen Lebenssituation. „Fachpolitisch und wissenschaftlich werden Eltern-Kind-Gruppen leider kaum beachtet, dabei ist die professionelle Begleitung der Eltern durch Kursleitungen, die nicht belehren, sondern pädagogische Impulse geben, wichtig, erklärt Prof. Dr. Peter Cloos, Erziehungswissenschaftler an der Universität Hildesheim und wissenschaftlicher Leiter des Projekts. Im Rahmen des Transferprojekts wurden auch Fortbildungen zur Professionalisierung von Fachbereichs- und Kursleitungen der Eltern-Kind-Gruppen konzipiert und durchgeführt. Die Qualität des bestehenden Angebots konnte so nicht nur gesichert, sondern auch weiterentwickelt werden.

Die Ergebnisse des Projekts und die Erfahrungen des Transfers in die Praxis der jeweiligen Familien-Bildungsstätten sind in einem Arbeitshandbuch dokumentiert, das im Rahmen der Abschlusstagung präsentiert wird.

Die Abschlusstagung beginnt am Freitag, 13. April, um 10:15 Uhr mit einem Grußwort von Vizepräsident Prof. Dr. Toni Tholen und Reinhold Jenders von der Evangelischen Familien-Bildungsstätte Salzgitter. Im Anschluss referieren ab 10:45 Uhr Prof. Dr. Peter Cloos und Dr. Severine Thomas, Stiftung Universität Hildesheim, zum Thema „Pädagogische Nachhaltigkeit in Eltern-Kind-Gruppen" und stellen die Ergebnisse des Projekts vor. Ab 11:30 Uhr geht es in die direkte Diskussion in kleinen Gesprächsrunden. Die Tagung endet um 13:00 Uhr mit Abschlussworten von Anne Zipfel. Die Tagung richtet sich an alle Interessierte, die Teilnahme ist kostenfrei.

Kooperationspartner des Projekts sind die ev. Familien-Bildungsstätte Salzgitter, Wolfenbüttel und Göttingen, das Haus der Familie Braunschweig sowie die Katholische Erwachsenenbildung in der Diözese Hildesheim e.V. Förderer sind das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe).

Tagungsort: Musiksaal der Stiftung Universität Hildesheim (Marienburger Platz 22, 31141 Hildesheim)

„Frühkindliche Erziehung. Im Spielkreis bleibt der Vater ein Exot", Artikel über die Forschung an der Universität Hildesheim in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, 14.04.2012

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Fachbereich 1 Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Kompetenzzentrum Frühe Kindheit
news-3939 Thu, 12 Jan 2012 12:03:00 +0100 Die Uni zeichnet ihre Besten aus https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/die-uni-zeic/ Forscher-Preis geht an Erziehungswissenschaftlerin Meike Sophia Baader Migrationspolitik Pressespiegel regional Allg. Erziehungswissenschaft Politik news-3881 Wed, 11 Jan 2012 14:28:00 +0100 Preise für hervorragende studentische Initiativen, Forschung, Lehre und Serviceleistungen https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/preise-fuer-hervorragende-studentische-initiativen-forschung-lehre-und-serviceleistungen/ Für hervorragende studentische Initiativen werden Scherwin Saedi, der das Lore-Auerbach-Stipendienprogramm initiiert hat, sowie das Organisationsteam des Umwelttags 2011, Simon Ditzel, Julia Hartmann und Marc Wätzold, von der Stiftung Universität Hildesheim ausgezeichnet. Zudem wurden die Preise für hervorragende Forschung, Lehre und Serviceleistungen verliehen. Mit dem Preis für hervorragende studentische Initiativen werden Scherwin Saedi, der das Lore-Auerbach-Stipendienprogramm initiiert hat, sowie das studentische Organisationsteam des Umwelttags 2011, Simon Ditzel, Julia Hartmann und Marc Wätzold ausgezeichnet. „Global wichtige Themen sollten grundsätzlich in die Lehre integriert werden, und zwar unabhängig vom Studienfach. Vor allem mit der Lehrerausbildung besteht die Möglichkeit, auch folgende Generationen zu erreichen und sie für nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren“, hebt Wätzold hervor, der in Hildesheim Umweltsicherung studiert.
Das Lore-Auerbach-Stipendienprogramm geht auf eine Initiative des früheren AStA-Mitglieds Scherwin Saedi zurück. „Neben der inhaltlichen Ausrichtung hat Herr Saedi an der Ausarbeitung der Satzung bis hin zur Umsetzung maßgeblich mitgewirkt“, hebt Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich hervor. Ein Lore-Auerbach-Stipendium erhalten Studierende, die besondere Leistungen im Bereich bürgerschaftliches Engagement erbringen, in der akademischen Selbstverwaltung tätig sind, sich für den Bereich Bildungsintegration oder für internationale Zusammenarbeit im Hochschulbereich besonders einsetzen. Die Stipendiaten erhalten eine finanzielle Unterstützung von 600 Euro je Semester. „Ehrenamtliches Engagement hält vieles zusammen oder am Laufen, was dem Gemeinwohl dient und sonst nicht bestehen könnte“, so der Student des Internationalen Informationsmanagements.

Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Meike Sophia Baader wird mit dem Preis für hervorragende Forschung geehrt. An der Universität Hildesheim hat sie die Entwicklung der Allgemeinen Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Pädagogik der Kindheit und Diversity Education wesentlich vorangebracht, betont Vizepräsident Prof. Dr. Toni Tholen in seiner Laudatio. „Professorin Baader bearbeitet Forschungsfragen in Bezug auf alle relevanten Sektoren des Erziehungs- und Bildungssystems, vom Kindergarten bis zur Hochschule, einschließlich Aspekte des Übergangs, und bezieht Themen aus dem Feld der Pädagogik, der Religion und der Geschlechterforschung aufeinander“, würdigt Tholen.

Die Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft ist Mitbegründerin des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Schröer vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik leitet sie ein vom BMBF finanziertes Projekt zu „Chancengleichheit in der strukturierten Promotionsförderung an deutschen Hochschulen – Gender und Diversity“. Und sie ist eine von drei Sprecher_innen des Graduiertenkollegs „Gender und Bildung“, das zum Januar 2012 seine Arbeit aufgenommen hat. Auf internationaler Ebene bereitet Prof. Baader derzeit ein Kooperationsprojekt zum Thema „Erinnerungskultur“ mit der Universität Tel Aviv vor. Kürzlich wurde Prof. Baader in das Fachkollegium „Erziehungswissenschaft“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gewählt.

Rita Westphal, Leiterin der Stabsstelle Controlling an der Universität Hildesheim, erhält den Preis für hervorragenden Service. Ihr Einsatz im Bereich des strategischen und operativen Controlling sei vorbildlich, lobt Dr. Christoph Strutz, hauptberuflicher Vizepräsident. Sie mache nicht nur einen „Superjob“, sondern die Art und Weise, mit wie viel Geduld und Ideenreichtum und Einsatz sie ihn mache, zeichnen Frau Westphal einfach aus.

Der Politikwissenschaftler Volker Sommer wird für seine hervorragende Lehre ausgezeichnet. „Lehre gehört zum Fundament der Universität. Volker Sommer fördert und fordert eigenständiges, kreatives Denken seiner Studierenden“, unterstreicht Vizepräsident Prof. Dr. Thomas Lange in seiner Laudatio. Insbesondere sein Seminar „Theorie und Praxis der Politikfeldanalyse“ zeige vorbildlich, wie Theorie und Praxis in der Lehre verzahnt werden können. Anhand ausgewählter Politikfelder – Sozial-, Wirtschafts- und Umweltpolitik –  untersuchen die Studierenden mit Hilfe einschlägiger Theorien Fragen nach der Gestaltung politischer Entscheidungsprozesse, der politischen Planung und der bestimmenden Akteure. In der Lehrpreis-Jury waren Mitglieder aller Fachbereiche und Studierende vertreten.

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Migrationspolitik Pressemeldungen Präsident Preise / Auszeichnungen Allg. Erziehungswissenschaft Politik
news-3836 Mon, 09 Jan 2012 11:27:00 +0100 Erinnerungskultur als pädagogische und bildungspolitische Herausforderung https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/erinnerungskultur-als-paedagogische-und-bildungspolitische-herausforderung/ Wie kann Gedenken mit zunehmendem Abstand zum historischen Ereignis praktiziert werden? Welche Herausforderungen ergeben sich im Kontext der Einwanderungsgesellschaft für die Erinnerungskultur? Am 13. und 14. Januar 2012 widmen sich diesen Fragen Referenten und Referentinnen auf dem internationalen Symposium „Erinnerungskultur als pädagogische und bildungspolitische Herausforderung“ der Stiftung Universität Hildesheim in Hannover. Die Tagung wird veranstaltet vom Institut für Erziehungswissenschaft/ Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft in Kooperation mit der Landeshauptstadt Hannover, Projekt Erinnerungskultur. Das Symposium begleitet die Ausstellung „‘Abgeschoben‘ in den Tod – Die Deportation von 1001 jüdischen Hannoveranerinnen und Hannoveranern nach Riga“.

Zur Begrüßung sprechen Stephan Weil, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und Prof. Dr. Meike Sophia Baader. Die internationale Tagung mit renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern soll die Bedeutung von Erinnern, Gedächtnis und Gedenken in gegenwärtigen Zusammenhängen reflektieren und zum Nachdenken über pädagogisch-bildungspolitische Dimensionen anregen.

An der Universität Hildesheim studieren zur Zeit 2000 zukünftige niedersächsische Lehrerinnen und Lehrer. Erinnerungskultur zählt zu den wichtigen pädagogischen Aufgaben der Hochschule.

Deutschland ist ein Einwanderungsland, das sich durch ethnische, religiöse und kulturelle Vielfalt auszeichnet. Migrantinnen und Migranten besuchen heute Gedenkstätten und setzen sich mit der Shoah auseinander. Prof. Dr. Viola Georgi (Berlin) befasst sich in ihren empirischen Arbeiten mit der Frage, was Jugendliche aus Einwanderungskulturen über den Holocaust wissen und welche Geschichtsbilder bei ihnen vorherrschen. Prof. Dr. Micha Brumlik (Frankfurt a.M.) spricht über die „Pädagogik des Erinnerns“ und rückt die bildungspolitischen Herausforderungen ins Zentrum seiner Überlegungen. Auch Probleme der medialen Darstellung des Holocaust werden auf der Tagung erörtert. Prof. Dr. Moshe Zuckermann, israelischer Soziologe und Professor für Geschichte und Philosophie an der Universität Tel Aviv, geht der Frage nach dem Zusammenhang von Gedenken und ideologischer Instrumentalisierung kollektiver Holocaust-Erinnerung nach.

