Projekte

Editionsprojekt (Michael Gehler/Nadine Steinmetz)

Edgeworth Murray Leslie:
Kriegserfahrungen 1939-1945 und Einsatz für die Einheit Tirols 1945/46

Karl der Große, Napoleon, Bismarck, Mussolini, Hitler, Stalin - sind Namen, die aufgrund ihres Agierens und Bekanntheitsgrades in Geschichtsbücher Eingang gefunden haben, Namen, die jedem bekannt und zuzuordnen sind. Doch wer waren die Menschen, die im Verborgenen gewirkt haben, Menschen, deren Namen in keinem gedruckten Werk Platz fanden, weil sie gänzlich oder weitgehend unbekannt geblieben sind?

Edgeworth Murray Leslie ist einer jener Namen, der bisher kaum eine Nennung fand, obwohl er  Beachtung verdient. Wer war Leslie? Als Sohn eines Arztes und einer strenggläubigen Mutter 1907 in England geboren, studierte er nach dem Verlassen des Cheltenham College Rechtswissenschaften in London, doch es hielt ihn nicht lange in England, hatte er doch von der beeindruckenden Schönheit Tirols gelesen. Im Jahr 1932 verließ er sein Heimatland und begab sich zunächst nach Innsbruck. Von dort aus reiste er viel und war in der Tat überwältigt von der Pracht des Landes im Gebirge. Zwei Jahre nach seiner Ankunft lernte er seine zukünftige Frau Nancy kennen. Sie heirateten kurz darauf in London und beschlossen auf ihrer Hochzeitsreise, die sie nach Österreich führte, sich dauerhaft in Tirol niederzulassen. Bis hier hin, ist diese Biografie unspektakulär, aber letzlich maßgeblich für alles, was nachher geschah.

Die Leslies liebten ihr Leben im zauberhaften Tirol, bauten sich 1937 eine Villa in Igls, südlich von Innsbruck im Mittelgebirge am Fuße des Patscherkofel. Lange lebten sie dort jedoch nicht, bis der „Anschluss“ Tirols an Hitler-Deutschland 1938 folgte und der bevorstehende Krieg sie ihres geliebten Tirols berauben sollte. Zwar verwarfen sie die Idee des Verkaufs ihres Anwesens nach der Annexion Österreichs durch die Nationalsozialisten, sahen sich aber 1939 dazu gezwungen, ihr Haus mit allem Hab und Gut zurückzulassen und sich auf den Weg in ihr Heimatland zu machen. Bis dorthin kamen sie jedoch nicht. Es begann ein Odyssee, welche sie zunächst in die Schweiz führte. Ohne finanzielle Mittel waren sie in einem kleinen Örtchen namens Schuls Tarasp gestrandet, für beinahe einen ganzen Monat. In dieser Zeit wurde Leslie klar, dass er während zukünftiger kriegerischer Handlungen nicht untätig sein wollte, jedoch war er auch nicht dazu bereit, blind Befehlen zu folgen und möglicherweise Menschen töten zu müssen. In ihm wuchs die Idee, einen Bündnisvertrag zu entwickeln, welcher es unmöglich machen würde, dass jemals wieder ein Krieg geführt werden könnte. Zunächst war dies, wie er selbst schrieb, nur ein flüchtiger Gedanke, dem es an Konkretisierung fehlte, doch dies sollte sich ändern als er auf einen jungen Briten traf, der ähnliche Vorstellungen hatte - und seine Unterstützung fand. Gemeinsam arbeiten sie an einem Plan, wie ein solcher Vertrag auszuarbeiten und populär zu machen wäre, insbesondere um hierdurch möglicherweise den nahenden Krieg noch verhindern zu können. Ihre Idee war durchdacht und sorgfältig ausgearbeitet. Mit ihr tasteten sie sich in viele Richtungen vor, kamen jedoch letztendlich zu dem Schluss, dass Benito Mussolini möglicherweise für die Verwirklichung am besten geeignet sei. Auch wenn zunächst alles erfolgsvorsprechend schien, sollten sie damit letztlich scheitern.

