Allgemeine Erziehungswissenschaft

Nachruf – Gedenken an Prof. em. Dr. Ernst Cloer

Ernst Cloer war Professor für Allgemeine Pädagogik und von 1989 bis 1991 Rektor der Universität Hildesheim. Foto: privat

Die Universität Hildesheim trauert um ihren Altrektor Prof. em. Dr. Ernst Cloer. Der Pädagoge war von 1977 bis 2004 Professor in Hildesheim und wirkte von 1989 bis 1991 als Rektor der Universität Hildesheim.

Prof. em. Dr. Ernst Cloer, geboren am 6. Juni 1939 in Neheim-Hüsten, ist am 21. März 2021 in Berlin verstorben.

Nach seinem Studium für das Lehramt an Volksschulen in Dortmund arbeitete Ernst Cloer von 1961 bis 1966 als Lehrer der Oberstufe an einer zweiklassigen Landschule in Nordrhein-Westfalen. Von 1966 bis 1972 folgte das Zweitstudium der Pädagogik, Theologie und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum, wo er 1972 bei Oskar Anweiler und Klaus Schaller in Pädagogik zum Dr. phil. promovierte. Nach seiner Zeit als wissenschaftlicher Assistent an der PH Ruhr, Abteilung Dortmund, war er von 1974 bis 1977 Professor für Pädagogik und Didaktik der Primarstufe an der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Rektor der Universität Hildesheim von 1989 bis 1991

1977 wurde Ernst Cloer ordentlicher Professor für Allgemeine Pädagogik an der Hochschule, später Universität Hildesheim. Von 1981 bis 1983 war er Dekan des damaligen Fachbereich I. Als Rektor wirkte er von 1989 bis 1991 in einer für die Universität kritischen Zeit und trug unter anderem maßgeblich dazu bei, dass falsche Voraussetzungen im Gutachten der sogenannten Mittelstraß-Kommission aufgeklärt wurden und damit drohende fatale Konsequenzen – letztlich die Schließung der Hochschule – abgewehrt werden konnten.

Von 2001 bis kurz vor seiner Emeritierung war er Leiter des damals von ihm mitbegründeten Centrums für Bildungs- und Unterrichtsforschung.

In seiner Lehr- und Forschungstätigkeit war er der Allgemeinen Pädagogik in ihrer ganzen Breite verpflichtet. Sie markiert entgegen der zunehmenden Spezialisierung und Differenzierung der Erziehungswissenschaft die übergreifende Perspektive seines vielseitigen Arbeitsspektrums. Auf Grundlage seiner praktischen Schulerfahrungen, aber auch eines unermüdlichen sozialen Engagements, bearbeitete er nicht nur grundlegende schulpädagogische Fragen – etwa die leidige Frage der Disziplin oder Probleme der Bildung von Lehrkräften –, er gehörte auch zu den wenigen, die sich schon frühzeitig aus pädagogischer Perspektive mit Familienerziehung befasst haben.

Auch historische Forschung, Jugendbuchforschung – aus einem anspruchsvollen Lehr-, Lernprojekt hervorgegangen – Kindheitsforschung, erziehungswissenschaftliche Biografieforschung und ästhetische Bildung, unter anderem in der gewerkschaftlichen Jugendarbeit, gehören zu seinen Arbeitsbereichen. Und selbstverständlich stellen vergleichende Untersuchungen für den Schüler von Oskar Anweiler ein wichtiges Feld dar. Pädagogik in der DDR, einschließlich ihrer oft vernachlässigten Theorie, hat er umfassend untersucht – nicht zuletzt im Rahmen eines DFG-Projekts. Die in diesem Rahmen veranstaltete vielbeachtete Tagung, bei der sich Forschende aus Ost und West zu einem freien Austausch zusammenfanden, kann vielleicht beispielhaft für seine von Offenheit und Multiperspektivität geprägte wissenschaftliche Grundhaltung stehen, für die Demokratie zum Alltag gehört.      

Als Emeritus verfolgte Ernst Cloer mit großem Interesse die Forschungsaktivitäten sowie die personellen und baulichen Entwicklungen der Universität Hildesheim.

Erstellt von Isa Lange

 

 

 

 

Erziehungswissenschaft studieren an der Uni Hildesheim

Das erziehungswissenschaftliche Studium ermöglicht es, individuelle und gesellschaftliche Bedingungen von Bildungs- und Erziehungsprozessen verstehen zu können, um somit pädagogische Kontexte auf verschiedenen Ebenen multiperspektivisch zu gestalten. Die Erziehungswissenschaft hat alle Lebensalter im Blick. Das Studium qualifiziert somit für jedes pädagogische Handlungsfeld, besonders jedoch für Tätigkeiten in außerschulischen pädagogischen Arbeitsbereichen.

Nach Abschluss des Studiums ist es sowohl möglich, in der direkten pädagogischen Arbeit mit Adressat*innen tätig zu sein als auch gestalterisch konzeptuelle Arbeit zu leisten und damit Verantwortung in Führungs- und Entwicklungspositionen zu übernehmen. Auch eine Tätigkeit im Bereich Forschung ist auf Grundlage der im Studium erworbenen Basiskenntnisse möglich. Denn die Gestaltung und Reflexion professionellen Handelns stehen genauso im Zentrum des Studiums wie die analytische und empirische Untersuchung von pädagogischen Prozessen. Das Studium eröffnet zudem die Möglichkeit, bereits währenddessen selbst praktische Erfahrungen zu sammeln und Forschung durchzuführen.

Das auf drei Jahre angelegte Bachelorstudium Erziehungswissenschaft ermöglicht die Aneignung einer breiten Basis erziehungswissenschaftlicher Kompetenzen. Durch die Wahl eines Begleitfaches (z.B. Betriebswirtschaft, Kunst, Politik oder Sport etc.) und des Praktikums können Studierende sich zusätzlich spezialisieren, z.B. für eine Tätigkeit in der Politischen Bildung, der Kulturellen Bildung, der Gesundheitsbildung oder der Personalentwicklung in Unternehmen. Mit dem Bachelorabschluss ist eine Berufstätigkeit in der Kinder- und Jugendarbeit, der Erwachsenenbildung und vielen außerschulischen Bildungsbereichen möglich.

Der Master-Studiengang Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Pädagogik der Kindheit/Diversity Education ist auf zwei Jahre angelegt und bereitet auf (Leitungs-)Tätigkeiten in verschiedenen pädagogischen Feldern vor. Der Master vermittelt das theoretische und methodische Instrumentarium zur Analyse komplexer erziehungswissenschaftlicher Fragestellungen und zur Gestaltung pädagogischer Prozesse sowie ihrer organisatorischen und institutionellen Rahmenbedingungen. Die systematische Verknüpfung der Schwerpunkte Pädagogik der Kindheit und Diversity Education ermöglicht darüber hinaus eine pädagogische Profilbildung entlang dieser zukunftsweisenden Themen. Das Studium greift zudem aktuelle erziehungswissenschaftliche Diskussionen auf und bereitet auf die Vielfalt pädagogischer Handlungsfelder vor.

In allen Studiengängen erhalten Studierende Einblick in aktuelle Forschungsprojekte des Instituts für Erziehungswissenschaft. Die hier angesiedelten Einrichtungen „Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen“, „Zentrum für Bildungsintegration“ und „Zentrum für Geschlechterforschung“ verbinden Grundlagen- und Praxisforschung und ermöglichen die Arbeit mit interdisziplinären Perspektiven.