Universitätsprofessor für Systematische Theologie: René Dausner

Dienstag, 04. Dezember 2018  / Alter: 12 Tage

Neu an der Uni: René Dausner forscht und lehrt als Universitätsprofessor für Katholische Theologie und Religionspädagogik mit dem Schwerpunkt Systematische Theologie an der Universität Hildesheim. Zu den Forschungsschwerpunkten des 42-Jährigen zählen der jüdisch-christliche Dialog, die Phänomenologie sowie Theologie und Literatur.

Professor René Dausner forscht und lehrt am Institut für Katholische Theologie in Hildesheim. Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich überreichte die Ernennungsurkunde. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Prof. Dr. René Dausner forscht und lehrt seit Herbst 2018 als Professor für Systematische Theologie am Institut für Katholische Theologie der Universität Hildesheim.

Forschung zu jüdisch-christlichem Dialog, Migration und Fremdheit

Zu den Forschungsschwerpunkten des Professors zählt der jüdisch-christliche Dialog. Gerade erst ist der Hildesheimer Theologe aus Rom zurückgekehrt, wo er an der Päpstlichen Universität Gregoriana einen Vortrag über die Zukunftsperspektiven der Erklärung „Nostra aetate“ hielt. Gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern hat Dausner im Rahmen der Brenninkmeijer-Werhahn-Lecture in Rom zu einem intensiveren Austausch zwischen jüdischen und christlichen Gelehrten aufgerufen, um das gegenseitige Vertrauen zu vertiefen und gemeinsame und unterschiedliche Traditionen des jeweiligen Glaubens zu studieren. Anlässlich der Konferenz führte Radio Vatikan ein Interview mit René Dausner (online nachhören). 

Durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) vor etwas mehr als fünfzig Jahren erhielt der jüdisch-christliche Dialog entscheidende Impulse. „Nostra aetate" gilt als einer der weltweit am intensivsten rezipierten Texte des Konzils. „Es war ein hartes Ringen für die Konzilsväter, mit der Erklärung „Nostra aetate“ (dt. In unserer Zeit) die Grundlagen für ein neues Verhältnis zum Judentum zu bauen – nach Jahrhunderten der Abgrenzung und Ausgrenzung. Die Kirche – und allen voran Papst Johannes XXIII. sowie alle Nachfolgepäpste bis heute – hat die Konsequenzen aus der Schoa gezogen und ein positives Verhältnis zum Judentum aufgebaut. Zusammen mit dem Einsatz für Religionsfreiheit ist dieser Wendepunkt in der Theologiegeschichte ein wichtiger Schritt zu einer Erneuerung der Kirche. Aber dieser Weg ist noch keineswegs abgeschlossen. Hier bleibt noch eine Menge zu tun“, erläutert René Dausner.

Ein weiteres Forschungsfeld des Wissenschaftlers ist der aktuelle Diskurs über Migration, den Dausner als ein Grundlagenphänomen des Humanen versteht. „Als Systematischer Theologe ist für mich das Phänomen der Fremdheit von außerordentlicher Bedeutung. Was ist Fremdheit überhaupt? Bei der Gottesfrage haben wir es ebenfalls mit Phänomenen der Fremdheit zu tun. Die Nähe Gottes bedeutet doch immer auch bleibende Distanz und Abstand. In diesem Gedanken liegt die Wurzel für jede Art prophetischen Protests gegen ausgrenzende und identitäre Politik.“

„Rationale Verantwortung des Glaubens“

Das Fachgebiet des Theologen René Dausner ist die Systematische Theologie mit ihren beiden Einzeldisziplinen Dogmatik und Fundamentaltheologie. „Für Außenstehende klingt Dogmatik schnell nach strikten Vorschriften und Fundamentaltheologie wird nicht selten mit Fundamentalismus verwechselt. Aber nichts wäre falscher als diese Vermutungen. Denn in der Fundamentaltheologie geht es um eine rationale Verantwortung des Glaubens, das heißt um grundlegende Fragen des Glaubens an den einen Gott, der christlicher Überzeugung zufolge trinitarisch geoffenbart hat. Allein die Frage, wie der Gott, von dem die Bibel Zeugnis gibt, sich überhaupt offenbaren, also uns Menschen mitteilen kann, ist eine höchst spannende und zentrale Fragestellung. Diese Frage nach der Offenbarung verbindet das Christentum mit dem Judentum und dem Islam“, erläutert Dausner.