Nach diesen hochtrabenden Ambitionen boten sich Leslie während der Kriegsjahre weitere Gelegenheiten, im Hintergrund zu wirken. Er arbeitete als Journalist, Publizist, Redner und „Schreiberling“ für den britischen Presseattaché in Bern, als Nachrichtenoffizier für den Leiter des Office of War Information (OWI) und später als Agent für das Office of Strategic Services (OSS) unter Allen Welsh Dulles. Nach Kriegsende sollte er für den britischen Geheimdienst MI6 und zuletzt als Konsul in Zürich und Wien tätig sein. Bis zum Ende seines Lebens lebte Leslie gemeinsam mit Nancy in der zuvor erwähnten Villa in Igls, in welcher die beiden nach bei Kriegsende zurückkehren konnten.

Unmittelbar nach Ende des Krieges arbeitete Leslie Seite an Seite mit Tirols Landeshauptmann und Österreichs Außenminister Karl Gruber, um sein wichtigstes Ziel, Südtirol wieder mit Österreichs zu vereinigen, zu erreichen, was ihm letztlich trotz intensiver Bemühungen nicht gelingen sollte. Auf dem Weg zum Gruber-De Gasperi-Abkommen, dem Pariser Vertrag vom 5. September 1946, sollte Leslie eine Schlüsselrolle für wertvolle Einblicke und Erkenntnisse der weiteren Entwicklungen gewinnen. Alles, was er während und nach dem Krieg erlebte, in den Jahren 1945/46 für die Einheit Tirols tat und was er anschließend als britischer Konsul in Zürich und Wien erlebte, wird anhand seiner privaten Aufzeichnungen detailreich rekonstruiert, d.h. in deutscher Rückübersetzung und der englischen Originalfassung für eine Edition aufbereitet, die im Rahmen der Schriftenreihe des Südtiroler Landesarchivs erscheinen soll

Gedenkbuch für die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft als Juden verfolgten Hildesheimerinnen und Hildesheimer

Zusammen mit dem Stadtarchiv Hildesheim wird am Institut für Geschichte ein „Gedenkbuch für die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft als Juden verfolgten Hildesheimerinnen und Hildesheimer“ erarbeitet.

Leiter dieses Forschungsvorhabens ist Dr. Hartmut Häger. Projektbeteiligte auf Seiten des Instituts für Geschichte ist Dr. Andrea Germer.

Das Gedenkbuch soll die Kurzbiografien

- von allen als Juden verfolgten Hildesheimerinnen und Hildesheimer enthalten,

- wenn sie zwischen dem 30. Januar 1933 und dem 8. Mai 1945 in Hildesheim wohnten,

- unabhängig davon, ob sie innerhalb oder außerhalb der jüdischen Gemeinschaft gelebt haben oder als nicht-jüdische Familienangehörige waren.

 

1933 lebten der Statistik zufolge 515 Jüdinnen und Juden in Hildesheim. Sie wurden über die Religionsangabe ermittelt. Als Juden verfolgt wurden auch Dissidenten, Konvertiten sowie nicht-jüdische Familienangehörige. Der Verfolgungsdruck veranlasste oder zwang darüber hinaus Jüdinnen und Juden zu ihren Angehörigen nach Hildesheim zurückzukehren oder in Hildesheim Sammelunterkünfte („Judenhäuser“) zu beziehen. Demzufolge ist ein Umfang von etwa 650 Biografien zu erwarten.

Ein Gedenkbuch für die in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft als Juden verfolgten Hildesheimerinnen und Hildesheimer ist ein seit fünfzig Jahren unerfülltes Desiderat. Der frühere Hildesheimer Rechtsanwalt Dr. Hugo Goldberg schickte dem Hildesheimer Stadtarchivar Dr. Helmut von Jan aus seinem Zufluchtsort Washington D. C. am 29. November 1971 eine 37-seitige Liste mit rund 120 Namen und Angaben zur Person zu, die er 24 Jahre nach seiner Flucht aus dem Gedächtnis erstellt und mit Recherchehinweisen versehen hatte. Siebzehn Jahre später veröffentlichte von Jan die Liste fast unverändert. Goldbergs Wunsch, sie zu einer „Geschichte der jüdischen Gemeinde Hildesheim“ zu erweitern, wartet noch auf seine Erfüllung. Viele andere Kommunen haben indessen längst die Biografien ihrer jüdischen Bürgerinnen und Bürger erforscht und publiziert. In Hildesheim gibt es bislang nur die Liste im Buch Hartmut Häger, Zum Wohl der Menschen und zur Ehre Gottes. Die Amtsträger der jüdischen Gemeinde in Hildesheim (1933–1942), Hildesheim, 2019, S. 294–355.

