Tagung zu videobasierten Methoden der Bildungsforschung

Tuesday, 25. August 2009 um 00:00 Uhr

Dass Wissenschaftler Bildungsprozessen durch Videoaufzeichnungen auf die Spur kommen wollen, ist keine allzu neue Entwicklung. Dennoch haben sich durch die enormen Fortschritte in Elektronik, Computer- und Informationstechnik die Möglichkeiten zur Erhebung und Auswertung von Filmmaterial deutlich verbessert. Die Zahl der Videostudien ist daher in den letzten Jahren deutlich angestiegen.

Wie groß das Interesse an der Reflexion videogestützter Untersuchungen im Bildungsbereich ist, hat die Tagung "Videobasierte Methoden der Bildungsforschung" gezeigt, die am 19. und 20. Juni an der Universität Hildesheim veranstaltet wurde.

Das Büro für sozial-, bildungs- und kulturwissenschaftliche Forschungsmethoden, das Centrum für Bildungs- und Unterrichtsforschung, das Forum Fachdidaktische Forschung und das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen hatten eingeladen, über Potentiale und Probleme videogestützter Erforschung von Bildungsprozessen zu diskutieren.

Das Echo war groß: 210 Tagungsgäste aus ganz Deutschland, der Schweiz, österreich und sogar Luxemburg waren nach Hildesheim gereist, um dem zweitägigen, interdisziplinär angelegten Austausch beizuwohnen. Neben Wissenschaftlern aus den Sozial-, Erziehungs- und Kulturwissenschaften fanden sich auch Praktiker aus der Marktforschung unter den Teilnehmern.

Den Auftakt der Tagung bildeten vier Hauptvorträge renommierter Wissenschaftler aus dem Bereich der videobasierten Bildungsforschung, die in die Thematik einführten und damit den Ausgangspunkt für die weitere Tagung darstellten:

Dr. Christine Pauli von der Universität Zürich, Expertin auf dem Gebiet quantitativer und qualitativer Videoanalysen in der Bildungsforschung, gab zunächst einen umfassenden überblick über die aktuellen Entwicklungen dieses Forschungsbereichs.

Die anschließenden Vorträge gaben sodann einen Einblick in die wesentlichen Etappen eines videobasierten Forschungsprozesses: Dr. Bina Elisabeth Mohn (Berlin), Begründerin der kamera-ethnographischen Methode, und ihr Kollege Prof. Dr. Georg Breidenstein (Halle/Saale) nahmen in den Blick, wie Videoaufzeichnungen im Feld und ihre Auswertung aus kamera-ethnographischer Perspektive gehandhabt werden. Prof. Dr. Bernt Schnettler von der Universität Bayreuth stellte schließlich dar, auf welch unterschiedliche Weise videobasierte Untersuchungsergebnisse präsentiert und damit einer (wissenschaftlichen) öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

Im weiteren Verlauf wurde die Tagung in Form von parallel stattfindenden Diskussionsforen (Panels) organisiert, in denen die Referenten Einblick in ihre Forschung gaben und Vorgehen und Ergebnisse zur Diskussion stellten. Thematisch spiegelten die Panels Bildungsprozesse aus der Perspektive der gesamten Lebensspanne wider und zeigten damit, wie groß die Bandbreite der Anwendungsfelder videogestützter Bildungsforschung ist: So reichten die Schwerpunkte von der Pädagogik der Frühen Kindheit über die Kindheits- und Jugendforschung zur Unterrichtsforschung bis hin zur Erwachsenenpädagogik.

Besonderes Interesse zeigten die Tagungsgäste an einem weiteren Panel, das verschiedene Möglichkeiten auslotete, Videomaterial zur Untersuchung von Bildungsprozessen zu erheben und auszuwerten. Angeregt diskutiert wurden neben den unterschiedlichen Verfahren vor allem methodische Grundsatzfragen, mit denen sich die videobasierte Bildungsforschung auseinandersetzen müsse. So sei es beispielsweise notwendig, sich im gesamten Forschungsprozess zu vergegenwärtigen, wie das reichhaltige und umfangreiche Datenmaterial, das man durch Videoaufzeichnungen leicht produziere, eigentlich gebändigt werden könne, wie man dieses also angemessen auswerten könne, ohne sich in der Fülle der Informationen zu verlieren, gleichzeitig aber zu starke Reduktionen zu vermeiden.

Die Diskussionsbereitschaft der Teilnehmer blieb bis zum Ende der Tagung ungebrochen und zeugt von einer gelungenen Veranstaltung. Gerade die Interdisziplinarität und Perspektivenvielfalt wurde von den Tagungsgästen als bereichernd wahrgenommen und dürfte weitere Kommunikation zum Thema angestoßen haben.


Bild: Blick in den Tagungsraum

Blick in den Tagungsraum

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