Von Beatbox bis Jazz: „Unsere Uni ist voll mit talentierten Musikern“

Thursday, 07. February 2013 um 09:27 Uhr

Sie greifen in die Repertoirekiste. Und überraschen. Neben Klassik und Jazz sind Beatboxer und rhythmische Improvisationen in der Konzertreihe „Bühne frei!" (14. Februar) zu erleben. Studierende der Universität Hildesheim organisieren die Konzerte und zeigen ihr Können. Isa Lange sprach mit Jule Küppers, Katja Maruschke, David Bühl und Edgar Wendt.

Die Palette der Konzertreihe reicht von dem eher klassisch ausgerichteten Kammerorchester der Uni über ein Saxophon-Duo bis hin zu Jazz-Gesang oder „Beatbox“-Improvisationen mit Percussion-Begleitung. Warum haben Sie sich für einen Mix der Genres entschieden?

Jule Küppers: Wir wollen dem Publikum ein so bunt gemischtes Programm wie nur möglich präsentieren. Unsere Uni ist voll mit talentierten Musikern, die alle ihre Nische gefunden haben. Das wollen wir nach außen tragen. Wir picken uns von all der Vielfalt etwas heraus und packen es in ein abwechslungsreiches Programm. Klassik geht sehr gut Hand in Hand mit Pop oder Jazz, das hat sich letzten Sonntag bei unserer ersten Matinée im Roemer- und Pelizaeus Museum gezeigt.

Was lernt man, wenn man ein Konzert von A bis Z organisiert?

David Bühl: Da ich noch nie zuvor ein Konzert – geschweige denn eine Konzertreihe – organisiert habe, wusste ich gar nicht was auf mich zukommt. Ich studiere an der Uni Hildesheim „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ mit Hauptfach Musik im ersten Semester. Bisher stand ich mit dem Cello immer selbst auf der Bühne und habe das Organisieren anderen überlassen. Jetzt erlebe ich das Ganze aus der anderen Perspektive. Man muss sich plötzlich um Dinge kümmern, um die man sich als Auftretender nie Gedanken macht. Ich bin positiv überrascht, dass es an der Uni so viele motivierte Musiker gibt, die ihr Können auf unserer Plattform präsentieren wollen. Zwecks Werbung habe ich uns eine Facebook Präsenz eingerichtet. Ziemlich nützlich, weil wir die Fotos der Veranstaltungen schnell mit allen Beteiligten und Interessierten teilen können.

Katja Maruschke: Als Zuhörer sieht man immer „nur" das Endprodukt. Dabei ist im Vorfeld viel zu beachten: Programmpunkte werden festgelegt und dann wieder umgeworfen, wir stimmen die Konzerte mit den Mitwirkenden und dem Aufführungsort ab, machen Werbung, moderieren, organisieren die Technik vor Ort und und und. Ich studiere Lehramt mit den Fächern Musik und Deutsch – für ähnliche Projekte in meinem späteren Beruf als Lehrerin ist es gut, so mehr Sicherheit hinsichtlich der Organisation zu bekommen.

Herr Wendt, Sie beatboxen am 14. Februar. Welche Klänge werden die Hörer erleben?

Edgar Wendt: Seit ich klein bin imitiere ich alle möglichen Geräusche die mich umgeben – Tiersounds und Naturgeräusche, ich bin in Somalia geboren. Auf vielen Reisen durch die Welt entdeckte ich Sprachen und Sounds, die die Menschen in ihrer Kommunikation verwenden. Die afrikanischen, orientalischen, indischen, asiatischen und brasilianischen Gesangstechniken analysiere ich, füge sie in dekadenlangen Übungen und Impro-Sessions zusammen.  

Und mittlerweile kommen immer mehr Geräusche hinzu...

Wendt: ...Posaune, Synthesizer, scratchen und Klänge, die der Alltag so hergibt. Wenn ich nicht gerade an einem neuen Geräusch tüftle, dann bin ich traurig. In den letzten Jahren war ich in der urbanen Club- und Kulturszene in Berlin und Dortmund aktiv, habe mit Dj`s und Bands aus den Bereichen des Reggae, Drum`n`Base, Hip Hop, Funk, Electro  und der experimentellen Musik und in Theaterproduktionen gearbeitet.

Erschrecken sich Hörer über das „Beatboxen"? Gab es schon mal Reaktionen wie „Das ist doch keine Musik!"?

Wendt: Mein eigentliches Instrument ist die Klarinette, für die Meisten ist diese Art von Musik schwerer verständlich als das „human-beatboxing“. Natürlich bekomme ich von älteren Menschen manchmal komische Blicke zugeworfen, mit diesen Situationen muss man als Künstler umgehen können. Wenn man nicht kritisiert wird, dann macht man nichts Neues!  Ich kann einschätzen, wie viel „crazyness" die Situation aushält. Immerhin kann ich mit meiner Musik einen Teil meines Lebens finanzieren. 

Im Studium an der Uni wird versucht, Theorie und Praxis zu verbinden. Wie helfen Ihnen die unmittelbaren Reaktionen von Zuhörern, um sich musikalisch und fachlich weiterzuentwickeln?

Jule Küppers: Nun, ich würde nicht unbedingt sagen, dass mich Reaktionen von Zuhörern dazu bewegen, mich musikalisch weiter zu entwickeln. Aber es ist doch sehr schön zu sehen, wie vor allem die Hildesheimer Bevölkerung auf junge Musiker reagiert. Das Feedback letzten Sonntag mit über 100 Gästen war sehr positiv und es freut uns zu sehen, auf wie viel Begeisterung wir gestoßen sind. Normalerweise spielt man bei Auftritten ja eher vor Seinesgleichen. An einem außergewöhnlichen Ort wie dem Museum mal vor einem ganz anderen Publikum zu spielen, ist eine tolle Erfahrung.

Katja Maruschke: Im Vorfeld macht man sich ja schon so seine Gedanken, wie das Geplante alles ankommt. Die Gespräche mit den Besuchern haben mir gezeigt, dass die Konzerte gut angenommen werden. Wir sind gespannt auf die weiteren!

Vielen Dank für das Gespräch!

Info: „Bühne frei“ am 14. Februar in Hildesheim

„Zum 10. Mal anders“ treten Studierende, Absolventen sowie Dozenten des Instituts für Musik und Musikwissenschaft am 3. Februar und 14. Februar (20 Uhr) im Roemer- und Pelizaeus- Museum Hildesheim in der Konzertreihe „Bühne frei!" auf. Beatboxer Edgar Wendt zeigt gemeinsam mit Eike Ernst (percussion) und Markus Korda (Akkordeon) am 14. Februar sein Können. Das Projekt wurde 2003 von Willfried Beck und Jan Hellwig ins Leben gerufen, um eine Plattform zur Präsentation studentischer künstlerischer Leistungen zu schaffen. Gleichzeitig bietet „Bühne frei!" Studierenden die Möglichkeit, Konzerte selbst zu konzipieren und durchzuführen. Der Eintritt ist frei.