Wie der Privathaushalt als Arbeitsplatz gestaltet wird

Wednesday, 20. February 2013 um 14:32 Uhr

Von der Hausarbeit über Kinderbetreuung bis zur Altenpflege: Wie der private Haushalt als Arbeitsplatz reguliert wird, untersuchen Forscher im Projekt „Regulierung des Arbeitsplatzes Privathaushalt“ an der Universität Hildesheim.

„Der Privathaushalt wird häufig als Sonderarbeitsplatz betrachtet, das ist die Krux. Die dortige Tätigkeit wird nicht – wie bei Juristen, Lehrern, Ärzten üblich – als gleichwertige Arbeit anerkannt“, sagt Johanna Krawietz. Das Arbeitszeitgesetz wird zum Beispiel für im Haushalt aufgenommene Beschäftigte nicht angewendet. Sie haben oft überlange Arbeits- und Bereitschaftszeiten. Dieser Sonderarbeitsmarkt spiegelt sich auch in der Kindertagespflege wieder: In diesem Sektor arbeitet ein hoher Anteil an Selbstständigen, die selbst dafür verantwortlich sind sich sozial abzusichern. Wie der Privathaushalt als Arbeitsplatz rechtlich in seiner Entwicklung gestaltet wurde und bis heute hin reguliert wird, damit befassen sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen am 21. und 22. Februar in einem Forschungsworkshop an der Universität Hildesheim.

Wie hat sich der Arbeitsplatz Privathaushalt seit Ende des 19. Jahrhundert bis heute entwickelt? Welche Tätigkeiten verbleiben in der Familie, welche werden in bezahlte und qualifizierte Erwerbsarbeit verlagert? Eine Forschergruppe um Prof. Dr. Kirsten Scheiwe und Prof. Dr. Wolfgang Schröer untersucht bis Ende 2013 die „Regulierung des Arbeitsplatzes Privathaushalt“. Die Thyssen-Stiftung fördert das zweijährige Forschungsprojekt am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim.

„Haushaltswirtschaftliche Tätigkeiten und familiale Dienstleistungen werden oft unterbezahlt oder abgewertet und rechtlich benachteiligt im Vergleich zu anderen Erwerbstätigkeiten – vom Gesinderecht des 19. Jahrhunderts bis zum heutigen Minijob oder dem Maxijob von im Haushalt lebenden Pflegekräften, die vielfach irregulär beschäftigt werden“, sagt Scheiwe. Die Hildesheimer Forschungsgruppe will nachzeichnen, wie sich die Entwicklung von unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern vollzogen hat, welche Akteure sie forciert oder behindert haben und wie sich Prozesse der Professionalisierung vollziehen, etwa im Bereich sozialer Dienstleistungen für Familien oder der Kindertagespflege.

Das Forschungsprojekt ist interdisziplinär angelegt. Johanna Krawietz, Soziologin, interessiert sich vor allem für die häusliche Pflege von Älteren. Sie hat zuvor im DFG-Graduiertenkolleg „Transnationale Soziale Unterstützung“ an der Universität Hildesheim untersucht, wie Migrantinnen aus Osteuropa in westeuropäischen Privathaushalten die Versorgung Pflegebedürftiger übernehmen.

Verena Schwach, Juristin, untersucht, wie die Beschäftigungsverhältnisse des Dienstpersonals um die Wende zum 20. Jahrhundert rechtlich ausgestaltet wurden. Und sie befasst sich mit dem aktuellen Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation ‚Menschenwürdige Arbeit für Hausangestellte', das in Deutschland in Kürze ratifiziert werden soll.

Programm des Forschungsworkshops „Die Regulierung des Arbeitsplatzes Privathaushalt – Rechtswissenschaftliche und sozialhistorische Perspektiven“