50 Jahre Römische Verträge 1957-2007
50 Jahre Römische Verträge 1957-2007
From Common Market to European Union Building.
50th anniversary of the Rome Treaties 1957-2007
International Conference 2007
Vom Gemeinsamen Markt zur Europäischen Unionsbildung.
50 Jahre Römische Verträge 1957-2007
Internationale Konferenz 2007
(Termin: 23.-26. Mai 2007, Stiftung Universität Hildesheim)
Vorbemerkung und Überlegungen
Im Jahre 2007 jährt sich am 25. März zum fünfzigsten Mal die Unterzeichnung der Römischen Verträge. Rund um diese Tage wird anlässlich dieses Datums der Weichen stellenden integrationspolitischen Entscheidung von Rom in Form von zahlreichen Feierlichkeiten und Festakten erinnert werden.
Die Entstehungsgeschichte der Römischen Verträge zur Schaffung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM) ist relativ gut erforscht. Die Verbindungsgruppe der Historiker bei der EG-Kommission und andere Forscher haben hierzu bereits Grundlagenforschung geleistet. Die Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte dieses für die Europäischen Gemeinschaften grundlegenden Vertragswerks ist hingegen weit weniger aufgearbeitet und systematisch erfasst worden.
Das Vorhaben und seine Umsetzung
Im Rahmen einer Tagung an der Stiftung Universität Hildesheim zur Geschichte der europäischen Integration soll auf synchronen wie diachronen Ebenen den Fragen nachgegangen werden, welche Einschätzungen, Konsequenzen und Interpretationen diese Römischen Verträge erfahren haben. Dies soll im Wege von drei Schritten geschehen.
1. Die Entstehung der Römischen Verträge
In einem ersten Schritt sollen zunächst noch einmal die Voraussetzungen, d.h. die Hintergründe und Motive zur Entstehung des spezifischen Kontextes der Unterzeichnung des EWG- und EURATOM-Vertrags beleuchtet und dargelegt werden. Dazu gehören der Kalte Krieg, die Ost-West-Konfrontation in Europa, die OEEC und ihre Vorleistungen im Bereich der Liberalisierung des Handels- und Zahlungsverkehrs in Westeuropa, die Verhandlungen zur sektoralen Integration der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), die bereits schon vor dem Scheitern der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) vorhandenen Konzepte für horizontale Integrationsformen, die Ablehnung einer europäischen Armee durch die französische Nationalversammlung und nicht zuletzt die Vorgänge in Fernost mit der gescheiterten Rekolonisierung 1954 sowie die Ungarn- und die Suezkrise von 1956.
2. Unmittelbare und mittelfristige Wirkungen
In einem zweiten Schritt dreht es sich um die konkreten Folgen und Wirkungen der integrationspolitischen Umsetzung der Römischen Verträge, die mannigfaltiger Natur waren. Einmal geht es in diesem Bereich um die integrationspolitische Substanz der Römischen Verträge, aber auch um die Entscheidungskonstellationen und widersprechende Integrationskonzeptionen aus verschiedenen Länderperspektiven von Gründungsstaaten wie der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich, aber auch um Verweigerung und Selbstausschließung von Nicht-EWG-Staaten wie beispielsweise Großbritannien.
Mit dem Inkrafttreten des „Gemeinsamen Marktes“ 1958 war auch das unmittelbare Ende der Verhandlungen über eine Große Freihandelszone im Rahmen des „Maudling-Komitees“ verbunden und mittelfristig die Bildung der EFTA auch ein Produkt der Gründung der EWG. Relativ erfolglos betrieben einige EFTA-Staaten eine EWG-Assoziationspolitik, vor allem die Neutralen in den Jahren 1961-1963 und im (gescheiterten) „Alleingang“ sogar Österreich in den Jahren 1963-1967. Der gemeinsame Agrarmarkt war eines der großen Projekte der europäischen Integrationspolitik, das in seiner Entstehung und Weiterentwicklung analysiert werden soll. Die Frage der Rolle der Bundesrepublik Deutschland in der Gemeinsamen Agrarpolitik der EWG zwischen Europäisierung und Globalisierung stellte sich bereits in den 1960er Jahren. Die Krise des „leeren Stuhls“ durch Charles de Gaulle in den Jahren 1965/66 hatte mit dem so genannten „Luxemburger Kompromiss“ weit reichende Folgen mit Blick auf die Verzögerung der Einführung von Mehrheitsentscheidungen. Von Bedeutung für die Entstehung von „gemeinschaftlichen Milieus“ waren EWG-Kommissionsbeamte, die zur Entwicklung einer europäischen Beamtenelite in den 1950er und 1960er Jahren ganz wesentlich beitrugen. Die Zollunion von 1968 war ein erster integrationspolitischer Fortschritt, der Weg zur Teil-Realisierung des „Binnenmarkts“ aber noch lang.