Entsprechend dem gesellschaftlichen Wandel stellen sich die Herausforderungen an die Erinnerungspraxis heute neu. „Der Generationenwandel – Zeitzeugen werden immer weniger – und die Einwanderungsgesellschaft fordern neue, zeitgemäße Formen der pädagogischen Arbeit in Gedenkstätten und Schulen im Umgang mit der Shoah“, unterstreicht Prof. Dr. Meike Sophia Baader, die zusammen mit Dr. Tatjana Freytag die Veranstaltung konzipiert hat. Dies gehe über die engere Geschichtsdidaktik hinaus, es bedarf einer besonderen pädagogischen Perspektive, unterstreicht die Hildesheimer Erziehungswissenschaftlerin. „Wie gehen wir mit der eigenen Geschichte um? Wie vermitteln wir die Shoah in ihrer Bedeutung für die Geschichte der Bundesrepublik an Jugendliche? Wie kann Gedenken mit zunehmendem Abstand zum historischen Ereignis praktiziert werden? Und welche Herausforderungen und Perspektiven ergeben sich für die Einwanderungsgesellschaft mit heterogenen Erinnerungskulturen?“

Derzeit arbeiten Meike Sophia Baader und Tatjana Freytag an einem Kooperationsprojekt mit der Universität Tel Aviv, in dem die Erinnerungskulturen und das Thema „Erziehung und Demokratie“ im Vergleich zwischen Israel und Deutschland erforscht werden sollen. „Uns interessiert, wie sich die Erinnerungskulturen in beiden Ländern unter den Bedingungen der je eigenen Einwanderungsgesellschaft und des Generationenwechsels verändern“, so Baader. Empirisch soll untersucht werden, welche Formen der Gedenkstätten- und Erinnerungsarbeit in Israel und Deutschland vorhanden sind und wer diese Angebote der institutionalisierten Gedenkpraxis in welchem Kontext wahrnimmt. „Wir tun oft so, als müssten wir Jugendliche zur Auseinandersetzung mit der Shoah drängen, als sei die pädagogische Arbeit mühsam. Vielleicht stellt sich aber heraus, dass die Bereitschaft unter Jugendlichen, sich mit dem historischen Ereignis der Shoah auseinanderzusetzen vorhanden ist, aber eben fachgerecht und inhaltsreich beantwortet werden muss“, zeigt sich Baader gespannt auf die künftige Forschungsarbeit.

Zu den Schwerpunkten des Hildesheimer Instituts für Erziehungswissenschaft zählen neben „Diversity Education“ und „Demokratie und Erziehung“ bildungshistorische Fragen, u.a. das Aufwachsen von Kindern zur Zeit des Nationalsozialismus. Baader betreut mehrere Nachwuchswissenschaftler_innen, Wiebke Hiemisch promoviert aktuell zum Thema „Kindheit im Holocaust“.

Programm des Symposiums

Das Symposium wird am Freitag, 13. Januar 2012, um 14:00 Uhr im Neuen Rathaus Hannover (Mosaiksaal) eröffnet.

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Tagungen & Kongresse Internationales
news-3833 Fri, 06 Jan 2012 14:21:00 +0100 Prof. Dr. Meike Sophia Baader in DFG-Fachkollegium Erziehungswissenschaft gewählt https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/prof-dr-meike-sophia-baader-in-dfg-fachkollegium-erziehungswissenschaft-gewaehlt/ Im Fachkollegium „Erziehungswissenschaft“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) wird Prof. Dr. Meike Sophia Baader ab sofort mitwirken. In Hildesheim hat sie die Entwicklung der Allgemeinen Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Pädagogik der Kindheit und Diversity Education wesentlich vorangebracht. Derzeit arbeitet sie an einem Kooperationsprojekt zum Thema „Erinnerungskultur" mit der Universität Tel Aviv. Im DFG-Fachkollegium „Erziehungswissenschaft“ wird Prof. Dr. Meike Sophia Baader für die Sparte Allgemeine und Historische Pädagogik zuständig sein. Die Erziehungswissenschaftlerin wurde in das Gremium für eine Amtsperiode von 2012 bis 2015 gewählt. Die insgesamt 48 Fachkollegien spielen eine zentrale Rolle im Begutachtungs- und Entscheidungsverfahren der DFG. Über 100.000 wahlberechtigte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten über die Besetzung der insgesamt 606 Plätze in einer Online-Wahl entscheiden.

An der Stiftung Universität Hildesheim hat die Erziehungswissenschaftlerin die Entwicklung der Allgemeinen Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Pädagogik der Kindheit und Diversity Education wesentlich vorangebracht und erforscht unter anderem, wie in der Pädagogik der Kindheit auf gesellschaftliche und soziale Transformationen, auf veränderte Sorgeverhältnisse und auf die Herausforderungen durch Migration reagiert werden kann.

