Vom Kulturcampus in Hildesheim zum Filmfestival nach Cannes

Monday, 22. May 2017 um 09:23 Uhr

Studenten der Universität Hildesheim zeigen ihre Kurzfilme beim europäischen Filmfestival in Cannes. „Das ist eine ungewöhnliche Auszeichnung“, freut sich Stefanie Diekmann, Professorin für Medienkulturwissenschaft. Das Festival sei „der entscheidende Schauplatz, um die eigene Arbeit vorzustellen“.

Das bedeutendste europäische Filmfestival hat Kilian Armando Friedrich und Paul Berend von Boetticher eingeladen, ihre Kurzfilme zu zeigen. Vom 18. bis 27. Mai 2017 präsentieren die beiden Studenten ihre Werke in Cannes. Zahlreiche Filmschaffende hatten sich für die Sektion „Short Film Corner“ beworben. Mehr als 10.000 Filme werden gewöhnlich für diese Sektion eingereicht.

Beide Filmemacher studieren an der Universität Hildesheim mit dem Schwerpunkt Medien. „Das ist eine ungewöhnliche Auszeichnung. In der gegenwärtigen Filmlandschaft bleiben Festivals der entscheidende Schauplatz, um Filme zu präsentieren und die eigene Arbeit vorzustellen. Die A-Festivals spielen dabei eine besondere Rolle, weil dort für eine begrenzte Zeit maximal viel Aufmerksamkeit und Austauschmöglichkeiten an einem Ort konzentriert sind. Cannes ist ohne Zweifel das wichtigste unter den europäischen A-Festivals“, freut sich Stefanie Diekmann, Professorin für Medienkulturwissenschaft am Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur.

Für das Studium der Szenischen Künste zog Paul von Heidelberg nach Hildesheim

„Die Short Film Corner in Cannes ist bestimmt großartig um Filmschaffende aus der ganzen Welt kennenzulernen und sich mit ihnen zu vernetzen“, hofft Paul Berend von Boetticher. Sein Kurzfilm trägt den Namen „Passepartout“. Die Handlung: Nach dem Verlust eines gerahmten Gemäldes, versucht ein älterer Mann sich an die Vergangenheit zu erinnern. Die Bilder aus der Vergangenheit zeigen sein Kennenlernen mit einer jungen Malerin und den Ursprung des Rahmens. Ohne einen Dialog und mit Musik von Maurice Ravel und Leroy Carr befasst sich der Hildesheimer Student in seinem siebenminütigen Film mit den Themen Erinnerung und Verlust.

Der 24-Jährige ist für das Studium der Szenischen Künste von Heidelberg nach Hildesheim gezogen. „Die Seminare an der Uni fließen auf ganz unterschiedliche Weise in die Entstehung meiner Filme ein. Der besondere Aufbau des Studiums macht es möglich, dass ich mir gezielt die Seminare aussuchen kann, von denen ich erhoffe, dass ich für meine Arbeit etwas daraus ziehen kann. Highlights waren die Berlinale-Exkursion und eine Fashion Film-Übung. Den größten Einfluss haben die Seminare auf der Expo-Plaza in Hannover bei Professor Uwe Schrader.“

„Im Projektsemester an der Uni ist soviel entstanden, ein Semester an Filmen arbeiten. Mir hilft das freie Denken auf der Domäne“

In Cannes dabei ist auch Kilian Armando Friedrich, der 22-Jährige kommt aus Konstanz und studiert ebenfalls Szenische Künste an der Universität in Hildesheim. „Ein besonderer Moment ist im Studium das Projektsemester der Universität Hildesheim, dort ist soviel entstanden! Ein Semester lang nur praktisch an Filmen zu arbeiten, dass ist sehr intensiv und herausfordernd, auch was Gruppendynamiken angeht. Auf der Domäne begeistern mich die philosophischen Themen und der interdisziplinäre Ansatz. Um selbstständig eine Idee zu verfolgen hilft mir das freie Denken, was dort gelernt wird.“

Kilian Armando Friedrich fährt mit seinem Kurzfilm „Attacke aufs Treppenhaus“ nach Cannes. Die Handlung des Films: Der unter notorischem Zeitmangel leidende Frederik steht vor seiner Haustür und kommt nicht hinein. Leider steht er auch vor einem wichtigen Termin, weshalb er dringend in seine Wohnung gelangen muss. Zwei Türen und fünf Stockwerke stehen zwischen ihm und diesem Ziel. Also erstmal die Nachbarn um Hilfe bitten, und hoffen, der Wohnung dadurch etwas näherzukommen. Dies ist der Beginn einer Reise durch verschiedene Stockwerke, in welchen, geschützt durch Treppenhaustüren, ganz eigene Welten aufgebaut wurden.

„Wir sind ambitioniert an den Film herangegangen und wenn man die letzte Klappe schlägt, ist man irgendwo zwischen riesiger Freude und großer Erschöpfung. Ich habe gar nicht an den Weg gedacht, den der fertige Film nehmen könnte“, freut sich der 22-Jährige.

Medien-Abteilung kombiniert Handwerk des Filmemachens und wissenschaftliche Forschung

Bereits 2015 wurden schon einmal zwei Studentinnen der Abteilung Medien mit Filmen, die im Kontext der künstlerischen Lehre entstanden waren, zur „Short Film Corner" auf das internationale Filmfestival in Cannes eingeladen. Die Studentinnen Hanna Seidel und Gwen van der Linde sind inzwischen in die sehr renommierten Master-Studiengänge für Filmproduktion an der Filmakademie Ludwigsburg und für Regie an der Hamburg Media School aufgenommen worden und setzen dort ihre Ausbildung fort.

Eine Besonderheit der Abteilung Medien an der Hildesheimer Universität, wahrscheinlich sogar ein Alleinstellungsmerkmal, ist die Verknüpfung der praktischen Arbeit mit wissenschaftlicher Forschung und Reflexion, in den letzten Semestern zum Beispiel in Seminaren zum Thema „Autobiografischer Dokumentarfilm“ oder „Mediengeschichte des Interviews“, sagt Professorin Stefanie Diekmann.

Zugleich besteht mit dem professionell eingerichteten Studio in Hannover unter der Leitung von Uwe Schrader die Möglichkeit, das Handwerk des Filmemachens sehr gut kennen zu lernen, sich auszuprobieren und Ideen und Projekte in Kooperation mit anderen Studierenden zu entwickeln.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)


Paul Berend von Boetticher und Kilian Armando Friedrich, hier während des Drehs im Treppenhaus (links), studieren an der Universität Hildesheim mit dem Schwerpunkt Medien. Hier entstanden ihre Kurzfilme „Passepartout“ und „Attacke aufs Treppenhaus“. „Das ist eine ungewöhnliche Auszeichnung. Cannes ist ohne Zweifel das wichtigste unter den europäischen Festivals“, sagt Professorin Stefanie Diekmann. Fotos: Friedrich/Lilly Chill/Filmstill (2), Boetticher (1), Lange (1)