3. Historische Betrachtungen, rezeptionsgeschichtliche Analysen und politische Weiterentwicklung
In einem dritten Schritt wird die retrospektive Behandlung der Römischen Verträge und somit ihre nachträgliche Bewertung und Interpretation im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Zunächst werden wieder Länderperspektiven geboten: die Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Frankreich und Italien und ihre Beziehungen zu den Römischen Verträgen werden im historischen Rückblick behandelt und dabei Fragen nachgegangen, wie die Jubiläen von 1977, 1987 und 1997 erinnert wurden und welchen Stellenwert diese in der öffentlichen, politischen und publizistischen Debatte hatten. Daneben gilt es die Frage zu beantworten, welchen Stellenwert die Römischen Verträge in der konkreten (Integrations-)Politik hatten.
Darüber hinaus soll auch in Betrachtung gezogen werden, wie die beiden Supermächte, der „positive“ Förderer, die Vereinigten Staaten von Amerika, und der „negative“ Förderer, die Sowjetunion die Römischen Verträge sahen und mit ihnen umgingen. War deren Verhältnis zu den Römischen Verträgen automatisch und immer “positive” bzw. “negativ”? Erfuhren deren Wahrnehmungen und Einschätzungen auch einen Wandel?
Die Einheitliche Europäische Akte (EEA) führte dann zu einem integrationspolitischen Neuanlauf in den 1980er Jahren und zu einer Revitalisierung der Römischen Verträge, die schließlich den Vertrag von Maastricht denkbar werden ließen und den weiteren Prozess der Unionsbildung beispielsweise auf dem Sektor der Währungspolitik beförderten.
Zusammenfassung und Ausklang
Diese Tagung verfolgt also zusammengefasst folgende Zielsetzungen:
- historische Grundlagen und spezifische Hintergründe zu bestimmen;
- unmittelbare und mittelfristige Folgen zu erfassen;
- erinnerungskulturelle und rezeptionsspezifische Aspekte im Sinne der Rekonstruktion von Integrationsgedächtnissen zu beleuchten.
Jacques Santer wird im 50. Geburtsjahr der Römischen Verträge seinen 70. Geburtstag feiern. Er hat seine Bereitschaft erklärt, als Europäer und ehemaliger Kommissionspräsident anlässlich dieser Konferenz einen Vortrag zu halten, der den historischen Stellenwert der Römischen Verträge beleuchten und die Rolle der EU in der Zukunft berühren wird, womit auch ein anregender aktualitätsbezogener Ausklang gegeben sein sollte.
Tagungsprogramm/Abstracts
Mittwoch, 23. Mai 2007
19:00 Uhr:
„Die Römischen Verträge aus einer Zeitzeugenperspektive – Herausforderungen für morgen“
im Rathaus der Stadt Hildesheim
(Botschafter und Ständiger Vertreter Österreichs bei der EU a. D. Manfred Scheich)
Donnerstag, 24. Mai 2007
I. Die Entstehung der Römischen Verträge
08:30 Uhr:
Europa - nur ein gemeinsamer Markt? Die Öffentlichkeitsarbeit für den europäischen Integrationsprozeß am Beispiel der Europafilme zwischen Marshallplan und Römischen Verträgen 1947-1957
(Gabriele Clemens, Universität Hamburg)
Abstract
08:50 Uhr:
Die EGKS-Verhandlungen als Medium transatlantischer Netzwirkbildung und Grundlage für die Römischen Verträge
(Brigitte Leucht/University of Portsmouth)
Abstract
09:10 Uhr:
Die Römischen Verträge und der Kalte Krieg
(Gustav Schmidt, Universität Bochum)
Abstract
09:30 Uhr: Diskussion
10:30 Uhr:
Die Bundesrepublik, Konrad Adenauer, Walter Hallstein und die Entstehung der Römischen Verträge
(Jürgen Elvert, Universität zu Köln)
Abstract
10:50 Uhr
Die Römischen Verträge und die innerdeutsche Grenze als kein Hemmnis für den innerdeutschen Handel
(Andreas Pudlat, Hildesheim)
Abstract
11:10 Uhr : Anschließend Diskussion
12:00 Uhr : Führung im Kreuzgang und Michaeliskirche
II. Unmittelbare und mittelfristige Wirkungen
14:00 Uhr
Not present at the creation: Großbritannien und die Römischen Verträge
(Wolfram Kaiser, University of Portsmouth)
Abstract
14:20 Uhr
Die integrationspolitische Substanz der Römischen Verträge
(Hanns-Jürgen Küsters, Bundesarchiv St. Augustin)
Abstract
14:40 Uhr
Das Scheitern der Großen Freihandelszone und die Gründung der EFTA
(Michael Gehler, Stiftung Universität Hildesheim)
Abstract
15:20 Uhr
Die EWG-Assoziationspolitik der Neutralen 1961-1963 und der „Alleingang“ Österreichs 1963-1967
(Thomas Ratka, Universität Wien)
Abstract
15:40 Uhr
Die BENELUX-Staaten und die EWG-Integration unter besonderer Berücksichtigung Luxemburgs 1958-1968
(Yves Carl, Luxemburg)
Abstract
Diskussion
16:00 Uhr
Der gemeinsame Agrarmarkt
(Markus F. Hofreither, Universität für Bodenkultur Wien)
Abstract
16:20 Uhr
Diskussion
17:00 Uhr (abgesagt!!!)