Außerdem leitet sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Prof. Dr. Wolfgang Schröer vom Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Stiftung Universität Hildesheim ein Projekt zu „Chancengleichheit in der strukturierten Promotionsförderung an deutschen Hochschulen –  Gender und Diversity“.

Derzeit arbeitet sie gemeinsam mit Dr. Tatjana Freytag aus der Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft an einem Kooperationsprojekt mit der Universität Tel Aviv, in dem es um Erinnerungskulturen und Erziehung und Demokratie im Vergleich zwischen den beiden Ländern geht. „Uns interessiert, wie sich Erinnerungskulturen unter den Bedingungen von Einwanderungsgesellschaft und Generationenwechsel in beiden Ländern“, so Baader.

Meike Sophia Baader ist seit April 2005 Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft im Fachbereich I, Erziehungs- und Sozialwissenschaften, der Stiftung Universität Hildesheim. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen neben der Kindheits-, Familien- und Genderforschung in den Bereichen Diversity, Übergänge im Bildungssystem, Historische Bildungsforschung, Religion und Erziehung sowie Demokratie und Erziehung.

Jüngst erschienen ihre Publikationen „68 – Engagierte Jugend und Kritische Pädagogik. Impulse und Folgen eines kulturellen Umbruchs in der Geschichte der Bundesrepublik“ (Juventa 2011) und „Historische Jugendforschung: Jugendbewegte Geschlechterverhältnisse“ (Wochenschau 2011).

Endgültiges Ergebnis der Fachkollegien-Wahl der DFG 2011

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Allg. Erziehungswissenschaft Vernetzung
news-2822 Mon, 02 May 2011 00:00:00 +0200 Uni hält Spitzen-Wissenschaftlerin https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/uni-haelt-spi/ Meike Sophia Baader lässt sich nicht abwerben / Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich: "Sind überglücklich" Pressespiegel regional Präsident Allg. Erziehungswissenschaft news-2742 Thu, 28 Apr 2011 14:17:00 +0200 Prof. Dr. Meike Sophia Baader: Entscheidung für Stiftungsuniversität https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/prof-dr-meike-sophia-baader-entscheidung-fuer-stiftungsuniversitaet/ Die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Meike Sophia Baader bleibt an der Stiftung Universität Hildesheim. Baader hat zum zweiten Mal einen Ruf an eine andere Universität abgelehnt. Für die Stiftungsuniversität hat sie sich vor allem aus zwei Gründen entschieden. Der eine sind die gut profilierten Bachelor- und Master-Studiengänge Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim mit den Schwerpunkten „Pädagogik der Kindheit und Diversity Education“. Zudem pflegt Baader zahlreiche Kooperationsprojekte mit Kolleginnen und Kollegen. „Wir sind überglücklich, dass es zum zweiten Mal gelungen ist, Bleibeverhandlungen mit Frau Prof. Baader erfolgreich abzuschließen. Ihr ist die großartige Entwicklung der Allgemeinen Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Frühpädagogik und Diversity Education wesentlich zu verdanken“, erklärte Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Stiftung Universität Hildesheim.

Meike Sophia Baader ist seit April 2005 Professorin für „Allgemeine Erziehungswissenschaft“ im Fachbereich I, Erziehungs- und Sozialwissenschaften, der Stiftung Universität Hildesheim. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen neben der Kindheits-, Familien- und Genderforschung in den Bereichen Diversity, Übergänge im Bildungssystem, Historische Bildungsforschung, Religion und Erziehung sowie Demokratie und Erziehung.

„Insbesondere in unserem Masterstudiengang zeigt sich derzeit, dass das Profil mit den beiden Schwerpunkten „Pädagogik der Kindheit und Diversity Education“ zunehmend auch Studierende anzieht, die nicht unmittelbar aus der Region stammen. Dies ist eine höchst erfreuliche Entwicklung und dokumentiert die Attraktivität unseres Studiengangs", erläutert Baader und ergänzt: „Vor allem auch die Verknüpfung der beiden Schwerpunkte rückt die Frage, wie in der Pädagogik der Kindheit auf die Herausforderungen einer Einwanderungsgesellschaft reagiert werden kann, in den Fokus. Damit sind unsere Studierenden gut auf vielfältige pädagogische Handlungsfelder vorbereitet. Schließlich reagiert das Profil des Studiengangs unmittelbar auf zentrale gesellschaftliche Entwicklungen und aktuelle Anforderungen an Bildung und Erziehung."

Für die nächsten Jahre hat sich die Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft die Themen Internationalisierung sowie Promotions- und Nachwuchsförderung vorgenommen, so Baader. „Zum letzteren Thema wird auch in zwei vom BMBF geförderten Forschungsprojekten in Kooperation mit dem Institut für Sozial- und Organisationspädagogik geforscht. Hierbei interessieren uns die Aspekte Chancengleichheit, Gender und Diversität. Derzeit arbeite ich zudem gemeinsam mit einer Kollegin unserer Abteilung an einem Kooperationsprojekt mit der Universität Tel Aviv. Dabei wird es um Erinnerungskulturen und Erziehung und Demokratie im Vergleich zwischen den beiden Ländern gehen. Uns interessiert, wie sich Erinnerungskulturen unter den Bedingungen von Einwanderungsgesellschaft und Generationenwechsell verändern“, erzählt die Erziehungswissenschaftlerin.

