Sprache im Alltag entwickeln

Monday, 20. August 2012 um 11:49 Uhr

Im Landkreis Hildesheim beschreiten Sprachförderkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Kita-Leitungen und Sozialpädagogen einen neuen Weg. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Hildesheim und dem Jugendamt des Landkreises wurde ein Konzept für die Sprachbildung und -förderung im Landkreis Hildesheim entwickelt. 600 Erzieher sollen bis 2015 fortgebildet werden.

Das Projekt „Kea – Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache“ läuft von 2011 bis 2015. Ziel ist es, Erzieher strukturiert und flächendeckend fort- und weiterzubilden, um die Sprachförderung und Sprachbildung im Alltag in Kindertageseinrichtungen zu stärken. Etwa 600 Erzieher sollen bis 2015 erreicht werden. Das Projekt wird durch das Land Niedersachsen zunächst mit rund 190.000 Euro gefördert.

Die 110 Krippen und Kindertageseinrichtungen im Landkreis Hildesheim können im Rahmen von themenbezogenen Studientagen ihre pädagogischen Fachkräfte als Team vor Ort und praxisnah weiterbilden. Die Themen reichen von Basiseinheiten zu Sprachbildung (Sprachkultur, -vorbild, Sprache als Querschnittsaufgabe), Sprachentwicklung und Sprachstörungen, bis zu vertiefenden Einheiten über die Zusammenarbeit mit Eltern sowie den Umgang mit Mehrsprachigkeit. Studierende der Pädagogischen Psychologie (Master) haben jüngst einen Studientag Sprachförderung in Hildesheim und Hannover in Berufsbildenden Schulen für Sozialassistenten durchgeführt.

„Die Fachkräfte können sich zudem intensiv im Heidelberger Interaktionstraining – ein wissenschaftlich erprobtes Konzept zur alltagsintegrierten Sprachförderung – ausbilden lassen. Bis Ende des Jahres werden 70 Erzieherinnen aus 45 Kitas dieses Angebot nutzen“, so Ann-Katrin Bockmann vom Institut für Psychologie der Universität Hildesheim. Sie begleitet die Umsetzung von „Kea“ wissenschaftlich.

Darüber hinaus werden seit Januar 2012 Fachkräfte als Multiplikatoren ausgebildet. „Sie sollen die Erzieherinnen bei ihrer Arbeit praxisnah mit ihrem zusätzlichen Fachwissen unterstützen, zum Beispiel durch regelmäßige Telefonsprechstunden oder mit Materialsammlungen“, sagt Christina Gerlach-Sufin, Fachberaterin vom Landkreis Hildesheim. Zu den Inhalten der Ausbildung zählen Gesprächsführung, Mehrsprachigkeit, Elternarbeit, Umgang mit Kindern mit besonderem Förderbedarf und Diagnostik.

Anlass für das neue flächendeckende Sprachförderkonzept ist eine im Mai 2011 in Kraft getretene Richtlinie zur Förderung des Erwerbs der deutschen Sprache im Elementarbereich des Landes Niedersachsen sowie eine ebenfalls vom Land Niedersachsen 2011 veröffentlichte Handlungsempfehlung zur Sprachbildung und Sprachförderung im Elementarbereich.

„Sprachbildung und Sprachförderung müssen stärker in den Alltag von Kindern integriert und Fachkräfte im herausfordernden Kita-Alltag dabei unterstützt werden, wie sie Situationen im Alltag nutzen können, die sich für das Erlernen von Sprache eignen“, sagt Ann-Katrin Bockmann. „Die Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas sind durch steigende Anforderungen der Politik und Praxis (Dokumentation, Elternarbeit, Schutzauftrag, Orientierungsplan) stark gefordert und stoßen zum Teil an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Neben Sprache sollen sie Vorläuferfertigkeiten für die Schule, die sozial emotionale Entwicklung, motorische Kompetenzen und Alltagsfertigkeiten individuell fördern und hierbei auch die Kinder mit besonderem Förderbedarf entsprechend unterstützen. Die frühe Begleitung von Kindern mit Migrationshintergrund und Mehrsprachigkeit sowie die Integration von verhaltensschwierigen Kindern wird als eine besondere Herausforderung empfunden.“


„Sprachbildung muss stärker in den Alltag von Kindern integriert werden“, fordert Dr. Ann-Katrin Bockmann vom Institut für Psychologie der Stiftung Universität Hildesheim.

„Sprachbildung muss stärker in den Alltag von Kindern integriert werden“, fordert Dr. Ann-Katrin Bockmann vom Institut für Psychologie der Stiftung Universität Hildesheim. „Sprachbildung muss stärker in den Alltag von Kindern integriert werden“, fordert Dr. Ann-Katrin Bockmann vom Institut für Psychologie der Stiftung Universität Hildesheim.