Ziel ist, das Gedenkbuch 2022 – achtzig Jahre nach den beiden umfangreichsten Deportationen – abzuschließen. Geplant ist derzeit, es gedruckt zu veröffentlichen. Es ist aber auch daran gedacht, die Biografien im Internetportal http://vernetztes-erinnern-hildesheim.de zugänglich zu machen.

Vom Tauwetter zum Volksaufstand in Ungarn: Verlauf – Ursachen – Folgen

Michael Gehler / Ibolya Murber

Vom Tauwetter zum Volksaufstand in Ungarn: Verlauf – Ursachen – Folgen.
Dokumente der Ballhausplatz-Diplomatie 1949-1956. Eine Quellenedition

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Über Geschichte berichten: Die Europagespräche im Radio

Im Seminar „Über Geschichte berichten – Die Europagespräche im Radio“ erproben Studentinnen und Studenten das Berichten über Geschichte. Entstanden ist eine Radiosendung, die am Mittwoch, 13. Dezember 2017 bei Radio Tonkuhle ausgestrahlt wird. Die Zusammenarbeit mit dem lokalen Radiosender soll fortgesetzt werden.

Studentinnen und Studenten des Fachs Geschichte haben am Beispiel des Vortrags „US-Präsident Donald Trump, die USA und Europa  – ein Jahr nach der Wahl“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Europagespräche“ das Berichten über Geschichte erprobt. In Zusammenarbeit mit Radio Tonkuhle haben sie einen Radiobeitrag produziert. Die Studierenden führten ein Interview mit dem Historiker Professor Hans-Jürgen Schröder, dessen Forschungsschwerpunkt im Bereich der US-amerikanischen und deutschen Außen- und Außenwirtschaftspolitik im 20. Jahrhundert liegt. Im Interview geht der Professor auf die Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten der USA ein. Die Wahl markiere einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der USA, der Weltpolitik und in den amerikanisch-europäischen Beziehungen.

Das Institut für Geschichte der Universität Hildesheim arbeitet mit dem Lokalsender Radio Tonkuhle zusammen. „Ziel des Pilotprojekts ist es, dass die Studentinnen und Studenten komplexe historische Zusammenhänge auf das Wesentliche zusammenfassen und sich Gedanken darüber machen, wie diese einem Radiozuhörer vermittelt werden können“, sagt die Dozentin Sanne Ziethen. Im Seminar zum Thema Medienkompetenz erfahren die Studierenden in Theorie und Praxis, wie Journalismus funktioniert, wie ein Radiobeitrag mit Einspielern produziert wird und mit welchen Mitteln und Maßnahmen Hörfunkbeiträge entstehen. Ziel des Seminars ist auch, die Veranstaltungsreihe „Europagespräche“ in Hildesheim weiter bekannt zu machen. Sämtliche Vorträge sind öffentlich und kostenfrei. Die Zusammenarbeit mit Radio Tonkuhle soll fortgesetzt werden, so Sanne Ziethen.

Eine Kurzzusammenfassung des Vortrags und des Interviews mit dem Historiker Professor Dr. Hans-Jürgen Schröder (Universität Gießen) ist in Kürze online auf der <link fb1/institute/geschichte/jean-monnet-europagespraeche/europa-gespraeche/wintersemester-201718/#c65295 _blank>Webseite des Instituts für Geschichte abrufbar</link>. In der Sendereihe „Campusradio“ sendet Radio Tonkuhle ein ausführliches Interview am Mittwoch, 13. Dezember 2017, zwischen 16:00 und 17:00 Uhr.

 

Link zum Podcast

Link zum Facebook-Beitrag

Was wusste die militärische Aufklärung der DDR über die elektronische Aufklärung (ELOKA) der Bundeswehr?

Projektleitung

Prof. Dr. Michael Gehler (Institut für Geschichte)

Projektbearbeitung von Jörg Beining

Den Entwurf zum Projekt finden Sie hier.