Meike Sophia Baader studierte an der Universität Heidelberg die Fächer Germanistik und Erziehungswissenschaft. 1994 schloss sie ihre Promotion mit einer erziehungswissenschaftlichen Arbeit zum Thema „Die romantische Idee des Kindes und der Kindheit“ an der Universität Heidelberg ab. An der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam wurde sie 2002 mit einer Habilitationsschrift zum Thema „Transformationen des Religiösen. Religiöse Dimensionen von Reformpädagogik 1870-1950“ habilitiert.

Seit 2009 ist Baader Sprecherin der Forschungseinheit „Soziale Transformationen, Diversität und Care“ des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen.

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft
news-2345 Mon, 10 Jan 2011 07:00:00 +0100 Forschungsprojekt Chance https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/forschungsprojekt-chance/ Das Projekt Chance soll Antwort auf die grundlegende Frage geben: „Wer und was wird durch neue, strukturierte Promotionsformen in Deutschland produziert und wie realisiert sich darin Chancengleichheit?“. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Promotionsprogrammen in Deutschland sind nun eingeladen, bis zum 31. Januar an einer Online-Befragung teilzunehmen. Die strukturierte Promotionsförderung ist ein noch relativ junger, aber bereits stark frequentierter Weg zum Doktorgrad in Deutschland. Seit zwei Jahrzehnten wird daran gearbeitet, die strukturierte DoktorandInnenausbildung als eine qualitativ hochwertige Alternative zur Individualpromotion zu etablieren. "Das aktuelle Problem d er strukturierten Promotionsförderung besteht im Mangel an empirischen Daten über den Erfolg der momentan sehr unterschiedlichen Formen, welche beispielsweise Graduiertenkollegs, Promotionsstudiengänge oder Graduiertenschulen aufweisen", schildert Svea Korff, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik, die Ausgangslage für das Projekt "Chancengleichheit in der strukturierten Promotionsförderung an deutschen Hochschulen". Die Projektverantwortlichen möchten zum Beispiel erforschen, ob sich unter den vielen verschiedenen Förderstrukturen inzwischen Typen erkennen lassen oder für welche Männer und Frauen unter Gender- und Diversity- Gesichtspunkten mehr Chancen geschaffen werden.

Das Projekt Chance ist ein dreijähriges Forschungsvorhaben an der Stiftung Universität Hildesheim, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Bekanntmachung „Frauen an die Spitze“ finanziert wird. Ein Wissenschaftsteam arbeitet seit Ende 2008 daran, bundesweit innovative Formen einer strukturierten Promotionskultur an Hochschulen zu identifizieren. Im Verlauf des Projekts sollen Handlungsempfehlungen abgeleitet und somit Qualitätskriterien für Nachwuchsförderung und Geschlechtergleichstellung an deutschen Hochschulen entwickelt werden. Die Projektleitung haben Prof. Dr. Meike Baader, Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Allgemeine Erziehungswissenschaft, und Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Direktor des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik, inne.

"Im Projekt Chance wird an der Universität Hildesheim eine Analyse zu den bundesweit existierenden Formen von Promotionsprogrammen vorgenommen. Wir benötigen nun die Unterstützung aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Promotionsprogrammen in Deutschland, die wir herzlich einladen, sich an der anonymen Online-Befragung zu beteiligen", so Korff. Die Befragung endet am 31. Januar 2011. 

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Sozial- und Organisationspädagogik
news-2103 Tue, 27 Apr 2010 16:45:00 +0200 Herausforderungen der Einwanderungsgesellschaft https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/herausforderungen-der-einwanderungsgesellschaft/ Ringvorlesung zu "Diversity Education" startet Die Herausforderungen, die aus der Einwanderungsgesellschaft Deutschland für Erziehungs-, Bildungs- und Sozialisationsprozesse resultieren, sind ein wichtiger Bestandteil von "Diversity Education". Differenzen aufgrund der nationalen und kulturellen Zugehörigkeit, aufgrund der sozialen, geschlechtlichen und religiösen Positionierung durchziehen alle gesellschaftlichen Bereiche. Worin bestehen die Herausforderungen der Vielfalt für die Institutionen der Erziehung und Bildung und wie können die erziehungswissenschaftliche Theoriebildung sowie pädagogische Konzepte darauf reagieren?

In einer Ringvorlesungsreihe geht die Stiftung Universität Hildesheim diesen Fragen nach. In insgesamt sechs Vorlesungen werden die Spannungsfelder unserer gegenwärtigen pluralen Gesellschaft mit diesen Fragestellungen näher beleuchtet. Die Vorlesungsreihe unter dem Motto "Diversity Education. Theorien und pädagogische Konzepte in der Einwanderungsgesellschaft." findet in den Gebäuden der Lübecker Straße, Raum L 131 der Stiftung Universität Hildesheim statt. Die Vorlesungsreihe ist offen für alle Interessierten und wurde konzipiert von Professorin Elisabeth Tuider und Professorin Meike Sophia Baader.