Die Krise des „leeren Stuhls“ 1965/66 und ihre Folgen
(Philip Bajon, Hilden)
Abstract
17:20 Uhr
Entstehung einer europäischen Verwaltungselite? Hohe Beamte in der EWG Kommission, 1958-1967
(Katja Seidel, University of Portsmouth)
Abstract
17:40 Uhr
Die Zollunion 1968 und der Weg zur Teil-Realisierung des „Binnenmarkts“ 1968-1993
(Gerold Ambrosius, Universität Siegen)
Abstract
18:00 Uhr
Diskussion
Freitag, 25. Mai 2007
III. Die Römischen Verträge in der historischen Betrachtung und politischen Weiterentwicklung: Rezeptionsgeschichtliche Analysen
08:30 Uhr
Die Bundesrepublik Deutschland und die Römischen Verträge im historischen Rückblick
(Wolf D. Gruner, Universität Rostock)
Abstract
08:50 Uhr:
Frankreich, Jean Monnet, Charles de Gaulle und die Entstehung der Römischen Verträge
(Gérard Bossuat, Université Cergy Pontoise, Paris)
Abstract
09:10 Uhr
Italien und die Römischen Verträge im historischen Rückblick
(Federico Scarano, Università di Cagliari)
Abstract
09:30 Uhr
Die nordischen Staaten und die Römischen Verträge
(Johnny Laursen, Aarhus University)
Abstract
10:40 Uhr: Diskussion
11:00 Uhr: Stadtführung
15:00 Uhr
Die USA und die Römischen Verträge im historischen Rückblick
(Klaus Larres, University of Ulster)
15:20 Uhr
Die UdSSR und die Römischen Verträge im historischen Rückblick
(Wolfgang Mueller, Österreichische Akademie der Wissenschaften/Wien)
Abstract
15:40 Uhr
"Asian Perceptions of the Europe-Building in World Politics"
(Hungdah Su, Academia Sinica, Taipeh)
Abstract
16:00 Uhr
Frankreich und die Römischen Verträge
(Laurent Walouzet, Richie, Paris)
Abstract
17:00 Uhr
Schlußkommentar: The Treaty of Rome in Narratives of European Integration
(Mark Gilbert, University of Trento)
Abstract
und abschließende Diskussion
19:00 Uhr
Empfang im Rathaus der Stadt Hildesheim, Eintragung in das Goldene Buch (Santer)
Samstag, 26. Mai 2007
Öffentlicher Vortrag:
1957-2007: 50 Jahre Römische Verträge und die Zukunft der Europäischen Union. Rückblick aus Perspektive der Vertragswerke von Maastricht und Amsterdam und Reflexionen aus der Sicht des 21. Jahrhunderts
(Jacques Santer)
weitere Beiträge:
Die Europäische Union im 21. Jh. – ein Staatenkartell auf dem Weg zum Bundesstaat?
Holm A. Leonhardt
Ergebnissicherung
Die Vorträge sowie einige weitere Beiträge sollen in der ersten Jahreshälfte 2008 publiziert werden.
Institut
Universität Hildesheim
Institut für Geschichte
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(direkt neben dem Hauptcampus)
Institutsleiter:
Prof. Dr. phil. habil. Michael Gehler
stellvertretende geschäftsführende Leiterin des Instituts:
Prof. Dr. phil. Franziska Rein