Gender und Bildung: Sexualität(en) im Diskurs

Thursday, 28. April 2016 um 14:00 Uhr

Eine Veranstaltungsreihe des interdisziplinären Graduiertenkollegs Gender und Bildung

Wo? Hauptcampus Uni Hildesheim, im Gebäude H – Raum 010 (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim)

Referent: Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß

Thema: Geschlechter- und sexuelle Verhältnisse der Menschen im Kapitalismus: Zum Werden 'des Mannes'

Info: Der Vortrag dauert ca. 45 Minuten. Im Anschluss an die Veranstaltung gibt es eine Diskussion.

Information zum Vortrag: ‚Der Mann‘, wie er auch heute – noch immer, bei allen Veränderungen – verhandelt wird, stellt lediglich ein geronnenes Ideal dar. Gefüllt mit vielfältigen Vorstellungen, ist dieses Konzept der bürgerlichen Gesellschaft stets labil gewesen und wurde nur einigermaßen fest in ein Herrschaftssystem aus Rassismus, Geschlecht und Klasse eingewoben. Gleichwohl scheint es zunehmend an seiner Grundanlage zu scheitern: Die vielfältigen Lebensweisen, die individuellen Unterschiede in Merkmalen, in ‚Stärken‘ und ‚Schwächen‘ scheinen sich immer schwieriger in das klare Muster ‚Mann‘ fügen zu wollen. Heute ist von Flexibilisierung und Individualisierung der Lebensweisen die Rede, es wird von der Pluralform, von ‚den Männlichkeiten‘ statt ‚der Männlichkeit‘, gesprochen. ‚Der Mann‘, erst durch Kategorisierung und Kanonisierung bestimmter Merkmale (beim Weglassen anderer) und durch Disziplinierung und Zurichtung hergestellt, scheint zu verschwinden. Die Veränderung passt gut zu den sich wandelnden Anforderungen des im globalen Norden stärker dienstleistungsorientierten Kapitalismus. Heinz-Jürgen Voß zeichnet in seinem Vortrag die Klassifizierung und Kategorisierung der Menschen nach, die mit der europäischen Moderne verbunden sind. Er geht dabei insbesondere auf die Genese ‚des Mannes‘ ein und diskutiert die Möglichkeit seines Verschwindens.

Biographische Notizen: Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß: Studium der Diplom-Biologie in Dresden und Leipzig. Promotion 2010 zur gesellschaftlichen Herstellung biologischen Geschlechts. Seit Mai 2014 Professur für Sexualwissenschaft und sexuelle Bildung an der Hochschule Merseburg, gefördert im Rahmen der BMBF-Förderlinie Sexuelle Gewalt in pädagogischen Einrichtungen. Forschungsschwerpunkte: Sexualwissenschaft (sexuelle Bildung, sexuelle Gewalt), biologisch-medizinische Geschlechtertheorien, Geschichte und Ethik der Medizin und Biologie, Queer-feministische und kapitalismuskritische Theorien. Wichtige Publikationen: Making Sex Revisited (2010), Geschlecht: Wider die Natürlichkeit (2011), Biologie & Homosexualität (2013) und Queer und (Anti-)Kapitalismus (mit Salih Alexander Wolter, 2013). Kontakt: voss_heinz@yahoo.de / www.heinzjuergenvoss.de

Info: An dieser Stelle sei auch auf den nächsten Vortrag "Grenzüberschreitende Normalitäten - Ein sozialpsychologischer Blick auf sexualisierte Gewalt und Missbrauch in katholischen Internaten. Forschung in gesellschaftlichen Tabubereichen" dieser Veranstaltungsreihe von Prof. Dr. Heiner Keupp hingewiesen, der am 12. Mai 2016 stattfindet. 

Flyer zur Veranstaltungsreihe "Sexualität(en) im Diskurs"