Das komplette Programm der Ringvorlesung finden Sie hier.

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft Ringvorlesungen
news-2163 Thu, 15 Oct 2009 15:46:00 +0200 Forschen in "öffentlicher Verantwortung" https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/forschen-in-oeffentlicher-verantwortung/ Prof. Dr. Meike Sophia Baader ist neue Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft In "öffentlicher Verantwortung" positioniert Prof. Dr. Meike Sophia Baader, Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Hildesheim, ihr Fachgebiet. Gemäß diesem Verständnis von Allgemeiner Erziehungswissenschaft betont Baader die Auseinandersetzung mit Fragen von öffentlichem Interesse und den aktuellen Herausforderungen, vor denen das deutsche Bildungssystem steht.

Da verwundert es wenig, dass die Weiterentwicklung der Profilbildung des Bachelor- und Masterstudiengangs "Erziehungswissenschaft" eine zentrale Aufgabe ist, mit der sich Baader im Rahmen ihrer Tätigkeit am Institut für Allgemeine Pädagogik zukünftig befassen wird. Ihre Forschungsperspektiven sind entsprechend ausgerichtet. So sieht Baaders Schwerpunkt "Hochschulforschung", der u. a. die Evaluierung der gegenwärtigen Reformprozesse einschließt, eine wissenschaftliche Begleitforschung der neuen Bachelor-Studiengänge vor. Weitere Forschungsprojekte (wie z.B. eine Studie über Ratgeberliteratur) sind im Bereich Kindheitsforschung geplant, beispielsweise in den Feldern "Pädagogik der frühen Kindheit und des Vorschulbereichs" und "Kindheit, Jugend und Familie".

Da verwundert es wenig, dass die Weiterentwicklung der Profilbildung des Bachelor- und Masterstudiengangs "Erziehungswissenschaft" eine zentrale Aufgabe ist, mit der sich Baader im Rahmen ihrer Tätigkeit am Institut für Allgemeine Pädagogik zukünftig befassen wird. Ihre Forschungsperspektiven sind entsprechend ausgerichtet. So sieht Baaders Schwerpunkt "Hochschulforschung", der u. a. die Evaluierung der gegenwärtigen Reformprozesse einschließt, eine wissenschaftliche Begleitforschung der neuen Bachelor-Studiengänge vor. Weitere Forschungsprojekte (wie z.B. eine Studie über Ratgeberliteratur) sind im Bereich Kindheitsforschung geplant, beispielsweise in den Feldern "Pädagogik der frühen Kindheit und des Vorschulbereichs" und "Kindheit, Jugend und Familie".

Die Kindheitsforschung stellt für Baader kein neues Terrain dar. Nach dem Studium der Germanistik und Erziehungswissenschaft an der Universität Heidelberg (1978-1985) und dem abschließenden Magisterexamen war Baader zwar zunächst einige Jahre in der beruflichen Weiterbildung, beim Bundesinstitut für Berufsbildung und als Lehrbeauftragte an Hochschulen in Heidelberg, Bremen und Frankfurt tätig. Anschließend folgte jedoch 1994 die Promotion (summa cum laude) mit einer Arbeit zum Thema "Die romantische Idee des Kindes und der Kindheit" an der Universität Heidelberg. Daran schloss sich eine nahezu zweijährige Tätigkeit in einem empirisch ausgerichteten DFG-Projekts zur "Entwicklung moralischer Urteilsfähigkeit" am Heidelberger Erziehungswissenschaftlichen Seminar an. Von 1996 bis 2003 war Baader im Arbeitsbereich "Empirische Sozialisationsforschung" des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Potsdam beschäftigt. Zunächst unternahm sie dort Forschungen zur Reformpädagogin Ellen Key, widmete sich dann aber ihrer - teilweise von der DFG geförderten - Habilitation zum Thema "Transformation des Religiösen. Religiöse Dimensionen von Reformpädagogik 1870-1950". Hierbei stand der Anteil religiösen Denkens an reformpädagogischen Schulkonzepten wie der Odenwaldschule und dem Ansatz Maria Montessoris im Mittelpunkt von Baaders Interesse. Nach Abschluss des Habilitationsprojekts Ende 2002 und der Venia Legendi für Erziehungswissenschaft wurde Baader zur Privatdozentin an der Universität Potsdam ernannt. Es schlossen sich Lehraufträge an der ETH Zürich und der Universität Heidelberg an, wo Baader in den Jahren 2003/2004 eine Professur "Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik" vertrat. Inzwischen Oberassistentin an der Universität Potsdam, entschied sie sich schließlich für die Annahme des Rufs an die Universität Hildesheim.

Und das laut Baader aus gutem Grund: Neben der Tatsache, dass für die Universität Hildesheim die Erziehungswissenschaft ein "wichtiges und anerkanntes Standbein" bilde, reizte sie zudem der bekannte kulturwissenschaftliche Schwerpunkt der Hochschule, von dem auch das Institut für Pädagogik geprägt sei. Die Universität sei jung und die Wege der Kommunikation und Verwaltung kürzer, so Baader. Und nicht zuletzt der reizvolle Status der Stiftungsuniversität, "der eine eigenverantwortliche Profilbildung ermöglicht, der Reformierungs- und Modernisierungsprozesse von innen heraus gestalten kann und (...) Verfahren schneller durchführen kann als dies sonst häufig üblich ist", hat es ihr angetan.