Theologie als Beruf ist für Dausner eine der „spannendsten und schönsten Aufgaben, die ich mir denken kann“. Dass er nun die Gelegenheit habe, an der Universität Hildesheim dem Ruf zu folgen, um als Theologieprofessor arbeiten zu dürfen, erfülle ihn mit Dank und Respekt vor der Verantwortung, die dieser Beruf abverlangt. Für das Selbstverständnis des Menschen sei die Gottesfrage auch im 21. Jahrhundert keineswegs obsolet – das zeige der intellektuelle Wettstreit der monotheistischen Religionen.

Hildesheim als Forschungsstandort: Wertschätzung der Theologie als wissenschaftlicher Disziplin

Warum er sich für Hildesheim entschieden hat, begründet der Professor so: „Die Universität Hildesheim ist eine junge und dynamische Universität mit großem Zukunftspotential, insbesondere auch für die Theologie. Die Verlagerung des Instituts für Katholische Theologie von der Leibniz Universität Hannover an die Universität Hildesheim ist nun mit der Besetzung meiner Professur abgeschlossen. Diese Wertschätzung der Theologie als einer wissenschaftlichen Disziplin ist ein großes Verdienst des Präsidenten sowie der gesamten Universitätsleitung, eine Wertschätzung, für die ich sehr dankbar bin.“ Hildesheim sei „eine Stadt der Ökumene“, was für seine theologische Arbeit bedeutsam sei.

„Mit dem kulturellen Schwerpunkt an der Universität Hildesheim, insbesondere im Bereich der Literatur, wird für mich ein weiteres zentrales Interessengebiet aufgerufen. Denn neben Katholischer Theologie habe ich auch – und ebenfalls mit großer Begeisterung – Germanistik studiert“, so Dausner.

Nach dem Studium der Katholischen Theologie, Germanistik und dem erziehungswissenschaftlichen Begleitstudium in Bonn und Jerusalem promovierte René Dausner an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn mit einer Arbeit zum Thema „Schreiben wie ein Toter. Poetologisch-theologische Analysen zum deutschsprachigen Werk des jüdisch-israelischen Dichters Elazar Benyoëtz“. In seiner Dissertation untersuchte der Theologe das Werk des zeitgenössischen deutschsprachigen israelischen Dichters.

Anschließend unterrichtete Dausner vier Jahre als Gymnasiallehrer in Baden-Württemberg. 2015 folgte die Habilitation in Fundamentaltheologie mit der Arbeit „Christologie in messianischer Perspektive. Zur Bedeutung Jesu im Diskurs mit Emmanuel Levinas und Giorgio Agamben“. Von 2011 bis zu seiner Berufung 2018 war er Assistent am Lehrstuhl für Fundamentaltheologie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Ein wichtiger Moment in der eigenen wissenschaftlichen Laufbahn war das theologische Studienjahr an der Dormition Abbey in Jerusalem in Israel. Seit 2016 ist er Mitglied im Gesprächskreis „Juden und Christen“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken.

Der Professor lehrt in Hildesheim Systematische Theologie, dazu zählen unter anderem die Gottesfrage, die Frage der Offenbarung, die theologische Anthropologie sowie die Lehre von der Kirche und den Sakramenten. „Das kognitive Wissen allein genügt nicht, die Studentinnen und Studenten, die die tragenden Säulen unserer kommenden Gesellschaft sein und selbst prägen werden, müssen mit diesen Inhalten auch umgehen können. Daher sind soziale, dialogische, methodische und mediale Kompetenzen ebenfalls zu fördern.“

Aus seiner Zeit als Lehrer an einem Gymnasium weiß er, „wie vielseitig der Beruf des Religionslehrers und der Religionslehrerin ist“ und dass es darauf ankommt, „Rede und Antwort stehen zu können für den Glauben und für die Glaubenserfahrungen. Theologie sei ein „konstruktiv-kritischer Sprachunterricht“. Die Studierenden sollen im Studium befähigt werden, eine Sprache zu sprechen, die zeitgemäß die Erfahrungen des Glaubens zu vermitteln und diskursiv ins Gespräch mit Anders- oder Nichtgläubigen zu bringen vermag.

Von: Pressestelle, Isa Lange [erstveröffentlicht 26.11.2018]

Professor René Dausner forscht und lehrt am Institut für Katholische Theologie in Hildesheim. Präsident Wolfgang-Uwe Friedrich überreichte die Ernennungsurkunde. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim