„Ihr habt mir sehr geholfen auf meinem Weg“ – Zehn Jahre Sprachlernprojekt

Mittwoch, 12. November 2025 um 08:58 Uhr

Das Sprachlernprojekt der Universität Hildesheim wird zehn Jahre alt. Insgesamt 1.000 Studierende brachten bisher 1.200 geflüchteten Schüler*innen die deutsche Sprache bei. „Wir konnten nicht nur viele Menschen beim Spracherwerb unterstützen, sondern auch unsere Studierenden profitieren sehr von unserem Projekt“, betonen Anette Lützel und Alena Swiderek, Koordinatorinnen des Sprachlernprojekts.

Das Projekt startete im Jahr 2015 – als viele Geflüchtete nach Deutschland kamen. Das Konzept hat sich bewährt: Jedes Semester startet eine neue Gruppe Studierender mit einem wöchentlichen Seminar, die meisten Studierenden sind Lehramtsstudierende. Im Seminar werden die fachlichen Grundlagen, wie Umgang mit Heterogenität und Deutsch als Zweitsprache, vermittelt, Die Studierenden lernen hier wie man gute Unterrichtsstunden plant und durchführt. Im praktischen Teil des Projekts werden – immer unter der Anleitung der Projektmitarbeiter*innen Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund unterrichtet.

Unter den Schüler*innen ist auch Reza Yazdanpour: „Ich war neu in Deutschland und wenn man in ein anderes Land geht und die Sprache nicht gut beherrscht, ist es gut, wenn man sich wohlfühlt und einfach reden kann.“ Über den Unterricht sagt er: „Da haben mich alle unterstützt und mir geholfen, egal was ich für ein Anliegen hatte.“ Er redet sehr positiv vom Projekt, betont: „Ihr habt mir sehr geholfen auf meinem Weg.“ Der Unterricht findet im Anschluss an die regulären Unterrichtsstunden der teilnehmenden Schulen statt. Dazu gehören die Walter-Gropius-Berufsschule und die Grundschule Nord, sowie die Oskar-Schindler-Gesamtschule. Der Sprachförderbedarf ist hoch – viele geflüchtete Schüler*innen besuchen die Hildesheimer Schulen.

Insgesamt geben die Studierenden der Universität Hildesheim etwa 1.200 Unterrichtsstunden pro Jahr. Julia Maulhardt, Lehramtsstudentin, sagt über ihre Erfahrungen im Projekt: „Ich würde sagen, dass ich zum einen persönlich daran gewachsen bin. Aber ich habe auch gelernt, wie ich meinen eigenen Unterricht gestalten möchte und, dass ich vor allem sprachsensibel arbeiten möchte. Ich möchte einen Raum schaffen, in dem man ganz viel und vor allem gemeinsam über und mit Sprache lernen kann.“ Die praktischen Erfahrungen, die die Studierenden im Unterricht sammeln, qualifizieren sie für die Vermittlung von Deutsch als Zweitsprache. Die Teilnahme am Sprachlernprojekt können sich die Studierenden in verschiedenen Studiengängen anrechnen lassen. Gefördert wird das Projekt durch das MWK Niedersachsen, die Stadt und den Landkreis Hildesheim. Auch die evangelische Landeskirche und die Hildesheimer Rotary-Clubs unterstützen die Arbeit. Insgesamt hatte das Projekt über die Jahre mehr als neun verschiedene Drittmittelgeber.

Sowohl Studierende als auch Teilnehmer*innen betonen: Im Sprachlernprojekt wird gemeinsam und voneinander gelernt. Jetzt wurden zehn Jahre Sprachlernprojekt gebührend gefeiert. Auch in der Zukunft werden Hildesheimer Studierende Schüler*innen mit Fluchterfahrung beim Deutschlernen unterstützen - und ihre Kenntnisse nach dem Studium im Berufsalltag als Lehrer*innen einbringen.

Einen Einblick ins Sprachlernprojekt gibt es mit Klick auf das Bild.

*Zitat in der Überschrift von Reza Yazdanpour


Auf die nächsten zehn Jahre! Foto: Felix Krumme

Annette Lützel erzählt Geschichten aus zehn Jahren Sprachlernprojekt. Foto: Felix Krumme

Alena Swiderek gibt einen Ausblick in die Zukunft. Foto: Felix Krumme