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft
news-965 Tue, 15 Apr 2008 15:51:00 +0200 Studierende erforschen Migration https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/studierende-erforschen-migration/ Genderprojekt startet in Mexiko "Migration – Geschlecht – Arbeit" ist das Thema einer hochschulübergreifenden Studienreise, die acht Studierende der Universität Hildesheim für drei Wochen an die mexikanische Nordgrenze geführt hat. Im Zentrum des Interesses stand die Migration zwischen Mexiko und den USA sowie die Binnenmigration aus dem Süden Mexikos an die mexikanische Nordgrenze. Besonders interessierten sich die Teilnehmenden der Studienreise für die Auswirkungen von Migrationsprozessen auf Frauen und ihre Lebenssituation.

Dem Migrationsweg vieler Menschen Mexikos und Lateinamerikas gen Norden folgend verlief die Reise- und Forschungsroute der Gruppe über eine Gesamtstrecke von 1900 Kilometern von Mexiko Stadt ausgehend nach Guadalajara, Zacatecas an die Grenzstadt Ciudad Juarez. In allen Städten wurden renommierte Migrationsforschende interviewt, Kolloquien und Vorträge gehalten sowie in diesem Bereich aktive NGOs besucht. 

Migrationswege und Migrationsgründe, so lautet eines der Ergebnisse der Studienreise, sind geschlechtsspezifisch strukturiert. Die Aussicht auf Arbeit z.B. in der an der mexikanischen Nordgrenze angesiedelten Maquiladoraindustrie – und sei sie noch so schlecht bezahlt – lässt seit den 1980er Jahren die aktive Migration von Frauen ansteigen. Unter ihnen befinden sich auch viele allein erziehende Mütter (madres solteras). Weltweit wird von einer "Feminisierung der Migration" – dieser Eindruck erhärtete sich auch während der Reise in Mexiko. Denn die Zahlen der legalen sowie illegalen Grenzübertritte steigen seit Jahren an. Bei der Migration – sowohl innerhalb Mexikos als auch in die USA handelt es sich meistens nicht um eine einmalige Angelegenheit, sondern oftmals um Pendelbewegungen zwischen Landesregionen oder Ländern. Als hochinteressant stellten sich dabei die verschiedenen, durch die Migration bedingten Familienkonstellationen sowie die Praktiken zur Aufrechterhaltung von Beziehungen über weit entfernte Distanzen dar.

Eine der Fragen im Rahmen der Studienreise erfasste das durch die Migration bedingte Empowerment von Frauen. Aus den mit migrierten Maquilaarbeiterinnen geführten Interviews geht hervor, dass allein schon die Entlohnung zu einer Selbstständigkeit und größeren Unabhängigkeit vom (Ehe)Mann führt. Aber gleichzeitig bleiben die Kosten dieser Emanzipation auf den Schultern der Frauen hängen: die Doppelbelastung. Ob es durch die Migration und die ersehnte Anstellung zu einer Veränderung des Bildes und der Rolle der Frau innerhalb der mexikanischen Ge-sellschaft kommt, wird auch von den befragen Forscher_innen weitestgehend bezweifelt.

Die Studienreise ist als hochschulübergreifendes Projekt zwischen der Abteilung für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim und dem Institut für Soziologie der Universität Münster konzipiert. Insgesamt sind 14 Studierende beteiligt. Die Leitung haben die Maria-Goeppert-Mayer-Gastprofessorin Dr. Elisabeth Tuider (Universität Hildesheim) und Prof. Dr. Hanns Wienold (Universität Münster). Der DAAD fördert die Forschungsreise und schaffte damit die Voraussetzung für den Start des Projekts.


Veranstaltungshinweis: Die Antrittsvorlesung von Dr. Elisabeth Tuider zum Thema "Geschlecht, Ethnizität und Migration. Intersektionalitätsanalysen in den Sozialwissenschaften" ist am 7. Mai 2008, um 18 Uhr, Uni Hauptcampus Marienburger Platz 22, Raum I 010. Die Veranstaltung ist öffentlich. Eintritt ist frei.

 

 

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Pressemeldungen Allg. Erziehungswissenschaft
news-2203 Mon, 07 May 2007 14:41:00 +0200 Kompetenzzentrum "Frühe Kindheit Niedersachsen" gegründet https://www.uni-hildesheim.de/fb1/institute/institut-fuer-erziehungswissenschaft/allgemeine-erziehungswiss/aktuelles/detailansicht/artikel/kompetenzzentrum-fruehe-kindheit-niedersachsen-gegruendet/ Berufung von Prof. Dr. Peter Cloos/ öffentliche Gründungsfeier für September geplant Die Handlungsfelder der Pädagogik der frühen Kindheit erfahren gegenwärtig eine neue gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Durch die Ergebnisse von PISA und IGLU und durch das Forum Bildung wurden vielerlei Reformvorhaben auf Bundes- und Länderebene angestoßen. Die Stiftung Universität Hildesheim hat im Schwerpunkt Erziehungs- und Sozialwissenschaften langjährige Erfahrungen und stellt ihre Expertise niedersachsenweit mit der Gründung eines Kompetenzzentrums "Frühe Kindheit Niedersachsen" zur Verfügung. Das Zentrum wird zudem Plattform für weitergehende Forschungsvorhaben.

