Die Universität Hildesheim trauert um Prof. em. Dr. Dr. Werner Brändle

Wednesday, 09. March 2022 um 19:10 Uhr

Prof. Dr. Dr. Werner Brändle, geboren 1941, verstarb am 5. März 2022 im Alter von 80 Jahren. Von 1989 bis 2007 war Werner Brändle Professor für Evangelische Theologie an der Universität Hildesheim. Er vertrat das Fach Systematische Theologie und Religionspädagogik im Fachbereich 1 und war von 1998 bis 2000 Vizepräsident der Universität.

Werner Brändle im Jahr 2015 mit seiner Frau Rosemarie in seiner Wahlheimat am Bodensee. Foto: Birgit Oelker

Werner Brändles Forschung und Lehre war immer geprägt von einer kritischen Sichtung und Reflexion religiöser Wirklichkeit. Stets war er auf der Suche nach einer sach- und zeitgemäßen theologischen Hermeneutik. Er strebte nach Antworten auf die Fragen: „Wie vermittelt man das im christlichen Glauben implizierte Orientierungswissen und dessen kognitiv und praktisch wirksame Grundunterscheidungen für das gemeinsame und individuelle religiöse Leben? Wie bleiben wir bei aller notwendigen Anpassung an den Zeitgeist dem hermeneutischen Prinzip reformatorischer Theologie – sola scriptura, solus Christus, sola fide – treu? Mit welchem Ethos und in wessen Geist handeln wir in den Alltagsgeschäften unseres Lebens?“ Sein Engagement galt immer der Frage, wie sachgemäß von Gottes Handeln geredet werden kann, und dem Zusammenhang von Theologie und Philosophie.

Für Professor Brändle war es selbstverständlich, über seine wissenschaftlichen Aufgaben hinaus auf dem Gebiet der theologischen Weiterbildung in der Hannoverschen Landeskirche tätig zu sein. In zahlreichen Vorträgen hat er auf Kreissynoden und in Akademien seine theologischen Kenntnisse über Theodizee, Trinität und den Heiligen Geist an ein interessiertes Fachpublikum vermittelt. Die allgemeine Öffentlichkeit hat er bei aller wissenschaftlichen Expertise nie aus den Augen verloren. Seine Mitarbeit am Konzept für die Expo-Beteiligung der Evangelischen Landeskirche war ihm eine Herzensangelegenheit.

Seine Gesellschaftsorientierung führte der gebürtige Schwabe wesentlich auf seine Kindheit zurück, die er mit seinen drei Geschwistern auf einem Bauernhof in Esslingen am Neckar verbracht hat. „Es war nicht selbstverständlich, dass der Sohn eines Bauers täglich zum Gymnasium in die Stadt fuhr und deswegen auch noch bei der Arbeit auf dem Hof fehlte", erinnerte er sich einmal. Seinen Eltern, die ihm den Weg in die Wissenschaft ermöglicht hatten, brachte er stets große Anerkennung entgegen.

Nach seiner theologischen Qualifikation für den Beruf des Pfarrers und einigen Jahren als Pfarrer in Württemberg begann Brändle 1971 das Zweitstudium der Literaturwissenschaften und Philosophie in Tübingen. Mit seiner Arbeit „Variationen über das Elend des bürgerlichen Subjekts. Die dramatischen Stücke Martin Walsers" promovierte er 1975 erfolgreich zum Doktor der Philosophie.

Die Theologie vernachlässigte er dennoch nicht. Auch in diesem Bereich verfasste er eine Dissertationsschrift und promovierte 1980 an der Universität Münster zum Doktor der Theologie. Sein Thema war „Rettung des Hoffnungslosen. Die theologischen Implikationen der Philosophie Theodor W. Adornos". Seine Habilitation 1986 in Münster galt dem Sujet der Theodizeeproblematik mit dem Titel: „Heilvolle Nähe Gottes. Versuch einer theologischen Theodizee".

Von 1986 bis 1989 war Brändle Dozent am Religionspädagogischen Institut in Loccum und seither Pfarrer der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Am 1.9.1989 erfolgte die Ernennung zum C4-Professor für Systematische Theologie und Religionspädagogik an der Universität Hildesheim. Seitdem engagierte sich Werner Brändle in der Selbstverwaltung der Universität, war jahrelang Institutsleiter, Mitglied des Fachbereichsrates 1 und zahlreicher Kommissionen. 1997 und 1998 bekleidete er das Amt des Dekans des Fachbereichs I. Mit der Funktion des Vizepräsidenten (1998-2000) begann Brändle, sich für den Aufbau des Margot-Möller-Promotionskollegs an der Universität Hildesheim einzusetzen, das er von 2003 bis zu seinem Ruhestand geleitet hat. Seit 2007 lebte er mit seiner Frau auf der Insel Reichenau.

Für die Universität Hildesheim war die langjährige Freundschaft von Professor Brändle zu Martin Walser besonders nachhaltig. Im Mai 1996 erhielt der Schriftsteller auf Empfehlung des Fachbereichs Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis durch die Vermittlung von Werner Brändle die Ehrenpromotion. Die Festreden und auch eine Ringvorlesung zu Ehren des 70. Geburtstags Walsers 1997 wurden in den Hildesheimer Universitätsreden veröffentlicht.

Wir trauern um einen lieben und geschätzten Kollegen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie. Wir werden ihn und sein Wirken dankbar in Erinnerung halten.

Für das Präsidium Präsidentin Prof. Dr. May-Britt Kallenrode

Für den Fachbereich 1 Dekan Prof. Dr. Christina Bermeitinger

Für das Institut für Evangelische Theologie Prof. Dr. Martin Schreiner