Durch die Ergebnisse von PISA und IGLU und durch das Forum Bildung wurden vielerlei Reformvorhaben auf Bundes- und Länderebene angestoßen. Insgesamt wird erneut die Bedeutung der frühkindlichen Bildung für die individuellen kindlichen Entwicklungsprozesse und die gesamtgesellschaftliche Entwicklung herausgestellt. In diesem Kontext stehen insbesondere die Kindertageseinrichtungen gegenwärtig unter einem großen Veränderungsdruck.

Dabei bedarf eine nachhaltig gelingende Reform der öffentlich verantworteten Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern einer Untersetzung durch empirische Erkenntnisse, wissenschaftlicher Beratung und zukunftsweisender Fort-, Weiterbildungs- und Studienangebote - auch in Verknüpfung mit Erwachsenen- bzw. Familienbildung. Angesichts dieser Entwicklungen wurde in diesem Jahr an der im Fachbereich Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Stiftung Universität Hildesheim ein »Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen« gegründet.

Den Kern des »Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen« bilden als Vorstand Prof. Dr. Peter Cloos (Pädagogik der frühen Kindheit; Sprecher), Prof. Dr. Meike Baader (Allgemeine Erziehungswissenschaft) und Prof. Dr. Wolfgang Schröer (Sozialpädagogik). Die institutsübergreifende Zusammensetzung des »Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen« bündelt Kompetenzen aus den unterschiedlichen erziehungswissenschaftlichen Teildisziplinen der Pädagogik der frühen Kindheit, der allgemeinen Pädagogik und Kindheitsforschung, der Sozialpädagogik und der Schulpädagogik. Diese Bündelung erscheint angesichts der vielfältigen Entwicklungen in den Handlungsfeldern der Pädagogik der frühen Kindheit unabdingbar.

Die Arbeit des Kompetenzzentrums wird durch vielfältige projektbezogene, interdisziplinäre Kooperationen an der Stiftung Universität Hildesheim begleitet. Hierbei kann das Kompetenzzentrum auf bestehende fachbereichsübergreifende Kooperationen und Kompetenzen zurückgreifen. An der Stiftung Universität Hildesheim liegen vielfältige Erfahrungen und Kompetenzen in der Arbeit mit Kindern vor. Enge Kooperationsbeziehungen werden zukünftig hier nicht nur mit der (Grund-)Schulpädagogik, sondern auch innerhalb der drei Fachbereiche (Erziehungs- und Sozialwissenschaften, Kulturwissenschaften und ästhetische Kommunikation, Informations- und Kommunikationswissenschaften)der Universität bezogen auf die Felder »Recht«, »Körper, Bewegung, Gesundheit«, »Sprache und Sprechen«, »Mathematisches Grundverständnis«, »ästhetische Bildung« und »Ethische und religiöse Fragen« zu etablieren sein.

Folgende forschungs-, weiterbildungs- sowie studienbezogene Aufgaben hat sich das Kompetenzzentrum zum Ziel gesetzt:

  • Empirisches Wissen zur Pädagogik der frühen Kindheit systematisch aufbauen und die Methoden der frühpädagogischen Forschung weiterentwickeln.
  • Zugänge unterschiedlicher Disziplinen (Erziehungswissenschaften, Psychologie, Recht, Sozial- und Kulturwissenschaften) ordnen und interdisziplinär bündeln.
  • Kompetenzen der Akteure stärken und weiterentwickeln sowie zu einer Professionalisierung der dort beschäftigten Fachkräfte beitragen. 
  • Regionale Partner im Feld der Pädagogik der frühen Kindheit vernetzen und joint-development Prozesse anstoßen.
  • Die Disziplin der »Pädagogik der frühen Kindheit« durch Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses stärken.

    Die anstehenden Herausforderungen können nur durch eine systematische Institutionalisierung der Forschung im Bereich der Frühen Kindheit und eine interdisziplinäre Bündelung sowie durch handlungsfeldübergreifende regionale Kooperationsformen bearbeitet werden. So wird das Kompetenzzentrum auch durch einen Beirat beraten werden, der sich aus unterschiedlichen Vertreterinnen und Vertretern der Praxis und Wissenschaft der Pädagogik der frühen Kindheit zusammensetzt. Der Beirat umfasst auch internationale Wissenschaftlerinnen und Forscher sowie Vertreter der Anstellungs- und Fortbildungsträger, der Fachschu-len und Fachverbände.


 

Stiftung Universität Hildesheim
Kompetenzzentrum
Frühe Kindheit
Niedersachsen

Prof. Dr. Peter Cloos(Sprecher)(siehe Foto)
Prof. Dr. Meike Baader
Prof. Dr. Wolfgang Schröer


Kontakt
Stiftung Universität Hildesheim
Fachbereich 1, Erziehungs- und Sozialwissenschaften
Marienburger Platz 22
31141 Hildesheim
Tel. 05121/883-425; -421 fax
cloosp(at)uni-hildesheim.de

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